Herbert Bastian im Gespräch mit der Krennwurzn
Freigegeben in Blog

Die Wahl ist geschlagen und es gibt einen neuen DSB Präsidenten – für viele überraschend und für viele Insider auch wieder nicht, denn schon lange hörte man aus den bekannt gut informierten Kreisen, dass die Chemie in den Führungsgremien nicht stimmt. Öffentlich sichtbar war nur, dass aktive Funktionäre bei der vorhergehenden Wahl nicht mehr antraten und dass der Streit im Spitzenschach nicht mehr kontrollierbar war. Aber fragen wir den nunmehrigen Ex-Präsidenten Herbert Bastian einmal selbst …

Krennwurzn:
Wenn ich mir Ihre ersten Reaktionen nach der Abwahl in Erinnerung rufe, so erinnert mich das an „der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.“ Sind Sie wirklich persönlich gekränkt, dass Ihre Arbeit nicht entsprechend gewürdigt wurde und die Delegierten ihr demokratisches Recht zur Abwahl genutzt haben?

Bastian:
Bei der Wahl gab es eine lächerliche Selbstdarstellung von einigen, die noch nicht begriffen haben, dass man als Funktionär Verantwortung gegenüber der gesamten Organisation hat und sein Mandat nicht für persönliche Zwecke missbrauchen darf. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob man mich letztlich wirklich abwählen wollte oder ob es am Ende nur ein Zufallsergebnis wurde. Auch wenn es anscheinend alle wissen, ich weiß immer noch nicht, warum ich so abgestraft wurde. Absolut sicher bin ich mir, dass die wirkliche Basis mich gewählt hätte. Bei dem, was in Linstow geschehen ist, wäre jeder Mensch, der nicht absolut gefühlskalt ist, gekränkt. Andererseits habe ich es erwartet und bin schnell darüber hinweggekommen. Der Zerfall der Umgangsformen im DSB ist ja schon länger erkennbar. Wenn ich überhaupt etwas dazu sagen wollte musste es schnell geschehen. Nach spätestens drei Tagen interessiert sich niemand mehr dafür. Das Bild vom Mohr trifft allerdings zu. Genau so hat man mich behandelt. Nach vier Wochen Dauerstress mit der Kongressvorbereitung nach der schweren Erkrankung von Uwe Bönsch tat das sehr weh.

Krennwurzn:
Dankbarkeit ist im Ehrenamt keine Kategorie – es ist schwer, aber damit muss man sich abfinden und das wird in Zeiten der sozialen Medien nicht einfacher. Einfacher zu beantworten erscheint mir die Frage nach dem Warum des Abstrafens: Freunde und Gegner sind sich da scheinbar einig: Bastian ist ein guter Organisator, hat gute Idee und Visionen, ist ein ehrlicher und harter Arbeiter, aber kein Teamplayer! Ganz offen gefragt: verlangen Sie als Chef zu viel von Ihren Kollegen und das in einem zu autoritären Ton?

Bastian:
Wird mir das wirklich vorgeworfen? Das ist amüsant. Intern wurde mir ständig vorgeworfen, ich sei viel zu weich, viel zu nett, hätte keine Führungsstärke, würde viel zu viel selbst machen und müsste mehr delegieren. Verlangt habe ich z.B., dass die Aufstellung der Nationalmannschaft zuerst mit dem Präsidium abgesprochen wird, bevor ich es aus den Medien erfahre. War das zu viel verlangt? Oder dass Konflikte wie zwischen Luther und Rogozenco nicht öffentlich, sondern intern ausgetragen werden. War das zu viel verlangt? Wenn man im DSB Vorschläge macht, reagieren manche Leute schon extrem allergisch. Eins von vielen Beispielen war mein Vorschlag, eine Frau ins Präsidium zu holen. Schon das war zu viel und hat heftigste Reaktionen hervorgerufen. Klar bin ich sehr temperamentvoll, da konnte auch mal eine Überreaktion kommen. Dazu stehe ich.
Und noch etwas: Ich bin ganz sicher ein Teamplayer. Wer solche Vorwürfe übernimmt, sollte zuallererst prüfen, um es sich nicht um Projektionen handelt. Solche Vorwürfe kommen nämlich in der Regel von Leuten, die selber nicht teamfähig sind oder mich aus irgendwelchen Gründen bekämpfen. Aber auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Das mit dem autoritären Ton weise ich klar zurück, aber meine Ansprüche sind wohl zu hoch. Deshalb werde ich künftig nur noch mit Leuten zusammenarbeiten, die ein Mindestniveau halten.

Krennwurzn:
Wenig delegieren, vieles selbst machen ist sicherlich kein optimaler Führungsstil, denn es entzieht den anderen u.a. das Vertrauen Arbeiten selbstständig erledigen zu können. Die Frauenquote im Schach ist ultragrottig, aber dieses Problem geht in den Männerklubs unter – vielleicht kommen wir später noch auf dieses Thema zu sprechen. Die Causa „Nationalmannschaft“ erinnert mich ein wenig an die negativen Auswirkungen von Cordoba auf den österreichischen Fußball. Der EM-Titel deckte Konflikte zu und schürte die Hoffnung nun dauerhaft mit den „großen Jungs“ mitspielen zu können und da sich dies nicht erfüllte – Klammer erfüllen konnte, brachen dann die Konflikte brutal auf. Hier wurden Erwartungen enttäuscht und Hoffnungen geweckt, die unrealistisch waren – hätte hier nicht ein DSB Präsident die Fallhöhe zwischen Wunsch und Realität etwas reduzieren sollen?

Bastian:
Klar ist viel delegieren, wenig selber machen der bessere Stil. So schlau bin ich auch. Im DSB arbeiten alle Referenten sehr selbstständig und sie machen gute Arbeit, aber sie machen am liebsten ihre eigene Arbeit, und das ist die Crux. Aufträge nehmen sie weniger gerne entgegen, und das gilt auch für die Hauptamtlichen. Und da ich nicht gerne autoritär auftrete – auch wenn das nicht zutreffende Gegenteil behauptet wird – ziehe ich oft das konfliktfreiere und schnellere Selbermachen vor.
Wenn wir nun auf die Verantwortung des DSB-Präsidenten kommen, möchte ich zuerst die von der Satzung verordnete Impotenz der von der Öffentlichkeit erwarteten Omnipotenz gegenüberstellen. Für den Sport ist der Vizepräsident Sport in Verbindung mit dem Leistungssportreferenten zuständig. Der Präsident hat da erst mal gar nichts zu melden, was ich für eine krasse Fehlkonstruktion halte. Mir gegenüber wurde es damit begründet, dass ja auch mal ein Präsident kommen könne, der nichts vom Spitzenschach versteht. Vielleicht habe ich den Fehler gemacht, mich nach außen immer vor meine Vizepräsidenten zu stellen, aber so habe ich nun einmal Führung gelernt. Ich bin nicht der Typ, der andere opfert, wenn Fehler passieren.

Krennwurzn:
Welche Fehler sind im Leistungssport passiert? Oder sind da in Wirklichkeit nur unerfüllbare Träume geplatzt – wie oben schon angemerkt?

