Großmeister Wolfgang Uhlmann 1935 – 2020 in Österreich
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Dieser Artikel von FM Dirk Wegener (Dresden) und Krennwurzn (Linz) ist bereits im österreichischen SCHACHAKTIV und im deutschen SCHACHMAGAZIN 64 gedruckt erschienen und darf nun zum ersten Todestag auch online einer weiteren Leserschaft zugänglich gemacht werden – einen herzlichen Dank an die Redaktionen!


Dass der Deutsche Schachgroßmeister und Schachtheoretiker Wolfgang Uhlmann nach 85 Lebensjahren in seiner Heimatstadt Dresden am 24. August 2020 verstorben ist, ging durch alle Medien, denn nicht nur die Schachwelt hat einen großen Weltbürger verloren. Wir möchten uns hier der österreichischen Seite von Wolfgang Uhlmann etwas widmen. Schon etwas in Vergessenheit geraten könnte sein, dass Wolfang Uhlmann von 1990 bis 2008 Mitglied des SK VÖEST Linz war und für diesen in der Staatsliga – später Bundesliga – häufig im Einsatz war. Aber wie kam ein Weltstar 1990 zu einem Verein, dessen Erfolge (6 Staatsmeistertitel) doch schon ein paar Jahre zurücklagen?

Der Präsident des Oberösterreichischen Schachlandesverband und langjähriges VÖEST Linz Urgestein FM Heinz Baumgartner (1932-2006) lernte GM Wolfgang Uhlmann in den frühen 50er Jahren bei einem Jugendturnier kennen und schätzen, dann aber verliefen die Leben aufgrund der Trennung Europas in getrennten Bahnen bis man sich im Wendejahr 1989 bei einem Turnier in Pilsen wieder traf. Die mitgereisten Frauen der beiden Spitzenspieler freundeten sich ebenfalls an, und so war es ein kleiner Schritt für GM Wolfgang Uhlmann zum SK VÖEST Linz der zu einer lebenslangen Freundschaft mit Österreich führte.

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GM Wolfgang Uhlmann 2002 (SK Vöest Linz)

Aber GM Wolfgang Uhlmann verbanden schon vorher positive Erinnerungen mit Österreich. Im Jahre 1969 gewann er in Raach am Hochgebirge das Zonenturnier überlegen mit zwei Punkten Vorsprung vor seinen Großmeisterkollegen Lajos Portisch, Borislav Ivkov und Ulf Andersson und vielen mehr. Mit dem Turniersieg qualifizierte er sich für das Interzonenturnier in Palma de Mallorca 1970. Dort belegte er einen hervorragenden 5. - 6. Platz und zog damit in die Kandidatenmatches ein. GM Wolfgang Uhlmann war in der absoluten Weltspitze angekommen und seine historische Elozahl (Chessmetrics) wurde auf 2700 geschätzt. Er spielte 1970 in der Weltauswahl gegen die UdSSR in Belgrad und verlor das Kandidatenmatch gegen GM Bent Larsen etwas unglücklich. 1972 entschlossen sich die DDR-Sportfunktionäre ausschließlich medaillenträchtige Sportarten zu unterstützen und so durfte Wolfgang Uhlmann fortan nur noch sporadisch im Ausland spielen. Leider fing er sich bei einem dieser wenigen Auslandseinsätzen 1976 bei einem Turnier in Manila eine folgenreiche Virusinfektion ein. Die daraus resultierende Beeinträchtigung im Beinbereich und eine Lähmung des linken Auges waren beim Schach nicht gerade hilfreich.

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Turniertabelle generiert mit ChessBase 16

In Raach am Hochgebirge – Grenzgebiet Bucklige Welt und Semmering südöstlich von Wien gelegen - bezwang er auch den einzigen Österreich im Feld IM Dr. Andreas Dückstein (*1927) in einem Damengambit nach einem taktischen Übersehen des Österreichs schnell.

Aber schon im Juli 1956 kreuzten die beiden bei einem doppelrundigen Schachländerkampf Österreich – DDR in Wien die Klingen. In der ersten Partie verlor Dr. Andreas Dückstein eine Holländische Partie nach langem Kampf in 87 Zügen. Wir wollen Ihnen hier die zweite Partie zeigen in der GM Wolfgang Uhlmann seine geliebte Französische Verteidigung spielte.

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Österreich – DDR 8 ½ - 11 ½
Quelle: Zeitschrift SCHACH Nr. 16/1956

Dueckstein,Andreas (2545) - Uhlmann,Wolfgang (2575) [C15]
AUT-DDR m Vienna (2.1), 22.07.1956
[Wegener, Krennwurzn]

Länderkampf Österreich - DDR 8,5:11,5 - historische Elozahlen (Chessmetrics) verwendet. Mit von der Partie war damals auch der spätere Vereinskollege beim SK Vöest Linz Dr. Felix Winiwarter

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.Ld3 ein seltener gespielter Zug ... vielleicht möchte Dückstein nach der Niederlage vom Vortag in einer 87-zügigen Partie den Dresdner Großmeister etwas überraschen. 4.e5 ist der am häufigsten gespielt Zug und diesen wendete der Österreicher GM Karl Robatsch im gleichen Jahr bei der Schacholympiade in Moskau gegen Uhlmann an.
4...dxe4 5.Lxe4 c5 diesen Zug spielt Uhlmann laut den Datenbanken mehr als 10x in seiner Karriere. Das heute aktuellere 5...Sf6 spielte er 1970 gegen Vlastimil Hort.
6.Sge2 Das heutzutage beliebtere Abspiel 6.a3 wurde schon in den 1920-er von Tartakower in die Meisterpraxis eingeführt 6...Lxc3+ 7.bxc3 diese Stellung hatte Uhlmann gegen den deutschstämmigen argentinischen Meister Herman Pilnik im selben Jahr in Marienbad auf dem Brett.
6...Sf6 7.Lf3 Sc6 8.Le3?! 8.a3= ist die bessere Wahl.
8...cxd4 nun muss Weiß erste Probleme lösen.
9.Sxd4N Diese Neuerung wurde damals kritisch gesehen, wird aber heute durchaus auch gespielt. Als besser galt damals und auch heute 9.Lxc6+ bxc6 10.Dxd4 Dxd4 11.Lxd4=
9...Lxc3+ 10.bxc3 Se5! Zu diesem Kraftzug hätte Schwarz in der zuvor erwähnten Variante nie kommen können.
11.Le2 Läuferrückzug Nummer 1!
11...0–0 12.0–0 Sd5 13.Ld2 Läuferrückzug Nummer 2, aber schließlich möchte Weiß als Gegenwert für die Verschlechterung seiner Bauernstellung wenigstens das Läuferpaar behalten.
13...Dc7 14.Tb1?! 14.Sb5! Dc5 15.Lc1 dieser 3. Läuferrückzug stellt wenigstens eine Drohung auf, die Schwarz aber leicht parieren kann 15...Sxc3 16.Sxc3 Dxc3? Für den geopferten Bauern hat Weiß mit dem Läuferpaar und der offenen Stellung etwas Spiel, aber keine ausreichende Kompensation.
14...b6?! Bereitet den Abschluss der Entwicklung mittels 15... Lb7 vor und vertraut darauf, den vorderen c-Bauern später noch einstreichen zu können.
Dennoch wäre das sofortige 14...Sxc3? 15.Lxc3 Dxc3 noch besser für Schwarz. Nach 16.Sb5 Dc5 17.Dd6 Dxd6 18.Sxd6 b6 19.Tfd1 Tb8 und Schwarz verbleibt mit einem Mehrbauern im Endspiel, auch wenn es bis zum Sieg noch ein weiter Weg ist.
15.Sb5! Dc6 16.Sd4?! Es ist verführerisch die Dame weiter zu belästigen, aber diese bekommt dafür Zugang zu einem guten Feld.
16.Te1! hält knapp das Gleichgewicht. 16...Sc4 17.Lc1 La6 18.a4 Lxb5 19.axb5 Dc5 20.Dd4 Dxd4 21.cxd4 Sc3 22.Tb4 Sxe2+ 23.Txe2 Tfc8? /= mit minimalen Endspielvorteil für Schwarz aufgrund der anfälligeren weißen Bauern und der halboffenen c-Line. Weiß sollte sich aber bei genauem Spiel halten können.
16...Dc5 17.Tb5 Dc7 18.Tb3 Lb7 19.Sb5

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19...Dc6 mit der starken Drohung Sxc3! würde nun gewinnen. Schwarz hat mit den aktiven Springern im Zentrum und der Dame-Läuferbatterie die Initiative.
20.Sd4 Dc5 21.De1 21.Ld3 war vorzuziehen. Es stellt den Läufer auf ein aktives Feld. Bei einem Tausch wäre der Doppel-c-Bauer aufgelöst. Aber auch hier behält Schwarz nach 21...Sg6! 22. … Tfe8, 23. … e5, 24. … e4 die Initiative.
21...Tac8 22.Sf3? Verständlich! Um die lästigen Springer aus dem Zentrum zu verdrängen, doch wird damit das Verteidigungsproblem um die weißen Bauernschwächen nicht gelöst.
Ebenso zu weißen Schwierigkeiten führt 22.f4 Sc6 23.Ld3, jedenfalls wäre es besser als die Partiefortsetzung gewesen (23.Tb5 Dd6 24.Ld3 Sxd4 25.cxd4 Sf6 bringt Weiß aufgrund der Doppeldrohung Dxd4 und La6 in Schwierigkeiten). Am zähesten wäre 22.Sb5 gewesen, aber von da kommt der Springer ja .... Weiß hätte mit 23.c4 gefolgt von 24. Lb4 (nach Wegzug des Sd5) eine aktive Idee.
22...Sxf3+! 23.Lxf3 La6 24.Le2 Lxe2 25.Dxe2 Dc4+– Uhlmann hat die Initiative gegen eine strukturell gewonnene Stellung getauscht. Weiß krankt an dem Doppelbauer auf der halboffenen c-Linie. Ein Bauernendspiel wäre für Schwarz leicht gewonnen: Die beiden schwarzen Damenflügelbauern neutralisieren die drei vereinzelten weißen Bauern a2, c2 und b3. Der schwarze König gelangt ins Zentrum und anschließend wird mit dem Vormarsch des e- und f-Bauern ein Freibauer geschaffen. Um den zu halten, erobert Schwarz mit dem König über das Feld c4 die weißen Damenflügelbauern.
26.Dd3 26.Dxc4 käme der Aufgabe gleich.
26...Da4 27.h3 Tfd8 Weniger gut, aber trotzdem mit schwarzem Vorteil wäre der Bauerngewinn 27...Dxa2, da Weiß beginnend mit 28.c4 dafür Gegenspiel bekommt. Schwarz stünde aber immer noch besser 28...Se7 29.Dc3 (29.Lb4 Tfd8 30.De4 Sf5; 29.Lg5 Tfe8 30.Dc3 Da6 31.Ta1 Db7?) 29...Da4 30.Ta1 Dd7 (30...Dxc4?! 31.Txa7 De2 32.De3 Dd1+ 33.Kh2 Sd5 34.Dd4 Txc2 35.Tg3 g6 36.Td3 Dh5 37.g4 Dh4 38.Tf3 und Weiß hat aufgrund der schwachen schwarzen Felder, den aktiven Schwerfiguren und dem verbleibenden schwarzfeldrigen Läufer gewisse Kompensation für 2 Bauern.) 31.Tba3 a5 32.Le3 Dc6 33.Dd4 Dxc4 34.Dxb6 Dxc2 35.Dxa5
28.Dg3 droht Lh6
28...Kh8! Aber nicht 28...Dxa2?? 29.Lh6+– und Weiß gewinnt 29...Kf8 (29...g6 30.De5+–) 30.Dxg7+ Ke8 31.Df8+ Kd7 32.Dxf7+
29.Df3 Dxa2!? Natürlich hätte Schwarz den f7 vorher mit 29...Td7 decken, und nach 30.a3 Kg8 mittels Tdc7 den c3 später gewinnen können. Weiß bliebe ohne Gegenspiel.
30.c4 Sofort 30.Dxf7? verbietet sich wegen 30...Dxc2–+ und der Doppelangriff auf Tb3 und Ld2 gewinnt Material.
30...Txc4?! das gibt Weiß überraschend Gegenchancen.
Hier wäre 30...Dxc2! viel kräftiger gewesen 31.cxd5 Dxd2 32.Dxf7 und einfach 32...Dxd5 33.Te3 Td7 34.Dxe6 Dxe6 35.Txe6 Tb7–+. Aufgrund des Mehrbauerns und der beiden verbundenen Freibauern verfügt Schwarz im Doppelturmendspiel über ausgezeichnete Siegchancen. 36.Ta1 Kg8 37.Ta6 b5 38.Te3 b4 39.Tb3 Tc1+ 40.Kh2 Kf7
31.Dxf7 Dxc2? ist nicht mehr so gut wie ein Zug zuvor.
Besser wäre 31...Txc2 32.Tf3 Tg8 33.Lg5. Weiß hat trotz 2–er Minusbauern plötzlich Gegenspiel. Schwarz muss sehr genau spielen. Nach 33...Tc3! 34.Txc3 Sxc3 35.Lf6 e5! 36.Dxa2 Sxa2 37.Lxe5 Tc8–+ behält Schwarz einen Mehrbauern im Endspiel und verfügt über gute Siegchancen.
32.Lg5? verliert die Partie!
32.Tf3! mit der Mattdrohung auf der Grundreihe sichert den Ausgleich. 32...Tg8 33.Tc1!! Da2 34.Txc4 Dxc4 35.Dxe6 Dd4 36.Lg5=
32...Tg8?! etwas zu vorsichtig.
Das coolere 32...Dxb3! 33.Lxd8 h6 34.Dxe6 Dd3–+ 35. - Sf4 bringt Weiß in Bedrängnis. Der Ld8 hat kein Feld und droht verloren zu gehen. 35.Te1 Sf4 36.Df7 Dd5 erzwingt Schwarz durch die Mattdrohung auf g2 Damentausch und verbleibt mit einem Mehrbauern und zwei verbundenen Freibauern mit ausgezeichneten Siegchancen.
33.Tg3?! Besser wäre 33.Ta3 a5 34.Dxe6 Tc5 35.Te1 Dg6 36.Dxg6 hxg6 und Schwarz steht aufgrund des Mehrbauerns besser, aber die Verwertung des Vorteils ist schwierig.
33...Df5 34.Dxa7

