IST expandiert
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Montag, 04 März 2019 23:27

IST expandiert

Es ist verdächtig ruhig geworden um das IST AUSTRIA (Institut für sinnlose Turniere), obwohl es doch zahlreiche Erfolge wie die Turnierserie ohne Teilnehmer und das Turnier mit Diskriminierungsverdacht nach EU-Recht, eine Damenbundesliga mit zwei Brettern, usw. gab.

Nun aber ist der Krennwurzn zu Ohren gekommen, dass das IST nach Deutschland expandieren möchte und die längst aus gut bekannten Gründen in den Nullerjahren verworfen Idee einer Internetmeisterschaft mit dem DSB neu „aufleben“ zu lassen. Das erscheint zwar sehr verwunderlich, da sich von den Argumenten gegen eine solche in den letzten Jahren nichts geändert hat.

Deutsche Internetmeisterschaft (Quelle DSB-Homepage)

Der Antrag wurde von den Delegierten angenommen. So wird es ab dem kommenden Jahr ein Pilotprojekt "Deutsche Internetmeisterschaft" mit Vorrunden und einer Endrunde geben. Teilnahmeberechtigt sind Spieler mit einer Spielberechtigung des Deutschen Schachbundes, also DSB-Mitglieder (Punkt A-4 der DSB-Turnierordnung). Alle Turniere werden mit Blitzschachbedenkzeit online auf dem Server von ChessBase ausgetragen. Voraussetzung dafür ist eine für das Onlinespiel gültige Seriennummer von ChessBase. Hier der Antrag im Original (ohne die Änderungen vom Hauptausschuss)

Antrag Deutsche Internetmeisterschaft

Möglicherweise wurde aber der Krennwurzn hier am Rosenmontag oder für den Faschingsdienstag hinterlistig das Konzept einer Büttenrede des Präsidenten des Deutschen Schachbundes zugespielt, denn so richtig ernst nehmen kann man dieses Vorhaben außerhalb der närrischen Hochzeit kein realitätsbezogener Schachfreund ?

Internetschach ist zwar eine wunderbare Sache und wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, dann wird man gar nicht so oft betrogen wie man gerne annimmt, um die eigenen Nichtleistungen schönzureden. Schenkt man den veröffentlichten Zahlen Glauben, so bewegt man sich im Promillebereich und erreicht das erste volle Prozent eher nicht. Die Serveranbieter haben gar nicht so schlechte Cheatingerkennungssoftware am Laufen und einfache Betrugsversuche lassen sich leicht erkennen und stellen somit kein essentielles Problem dar – zudem sind Internetelopunkte wertloser als gebrauchte Zahnstocher. Betrug macht einfach keinen Sinn.

Anders sieht die Sache allerdings aus, wenn es um Titel und/oder Preisgeld geht. Dann kann die Sache schnell interessant werden und auch hier werden die Primitivbetrüger wohl rasch und zuverlässig aufgedeckt – da habe ich keine technischen Sorgen.

Nur könnte es da juristisch schnell mal gefährlich für den Veranstalter werden und mit gefährlich ist natürlich auch teuer gemeint. Die bisherigen Erfahrungen mit Sportbetrügern im Schach sind ja, dass wenn der Weg zur staatlichen Gerichtsbarkeit eingeschlagen wurde, die Verbände und Veranstalter meist nicht den gewünschten Erfolg erzielen konnten und beträchtliche Prozess- und Nebenkosten selbst tragen mussten. Das liegt daran, dass viele schachinterne Regelungen nicht den strengen Anforderungen unseres Rechtsstaates entsprechen und das so mancher „Beweis“ durch widerrechtliche Eingriffe zustande gekommen sein könnte, denn nicht alles was Server auf unseren privaten Rechnern abfragen könnten ist auch rechtlich erlaubt. Fensterwechsel, Taskwechsel, Prozessorlast, welche Tasks laufen, usw… da kommt man leicht vom erlaubten Weg in den Treibsand der Unrechtmäßigkeit ab.