Bastian:
Darauf muss ich länger antworten. Arkadij Naiditsch und Klaus Deventer (damals Referent für Leistungssport) waren unversöhnlich zerstritten. Dann hat Arkadij unseren Sponsor mit seinem Verhalten in Tromsø dermaßen verärgert, dass dieser jegliche weitere Förderung von ihm abgelehnt hat. Damit war unser bester Spieler und Zugpferd draußen. Von mir verlangte Arkadij 30.000,- € jährliche Sonderzahlung, damit er auf den Föderationswechsel verzichtet, was wir unmöglich leisten konnten. Diese Dinge liegen in Arkadijs Charakter begründet und sind aus meiner Sicht keine Fehler des DSB. Immerhin ist es in vielen Sitzungen 2011 gelungen, die zerstrittenen Nationalmannschaften wieder zu vereinigen, und wir fanden dank Uwe Bönsch mit UKA einen zuverlässigen Sponsor, was die Spieler mit dem Gewinn des Europameistertitels belohnt haben.
Der Leistungssport ist im DSB mittlerweile ein Stiefkind. Die Nationalmannschaften sind dem Vizepräsidenten Sport zugeordnet, der unter anderem noch die Senioren, die Frauen und den Ausbildungsbereich mitbetreut. Wie sollen bei dieser Auslastung neue Ideen reifen? Ich habe immer vergeblich gefordert, dass die Nationalmannschaften enger dem Präsidium zugeordnet werden. Die Aufstellungen habe ich manchmal von unserer Webseite erfahren, und mein Wunsch, dass das Präsidium zuerst informiert werden solle, damit es sich vor Veröffentlichung eine Meinung bilden kann, wurde abgewiesen. Ein Präsidiumsmitglied war z.B. strikt dagegen, weil es der Meinung war, vom Spitzenschach keine Ahnung zu haben. Was zumindest teilweise umgesetzt werden konnte, waren die Kooperationen mit Dortmund, Baden-Baden, Dresden und Erfurt. Dadurch kamen unsere Spitzenspieler und Spitzenspielerinnen wieder mehr in Kontakt mit der Weltspitze. Für die kommende Periode hatte ich einen Ausbau dieser Kooperationen und grundlegende Reformen im Leistungssport geplant.
Der Kongress hat nun ein Schulschachpräsidium eingesetzt. Ob das das richtige Signal an junge Spielerinnen und Spieler ist, sich dem Leistungssport zu widmen, wage ich zu bezweifeln. Da muss dringend nachgebessert werden. Was bleiben wird ist die positive Entwicklung im Frauenschach.
Letztlich müssen wir aber zugeben, dass der Deutsche Schachbund derzeit nicht das schachliche Niveau hat, um sich in der Weltspitze zu etablieren. Und wenn man die Abläufe auf dem letzten Kongress betrachtet, muss man heilfroh sein, wenn es nicht noch weiter abwärts gehen wird.

Krennwurzn:
Stehen wir da nicht vor einem Dilemma? Einerseits brauchen wir eine Wohlfühlzone im Schach damit die Kinder langfristig beim Schach bleiben und anderseits bräuchten wir eine spitzensportliche Brutalität in der Förderung um international mithalten zu können. Spitzenkarrieren fangen heute immer früher an und wer mit 18 Jahren die 2700 nicht erreicht, aus dem wird kein Topspieler mehr. Sollten wir unsere Förderrichtlinien Spitzensport nicht daraufhin ausrichten, um nicht Geld an Spieler zu verbrennen, die sowieso keine Chance mehr haben dürften?

Bastian:
Ich sehe das nicht als ein Dilemma an, sondern als eine Frage geschickter Aufgabenteilung, und die gibt es längst. Für die Wohlfühlzonen außerhalb der häuslichen Rechner müssen die Vereine sorgen. Unterstützt werden sie mit solchen Highlights wie die DJEM, die DSAM, die vielen Schulschachturniere, die Vereinskonferenzen, die Schulschachkongresse, die Mädchen- und Frauenschachkongresse, die Ländermeisterschaften, die Bezirks- und Verbandsturniere usw. Überall wachsen wir in den letzten Jahren, so ist z.B. die Zahl der Open-Turniere in Deutschland von 2012 bis 2016 von 331 auf 481 gestiegen. Oder die Rekorde beim Alsteruferturnier und in Karlsruhe. Im Spitzenschach stehen Reformen an, das ist für mich klar. Druck kommt ja auch vom Innenministerium und vom DSB. Umso unverständlicher ist für mich die Zusammensetzung des neuen Präsidiums angesichts der drohenden Forderungen von außen. Können wir uns überhaupt sicher sein, dass Weltklasseschach noch ein Ziel im Deutschen Schachbund ist? Oder haben wir schon resigniert? Der schon lange geforderte „Masterplan“ ist bisher von den Verantwortlichen im Bereich Leistungssport nicht vorgelegt worden. Hoffentlich kommt er jetzt und gibt eine Antwort auf die gestellte Frage.

Krennwurzn:
Welche Chancen bzw. Aufgaben wird der DSB nicht wahren können, weil Herbert Bastian als Präsident abgewählt wurde?

Bastian:
Dem DSB ist mit meiner Abwahl keine Chance verloren gegangen, und er wird alle Aufgaben wahren können. Man muss sich nur ein bisschen anstrengen. Ich bin sicher, dass der Verband verwaltungstechnisch dank Ralf Chadt-Rausch und Uwe Bönsch in den letzten zwanzig Jahren noch nie in einem vergleichbar guten Zustand war, und dieses Präsidium hat die beste Bilanz vorgelegt, an die ich mich erinnern kann. Daran ändert die Tatsache nichts, dass es mit meinem schlechtesten Wahlergebnis quittiert wurde. Ob ich an irgendeiner Stelle vermisst werde, wird sich zeigen, immerhin war ich seit 1992 durchgehend als Funktionär auf Bundesebene präsent, und da haben sich auch vielerorts Freundschaften entwickelt.

Krennwurzn:
Kommen wir aufs internationale Parkett – unter Ihrer Präsidentschaft hat es ja einen Schwenk in Richtung Kirsan Ilyumzhinov gegeben und Deutschland hat dafür wieder einen FIDE Vizepräsidenten bekommen. War das eine richtige Entscheidung und bleiben Sie FIDE Vizepräsident oder geht das Amt automatisch auf Ihren Nachfolger über?

