Mai 2021
Online is the new Black
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Nicht nur der Ligakampf in der verwinkelten Gaststube des Lokalrivalen, verstärkt durch den nicht erhältlichen/ viel zu dünnen/ nicht mehr heißen oder auch nur teuren Kaffee an der Theke bieten vielerlei Ansätze, um die Verantwortung für eine soeben verlorene Turnierpartie herunterzuspielen und die Schuld elegant an die Umstände weiterzureichen.

Die ermutigende Nachricht ist – diese guten Gründe gibt es auch, wenn man zu Hause spielt! Hier ist, was wir für rechtfertigende Stimmen nach vielen Wochen in der Deutschen Schach-Onlineliga oder ihrer bezaubernden kleinen Schwester, der Bremer Umzu-Liga, einfangen konnten.

Warum man auch zu Hause seine Partien verliert, ohne daran schuld zu sein

- unsere Katze wollte ständig raus und kratzte an der Tür (Bremen)

- ich habe nebenbei noch ein paar Aktien geshortet (Frankfurt)

- es lief gerade „The Queen‘s Gambit“ (Überlingen)

-  ich durfte meine Engine nicht mitlaufen lassen  (anonym)

- die Techno-Musik in meinem Club war zu laut (Berlin)

- der Kaffee war zu dünn/ nicht mehr heiß/ zu teuer/ es gab keinen  (Nordwalde)

- ich durfte nicht rauchen (Köln)

- die Katze wollte dann wieder rein und kratzte an der Tür (Bremen)

- meine Partnerin fing in der Zeitnotphase an staubzusaugen  (Magdeburg)

Nun gut, so ist das manchmal – da bleibt dann eigentlich nur der Schwamm drüber- Lockdown Blues von SF Otto Waalkes.

DSOL Finale: Lauter Unentschieden! (Na gut, beinahe)
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„Ob wir betrübt sind? Keinesfalls! Mit breiter Brust geht das Hellas-Team aus dieser grandiosen DSOL-Saison.“ (Hellas Nauen)

Deizisau, der SC Moosburg und Akademie Paderborn - was haben sie und die 23 andere Finalisten der DSOL nur falsch gemacht? 

Die meisten der 400 Mannschaften, die für die DSOL 2.0 im Januar in den Ring stiegen, haben ihren Platz in der bundesweiten Online-Hierarchie bereits gefunden. Oben oder unten? Sie wurden ehrenvolle Dritte, Fünfte, Letzte ihrer Liga, flogen hübsch raus im Viertelfinale oder kamen gar nicht erst so weit – und schon konnte man im Zweifel bereits nach 7 Spieltagen ohne viele Diskussion abschätzen, wo sie denn so stehen im großen digitalen Gefüge: die einen gut, die anderen besser. 

Andere Teams mochten sich da nicht so fix einordnen. Deizisau, Moosburg, Paderborn, sie gewannen hier mal ein Viertelfinale, verloren dort auch nicht das folgende Halbfinale, und entzogen sich dadurch einer genaueren Platzierung. Und also wussten die Spielstärkeforscher des DSB auch Ende April immer noch nicht, woran man bei ihnen war: tiptop, oder nur top? Wer ist denn nun wie gut?

Mühsam, mühsam, denn die DSOL-Geschäftsleitung musste nun sogar eine weitere Spielrunde ansetzen, Finale genannt, um auch für diese 26 Mannschaften zu einer vollumfänglich gültigen, sportlich-adäquaten Standortbestimmung kommen zu können. Geduldiges Feinjustieren im Sinne der Wahrheit, das zeichnet unseren Schachbund aus.

Und das hieß natürlich: alle Schiris nochmal an Deck, DSOL-Sendemasten aufrichten, Pizza ordern für die Chessbase-Zentrale, damit auch die letzten der 400 Teilnehmer ihren Platz in der Rangliste finden konnten.

Und auch GM Siebrecht kam noch einmal vor die Kamera, gab ein Da Capo, um dieses Finale und damit die zweite Staffel der Liga in einem tollen Rahmen mit zu beschließen.


Huch! - der Link will leider nicht, darum bitte hier: https://www.twitch.tv/videos/1006193310

 

Die anderen gut 370 Clubs hatten dagegen am vergangenen Freitag schachfrei, konnten länger arbeiten, Fußball gucken und entspannt der nächtlichen Ausgangssperre entgegenfiebern. Clever! Das sind sie, die Wonnen des sportlichen Nichtweiterkommens.

Wer aber waren die 26, die sich jeder rechtzeitigen schachlichen Bewertung bislang entzogen hatten?

Hier sind die 13 Final-Paarungen in der Übersicht (Vorsicht – Ergebnisse stehen schon drin!)
 

Und damit wir auch ein bisschen Weltwissen mitnehmen aus den vergangenen 4 Liga-Monaten, hat unsere Design-Abteilung die Finalpaarungen graphisch aufbereitet.