Lässt man das einfach mal locker außer Acht, so gibt es auch sachliche Einwände, den Betrüger müssen ja nicht immer so doof vorgehen, dass sie leicht aufzudecken sind. Kein vernünftiger Schachspieler wird die volle Stockfishpower verwenden und dann hoffen sich wie Houdini einst aus den Fesseln des klar ersichtlichen Betrugs befreien zu können. Klar so kann das nicht funktionieren – aber die Vorgehensweise der Cheatingerkennung ist ja keine Geheimwissenschaft, sondern eine statistische Methode die uns irgendwann sagt: Vorsicht da wird es sehr, sehr unwahrscheinlich!

Und da landen wir beim ersten Problem: wir müssen diesen Zeitpunkt festlegen und laufen damit in die Probleme der systembezogenenen Unschärfe: Die Schlagworte sind hierfür false positive und false negativ! Da lauert eine Gefahr, die wir seit Werner Heisenberg auch aus einem anderen Fachgebiet kennen – es ist nicht alles gleichzeitig berechenbar – auch wenn wir uns das gerne vorgaukelt – vor allem im Computerzeitalter und wir auf „big data“ praktisch blind vertrauen wollen. Will ich auf keinen Fall jemanden des Betrugs beschuldigen, so rutschen mir methodenbedingt Betrüger durch die Maschen des Systems und will ich alle Betrüger überführen, dann werde ich viele Nichtbetrüger zu Unrecht beschuldigen. Das ist alles schon lange bekannt und daher möchte ich die Leser nicht mehr weiter damit langweilen.

Denn wir landen schon beim nächsten Problem: jene Betrüger die die Cheatingerkennungsfähigkeiten in ihre betrügerischen Absichten einkalkulieren, bieten sich sehr gute Chancen. Bei meiner Recherche bin ich im dunklen Teil des Internets auf eine interessante Seite diesbezüglich gestoßen, dort wird einem vereinfacht gesagt angeboten, dass man „gute, aber nicht zu gute Turniere“ mit dieser Software spielen kann. Wie sollte man das verstehen? Nun der Krennwurzn gelang im Frühjahr 2017 genau so ein Turnier durch blankes Glück:

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Unglaubliches Ergebnis der Krennwurzn

Also 1800er auf Startrang 30+ ein siebenründiges 20 Minuten Schnellschach OTB ungeschlagen zu überstehen, dass hätte ich mir niemals träumen lassen und doch ist es einmal mit viel Glück Wirklichkeit geworden. Fünf Punkte aus sieben Runden und nur einen Punkt hinter dem Turniersieg und das wirklich ohne unerlaubte Hilfsmittel – ich glaube es heute noch nicht wirklich. Nun in meinen Partien führte nicht eine illegale Software sondern reines Glück zum Erfolg – aber warum sollte eine Software dies nicht auch simulieren können? Jetzt kann man berechtigterweise fragen: wer wurde geschädigt, die Krennwurzn hat ja kein Preisgeld (es gab wohl keinen Kategoriepreis) und keinen Titel gewonnen. Das stimmt sehr wohl, aber der Gegner aus Runde 3 landete aufgrund der Zweitwertung punktegleich nur auf Rang 2. Das bedeutet im Umkehrschluss: potentiell unauffällige Betrüger könnten indirekt Einfluss auf das Endergebnis nehmen. Zumal sich ja mehr Betrüger in einem Feld verstecken können als Glückspilze. Sind das gute und faire Voraussetzungen für eine Meisterschaft?