Bastian:
Hier muss ich Einiges richtigstellen. Unter mir gab es keinen Schwenk Richtung Ilyumshinov, sondern die Entscheidung dafür, wieder mit der FIDE-Führung zusammenzuarbeiten, anstatt gegen sie zu arbeiten. Der unselige Streit 2010 vorm CAS hat die FIDE fast 1,5 Millionen Euro gekostet, und das alles nur für die Ego-Pflege gewisser Leute ohne ein brauchbares Ergebnis für den Schachsport. Was hätte man mit dem Geld alles Sinnvolle anfangen können! Mein Engagement gilt dem Schachsport, nicht einer Person. Gleichwohl respektiere ich das, was Kirsan Ilyumshinov für das Schach geleistet hat, und persönlich habe ich mit ihm nur die besten Erfahrungen gemacht. Ich bilde mir immer ein persönliches Urteil über Menschen und beteilige mich nicht an Treibjagden, wie ich sie jetzt am eigenen Leib erlebt habe. Was Kirsan Ilyumshinov ansonsten vorgeworfen wird, kann ich nicht beurteilen, das überlasse ich der Justiz.
Es ist falsch, dass Deutschland den Vizepräsidenten für den Schwenk bekommen hat. Richtig ist, dass der Deutsche Schachbund von der FIDE als einer der wichtigsten nationalen Verbände angesehen wird, mit dem man kooperieren will. Ein Tauschgeschäft gab es nicht. Meine Entscheidung, für eine Kandidatur bereit zu stehen, fiel erst nach dem eindeutigen Wahlergebnis zugunsten von Ilyumshinov. Unabhängig vom Vizepräsidenten hätte ich auf jeden Fall eine rasche Aussöhnung mit der FIDE angestrebt, weil ich Kooperation für richtig halte, und deshalb halte ich meine Entscheidung nach wie vor für richtig.
Nach den Ereignissen in Linstow habe ich der FIDE meinen sofortigen Rücktritt angeboten. Mir wurde jedoch gesagt, dass meine Wahl in Tromsø primär eine Personenwahl war und nicht die Wahl eines Vertreters des Deutschen Schachbundes. Und ich wurde gebeten, im Amt zu bleiben, was ich folglich bis zu den planmäßigen Wahlen 2018 tun werde. Im Presidential Board der FIDE vertrete ich den Schachsport in Deutschland, nicht das Präsidium des Deutschen Schachbundes. Da ist immer noch ein Unterschied, und man traut mir das in der FIDE zu. Sehr gerne hätte ich im Lasker-Jahr 2018 die Weltmeisterschaft oder das Kandidatenturnier nach Deutschland geholt und stand kurz vorm Erfolg. Ob das jetzt noch klappen wird, weiß ich nicht. Hier scheint das ja auch die Mehrheit nicht zu wollen.

 Ob das jetzt noch klappen wird, weiß ich nicht. Hier scheint das ja auch die Mehrheit nicht zu wollen.

Krennwurzn:
Die Mehrheit fürchtet da wohl die Kosten – nebenbei gibt es ja bei der Vermarktung via AGON das alte Problemfeld, dass die Kosten für Liveübertragungen schwer via Werbung finanziert werden können, weil man – ebenfalls aus gutem Grunde – nicht exklusiv übertragen kann. Hier müssten die Verbände die Interessen der Schachspieler (freier Zugang zu Übertragungen) UND die Interessen der Veranstalter (Einnahmen via Werbung) in Einklang bringen können – ich sag’s ehrlich: mir fällt da keine Lösung ein, aber der aktuelle Zustand mit „Piratenübertragungen“ und Klagen ist sicherlich nicht gut fürs Schach.

Bastian:
Die Blitz- und Schnellschach-WM in Berlin wurde von AGON finanziert, beim DSB entstanden ca. 3.500,- € Kosten für Reisen und Hotel unserer beteiligten Mitarbeiter und Funktionäre. Auch das Kandidatenturnier würde von AGON finanziert werden.

Krennwurzn:
Die Leute fürchten ja DRESDEN 2008 - die Olympiade ...

Bastian:
Die Olympiade 2008 in Dresden hat doch den DSB nur das gekostet, was im damaligen Olympiaausschuss freiwillig für Begleitmaßnahmen verbraten wurde (Sternfahrten, Olympiamagazin, Partnerschulen usw.). Das entstandene Defizit bei der Olympiade selber wurde von der Stadt Dresden übernommen. Und heute werden WM und CT von AGON finanziert. Sobald bezahlte Spieler antreten, handelt es sich um wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Beitragsgelder dürfen a priori gar nicht in solche Veranstaltungen fließen, das würde die Gemeinnützigkeit kosten.

Krennwurzn:
Die Finanzierung durch AGON könnte ja wackeln, da die Einnahmen aus den Übertragungsrechten nicht den Erwartungen entsprechen könnten. Gerüchteweise könnte der „Rücktritt“ von Kirsan Ilyumshinov im März dieses Jahres mit ausstehenden Zahlungen aus diesem Kontrakt in Zusammenhang stehen.

Bastian:
Hier kann ich in keinem Punkt widersprechen. Das wäre dann das Problem von AGON, nicht des Deutschen Schachbundes.

Krennwurzn:
Ein großes Anliegen war Ihnen das „Lasker Jahr 2018“ – mal ganz ehrlich gefragt: interessiert das heute noch jemanden wirklich? Nicht weil ich ein großer Geschichtsignorant wäre frage ich, sondern weil hier in Österreich Steinitz fast ein Unbekannter ist und es in Wien gerade mal seit seinem 110. Todestag einen Steinitzsteg gibt, den viele namentlich nicht kennen.

Bastian:
Das Lasker-Jahr ist ein Ansatz, im Deutschen Schachbund das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und die Vereine zu besonderen Anstrengungen zu motivieren. Wir haben sehr früh damit angefangen, und inzwischen habe ich das Gefühl, dass der Gedanke angekommen ist. Der Kongress hat Finanzmittel in Höhe von 20.000,- € für Aktionen bewilligt, was ich für sensationell halte. Die nun Verantwortlichen haben versprochen, das Jahr zu einem Erfolg für den Deutschen Schachbund zu machen. Mehr kann ich mir nicht wünschen. Einen sehr umfangreichen Ideenpool habe ich vorgelegt, der sicher durch die DSJ und andere noch weiter angereichert wird. Die Jubiläen der Solinger SG und des SC Bamberg, beide 1868 gegründet, sowie das umfangreiche Programm der Lasker-Gesellschaft sollen idealerweise mit eingebunden werden. Mal ehrlich, ist das nicht eine supergute Chance für den Schachsport?

Krennwurzn:
Ganz ehrlich – mir ist das zu romantisch ;-)

Bastian:
Ein bisschen Romantik kann dem Schachsport doch nicht schaden …

Krennwurzn:
Ein Problem der Schachwelt ist meiner Meinung nach, dass es zu einer Art Aufspaltung kommt: da die Spieler in der Komfortzone Internet und Turniere und dort die Funktionäre in ihrer Regel- und Schachpolitwelt und da es noch erträglich läuft, entfernt man sich dennoch immer weiter voneinander – ist da ein Crash nicht vorprogrammiert?

Bastian:
Gute Frage, auf die ich keine Antwort habe. Aber ich habe die Hoffnung, dass die Menschen immer häufiger merken werden, welche Energie sie aus der persönlichen Begegnung auf den großen Events schöpfen können, wie zuletzt die zentrale Bundesligaendrunde in Berlin. Ich konnte dort in zwei Tagen als DSB-Präsident mehr zukunftsweisende Gespräche führen als sonst über das ganze Jahr aufsummiert. Und neue Freundschaften erschließen, auch zu Personen, die mich bis dato im Internet nur angegiftet haben.

Krennwurzn:
Zum Abschluss – was bleibt von der Ära Bastian als DSB-Präsident?

Bastian:
Das müssen andere beurteilen.

Krennwurzn:
Klar, aber mich interessiert die Eigeneinschätzung!

