Maschinen sterben den Remistod - Hurra wir Patzer überleben!
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Im Editorial des ChessBase Magazin 189 vom Mai 2019 schrieb der Autor Andre Schulz unter der Überschrift „Respekt!“ folgende Anfangszeilen:

Schach ist ein überaus schwieriges Spiel, wie jeder weiß, der sich damit einmal intensiv auseinandergesetzt hat. Schachmeistern oder Großmeistern wurde früher deshalb ein großes Maß an Respekt entgegengebracht. Die Besten der Besten erhielten sogar das Etikett „Genie“, was vielleicht etwas übertrieben war. … Nur: Der Respekt ist verloren gegangen.

Und ergießt sich dann weiter in Klagen über die ach so respektlosen und ungeschrieben dummen User und dass früher sowieso alles besser war – sogar die Zukunft des Schachs. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht: es sind die Computer mit ihren Schachprogrammen, die die romantisch verklärten Maschinenstürmer so in Rage versetzen. Denn der eloschwache – so die rein schachuniverselle Sichtweise – und damit nichtgeniale, unverantwortliche (unausgesprochen dumme) Anwender der Engine beleidigt das „Genie am Brett“ durch simples Verlesen der Enginebewertung.

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Nun geht der Krennwurzn schon beim Lesen des Wortes „Respekt“ gerne die Hutschnur hoch, aber beim Lesen jenes Editorials entschwand die Hutschnur fast der Erdanziehungskraft - daher dauerte es so lange bis die Krennwurzn diesen Artikel schreiben konnte. Es ist zwar sehr verwunderlich, dass ein langjähriger Mitarbeiter einer Firma die Schachsoftware verkauft, die Verwendung derselben einen Großteil der Kundschaft faktisch untersagt, weil sie einfach nicht genug von Schach versteht. Aber das ist nicht das wirkliche Problem hinter diesem romantischen aber total veralteten und schon längst überholten Gedankengängen.

Schachtheoretisch unstrittig ist, dass es für eine Schachstellung genau genau EIN definiertes Ergebnis bei bestem Spiel gibt: Remis, Weiß gewinnt, Schwarz gewinnt! Eine simple Erkenntnis daraus ist, dass Schach keine Kunstform sein kann, denn künstlerische Freiheit – das Hinwegsetzen über Grenzen – existiert im Schach einfach nicht. Die nächste Erkenntnis ist nicht gesichert, aber es mehren sich die Zeichen, dass die Grundstellung REMIS sein könnte. Bei aller Problematik zeigt sich beim Alphazero Experiment, dass Alphazero nur mehr um die 2% der Partien verlor hat – dies und auch die Erkenntnisse aus dem Fernschach lassen uns – mit einem Restrisiko – vermuten, dass Schach sehr wahrscheinlich theoretisch Remis sein könnte.

Da werden die Romantiker selbstbestätigend aufschreien, denn schon der dritte Weltmeister der Schachgeschichte José Raúl Capablanca (1921–1927) war überzeugt, Schach werde seinen Reiz verlieren, wenn künftig aufgrund der hohen Spieltechnik der Schachmeister die meisten Partien remis enden werden und prognostizierte den „Remistod“ des Schachspiels. Um diesen zu verhindern wurden unzählige mehr oder minder interessante Vorschläge gemacht – einer davon das Chess960 oder Fischerschach benannt nach dem unvergesslichen Bobby Fischer schaffte es sogar ins FIDE-Regelwerk. Allen gemeinsam ist, dass sie keine großen theoretischen Veränderungen mit sich bringen und den Blick auf das Wesentliche verstellen.

Das Wesentliche freigelegt haben gerade die vielgescholtenen Maschinen mit ihrer steigenden Rechenkraft. Möglicherweise noch in der Lebenszeit von vielen von uns werden die Maschinen den „Remistod“ sterben oder weniger pathetisch ausgedrückt: Schach wird so ausgehen wie es eben ausgehen muss! Konnte man in den guten alten Zeiten noch an die Genialität und Einzigartigkeit der Großmeister glauben, so ist schon seit vielen Jahren klar, dass die gesamte Schachwelt von den Maschinen beherrscht wird. Und anders als bei Asterix gilt: mit gesamt sind alle Menschen gemeint – es gibt keine Zaubertrankausnahmen.

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Ist nun das das Ende des menschlichen Schachs gekommen? Für Fernschach mit Maschinenunterstützung muss die Antwort wohl klar JA lauten, aber für die sonstigen Schachspielformen ist die Antwort ebenso eindeutig: „Nein auf keinen Fall“. Das ist die gute Nachricht die die Romantiker in ihrem Respektverlustschmerz und Maschinenhass übersehen. Denn ganz respektlos die Maschinen zeigen uns, dass

WIR ALLE AUSNAHMSLOS PATZER SIND
und nur daher ÜBERLEBEN WIR!!

Natürlich wird es immer unterschiedliche Spielstärken bei den Menschen geben, aber am Maschinenmaßstab gemessen sind wir alle in einem Boot und machen Fehler ohne Ende. Die einen noch mehr wie die anderen und diese Fehler lassen uns schachlich überleben. Galten großmeisterliche Züge früher fast als göttlich, so sind sie jetzt nicht so fehlerverseucht wie jene der breiten Masse. Ein Faktum, dass Alexander Grischuk in seiner unnachahmlichen Art angesprochen auf das Partiefurioso gegen Levon Aronian beim Kandidatenturnier in Berlin, so beschrieb: Der Computer gewinnt immer!

So paradox es auch erscheinen mag, aber unsere Unvollkommenheit rettet uns die Freude und Spannung an einem der schönsten Spiele, die der Mensch je ersonnen hat: dem Schach!!

Also trauern wir nicht dem verlorenen Respekt einer nie zu erreichenden Perfektion nach, sondern erfreuen uns am Kampf Mensch gegen Mensch – auch wenn die Maschinen uns ausnahmslos ins gleiche Boot der Patzer setzen. Sollen wir dann gleich komplett auf die Maschinen pfeifen? Nein – auch das wäre ein Fehler, denn ein kurzer Blick in die Schachgeschichte zeigt uns, dass durch die Maschinenunterstützung in Training und Vorbereitung das Feld für uns Menschen wieder viel breiter wurde und enge ausgetretene und oftmals fade Theoriepfade keineswegs Pflicht sind.

Und korrigieren wir alte, aber oftmals falsche Denkmuster aus der Zeit der Anbetung der Schachgrößen. Als Beispiel möchte ich den „besten Zug“ mitsamt seiner konstruierten Erklärung in einer Stellung heranziehen. Einzige Züge gibt es zwar, sie kommen aber in einer praktischen Partie gar nicht so gehäuft vor, wie man uns zu glauben macht. In vielen Stellungen gibt es mehrere – oftmals sehr viele - Züge, die das Ergebnis der Partie theoretisch nicht abändern – egal ob das jetzt eine Remis- oder Gewinnstellung ist. Aber in unserer elohierarchischen Denkweise kann es nur DEN EINEN Zug geben, der in einem Buch steht, den ein Großmeister einmal vorgeschlagen hat oder auch der an erster Stelle einer Enginebewertung steht. Liebe Schachfreunde das ist einfach zu erkennender Unsinn, der oftmals nur beweist, dass der andere ein besserer Schachspieler ist, aber nicht mehr. Schach ist viel bunter als man anzunehmen wagt und all unsere menschlichen Erklärungsversuche können nicht perfekt sein!

Denn ausnahmslos ALLE Menschen machen Fehler und das ist gut so! Und daher müssen wir beim Zusehen als Fans mit Maschinenunterstützung akzeptieren, dass unsere geliebten und angehimmelten Stars „Fehler“ machen werden und müssen! Wir dürfen nämlich nicht nur deren Genialität bewundern, sondern müssen vor allem deren menschliche Fehlbarkeit respektieren!

Was können wir für unser persönliches Schach auf jeglichem Niveau aus diesen Erkenntnissen lernen: Nun sehr einfache Regeln: Vermeide Fehler, die Dein Gegner – nicht die übermächtige Engine – sehen und bestrafen könnte und versuche Fehler Deines Gegners als solche zu erkennen und mit Deinen Mitteln zu bestrafen. Und vergiss nicht auch Super-Großmeister finden so manches Matt in 35 nicht und remisieren objektive Gewinnstellung oder noch schlimmer! Aber bei allem Respekt – wo ist da das Problem? Wir müssen uns nur unserer kollektiven Fehlbarkeit bewusst werden und uns nicht romantischen Träumen und Unterwürfigkeiten aus längst vergangenen Zeiten hingeben!

Maschinen sterben den Remistod - Hurra wir Patzer überleben! Nutzen wir die neue Freiheit, die uns die Maschinen aufgezeigt haben und erfreuen uns am kollektiven Patzen nicht nur bei den anstehenden Weihnachtsturnieren – sondern ewig darüber hinaus.

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Und vergessen Sie nicht – niemand ist unfehlbar … Auch unsere Superhelden der Vergangenheit und Gegenwart nicht, „Entschuldigung“ Sie auch nicht lieber Leser und die Krennwurzn schon gar nicht.

Diese Wüllenwebers (Folge 17 – FAT ROCKY)
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Montag, 11 November 2019 22:59

Diese Wüllenwebers (Folge 17 – FAT ROCKY)

Alle zwei Jahre wieder kommt in der Vorweihnachtszeit in der hanseatischen Telenovela „Diese Wüllenwebers“ ein Sohn namens Fritz auf die Welt und bekommt einen Rufnamen damit man die Söhne unterscheiden kann. 2017 erblickte Fritz 16 „Vincent aus Goch“ das Licht der Welt. Zwar kam er mit kompletten Ohren ausgestattet auf die Welt, war aber gegen die immer brutaleren Schachengines ein blasser, wenn auch kunstliebender Schwächling als Gegner. Diese Brutalos tragen sogar oftmals das ZERO – also das was sie dem Gegner vom Punktekuchen überlassen wollen – im Namen.

Der schon in Würde ergraute Bruder „Dieb Edi“ – der letzte Weltmeister der Familie Wüllenweber - warf nun ein, dass man es doch einmal mit einem anderen Ansatz versuchen sollte und die Familie Wüllenweber stellte die Ernährung und das Fitnessprogramm komplett um. Und da man in der heutigen Zeit alleine eigentlich keine Chance mehr auf Erfolg hat, sondern ein starkes Team für diesen braucht, holte man sich auch das „Open Source Project LCZero“ mit an Bord.

Und so erblickte Fritz 17 „FAT ROCKY“ das Licht der Welt um endlich wieder im Konzert der ganz Großen mitspielen zu können. Die Fans warten schon gespannt, ob „FAT ROCKY“ zuerst Prügel wie verrückt bekommt und am Ende dennoch überraschend siegen wird…

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Um FAT Fritz zu entfesseln muss man ordentlich in die Hardware investieren. Um die KI Funktionalität voll nutzen zu können, braucht man eine Grafikkarte von NVIDIA mit RTX-Turingchip (ab RTX 2060 – besser RTX 2080). Finanziell bewegt man sich da bei 500 Euro aufwärts für die Grafikkarte, muss aber bedenken, dass diese 250 Watt zusätzlich vom Netzteil zieht und daher auch das Netzteil des Computers etwas stärker sein sollte und auch das Gehäuse entsprechend geräumig, um die Karte unterzubringen und vernünftig kühlen zu können.