An manchen Stellen (Sachsen, Rheinland-Pfalz) ging unserer Zeichnergilde offenbar ein wenig das Land aus – wir bitten, eventuellen Unwuchten in der Darstellung indes mit Milde zu begegnen. Man verstehe die Darstellung vielleicht besser als den noblen Versuch einer Veranschaulichung, weniger als eine Straßenkarte und am besten noch weniger als politisches Statement.

Wir sehen jedoch:

- mehr West als Ost, mehr Nord als Süd bei den letzten 26 Teams - was war da los in Bayern, Sachsen und in Schleswig-Holstein?

- NRW boven, insgesamt herrscht in diesen Gefilden offenbar die höchste DSOL-Kompetenz

- ein Verein liegt direkt am Meer

- der Beitrag Hessens, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts zur Finalrunde bestand im Gewähren von Überflugrechten für das eilige Übermitteln der Züge – und ja, auch das ist wichtig

- auffällig ist die Achse von NRW nach Berlin

- noch auffälliger: die acht süddeutschen Standorte im Saarland, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg bilden miteinander verbunden das Sternbild des Hasen zu großen Teilen ab

- und eine Region hat am großen Finaltag besonders abgeräumt, glatte dreimal sogar….

Wenn man auch nicht weiß, wozu es gut ist: hier alle Ansetzungen in der geographischen Zuordnung:

Wer mit wem in der DSOL?

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Und nun, bevor wir uns dem Geschehen in den einzelnen Ligen widmen, heißt es – die LeserInnen sind am Zug! Greiz, Ostertal, Hannover – wo nochmal genau liegen die 26 Final-Orte?

Jede richtige Antwort gibt einen DWZ-Punkt - den persönlichen Highscore bitte zur weiteren Bearbeitung unten im Kommentarbereich vermerken.


Fullscreen...

Fi-na-le: Die Lagen in den Ligen

Liga 8

Ein großer Abend für das Münsterland – die Türme Billerbeck wendeten einen alten Viererpokal-Trick an und lockten den schwäbischen SC Leinfelden 2 in ein mutmaßlich fein austariertes 2:2- Endergebnis.

Weitergelesen bei Chessbase.de

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Jindrich Sulc (1911 - 1998)
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Von Dr. Oliver Höpfner, Bremen

In der vierten Folge der kleinen Kolumne „Endspielmagie - Studien für die Praxis“ möchte ich gerne eine weitere kleine Studie des tschechoslowakischen Studienkomponisten Jindrich Šulc (22.3.1911 – 3.12.1998) vorstellen.

Dadurch, dass Mark Dworetski (1947 – 2016) eine der Arbeiten von Šulc als „Kleine Perle“ bezeichnet hat, wurde ich auf die Kompositionen des hierzulande nicht so bekannten Studienautors überhaupt erst aufmerksam.

Ich habe mir daher die Studien von Šulc noch einmal genau angeschaut und fand dabei in einer Sammlung seiner Arbeiten die folgende elegante Aufgabe, die aus meiner Sicht auch sehr gut in diese kleine Studien-Kolumne passt.

Jindrich Šulc
Sach 1942, 3. Ehrende Erwähnung

Studie_4_Sulc.png

Vor uns haben wir hier ein außerordentlich taktisches Endspiel. Wie kann Weiß in diesem Turm-Endspiel seine beiden Freibauern zum Sieg führen?

Dazu bedarf es schon eines kleinen Griffs in die taktische Trickkiste.

Viel Spaß daher bei der Lösung der Aufgabe.

 

 

Es gibt nur dieses Bild von Frank Zeller in unseren Archiven - leider hat er hier gerade gegen David Smerdon verloren
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Für Freunde des überregionalen Denksports: heute abend um 18 Uhr treffen in der vierten Runde des Werder Online Open der berühmte IM Frank Zeller und ein unbekannter, schon seit Jahren unter dem Decknamen Olaf Steffens spielender FM aufeinander, um in einem sechsrundigen Vergleichskampf wichtige Punkte im Rennen um das Siegertreppchen zu sammeln.

Zwei Schachkulturen treffen dabei aufeinander: auf der einen Seite Eröffnungswissen, filigranes Positionsverständnis, passgenaue Zuspiele und süddeutsche Lebensart (Frank Zeller), auf der anderen grobe Schnitzer, Überforderung nach wenigen Zügen und die bloße Hoffnung auf den lucky punch (Olaf Steffens) - schauen wir mal, was das so wird.

Turnierseite

Spielsaal

Zuschauen wird auch Werder-Coach Jonathan Carlsenstedt, der live bei Twitch als Moderator für das Traditionshaus Werdertigers mit dabei sein wird.

Ein kurzes knuffiges Blitzmatch heute abend also, und hinterher kegelt Holstein Kiel die Dortmunder aus dem DFB-Pokal - klingt doch wie eine schöne Mélange für einen milden 1.Mai-Abend.


Frank Zeller - inspirierender Schachjournalist, Buchautor, Bundesligaspieler - und vielfach engagiert (s. ab Minute 2:14) !