Bastian:
Okay: Es bleibt die nicht mehr abzuwehrende Einsicht, dass die Frauen in der Zukunft zum Schachsport gleichwertig dazugehören werden.

Krennwurzn:
Wie geht es mit dem Funktionär Herbert Bastian weiter? Oder starten Sie in der Pension und ohne Funktionärsbelastung noch einen Angriff auf den GM-Titel? Erster deutscher Seniorenweltmeister …

Bastian:
Ob ich meinen Kopf nach dem Stress der letzten Wochen wieder soweit zum Funktionieren bringen kann, dass ich nochmal an das Niveau über Elo 2000 herankomme, bezweifle ich momentan. Aktuell arbeite ich an der Übersetzung eines Schachbuches aus dem 18. Jahrhundert, das lastet mich erst mal aus. Ob es 2018 in der FIDE weitergehen wird, ist eine weitere Option. Mir schwebt da ein weiteres schachhistorisches Projekt vor, das ich aber nur anpacken werde, wenn die Rahmenbedingungen stimmig gemacht werden können und ich mir den Start kräftemäßig noch zutraue.

Krennwurzn:
2000 Elo reichen ja noch locker zum „Krennwurzn Stechen“ – vielen Dank für das Gespräch und Alles Gute in den nächsten Jahren!!

Bastian:
Herzlichen Dank.

DSB- und nunmehr FIDE-Vizepräsident Herbert Bastian (rechts) mit dem norwegischen Schachpräsidenten JJ Aulin
Freigegeben in Blog
Mittwoch, 13 August 2014 00:00

Ein deutscher Erfolg in Tromsö?

Die deutschen Damen spielen am Donnerstag bei der Schacholympiade gegen die Georgierinnen überraschend (und mit etwas Glück) um eine Medaille, die Männer nach der ersten Niederlage gegen Indien nur noch um eine vorzeigbare Platzierung. Auch schachpolitisch läuft es gemischt in Tromsö. Der DSB-Kandidat für die FIDE-Präsidentschaft, angeblich Kroate mit Wohnsitz in den USA, ist deutlich durchgefallen. Auch das Europaticket, in dem der langjährige DSB-Generalsekretär Horst Metzing antrat, zeigte sich chancenlos. Metzing verzichtete danach auf eine Kandidatur für einen der frei zu wählenden Vorstandsposten (obwohl er sicher gewählt worden wäre).

An diesem Mittwoch wurde DSB-Präsident Herbert Bastian als Kandidat für einen von fünf Vizepräsidentenposten nominiert. Und zwar von Griechenland und der Schweiz, die auf Iljumschinow-Linie stehen. Wer ihn nominiere, sei doch nur eine Formsache, sagt Bastian dazu. Im Kasparow-Lager, wo man ihn nach dem enttäuschenden Ergebnis für einen der Umfaller hält, wird es wohl anders ankommen. Vor der FIDE-Wahl sei er von beiden Seiten bearbeitet worden, sagt Bastian und versichert: Versprochen oder gar angenommen habe er aber nichts. Auch nicht für die Vizepräsidenschaft, für die er sich in der Vollversammlung im zweiten Wahlgang gegen sechs weitere Kandidaten und Kandidatinnen durchsetzte. Im FIDE-Vorstand, das sich vierteljährlich für ein langes Wochenende irgendwo auf der Welt zusammenfindet, will er die Interessen des deutschen Schachs vertreten. Dabei wisse er und erwarte, dass es natürlich Diskussionen auslöse, wenn er in den Vorstand einer zuhause als korrupt verschrieenen Organisation gehe.

Der Duracell - Mann
Freigegeben in Blog
Samstag, 09 Juli 2011 18:13

Der unendlich Verlängerte

„Sein Name war Wowbagger der Unendlich Verlängerte. Er war ein Mann mit Vorsätzen. Nicht sehr guten Vorsätzen, wie er als erster zuzugeben bereit gewesen wäre, aber es waren wenigstens Vorsätze, und sie hielten ihn wenigstens in Trab. Wowbagger der Unendlich Verlängerte war - das heißt, ist einer der ganz wenigen Unsterblichen im Universum. Diejenigen, die unsterblich geboren werden, wissen instinktiv, wie sie damit fertig werden, aber Wowbagger gehörte nicht zu ihnen. Im Grunde hasste er sie inzwischen, dieses Rudel heitergelassener Arschlöcher.“ (Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis, 1980).

Herbert_Bastian_DEM_2006


Der Präse sammelt fleißig Punkte. Bei mir. Aber das will nichts heißen, ich hatte ihm das eh zugetraut. Wir kennen uns seit 22 Jahren. 19 davon als Präsident des saarländischen Schachverbandes, sehr viele der Jahre alsLandesmeister (20 Titel), acht Jahre darunter in der Zusammenarbeit im saarländischen Präsidium und sechs der 22 Jahre in seiner Rolle im Arbeitskreis der Landesverbände.

Wie oft ich an seiner Stelle den Griffel hingelegt und aufgegeben hätte, kann ich gar nicht mehr zählen. Der Mann ist schier unverwüstlich, voller Energie, gibt niemals auf - und wiederholt beherzt seine Fehler.

Das macht ihn zu einem unendlich Verlängerten. Im saarländischen Präsidium reichte es bisher nie, in den Landesmeisterschaften selten für einen Konkurrenten. Bastian arbeitet einfach alles weg.


Im derzeitlichen Neuanfangen, Interviewen, Sortieren und Ordnen geht einem leicht der Blick fürs Wesentliche verloren. Vor allem wenn man in seiner Sicht der Dinge so fest verstrickt ist, dass einem kaum Raum zum Reflektieren bleibt. Der neugewählte Präsident des DSB hat in den letzten Wochen zwei sehr bemerkenswerte Interviews und ein Statement zum Status Quo auf der DSB-Seite hinterlassen, in denen es außerordentlich deutliche Aussagen gab. Hier ist der Textmarker:


Am 14. Juni veröffentlichte die Deutsche Schachjugend auf ihren Internetseiten ein Interview während der Jugend-Meisterschaften in Oberhof. Dort antwortet Bastian auf die Frage der Zusammenarbeit zwischen DSJ und DSB: „Wir wissen alle, dass es in der Vergangenheit Spannungen zwischen der DSJ bzw. Jörg Schulz und DSB-Funktionären gab. Unser ausgeschiedener Präsident hat schon auf dem Kongress in Bonn gesagt, dass er die Stirn nicht in Falten legt, wenn er den Namen Jörg Schulz hört, und so sehe ich es auch. An dieser Front muss endlich Ruhe einkehren…“

Herbert_Bastian_Ralph_Alt_Klaus_Gohde

Die Betonung liegt hier auf „Alle“ in „Wir wissen alle…“ . Nein, es wissen eben nicht alle und es gehört Mut dazu,  dies einfach mal auszuplaudern. Der Berufsjugendliche und DSJ-Geschäftsführer Schulz, zugleich  stellvertretender Geschäftsführer im DSB, hat es sich über die vielen Jahre seines Wirkens mit so vielen  verdorben, dass ich es für ein Paradoxon halte, dass der Mann überhaupt noch mitmachen darf.