Neuronale Engines verlangen auch nach einer neuen Bewertungsanzeige, denn obwohl die Stellung nur 1,0 oder = sein kann, können auch die modernsten Engines auf den stärksten Computersystemen diese Information nicht mit definitiver Sicherheit bereitstellen und müssen daher logischerweise Wahrscheinlichkeiten ausgeben, die ChessBase wie folgt aufbereitet:

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 Die Krennwurzn ist noch nicht sicher, ob sie sich so einen „Zecherlwärmer“ leisten sollte oder doch lieber schön brav CO2-sparsam durch die Schachwelt (blind)schleichen sollte. ChessBase hat sich wohl still und heimlich vom Engineautor Vasik Rajlich getrennt, liefert aber eine neue herkömmliche Engine von Frank Schneider mit Fritz 17 aus. Selbstverständlich kann man auch den klassischen Stockfish (ebenfalls im Lieferumfang enthalten) und jede andere UCI-taugliche Engine ohne neuronale Netze verwenden wie bisher.

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In meinem Beta-Paket war die FAT FRITZ Engine nicht dabei und daher kann ich zur tatsächlichen Spielstärke nichts sagen. Persönlich finde ich Spielstärken von Engines nur mehr mäßig interessant, aber das ist ein anderes Thema.

Leider gibt es aber noch einen zweiten Grund für die RTX. ChessBase hat die 3D Raytrace Ausgabe überarbeitet und nun wird im Gegensatz zu CB 15 die Berechnung direkt durch die Grafikkarte unterstützt, was wohl viel schneller und besser funktionieren dürfte. Naja Weihnachten steht vor der Tür und die Krennwurzn – das wissen Sie ja -ist dem Genuss nicht ganz abgeneigt.

Was gibt es noch Neues? Konnte man bisher Eröffnungsrepertoires und -bäume erstellen, so wurde diese Funktion jetzt um eine webbasierte Onlineversion ergänzt. Mit dem eigenen ChessBase Account kann man sich auf der Webseite mymoves.chessbase.com einloggen und damit auch ohne Computer und Fritz 17 trainieren und arbeiten.

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Die Gedächtnisleistung der Krennwurzn wurde vom System korrekt erkannt und auch dass sie undrillbar oder korrekter unbelehrbar ist, könnte man herauslesen. Eine Neuerung dieser Funktion ist, dass nun fertige Repertoires in mehreren Stufen mitgeliefert werden und man sich nicht die Mühe machen muss, selbst etwas zu erstellen, sondern ganz einfach mal etwas in einer Eröffnung schnuppern kann.

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Wie so oft bei ChessBase in den letzten Jahren kommen neuere Funktionen dazu, aber niemand findet den Mut alte, nicht mehr so aktuelle Funktionen zu streichen. Dies führt gerade hier im Eröffnungsbereich zu einer Userverunsicherung und -überlastung. Schön ist, dass das eigene Repertoire im Livebook individuell hervorgehoben wird. Der Farbcode - „Blau = Zug gehört zu Ihrem Weißrepertoire; Grün = Zug gehört zu Schwarzrepertoire; Türkis = Zug wird mit beiden Farben gespielt – ermöglicht ein schnelles erkennen, ob eine Partie eröffnungstheoretisch für den User interessant sein könnte.

Zusätzlich kann man mit der Drillfunktion sein Eröffnungswissen vom Programm abprüfen lassen und damit erlernen – eine schöne Funktion, aber leider liefert ChessBase nicht die dafür nötige Zeit mit. Die Funktionalität steht natürlich auch ganz klassisch unter der Fritz 17 GUI zur Verfügung, aber die Daten werden zeitgeistlich in der Cloud gespeichert. Leider ist die Editierbarkeit noch nicht ganz so leicht, wie man sich das als User wünschen würde. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen – ChessBase liefert ja laufend Updates für die Produkte und Services.

Eine weitere Neuerung ist „Blitz & Train“. Man kann aus den eigenen am Server gespielten Partien Trainingsfragen generieren lassen und so eigene oder auch fremde Fehler in den Partien sichtbar machen. Diese Funktion kam relativ spät dazu und steckt daher noch etwas in den Kinderschuhen wie folgendes Beispiel wohl am besten zeigt:

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Die Aufforderung an Schwarz Matt zu drohen ist schon etwas skurril, denn die Drohung Dxf2 mit folgendem Matt ist ja schon am Brett und wird durch den Lösungszug …Tf7 bei wohlwollender Sichtweise nicht aufgehoben, sondern nur erneuert. Abgesehen von diesen kleinen Kinderkrankheiten ist die Funktion ganz hilfreich, denn man kann schnell und einfach aus den eigenen Partien ein individuelles Taktiktraining generieren: und Training schadet bekanntlich auch dem größten Talent nicht.

Natürlich wurden an vielen anderen Stellen des Programms kleine oder größere Verbesserungen vorgenommen, das würde aber den Rahmen dieses kleinen Überblicks sprengen und wenn Sie schon alles lesen könnten und würden, dann verlören Sie ja die Freude am Entdecken.

Was ist schlecht am neuen Fritz 17 und was fehlt? Traditionell nervt angestammten ChessBase User wie die Krennwurzn nun mal eine ist, dass manche Funktionalität bei Fritz etwas anders funktionieren als bei ChessBase. Fritz unterscheidet beispielsweise zwischen Engine und Kiebitz und das kann bei unaufmerksamer Bedienung dazu führen, dass man im Kiebitzmode verzweifelt versucht das Let’s check Fenster zu öffnen und scheitern muss, da dies nur im Enginemode möglich ist. Es gibt noch viele, viele andere Beispiele gerade im „Playchess-Mode“ auch bei Übertragungen. Eine Vereinheitlichung oder gar eine Vereinigung von Fritz- und ChessBase Oberfläche ist ein schon oft geäußerter Wunsch der Krennwurzn und ich bin mir sicher, da stimmen viele andere User auch zu.

Kann im Fritz-Universum abgesehen von manchen ChessBase Funktionen überhaupt noch was fehlen – oder gibt es gar schon zu viel? Der über die Jahrzehnte immer angewachsene Funktionsumfang ist wie schon oben geschrieben nicht immer ein Segen. Aber es ist immer leichter Funktionen zu streichen, die man selbst nicht verwendet, aber man vergisst dabei leicht, dass es User geben könnte, die genau diese Funktion schätzen und lieben.

Wirklich fehlt ein Engineerklärer. Wenn man ganz unromantisch ehrlich zu sich selbst ist, dann spielt die Stärke einer Engine keine große praktische Rolle mehr. Nicht nur für uns Patzer – und wir sind die zahlende Mehrheit der Schachwelt – sondern auch schon für die Topspieler sind die Maschinen mit ihren Erkenntnissen uns Menschen schon längst uneinholbar enteilt. Daher brauchen wir eine neue Enginebewertung! Nicht nur weg von den altbewährten aber oftmals wenig aussagekräftigen Bauerneinheiten zu Gewinnwahrscheinlichkeiten oder genauer zu Ergebnisvorhersagewahrscheinlichkeiten (1,0 oder = mit welcher Wahrscheinlichkeit). Da diese Information aber für uns Menschen auch nicht wirklich ausreicht, bräuchten wir eine Wahrscheinlichkeitsangabe dafür, dass ein Mensch den „Maschinenzug“ noch finden und vor allem verstehen kann.

Fehlt uns so ein Werkzeug, so werden wir als Fans immer hilflos aufheulen, wenn „unser Star“ den gewinnbringenden, rettenden, usw…binnen Sekunden aufpoppenden Enginezug nicht spielt. Da wir logischerweise nicht das Schachverständnis der Topleute haben können, brauchen wir Anhaltspunkte, was diese Leute noch sehen könnten und was einfach jenseits der menschlichen Leistungsfähigkeit liegt. Hier könnten uns statistische Methoden, die auch zur Cheatererkennung eingesetzt werden im Zusammenspiel mit starken Engines sicherlich helfen, denn Engines sind Werkzeuge und der Mensch hat schon immer Werkzeuge genutzt! Denn nur immer stärkere Engines werden uns zwangsläufig immer ratloser zurücklassen.

Fazit:

Die Krennwurzn hat in den letzten Rezensionen immer ehrlich gesagt, dass man das ChessBase-Produkt nicht wirklich braucht, man es sich aber ohne schlechtes Gewissen ruhig gönnen darf und sollte! Nun diesmal möchte die Krennwurzn weitergehen:

„FAT ROCKY“ ist ein Pflichtkauf!!

Ob man in eine Grafikkarte und Netzteil investieren sollte, darüber bin ich mir selbst noch nicht im Klaren – eigentlich nicht des Geldes wegen, sondern weil ich dann doch viel Energie für eigentlich wenig Nutzen verbraten würde …

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Schaut man sich die Maximalwattleistungen guter Schach-PCs an, so liegt die meist um die 300 Watt und das würde eine 250 Watt Grafikkarte beinahe verdoppeln und ein bisher wenig ausgelastetes 600 Watt Netzteil manchmal an seine Grenzen bringen. Aber bitte nicht weitersagen –die Krennwurzn wird schon schwach werden, wenn die maximale Wattleistung der Turingchipskarten von derzeit um die 250 Watt in Richtung 150 Watt sinken werden. Und das ist gar nicht so unrealistisch wie es aktuell klingen mag …


SYSTEMVORAUSSETZUNGEN FRITZ 17 (Herstellerangaben)

Minimum (ohne Raytracing und FatFritz):
Dual Core, 2 GB RAM, Windows 7 oder 8.1, DirectX11, Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM-Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetzugang.

Empfehlung:
PC Intel i5 oder AMD Ryzen 3 (Quadcore), 8 GB RAM, Windows 10 mit 64-Bit (aktuelle Version), NVIDIA RTX-Grafikkarte mit 6 GB Speicher und aktuellen Treibern (FatFritz auf älteren NVIDIA Karten oder anderen Grafikkarten: deutliche Performanceverluste, auf CPU nur zu Demozwecken lauffähig) , Windows Media Player 11, (DVD-ROM Laufwerk) und Internetzugang.

Systemvoraussetzungen für ChessBase Account:
Internetzugang und aktueller Browser, z.B. Chrome, Safari. Für Windows, OS X, iOS, Android


Offenlegung:

Danke an ChessBase Hamburg für die Zurverfügungstellung der Betaversionen! Das finale Fritz 17 Paket habe ich mir dann selbst gekauft.

Kleine Schachrevolution – oder warum Zusehen immer schwieriger wird als Spielen!
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Kleine Schachrevolution – oder warum Zusehen schwieriger wird als Spielen!
Früher, ja früher war alles besser – sogar die Zukunft war früher besser und einfacher hört und sagt man immer wieder gerne. Früher waren die Spitzengroßmeister gottgleiche Künstlerpriester und die einzigen, die die Geheimnisse des Schachs durchschaut haben und wir Zuseher und Patzer (in Erinnerung an Bobby Fischer) konnten nur staunend und voller Bewunderungen deren Äußerungen lauschen. Es war eine ideale Welt: da die Fans dort die Meister!