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34.Dxf5 exf5 35.Td3 (35.Tf3 Tf8 36.Td1 h6! –+) 35...Sc3! 36.Ta1 h6 37.Ld2 Sa4! –+ Auch hier sollten die beiden schwarzen Freibauern das Spiel entscheiden.
34...Sc3! Dieser Springer bringt das weiße Spiel nun vollends zu Fall. Es droht vor allem Turmgewinn durch Se2+
35.Te1 eine Drohung abgewehrt …
35...Se4! und schon wird die nächste aufgestellt!
36.Da2? Ein Fehler zum Abschluss.
Mit 36.Txe4 hätte Weiß die Partie noch in die Länge ziehen und die Zugzahl vom Vortag (87) vielleicht noch sprengen können. 36...Txe4 37.Dxb6 Te1+ 38.Kh2 Db1 39.Dxb1 Txb1–+. Aber dieses Endspiel sollte auf Dauer nicht mehr haltbar sein.
36...b5 0Weiß hat keine Drohungen mehr und er muss die Qualität geben. Da Schwarz noch über den b-Bauer verfügt, ist die Stellung glatt gewonnen. 

Bei diesem Wettkampf im Juli 1956 war auf österreichischer Seite auch ÖM Dr. Felix Winiwarter (1930 – 2018) im Einsatz und so ergibt sich eine weitere Klammer zum SK VÖEST Linz, denn dort wurden die Beiden dann jahrelang Mannschaftskameraden in Staats- und Bundesliga. Der Spitzer Winiwarter – ein Nachbar und Schulfreund des bekannten Wachauer Winzers Hirtzberger – brachte den Uhlmanns den guten österreichischen Wein näher. Gemeinsam mit anderen Schachfreunden aus Linz wurde die eine oder andere Genussreise durch Österreich gemacht. Sachsen und Österreicher verbindet nicht nur eine wechselreiche Geschichte, sondern auch ein genüsslicher Umgang mit dem Leben - „savoir-vivre“ wie es die Franzosen nennen.

Wir sind nun nach der Wende im Jahr 1992 gelandet und für die Krennwurzn war dies die erste persönliche Begegnung mit den Uhlmanns. Der SK VÖEST Linz richtete eine Heimrunde in der Staatsliga aus und Frau Uhlmann war – wie immer – lesend mit von der Partie. Ins Gespräch kamen wir leicht, denn wir hatten Ostern 1990 erstmals das wunderbare Dresden besucht und waren vom „Florenz an der Elbe“ tief beeindruckt. Aber kommen wir zurück zum Schach – hier kreuzten GM Wolfgang Uhlmann und GM Milan Vukic (*1942) in einem Königsinder die Klingen.

Uhlmann,Wolfgang (2495) - Vukic,Milan (2495) [E94]
AUT-chT Linz (8.1), 15.02.1992
[Wegener, Krennwurzn]

Das war das erste Mal, dass die Krennwurzn Wolfgang Uhlmann live am Brett in Linz in den Räumlichkeiten des SK VÖEST Linz in der Glimpfingerstraße im Rahmen einer Staatsligarunde - so hieß die Bundesliga damals in Österreich - live am Brett erlebte.

1.c4 Sf6 2.Sc3 g6 3.e4 d6 4.d4 Lg7 5.Le2 0–0 6.Lg5 Das Leningrader System war Wolfgangs Lieblingsaufbau gegen Königsindisch. Dirk Wegener selbst hat als Schwarzer gegen dieses System in einer Normalschachpartie beim Wichern Open 1993 und in einer Schnellschachpartie beim Porzellancup in Dresden 2007 gegen Uhlmann gespielt.
6...Sbd7 7.Dd2 c6 8.Sf3 e5 9.0–0 exd4 10.Sxd4 Sc5 11.Df4 diesen Zug spielte Uhlmann erstmals 1973 (laut unserer Datenbank)
den Fehler 11.f3? bestrafte GM Efim Geller erstmals im Jahre 1968 mit 11...Sfxe4!! und zwar ganze DREIMAL - davon zweimal bei der Schacholympiade in Luzern und beim Karseladze Memorial 12.fxe4 (12.Sxe4 Sxe4 13.fxe4 Lxd4+ 14.Kh1 Db6) 12...Lxd4+ 13.Dxd4 (13.Kh1? Lxc3 14.bxc3 Sxe4–+) 13...Dxg5 14.Dxd6 Td8 15.Df6 Dxf6 16.Txf6 Le6
11...De7 11...Te8
12.Tad1 De5 12...Scxe4 13.Sxe4 Dxe4 14.Dxd6 ist angenehmer für Weiß. Schwarz muss sehr genau spielen, um nicht in Nachteil zu geraten 14...Sg4! 15.h3 De5! 16.Lf4 (16.Dxe5 Sxe5 17.Tfe1) 16...Dxd6 17.Lxd6 Td8 18.Lc5 Se5 19.Sb5! Lf5 20.Sd6 Lf8 21.f4 (21.Sxb7 Tdb8) 21...Sd7 22.Lf2 Lc2 23.Td2 Sf6 24.c5 Lf5; 12...Te8 wird heute häufiger gespielt und war auch damals schon in die Großmeisterpraxis eingeführt.
13.f3 Sfd7? schon ein Fehler sagen uns die heutigen Computerprogramme.
13...Se6 so spielte GM Svidler gegen GM Grischuk und remisierte, aber den Maschinen gefällt dieser Zug auch gar nicht! Aber nach dem besseren 13...Dxf4 14.Lxf4 Se8 hat Schwarz ebenfalls kein leichtes Leben.
14.Dc1N eine interessante Neuerung, nach der Weiß besser steht.
Als noch stärker gilt heute 14.Dh4 und der rückständige Bauer d6 bereitet Schwarz sorgen, z. B. 14...Se6 15.Sxe6 Dxe6 16.Le7 Lf6 17.Lxf6 Sxf6 18.Td4 mit klarem Vorteil für Weiß.
14...a5 dieser thematische Vorstoß reicht nicht mehr für vollständigen Ausgleich.
15.Kh1 a4 jeder spielt auf seinem Flügel.
16.f4 De8 17.f5! aber die weißen Bauernvorstöße sind unangenehmer. Wolfgang spielt auf Angriff. Ein starkes Bauernopfer!
17...f6 17...Sf6 wäre zäher gewesen ... aber nach 18.Lf3 Sfd7 (18...Sfxe4? 19.Lxe4 Sxe4 20.f6!+–) 19.Lh6 Se5 20.Lxg7 Kxg7 21.b4 axb3 22.axb3 verfügt Weiß über Raumvorteil und Spiel gegen den rückständigen Bauer d6.; Bei der Annahme des Bauernopfers ... 17...Sxe4 18.Sxe4 Dxe4 19.Lf3 De5 20.fxg6 hxg6 21.Lxc6! bxc6 (21...Sb6 22.Lb5 Lg4 23.Sf3 Lxf3 24.Txf3 Dxb2 (24...d5 25.c5 Ta5 26.Lf1) 25.Df4 Tac8 26.Th3 De2 27.Tc1 Tc5 28.Dh4 Dh5 29.Dxh5 gxh5 30.Le3) 22.Sxc6 Dxb2 23.Se7+ Kh7 24.Tf4 Dxc1 25.Th4+ Lh6 26.Txc1 Te8 27.Lxh6 Sf6 28.g4 29.Lg5, 29.Tf1 behält Weiß trotz des reduzierten Materials weiterhin Angriff.
18.Lf4 Se5 19.b4! klärt die Lage am Damenflügel.
19...axb3 20.axb3 De7 21.Dc2 Ld7 22.b4 Sa6 23.Tb1 Weiß verfügt über großen Raumvorteil und die aktivere Stellung. Schwarz hat allerdings nur eine Schwäche (Bauer d6) und einen starken Se5. Weiß kann den Druck kontinuierlich verstärken. Es ist ein Spiel auf ein Tor!
23...Kh8 24.Sf3 Tae8 25.Tfd1 Lc8 26.h3 Td8 27.Le3 Tg8 28.Lb6 Tde8 29.Sxe5 ohne diesen Tausch des starken Se5 kommt Weiß nicht weiter. Er erfolgt zu einem günstigen Zeitpunkt.
29...Dxe5 29...fxe5 30.g4! gxf5 31.gxf5 d5 andernfalls deckt Weiß den Königsflügel mit Dd3, Tg1 und Sf2 ab. Der gedeckte  Bauer f5 schränkt das schwarze Spiel ein und Weiß steht klar besser. 32.cxd5 Sxb4 33.Dd2 cxd5 34.Sxd5 Sxd5 35.Dxd5 Dh4 36.Tb3 Lf6 37.Tf3 Tg3 38.Txg3 Dxg3 39.Lg4 Tg8 40.Dd6 Lg7 41.Dd3 Weiß pariert die gegnerischen Drohungen und hat mit dem starken gedeckten Freibauern f5 und gegen den schwachen Lc8 klaren Vorteil.
30.Ld4 De7 30...Df4, aber auch hier wirkt die Dame etwas verlassen.
31.Lf3 Sb8 Schwarz ist ohne Gegenspiel und versucht, mit seinem verbliebenen Springer nach e5 zu gelangen, um den Laden zusammenzuhalten. Aber das wusste Wolfgang zu verhindern. Der schwarze Sb8 wird sein Ausgangsfeld nicht mehr verlassen!
32.fxg6 hxg6 33.Df2 stellt die Drohung Dh4+ auf.
33...Lh6 33...f5 34.exf5 Lxf5 35.Ta1 steigt Weiß mit Ta7 auf die 7. Reihe ein und einer der beiden schwachen schwarzen Bauern b7 und d6 geht früher oder später verloren. Eine mögliche Variante wäre: 35...Sd7 36.Ta7 Se5