Genau  genommen fällt es mir schwer zu glauben, dass es auch nur einen einzigen gibt, der mit ihm auskommt – mal  abgesehen von DSJ-Funktionären, die von seiner Machtfülle profitieren und damit im Abhängigkeitsverhältnis  stehen. Denn Schulz zieht nicht nur seit Ewigkeiten die Fäden beim DSB und der DSJ, er ist auch in Dutzenden  anderer Funktionen ausgezeichnet vernetzt. Nachfolger von Horst Metzing als Geschäftsführer wird er  indessen nicht werden – dort strebt jetzt der umtriebige Schatzmeister Michael Langer hin, nachdem  zwischenzeitlich der Bundestrainer im Gespräch war.

Dass solch ein Satz mit dem Namen Schulz überhaupt mal ausgesprochen wird, war bisher fernab jeder  Realität. Dazu muss man wissen, dass im DSB zwar von jeher kreuz und quer intrigiert und übel nachgeredet  wird, dies aber nie öffentlich. Selbst der Autor dieser Zeilen hielt sich an den Ehrenkodex, so lange er im Amt war.

Herbert_Bastian_Wiessee_2007


Zur Frage nach dem neuen Partner Honorar Konzept antwortet Bastian: „Den Vertrag kenne ich noch nicht im Detail“. Auch dazu gehört Mut – und das meine ich durchweg positiv. Meine Gegenfrage würde lauten: „Wer kennt den Vertrag überhaupt“? In meiner Zeit als Referent im Deutschen Schulz Schachbund gab es außer den üblichen Allgemeinfloskeln und Presseerklärungen keine Auskunft. Aber es muss ein verdammt mächtiger Vertrag sein, wenn eine Partnershipfolie so aussieht wie hier unten. Reden wir von Hunderttausenden Euros?:

Sponsorenwand


Im Schachmagazin 64 sagt Bastian, er begrüße die Wahl von Weizsäckers zum  Ehrenpräsidenten, hat aber „trotzdem volles Verständnis dafür, dass eine  solche Entscheidung langjährig verdiente Funktionäre durchaus irritieren kann“.  Betrachtet man rückwirkend den Verlauf des Bundeskongresses in Bonn und  kennt man den Unterschied im Umgang der DSB-Funktionäre miteinander (wer  Macht hat wird beachtet, wer keine hat ignoriert) – dann wird diesen scheinbar  nebenbei ausgesprochenen Worten eine weisheitliche Würde zuteil, wie sie  ihresgleichen sucht. So bricht Bastian auch in anderen Textstellen mit Tabus,  die bisher kaum definiert waren.

Zum Beispiel einfach mal auszusprechen,  dass sich die Topspieler „bei öffentlichen Äußerungen benehmen müssen“, ist  gleichermaßen profan wie absolut notwendig.

Der Neugewählte ist auch auf der DSB-Internetseite ein Mannschaftsspieler. Keiner der drei letzten Präsidenten  (Schlya, Kribben, Weyer – Weizsäcker war ja de facto untätig und hat das Führen des Verbandes seinen  Stellvertretern überlassen) hat es geschafft, einmal das zu unterstreichen was bisher geleistet wurde und wie  diese Lücken zu füllen sind. Im Artikel vom 01. Juli analysiert Bastian die Spuren, die von den ausscheidenden  Präsidiumsmitgliedern hinterlassen wurden.

Herbert_Bastian_Siegerehrung_SEM_2004_2

Und zwar überlegt, deutlich, genau und wahrheitsgemäß. Auch hier  stehen überraschend klare Aussagen, auch wenn zu beobachten ist, dass kritische Worte erst nach unten gelesen  zunehmen und oben an der Pyramidenspitze eher mal was Schlagsahne obenauf liegt, die da nicht hingehört.

Der Mann spricht in aller Regel aus, was er denkt. Dafür wird er im DSB noch viele Ohrfeigen kassieren. Das ist aber  immer noch besser, als die Versuche sich wie ein Klon eines aalglatten Politikers zu präsentieren. Die Wetten stehen  gut, dass der unendlich Verlängerte durchhält. Quod erat demonstrandum? Demnächst in diesem Theater…

Dr. Hans-Jürgen Weyer
Freigegeben in Blog
Leser dieses Blogs wussten um Dr. Hans-Jürgen Weyers Kandidatur für den Vorsitz des Deutschen Schachbundes, bevor der Aachener sich offiziell erklärt hatte. Noch immer ist der Geschäftsführer des Berufsverbands der deutschen Geologen und seit zehn Jahren amtierende Präsident des größten deutschen Landesverbands NRW der einzige offizielle Anwärter für die Nachfolge von Robert von Weizsäcker. Eine Kandidatur aus den Reihen des Arbeitskreises der Landesverbände gilt indessen als sehr wahrscheinlich und dass es der Wortführer (und saarländische Verbandschef) Herbert Bastian sein wird, als wahrscheinlichste Lösung. Auch Harald Ballo, der Präsident des Hessischen Verbands und Michael Langer, bisher wie Weyer Vizepräsident, sind derzeit dabei, ihre Chancen als mögliche Kompromisskandidaten zu bewerten. Gut drei Monate vor der Abstimmung beim DSB-Kongress in Bonn und wenige Tage vor einem weiteren Treffen zwischen der DSB-Spitze und den deutschen Spitzenspielern beantwortete Weyer der Schach-Welt einige Fragen per E-Mail.  

Schach-Welt:
Wann und unter welchen Umständen haben Sie zum ersten Mal daran gedacht, dass Sie eines Tages an der Spitze des DSB stehen wollen?
Weyer: Für mich stand das Thema einer möglichen Kandidatur erstmals an, als Professor von Weizsäcker dem DSB-Präsidium seinen Rückzug ankündigte. Das war Ende September letzten Jahres. Im November hat Herr von Weizsäcker seine Entscheidung dem Hauptausschuss mitgeteilt. Auf dieser Sitzung habe ich dann verabredungsgemäß meine Kandidatur bekannt gegeben. In der Zeit von September bis November habe ich gründlich überlegt und mich beraten, ob ich diesen nicht leichten Schritt tun soll.

Schach-Welt: Beschreiben Sie bitte, was Sie an für diese Position relevanter Führungserfahrung und –qualitäten mitbringen!
Weyer: Es ist immer schwierig, die eigenen Qualitäten zu bewerten. Ich möchte in Beantwortung Ihrer Frage folgende Punkte anführen. Seit langen Jahren bin ich Geschäftsführer des Berufsverbandes der Geologen mit Sitz in Bonn. Hier trage ich Personal- und Führungsveranwortung, organisiere Veranstaltungen und bin gewohnt, mich in Gremien zu bewegen und diese zu leiten. Ich habe bundesweite Kompetenz und bin manchmal auch auf europäischer Ebene unterwegs. Wichtig ist vielleicht noch die Tatsache, dass ich meine Termine weitgehend selbst setzen kann.Als Präsident des größten Landesverbandes habe ich viele Erfahrungen im Umgang mit der Schachorganisation der verschiedenen Ebenen, dem Führen von Gremien und dem Repräsentieren des Schachsportes und der Schachorganisation gesammelt. Auch hier trage ich Personalverantwortung. Dass der Schachbund NRW vergleichsweise gut dar steht, ist aber keineswegs nur mein Erfolg. Dem Schachbund NRW standen und stehen im Präsidium und im geschäftsführenden Präsidium gute Fachleute zur Verfügung, denen ich zu großem Dank verpflichtet bin. Aber solche Leute zu gewinnen und zu halten, ist ja durchaus auch positiv zu bewerten.