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Aber stimmte das wirklich so – ja das wurde so gelebt, aber die Grundlagen dazu waren gar nicht gegeben, denn Schach ist im Wesen ein endliches Spiel in einem endlichen Raum und damit theoretisch lösbar. Künstlerische Freiheit existieren überhaupt nicht, denn für jede einzelne Stellung gilt, dass sie entweder gewonnen, remis oder verloren ist – mehr geben die Regeln nicht her, auch wenn uns dieses Wissen nur für wenige Stellungen zweifelsfrei zugänglich ist. Aber diese immer schon existierende und bekannte theoretische Einschränkung wurde von der Schachfangemeinde nahezu „religiös“ ignoriert, so wie Kreationisten die Evolutionstheorie ablehnen.

Hilfreich dabei waren die ersten Auftritte der Schachcomputer, die man locker schlagen konnte und jene, die die 2000 Elomarke überschritten waren anfangs sehr teuer. Doch das änderte sich rasch als die ersten Programme auf Diskette verfügbar wurden und sich IBM mit einem Großrechnerteam einschaltete und in den Jahren 1996 und 1997 die Sache eigentlich klärte. Dann kam das neue Jahrhundert und Mitte der Nullerjahre war eigentlich klar: Maschine schlägt Mensch! Die Romantik war damit vorbei.

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Nun kam 2017 der nächste „Schock“ AlphaZero – ein künstliches neuronales Netzwerk - erlernte Schach in affenartiger Geschwindigkeit selbst und zerlegte – wenn auch in nicht ganz sportlich fairer Manier – die besten Engines und stieß damit die Tür in neue Welt auf.

Wo liegt nun das Problem für uns? Nun die Profis sehen das schon lange pragmatisch, wenn auch manchmal etwa gereizt, wie beispielsweise eine Reaktion von Magnus Carlsen gegen GM Maurice Ashley bezeugt, als dieser ihn auf eine gewinnbringende Enginevariante in einem Interview ansprach. Liest man dann aber genauer, kann man erkennen, die Profis wissen was sie können und was sie nicht können. Und sie wissen auch Maschine schlägt Mensch - das ist ja schon seit 1997 keine weltbewegende Neuigkeit mehr! Also verhalten sie sich typisch menschlich und schauen, was sie davon zu ihrem Nutzen verwenden können und was für sie unbrauchbar ist und bauen das Brauchbare ganz pragmatisch in ihre Arbeit ein. Das menschliche Schach profitiert damit ganz klar vom Computer – aber dennoch hat sich im Kampf am Brett nichts Wesentliches verändert: es gewinnt der vorletzte Fehler!

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Und jetzt kommen wir Schachfans ins Spiel – wir sind die „Verlierer“ dieser Entwicklung. Früher – vergessen wir nicht da war alles herrlich – saßen wir vor der Zeitung oder dem Bildschirm (Teletext) und spielten die Partien der Stars nach und verstanden nichts oder sehr wenig. Dann kamen die gedruckten Analysen und wir verstanden das was dort geschrieben war, ob das nun stimmte oder nicht war eigentlich egal. Da uns die Fähigkeiten und die Möglichkeiten fehlten, mussten wir das tun, was Menschen in solchen Situationen schon immer taten: GLAUBEN!! Und wir waren glücklich, denn aus unserem Unvermögen strahlten Stars hervor zu denen wir bewundernd hochblicken konnten.

Mit der Niederlage von Kasparov gegen die Maschine und die folgende Chancenlosigkeit kommender Weltmeister gegen die Engines zerbrach diese einfache Glaubenswelt und die Götter wurden zu fehlbaren Sterblichen wie wir auch. Und damit begann unser großes Dilemma, denn mittlerweile ist es einfacher, ja sehr viel einfacher Schach zu spielen als Schach zuzusehen! Verstanden wir früher nichts, so liefern uns die Maschinen jetzt eine „nahezu perfekte“ Einschätzung der Stellung und dennoch wieder haben wir ein Verständnisproblem: was davon kann der Mensch – dessen Fan wir vielleicht sind – am Brett sehen und was bleibt – bzw. muss – ihm verborgen bleiben? Wieder können wir die Ereignisse nicht richtig einordnen und wieder sind wir in einer emotionalen Geisterbahn ohne Ausweg gefangen.

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Unsere Situation hat sich damit nicht wirklich verbessert, denn unsere eigenen schachlichen Fähigkeiten helfen uns gleich wie früher nichts, um ohne Computer das Geschehen am Brett einschätzen zu können und mit Computer wissen wir nicht, was Topprofis sehen können und was nicht. Fakt ist ja, dass die Fähigkeiten des Menschen durch viele Faktoren begrenzt sind. Kein Mensch kann alle 5 Steiner sicher nach Hause spielen, geschweige denn 6 oder gar 7 Steiner. Damit ist klar, dass wir auch in allen anderen schachlichen Phasen Irrtümer begehen müssen. Ist Schach damit ein Glücksspiel? Ich würde mit einem klaren JEIN antworten – theoretisch für Menschen JA, praktisch aber NEIN! Denn eigentlich ist Schach für uns Menschen ein Kampfsport und solange das so bleibt, ist alles gut und schön!

Nur Zusehen müssen wir neu lernen!! Und dabei können uns die Maschinen noch nicht helfen – aber damit eröffnet sich doch ein weites neues Feld für Schachsoftwarefirmen und für Weihnachtswünsche!

Diese Wüllenwebers (Folge 16 – Vincent aus Goch!?)
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Alle zwei Jahre wieder kommt in der Vorweihnachtszeit in der hanseatischen Telenovela „Diese Wüllenwebers“ ein Sohn namens Fritz auf die Welt und bekommt einen Rufnamen damit man die Söhne unterscheiden kann. 2015 erblickte „Fritz 15 Arnold“ als Frühgeburt in Magdeburg das Licht der Welt. Warum Fritz 16 den Beinamen „Vincent aus Goch“ bekam war nicht klar zu recherchieren. Wurde er gar in den gelben Sonnenblumenfelder um Goch gezeugt oder hatte er eine Neugeborenengelbsucht? Wir wissen es nicht und werden es wohl auch nie erfahren – aber eines kann verraten werden, Fritz Vincent hat vollständige Ohren!

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 Das Originalbild finden Sie in der Neuen Pinakothek in München

Nun stellt sich bei so vielen Söhnen die berechtigte Frage – was ist daran noch interessant? Klar haben die jüngeren Söhne mehr Potential, denn sie können ja am Erfahrungsschatz der Älteren reifen und haben die besten Jahre noch vor sich, aber dennoch so viel wirklich Neues gibt es nicht.

Der neue Fritz bekommt nun viele Features vom vorjährigen ChessBase 14 eingebaut und ChessBase hat im Laufe des Jahres viele Programmfunktionen auch in den Webapps verfügbar gemacht. Meiner Meinung nach sind die Hamburger in diesem Bereich viel konkurrenzfähiger geworden und damit kommen wir schon zur entscheidenden Frage: brauche ich den Fritz 16?

Die Antwort ist klar: NEIN, ABER es doch schön ihn zu haben! Ein wirklicher Bedarf ist nur für jene gegeben, die schon lange keine neue Version gekauft haben, aber ist es nicht eine Freude sich selbst in der Vorweihnachtszeit zu beschenken? Zaubert nicht dieses schöne Gelb einen Hauch von Frühsommer auf den grauen Herbstbildschirm?

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Vincent aus Goch - könnte täglich von Ihrem Bildschirm lachen

Also meine Empfehlung bekommt das Programm aus reinen egoistischen Gründen und ich verzichte bewusst auch auf die Vorstellung neuer Funktionen und Gimmicks. Die neue Engine habe ich erst gar nicht getestet und dennoch hatte ich beim Testen eine innere Freude mit ein paar Neuigkeiten und da ich Ihnen, lieber Leser, diese Freude nicht nehmen möchte, endet meine Vorstellung von Fritz 16 bevor sie begonnen hat.


FRITZ 16 (Herstellerangaben)

Neue 64-Bit Multiprozessorengine von Vas Rajlich („Rybka“)
Verbesserte 64-Bit Programmoberfläche (optional 32-Bit)
Premium-Mitgliedschaft für die neuen ChessBase Accounts sowie für den playchess-Server (sechs Monate)

Mit Fritz 16 bleiben Sie mobil: der ChessBase Premium Account (6 Monate) garantiert vollen Zugriff auf die ChessBase Web Apps (auch für iPads, Android Tablets und Smartphones): 6.000 Schach-Trainingsvideos, 60.000 Taktikaufgaben, 8 Millionen Partien in der Live- Database und natürlich Onlineschach auf playchess.com.

Systemvoraussetzungen für Fritz 16

Minimum: Dual Core, 2 GB RAM, Windows 7 oder 8.1, DirectX11, Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM-Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetzugang.
Empfohlen: PC Intel i5 oder AMD Ryzen 3 (Quadcore), 4 GB RAM, Windows 10, DirectX11, Grafikkarte mit 512 MB RAM oder mehr, 100% DirectX10-kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD-ROM Laufwerk und Internetzugang.
Systemvoraussetzungen für ChessBase Account: Internetzugang und aktueller Browser, z.B. Chrome, Safari. Für Windows, OS X, iOS, Android, Linux.

Diese Wüllenwebers (Folge15 – Der Dieb ist weg)
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In der hanseatischen Telenovela war früher dem Vater Matthias Wüllenweber mit seiner holländischen Frau beinahe jährlich die Freude zu teil, dass ein Sohn mit Namen Fritz das Licht der Welt erblickte. Doch dann nach der Trennung - ob es am Alter oder den Reizen des Ostens geschuldet war – wurde aus dem jährlichen ein zweijähriger Zyklus. Eine Konstante blieb aber erhalten: der Geburtstermin in der beginnenden Vorweihnachtszeit.

Der 2013 neugeborene Fritz Maddox „Dieb (engl: Deep)“ Wüllenweber der 14. verabschiedete sich vom Singledasein und trug trotz seiner ungarischen Mutter noch stolz den Beinamen „Dieb („engl: Deep)“ seines berühmten Stiefbruders dem Weltmeister Fritz Edi Wüllenweber. Dennoch war sein Vater wohl mit seiner Spielstärke nicht ganz zufrieden und schaute sich nach einer neuen Partnerin um und fand im nahen Polen sein neues Glück. Nach zwei Jahren erblickte nun Fritz Arnold Wüllenweber der 15. das Licht der Welt. Da seine Mutter nicht ohne Vorgeschichte ist und um auch den weltmeisterlichen Druck vom jüngsten Spross zu nehmen, wurde der Beiname „Dieb („engl: Deep)“ gestrichen. Aber lassen wir die Vergangenheit ruhen und erfreuen uns an der Rückkehr des verlorenen Sohnes in die Schachwelt.

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Auch wenn die Namensgebung einfacher geworden ist, so ist der Lieferumfang doch ziemlich umfangreich. Neben dem schon bekannten Aussehen seiner Brüder möchte Fritz Arnold 15. Wüllenweber mit einer Reihe von plattformunabhängigen Apps die Onlinewelt erobern. Zwar läuft die Fritz 15 GUI nur in der Windowswelt, aber mit den Apps und dem neuen ChessBase Account steht dem User nun auch auf anderen Plattformen und Geräten ein umfangreicher Zugang zu Schachwelt offen.