Möchte die Krennwurzn Internetmeister werden, dann bräuchte sie natürlich massive Maschinenunterstützung und müsste damit ein zu hohes statistisches Entdeckungsrisiko auf sich nehmen. Also lassen wir das und lassen die mittelmäßigen Betrüger gute, aber nicht zu gute Turniere spielen und damit möglicherweise indirekten Einfluss auf den Ausgang nehmen und kommen wir zum Hauptproblem:

Möchte sich ein guter Spieler auf betrügerischer Weise einen Vorteil verschaffen, dann bräuchte dieser gar nicht so viel Unterstützung und wie sollte man diese dann erkennen und gerichtsfest nachweisen können? Ein sehr heißes Eisen – will das ein Verband wirklich angreifen?

Hätte beispielsweise Fabiano einen kleinen Mann im Ohr gehabt, der nur zweimal aktiv geworden wäre:

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Opps Kg6 Blunder Lh4 und Sg1 gewinnt

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 Dh5 +2

Und wahrscheinlich hätten wir einen neuen Weltmeister gehabt und niemand wäre auch nur auf die Idee gekommen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Welche Cheatingerkennungssoftware hätte dies aufdecken können? Keine wenn man ehrlich zu sich selbst ist, denn die maßgeblichen Parameter hätten sich nicht signifikant geändert.

Natürlich sind die Methoden zur Cheatererkennung besser geworden, aber die Vorstellung, dass man jeglichen Betrug aufdecken könnte ist genauso utopisch wie im anderen Spitzensport auch. Dort wird mehr Geld und mehr Wissen investiert und auch dort schaffen es die meisten Dopingsünder locker durch die Kontrollen – wie uns immer wieder gezeigt wird.

Logischerweise können sich Nonames nicht die Titel und die Preise abholen, aber Nonames können Einfluss auf das Endergebnis nehmen und die starken Spieler könnten sich so manche kleine Hilfe nehmen.

Dann sind wir bei der letzten Gefahr angelangt, die man auch nicht außen vorlassen sollte: falsche Betrugsbeschuldigungen! In erster Lesung betrifft diese Gefahr nur die Stars und die sind Risiko ja gewohnt und müssen damit leben, aber angenehm sind solche Anschuldigungen für niemanden. Und was ist eigentlich mit jenen Hobbyspielern die durch Cheatingerkennungssoftware und nach Expertenmeinung ungerechtfertigterweise als Betrüger öffentlich bloßstellt werden könnten? Wer hilft glaubt diesen dann, dass sie wirklich sauber gespielt haben und nur das Glück der Krennwurzn hatten?

IST so ein Turnier das Risiko wert?
IST ein Verband bereit diese Risiken für sich und seine Spieler einzugehen?
Oder IST das es doch nur ein Narrenscherz??

Turniersieger Nakamura beim Interview
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Samstag, 19 Februar 2011 15:21

Nakamura – Hickl 14:0

Die ersten Gehversuche im Internetschach machte ich Anfang 2003 auf der Deutschen Internetblitzmeisterschaft. Zugebenermaßen der falsche Ort, hätte man doch im Vorfeld einer solchen Veranstaltung sich mit dieser damals noch recht neuen Disziplin anfreunden sollen – es gibt doch erhebliche Unterschiede zu dem gewohnten Brettschach. Die Maus stellte sich als erklärter Feind heraus, und es fielen Figuren öfter mal an unbeabsichtigten Stellen auf das Brett, sorry den Monitor, oder Partien wurden aufgrund falscher Zeiteinschätzung verloren.
In den Folgemonaten übte diese Art des Schachspielens eine steigende Faszination aus und gehörte durchaus zum täglichen Abend- oder eher doch Nachtprogramm. Statt sinnvollerweise frühzeitig ins Bett zu gehen, schleppte ich mich zu später Stunde an den Rechner, um mit einem Unbekannten in Honolulu, New York oder Trier ein paar Partien zu hacken. Die Übung spiegelte sich schnell in einer steigenden Elozahl Richtung 3.000 (überhöhter Serverelo) wider, ehe ein jäher Absturz mich zurückholte. Dass die Kirchenuhr dabei längst Mitternacht geschlagen hatte, interessierte ebenso wenig wie die innere Uhr, die warnte, dass die gegenwärtige Beschäftigung sinnlos sei und einen auf der Evolutionsleiter keine Stufe nach oben bringt. Immer weiter ging es getreu dem Motto „wer die Nächste gewinnt, hat alle gewonnen. Wie bei einem Computerspiel nimmt man sich vor, bei Erreichen des nächsten Levels aufzuhören. Doch kommt dieser Moment, fühlt man sich genötigt, die neue Umgebung noch einmal „kurz“ zu inspizieren und geht am Ende im Morgengrauen bei zwitschernden Vögeln ins Bett. Ein Gläschen Rotwein reduziert während des Praktizierens eventuell aufkommende Schmerzen.