Schach-Welt: Kennengelernt habe ich Sie 2001 als einen anpackenden Landesverbandspräsidenten, der für Aufbruch stand. Inzwischen haben Sie ein anderes Image. Haben Sie sich geändert oder ist es die Perspektive der Urteilenden?
Weyer: Diese Einschätzung kenne ich nur von Ihnen, Herrn Löffler, gelesen auf diesem Blog. In NRW ist mir diese Einschätzung noch nicht begegnet. Ich möchte meine Amtszeit sehr wohl als erfolgreich betrachten und bin etwas Stolz auf die Tatsache, dass ich in den zehn Jahren meiner Präsidentschaft bei Wahlen noch nie auch nur eine einzige Gegenstimme erhalten habe. Es ist so, dass zu Beginn meiner Amtszeit mehr schwierige Entscheidungen zu treffen waren, als es jetzt der Fall ist. Es ist mir auch bei schwierigen Entscheidungen gelungen, den NRW-Kongress zu überzeugen, so dass auch derartige Entscheidungen letztlich glatt getroffen werden konnten. Zuletzt beispielsweise die Anti-Doping-Regelung auf Landesebene, die anderswo heftig umstritten war. Von „weniger Aufbruch“ kann daher keine Rede sein, höchstens von mehr ruhiger und kontinuierlicher Entwicklung.

Schach-Welt:
In der zu Ende gehenden Amtsperiode von Robert von Weizsäcker 2009-2011 waren Sie der zweite Mann im DSB und für vieles verantwortlich. Wie beurteilen Sie das Erreichte?
Weyer: Auf dem DSB-Kongress 2009 in Zeulenroda, wo ich zum DSB-Vizepräsidenten gewählt wurde, sind einige wichtige Entscheidungen getroffen worden. So wurde beispielsweise eine Strukturreform beschlossen, die sich erst einmal bewähren musste. Unter diesen Vorzeichen haben wir sehr wohl viel erreicht. Die Anti-Doping-Regelung greift, die finanzielle Situation verbessert sich, das verkleinerte Präsidium steht in engem Kontakt und arbeitet vertrauensvoll zusammen. Auch im Breitensport sind zusätzliche Aktivitäten erfolgt. Allerdings leugne ich nicht, dass es Baustellen gibt, die wir aber intensiv bearbeiten.

Schach-Welt: Herr von Weizsäcker zeigte sich bei der Hauptausschusssitzung des DSB in Gladenbach im November demonstrativ erstaunt, als Sie bei der Erklärung Ihrer Kandidatur seine Unterstützung reklamierten. Wann hat der scheidende Präsident Ihnen seine Unterstützung denn zugesagt?
Weyer: Da Sie, Herr Löffler, auf der Hauptausschuss-Sitzung nicht anwesend waren, müssen sich Ihre Behauptungen in diesem Fall – wie in anderen Fällen auch – auf Informationen Dritter stützen. Ihr Informant scheint Sie aber recht subjektiv zu versorgen. Denn demonstratives Erstaunen habe ich nun wirklich nicht bemerken können. Herr von Weizsäcker und ich stehen – soweit möglich – in engem Kontakt. Ich gehe davon aus, dass er sich nicht aktiv in einen möglichen Wahlkampf einmischen, sondern die gebotene Neutralität wahren wird. Seine Unterstützung – jetzt und in Zukunft – hat er mir aber von Anfang an zugesagt. Schließlich hat er mich vor zwei Jahren auch aufgefordert, als sein Stellvertreter zu kandidieren.

Schach-Welt:
Sie sprachen außerdem von der Unterstützung der beiden anderen Vizepräsidenten Hochgräfe und Langer, der nun aber selbst als Kandidat gehandelt wird. Wie sicher sind Sie sich der beiden?
Weyer: Ich gehe davon aus, dass Professor Hans-Jürgen Hochgräfe als Vizepräsident Sport und Michael Langer als Vizepräsident Finanzen kandidieren werden. Zumindest ist dies so in allen bisherigen Gesprächen geäußert worden.

Schach-Welt: Sie haben dem Deep Chess-Team, das einmal für seine frechen, unkonventionellen Beiträge bekannt war, kürzlich ein auf Video aufgezeichnetes Interview gegeben. Entsprach die Qualität der Fragen Ihren Erwartungen?
Weyer: Das Interview war insgesamt etwa doppelt so lange, als wie es nachher gesendet wurde. Ich habe die veröffentlichte Version vorher zur Kenntnis und zur Zustimmung erhalten, aber keinen Einfluss darauf genommen, welche Teile herausgenommen wurden und welche im Video verblieben sind. Die Qualität der Fragen (und die der Antworten) mögen die Zuschauer beurteilen. Das DC-Team hat mich fair und korrekt behandelt, die Atmosphäre habe ich als sehr angenehm empfunden.

Schach-Welt: Der interessanteste Moment in diesem Interview war für mich, als Sie den Mann, der 2009 gegen Robert von Weizsäcker kandidierte und dieses Jahr als Ihr aussichtsreichster (wenn auch bisher nicht erklärter) Gegenkandidat gilt, nicht beim Namen nannten. Was haben Sie gegen Herbert Bastian?
Weyer: Schade, dass Sie ausgerechnet diesen Punkt als interessantesten Moment betrachten. Dass ich Herbert Bastian nicht mit Namen genannt habe, ist einzig und allein darauf zurückzuführen, dass zu diesem Zeitpunkt keine weitere Kandidatur bekannt war. Ich kenne Herbert Bastian seit vielen Jahren und schätze sein schachliches Engagement außerordentlich.

Schach-Welt: Können Sie die inhaltlichen Punkte benennen, in denen Sie und Herr Bastian sich voneinander unterscheiden?
Weyer: Zwischen Herbert Bastian und mir gibt es gewiss inhaltliche Unterschiede, wie auch im Temperament und in der Art der Vorgehensweise. Wenn ich jetzt einige nennen wollte, wäre das eine subjektive Auswahl, die ich an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt nicht machen möchte. In der Bewertung der aktuellen Situation sind wir aber gar nicht so weit auseinander.

Schach-Welt: Welche Schwerpunkte planen Sie im Falle Ihrer Wahl bis 2013 zu setzen?
Weyer: Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die ich gerne in Angriff nehmen will. Ich kann das hier nicht alles aufzählen. So müssen wir die Deutsche Einzelmeisterschaft erneuern und gleichzeitig Akzente im Breitensport setzen. Eine Sache ist mir aber wichtig und sollte hier erwähnt werden: Ich strebe an, die Landesverbände deutlich stärker in die Arbeit für das Schach in Deutschland einzubeziehen und auch in Verantwortung zu nehmen. Denn auch was in den Landesverbänden geschieht, ist repräsentativ für das Schach in Deutschland. Ich werde darauf hinarbeiten, dass die Gemeinsamkeiten stärker in den Vordergrund der täglichen Arbeit gerückt werden. Denn der Deutsche Schachbund braucht die Landesverbände, und die Landesverbände brauchen den Deutschen Schachbund. Bisher zeigten die Landesverbände sehr intensiv Interesse an der Arbeit des DSB und der DSB zu wenig Interesse an dem, was in den Landesverbänden geschieht. Bereits im März werden wir den Landesverbänden einen bereits angekündigten Katalog von Projekten vorschlagen, die im Breitensport geeignet sind, Mitglieder zu gewinnen und Aufmerksamkeit zu erreichen. Das soll ein Beispiel für zukünftige gemeinsame Projekte sein.