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37.Txb7!! Dxb7 38.Dh4+ Lh6 39.Dxh6+ Dh7 40.De3 mit den Drohungen Lc6 und Bauer c5 mit Aushebeln des Se5 40...Lxh3? 41.Kg1 Tg7 42.Lxc6 Ld7 43.Lxd7 Txd7 44.Se4 mit der Doppeldrohung Sd6 und Sf6 44...Dh5 45.Te1 Dh4 46.Tf1 Th7 47.Df4 Dh1+ (47...Dxf4 48.Txf4 Tee7 49.Sxd6 Kg8 50.b5+–) 48.Kf2 Dh4+ 49.Ke2 De7 50.Df6+ Kg8 51.Dxe7 Thxe7 52.Sf6+ Kf8 53.Sxe8+ Kxe8 54.Lxe5 Txe5+ 55.Kd3 mit guten Siegchancen im Turmendspiel.
34.Lg4 Kg7 bereitet Lxg4 vor. Sofort 34...Lxg4?? wäre ein katastrophaler Fehler wegen 35.Lxf6+
35.Lxc8 Txc8 36.c5 sofort 36.b5 wäre noch stärker gewesen!
36...Tcd8

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37. b5?! ein starker Zug einen Zug später ist ein Fehler sagt ein altes Bonmot, hier ist er jedoch immer noch gut.
Noch stärker wäre allerdings 37.Dh4! gewesen. Nach 37...dxc5 (37...Sd7? 38.cxd6 Dxd6?? 39.Le3+–) 38.bxc5 Td7 39.Td3 Lg5 40.Dg4 Tgd8 41.Tbd1+– Schwarz gehen langsam die vernünftigen Züge aus.
37...dxc5 38.Lxc5 Txd1+! nimmt in Zeitnot Angriffsdruck aus der Stellung.
39.Txd1 De5 auf f7 wäre ein sichererer Platz für die Dame gewesen 39...Df7! 40.bxc6 Sxc6 41.Sd5 Lg5 42.Dg3 Weiß steht immer noch besser. Die weißen Gewinn- und schwarzen Remischancen halten sich in etwa die Waage.
40.Ld4 Weiß hat starke Initiative und Schwarz hat wenig Zeit auf der Uhr.
40...Df4? Verliert die Partie.
40...De6 wieder wäre ein weißes Feld die bessere Wahl gewesen - auch wenn die Qualen noch nicht vorbei wären.
41.Db2! +– die weiße Dame entzieht sich dem Tausch und stellt tödliche Drohungen auf der langen Diagonale und der b-Linie auf.
41...Tf8 41...Kh7 ist zwar besser, rettet aber den Tag nicht mehr. Nach 42.bxc6 bxc6 43.e5!! brechen die Dämme auf 43...fxe5 44.La7! +– e4 45.Db7+ Lg7 46.Se2! De5 47.Tb1 und der Sb8 geht auf seinem Ausgangsfeld verloren!
42.bxc6 bxc6 Falls Schwarz jetzt zu ...Sd7 käme, bestünde noch etwas Hoffnung.
43.e5! auch 43.Lc5! Tf7 44.Ld6 gewinnt.
43...Df5 43...fxe5 läuft in 44.Sd5! Dxd4 45.Txd4 exd4 46.Dxd4+ Kg8 47.Sf6+ +–
44.exf6+ Kh8 45.De2 c5 46.Tf1 Dc8 46...Dh5 47.Dxh5 gxh5 48.Lxc5 Tc8 49.Tf5+– wäre zäher, würde aber am Resultat nichts ändern.
47.De4! die Lage ist hoffnungslos. 47...cxd4 48.Dxg6 Tf7 49.Dxf7 ein schöner und wichtiger Sieg für Uhlmann! 1–0

In Erinnerung blieb mir, dass obwohl die Partie ultrascharf war, beide Spieler ganz ruhig am Brett saßen – fast regungslos, aber unter dem Tisch war die Hölle los. GM Uhlmann zappelte mit den Füssen und GM Vukic übertraf das noch indem er immer wieder einen der beiden Schuhe aus und dann wieder anzog – und von dem allem merkte man nichts, wenn man oben auf Spieler und Brett blickte. Die Uhlmanns kamen fast immer zu zweit nach Österreich zu den Punktspielen, da es beiden so gut gefiel. Das war auch für die Mannschaft sehr praktisch. Die Uhlmanns fuhren in der Regel am Vortag eines Punktspiels erst mit dem Auto nach Linz. Dann chauffierte Christine Uhlmann die Mannschaft mit dem Mannschaftsbus des SK VÖEST Linz zum Spielort und hinterher wieder zurück nach Linz. So konnten sich die Spieler voll aufs Schach konzentrieren. Durch die Uhlmanns kamen auch mehrere junge Dresdner Spieler zum SK VÖEST Linz, die durch die rasante Fahrweise von Christine Uhlmann schon auf der Anreise durch Tschechien nervlich abgehärtet wurden. Einer dieser Spieler FM Dirk Wegener lebte und arbeitete knapp drei Jahre in Linz bevor er wieder in seine Heimat Dresden zurückkehrte. Er wird uns nun eine Partie aus einem Aufstiegskampf von der Staatsliga B in die Staatsliga A näherbringen.

Uhlmann,Wolfgang (2482) - Jansa,Vlastimil (2458) [A10]
AUT-chT Qualifikationsturnier Linz (1.1), 31.03.2000
[Wegener]

Als Sieger der Staatsliga B der Staffel Oberösterreich und Salzburg in der Saison 1999/2000 konnten wir am Qualifikationsturnier für die Staatsliga A teilnehmen. Wir spielten zusammen mit den drei Siegern der anderen Staatsliga B-Staffeln (Austria-Husek Wien, Gamlitz und Absam) um 2 Plätze in der Staatsliga A. Wir waren klarer Außenseiter. Austria-Husek Wien und Gamlitz waren nominell deutlich stärker, Absam etwas stärker als wir. Außerdem wies unser Team einen deutlich höheren Altersdurchschnitt auf. Aber wir hatten Heimvorteil, gespielt wurde in Linz-Urfahr.

1.c4 g6 2.e4 e5 3.Sf3 Lg7 4.d4 exd4 5.Sxd4 Sf6 6.Sc3 0–0 7.Ld3!? deckt prophylaktisch den Bauerne4.
Auf das normale 7.Le2 folgt 7...Te8 8.f3 c6! Damit gewinnt Schwarz praktisch ein Tempo gegenüber Königsindisch, da der schwarze d-Bauer in einem Schritt nach d5 gehen kann. 9.Lg5 h6 10.Lh4 d5? Gurevich,M - Jansa,V, Forchheim 2000, Remis nach 44 Zügen, siehe auch CBM 076 [Gurevich,M]
7...c6 8.0–0 d5! Auch hier führt das befreiende ?d5 in einem Zug zu Ausgleich.
9.exd5 cxd5 10.Lg5 dxc4?! 10...Sc6 11.Sxc6 bxc6 gleicht bequem aus.
11.Lxc4 h6 12.Lh4 a6?! 12...Sc6 13.Sxc6 bxc6 14.Dxd8 Txd8 15.Tad1 und aufgrund der besseren Bauernstruktur verfügt Weiß über einen minimalen Vorteil.
13.Lb3 Sbd7 14.Dc2 Weiß hat seine Entwicklung abgeschlossen und verfügt aufgrund der aktiveren Figuren und des Entwicklungsvorspunges über die angenehmere Stellung. Aktuell droht bereits 15.Dxg6.
14...Sc5! 15.Tad1 Db6?! ?15...Sxb3 16.Dxb3 trotz der Aufgabe des Läuferpaares steht Weiß angenehmer. Schwarz muss noch das Entwicklungsproblem des Lc8 und des dann hängenden Bauer b7 lösen. Das erfordert sehr genaues Spiel, um nicht in Nachteil zu geraten. 16...Da5! 17.Tfe1 Lg4! 18.f3 Ld7 19.Lxf6 Lxf6 20.Dxb7 Dc5 21.Dd5 Db6! und hier hat Schwarz gewisse Kompensation für den geopferten Bauern.
16.Lc4?! mit 16.Lxf6! Dxf6? 17.Sd5 Dd6 18.Se6! Dxe6 19.Dxc5 konnte Weiß forciert eine vorteilhafte Stellung erreichen. Die schwarze Dame steht der Entwicklung des Lc8 im Weg und die weißen Figuren sind sehr aktiv.
16...Lg4 nun kann Schwarz seine Entwicklung abschließen.
17.Td2?! Mit 17.f3 Le6 18.Sxe6 Sxe6+ 19.Lf2 Dc6 20.Db3 konnte Weiß aufgrund des Läuferpaares sich noch einen kleinen Vorteil sichern.
17...g5! 18.Lg3 Tad8 19.h3 Sh5? mit 19...Db4! konnte sich Schwarz Ausgleich sichern, z. B. 20.Lxf7+ (oder 20.b3 Sce4 21.Sxe4 Sxe4 22.Td3 Lxd4 23.hxg4 b5 24.Le5! Lxe5 25.Txd8 Txd8 26.Dxe4 bxc4 27.Dxe5=; 20.hxg4 Dxc4=) 20...Kxf7 21.a3 Dc4 22.b3 Sxb3 23.Sxb3 Le6 24.Sa5 Dc8=
20.hxg4 Nun hingegen erhält Weiß wieder Vorteil.
20...Sxg3 21.Tfd1 Td6?? 21...Tfe8 22.fxg3 Txd4 23.Lxf7+! Kxf7 24.Df5+ Kg8 25.Txd4 Lxd4+? (25...Se6? 26.Dg6! +–) 26.Txd4 Tf8 27.Dc2 Sd7 28.Dd2 mit besserer, aber keinesfalls gewonnener Stellung für Weiß.
22.Sd5! +– Da7 23.Sf5?! Einfacher war 23.fxg3 

2021UhlAUT09

mit Trippelbauer und Mehrfigur, aber Weiß muss noch der Fesselung des Sd4 (nach Abzug des Sc5) Sorge tragen. Die taktischen Verwicklungen gehen jedoch alle zugunsten von Weiß aus, z. B.  23...b5 24.Se7+! Dxe7 25.Sf5+– oder 23...Se6 24.Se7+ Kh8 25.Lxe6 Lxd4+ 26.Txd4 Txd4 27.Dc3+–
23...Sxf5 24.Dxf5? Nach 24.gxf5 steht Weiß immer noch auf Gewinn, z. B. 24...b5 25.b4! bxc4 (25...Sb7 26.De4! +–) 26.bxc5 Tc6 27.De4 Lf6 28.Sb6!+– oder 24...Kh8 25.f6! Lxf6 26.Sxf6 Txf6 27.b4 Se6 28.Db2 Kg7 29.Td7 Te8 30.T1d6 und trotz Mehrbauern ist die Lage für Schwarz hoffnungslos. Es droht schlagen auf e6 und nach 30...Kg6 31.Ld3+ Kg7 32.Lf5 geht Schwarz an der Fesselungen  zugrunde. Es geht mindestens eine Figur verloren.

24...Te6 25.b4? 25.Se3 Tee8 26.Ld5 sichert Weiß immer noch klaren Vorteil.
25...Se4?! Nach 25...b5! 26.Ld3 (26.Lf1 Se4 27.Tc2 Ld4?) 26...Sxd3 27.Dxd3 verfügt Weiß nur noch über einen kleinen Vorteil.
26.Ld3? Das wirft den Vorteil wieder weg. Möglicherweise hatte Uhlmann in Zeitnot die schwarze Antwort übersehen.
Stärker war 26.Tc2! Ld4 27.g3 Kg2 27...Lxf2+ (27...Sxg3 28.Dd3 Lxf2+ 29.Kg2+–; 27...Sd6 28.Dd3 Sxc4 29.Txc4 Lxf2+ 30.Kg2 Le1 31.Df3+–) 28.Txf2 Sxf2 29.Dxf2 Dxf2+ 30.Kxf2
26...Te5! = 27.Se7+ Kh8