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Nicht alles ist wirklich neu, aber es wurde in eine neue Verpackung verfrachtet und die Krennwurzn hat den Eindruck, dass so manches mit zu heißer Nadel gestrickt wurde und nicht ganz so stimmig wirkt. Wer seine Spielstärke verbessern will, der kann die kleinen Helferlein jetzt wirklich überall nutzen – aber bitte nur dort wo es wirklich erlaubt ist! Und da denkt die Krennwurzn nicht an den Betrug ansich, sondern auch im Reallife ist es nicht überall gerne gesehen, wenn man nur mehr auf sein Handy oder Tablet blickt und seinem Hobby frönt. Natürlich ist die Versuchung hoch, denn das Angebot umfasst auch reichliche Unterhaltung mit in der ChessBase Mediathek.

Fritz Arnold der 15. Wüllenweber hat einen verbesserten und überarbeiteten Freundmodus, der sich schneller und besser der eigenen Spielstärke und Bedenkzeitverbrauch anpasst und damit landen wir bei der Frage: wie stark spielt die neue Fritzengine nun wirklich? War es bisher oft üblich, dass man unter der Hand und in Foren wahre Wunderdinge über den neuen Fritz-Sprössling erzählte, die sich dann meist in der Realität nicht wiederspiegelten, so ist zur Zeit noch nichts Konkretes bekannt. Aber dadurch ergibt sich die Chance sich Fritz 15 als Weihnachtsgeschenk selbst zu kaufen und sich auf ganz altmodische Weise, selbst ein Bild von der Spielstärke zu machen!

Der offizielle Geburtstermin ist Montag, der 23. November, aber auf der Reise nach Hamburg kam es in Magdeburg am heutigen Freitag, den 20. November, zu einer Frühgeburt, aber ich kann Sie, lieber Leser beruhigen, Mutter und Kind sind wohlauf!!


FRITZ 15 (Herstellerangaben)

Neue 64-Bit Multiprozessorengine
Verbesserte 64-Bit Programmoberfläche (optional 32-Bit)
Premium-Mitgliedschaft für die neuen ChessBase Accounts sowie für den playchess-Server (sechs Monate)
Datenbank mit über 1,5 Mio. Partien

Mit Fritz 15 haben Sie nicht nur direkten Zugang zum playchess-Server sondern auch zu den neuen ChessBase Webtools

Systemvoraussetzungen für Fritz 15

Minimum: Pentium III 1 GHz, 2 GB RAM, Windows XP (Service Pack 3), 7/8, DirectX9, Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM-Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetzugang. Empfohlen: PC Intel i5 (Quadcore), 4 GB RAM, Windows 10 oder 8.1, DirectX10, Grafikkarte mit 512 MB RAM oder mehr, 100% DirectX10-kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD-ROMLaufwerk und Internetzugang.

Systemvoraussetzungen für ChessBase Account:

Internetzugang und aktueller Browser, z.B. Chrome, Safari. Für Windows, OS X, iOS, Android, Linux.

Entdeckersucht - Let’s check
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Donnerstag, 12 November 2015 14:23

Entdeckersucht - Let’s check

Im Jahre 2011 brachte eine bekannte Hamburger Schachfirma die Weltneuheit „Let’s check“ auf den Markt und nicht einmal zwei Jahre später diagnostizierte der weltbekannte Schachpsychologe Dr. Matinul bei der Krennwurzn eine schon seit dem frühen 20. Jahrhundert für ausgerottet gehaltene Erkrankung: die Entdeckersucht!! Nun Neugierde gehört doch ganz normal zum Menschen und ist eine wesentliche Triebfeder für den Fortschritt, was soll daran krankhaft sein, werden Sie, lieber Leser, nicht ohne Grund einwerfen.

Lassen wir dazu Dr. Matinul zu Wort kommen: Die großen westlichen „Entdecker“ entdeckten beispielsweise den Victoriasee an dem natürlich schon seit Generationen Menschen lebten und wurden für etwas gefeiert, dass schon vielen durchaus gut bekannt war!

Genauso geht es der Krennwurzn, wie unten stehendes Beispiel deutlich zeigt. Am 16. November wurde wenig überraschend der einzig mögliche Zug Kh7 tatsächlich gespielt!

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Und dieser Zug wurde dann zwei Tage später am 18. November von der Krennwurzn „entdeckt“ und sie gilt nun für „Let’s check“ bis in alle Ewigkeit als Entdecker dieser Stellung, genauso wie John Hanning Speke als Entdecker des Victoriasees. Da die Zahl der noch zu entdeckenden Seen im Vergleich der noch zu entdeckenden Schachstellungen verschwindend klein ist, kann man bei Seen nicht von einer wirklichen Sucht sprechen!

Aber wie kam es zu dieser Erkrankung der Krennwurzn? War diese nicht ein erbitterter Kritiker und Verhöhner von „Let’s check“? Ja, Sie erinnern sich richtig, aber das hilft rein gar nichts, wie uns Dr. Matinul schlüssig erklärt: Sie können erkennen, dass Schnupfen eine lästige Krankheit ist und dennoch jedes Jahr oder öfter daran erkranken! Bei der Entdeckersucht ist es vollkommen egal, ob sie die Schwächen und Probleme erkennen ...

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In dieser Stellung liegt ein ganz schwerer Fall vor – die Sechssteiner sind schon lange gelöst - und dennoch entdeckte die Krennwurzn gleich zwei von sieben möglichen Remiszügen mit verschiedenen Expeditionen (Engines) und verschwendete dafür sinnlos Ökostrom der Güteklasse 1! Warum? Nur für den Eintrag in der Datenbank „Entdeckt von Krennwurzn“.

Da sich das Krankheitsbild der Entdeckersucht rasch verschlimmerte und die Krennwurzn nur mit äußerster Disziplin davon abgehalten werden konnte, auch auf beruflich genutzten Computern auf Entdeckerjagd zu gehen, da diese wesentlich mehr Rechenleistung als der private vier Kerner AMD aufzuweisen hätten, hatte nun Dr. Matinul die rettende Medizin parat:

Die Grundidee von Let’s check ist einfach genial, aber die Ausführung lässt eher an einen Marketinggag denken und daher muss die Krennwurzn zur Heilung niederschreiben, was und welche Funktionen seine Entdeckersucht noch wesentlich verschlimmern würde!

Starten wir mit obenstehenden Endspiel – ein Sechssteiner und diese sollten in Let’s check generell schon eingespielt und damit zwar unentdeckbar sein, aber doch ein schönes Service. Gleichzeitig führt jeder weißer Zug zu Remis, was aber nicht zwangsweise bedeutet, dass die Stellung unverlierbar ist, denn nach 1. e4 f5! bietet sich Weiß mit 2. e5?? erstmalig eine Verlustchance.

2015Entdecker3

Nun diese ist sehr, sehr gering, denn erstens würden viele zuerst die Könige in Bewegung setzen und dann erst die Bauern, aber es zeigt uns, dass auch eine theoretische Remisstellung noch verloren werden kann und dieses Restrisiko sollte man bewerten und grafisch darstellen in Let’s check! Ein anderes Extrem wäre eine Stellung in der es nur einen einzigen Zug gibt, der zu Remis führt und alle anderen zu Verlust. Beide werden am in Let’s check mit 0,00 also Remis angeführt, ohne dass die Schwierigkeit des Erreichens des Remis bewertet wird. Und wen sollte man als Referenz für die Schwierigkeit herannehmen? Einen emotionslosen Computer mit Tablebaseunterstützung, einen Supergroßmeister oder einen durchschnittlichen Schachspieler? Und wie sollte man das Ergebnis darstellen?

2015Entdecker4

Eine Idee wäre die Ampelfarben zu verwenden und hier würde man sehen, dass die Stellung ein hohes Remispotential, bei sehr geringem Verlust- und Gewinnpotential und das fette C stünde dafür, dass die Stellung absolut Remis ist (durch Tablebases abgesichert) – ein normales C möglicherweise mit einer Computerbewertung 0,xx – würde nur die aktuelle Computermeinung darstellen.

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So oder ähnlich würde dann eine Stellung mit einem einzigen Remiszug (fett wenn tablebasegeprüft bzw. kursiv bei Computermeinung) aussehen. Und hier sehen wir schon ein weiteres Problem. Wenn es nur einen Zug gibt, der nicht verliert, dann gibt es mit Sicherheit keinen Gewinnzug, aber dennoch sind damit Gewinnchancen nicht wirklich ausgeschlossen und all das müsste in die Bewertung einfließen. In erster Lesung sollte das allerdings nur für den Menschen gelten, aber es ist durchaus mit der praktischen Erfahrung in Einklang zu bringen, dass auch Computer außerhalb der perfekten Lösungen noch Fehler machen.

Werfen wir einen Blick auf die schwierigste aller Stellungen

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Auch diese kann nur 1,0 oder = sein und nehmen wir an, wir bekommen die Information, dass die Grundstellung Remis ist! Diese Information hilft uns nicht wirklich weiter, denn alle schachlichen Probleme sind in dieser Stellung enthalten und wir wissen auch nicht, welche Züge Remis sind oder ob es schon Züge gibt, die theoretisch bereits verloren sind.
Die bekannteste Gefahr ist 1. g4 e6 2. f3?? Dh4# in verschiedenen Variationen – es kann also schnell gehen – allerdings verlieren wenige so und auch kann man darauf nicht die Aussage begründen 1. g4 sei schon verloren, aber doch die Aussage, dass dieser Zug gefährlicher ist als beispielsweise 1. Sf3, der diese „Drohung“ mal aus der Stellung nimmt. In der Grundstellung droht Alles und wenn sie Remis ist, dann sind alle Bedrohungen beherrschbar und lösbar. Wir müssen „nur“ mehr alle Bedrohungen erkennen und daran scheitern wir wohl. Aber die Idee wäre eben diese Bedrohungen zu erkennen, sie zu klassifizieren und damit eine Chance zu haben, eine Stellung besser als mit +0,15 zu bewerten, weil wir die innewohnenden Gefahren erkennen können bzw. statistisch bewertbar machen. Die absolute Sicherheit können uns nur gelöste x-Steiner bieten, den Rest müssen wir abschätzen und zwar für Maschinenschach, was eher mäßig interessant erscheint, und für Menschenschach. Und hier müssten wir eine Methode finden, die uns sagt, wie schwierig es ist, das feststehende oder wahrscheinlichste Ergebnis zu erreichen. Diese Bewertung der Schwierigkeit alle Probleme zu handeln, könnte uns auch zu einer brauchbareren Cheatererkennung führen als die bekannte „Houdini first choice“ Methode.

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Es gibt zwar schon Ansätze, aber Engines mit echter Mustererkennung für menschliches Schach gibt es noch nicht am Markt und so kann Dr. Matinul erklären, dass die Entdeckersucht der Krennwurzn erfolgreich geheilt ist ... aber es ist wie bei jeder Suchterkrankung, man weiß nie, wann sie wieder ausbricht!

Auch Zauberer können sich verspäten
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Montag, 25 November 2013 20:45

Auch Zauberer können sich verspäten

Hat sich die Krennwurzn schon bei den Marketingprofis aus dem Hause ChessBase stark gewundert, dass Deep Fritz 14 erst am Ende der Weltmeisterschaft auf den Markt kam, so ist es umso verwunderlicher, dass es auch ein Zauberer nicht rechtzeitig vorher schaffte mit seiner neuen Version auf den Markt zu kommen. Ob man möglicherweise den beiden Kontrahenten die jeweiligen Spitzenversionen für die WM und deren Vorbereitung exklusive zur Verfügung gestellt hat – ja darüber kann man nur spekulieren! Einen Sinn macht das eigentlich nicht, denn während Fritz um 100 Elopunkte nach Herstellerangaben zulegte und dennoch hinter den Spitzenprogrammen blieb, gibt der Programmierer des Zauberers einen Elozuwachs von 50 Elopunkten für sein neues Programm an. Sicherlich ein schönes Plus, aber wohl ohne entscheidende Auswirkung auf die Vorbereitungsleistung sollte man denken.