Schach-Welt:
In welchen Bereichen möchten Sie trotz der schwierigen Finanzlage investieren?
Weyer: Die Antwort „In den Leistungssport und in den Breitensport“ sagt wohl zu wenig aus. Dennoch ist es so. Und auch an dieser Stelle: Alles, was wir tun, muss der Mitgliederbindung und der Mitgliedergewinnung dienen. Hier dürfen auch Investitionen nicht gescheut werden.

Schach-Welt: Was planen Sie, um die Finanzsituation des DSB zu verbessern?
Weyer: Die finanzielle Situation des DSB bessert sich bereits. Nicht zuletzt ist dies ein Erfolg der Strukturreform. Falls Sie auf eine Beitragserhöhung abzielen, so ist diese nicht geplant. Obwohl ich auch der Meinung bin, dass wir unsere Sportart künstlich „billig“ halten. Hier haben andere Sportarten (und im Übrigen auch Schachorganisationen in anderen europäischen Ländern) ein ganz anderes Selbstverständnis. Um auf Ihre Frage zu antworten: Zunächst werden wir das sparsame Haushalten fortsetzen. Allerdings gehe ich davon aus, dass der Abschluss eines Sponsorvertrages bevorsteht, der uns einige zusätzliche Möglichkeiten eröffnen würde. Die Verhandlungen sind weit fortgeschritten.

Schach-Welt: An welchen Zielen möchten Sie gemessen werden?
Weyer: Ein Ziel wäre, auf Ihrem Blog nicht verrissen zu werden. Scherz beiseite: Ich bin mir darüber im klaren, dass man wohl kaum alles erreichen kann, was man sich vornimmt. Dennoch ist es absolut richtig, sich viel vorzunehmen. Ich wäre schon sehr zufrieden, wenn wir im Team des Präsidiums zumindest einen großen Teil unserer Ideen umsetzen können. Einige der Vorhaben finden sich ja in den Antworten auf Ihre Fragen. Auf keinen Fall darf ich hier die wertvolle Arbeit der Referenten vergessen. Das wäre auch ein wichtiges Ziel: Das Bewusstsein zu stärken, gemeinsam für das deutsche Schach zu arbeiten. Ich kenne meine Grenzen und weiß genau, dass man als Präsident des Deutschen Schachbundes zwar Impulse setzen, aber nur im Team erfolgreich sein kann.

Schach-Welt: Wie beurteilen Sie den seit Jahren anhaltenden Mitgliederrückgang und wie möchten Sie darauf reagieren?
Weyer: Der Mitgliederrückgang ist für die Schachorganisationen in Deutschland eine echte Herausforderung. Er spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung wider. Ich nenne nur einige Beispiele: zunehmende Belastung der Berufstätigen und der Schüler, stark geändertes Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen, der demographische Wandel, der Kampf vieler Sportarten um eine geringer werdende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die Schwierigkeiten, die Positionen in den Vereinen und den Bezirken zu besetzen, und vieles mehr. Der Mitgliederrückgang trifft alle Ebenen des Schachs, vom DSB angefangen, über die Landesverbände und ganz direkt natürlich die Vereine. So ist der Mitgliederrückgang in den einzelnen Landesverbänden durchaus unterschiedlich. Es gibt einige Verbände mit Mitgliederzuwachs und auch einige „Ausreißer nach unten“. Daher kann man dieses Problem auch nur gemeinsam angehen. Mir schwebt eine konzertierte Aktion vor, in der wir uns in aufeinander abgestimmter Weise auf allen Ebenen der Mitgliederbindung und Mitgliedergewinnung widmen. Hier baue ich auch stark auf die Schachjugend, die hier wichtige Ansätze und viel Erfahrung hat. Bei dieser Problematik gibt es keine Denkverbote. Wir müssen das Vereinsangebot erweitern, die Vereinsstrukturen modernisieren, die Form der Mitgliedschaften überdenken. Ich bin für jede Anregung dankbar und offen.

Schach-Welt: Die Austragung von Schach-WM und Schacholympiade im eigenen Land 2008 haben den Mitgliederschwund allenfalls verzögert, der erhoffte Boom ist völlig ausgeblieben. Welche Lehren ziehen Sie daraus?
Weyer: In der Tat sind trotz der großartigen Veranstaltungen die erhofften Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen ausgeblieben. Dennoch dürfen wir die Bedeutung derartiger Veranstaltungen nicht unterschätzen. So sind beispielsweise Mitglieder aus meinem eigenen Verein, die ich seit Jahren nicht mehr auf dem Spielabend gesehen habe, nach Dresden zur Schacholympiade gefahren. Also sehr wohl Mitgliederbindung. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass diese Großveranstaltungen keinen Boom bei uns ausgelösen. Dennoch brauchen wir derartige Veranstaltungen! Sie ersetzen allerdings nicht die mühsame Arbeit der Vereine vor Ort. Diese muß gestärkt werden.

Schach-Welt:
Sie haben in einem Interview die Meinung vertreten, dass ein deutscher Magnus Carlsen hier einen Schachboom auslösen könnte. Wie, glauben oder wissen Sie, hat sich die Mitgliederzahl des Norwegischen Schachverbands entwickelt, seit Carlsen 2004 als jüngster Großmeister der Welt Schlagzeilen zu machen begann?

Weyer
: Konkrete Zahlen kann ich nicht nennen. Es ist aber unübersehbar, dass im Sog von Carlsen auch andere Norweger den Weg zur Spitze beschreiten. Ich denke beispielsweise an Hammer. Es ist aber nicht zu übersehen, dass Carlsen – nicht zuletzt durch sein Auftreten in der Modebranche – wohl der Schachgroßmeister ist, der am stärksten in den Medien vertreten ist.

Schach-Welt: Norwegen hatte 2500 organisierte Spieler, bevor Carlsen Großmeister wurde. Heute sind es in etwa genau so viele, laut letzten Zahlen ein Prozent weniger. Zurück nach Deutschland: Zwei Großmeister behaupten, von Ihnen Freiplätze für die Deutsche Meisterschaft in Bonn versprochen bekommen zu haben - ein Versprechen, das Sie mittlerweile zurückgenommen haben. Zugespitzt gefragt: hat Hans-Jürgen Weyer Handschlagqualität?
Weyer: Ich kann keine Zusagen über Dinge machen, die nicht in meine Kompetenz fallen oder die ich nicht alleine entscheiden kann. Ich sage jedoch gerne zu, die Möglichkeiten auszuloten und mich einzusetzen. So ist das auch hier gewesen.

Schach-Welt: Wen wünschen Sie sich im künftigen Präsidium, insbesondere als im Falle Ihrer Wahl für Sie nachrückenden Vizepräsidenten?
Weyer: Ich habe bereits Personen angesprochen, die ich mir gut im Präsidium des Deutschen Schachbundes vorstellen kann. Da ich jedoch noch kein endgültiges „Ja“ oder „Nein“ erhalten habe, nenne ich hier keine Namen.

Schach-Welt: Stünden Sie im Falle einer Wahlniederlage selbst weiter als Vizepräsident zur Verfügung?
Weyer: Nein.

Schach-Welt: Zu klären sind auch in der kommenden Amtszeit Personalien: Wie wollen Sie die Nachfolge des spätestens 2013 in Ruhestand gehenden Horst Metzing regeln?
Weyer: Horst Metzing ist einer der wichtigsten Personen im Deutschen Schachbund, ja des deutschen Schachs überhaupt. Die Nachfolge zu regeln, wird in der Tat schwierig. Wir haben jedoch konkrete Vorstellungen darüber, wie dies erfolgen kann. Sie haben aber Verständnis dafür, dass ich diese Personalie nicht per Blog zur Diskussion stellen kann, sondern erst in den dafür zuständigen Gremien beraten muß. Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung im kommenden Jahr fallen wird.

Schach-Welt: Sie haben Ihre Bereitschaft signalisiert, die Aufgaben des Bundestrainers und die Betreuung der Nationalmannschaft neu zu definieren. Wie sind Ihre Vorstellungen da?
Weyer: Die Spitzenspieler haben etliche Vorstellungen geäußert, von denen die einen erfüllt werden können, die anderen nicht. Dies steht auf dem Treffen mit den Spitzenspielern in der kommenden Woche auf der Tagesordnung. Einer von mehreren Gesprächspunkten wird auch Training und Betreuung der Nationalmannschaft sein. Was wir zusammen mit den Spitzenspielern konkret vereinbaren, soll dort beraten und nicht vorher öffentlich verhandelt werden. Am 28. Februar wird das feststehen und den Spitzenspielern unterbreitet worden sein. Die dann getroffenen Regelungen werden wir bekannt geben.

Schach-Welt: Was erwarten Sie vom bevorstehende Treffen mit den Spitzenspielern und welche Rolle spielen Sie dabei?
Weyer: Ich erwarte von dem Gespräch eine abschließende Klärung der Situation und eine Fixierung der vom DSB in den letzten Monaten vorbereiteten Verbesserungen und Änderungen, die dann auch für einen längeren Zeitraum Bestand haben sollen. Ich hoffe sehr, dass meine Rolle darin liegt, ein sachlicher und ruhiger Vermittler zu sein, der die Vorstellungen der Spitzenspieler und die Möglichkeiten des DSB zur Deckung bringt. Dies tun aber die übrigen Mitglieder des Präsidiums auch. Allerdings müssen wir auch Grenzen aufzeigen und ggf. durchsetzen. Ich würde mir sehr wünschen, dass wir uns nach dem Treffen wieder auf die sportlichen Herausforderungen konzentrieren können. Schließlich stehen die europäischen Einzelmeisterschaften vor der Türe.

Schach-Welt: Am Montag voriger Woche hat das von vielen als sichtbarstes und bestorganisiertes betrachtete deutsche Schachevent sein Aus erklärt. Eine Stellungnahme dazu seitens des Schachbundes ist mir nicht aufgefallen. Ist dem DSB Mainz wurst?
Weyer: Der Deutsche Schachbund – und ganz besonders ich selbst – bedauert das Aus der Mainzer ChessClassics ganz außerordentlich. Wir verlieren eines der wenigen Turniere in Deutschland mit weltweiter Strahlkraft. Ich selbst war mehrmals anwesend und habe bisher zweimal mitspielen können. Hans-Walter Schmitt gilt meine große Bewunderung und der Dank der gesamten Schachwelt. Wir alle hoffen außerordentlich, dass es sich nicht um ein endgültiges Aus, sondern nur um ein einmaliges Aussetzen handelt.
Anzeige Condor
Hans Jürgen Weyer
Freigegeben in Blog
Freitag, 26 November 2010 09:57

Au Weyer, DSB?

In Gladenbach bei der Hauptausschusssitzung des Deutsche Schachbunds wird Robert von Weizsäcker an diesem Wochenende sein Ausscheiden als Präsident ankündigen. Sein Vizepräsident Hans-Jürgen Weyer gilt im Moment als wahrscheinlichster Nachfolger. Gewählt wird erst beim DSB-Kongress im Mai in Bonn, doch in Gladenbach werden die Weichen gestellt, wenn nicht bereits alles ausgekungelt.

Zwei weiteren Mitgliedern des Präsidiums, Michael Langer und Hans-Jürgen Hochgräfe, werden Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Mitzureden haben aber vor allem die „Landesfürsten“. Im Arbeitskreis der Landesverbände wird die Arbeit des Präsidiums kritisch gesehen. Eine Gegenkandidatur aus diesem Kreis, am wahrscheinlichsten wie 2009 durch Herbert Bastian, kündigt sich an.

Von Weizsäckers vier Jahre an der Spitze haben viele enttäuscht. Sein Scheitern in der internationalen Schachpolitik, wo er Karpows Kandidatur für den FIDE-Vorsitz unterstützte und selbst als Europäischer Präsident kandidierte, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, zumal der DSB die ECU-Geschäftsstelle und damit verbundene Mietsubvention für seine Geschäftsstelle verlor. Zwar hat der Münchner im Außenauftritt und in den Außenbeziehungen des Schachbundes durchaus das eine oder andere bewegt. Der Wirtschaftsprofessor hatte allerdings wenig Glück mit seinen fürs Tagesgeschäft verantwortlichen Vizepräsidenten, dem wenig engagierten Matthias Kribben (2007/09) und dem seine Linie hintertreibenden Weyer (2009/11).

Der Herzogenrather ist als Geschäftsführer des Geologenverbands ein Verbandsprofi. Einst galt er als Anpacker, der auch Probleme offen anspricht. Als 2001 Alfred Schlya von der Spitze in NRW an die im DSB rückte, sorgte Weyer für Aufbruchstimmung in seinem Landesverband. Inzwischen wären dort manche froh, Weyer auf dem gleichen Weg loszuwerden. Es ist unklar, wo er Akzente setzen würde und wo aufgrund der schlechten Finanzsituation sparen, ob er den Mut hätte, die unsäglichen Zustände beim Ramada-Cup zu beenden, dessen Überschüsse dem DSB nicht nur nicht zugute kommen, sondern der sogar noch subventioniert wird, vom zeitlichen Engagement der Funktionäre, das an anderer Stelle fehlt, ganz zu schweigen.

Die nächste Amtszeit wird alles andere als leicht. Ideal wäre ein Moderator des Übergangs, der sich der Lösung der internen Probleme verschreibt, ohne im Funktionärsland Brownie-Punkte zu sammeln oder besonders auf Außenwirkung zu achten. 2013 könnte der DSB dann einen gestandenen Verantwortungsträger (und dabei starken Schachspieler) an seine Spitze holen, den Mainzer OB Jens Beutel.