Gut 3.000 gespielte Partien sind für Serverjunkies nicht viel, entsprechen jedoch 300 Stunden oder knapp 40 Arbeitstagen. Es wurde regelrecht zur Sucht und erst als ein Holländer bei seiner Krankenkasse um eine Therapie wegen (Schach-) Spielsucht angefragte, wurde mir die Dimension meines Tuns gewahr. Ich sollte daraufhin einige Monate später das Serverschach komplett einstellen.
Doch bis dahin war noch eine Menge Luft. Viele Begegnungen sind lebhaft in Erinnerung geblieben, zwei eindeutige Niederlagen gegen Kasparow, das Aufeinandertreffen mit einem aufstrebendem deutschen Jungtalent „Alexander Magnus“, dem heutigen Georg Meier, der mit 17 schon zäh war, ein Plusergebnis aus vielen Partien gegen Nigel Short und letztendlich die Nacht mit Star Wars:

Kurz nach Mitternacht, 18 Uhr New Yorker Zeit, kam ich auf die glorreiche Idee, das damals auf dem Server bereits hoch gehandelte Jungtalent des amerikanischen Schachs, Hikaru Nakamura, herauszufordern. Immerhin lag seine reale Elo mit ca. 2550 doch 50 Punkte unter meiner. Klar, dass dem 16-jährigen mal eine Lehrstunde zu erteilen sei. Doch schnell wich der arrogante Optimismus einer sich minütlich verstärkenden Depression. Zwar spürte ich meine eindeutige strategische Überlegenheit, doch spielt das keine Rolle, wenn man den Knall nicht hört und ein Stück verloren geht. Taktisch spielte Amerikas Wunderkind bereits damals brillant, aber vor allem seine Geschwindigkeit war atemberaubend. Diverse Gewinnstellungen endeten auf tragische Weise. Ich verlor sogar Dame gegen Bauer. Wenn die Niederlagenzahl zweistellig wird, sollte man eigentlich den Absprung schaffen, doch irgendwie schleppte ich mich bis zum 14:0, bevor die Einsicht kam.
Nun gut, es gab selten einen gesunden Schachspieler, der eine Partie verlor, und auch ich kann mit später Stunde, Rotwein, Alter etc. etwas in die Waagschale werfen, doch letztendlich war er damals wohl schon der Bessere.
Zwischenzeitlich publizierte Nakamura ein Buch zum „Bulletschach“, dem Ein-Minuten-Blitz und ist auch heute noch die Nummer 1 auf diversen Schachservern.
Unter dem damaligen Eindruck prognostizierte ich Amerikas drittem Schachgenie nach Samuel Reshevsky und Robert Fischer einen schnellen Aufstieg in die Weltklasse, doch dauerte es weitere 8 Jahre bis er es schließlich schaffte. Weniger Internetschach und mehr Seriosität waren dabei sicherlich sehr förderlich.
Mit dem Sieg beim Weltklasseturnier in Wijk aan Zee ist er nun endgültig angekommen!

Einige Zeit nach diesem Desaster gelangte auch ich zur Einsicht, dass man auf Schachservern kaum etwas lernen kann und zu viel Lebenszeit vergeudet. Der anfängliche Fun-Aspekt tritt schnell in den Hintergrund. Seit 5 Jahren bin ich clean!