2021UhlAUT10

 28.Lxe4! Uhlmann spielt trotz des Fehlers im 26. Zug weiter auf Sieg!
Nach 28.Dd7 Sf6 29.Dc7 Db8 30.Dxb8 Txb8 31.Sf5 Lf8 wäre die Stellung ausgeglichen.
28...Txf5 29.Sxf5 Db6 30.a3? Weiß hat nur einen ? und einen ? für die Dame, aber mit den aktiven Leichtfiguren und den verdoppelten Türmen auf der d-Linie die Initiative.
30...Le5? Dieser Zug verliert ein wichtiges Tempo. Schwarz gelingt es nun nicht mehr, die Damenflügelbauern zu tauschen. Auch die folgenden Züge sind von beidseitiger Zeitnot geprägt.
30...a5 31.Td7 (31.Td6 Db5 32.bxa5 Dxa5 33.Lxb7 Dxa3=) 31...axb4 32.Txb7 De6 33.Txb4 Te8 34.Ld5 De2 35.Lf3 Dc2 36.Sd6 Dxd1+ 37.Lxd1 Te1+ 38.Kh2 Le5+ 39.g3 Lxd6=
31.Td7 Lg7? 31...De6 32.g3! verhindert den Tausch der Läufer mittels 32... Lh2+ 33. Kh2 Dxe4 und droht 33.Kg2! Nach 32...Lg7 33.Lf3 Da2 34.T1d3 Lc3 35.T3d6 Lg7 36.Kg2 Dxa3 37.Txb7 kann Schwarz nur noch mit der Dame ziehen, der Läufer muss den Bauer h6 und der Turm den Tf7 decken. Weiß hat auch hier gute Siegchancen.
32.Sd6! +– Kg8 33.Td3?! Sofort gewonnen hätte 33.Ld5! a5 (33...Kh7 34.g3! und Schwarz hat keinen sinnvollen Zug, z. B. 34...a5 35.Txb7 Dd8 36.Sxf7+– oder 34...Ld4 35.Sxf7 Lxf2+ (35...Lg7 36.Kg2) 36.Kg2 Lxg3 37.Tf1! und Schwarz wird Matt oder verliert entscheidend Material) 34.Sxf7 Kh7 35.Txb7 Da6 (35...Df6 36.bxa5+–; 35...Dxb7 36.Lxb7 Txf7 37.Le4+ Kh8 38.b5+–) 36.Le4+ Kg8 37.Tdd7! axb4 38.Ld5 Df6 39.Sxg5+ Kh8 40.Txg7 Dxf2+ 41.Kh2 Df4+ 42.Kh3+–.
33...Td8? Zäher wäre 33...a5 34.Txb7 Dd8 35.Sxf7 (oder auch 35.g3!+– axb4 36.Sxf7 Df6 37.Ld5 bxa3 38.Sxh6+ Kh8 (38...Kh7 39.Sf5+–) 39.Sf7+ Kh7 40.Txa3+–) 35...Dc8 (35...De8 36.Sd6 De5 37.g3!+–) 36.Ld5 Dc1+ (36...Kh7 37.g3 Dxg4 38.Te7 axb4 39.Le4+ Kg8 40.Tdd7 bxa3 41.Sxh6+ Lxh6 42.Ld5+ Tf7 43.Lxf7+ Kh8 44.Te8+ Kg7 45.Le6++–) 37.Kh2 Df4+ 38.Kh3 Dxf2 39.Se5+ Kh7 40.Le4+ Kg8 41.Sg6 42.Tdd7 41...h5 42.Ld5+ Kh7 43.Sxf8+ Kh6! 44.g3? Lxf8 (44...axb4 45.Tf7; 44...Df1+ 45.Kh2) 45.Tf7 hxg4+ 46.Kxg4 De2+ 47.Tff3 axb4 48.Tde3+– und Weiß hätte noch sehr präzise spielen müssen. Am Ausgang hätte sich aber nichts geändert.
34.Sc4+– Db5 34...Txd7 35.Sxb6 ist mit Minusfigur auch hoffnungslos.
35.Txd8++– Lf8 36.Ld5 Kg7 37.Tb8 1–0 Insgesamt ein verdienter Sieg nach einer sehr spannenden Partie, in der bedingt durch die vielen zu berechnenden Varianten, die daraus resultierende Zeitnot und das ungleiche Materialverhältnis die Bewertung  zwischen Ausgleich und Gewinn für Weiß pendelte. Interessant war auch die anschließende Analyse, da beide Spieler sehr optimistisch ihre Stellungen jeweils für sich bewerteten. Mit dem Sieg von Uhlmann hatten wir den Favoriten (Austria-Husek Wien) 4 : 2 geschlagen. Damit hatten wir die Weichen für den Aufstieg gestellt.  Die zweite Runde spielten wir 3 : 3 gegen Absam. In der dritten Runde reichte uns gegen Gamlitz ein 3 : 3, sodass wir und Gamlitz aufgestiegen sind. Wir spielten dann zwei Saisonen (2000/01 und 2001/02) in der Staatsliga A. Der Aufstieg wurde gebührend gefeiert. Felix Winiwarter lud nach Spitz in die malerische Wachau ein und es gab wie fast jedes Jahr eine schöne Saisonabschlussfeier mit gutem Österreichischen Wein.

Nach dem frühen Tod von FM Heinz Baumgartner im Jahre 2006 stieg der SK VÖEST Linz aus der Bundesliga B Mitte ab und zog sich vom semiprofessionellen Schach zurück. Die Kontakte zu den Uhlmanns sind allerdings nicht abgebrochen und es folgten noch viele Besuche in Österreich. Schon bei der Seniorenschachweltmeisterschaft 2007 war GM Wolfgang Uhlmann wieder in Österreich am Schachbrett aktiv. Nach wechselvollem Verlauf und einer Niederlage in der vorletzten Runde, zeigte er seine ungebrochene kämpferische Einstellung am Schachbrett.

Uhlmann, Wolfgang (2417) - Sorokin, Valentin (2319) [D38]
Wch Seniors Gmunden (11), 28.09.2007
[Wegener, Krennwurzn]

1.c4 Die letzte Turnierpartie auf österreichischem Boden. Am Vortag hatte Uhlmann seine Partie und Titelchancen verloren, kämpfte aber dennoch unverdrossen um eine gute Platzierung.
1...Sf6 2.Sc3 e6 3.Sf3 d5 4.d4 Sbd7 5.Lg5 Lb4 mit der scharfen Ragosin-Verteidigung zeigen beide, dass ein Schlussrundenremis nicht zu erwarten ist.
6.cxd5 exd5 7.e3 0–0 8.Ld3 c5 9.Dc2 Da5 10.0–0 c4 11.Lf5 g6?! gilt heutzutage schon als Fehler, war aber damals durchaus spielbar - Aronian hat 2005 ebenso gespielt!
12.Lxd7! Sxd7 13.e4! Weiß hat seine Entwicklung abgeschlossen, während der ?c8 noch in seiner Ausgangsstellung verharrt und der Sd7 ihm den Weg versperrt. Folgerichtig öffnet Weiß das Spiel.
13...Sb6 13...Lxc3 14.bxc3 dxe4 15.Dxe4 macht die Sache für Schwarz auch nicht leichter. Die schwarzen Felder um den König sind geschwächt und ihm fehlt der schwarzfeldrige Läufer. 15...Sb6 16.Lh6 Td8 17.Se5! Le6 (17...Dxc3?? 18.Dh4+–; 17...Sd5 18.Sxc4 Dxc3 19.Tfc1 Db4 20.Tab1 De7 21.Dxe7 Sxe7 22.Lg5 Kf8 23.Se5 Te8 24.Tc7) 18.Tab1 Te8 (18...Dxc3? 19.Dh4 Sd5 20.Tb5 Sc7 21.Txb7+–) 19.Dh4 Sd5 20.Txb7
14.e5! Lf5 15.Dd2? Weiß hat die Eröffnung klar für sich entschieden und steht aufgrund der geschwächten schwarzen Felder am Königsflügel klar besser.
15...Tfe8 16. h3!? N Stark auf Angriff gespielt! Die Idee ist 16.g4 nebst Springer weg und Bauer f4, f5 mit Angriff am Königsflügel. Auch der Vorgänger endete mit einem Weißsieg 16.a3 Lf8 Onischuk,A (2652)-Aleksandrov,A (2679) Poikovsky 2004.
16...Tac8 16...Sd7 17.a3 Lf8 (Nach 17...Lxc3 18.bxc3 fehlt wieder der Läufer in der Verteidigung der geschwächten schwarzen Felder am Königsflügel.) 18.g4 Le6 19.Sh2 …
17.g4! Der vorlaute Läufer wird zwar auf ein gutes Feld, aber ins Abseits getrieben.
17...Ld3 18.Tfc1 Sa4?!

2021UhlAUT11

Stellt taktische Fragen!

18...Sd7 war angesagt, aber 19.Se1 zeigt die schwarzen Probleme auf (auch 19.a3 Lxc3 20.bxc3 ist vorteilhaft für Weiß) 19...Da6 20.a3 Lxc3 21.Txc3 f6 22.exf6 Sxf6 23.Lxf6 Dxf6 24.Sxd3 cxd3 25.Txc8 Txc8 26.Dxd3 und Weiß hat einen Mehrbauern im Endspiel.
19.Se1? 19.a3! wäre die taktisch korrekte Lösung gewesen. Nach 19...Sxc3 20.axb4! wird es taktisch kompliziert: 20...Se2+ 21.Dxe2! Dxa1 22.Dd2! und aufgrund der Drohungen xa1 sowie Lf6 und Dh6 geht Weiß als Sieger aus dem Scharmützel hervor, z. B. 22...Da6 23.Lf6 Te6 (23...Tc6 24.b5! +–) 24.Dxd3! Txf6 25.exf6+– oder 22...c3! 23.bxc3 Da6 24.Lf6 Te6 (24...Tc6 25.Te1! 26. Dh6 Tf6 27.g5! +– 25...Txf6 26.exf6 Txe1+ 27.Sxe1 Le4 28.f3 Lb1 29.Dc1 La2 30.Df4+–) 25.Dh6 Txf6 26.Sg5! +–. Not oder Übel müsste Schwarz 19...Lf8 spielen, worauf 20.Se1 Sxc3 21.Txc3 Da6 22.Sxd3 cxd3 23.Tac1 mit Vorteil für Weiß folgt.
19...Sxc3 20.bxc3 La3 21.Td1 21.Lf6 bringt jetzt nichts mehr ein, da der schwarze Läufer zurückkehren kann: 21...Tc6 22.Dh6 Lf8=
21...Te6? Schwarz muss immer mit dem Schlagen auf d3 rechnen und muss deshalb sehr genau spielen. Erforderlich war deshalb 21...b5! Nach 22.Sxd3 (22.Lf6 Tc6 (22...Lf8?! 23.a3!) 23.Sxd3 cxd3 24.Tab1 a6= bringt Weiß nichts ein) 22...cxd3 23.Tab1 a6 (23...Le7 24.Lxe7 Txe7 25.Tb3 Tec7 26.Dxd3) 24.Tb3 Le7 25.Lxe7 Txe7 26.f4! setzt auf Angriff! Es könnte folgen: 26...Tec7 27.f5! und nun entweder 27...gxf5 28.Dg5+ Kf8 29.Dh6+ (29.gxf5 Dxa2 30.Tbb1 d2 31.Ta1 Dc2 32.Txd2 Dxc3 33.Tf1 Ke8 34.Df4! Kd7 35.Tg2 Te8) 29...Ke8 30.e6! Dxa2 31.Tbb1 fxe6 32.Dxe6+ Kf8 33.Tf1 Kg7 34.Dxf5 mit Angriff oder 27...Txc3 28.f6 Kh8 29.e6! Db6 (29...fxe6 30.f7 Kg7 31.Tf1 Dc7 32.Df2+–) 30.Txc3 Dxd4+ 31.Kh2 De5+ 32.Kh1 De4+ 33.Dg2 Txc3 34.Dxe4 dxe4 35.e7 Tc8 36.h4! +– .