Der neue stärkere Houdini 4 kommt wie bisher als reine UCI-Engine ohne eigene Programmoberfläche(GUI) auf den Markt und läuft auf vielen kostenlosen und kommerziellen Oberflächen reibungslos. Einfach und übersichtlich ist auch die Preisgestaltung auf der Seite des Herstellers und kaufen kann man via Internet auch auch mit Überweisung – selbst wenn diese auf der Internetseite für Österreich nicht möglich ist. Ein kurzes Email genügt und der Autor antwortet rasch und auch die Registrierdaten sind schnell zu Stelle.

Die Engine gibt es als Pro- und als Standardversion, wobei für die meisten Schachfreunde die Standardversion ausreichen sollte.

  • Standardversion unterstützt max. 6 Kerne (Cores) und 4 GB Hash Preis um die 40 Euro
  • Proversion ist für Highendhardware gedacht und unterstützt bis zu 32 Kerne und 256 GB Hash und zusätzlich auch NUMA-Architektur und kostet um die 60 Euro

Kundenfreundlich ist auch ein 20% Rabatt für Houdini 3 Besitzer, der allerdings laut Homepage bis zum 10. Dezember 2013 befristet ist – aber so einen Lizenzschlüssel kann man sicher auch bis Weihnachten gut verstecken und unter den Christbaum legen. Geschenkt bekommen Houdini 4 alle, die Houdini 3 im Monat November 2013 gekauft haben – wie ebenfalls auf der Homepage zu lesen ist.

Wer sich Houdini aus dem Hause ChessBase mit den neuen DF14-GUI, der wird sich wohl noch ein paar Tage gedulden müssen, aber ich denke so um Nikolo herum wird man auch dort den neuen Zauberer kaufen können. Ebenfalls ab diesem Zeitpunkt sollte auch unter den ChessBase GUIs eine weitere bedeutende Neuerung nutzbar sein!

Dies ist die Unterstützung der Syzygy Endspieltabellen, die zirka um den Faktor 7 weniger Platz auf der Festplatte erfordern als beispielsweise die bekannteren Nalimowtablebases und mit um die 150 GB sogar auf einer SSD kostenerträglich Platz finden. Interessant bei diesen ist auch, dass es zwei Versionen zum Download gibt: die WDL (win/draw/loss) mit der integrierten 50-Zügeregel und die DTZ (distance-to-zero) die Stellung ohne diese Einschränkung bewertet – zum Betrieb mit Houdini sind jedoch beide Versionen notwendig! Das sind dann für die 3-4-5-6 Steiner insgesamt 1020 Dateien und sollen Houdini 4 noch einen nicht unbedeutenden Leistungsschub geben. Leider habe ich keinen direkten Downloadlink gefunden, aber man kann sich die Daten via Torrent downloaden. Neben einer eigenen Einstellung für den Taktikmodus, um bei taktischen Testaufgaben besser abzuschneiden, gibt es auch Unterstützung für Fischerschach oder Chess960 wie es auch genannt wird.

Interessant ist auch die kalibrierte Bewertungsfunktion, die direkt mit der Gewinnwahrscheinlichkeit korrelieren sollte. Die Bewertung 1,00 stellt eine 80% Gewinnchance gegen einen gleichwertigen Gegner unter Blitzbedenkzeiten dar,  2.00 schon eine 95%ige und 3,00 eine 99%ige Gewinnwahrscheinlichkeit. Wird der Vorteil mit 0,50 angegeben, so darf man sich noch zu 50% einen Gewinn erwarten oder doch eher erhoffen? Eine Krennwurznische Patzerwahrscheinlichkeit kann jedoch auch der Zauberer nicht vorhersagen - aber wen würde das schon interessieren?

Jedenfalls wieder ein schönes Weihnachtsgeschenk, das man sich als Schachfreund selber machen kann oder sich schenken lassen kann – auch wenn es kostenlose Alternativen wie Stockfish & Co in ähnlicher Stärke gibt, die uns auch locker vom Brett fegen!

Diese Wüllenwebers (Folge14 – Single ade)
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Dienstag, 19 November 2013 23:04

Diese Wüllenwebers (Folge14 – Single ade)

Über zwei Jahre mussten wir diesmal warten bis ein neuer Sprössling der Wüllenweberschen Schachfamilie das Licht der Welt erblickte. Über den Vater Matthias Wüllenweber und seine Söhneschar mit den Namen Fritz1 bis 13 und den berühmtesten den Weltmeister Edi („Diebfritz“ der Titelräuber) der in seiner anglisiert Form „Deep Fritz“ Namensgeber einer ganzen leistungsstarken Produktserie wurde, schrieb Mitblogger Olaf bereits im Herbst 2011 einen schönen Artikel.

Nun seit damals wurden viele Schachstellungen in die Let’s check Datenbank eingespielt und auch viel Wasser ist den Rhein, die Donau und auch die Elbe hinuntergeflossen, wie man altmodischer das Verrinnen der Zeit bildhaft umschrieben hätte. Und moderner wurde vieles und offener: live-, speed-, blind- und wie auch immer –dating ist für Junge heute kein Tabu mehr. Im strengen Hause Wüllenweber mussten die einfachen Fritzen – also alle, die nicht der Linie „Deep“ entsprungen sind - ein strenges Zölibat einhalten und durften sich nur auf einem einzigen Rechnerkern (Core) austoben, auch wenn es seit 2006 schon mehrheitlich Dualcore, dann schon bald Quadcore Computer zu kaufen gab! „Nein, nein! Du bist kein Dieb, Du wirst ehrlich und hart auf einem Kern Deine Arbeit machen“ mussten die armen Fritze immer wieder hören, obwohl die Konkurrenten hinter denen sich auch leistungsmäßig zurücklagen, schon lange die volle Rechenpower nutzen durften! Als aber dann aber immer mehr Cores auf einen einzigen Prozessor gepackt wurden und im Vorjahr ChessBase 12 mit 64bit und Multicoreunterstützung die Krennwurzn leiden ließ – ja, da wurde auch das Herz des strengen Vaters erweicht.

Deep Fritz 14, der innerfamiliär auf den Namen Maddox „der Glückliche“ hören wird und dessen legendärer Namensvetter möglicherweise als erster Europäer nach Amerika gesegelt sein sollte, und dort eine Siedlung gegründet haben sollte, ja Deep Fritz 14 „Maddox“ dem wurden Freiheiten zu teil, von denen seine Brüder nur träumen konnten!

Dazu gehörte auch, dass „Maddox“ ganz still und leise auf den Markt gebracht wurde, zuerst nur im Shop, erst dann am Nachmittag auf der Startseite der Homepage. Auch tauchten nicht wie so oft in der Vergangenheit Wunderergebnisse gegen andere Engines in allgemein bekannten Foren auf, die sich später – nach dem Kauf – nicht mehr nachvollziehen ließen und enttäuschte oder gar getäuschte Käufer zurück gelassen haben. Ebenso wurden keine Superlative wie Weltneuheit strapaziert – ganz bescheiden steht da nur „Deep Fritz 14: Schneller, besser, günstiger“

Schneller, besser das ist der Krennwurzn klar, aber bei „günstiger“ da möchte ich doch einen Einspruch wagen! Natürlich sind 70 Euro günstiger als 100 Euro, aber kostete ein Fritz nicht mal 50 Euronen? Ja und sogar 100 Mark musste man für einen Fritz schon hinlegen, sodass man mit einigem Bauchweh auch das „günstiger“ durchgehen lassen kann, weil es die erste Preiserhöhung für den Einsteigerfritz seit vielen Jahren ist und weil es auch Inflation gibt.

Für das Geld gibt es eine neue überarbeitete GUI in 64bit und mit Multicoreunterstützung, dazu noch 6 Monate Premiumzugang zum Fritzserver. Neue Funktionen konnte ich auf die Schnelle nicht entdecken und diese werden auch nicht beworben, sondern es wird auf die altbewährten bekannten Spiel-, Trainings- und Analysefunktionen hingewiesen, die Fritz zum „beliebtesten deutschen Schachprogramm“ (DER SPIEGEL) gemacht haben.

Und ja klar da fehlt noch was: die neue Engine! Da gab es ein paar Änderungen in der Familie Wüllenweber - nicht mehr Frans Morsch zeichnet für die Engine verantwortlich sondern Gyula Horváth. Natürlich sind die beiden „Mats“ – Matthias Wüllenweber und Mathias Feist – immer noch maßgeblich mit an Bord.

2013Fritz14 2

 

Nun testen konnte ich die neue Engine noch nicht, denn sie verweigert nach der Installation einfach ihren Dienst. Und ja voller innerer Schadenfreude schreibt die Krennwurzn diese Zeilen, denn ich hab’s noch nicht vergessen: dieses CB12 ist ja beim Testen niemals abgestürzt, aber der im Shop gekaufte und heruntergeladene Fritz 14 macht Macken – „Maddox“ wenn Du wüsstest, wie glücklich Du die Krennwurzn gemacht hast!

2013Fritz14 1

Houdini und Crafty laufen aber ohne Probleme mit der neuen GUI, nur Deep Fritz 14 mag noch nicht so an die neue Freiheit glauben, was mich diebisch freut! Aber ganz ehrlich gesagt: wegen der Engine habe ich mir „Deep Fritz 14“ auch nicht gekauft! Was bleibt dann noch übrig? Keine wesentlichen neuen Funktionen, eine schwächere Engine, die noch dazu den Dienst verweigert? Das sind doch alles Nichtkaufargumente und dann spricht die Krennwurzn auch noch quasi eine Kaufempfehlung aus? Ist die noch zu retten oder vollkommen übergeschnappt?

Nun zu retten ist sie sicher nicht mehr, aber doch ein nüchterner Rechner. Die Engine interessiert mich sowieso nicht – das gilt sogar irgendwie für die anderen auch – und wie sich die Zeiten ändern, so auch die Prioritäten. Ich wollte mir vor der WM einen Premiumzugang um 50 Euro kaufen und habe ich schon geärgert, dass die Hamburger – sonst Meister des Marketings – diesmal den Fritz nicht rechtzeitig auf den Markt brachten und ich so ein paarmal die guten Kommentare von Klaus Bischoff nicht mitverfolgen konnte, weil ein Geizhals ist sie schon die Krennwurzn. Also bleiben 20 Euro Aufpreis für die GUI und die Engine und das ist es mir wert, dass die alte 32bit Software endlich vom Rechner verschwindet – und Zinsen fürs Geld bekommt man am Sparbuch auch nicht!

Nachtrag:
Gerade kam per Email eine Fehlererklärung und LÖSUNG - die Installationsroutine hat den Prozessor nicht richtig erkannt und statt der AMD die INTEL-Version von Fritz auf meinem Rechner installiert!
"Maddox" läuft damit ab dem ersten Tag!!