2021UhlAUT12

Eine malerische Stellung! Schwarz hat 2 Bauern mehr, ist aber völlig machtlos. Der schwarze König kommt aus seinem Gefängnis nicht heraus und der Turm kann die 8. Reihe nicht verlassen. Der weiße Turm und König halten die schwarzen Bauern auf bzw. räumen sie ab.
22.Sxd3! Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Eindringling zu beseitigen.
22...cxd3 23.Tab1! Durch den Angriff auf b7 gewinnt Weiß ein wichtiges Tempo, um den anfälligen, isolierten Bauern d5 aufs Korn nehmen zu können. Hier wird die Wichtigkeit von 21. ... b5 deutlich. Stünde der schwarze Bauer bereits auf b5, könnte Schwarz ihn mit 23. ... a6 verteidigen. wenn Weiß auf d3 schlägt, gewinnt Schwarz den Bauern durch Nehmen auf c3 zurück.
23...b6 Nach 23...Le7 24.Txb7 Lxg5 25.Dxg5 Dxa2 26.Df4 Tf8 27.De3 Da6 28.Tbb1? gewinnt Weiß den Bauer d3 und hat dann einen Mehrbauern und die bessere Stellung mit Angriff auf die isolierten Bauern a7 und d5 sowie der Idee f4, f5.
24.Dxd3 Txc3

2021UhlAUT13

 

25.Db5 Dxb5 25...Le7 26.De8+! Lf8 27.Dd8 gewinnt Weiß durch die Drohungen 28. Ld2 und Lh6 den wichtigen Bauer d5. 27...Dxa2 (27...Da4 28.Dxd5+–) 28.Ld2! Tc4 29.Ta1 Dc2 30.Dxd5+–
26.Txb5 Nun ist der Bauer d5 nicht mehr zu decken.
26...Le7 27.Le3! Ta3? Zäher wäre 27...Kf8 28.Txd5 Ke8 29.Tb5 Tc2 30.a4?/+– gewesen. Aber auch hier garantieren der Mehrbauer und die beiden verbundenen Zentrumsbauern den weißen Sieg.
28.Txd5 Txa2 29.Tc1 Die schwarzen Freibauern können wegen Matt- und anderer Drohungen (z. B. Eindringen beider Türme auf der 7. Reihe, marschieren der Zentrumsbauern) nicht in Bewegung gesetzt werden. Schwarz ist hilflos.
29...g5 30.Td7 Ta4 31.Tc8+ Kg7 32.Te8 1–0 Figurenverlust ist unvermeidbar. Mit diesem Sieg erreichte Uhlmann den 5. Endrang im Turnier und verließ das schöne Gmunden mit einem guten Gefühl.

Die letzte Turnierpartie auf österreichischem Boden endet wie die erste mit einem Sieg und so ist es nicht verwunderlich, dass GM Wolfgang Uhlmann mit Österreich vor allem schöne Erinnerungen verbunden hat. In den folgenden Jahren besuchten die Uhlmanns öfter Österreich und ihre Freunde und auch wir besuchten die Uhlmanns sehr gerne in Dresden. Die Schreiber dieser Zeilen waren zuletzt 2017 gemeinsam bei den Uhlmanns zu Besuch und durften das berühmte Schachzimmer mit seinen vielen Erinnerungsstücken aus aller Welt bewundern und bei einer selbstgemachten Quarktorte von Christine Uhlmann und Kaffee den Anekdoten von Wolfgang lauschen …


 Als kleines Service bieten wir Ihnen hier die Partien zum Nachspielen und Herunterladen an.

 

Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben
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Donnerstag, 10 Januar 2019 19:45

Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben

Die Krennwurzn spielt zwischen Weihnachten und Neujahr traditionell beim Donauopen in Aschach nahe Linz mit und gibt dort auch noch regelmäßig seinen Senf zu den Runden dazu. Aufgrund einer unbedachten Äußerung muss die Krennwurzn – obwohl schachlich nicht dafür geeignet – in der A-Gruppe spielen, bis sie einmal durchgenullt wird – aber all das sollte heute nicht unser Thema sein.

Wie spielt die Krennwurzn eigentlich Schach? Nun ein Held vor dem Herrn ist die Krennwurzn nicht und sie mag lieber ruhige Stellungen und die Krennwurzn ist wie so viele schwächere Spieler auch ein wenig ängstlich. Angst vor Niederlagen hat die Krennwurzn eigentlich nicht wirklich und viel Erfahrung mit Niederlagen hat sie auch genug, dennoch verliert niemand gerne und genau das kann zu „unnötigen“ Niederlagen führen – aber lassen Sie sich kurz in die Gedankenwelt der Krennwurzn entführen:

Die Krennwurzn (1800) spielte mit den weißen Steinen gegen einen gut bekannten „unkonventionellen Angreifer“ (1900) – die Bilanz vor der Partie (+1,-1,=2) war ausgeglichen und die letzte Partie konnte die Krennwurzn im Endspiel nach überstanden Angriff gewinnen. Also auf ins Endspiel und wenn es geht ohne große Stürme im Vorfeld.

1.c4 Bitte kein Benoni, Wolga- oder andere Gambits 1...e5 2.Sc3 Lb4 3.Sd5 Ld6?! 4.d3?! möchte e4 verhindern 4...c6 5.Sc3 f5!?

2019Tode01

 

Genau solche Angriffsstellungen wollte Weiß verhindern, aber nun gibt es kein Zurück mehr. 6.e4 f4 Bleibt Weiß jetzt passiv, dann wird er überrollt, das leuchtet sogar einer Krennwurzn ein und widerwillig wird nach aktiven Möglichkeiten gesucht. 7.g3 Die Alternativen (7.c5 Lc7 (7...Lxc5?? 8.Dh5+) 8.d4 und 7.d4 exd4 8.c5) hätten alle in ungeliebte Stellungen geführt.

7...Sf6 8.d4 Diese Idee wäre mit dem Tausch auf f4 besser gewesen (8.gxf4 exf4 9.d4 Lb4 und nun gibt es eine taktische Lösung für das Problem auf c3 10.e5!! Se4 11.Ld3 Sxc3 12.Dh5+! Kf8 13.Ld2 Sxa2 14.Txa2 Lxd2+ 15.Kxd2 so was zählt nicht zu den Lieblingsstellungen der Krennwurzn)

8...Lb4 9.Lg2 fxg3 10.hxg3 exd4 11.Dxd4 d6

2019Tode02 

Den Eröffnungskampf hat Weiß klar verloren auch wenn er laut Computer besser steht, aber Schwarz hat Angriffsmarken und Weiß muss taktische Probleme lösen – beides gefällt der Krennwurzn nicht.

12.Le3 ist noch kein Fehler, aber mir gefällt die Stellung nicht mehr. 12.Lg5 gefiel mir nicht 12...Sbd7= aber Schwarz kann in Ruhe angreifen und der Computerzug 12.Lf4 kam mir gar nicht in den Sinn. 12...0–0 13.f3?! Die taktische Lösung 13.c5 dxc5 (13...Lxc5 14.Dc4+ Kh8 15.Lxc5 dxc5) 14.Dc4+ Kh8 15.a3 b5 16.Db3 sah ich nicht – die Angst hat bereits vollständigen Besitz über die Krennwurzn gewonnen.

13...d5?

2019Tode03

Ein verfrühter Angriff, aber durch die Angst sind viele Auswege dem geistigen Auge schon verstellt, obwohl sie offenstehen. Stattdessen hätte Schwarz mit 13...Sbd7 14.a3 Lc5 15.Dd2 Db6 die Daumenschrauben schon etwas anziehen können. Das hat wohl Phantomschmerzen bei der Krennwurzn ausgelöst und im Zusammenhang mit der fehlenden Königssicherheit den Panikzug 14.0–0–0? ausgelöst. Aber hätte es noch Rettung gegeben? Natürlich und einfach noch dazu 14.cxd5!! und Schwarz muss einen wichtigen Angreifer abtauschen und einige seiner Figuren stehen ja noch in der Garage 14...Lxc3+ (14...a5 15.a3; 14...Db6 15.Dd3) 15.Dxc3 cxd5 16.e5! (16.exd5?? Sxd5) 16...d4 17.Dxd4 Dxd4 18.Lxd4 Sc6 19.Se2 und weicht der Springer mit 16. … Se8 zurück, so steht Weiß auch wieder die kurze Rochade zur Verfügung.

14...c5? wieder ein aggressiver Fehler. 15.Dd3 d4 keine der weißen Figuren kann genommen werden und eigentlich steht es gar nicht so schlecht um Weiß, aber die Angst hat sich schon tief in das weiße Denken eingefressen. Die offensichtliche "Rettung" 16.Lg5 der Figuren verstellt den Blick auf die Tatsache, dass ja auch die weiße Stellung Trümpfe hat - der komplette schwarze Damenflügel noch schläft.

2019Tode04

Das sofortige 16.e5 stellt Schwarz sehr unangenehme Fragen 16...g6 17. exf6 Lf5 habe ich am Brett gefürchtet und übersehen, dass ich nun in aller Ruhe meine bedrohten Figuren wieder ins Spiel bringen kann.

Und es gibt für Weiß viele andere taktische Probleme zu lösen (16...De7 17.f4! Schwarz kann keine Figur vorteilhaft schlagen 17...h6

a) 17...dxe3 18.exf6 gxf6 19.Ld5+ Kh8 20.Le4 f5 21.Ld5;

b) 17...dxc3 18.exf6 cxb2+ 19.Kb1! Txf6 20.Ld5+ Kf8 (20...Kh8 21.Dxh7#) 21.Txh7 Th6 (21...Lf5 22.Th8#) 22.Sf3+–) 17.exf6 Lf5 (17...Lxc3 18.Lg5 Db6 19.De2 (19.bxc3 Lf5! 20.De2 Db1+ 21.Kd2 dxc3+ 22.Ke1 c2 23.Tc1) ) 18.Se4+–]

Wie sollte man das schaffen, wenn man Angst hat und mit der Stellung und sich selbst total unzufrieden ist?

2019Tode05

16...Da5 Schwarz greift mit natürlichen Zügen an und Weiß verliert den Faden komplett. Der Partiezug 17.Sb5 geht auch noch im Remissinne, Weiß hat immer noch andere Möglichkeiten, aber vollkommen von der Angst in Besitz genommen und dem Schicksal ergeben wird nur mehr reagiert nicht mehr agiert.

Mit 17.Lxf6 Txf6 noch einen schwarzen Angreifer nicht ins Spiel kommen lassen möchte Weiß auf keinen Fall. ABER halt 18.Sd5 stellt doch Schwarz vor Probleme? 18...Dxa2 (18...Ta6 19.e5 Dxa2 20.Dxh7+ Kf7 21.Sxb4 Da1+ 22.Kd2 Dxb2+ 23.Sc2 Dc3+ 24.Ke2) 19.Sxf6+ gxf6 20.f4 Sc6 21.Sf3 La5 (21...Sa5 22.e5 Dxc4+ 23.Dxc4+ Sxc4 24.exf6 Lf5 und die Mattgefahren sind weniger geworden) 17.e5 nach 17...g6!? (17...Lxc3 18.exf6 g6 19.f4 Lf5 20.Ld5+ Kh8 21.Sf3 Lxd3 22.Txh7+ Kxh7 23.Th1#) 18.exf6 Lf5 muss Weiß erkennen können, dass die Dame geopfert werden kann 19.f4!! Lxd3 20.Ld5+ Kh8 21.Txh7+ Kxh7 22.Sf3 mit Matt]

In der Partie folgte nun nach 17...Dxa2 mit 18.Sc7?? der letzte Fehler. Natürlich will Weiß nicht den Turm auf a8 schlagen - das Feld e6 muss irgendwie unter Kontrolle gehalten werden – aber es ist schon zu spät?

Eigentlich immer noch nicht – die weiße Stellung war gar nie so schlecht und sogar jetzt hätte es noch einen Ausweg gegeben – und wieder wäre das Motiv 18.e5!!

2019Tode06

ein letztes Mal noch möglich gewesen.

18...g6? 19. Sd6 und Weiß steht besser

a) 18...Da1+ 19.Kc2 Da4+ 20.Kb1 Lf5!! 21.Dxf5 Dxd1+ 22.Ka2 mit Dauerschach;

b) 18...Se4 19.f4 (19.fxe4?? Tf2–+) 19...Sxg5 20.Ld5+ Kh8 21.Sd6 f5 und e6 sind unter weißer Kontrolle;

In der Partie bringt Schwarz mit 18...Sc6 eine weitere Figur mit diversen Mattdrohungen ins Spiel 19.Sd5 [19.Lxf6 Txf6 brächte nun einen weiteren Angreifer wirklich ins Spiel. 19...Sxd5 20.exd5 Lf5 und Weiß muss aufgeben. Ja zu Tode gefürchtet ist tatsächlich auch gestorben!!

Was können wir schwachen Spieler daraus lernen? Nun einmal Angst ist ein sehr schlechter Berater und hemmt das eigene Spiel. Steht man einmal wie das Karnickel vor der Schlange ist die Partie schon vorbei – auch wenn es noch viele Auswege gibt. Werden wir dann all die Computervarianten am Brett finden? Natürlich nicht, aber mit weniger Angst haben wir nicht zwingenderweise mehr Erfolg, aber vielleicht mehr Freude am eigenen Spiel.

Nun hat die Krennwurzn ein wenig geflunkert, denn so erfahren mit Niederlagen ist sie nun auch wieder nicht, denn 70% meiner Partien verliere ich eben nicht. Könnte das Problem nicht doch an den mangelnden Erfahrungen mit Niederlagen liegen. Ich denke ja und es ist ein generelles Problem im Schach. Wir lesen immer nur von Siegen und Erfolgen und vergessen komplett, dass es ohne Verlierer keine Sieger geben kann und wir unsere Einstellung zu Sieg und Niederlage ändern müssen: beides sind „part of the game“ und daher möchte ich Sie mit Berthold Brecht ein wenig nachdenken lassen:

Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
„Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“


Die Partie zum Nachspielen:

 

Was geht ab?
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Montag, 20 November 2017 23:09

Irgendwas mit Katzen

Die altgedienten LeserInnen werden sich erinnern - da war doch schon einmal sowas, ein Video mit einer Katze und einem Typen, beide spielen Schach, und huch!, dann kommt es zu einem regelwidrigen Zug. Wir sagen nicht, wie es weitergeht, denn das kann jeder auch selber herausfinden - es lohnt sich.
Selbst wenn der kleine Film hier schon mal lief, ist es immer noch mein Lieblingskatzenschachvideo, und so etwas kann man ja nun wirklich nicht oft genug angucken. Wenn eine Eröffnung gut ist, spielt man sie ja auch gerne ein zweites Mal. Von daher:

Urelo in Kreta entdeckt!
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Mittwoch, 01 April 2015 10:05

Urelo in Kreta entdeckt!

Bereits im September des Vorjahres war die Krennwurzn nicht wie viele dachten wieder einmal auf Urlaub und ließ sich in der Bratpfanne (Balos Peach) in Nordwestkreta die Sonne auf den schon ganz beachtlichen Bauch scheinen, sondern diesmal war es eine geheime archelogische Expedition in die Geheimnisse der Schachgeschichte.

2015Elo01Hier in der Bratpfanne hätte die Krennwurzn unbeschwerte Ferien verbringen können, aber was tut man nicht alles fürs Schach!

Nahe der heutigen Ortschaft Elos im Westen Kretas grub ein internationales Expertenteam nicht nur nach antiken Bauten, sondern ging auch einem Hinweis eines 1958 entdeckten Kommentars zu Platons Ideenlehre nach indem gesagt wird, dass das Elosystem schon den alten Griechen bekannt war und im Eloheiligtum in Kreta verehrt wurde. Wahrscheinlich wurde Schach und das Wertungssystem von kretischen Rückkehrern aus Truppen, die mit Alexander dem Großen in Persien und an den Grenzen Indiens waren, schon viel früher nach Europa gebracht.

2015Elo02Das Ausgrabungsteam bei der Arbeit in der griechischen Septembersonne!

Natürlich steht das im krassen Widerspruch zur bekannten Lehre wonach das Elosystem von Arpad Elo erfunden wurde. 1959 – ein Jahr nach dem Fund eines kleinen Hinweis auf ein Eloheiligtum in Kreta – begann der Ungar das heute bekannte System zu entwickeln - natürlich kann das Zufall gewesen sein, aber wir werden es nie mit Sicherheit wissen, aber es besteht die Möglichkeit, dass er von einem Freund auf der Universität von Milwaukee Kenntnis vom antiken Elosystem gehabt haben könnte.

2015Elo03Moderne Archeologie mit altertümlichen Geräten kann schweißtreibende Arbeit sein - aber dafür kann man sogar eine Krennwurzn gebrauchen!

Mit Sicherheit wissen wir allerdings, dass das Elosystem so seine Schwächen hat und nur auf statistischen Berechnungen fußt und uns daher viele, viele Probleme beschert. Die Elozahlen sind nicht fixe Größen sondern die Wahrheit liegt in einem Nebel vergraben – man kann nur die Wahrscheinlichkeit für den Spielausgang angeben und aus einer Partie und schon gar nicht aus einem Zug kann man keine wirklich haltbaren Schlüsse ziehen, weil – ja weil – ein fixer Bezugspunkt fehlt. Nun wurde bei den Grabungen im September ein URELO gefunden, das genau diese Probleme löst – genau wie beim Urkilogramm und Urmeter gibt es nun auch eine fixe Referenz auf die alles exakt zurückgerechnet werden kann. Inflation, Normalverteilung und Standardabweichung sind ab jetzt nur etwas für Weicheier! Jetzt wird einfach und auch richtig gemessen und die Zahlen lügen nun mal nicht.

2015Elo04Aber auch Präzesionstechnik wurde verwendet ... natürlich ohne Krennwurznhilfe!

Was hat das für praktische Auswirkungen auf das Schach? Nun jetzt kann man die Elozahl für jeden einzelnen Zug eines jeden einzelnen Spielers berechnen. Betrüger werden also sofort aufgedeckt, weil ein von einer Maschine gespielter Zug vom URELO sofort erkannt wird. Aber wie darf man sich das vorstellen? Nun fangen wir ganz einfach an und legen eine Notation einer Krennwurzn Partie neben das URELO und starten wir die Berechnungen und wir sehen, dass der Zug 1. e4 am 15. November 2014 mit einer Elozahl von 1815 gespielt wurde und der Gegner mit 1. ... c5 und 2266 Elo geantwortet hat, was unweigerlich – wenn auch nicht verwunderlich – zu einer Niederlage der Krennwurzn führte! Doch viel wichtiger wurde am gleichen Tag auch von Magnus Carlsen der Zug 1. e4 gespielt, aber mit einer Rekord-Elo von 3325 und sein Gegner Vishy Anand antwortet ebenfalls mit 1. ... c5 aber nur mit einer Elo von 2637 und schon da war klar, dass Vishy an diesem Tag auch den Fehler 26. Kd2 (Elo 2593) nicht bestrafen wird können und nur den Zug 26. ... a4 mit Elo 2599 bringen wird können, da für den Hammer 26. ... Sxe5 der Elobedarf für Vishy bei unglaublichen 4753 Elo gelegen wäre!

War bisher und bei oberflächlicher Betrachtung der Zug 1. e4 immer gleich stark, weil ja die zugrunde liegende Stellung nur remis, gewonnen oder verloren sein kann - was auch durch das URELO nicht bestritten wird – so kann nun jeder einzelne Zug von dieser Ebene, die den Maschinen vorbehalten ist, weggehoben werden und individualisiert werden. Das URELO kann in Kombination mit der Person, dem Ort und der Zeit die Stärke eines Zuges berechnen. So spielte Carlsen den Zug 1. e4 in Wijk gegen Saric nur mit Elo 2702 und dies reichte an diesem Tag nicht aus um einen Sieg einzufahren.

2015Elo05Der Flug des Elophönix

Leider ist es zur Zeit noch notwendig, dass sich das Urmeter in unmittelbarer Nähe zur Originalnotation befindet um genaue Werte zu liefern, aber die Forscher arbeiten hart daran auch historische Partien auswerten zu können und wir dürfen schon gespannt sein, was uns diese Auswertungen an neuen Erkenntnissen bringen werden und für das Jahr 2016 ist ein eigener Server geplant auf dem alle gespielten Partien in Echtzeit ausgewertet werden können – gegen eine geringe Gebühr von 0,815 EuroCent pro Partie! Aus steuerlichen Gründen sollte dieser mit eigenem Solarstrom betriebene Server in der Nähe des antiken Eloheiligtum in Kreta stehen und zu einem Eloheiligtum 2.0 werden.

Schach, Backgammon, Pokern
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Donnerstag, 11 Dezember 2014 00:00

Schach, Backgammon, Pokern

Schach

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Das Schachspiel hat einen durchaus anerkannten Klang im Namen. Sehr viele Menschen, denen man begegnet, und denen man sich erkennbar als Schachspieler ausgibt — die dazu überzeugendste Methode: ein Magnetschach aufbauen, egal, wo —, bleibt kurz stehen, nickt anerkennend, runzelt die Stirn oder was auch immer, aber zeigt damit an, dass er einverstanden wäre, darauf angesprochen zu werden und man tut ihm den Gefallen: „Ah, spielen Sie auch Schach?“. Natürlich, da er doch irgendwie spüren dürfte, dass er dem Niveau hier nicht ganz gewachsen ist, wird er eine leicht abwehrende Geste dazu machen, aber die dazu geäußerten Worte ähneln einander doch meist: „Ja, naja, nein, ich habe mal, früher, leider jetzt nicht mehr.“ oder auch „ich spiele immer mal mit meinem Vater/Sohn/Schwager“ oder „Mein Opa hat mir als Kind mal die Regeln erklärt, aber seitdem eigentlich nicht mehr.“ . Es besteht ein Interesse, es ist anerkannt, es hat einen hohen Stellenwert, die meisten kennen es, zumindest die Regeln, sind irgendwie voller Bewunderung, aber haben es doch nie über das Level des Hobbyschachspielers hinaus gebracht, im Gegenteil, sind sie meist sogar davor schon abgesprungen. Der Grund, aus meiner Sicht: die Komplexität, der man sehr bald begegnet und welche einem die eigene und gegnerische Zugauswahl im Prinzip zufällig erscheinen lässt sind ungeeignet, den Spaßfaktor zu erhöhen. Sprich: selbst der Gewinner weiß eigentlich nicht einmal so recht, warum er gewonnen hat (bei einer Partie unter Anfängern).

Wer sich denn doch weiter und tiefer in das Spiel hineindenkt — meine Beobachtung ist die: das Verständnis ist meist erst nach über einem Jahr so groß, dass überhaupt ein ernsthaftes eigenes Interesse, eine Faszination dafür, aufkommen kann —, könnte bald zu jener kleinen und kaum auf den Straßen oder in Cafés zufällig anzutreffenden Gemeinschacht der Vereinsschachspieler gehören. Jeder der vorher am Tisch stehen gebliebenen würde, falls er denn tatsächlich einmal einen Schachclub aufsuchen sollte, um sich dort mit einem auch nur schwächeren Vereinsspieler auf eine Partie einließe, sehr bald feststellen, dass es Welten sind, die ihn vom Gegenüber trennen. Da gäbe es auch kein verbales Kaschieren mehr ( Sein Level war: „Wir spielen ab und an, in einer Kneipe, und da gewinne ich gegen meine Freunde fast immer…“), hier würde die Realität ihm recht schonungslos die Augen öffnen: hier hat er nicht die geringste Chance. Dies mag zwar einen sich selbst als solchen bezeichnenden "rechten Schachspieler" in gewisser Weise zum Schmunzeln bringen, nur merkt er dabei möglicherweise nicht, dass genau diese Abschreckung dafür sorgt, dass unsere Gemeinschaft so klein bleibt (was er an anderer Stelle aber zutiefst bedauert). Die Kunst wäre hier — und natürlich Thema an ganz anderer Stelle : wie könnte man diese ersten Schritte vereinfachen, dem Neuling genau dieses Gefühl nehmen, dass er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und dass er ja möglichst bald wieder das Weite zu suchen hätte, da er zu einem Schachspieler einfach nicht taugt? 

Ich persönlich habe stets mein Magnetschach dabei und scheue mich auch nicht, dieses aufzubauen, an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Das kann auch mal die U- oder S-Bahn sein oder ein Bus, sofern von einem Schachspieler begleitet. Überall sind diese Reaktionen möglich, man hört immer wieder auch die Frage: „Wer hat denn nun gewonnen bei euch?“, welche man immer gleich erörtern muss damit, dass man lediglich analysieren würde (was dem Wohlwollenden das wohlwollende Lächeln abringt, mit einem „Ach so“ verbunden, dem weniger wohlwollenden vielleicht das ungläubige Staunen begleitet von einer Art Kopf schütteln, einen würde aber alle, auch die ungewollt mithörenden, der unausgesprochene Gedanke „Das sind Irre, der Welt entrückt“, kurz könnte man sagen „Verrückte“. Dies mag zwar sogar ein Attribut sein, mit welchem der eine oder andere Schachspieler ganz gut umgehen kann, nur wird der begleitende Effekt der Abkehr von diesem Spiel, durch diese kurze Berührung mit dem Schach für alle mehr oder weniger beteiligten Unbeteiligten, dadurch keineswegs verringert, sondern, im Gegenteil, weiter gesteigert. „Schach? Nein, das mag sicher interessant sein, ein tolles Spiel. Aber das spielen ja nur Verrückte.“ 

Nun ja, wir alle dies hier Lesenden haben ja vermutlich diese ersten Schritte irgendwie bewältigt und die vielen Narben, die wir und sicher früh mal eingehandelt haben, sind kaum noch zu erkennen. Dennoch — auch dies an anderer Stelle bereits einmal Thema, nur weiß ich grad nicht, wo? — ist aus meiner Sicht die Vorhersehbarkeit für den Ausgang einer Schachpartie auch für gestandene Schachspieler oftmals zu groß. Sofern man nämlich „weiß“, wer gewinnt, ist, unabhängig von den reinen Spielinhalten oder der Hochwertigkeit des Spiels, gar den künstlerischen Inhalten, ein anderer Effekt, welcher im Sport und dessen Wettkampf häufig eine große Rolle spielt, empfindlich verletzt. Es ist der Aspekt der Spannung. Sicher könnten sich die Beteiligten sogar noch darüber erheben, indem sie sich einfach auf ihren nächsten Zug konzentrieren und versuchen, den besten zu finden, aber ein Zuschauer, der sogar gewillt ist, dem Ereignis zu folgen, dürfte sich bald abkehren und sagen: „Der Favorit setzt sich durch. Wozu soll ich schauen?“

Eine der Begleiterscheinungen: im Schach gibt es keine hohen Preisgelder zu erzielen. Warum? Weil der Amateur, welcher letztendlich den Profispieler finanzieren müsste, sich, aufgrund der Vorhersehbarkeit, nur auf einen kleinen Spendenbeitrag (in Form des Startgeldes) einließe. Sobald es aber mal ein Turnier gibt, bei welchem höhere Preisgelder (vermutlich durch einen Sponsor) ausgelobt werden, trifft man allerdings flugs eine versammelte Elite von Spielern an, die sogar weite Reisen in Kauf nehmen, um einen Teil des Kuchen abzubekommen. Daran erkennt man: im Schach gibt es kein Geld zu verdienen.