Das Schweigen der deutschsprachigen Fische
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Mittwoch, 04 Januar 2012 14:37

Das Schweigen der deutschsprachigen Fische

Dass die englischsprachige Newsseite von ChessBase meist besser ist als die deutschsprachige, ist in Schachkreisen ein offenes Geheimnis – warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Irgendwie könnte man aber den Eindruck bekommen, dass für den deutschen Markt kritische Berichte nicht erwünscht sind. Ein gutes Beispiel ist eine anfangs dieses Jahres gestartet Artikelserie in vier Teilen von Dr. Søren Riis über einen „Justizirrtum im Computerschach“, der die Bestrafung und Verbannung Rybkas durch die ICGA (International Computer Game Association) im Juni 2011 zum Thema hat. 

Nun könnte man einwerfen, dass die Leser des deutschsprachigen Portals auf diesem noch gar informiert wurden, dass Rybka im Juni 2011 als Plagiat von der ICGA alle WM-Titel aberkannt wurden und der Programmierer lebenslänglich gesperrt wurde – klar dass da eine Artikelserie zur Verteidigung Rybkas irgendwie überraschend wirken würde. Warum man – obwohl man Rybka im Verkaufsprogramm hat – bisher geschwiegen hat, obwohl man sehr wohl die WM-Titel aus den Beschreibungen entfernt hat, dazu wird man wohl weiter schweigen. 

Und da wir gerade beim Schweigen sind, so ist es für Kenner wohl kaum verwunderlich, dass uns die Hamburger Imposantes über den Autor erzählen: „Søren Riis is a Computer Scientist at Queen Mary University of London. He has a PhD in Maths from the University of Oxford. He used to play competitive chess (Elo 2300).“ – aber verschweigen, dass dieser Moderator im offiziellen Rybkaforum ist und beispielsweise das Rybkateam zur WM in Pamplona begleitet hat.

Interessant ist auch, dass dieser sehr lesenswerte Artikel viele Fragen aufwirft, aber gerade die einfachste nicht stellt: Warum wehrt sich Rajlich nicht gerichtlich, wenn an der Sache nun außer normalem Erkenntnissen aus Konkurrenzprodukten nichts dran ist? Der Sourcecode von Fruit ist öffentlich zugänglich und wenn nicht kopiert wurde, so wäre die Offenlegung des Sourcecodes von Rybka 1.0 Beta bei Gericht wohl kein Problem. Zudem sind seit damals - wie im Artikel ausgeführt – viele Verbesserungen vorgenommen worden, sodass auch die Geheimhaltung von eigenen Ideen kein Problem mehr darstellen sollte – jedenfalls dann nicht, wenn der eigene Ruf so stark beschädigt wurde und die Existenz des Projektes Rybka dadurch gefährdet ist.

Die ICGA sieht unter vielen Vorwürfen eine Codezeile „If (movetime >= 0.0)“, die sowohl in Rykba 1.0 Beta als auch in Fruit vorkommt als starken Beweis für die Verurteilung als Plagiat. Ich versuche diese technische Frage einfach darzustellen: Fruit verwendet Gleitzahlen und dadurch ist 0.0 die korrekte Schreibweise – Rybka verwendet die schnellere Lösung mit Integerzahlen und da ist die korrekte Schreibweise einfach 0 und 0.0 einfach unlogisch und unnötig! Für sich alleine gesehen, könnte es sich dabei um einen einfachen Tippfehler aus Gewohnheit handeln, da aber ebenfalls die Geschichte mit dem nicht mehr auffindbaren Rybka 1.0 Beta Code durchs Netz geistert – ein Grund warum man neben dem allgemeinen Klagsrisiko die ICGA nicht klagen sollen könnte – könnte es sein, dass Nichtschicksalsgläubige ein wenig viele Zufälle sehen. „Verliert“ ein Programmierer wirklich den Sourcecode und dann auch gerade noch jenen, der ihm so viele Unannehmlichkeiten einbringt?

Das weiter angeführte Argument, dass Rybka viel stärker wurde als Fruit und daher kein Plagiat sein könne, ist meiner Meinung nicht angebracht und sogar gefährlich. Man könnte auf die Idee kommen beispielsweise ChessBase 11 – wenn man in den Besitz des Sourcecodes käme – programmtechnisch zu verbessern, indem man von 32bit auf 64bit Programmierung portiert, diverse Bugs, die in jeder Software vorkommen, verbessert und auch eine Multicoreunterstützung implementiert. Wird man dann vor dem Kadi gezerrt – so sagt man ganz naiv: ja, ich habe kopiert – aber mein Produkt ist nun viel schneller, innovativer und zudem mit weniger Bugs versehen als das Ausgangsprodukt. Käme man mit dieser Argumentation durch, könnte man das Copyright gleich ersatzlos streichen!

WM der Fruchtlosen
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Freitag, 02 Dezember 2011 02:04

WM der Fruchtlosen

Beinahe unbemerkt von der Schachöffentlichkeit fand im November die 19. Computer Schachweltmeisterschaft der ICGA in Tillburg satt.

 

Wie bei jedem Turnier gab es einen Sieger (Junior), aber interessant war vor allem die Tatsache, dass die aktuell stärksten Engines laut CEGT (Houdini, Stockfish und Co) nicht teilnahmen und Rybka ja ausgeschlossen wurde.

Hier noch kurz ein Blick auf die Abschlusstabelle:

wm19

 

Wollten die Programmierer durch die Nichtteilnahme einer Diskussion über Plagiatsvorwürfe und/oder einer Überprüfung auf Übereinstimmungen mit Fruit aus dem Weg gehen? Wollten Sie ein Statement gegen die ICGA abgeben? Warum reiste der bekannte Fritz mit holländischen Wurzeln nicht zur WM?

Viele Fragen und nur wenige Antworten – die plausibelste wäre: weil kein Interesse an einer Computerschachweltmeisterschaft mehr besteht. Es geht dort nicht einmal mehr um die berühmte „goldene Ananas“.

Let's check - it's tea time!
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Samstag, 01 Oktober 2011 12:24

Let's check - it's tea time!

Ein nicht gegebenes und nicht autorisiertes Interview mit dem Schachexperten und Diplomaten: Anton Karl Neidl

Krennwurzn: Herr Neidl – dieser Tage erscheint auf dem Weltmarkt eine Technologie, die die Schachwelt ähnlich wie der Buchdruck und die Schachdatenbanken revolutionieren wird.

Neidl: ???

Krennwurzn: Eine Firma, die man nicht zu nennen braucht, weil jeder sie kennt, verwirklicht den Schachkommunismus: jeder kann seine Eröffnungskenntnisse in eine große abrufbare Datenbank einspielen! - „Engine- und Computertuner aller Länder vereinigt Euch!"

Neidl: ??? ???

Krennwurzn: Endlich hat das Engine laufen lassen mehr Sinn als warme Zehen für den Nutzer durch die Abwärme und gute Einnahmen für die Stromkonzerne: es wird endlich wie bei SETI  die kollektive Rechenkraft sinnvoll genutzt!

Neidl: Und haben die schon was gefunden?

Krennwurzn: Naja – nichts, aber außerirdische Intelligenz das ist schwierig – hapert es doch schon oft mit irdischer.

Neidl: Ok – was dort nicht funktioniert, sollte hier funktionieren und wer denkt an die Profis – oder wird der gute Freund Kasparov ebenfalls seine legendäre Eröffnungsdatenbank in das System einspielen?

Krennwurzn: Zweifelsfrei! Denn es gibt neben der Ehre, dass eine Variante nach ihm benannt wird, auch einen Wettbewerb bis Ende des Jahres und man kann einen Tag mit einem sehr bekannten Trainer gewinnen.

Neidl: It's tea time!

(Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, Produkten oder Gegebenheiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt)

Rybka – ein Weltmeister, der keiner war!
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Schon im März stellte sich die Frage, ob ein Fisch ein Früchtchen sein kann, hier im Blog und nun ist es quasi offiziell: Rybka und sein Programmierer Vasik Rajlich wurden von der International Computer Games Association (ICGA) disqualifiziert und sämtliche errungenen Plätze und WM-Titel wurden annulliert. Zudem wurde Rajlich aufgefordert sowohl die Pokale als auch die gewonnenen Preisgelder an die ICGA zurückzugeben.

Konkret wird dem Programm vorgeworfen ein Plagiat aus Fruit und Crafty zu sein. Auf der Internetseite von Chessvibes gibt es weitere technische Einzelheiten und auch detaillierte Dokumente zur Entscheidung.

icgarybka

Interessant wird auch sein wie ChessBase darauf reagiert – die Hamburger hatten zuerst versucht das erfolgreiche Programm tot zu schweigen (die Erwähnung des Namens konnte zu Chatsperren führen) und es dann erfolgreich ins Verkaufsprogramm aufgenommen. Man darf also gespannt sein, wie die Marketingabteilung mit dem Weltmeister, der keiner war, umgehen wird. Die Methode „Rybka? Was ist das? Das gab’s nie bei uns!“ wird wohl schwer funktionieren.

Aber darf man den Saubermännern des Nordens wirklich vorwerfen ein schwarzes Schaf - upps einen stinkenden Fisch - eingekauft zu haben? Und haben doch nicht alle Schachprogrammierer von der damals offengelegten Arbeit des Fruit-Autors Fabien Letouzey profitiert? Und was ist mit all den anderen Programmen mit Klonvorwürfen wie Houdini und die ganze Ippolit-Familie. Ein schwieriges und langes Diskussionsfeld für Computerschachfreunde!

Andererseits muss man auch sagen, dass die Computerschachweltmeisterschaft sowie das Computerschach im Allgemeinen stark an Interesse verloren haben. Das Thema ist einfach durch und wir durften in den letzten 30 Jahren die Entwicklung vom Jausen- zum beinahe unschlagbaren Gegner erleben. Aktuelles Problem in der Schachwelt ist nun, wie man die damit entstehenden Betrugsmöglichkeiten am besten eindämmen kann, ohne zu starke Eingriffe in die Menschenrechte, die uns ja aus der Dopingproblematik allzu bekannt sind.

Die neuen Computerschachweltmeister:

2007

1st Zappa (World Champion)
2nd Loop=3rd GridChess
=3rd Shredder

 2008

1st Hiarcs (World Champion)
2nd Junior
3rd Cluster Toga 

2009 

=1st Junior (Joint World Champion)
=1st Shredder (Joint World Champion)
=1st Deep Sjeng (Joint World Champion)

2010 

=1st Rondo (Joint World Champion)
=1st Thinker (Joint World Champion)
3rd Shredder

Nachtrag 1. Juli: Medienecho

SPIEGEL ONLINE: Plagiats-Skandal - Weltmeisterprogramm Rybka verliert alle Titel

HEISE ONLINE: Schachcomputer-Weltmeister nachträglich disqualifiziert

 

 

Kann ein Fisch ein Früchtchen sein?
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Mittwoch, 02 März 2011 12:24

Kann ein Fisch ein Früchtchen sein?

In diesen Tagen scheint die Frage „wer von wem abgeschrieben hat“ sehr aktuell zu sein. Ein deutscher Minister musste wegen Abschreibens zurücktreten, aber auch in der Welt des Computerschachs halten sich hartnäckige Gerüchte, dass nicht alle Engines aus der Feder des jeweiligen Autors stammen.

  

Früher war – natürlich möchte man fast sagen – alles viel einfacher: es gab das von Dr. Hyatt programmierte Crafty dessen Code sich jeder frei anschauen kann und auch verwenden durfte und darf, wenn er sich an die Lizenzvorgaben hält.

 

Die restlichen Engineprogrammierer waren alle kommerziell unterwegs und verkauften ihre Produkte entweder selbst und/oder über Hersteller von Schachcomputer bzw. später als PC-Software. Die Szene war sehr übersichtlich und so manche Eifersüchteleien und Spionagevorwürfe waren nur Insidern bekannt.

 

Dann kam aber 2004 das Programm Fruit von Fabien Letouzey auf den Markt und schnell spielte es stärker als die arrivierte Konkurrenz und schockte damit die Schachwelt. Doch Mitte 2007 hat der Autor das kommerzielle Projekt eingestellt und die Software unter GPL Lizenz inkl. Sourcecode veröffentlicht.

 

Ein wesentlicher Teil dieser Vorgaben nach der GPL Lizenz ist, dass aus freier Software nur freie Software entstehen darf – es ist also ein Verstoß gegen die GPL Lizenz aus freier Software oder Teilen davon kommerzielle Software zu erstellen.

 

Fruit wurde von der breiten Schachöffentlichkeit gar nicht wahrgenommen und wäre wohl nur eine Fußnote der Geschichte geworden, wenn nicht just zu jener Zeit der Aufstieg von Rybka des Programmierers und IMs Vasik Rajlich begonnen hätte. Da die Spielstärke Rybka's derart über den arrivierten Programmen lag, konnte auch die beste Marketingmaschine nicht verhindern, dass bald schon jedermann wusste, welches Programm der Maßstab in der Schachwelt ist – denn seit 2007 hat Rybka die World Computer Chess Championship (WCCC) immer gewonnen.

 

Und schon fast solange halten sich die Gerüchte, dass Teile von Rybka nicht vom Autor selbst stammen. Erst als der Rybkaautor sich beklagte, dass sein erfolgreiches Programm selbst geklont würde, meldete sich Fabien Letouzey zu Wort und sagte, dass er bei dem Klone Strelka - dessen Sourcecode veröffentlicht wurde - Ähnlichkeiten zu Fruit erkennen würde. Die Klonediskussion erhitzte die Gemüter und die Tastaturen der Forenschreibern glühten, aber im Wesentlichen passierte nicht viel.

 

Doch nun haben sich zwölf Schachprogammierer (Fabien Letouzey, Zach Wegner, Mark Uniacke, Stefan Meyer-Kahlen, Ed Schröder, Don Dailey, Christophe Theron, Richard Pijl, Amir Ban, Anthony Cozzie, Tord Romstad, Ralf Schäfer, Gerd Isenberg, Johannes Zwanzger) in einem offenem Brief an die ICGA (International Computer Games Association) gewandt und fordern diese auf, die Angelegenheit zu prüfen. Und nun interessieren sich nicht nur mehr die Schachmedien für die Causa sondern auch heise online berichtet darüber - kommt da etwa nach Jahren ähnlich wie bei Googleberg etwas Unaufhaltsames ins Rollen?

 

Und da sind wir bei der Anfangsfrage angelangt: Darf man die Arbeit von anderen im digitalem Zeitalter einfach kopieren und als die eigene ausgeben?

 

Oder einfacher: Kann ein Fisch ein Früchtchen sein?

 

Nachtrag 4.3: Auch der Spiegel Online berichtet unter: Programmierer vermuten Intelligenzklau

Deep Blue (wikimedia commons, James the photographer)
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Montag, 28 Februar 2011 18:07

(Schach-)Odyssee im Weltraum

Vor vier Tagen startete die Raumfähre Discovery zu ihrer letzten intergalaktischen Reise. Danach ist Schluss, sie wird ins Museum geschickt. Dieses Schicksal werden alsbald die Geschwisterschiffe Endeavour und Atlantis teilen, die ebenfalls eingemottet werden.
Die Discovery hat an der Internationalen Weltraumstation ISS angedockt; ihre Mission besteht  darin, neue Gerätschaften und Module auf dieses in rund 350 Kilometern Höhe dahinschwebende Fußballfeld zu verfrachten.
Das Interessante dabei: sie haben einen menschenähnlichen “humanoiden“ Roboter  in die Schwerelosigkeit gebracht, der darauf getestet werden soll, inwieweit er die Aufgaben von Menschen übernehmen kann. Vielleicht kann man irgendwann mal ganz oder teilweise bei Raumflügen auf die Anwesenheit von Menschen verzichten? Welcher vernünftige Mensch will sich denn schon gerne hergeben für einen Zweijahresflug zum unzivilisierten Mars? Komischerweise viele, hört man immer wieder. Die müssen wohl sehr unzufrieden mit ihrem irdenen Dasein sein…
Da kommt mir unweigerlich Kubricks Weltraumepos „2001, Odyssee im Weltraum“ in den Sinn. Das Herzstück der Mission, die dort zum Jupiter fliegt, ist der Großcomputer HAL. Nein, kein Roboter, sondern ein riesiger, anscheinend unfehlbarer Bordcomputer, der ebenfalls, wie der Roboter der Discovery, von Menschenhand erschaffen wurde und der sich im Film anschickt, die Macht über seinen Schöpfer zu übernehmen, nachdem die zwei Piloten bemerkt haben, dass er fehleranfällig ist. (der Rest der Crew ist „eingefroren“, das wäre noch eine Herausforderung für amerikanische Wissenschaftler: im „Schönheitsschlaf“ könnten die Astronauten zu fernen Galaxien bugsiert werden, ausgeruht und verjüngt, die Astronautinnen botoxoptimiert, die strahlenden Helden könnten Milchstrassen-Aliens als Handelspartner gewinnen und neue Absatzmärkte auf Alpha Centauri  erschließen)
Bevor es aber zur Sache geht und der Kampf Computer – Mensch auf Leben oder Tod eskaliert messen sich die Vegetationsformen zunächst noch intellektuell – im Schachspiel!
Pilot Frank Poole riskiert den aussichtslosen Kampf – heute weiß man nur zu gut, wie es sich anfühlt, wenn man sich auf ein Spiel gegen Rybka, Fritz oder neuerdings Houdini einlässt, früher oder später wird man zerschmettert. Und die Software dafür passt dabei gar auf ein handflächengroßes Gerät. Doch damals, Ende der 60er, war es noch kaum abzusehen, dass alsbald Computer besser als der Weltmeister spielen würden, selbst wenn sie riesig und leistungsfähig sein sollten. Erst in den 70ern gab es erste Vorläufermodelle von Schachcomputern.
HAL allerdings vermöbelt den Menschen nach Strich und Faden. Auf dem Großbildschirm ist die Diagrammstellung zu sehen:

Roesch-Schlage

Hier sagt HAL ungefähr mit jovialem Unterton: „Es tut mir leid, Frank, Du hast  verloren. Df3, Läufer nimmt Dame, Springer nimmt Läufer matt.“ Der konsternierte Poole gibt daraufhin auf. Besonders gefällt mir an dieser Szene, dass man dem Computer richtig seine Genugtuung über den Sieg anmerkt. Er gaukelt Mitleid mit seinem Gegner vor („es tut mir leid“), aber ein genießerischer Unterton ist nicht wegzuleugnen. So ein Computer ist halt auch nur ein Mensch…
Der Filmpartie liegt ein Original zugrunde: es handelt sich um die Partie Roesch – Schlage, Hamburg 1910 (bei meiner Datenbank wird das Jahr auf 1913 beziffert, aber alle anderen mir zur Verfügung stehenden Quellen ordnen es dem DSB-Kongress von Hamburg zu, der im Jahr 1910 stattfand).

 Roesch - W. Schlage [C86] Hamburg, 1913 

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.De2 b5 6.Lb3 Le7 7.c3 0–0 8.0–0 d5 9.exd5 Sxd5 10.Sxe5 Sf4 11.De4 Sxe5 12.Dxa8 Dd3 13.Ld1 Lh3 14.Dxa6 Lxg2 15.Te1 Df3 0–1

Willi Schlage gewann damals das  B-Turnier des Kongresses und wurde später Reichstrainer des Großdeutschen Bundes, was dem heutigen Bundestrainerjob entspricht. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an diese Bilder aus den späten Dreißigern, auf denen Schlage im Kreise seiner Talentschmiede  mit Klaus Junge,  Wolfgang Unzicker und Edith Keller zu sehen ist.
Der narzisstische Bordcomputer HAL bringt später seinen Spielpartner Poole um die Ecke, indem er ihn in den endlosen Weltraum schießt. Dafür wird ihm vom zweiten Piloten, Dave Bowman, der Saft abgedreht. Bevor seine Lebenskräfte erlahmen, retardiert der Computer und singt Kinderlieder, ein aussichtsloser Versuch, sein emotionales Gleichgewicht wiederzuerlangen. Wunderbar, wie vieles andere auch in diesem seltsamen Film, der noch einige andere Ähnlichkeiten mit Schachspielen aufweist: größtenteils wird gar nicht geredet. Es wird geschaut, gedacht, gelauscht, geschnauft, Angst treibt die Akteure an, selbst Bowmans psychedelische Irrfahrt hinterm Jupiter erinnert irgendwie an das Sich-Selbst-Verlieren im endlosen Strudel der Schachkombinationen. Zuletzt treibt das „Starchild“, ein Fötus in der Fruchtblase, etwas kitschig durch den Welttraum und suggeriert uns die Idee der Wiedergeburt. Und ist auch nicht jede neue Partie eine Art Wiedergeburt, in der wir uns neu erfinden können?

Übrigens scheinen sich Kubriks Visionen größtenteils bestätigt zu haben, wenn auch nicht im Jahre 2001, dann im Jahre 2011. So gibt es eine riesige Raumstation auf halbem Weg zum Mond, die international verwaltet wird, der Mond wurde zwischendurch „erobert“ (auch wenn manche Hartgesottenen noch an ihrer „Verschwörungstheorie“ festhalten), die Menschheit plant lange Reisen zu den Planeten unseres Sonnensystems, künstliche Intelligenz übernimmt immer mehr Bereiche und die Grenzen zwischen Menschen und Computer nehmen so langsam fließende Konturen an. Wer weiß, wie lange es noch dauern wird, bis die ersten Androiden oder Kleinmeister mit implantiertem Chip im Kopf unsere Open dominieren werden?