Backgammon

485Ich möchte Backgammon nicht zu eingehend erläutern, habe es aber selbst etliche Jahre, dazu ziemlich erfolgreich, betrieben. Der Unterschied wird, Podolskis Äußerung ähnlich („Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“), aber sehr bald klar: durch den Einsatz von Würfeln ist ein beliebiges Zufallselement hinzugefügt, welches ganz offensichtlich dem Schwächeren dienlich ist und seine Chancen erhöht. Selbst wenn er seine Steine — das Spiel dem Schachspiel insofern ähnlich: man hat 15, allerdings gleichartige Steine, welche man dennoch strategisch klug setzen muss, um sie als erster in einem gegenläufigen Rennen um das Brett zu bringe, um sie auf der gegenüberliegenden Seite sie als Erster auszuwürfeln —  weniger klug und strategisch mangelhaft um das Brett setzt, so kann ihm ein Paschwurf (die Augenzahlen werden doppelt gesetzt, also bei Pasch 6, mit zwei Würfeln, kann man auf einen Schlag 24 Augen gutmachen) zur rechten Zeit doch noch das Glück des Sieges bescheren. 

Die Anerkennung für dieses Spiels ist, gegenüber jener für das Schachspiel, ungleich geringer. Bei einer dem obigen Beispiel ähnlichen Begegnung also hörte man seltener „Habe ich auch mal gespielt“ und noch seltener „ein tolles Spiel“, aber, egal, wem man darüber erzählt, würde das ungläubige Erstaunen viel eher davon ausgelöst sein, dass man es als „strategisch hochwertiges Spiel“ anpreist, denn dies, so Jedermanns Überzeugung, ist undenkbar DURCH den Einsatz von Würfeln. Sofern nämlich hier ein Partieausgang im schlichten Denken „nicht vorhersehbar, geschweige denn berechenbar“ wäre, wäre er „rein zufällig“ und insofern wäre Gewinner lediglich der, dem Fortuna gerade hold ist. Ein Unterschied zwischen 60% Siegwahrscheinlichkeit gegenüber 40% wäre nicht wahrnehmbar und würde zudem belächelt werden.

Die positive Auswirkung dieser — man verziehe mir den Ausdruck — Naivität ist die: beim Backgammon werden, sofern sich denn mal ein Haufen Gleichgesinnter, meist nach Ankündigung, am gleichen Ort einfindet (sagen wir: es gibt auch hier Turniere und Ausschreibungen), sind die Anreisenden nicht nur bereit und einverstanden, die um ein 10- bis 100-fach höheren Startgelder zu entrichten, nein, sie heißen dies sogar mehr als willkommen. Die Verlockung ist da, die Eitelkeit ohnehin hoch: „Da gibt es riesige Preisgelder zu gewinnen. Das Glück auf meiner Seite — Befähigung im ausreichenden Maße vorhanden — und ich schnapp mir den ersten Preis. Halbfinale täte es notfalls aber auch.“

So ist es schon ein hier und da zu beobachtender Effekt, dass lange Jahre ehrgeizige, anerkannte, hochwertige, aber auch andere Schachspieler, allein aus diesem Grund das Terrain wechselten. Hier kann man richtig Kohle machen.

Auch beim Backgammon gibt es aber längst einen Effekt, nach welchem auch hier die Wissenschaft weit genug vorgedrungen ist, sogar dem Träumer endgültig und unmissverständlich die Augen zu öffnen — und sie danach umverschließbar zu machen. Die heutigen Backgammon Programme sind so weit,  ähnlich wie die Schachprogramme, jeden Fehler schonungslos und unweigerlich, zugleich unwidersprochen (wer es wagt, bekommt noch mehr Lehrgeld aufgebrummt) aufdecken. Am Ende eines Matches, welche inzwischen auch, sogar per Hardware (tatsächlich wurden zwei meiner Matches bei der Weltmeisterschaft 2005, meiner letzten Teilnahme dort, damals schon live ins Internet übertragen, wie ich hier einfach mal, durchaus von Stolz begleitet, einfließen lasse), aufgezeichnet werden, gibt der Computer zudem eine nicht in Frage zu stellende Bewertung der Spielqualität ab, in Form der Error-rates (Ah, das muss der Bezug gewesen sein, damals schrieb ich über die Schachprogramme und die Bewertung der Spieler mithilfe von Error rates). Wie schlimm waren die Fehler, die die beiden Spieler gemacht haben? Gemessen wird hier im Prinzip in verschenkten Prozentpunkten auf den Sieg im Match. Wenn also der eine Spieler nun konstant bei einer 3.9 spielt, der andere aber bei 6.0: der Unterlegene WÜSSTE nun, ähnlich wie im Schach, dass er schwächer ist und dass er die fehlenden Chancen zwar in einer einzelnen Partie mit dem Glück ausgleichen kann, aber niemals auf Dauer. Das heißt: auch beim Backgammon überwiegt bereits der dem Schach ähnliche Makel: falls es zu vorhersehbar wird (beim Backgammon auf der Ebene hier: falls zu klar ist, wer besser ist), wer gewinnt, gibt es weder hohe Startgelder noch, einhergehend, hohe Preisgelder. Motto: „Ich sehe ein, dass du besser bist. Nein: ich musste es einsehen. Aber nun, da ich das weiß, zahle ich doch kein solches Startgeld mehr? Ich fahre nicht einmal hin.“ Folge: Backgammon ist rückläufig, trotz einer von mir durchaus anerkannten Hochwertigkeit des Spiels, und dies unter Einbeziehung der Notwendigkeit der Würfel und des davon provozierten zufällige(er)en Ausgangs.

Pokern

411Das Pokerspiel ist nun aus meiner Sicht das in dieser Hierarchie höchstwertige Spiel. Selbst wenn man nun auch hier irgendwann mal — am besten geeignet: Geld zählen, jeden Tag — einsehen wird, dass es bessere und schwächere Spieler gibt: die Vielfalt der Möglichkeiten, speziell im eigenen Verhalten am Spieltisch, ist so gigantisch hoch, speziell der Effekt der Psychologie, dass es noch einige Zeit dauern dürfte — falls überhaupt jemals möglich —, bis Programme tatsächlich das Spielniveau korrekt bewerten können.

Das Texas Hold´em, der wohl derzeit weitest verbreitenden Variante, der wohl derzeit weitest verbreitenden Variante, kurz erläutert: zwei  der beispielsweise sechs Spieler müssen das Spiel eröffnen. Der eine mit einer halben Grundeinheit (Small Blind), der neben ihm sitzende mit dem Big Blind. Diese Spieleröffnung ist erforderlich, damit garantiert in jedem Spiel ein Umsatz gemacht wird. Jeder erhält zwei nur für ihn sichtbare Karten auf die Hand. Danach gibt es die erste Bietrunde, bei welcher reihum, nach vorgegebener und sich Runde für Runde gerecht verändernder Reihenfolge, die Spieler aufgrund der Ansicht ihrer Karten (oder sonstiger Überlegungen, womit wir fast schon beim Punkt wären) entweder mitgehen, erhöhen oder passen dürfen. Eine Erhöhung des Einsatzes hat zwangsläufig eine weitere Bietrunde zur Folge. Dabei folgen die Erhöhungen bestimmten Gesetzen (und sind nicht in allen Fällen beliebig; maximal kann ein Spieler selbstverständlich nur das Geld verlieren, welches er vor sich hat und muss nicht etwa, wie in manch mäßigem Film zu sehen, zwischendurch rasch mal in die Tasche). 

Selbstverständlich gibt es auch beim Pokern (wie beim Backgammon), das reine Geldspiel und das Turnierspiel. Beim reinen Geldspiel gelten ohnehin etwas eigene Gesetze und die möglicherweise im Einsatz befindlichen Geldbeträge können nach Belieben ausufern (falls man also im reinen, aber seriösen Geldspiel den gesamten vor sich liegenden Einsatz in einem Spiel verloren hätte — was durchaus nicht ungewöhnlich ist —, so könnte man direkt danach doch wieder in die eigenen Tasche greifen — und wird dies, bei Potenzial, vermutlich sogar tun — und das Budget wieder aufstocken, nur um es vielleicht in der nächste Runde schon wieder komplett durchzubringen (dies passiert besonders gerne konsekutiv; denn: wer ein Spiel, dazu unglücklich, verliert, neigt schon mal dazu, in der nächsten Partie zu hasardieren).

Es gibt aber selbstverständlich, und das wohl in der Mehrzahl, auch beim Pokern das Turnierspiel (welches die übergeordnete Rolle beim angegebene Anbieter Full Tilt spielt). Hier bleibt alles übersichtlich: man zahlt ein Startgeld und bekommt im Gegenzug die für das Turnier nötigen Spielchips. Diese Chips nun auf einmal setzen („All-in“) und verlieren bedeutet im ungünstigen Fall: man ist ausgeschieden. Die Möglichkeiten danach: ein weiteres Turnier spielen. Aber nicht etwa: tief in die Tasche greifen und nachladen.

Das Turnierpoker hat also aus meiner Sicht einen sehr hohen Stellenwert: es ist und bleibt ein hoch komplexes Spiel, das Zufallselement, welches durch das Austeilen von Karten hinzu kommt, ist hoch willkommen. Zugleich ist es ein mathematisches Spiel, welches ja prinzipiell für Schachspieler geeignet scheint. Selbstverständlich haben sich auch schon sehr zahlreiche Schachspieler, bis zur Weltelite, darin probiert. Wie erfolgreich, vermag ich zwar nicht zu sagen, aber ihre Veranlagung ist grundsätzlich darauf ausgerichtet und dafür geeignet. Das professionelle Spielen erfordert selbstverständlich ein gewisses Begleitprofil, welches nicht automatisch mitgeliefert wird.

Falls man nun kurz einen Einblick erhalten möchte, wie komplex das Spiel ist, wie hoch die Vielfalt der Möglichkeiten ist und inwieweit es Programmen unmöglich sein dürfte, in logischen, nachvollziehbaren Auswertungen, den besseren vom schwächeren Spieler zu unterscheiden, hier ein paar Beispiele:

Ein Fehler kann sehr wohl eine geplante Aktion sein. Dies erst einmal als grundsätzliche und wichtige Überlegung. Schlussfolgerung wäre daraus: es ist zwar ein Fehler, aber es ist doch keiner?! Nun, die Fehlerhaftigkeit darin, einen Einsatz zu bezahlen ohne mathematische Rechtfertigung. Als ganz anschauliches Beispiel: man hätte das Minimum, die schlechtes denkbare Hand, und würde am Ende ein raise, eine Erhöhung, bezahlen, das ganze am besten früh in einer Partie. Man hätte also GARANTIERT verloren. Was könnte das Programm anders dazu sagen als: „Debil. Wer so etwas bezahlt kann nur debil sein.“ Was aber, wenn die dahinter stehende Überlegung lautet: „Ich mache JETZT diesen billigen Fehler, damit der Gegner später einen teureren Fehler macht?“ Tatsache ist, dass man meist ein Spielerprofil anlegt, dies tut jeder Spieler am Tisch von seinen Mitspielern (manche wissen natürlich weniger als andere). Falls das Profil dieses Spielers, aufgrund der frühen Unsinnigkeit eines Einsatzes (das Beispiel war ja überspitzt, um es plastisch zu machen), nun auf „ der kann nichts“ gesetzt wird, so hat dies zwei Konsequenzen: a) der wird nicht ernst genommen, also sein seine Einsätze grundsätzlich unsinnig, unüberlegt, und b) das Profil wird schwerlich verändert, weil der erste Eindruck am meisten zählt.

Ein weiteres, kleines Beispiel: man hat mehrfach vorher raises getätigt. Man hat mehrfach damit einen Pott geschnappt, weil die Gegner gepasst haben (übersetzt in die Pokerspielersprache: man hat ihm geglaubt). Nun wird es ganz sicher passieren, dass der Spieler irgendwann einmal kontrolliert wird (das auch Pokersprache). Vermutlich wird es daran liegen, dass ein Gegenspieler eine ausreichend gute Hand hat, mit welcher er sich nicht aus dem Pott verdrängen lässt durch blindwütige raises. Falls er nun kontrolliert wird, indem er die Karten auf den Tisch legt, und sich herausstellt, dass er nichts außer einem Haufen Müll auf der Hand hatte, so hat dies nicht etwa die Konsequent, dass er als Trottel abgestempelt wird, im Gegenteil, kann ihm das sogar Hochachtung einbringen. Dennoch wird es die Konsequenz haben, dass er zunächst an Glaubwürdigkeit verloren hat. Sollte er sich also im folgenden Spiel erneut für eine Erhöhung entschließt und dabei keine vernünftige Hand hat, so muss er wohl damit rechnen, den nächsten Pott auch zu verlieren. Das wäre also ein dummer Zug. Dagegen günstig: er bekäme im nächsten Spiel gute Karten. Dann denkbar: man glaubt ihm nicht und zahlt auch mit einer minderwertigen Hand, zur Kontrolle.

512Was ich damit erläutern möchte: wie sollte es einem Programm möglich sein, diese Sequenz von Zügen in einen logischen Zusammenhang zu bringen? Man kann sich übrigens auch Glaubwürdigkeit „erkaufen“. Das geht so:  man spielt 15 Spiele lang gar nicht. Dann hat man eine Hand oder noch immer keine. Nun setzt man plötzlich, sogar recht hoch: was sollten die Mitspieler nun annehmen? 15 Spiele lang nicht gespielt: der MUSS doch jetzt was haben? 

Verwandte Artikel: Wetten, Schach...?

Der Süden dreht auf!
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Dienstag, 17 April 2012 03:07

Badnerland, Du edle Perl´

Das große Rennen um die Deutsche Meisterschaft 2012 ist entschieden. Auch wenn es vorher niemand ernsthaft zu hoffen gewagt hätte - die SG Baden-Oos sicherte sich als Außenseiter den begehrten Meistertitel und ließ dabei die Favoriten aus Bremen, Solingen, Porz und sogar die Schachfreunde Berlin  deutlich hinter sich.

Schachwelt.de, der Blog für die angenehmen Wahrheiten, sagt: Gut gemacht! Wir gratulieren herzlich und wünschen alles Gute für den Europapokal und auch schon für die kommende Saison - vielleicht gelingt ja sogar eine Titelverteidigung?

noppes

Sven Noppes und Peter Heine Nielsen befragen das Homburger Liga-Orakel

Zu Ehren von Teamchef Sven Noppes, seinem Chef Wolfgang Grenke, Jan Gustafsson, Viswanathan Anand und den anderen Spielern,
sowie für alle Badener im Herzen bieten wir heute ein Stücken Kultur an.
Wir freuen uns über die (siebte!) Deutsche Meisterschaft (in Folge!) mit einem kleinen Lied. Frisch auf!

Das schönste Land (Badenlied)

Das schönste Land in Deutschlands Gau´n
das ist das Badnerland,
es ist so herrlich anzuschaun
und ruht in Gottes Hand.
Drum grüß ich dich, mein Badnerland,
Badnerland, du edle Perl im deutschen Land
Frisch auf, frisch auf!
Frisch auf, frisch auf, mein Badnerland,
Du edle Perl im deutschen Land!

Zu Haslach gräbt man Silbererz
in Freiburg wächst der Wein,
im Schwarzwald schöne Mädchen
ein Badner möcht ich sein.
Drum grüß ich dich, mein Badnerland,
Badnerland, du edle Perl im deutschen Land
Frisch auf, frisch auf!
Frisch auf, frisch auf, mein Badnerland,
Du edle Perl im deutschen Land!

Der Bauer und der Edelmann
das stolze Militär
die schaun einander freundlich an
und das ist Gottes wert.
Drum grüß ich dich, mein Bremerlandland,
Bremerland, du edle Perl im deutschen Land
Frisch auf, frisch auf!
Frisch auf, frisch auf, mein Bremerland,
Du edle Perl im deutschen Land!

Quelle: http://www.volksliederarchiv.de/text1705.html

schach-schachwelt-baden 2

Das berühmte Baden-Badener Wetter zeigt sich auch auf diesem Bild

 

Die älteren Leser dieses Blogs werden sich noch vage erinnern:
zum Saisonbeginn hatten wir hier ein kleines Tippspiel ausgeschrieben und fragten, wer wohl Deutscher Vizemeister 2012 werden würde? Die Beteiligung war munter, damals im Oktober - es waren die seligen Zeiten vor der Europameisterschaft und dem Naiditsch-Interview zur Bundestrainer-Diskussion, und hier im Blog konnte noch kommentiert werden ohne jegliche Registrierungspflicht. (Das waren noch Zeiten, was?)

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit lag Holger Hebbinghaus bei diesem Tippspiel daneben - er hatte Eppingen auf Platz 2 gesehen. Stattdessen gehen die begehrten Preise nun wie folgt in die Welt hinaus:

Platz 1: eine schöne Tasse Kaffee und ein Schiffsquartett der Meyer Werft in Papenburg

Platz 2: eine Tafel Bremer Hachez Schokolade und ein Saisonmagazin der SG Baden Oos (Saison 2011/2012)

Die Preise 1 und 2 gehen an die Leser mit den besten (und für Schachspieler so immens wichtigen) visionären Fähigkeiten. Sowohl Klaus aus Berlin als auch Rolf aus Hamburg tippten Werder Bremen auf Platz zwei, und wahrlich, so geschah es! Also musste ein neutrales Los entscheiden, und durch Münzwurf geht der erste Platz nun an Rolf, Platz zwei an Klaus. Glückwunsch - die Preise werden zugestellt!

Platz 3: die schöne CD "Rod Stewart Unplugged"  geht an Che Falquito. Er tippte auf Solingen als Vize und lag damit auch beinahe richtig. Beeindruckend! Wir gratulieren - zur neuen CD (und mehr noch zum Aufstieg!).

Einen symbolischen Ehrenpreis würden wir gerne vergeben an Scheiterer, dessen Tipp Dresden nicht nur nicht Vizemeister wurde, sondern darüberhinaus erst einmal und wenn auch nur sehr knapp den Gang in die Zweite Liga Ost antreten muss. Beim nächsten Mal wird´s besser! -

*******

An alle Leser: Wir freuen uns sehr über den einen oder anderen Kommentar zur Bundesliga oder zum Saisonverlauf. Soll Porz wieder aufsteigen? Hat Baden-Baden den Titel wirklich verdient? Und was hat Euch in der vergangenen Saison am Besten gefallen? 

 

Anzeige des BMAS
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Das positive Image des Schachs wird gerne von privatwirtschaftlichen Unternehmen für Werbekampagnen genutzt. Schachfiguren oder Slogans wie "Sie sind am Zug" sind dabei häufig anzutreffen. Jüngst bediente sich nun auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) der Symbolkraft. Eine Anzeige zum sensiblen Thema „Hilfe für Opfer von Gewalttaten“ startete mit einem stilisierten Schachfigurenbild als Aufmacher.

Beim besten Willen gelang es mir aber nicht, einen Zusammenhang zwischen unserem Spiel und der Thematik herzustellen. Ist Schach Opfer, Täter oder Helfer? Unserem Image förderlich scheint die Anzeige mir jedoch keineswegs zu sein. Was meinen Sie dazu?

Zu sehen ist die komplette Anzeige in der Februarausgabe von SBK-leben, dem Magazin der Siemens-Betriebskrankenkasse, auf Seite 2. Zum Download auf SBK

Auf unsere Bitte um eine Stellungnahme erhielten wir vom BMAS bisher keine Antwort.


Banner Schachreisen 2015 vollfarbig blau neuUpdate:

Soeben erreichte mich die Stellungnahmes des BMAS. Anscheinend hat man dort ein völlig anderes Verständnis des Schachs. Nachfolgend die komplette Mail mit freundlicher Genehmigung des Referatsleiters Joachim Zweig. Die für mich völlig unverständliche Passage habe ich blau eingefärbt. Vergleiche zu Optiker- und Malerinnung lasse ich unkommentiert.
 

Sehr geehrter Herr Hickl,

vielen Dank für Ihre mail zu unseren Publikationen und Anzeigen „Hilfe für Opfer von Gewalttaten“, die ein Segment aus Schachfiguren enthalten.
Zunächst eine kleine Richtigstellung: Das 'Schachfigurenbild' verwenden wir schon seit 2004 auf den entsprechenden Veröffentlichungen zum Opferentschädigungsgesetz; von einem 'Start' kann also nicht die Rede sein. Seitdem, also nun schon über 7 Jahren später, ist Ihre Mail die erste Kritik zu diesem Bild.

Nun zur Auswahl des Bildes selbst:
Wie die anderen Bundesministerien arbeitet das BMAS mit verschiedenen 'Schmuckbildern' auf seinen Veröffentlichungen. Dies ist u.a. notwendig, um bei der Vielzahl der Publikationen über das Bild einen Wiedererkennungseffekt zu ermöglichen. Teilweise ist das sehr einfach, weil ein konkreter Gegenstand, eine Situation etc. abgebildet wird, teilweise muss auf symbolische Schmuckbilder zurückgegriffen werden.

Das BMAS verwendet z.B.
für die Arbeitsschutzbroschüre 'Klare Sache'
eine Zeichnung. Das bedeutet aber nicht, dass nur Jugendliche, die von Farbeimern getroffen werden, nun schützenswert sind. (Auch die Malerinnung hat sich bis heute noch nicht beschwert.)
für die Arbeitsrechtsbroschüre
die sich nicht nur an Brillenträger wendet. (Bisher auch noch keine Proteste von der Optikerinnung.)
oder an die Broschüre zur Grundsicherung
die natürlich auch für Menschen gilt, die nach links abbiegen.

Viel wichtiger ist es bei sehr sensiblen Themen - wozu z.B. Gewaltverbrechen und damit Opferschutz aber auch z.B. Themen aus dem Behindertenbereich gehören - ein Foto oder eine Grafik zu finden, durch die betroffene Personen nicht diskriminiert werden oder in diesem konkreten Fall durch die Darstellung einer Gewaltszene gar zur Nachahmung animiert werden.

Aus dem Grund hatten wir uns entschieden, ein Bild mit Schachfiguren zu wählen, da gerade die Plötzlichkeit des Ereignisses - also das Schachstellen einer Figur -  so manchen Spieler genauso überrascht wie das Opfer einer Gewalttat.
Dennoch wissen Sie - besser als ich -, dass es genügend Abwehrmöglichkeiten im Schachspiel gibt, um den Schaden für die eigenen Figuren möglichst gering zu halten oder ein Schachmatt sogar zu verhindern.

Das Gleiche gilt für die Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden. Mit einem wesentlichen Unterschied: Das Spiel für die geschlagene Schachfigur ist endgültig beendet. In der Realität aber gibt es Dank des Opferentschädigungsgesetzes für die Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden, eine Möglichkeit auf Entschädigung und Unterstützung, damit sie weiter aktiv am Leben teilnehmen können.

Dafür steht das Hilfe- und Entschädigungsgesetz und dafür werben wir - sicherlich auch in Ihrem Sinne.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Zweig

Referatsleiter