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congstar prepaid Die  Namen der Filmpersonen Dave Bowman und Frank Poole erinnern sehr an den damaligen amerikanischen Weltraumhelden Frank Borman. Dieser war schon 1965 zusammen mit Jim Lovell zu einem sensationellen Langzeitrekord aufgebrochen: die beiden umkreisten zwei Wochen lang die Erde, da lernt man sich bestimmt gut kennen. Im Jahre 1968, als „2001, Odyssee im Weltraum“ gedreht wurde, war Borman der Kommandant einer der bevorstehenden Apollo-Missionen und es bestand die reelle Aussicht, dass er der erste Mensch auf dem Mond sein könnte. Schließlich war man Ende 1968 noch nicht so weit, dass man auf dem Mond hätte landen können, doch die USA war unter Zugzwang und benötigte dringend einen Propagandaerfolg und somit wurde Apollo 8 losgeschickt, um als erstes Raumschiff den Mond zumindest zu umrunden. Uns sind alle deutlich diese Bilder vor Augen, die die Apollo-8-Crew nach der ersten Mondumrundung schoss: sie zeigt die Erde, wie sie als sehr fragiles Etwas aus dem dunklen Nichts am Horizont des unwirtlichen Mondes auftaucht, das einzige Farbenprächtige in der schwarz-weißen Weite.  Und da es Weihnachten ward und die Astronauten kurzerhand die Schöpfungsgeschichte vorlasen wurden diese Bilder zur Ikone der Weltraumfahrt. „Es werde Licht. Und es ward Licht“. Einen besseren Text hätten die Jungs nicht finden können. Diejenigen unter den Erdlingen, die sich ihrer christlichen Wurzeln erinnerten, waren zu Tränen gerührt. Auch wenn es ein Propagandaerfolg und geschickt eingefädelt war: diese Bilder bewegen auch beim x-ten Betrachten. Und führen uns wieder vor Augen, wie gut wir es eigentlich hier erwischt haben und wie dünnhäutig die Atmosphäre ist, die unseren Planeten einhüllt.

Ohne diesen „Nebeneffekt“ des Kalten Krieges hätte die Ökologiebewegung womöglich nicht soviel Zulauf bekommen.
Warum also bloß zum Mars auswandern? Halten wir uns doch lieber an den Gassenhauer: „Im Himmel gibt’s kein Bier,  drum trinken wir es hier!“

P.S: Frank Borman wird in Kürze seinen 83. Geburtstag begehen. Als er in den Weihnachtstagen `68 den Mond umrundete war ich ein Fötus im Bauch meiner Mutter, ca. 20-30 Zentimeter groß und weniger als ein Kilo schwer. Ein Starchild gleichsam. Also auf zur nächsten Partie!

 

Warmer Südwind ?!
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Dienstag, 01 Februar 2011 17:23

Warmer Südwind ?!

Ob es der revolutionäre Südwind aus dem Mittelmeer war oder auch nur ein Zufall ist nicht bekannt. Jedenfalls dürfen nach langer Zeit Engines, deren Sourcecode zum Teil öffentlich zugänglich (opensource) sind und dennoch im Verdacht standen Clones einer kommerziellen Software zu sein, nun im kühlen Hamburger Maschinenraum ohne Sanktionen (Sperre, ....) verwendet werden.

Im Maschinenraum treffen sich die Computerschachfreaks und lassen dort ihre Engines auf übertrakteten Computer mit getunten Büchern gegeneinander spielen – vielleicht sogar schachtheoretisch sehr interessant, aber die Außenwahrnehmung ähnelt eher der Mantaszene: aufgemozzt und tiefergelegt.
 
Aber vielleicht liegt es daran, dass sich ab heute jedermann Clusterleistung mieten kann. „Rent a supercomputer”  ist seit heute online und mit um die 1.000 Euro vor Steuer ist man schon dabei. Offen bleibt wie viel Elo der Cluster zur Egobefriedigung in die Waagschale wirft und ob er auch unterhaltssame Anekdoten erzählen kann?

Ist der große Zauberer Houdini damit seine Nummer eins wieder los?

Marienbad (wikipedia commons)
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…habe ich heute anlässlich eines GM-Turniers in Tschechischen Marienbad gespielt. 
Sie umfasste nur drei Züge, dabei hatte ich mir eigentlich fest vorgenommen, auf Gewinn zu spielen. Auf jeden Fall zu spielen, denn deswegen bin ich ja hier. Dachte ich. Doch der Traum von der GM-Norm ist längst ausgeträumt, es wird Zeit, dass das Ding zu Ende geht.
Nun gut, werden Sie sagen, nichts Besonderes, das kennt jeder nur zu gut, ein Turnier ist schon überreif, man ist etwas gefrustet oder zumindest nicht ganz zufrieden.  Wo ist also der Witz? Er besteht darin, dass ich mich in meinem Appartement den gesamten Vormittag auf die Partie vorbereitet habe, unterbrochen von kleineren Appetithäppchen und einer erfrischenden Dusche hat mich das Ausarbeiten eines Konzeptes, das einigermaßen überraschend ist und auch noch analytisch wasserdicht daherkommt, runde fünf Stunden Kopfzermartern bereitet…
  
Dabei begann alles recht harmlos. Beim Frühstück war ich die Partien meines Gegners, dem momentanen Tabellenführer und Elobesten im Turnier, der wahrscheinlich auch als einziger eine GM-Norm machen wird, durchgegangen und hatte mich entschlossen, heute nicht mit meinem Lieblingszug 1.e4 aufzuwarten, weil
a)       die Jungs sich vorbereiten; in meinen zwei bisherigen 1.e4-Weißpartien holte ich nichts, aber auch gar nichts aus der Eröffnung, nur Zeitnachteil und ergatterte mühsam einen halben Punkt.  
b)       ich keine Lust auf seinen Franzosen hatte. Es hätte sich gerade die Variante ergeben können, mit der ich eine miserable Bilanz habe.

In dem Fall ziehe ich gern 1.c4, und da mein Gegner auf Grünfeldindisch schwört war 1.c4 Sf6 2.Sc3 d5 so gut wie sicher. Bei der Durchsicht einiger aktueller Partien kam mir eine Begegnung auf den Schirm, in der die Weiße, die Russin Kovalevskaya, recht  flott gegen die frühere Weltmeisterin Stefanova gewann, und das mit einer frühen Abweichung von der Hauptlinie. Als dann noch mein „Rechenmodul“ (ganz falsch, dem sollte man nicht glauben, zumal da mein Laptop und auch mein Programm leicht veraltet sind!) den Zug 7.d3 empfiehlt  und es mit 7.d3 nur eine Handvoll Partien in der Datenbank gibt, war klar: ich bin auf der richtigen Spur! Hier kann man eine Überraschung landen.

Ganz wie früher die Goldgräber fing ich also an dort zu graben, wo ich das gelobte Land vor mir wähnte. Zunächst ließ es sich gut an, ich fand viele vorteilhafte Ideen und Abspiele und war schon einigermaßen euphorisch. Aber irgendwann kam die Sache ins Stocken: als ich selber nachdachte, was Schwarz wohl so spielen könnte, wusste der Rechner auch keinen besonders schlauen Rat mehr und sein anfänglicher „+=“-Optimismus löste sich mit zunehmender Analysedauer auf – und wandte sich sogar vermehrt in das Gegenteil! Je weiter man die Dinge in die Tiefe trieb desto mehr schlug die Bewertung ins Negative aus – für den Weißspieler! Langsam dämmerte es mir: ich war dabei, einen Quatsch zu spielen. Warum sollte man sich freiwillig auf etwas einlassen, was im besten Falle Ausgleich für Weiß versprach? Und das, zumal die richtigen schwarzen Züge allesamt „gesund“ und durchaus zu finden waren, insbesondere von einem 2500+-Mann. Ich war konsterniert, doch das Schlimmste: bis zum Spiel verblieben mir keine zwei Stunden, gegessen hatte ich auch nichts, was sollte ich tun? Wieder was ganz anderes spielen? Doch 1.e4? Es war zum Verzweifeln…

Egal, dachte ich mir schließlich, ich muss den eingeschlagenen Kurs beibehalten, versuche ich eben eine Linie zu finden, die die meisten Chancen bietet und zumindest noch den Ausgleich sichert. Und ich reizte alle Motive aus, die die Stellung hergab, kombinierte die Zugreihenfolge in jeder erdenklichen Kombination, sprang vor, wieder zurück, verbesserte, änderte, knüpfte, nähte und spann… und siehe da, schließlich war es einigermaßen wasserdicht: meine Hauptlinie ging fast bis zum 40. Zug und endete quasi mit einem Remisendspiel!

Schließlich war Zeit, zu gehen. Und wenn er in den ersten sechs, sieben Zügen abweichen würde? Keine Ahnung, dann improvisiere ich eben, so was habe ich schon in den späten 90ern gespielt, wird mir schon wieder einfallen…

Als ich mich auf den Weg ins Spiellokal machte hatte ich noch 25 Minuten Zeit. Normalerweise benötige ich mindestens 15 Minuten für die Strecke, es geht meist bergauf, ich hab` mich schon öfters in der Zeit vertan und tauchte schon einige Male abgehetzt und verschwitzt auf, als die Uhren bereits liefen. Unterwegs machte sich der Hunger plötzlich mit Macht bemerkbar, mein leerer Magen nörgelte. Ich musste dringend noch was Nahrhaftes aufnehmen, das kostete wieder ein paar Minuten -  auch diesmal war die Runde schon gestartet, mein russischer Gegner, der mich an den jungen Putin erinnert, saß schon mit versteinerter Miene am Brett.

Ich gebe ihm die Hand, er entgegnet mir einem emotionslosen Blick, ich notiere auf mein Blatt – plötzlich um mich herum ein Tumult. In einer mir unverständlichen slawischen Sprache beschimpft mich einer, der hinter mir steht – es ist ein russischer Teilnehmer aus dem im selben Raum stattfindenden IM-Turnier. Neben mir spielt Malanjuk, früher ein starker Großmeister, jetzt gibt er hier den abgehalfterten Revolverhelden und Remisenschieber vor Ort – bzw. er spielte. Denn er hat bereits Remis gegeben, bevor ich meinen Partiezettel überhaupt ausfüllen konnte. Er beteiligt sich auch lautstark an der Diskussion in einem tiefen Bass, lacht und gestikuliert wild. Er übersetzt anscheinend, was der Russe mir vorwirft: ich würde jeden Tag zu spät zur Partie kommen, das wäre unverschämt und so weiter. Hat er vielleicht auch recht, ich würde auch lieber pünktlich sein, aber es klappt halt nicht, außerdem ist das doch jedem selber überlassen, komischerweise könnte ich auch nicht sagen, mit welcher „Regel“ wir hier spielen, zumindest hat keiner sich mal zum Thema geäußert, wie viel man sich verspäten darf. Abgesehen davon bezahle ich hier viel Geld dafür, dass ich in dieser jämmerlichen Provinzposse mitmischen darf, doch das ist ein anderes Thema, vielleicht mal später mehr. Jedenfalls geht mir in den wenigen Minuten - oder sind`s nur Sekunden? - wirres Zeugs durch den Kopf, mittlerweile wurde 1.c4 Sf6 2.Sc3 d5 gezogen (a tempo von meinem Gegner) und mein 3.cxd5 beantwortete er unvermittelt mit 3. …Sxd5 untermalt durch ein „Remis?“-Raunen.  Eigentlich wollte ich ja spielen, aber im Moment fühlte sich alles recht absurd an, ich war derart irritiert, mir wurde schlagartig klar, dass ich verlieren würde, wenn ich weiterspielen würde und schlug kurzentschlossen ein.

Als Anhang biete ich Ihnen noch meine festgehaltene Analyse, ungefilterte Eindrücke ins Labor eines Internationalen Meisters, die ganze Paradoxie des modernen computerbewaffneten Schachs wird dabei vor Ihren Augen ausgebreitet – Enthüllungen, wie sie wikileaks auch nicht skandalträchtiger bieten könnten: eine der vielen Variante hätte aufs Brett kommen können, wenn wir denn gespielt hätten. Ich sage: hätte.

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Zum Nachspielen am Bildschirm: