November 2020
Auf zur nächsten Runde!
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Die erste Runde des Tigerwerders Cup 2.0 ist in vollem Schwange, so mancher schon setzte sich durch im beinharten K.O.-Modus, andere mussten bereits die Heimreise antreten. Ein Ausrufezeichen vermochte SF Rolf Hundack von der Bremer SG zu setzen, der den gut 150 Punkte eloschwereren Samuel Weber (Oberursel) furios und hauchdünn mit 6 : 5 aus dem Wettbewerb warf - Rolf sehen wir also bald wieder, in der Runde der letzten 16!

Heute am frühen Abend und vor dem hübschen Wiesbadener Tatort trafen Collin Colbow (Werder) und Sebastian Müer (SK Oldenburg) aufeinander - eines der wertungsstärksten Duelle dieser Auftaktrunde. Best of 11 - wer würde obsiegen? Hier ist der Stream - viel Spaß! (Nix für schwache Nerven, gelle)

Werdertigers Collin Tigerdompteur

Soweit für heute - morgen geht's weiter!

Turnierseite bei den Werdertigers

Offener Brief von 12 KaderspielerInnen
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Was soll man machen, wenn 12 von 19 KaderspielerInnen des Deutschen Schachbundes einen offenen Brief schreiben, um - neben anderen wichtigen Punkten - auf nachhaltige Probleme in der Zusammenarbeit mit Bundestrainer Dorian Rogozenco hinzuweisen? Einige der UnterzeichnerInnen kenne ich nicht persönlich, aber zahlreiche schätze ich sehr, und wenn die Frage ist, was wir mit so einem Brief tun sollen? Wir veröffentlichen ihn!

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Offener Brief, 21. November 2020

Die Entwicklungen der letzten Monate im Bereich Leistungssport des DSB beunruhigen uns zutiefst, daher sehen wir uns gezwungen zu handeln.

Das Präsidium des Deutschen Schachbundes ist nicht bereit, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen – einem lösungsorientierten Dialog wird kontinuierlich ausgewichen. Der einzige verlässliche Partner der KaderspielerInnen, der Leistungssportreferent Andreas Jagodzinsky, wurde zuletzt soweit isoliert, dass er seinen Rücktritt bereits angekündigt hat. Nachdem getroffene Absprachen ignoriert und zugesagte Kompetenzen zurückgenommen wurden, hat nun auch Alexander Naumann zum großen Bedauern aller Spielerinnen mitgeteilt, dass er als Frauenkapitän nicht mehr zur Verfügung steht.

In Deutschland sind die nötigen Mittel und SpielerInnen vorhanden, um mittelfristig auf Erfolge im Bereich Leistungssport hinzuarbeiten. Die Leistungssportförderung ist aktuell jedoch geprägt durch mangelnde Struktur, fehlende Kontinuität und Intransparenz. Die zuletzt dramatische Verschlechterung der Lage ist ebenso unnötig wie traurig.

Ohne Not trifft der Bundestrainer destruktive Entscheidungen, die ein unerträgliches Ausmaß erreicht haben. Insbesondere die Kaderspielerinnen sind einem Umgang ohne jeglichen Respekt ausgesetzt. Angesichts der abschätzigen Haltung, die der Bundestrainer vielen SpielerInnen entgegenbringt, und einem von persönlichen Sympathien und Animositäten geprägten Entscheidungsklima ist eine weitere Zusammenarbeit für uns nicht vorstellbar. Ein Neuanfang ist zwingend notwendig. Solange Dorian Rogozenco Bundestrainer ist, stehen wir für Einsätze in der deutschen Nationalmannschaft nicht mehr zur Verfügung.

Wir fordern eine transparente Förderung, die Angebote schafft und Anreize bietet, sowie einen respektvollen und sachlichen Umgang mit allen SpielerInnen. Wir wünschen uns Willen zur Veränderung. Wir hoffen, dass die Führung des Schachbundes Voraussetzungen schafft, unter denen im Bereich Leistungssport wieder alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Gerade in der aktuellen Situation sollte man sich einer Sache nicht mehr verschließen - dem konstruktiven Dialog mit den Spielerinnen und Spielern.

gezeichnet,

Josefine Heinemann   Sarah Papp   Vincent Keymer
Hanna Marie Klek    Matthias Blübaum Dmitrij Kollars   
Melanie Lubbe Daniel Fridman Georg Meier
Annmarie Mütsch Andreas Heimann   Rasmus Svane
Läuft bei Schwarz ...
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Es ist ja eigentlich nur ein Spiel, dieses Schach, und die Welt hat so viele andere Probleme, wirklich.

Und doch, es ist zum Verzweifeln ob der kläglichen Züge und Stellungen, die immer wieder dem eigenen Denkprozess entschlüpfen. So sinnvoll die einzelnen Ideen, so kläglich das Gesamtergebnis!
Man kann mit noch so guten Absichten ans Brett gehen, und die Züge nach bestem Wissen und Gewissen erdenken – was herauskommt, ist durchaus ernüchternd, und das auch immer wieder. Bis hin zum einzügigen Matt. Oh my God!

Auch beim zweiten von acht WoBlis, dem Werder Wochenblitz, war erneut eine Schar Schachhungriger im Online-Raum versammelt. 90 Minuten des Abends am Bildschirm verbracht, eine schöne Idee, nicht zu lang, nicht zu kurz.

Der Arena-Modus bei LiChess loste alsgleich Stephan Buchal mit seinem starken Vereinskollegen Collin Colbow zusammen. Es wurde ein beinhartes Duell, verworren, komplex, und Stephan, Sieger der Vorwoche, überwand mit dem etwas fluffigeren Figurenspiel schließlich Collins Verteidigung – Sf6+, schachmatt!

Dann aber folgte für Stephan eine Durstrecke, und die allerschönsten Stellungen zerstieben im Angesicht kurzer Bedenkzeit und knapper Fehleinschätzungen noch zu Remisen und Niederlagen. Siehe die einleitenden Worte oben – Schach ist manchmal ein düsterer Sport, und das Schachbrett ein düsterer Ort, der einem viele Enttäuschungen bereiten kann.

Dafür aber holte Collin nun wieder auf, punktetepunktetepunktete, und weil im ArenaModus ja eine Serie von Siegen am Ende zu doppelten Punkten führt, war DerBesteAusWelt bald schon an die Spitze des Feldes geeilt. Und surprise, dort war so ungefähr auch der Berichterstatter, der mit vielen durchaus ungeeigneten Zügen eine ansehnliche Anzahl an Punkten hatte zusammenstoppeln können. Gemeine Fallen, schmutzige Siege, glückliche Ergebnisse - dies alles eher Dinge, die man im Jugendtraining eher nicht zeigen sollte.

Collin und Steffens also kurz vor Schluss gleichauf, und in meiner Partie gegen den trickreichen Dr Wonderstein sah es gut aus für mich.

Wonderstein Ste 

Alles prima für Schwarz – Materialgewinn liegt in der Luft! Vor das Glück haben die Götter aber die Sorge gesetzt, und so sorgte ich mich nun, dass die Uhr des Gesamtturniers nur noch 4 Minuten Restspielzeit anzeigte. Mein Gegner und ich aber hatten beide noch knapp vier Minuten Zeit nach, und was geschieht nochmal, wenn das Turnier endet? Genau – die Partien zählen nicht mehr für das Turnierergebnis und was ist, sollte mein Gegner seine Uhr irgendwann einfach ablaufen lassen? Too little, too late. Das Spiel wird zwar noch zu Ende gespielt, aber gewertet – wird es nicht.

Und so, um auf meine Sorge zurückzukommen, sorgte ich mich nun weniger um meine Stellung als darum, die Partie möglichst fix noch zu beenden, ehe die Glocke läutet! Und man ahnt schon, was nun kam – schnelles Spiel, Sekunden sparen, ratzfatz die Züge aufs Brett gejagt ...

Dr Wonderstein überlegte einige Zeit, und spielte dann das schlaue …

1. O – O !

Mit Ausrufezeichen! Das profane 1.Lxe4 hätte zwar den Turm, aber nicht die Stellung gerettet. So aber – kann Schwarz den Turm auf d2 ja einfach nehme? Entweder mit der Dame, oder mit dem Springer. Doch egal, schnell schnell, denkt Schwarz, das Turnier endet bald!

1… Se4 x d2

Dies ist etwas weniger gut als das alternative Schlagen mit der Dame.

2. Dh4 x h7 matt

Ups! Wie gesagt, nichts für das Jugendtraining – und wenn doch, liebe Werdertrainer, dann bitte nur ohne Namensnennung. Gebt mit ein N.N.! Und im Übrigen – siehe die einleitenden Worte, weiter oben.

Collin war mit dieser verdienten Niederlage nicht mehr einzuholen, und somit folgt er Stephan Buchal nach und wird verdienter Sieger des 2.WoBli! Glückwunsch!

Wobli2

Das Siegerpodest des 2.Werder Wobli (Bild: LiChess)

Preisfonds (max sechs Wertungen aus 8 Turnieren)

Gesamtsieger: 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

2.Platz: 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

3.Platz: 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

Beste 2 Jugendliche (U18): je 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

Beste Teilnehmerin: 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

Bester Senior (Ü50): 2 Tafeln Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

Übrige Teilnehmer (mindestens 6 mal teilgenommen): wir verlosen 2 Tafeln von ... na Ihr wisst schon :-)

Punktewertung: Platz 1: 15 Punkte, Platz 2: 12 Punkte, Platz 3: 10 Punkte, Platz 4: 9 Punkte, und für die weiteren Ränge je ein Punkt weniger)

bremen schoko
Da ist sie wieder ....

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Für alle Blitz-Aficionados hier noch eine hübsche Sache - Auf zum Blitz mit Rasmus!

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Und überhaupt - der Werdertigers Cup 2.0 ist schon in full swing! Spiele heute, morgen, Montag, und auch live bei Twitch:

Samstag, 21.November, 18:00 : Jörg Wengler (FCB) - Frank Modder (Oldenburg)

Sonntag, 22.November, 18.30: Rolf Hundack (Bremer SG) - Samuel Weber (Oberursel)

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Und dann war da noch ...

Logo ChessBase 16
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Das war der erste Eindruck der Krennwurzn als sie die erste Beta zu Gesicht bekam, aber der erste Eindruck kann manchmal schon ein wenig täuschen, dazu etwas später mehr. Vorab ein Tipp an Leute, die keine Zeit oder vor allem keine Lust auf das Gesülze der Krennwurzn haben:

Niemand braucht ChessBase 16 also kaufen Sie es sich sofort!!

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Die Krennwurzn ist auch Jahre nach der Erstentdeckung dieser Idee ganz entzückt von ihrer unfassbaren messerscharfen Unlogik - etwas was man nicht braucht unverzüglich zu kaufen – noch dazu wo ja „fast nichts Neues“ im Titel steht. Nun am Anfang war der Titel und dann entstand erst der Artikel. Dass sich die Krennwurzn irren kann, ist Ihnen liebe Leser ja nicht wirklich fremd und es gilt uneingeschränkt:

Corona nervt und Weihnachten steht vor der Tür,
also gönnen Sie sich was für sich und Ihr Hobby!

Verschwenden Sie keine wertvolle Zeit mit der Lektüre des „fast nichts“, sondern kaufen Sie das Programm und machen sich selbst ein authentisches Bild. Bedenken Sie, dass Corona auch in die Programmentwicklung ungeplante Verzögerungen gebracht hat, weil Onlineturniere und -meisterschaften viel Zeit in Anspruch genommen haben. Auch wenn nicht alles gleich auf Anhieb perfekt funktioniert hat, so haben die Hamburger – wie auch andere Anbieter – hier viel Arbeit und Ressourcen für uns Schachspieler investiert. Danken wir es Ihnen ein wenig durch Kauf.

Der allgemeine Coronafrust hat sich wohl auch ein wenig auf die Krennwurzn übertragen und zuerst wollte ich gar nicht viel Betatesten und schon gar nicht wollte ich einen Artikel schreiben, weil irgendwie fand ich, dass nicht wirklich was Neues im Programm geboten wird und außerdem wann wird es wieder echte Liveturniere geben, wann der Weltmeisterschaftszyklus fortgesetzt werden, wann man selbst wieder real am Brett sitzen. Irgendwie war die Schachlust verschwunden, aber dann nach und nach fand ich doch ganz interessante Neuerung in der neuen ChessBase 16 Version und manche haben sogar Suchtpotential – diese Warnung möchte ich schon aussprechen – manche sind ganz ok und manche waren schon lange überfällig.

Die Eröffnungsübersichten

Gleich die erste Neuerung ist eine mit potentiellem Suchtpotential für die Krennwurzn, denn zu jeder beliebigen Eröffnungsstellungen lassen sich mit etwas Geduld Eröffnungsübersichten (Repertoirevorschläge) erzeugen. Eine beinahe unendliche Spielwiese für wohl viele User und natürlich auch ein ernsthaftes Werkzeug für Profispieler – die Idee entspann sich aus der Zusammenarbeit mit Fabiano Caruna für den "Navigating the Ruy Lopez" FritzTrainer.

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Die Übersichten werden am Server gespeichert – wer seine Eröffnungsgeheimnisse nicht teilen will, kann mit OFFLINE aber auch ganz geheim arbeiten. Für vieler User aber wird das Schmökern und Verfeinern der online verfügbaren Übersichten den Hauptpart einnehmen. Das Programm will einem nicht DIE Lösung aufs Auge drücken, sondern es ergeben sich eine Vielzahl von Möglichkeiten, damit der Benutzer seine persönlichen Vorlieben in die Suche einfließen lassen kann.

• „Traditionell“ - wählt streng die auf GM-Level gespielten Hauptvarianten
• „Modevarianten“ - in der modernen Spielpraxis dominierende Züge werden ausgewählt – möglicherweise die interessanteste Option der Funktion
• „Nebenvarianten“ – für Praktiker ohne viel Zeit ein Thema und schlecht sind diese auf keinen Fall
• „Gambit“ – soll jedes halbwegs spielbare Opfer berücksichtigen
• „Angriff“ - führt teils zu sehr aggressiven Nebensystemen
• „Positionell“ – für alle, die es etwas ruhiger und übersichtlicher wollen
• „Vereinfachen“ – extra für Feiglinge wie die Krennwurzn ?

Die Variantentiefe ist in den Schritten „Einstieg – Klub – Turnier – Meister – Enzyklopädie“ wählbar und verkürzt oder verlängert die Suche. Falls zu einer Stellung Übersichten auf dem Server bereitstehen, werden Stil, Tiefe und Farbe mit einem „*“ markiert. Aber lassen wir das Matthias Wüllenweber in einem Video selbst erklären.

Video „Die Eröffnungsübersichten“
Sprache Deutsch – Dauer 7:57

Neuerungen schürfen (Novelty Mining) im LiveBuch

Daten sind schon lange das neue digitale Gold und danach wird weltweit heftig gesucht. Warum sollte man dies auch nicht im Schach nutzen und Arbeit durch die Maschinen leisten lassen? “Neuerungen schürfen” oder wie es neudeutsch heißt „Novelty Mining“ ist nun mit ChessBase 16 möglich ohne dass man in die schmutzige Unterwelt hinuntersteigen muss:

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In einem zusätzlichen Dialog werden noch einige Einstellungen möglich, um rascher an die gewünschten Informationen zu kommen.

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Um das Schürfen effizienter zu gestalten bedient man sich ein paar Tricks, so werden häufig gespielte Varianten von der Suche ausgeschlossen, so dass mehr Rechenkraft in die Nebenvarianten fließen kann. Nach einiger Zeit meldet die Maschine dann:

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einen Erfolg oder wie bei der echten Schatzsuche realistischerweise oftmals ein „leider NEIN“. Ob die Krennwurzn schon ein Goldnugget gefunden hat? Naja man muss ja nicht alles preisgeben ?

Stellt man Tiefe = “0” ein, dann erfolgt eine Daueranalyse der aktuellen Stellung, welche die gespielten Hauptvarianten ausschließt.

Auch diese Funktion erklärt Matthias Wüllenweber in einem Video selbst:

Video “Neuerungen schürfen”
Sprache Deutsch – Dauer 7:07


Die neue Partienotation: Faltung und Partieverweise

Wer sich schon mal von Robert Hübner kommentierte Partien angeschaut hat, der hat sich diese Neuerung schon lange gewünscht. Endlich bekommt man ein Werkzeug an die Hand um große Variantenbäume beherrschbar und übersichtlich zu halten. Aber wie so oft sagt ein Bild mehr als tausende Worte …

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So sah das alt aus und das kann natürlich weiterhin so haben, wenn man möchte, aber mir gefällt das neu wesentlich besser:

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Aber nicht nur beim Nachspielen ist das sinnvoll, sondern auch wenn man später einmal eine kommentierte Partie überarbeiten möchte. Zudem kann man in der Eröffnungsphase Partiereferenzen einfügen lassen. Diese Funktionalität hat wohl nicht nur der Krennwurzn schon lange gefehlt bei ChessBase!

Benachrichtigungen zur Eröffnungstheorie (live) und neue Eröffnungskommentare

Jede Partie enthält per Definition eine Neuerung – naja fast jede, denn es gibt gewollte und ungewollte Zugdubletten. Wirklich interessant ist aber oftmals gar nicht die Neuerung an sich, sondern die Genese derselbigen. Kann eine Neuerung eine Änderung der Zugfolge einer Eröffnung beeinflussen? Wird ein Nebensystem durch die moderne Top-GM Praxis plötzlich zur eigentlichen Hauptvariante? Warum ist die am häufigsten gespielte Variante nicht die stärkste und auch nicht zwangsläufig jene mit dem besten Score, usw… Dies will ChessBase 16 nun erkennen und kommentieren – lassen wir hier wieder Matthias Wüllenweber selbst zu Wort kommen.

Video “Eröffnungskommentare”
Sprache Deutsch – Dauer 8:24

Zugang zu dieser Funktion findet man via Taktische Analyse, Brettfenster -> Report -> Neuerung markieren, Partienliste -> Analyse -> Neuerung markieren und etwas nervig, aber trendig und absolut aktuell als Benachrichtigungen im Windows 10 Info Center.

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Hier weist ChessBase darauf hin, dass Schwarz in letzter Zeit mit 6... De7! Wesentlich erfolgreicher ist als mit dem weitaus häufiger gespielten 6... Ld6. Da ich mir sicher bin, dass manche allergisch auf sich öffnende Fenster reagieren, sollte ChessBase diese Benachrichtigung deaktivierbar machen.

Livedatenbanken: Theorie, Taktik, laufende Turniere

In der Ordneransicht links im ChessBase Hauptfenster gibt es einen neuen Eintrag „Live“.

CB16 09„Taktik“ liefert einfache Taktikaufgaben aus den laufenden Livepartien – oft unmittelbar nach Partieende. „Neuerung“ liefert serverseitig aktuelle theoretische Trends aus den Livepartien der letzten Tage. Rechts von diesen beiden gesetzten Datenbanken findet man die aktuell am Server übertragenen Liveturniere. Eine sehr gute und schnelle Zugriffsmöglichkeit, der aber noch ein paar Killerfeatures wie Livetabelle oder Spielersuche fehlen – aber was nicht ist, kann ja noch werden.


Suche nach typischen Taktikstellungen in einer Eröffnungsvariante

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Geht man im Brettfenster auf Report, so ist wie bisher auch „Ähnliche Taktik“ etwas stiefmütterlich ohne eigenes Icon wie in den Vorversionen auch, aber doch mit einer verbesserten Funktion zu finden. Der User kann nun umfangreichere Einstellungen treffen und das Suchergebnis wird dann in eine Datenbank als Trainingsstellungen geschrieben. Allerdings ist die Suche nach Taktik sehr langsam, weil die Ergebnisse noch mit der Engine kontrolliert werden müssen. Hier zeigt sich allerdings eine generelle Schwachstelle von ChessBase: man setzt vielleicht aus Angst vor dem Fortschritt immer auf Neuberechnung und lässt das Rad immer wieder neu erfinden. Das vergeudet Zeit und auch reale Energie!! Bei „Let’s check“ sind Unmengen an Informationen mit unterschiedlicher Rechentiefe gespeichert, werden aber nicht genutzt. Denn eine minutenlange Suche vor ein paar Monaten mit einer entsprechenden Tiefe ist mit hoher Wahrscheinlichkeit besser als eine Maschine wenige Sekunden oder noch kürzer neu rechnen zu lassen – da könnten noch viele kostenfreie Synergienuggets gehoben werden und das nicht nur bei dieser Funktion.

Neuer Chat auf Playchess inklusive Video/Audio für Vereins- und Turnierräume

Der Chat auf Playchess war anfangs eine sehr beliebte Funktion, denn das gab es damals anderswo nirgends in dieser modernen Form. Allerdings gab es anfangs viele technische und moderatorische Einschränkungen, welche die User nicht goutiert haben und es wurde dann lange still im und um den Chat – fast glaubte man er sei seitens der Programmierer in einen Dornröschenschlaf gefallen. Nun mit Version 16 startet nach langer Zeit ein zaghafter Versuch den Chat wieder wachzuküssen. Er wurde optisch modernisiert und klarer strukturiert, wie wir es vom Smartphone kennen. Zudem werden Chats vor dem Einloggen nachgespielt, damit man sich schnell ein Bild machen kann, was aktuell gerade diskutiert wird. Zusätzlich wurden zwei interaktive Funktionen neu eingefügt: Man kann Stellungen und Varianten zu einer laufenden Partie chatten, was die gemeinsame Analyse erleichtern soll.

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Hat der Zuschauer ebenfalls das neue Programm gekauft – haben Sie das schon getan oder lesen Sie immer noch – dann kann er auf diese Stellung oder Variante im Chat klicken und diese dann Zug für Zug auf einem Hilfsbrett nachspielen. Außerdem kann man via Rechtsklick im Chatfenster die Hintergrundfarbe ändern.

In privaten Vereinsräumen oder Turnierräumen, kann man mit entsprechender Hardwareausstattung Audio- oder Videochat verwenden – eine nette Alternative zum Vereinsabend in Coronazeiten bietet sich hier an.

Dazu gibt es ein Video vom zuständigen Programmierer Jeroen Van Den Belt

Video “Neuer Chat”
Sprache Deutsch – Dauer 6:35

Spielstärkeeinschätzung mit der Zentibauernverlust-Analyse (CPL)

Zur Messung von taktischer Genauigkeit und als Indiz möglicher Computerhilfe hat sich die Zentibauernverlust-Analyse CPL (centipawn loss) eingebürgert und wird von vielen Seiten verwendet. Der Zentibauernverlust wird folgendermaßen ermittelt: Wer aus Sicht einer Engine einen Zug macht, der schlechter als der beste Enginezug ist, erleidet mit diesem Zug einen Zentibauernverlust. Das ist der Abstand des gespielten Zugs zum besten Enginezug gemessen in Zentibauern, weil Enginebewertungen bekanntlich in Bauerneinheiten dargestellt werden. Mittelt man diesen Verlust über die gesamte Partie, so erhält man eine Abschätzung für die taktische Präzision der Züge. CPL weist zwar eine gewisse Korrelation mit der Spielstärke auf, schwankt aber doch sehr, sodass auch Werte unter 10 in einer Einzelpartie keinesfalls als Cheatingbeweis taugen, denn sogar schwache Spieler können solche Werte in ruhigen, positionellen Partien problemlos erreichen. Aussagekräftige Werte ergeben sich nur aus höheren Partienzahlen und sind wir dann bei den praktischen Problemen angekommen: das Analysieren von höheren Partiezahlen kostet wahnsinnig viel Zeit und so würde ich empfehlen diese Funktion nicht zum Erkennen von Cheating zu verwenden, sondern um einen Blick auf die eigenen Partien und Fehler zu werfen. Folgende Informationen werden in die einzelne Partie gespeichert:

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Ehrlicherweise muss man sagen, dass hier andere Anbieter in der Umsetzung und optischen Aufbereitung der Daten ChessBase weit voraus sind und ich die aktuelle CPL bei ChessBase 16 nur als Anfang in den Einstieg in die statistische Auswertung eigener Partien werten kann und hoffe, dass spätere Versionen oder sogar schon Updates hier mehr und bessere Informationsaufbereitung bieten.

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Da muss noch viel nachgebessert werden, da liegt noch viel Arbeit vor ChessBase und da ist man der Konkurrenz meilenweit hinterher. Aber die können das schon schaffen ?!

Erkennung von PGN-Downloads

Eine witzige Arbeitserleichterung oder doch etwas Nerviges? Läuft ChessBase 16 und man lädt eine PGN-Datei herunter, dann wird die automatisch in ChessBase geöffnet. Aktuell funktioniert da noch nicht für FEN – aber vielleicht findet das auch noch via Update ins Programm. Vielen wird die Funktion gefallen, aber manche könnte es auch stören und daher wäre auch hier eine Option zum Abschalten für die Puristen nicht schlecht und wohl auch nicht zu aufwendig.
Viele kleine Verbesserungen

Bei Raytracing gab es ein paar kleine Änderungen. In der letzten Version wurde das noch als Neuerung angepriesen, aber es ist für viele User maximal eine schöne Spielerei. Leider nutzt ChessBase hier nicht die Möglichkeiten, die teurer Highendgrafikkarten ermöglichen würden, aber das hat den Vorteil, dass man mit etwas Geduld auch auf einem schwachen Rechner mal ein Bild oder eine kurze Videosequenz erstellen lassen kann. Aber lassen wir dazu nochmal den zuständigen Programmierer Jeroen Van Den Belt zu Wort kommen.

Video “Raytracing”
Sprache Deutsch – Dauer 8:25

Eine nette Neuerung versteckt sich beim Entkommentieren von Datenbanken.

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 Konnte man bisher nur wählen, ob man den Kommentar zum letzten Zug erhalten möchte, kann man nun eine Vielzahl von Optionen checken.

Natürlich gibt es noch weitere Funktionen in ChessBase 16 zu entdecken, aber die Krennwurzn interessiert sich nicht für alle Funktionen oder aber sie hat diese schlicht und einfach übersehen.

Gibt’s auch was zu meckern?

Könnte die Krennwurzn als gelernter Österreicher – ja sogar OBERösterreicher - nicht raunzen, müsste man sich wirklich große Sorgen machen. Aber keine Angst kein menschliches Werk wird jemals perfekt sein, denn sogar die Krennwurzn scheitert täglich oder sekündlich an der Perfektion.

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Perfekt hingegen ist nur die Ungeduld der Krennwurzn und obwohl die Hamburger laufend an der Datenbankgeschwindigkeit schrauben, ist diese immer noch nicht schnell genug um Ergebnisse in Krennwurznwunschgeschwindigkeit zu liefern. Dennoch habe ich mit Blick auf die Parallelisierung und den Taskmanager das Gefühl, dass hier noch immer sehr viel Luft nach oben vorhanden wäre.

Fazit der Krennwurzn

CB16 ist eine konsequente Weiterentwicklung der Vorgängerversionen mit ein paar wirklich netten Neuerungen, und zeigt, dass sich die Hamburger tagtäglich neue Gedanken über Schach und Schachdatenbanken machen.

Was mir neu gut gefiel:

+ Eröffnungsübersichten und mit Suchtpotential
+ Neuerungen schürfen (Novelty Mining) im LiveBuch
+ Suche nach typischen Taktikstellungen in einer Eröffnungsvariante
+ Die neue Partienotation: Faltung und Partieverweise (endlich)
+ Livedatenbanken: Theorie, Taktik, laufende Turniere
+ Neuer Chat auf Playchess mit Video/Audio
+ Kleine Verbesserungen und
+ wenig optische Veränderungen zur Vorversion

Was mir noch fehlt:

- Vereinigung von ChessBase und Fritz GUI (Grafische Benutzeroberfläche)
- oder zumindest ein einheitliches Aussehen im Übertragungsbereich
- Zusammenstutzen und Vereinheitlichung des Angebotes (Jäten)
- Schreibweise verbessern und Spielerlexikon haben auch noch Potential
- individuelle Anpassungsmöglichkeiten in der Ribbon Button Leiste
- Übersicht über alle Einstellungen, Abos, ... in einem Report (html)
- Zentibauernverlust-Analyse (CPL) userfreundliche Aufbereitung
- Besseres Ausnutzen der schon gespeicherten Informationen
- Firmeneigenes Supportforum

Und dennoch bitte nicht vergessen – aber sie werden es ja schon gemacht haben und nicht hier sinnlos Zeit vertrödelt haben:

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Corona nervt und Weihnachten steht vor der Tür,
also gönnen Sie sich was für sich und Ihr Hobby!

Ein ehrliches Wort zum Abschluss: oft wird die Krennwurzn gefragt: ich habe ChessBase Version xy soll ich auf die neue Version update. Haben Sie ChessBase 11 oder früher in Verwendung lautet meine Antwort UNBEDINGT JA. Ab ChessBase 12 lautet die Antwort auch immer JA, aber es gibt zwei Einschränkungen: Ihnen geht es wirtschaftlich gerade nicht so gut oder Sie haben keine Freude an etwas Neuem. Denn wie eingangs gesagt: Fast niemand braucht ChessBase 16 wirklich, aber es ist für viele eine persönliche Freude und damit ein Geschenk an sich selbst! Ja und Programmierer möchten ihren Lieben auch das eine oder andere Päckchen unter den Weihnachtsbaum legen können – auch in diesen schwierigen Coronazeiten.

Systemanforderungen ChessBase 16 – Herstellerangaben

Minimum: Dual-Core, 4 GB RAM, Windows 7, DirectX11 Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetverbindung (Aktivieren des Programms, ChessBase Cloud und Updates).

Empfohlen: PC Intel Core i7, 2.8 GHz, 16 GB RAM, Windows 10, DirectX11 Grafikkarte (oder kompatibel) mit 512 MB RAM oder mehr, 512 GB SSD, Windows Media Player, Adobe Flash Player (Live-Übertragung), DVD-ROM Laufwerk, Full-HD Monitor und Internetverbindung (Aktivieren des Programms, ChessBase Cloud und Updates).

Internet: Info und Shop www.chessbase.de

Kleingedrucktes (nicht lesenswert)

Lob, Geschenkkörbe, Weinflaschen und Sympathiebekundungen per Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kritik, Beschwerden, Unmutsäußerungen bitte nur an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – aber bitte nur bezüglich des Programms, nicht aber über die Krennwurzn – dafür können die Hamburger nun wirklich nichts!

Ich lege auch eine pdf-Version zum Download bereit – wer ganz erzürnt ist, bitte ausdrucken und ganz genüsslich ganz heftig klein zerreißen und dann gemütlich hinsetzen und ein gutes Glas österreichischen Rotwein trinken! Und natürlich CB16 mit Genuss und dem guten Gefühl kaufen, dass die Krennwurzn keinen Cent Provision erhält!

Danksagung

An jene Leser, die es so weit geschafft haben und noch nicht eingeschlafen sind!

Und zu guter Letzt an ChessBase Hamburg für die Bereitstellung der Betaversionen und der Geduld mit der Krennwurzn!

Und das Logo in voller Größe, denn das ist wirklich geil!

CB16

 

 

Werdertigers Cup 2.0 - noch einige Plätzchen frei!
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Ein kleines Update zum Werdertigers Cup 2.0 - die Anmeldefrist wurde verlängert bis Mittwoch, und Ihr könnt noch einsteigen, wenn Ihr möchte!

Das Teilnehmerfeld ist attraktiv in der Tat, starke SpielerInnen durch die Bank, und wenn auch sonst in der Welt vieles gloomy aussieht, hier erwarten uns viele spannende, kurzweilige und corona-vergessene Matches, immerhin.

Teilnehmer

Turnierseite

Wir freuen uns auf Euch. Gleich anmelden, gleich anmelden!

Feuer frei! Angriffsstrategien für Vereinsspieler
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Das neue Buch von Michael Prusikin. 

Profitieren von neuen Angriffsideen

Mit „Feuer frei!“ unterstützt Michael Prusikin seine Leser bei der Verbesserung der eigenen Mustererkennung – der Voraussetzung für ein erfolgreiches Schachspiel. Lernen Sie Ihre Angriffe sauber und zielstrebig zu verwirklichen.

Die Themen reichen von „König in der Mitte“ über „Bauernsturm“ bis hin zu „Gleichseitigen Rochaden“ mit dem „Springerfeld f5“. Das abschließende Testkapitel ermöglicht dem Leser, seinen Wissensstand zu überprüfen.

„Feuer frei!“ eignet sich für nahezu jeden Vereinsspieler. Der Autor wendet sich vornehmlich an eine breite Zielgruppe mit einer Wertungszahl zwischen 1500 und 2300+.

Schachreisen-Verlag 2020, 196 Seiten, deutsch, 24,90 €,

Derzeit im Druck! Die Lieferung erfolgt ca. Mitte Dezember. Jetzt versandkostenfrei im Shop vorbestellen!


Mit einem Vorwort von Ex-Fideweltmeister Alexander Khalifman!

Großmeister Michael Prusikin rangiert mit einer Elozahl von 2550 unter den besten deutschen Spielern. Taktik und Angriffsschach prägen seinen Spielstil.

Zu seinen größten Erfolgen zählen der geteilte 1. Platz bei der Deutschen Meisterschaft 2009 sowie der geteilte 1. Platz bei den fränkischen Großmeistertagen 2006. Als Trainer verhalf er diversen Spielern und Spielerinnen zu internationalen Titeln. Zu seinen langjährigen Schülern zählen GM Leon Mons, IM Matthias Dann, IM Franz Bräuer, IM Julian Jorczik, WGM Hanna Marie Klek und FM Jana Schneider. 2018 wurde ihm der Titel des FIDE Senior Trainers verliehen.

Cover komplett 300

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von A. Khalifman

Einführung

Voraussetzungen und Regeln für den Königsangriff

Kapitel 1: König in der Mitte

Kapitel 2: Hemmungsopfer

Kapitel 3: Damenloser Königsangriff

Kapitel 4: Bauernsturm bei entgegengesetzten Rochaden

Kapitel 5: Bauernsturm bei gleichseitigen Rochaden

Kapitel 6: Steinitz-Rammbock – mit dem h-Bauern gegen das Fianchetto 

Kapitel 7: Aljechin-Rammbock – mit dem g-Bauern gegen h6/h3

Kapitel 8: Sargnagel

Kapitel 9: Doppelbauern g7+g6 – pro und contra

Kapitel 10: Figurenangriff auf die Rochadestellung

Kapitel 11: Grand-Prix-Plan

Kapitel 12: Tschigorin-Vortrab – Sf5 um jeden Preis

Kapitel 13: Langer Läufer b2

Kapitel 14: Absperrung

Kapitel 15: Durchbruch im starken Punkt

Angriffstest

Lösungen

Meister Buchal, hier beim Europapokal in Skopje, 2015
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14. November 2020

Bumm Bumm Buchal

Los ging es am vergangenen Donnerstag mit dem Werder WoBli Wochenblitzturnier, auf dass es an insgesamt acht Spieltagen den frühen Winter hindurch unsere ausgekühlten Schachseelen wärmen möge. Bis zu 15 Spieler tummelten sich im Feld der ersten Runde, um sich im Arena-Modus "Jeder gegen jeden, so wie es gerade passt" für 90 Minuten ineinander verkeilt möglichst viele Punkte zu ergattern.

Eindeutiger Hirsch auf dem Platz war von Anfang an FM Stephan Buchal, der mit Umsicht und der bei einer Bedenkzeit von 5 + 3 gebotenen Schnelligkeit ungeschlagen blieb. Mit drei Punkten Vorsprung entschied Stephan den Wettbewerb für sich, gefolgt von Anton Strodthoff und Olaf Steffens, die beide - wie hätte es anders sein sollen - im direkten Duell mit Turniersieger Buchal das Nachsehen hatten.

Steffens Buchal
Steffens - Buchal: nix für schwache Nerven (Diagramm: Lichess)

Ab 19:30 Uhr konnte man kommen, wann man wollte, das Turnier verlassen, wann man wollte, zwischendurch etwas Schach spielen und im Chat munter miteinander koexistieren - eine schöne Veranstaltung, so für den Abend mit Schachfreunden!

Nächste Woche heißt es am Donnerstag um 19:30 Uhr erneut "Faites votre jeux" (oder so), und wer will, kann aus nah und fern gerne mit dabei sein.
Zu gewinnen gibt es sagenhafte Preise für die Besten der achtrundigen Gesamtwertung, bei Jugend, Senioren, Damen, Gesamt - allenthalben lockt unter anderem die formidable Hachez Stadtmusikantenschokolade!

bremen schoko
Da ist sie wieder - die Bremer Schokolade der Herzen!

SchuhschautSchach: Unconventional Approaches to Modern Chess 1
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Eine Rezension von IM Dirk Schuh, März 2019

Ich bin immer wieder überrascht, wieviele interessante Möglichkeiten es im Schach gibt. Für mich war das Jahr 2004 dabei eine Offenbarung, als ich den ersten Teil der "Schach ohne Scheuklappen"-Reihe von New in Chess in meinen Händen hielt. Darin wurden Nebenwege in der Eröffnung aufgezeigt, die auf der einen Seite abwegig erschienen, aber auch oft einiges an Gift enthielten und den Gegner zum eigenständigen Denken zwangen. Ich war sofort begeistert und ab sofort war das jeweilige Eintreffen des neuen der dann insgesamt 14 Bände für mich wie ein Fest. Darum wurde ich auch sofort hellhörig, als "Unconventional Approaches to Modern Chess Volume 1" vom ukrainischstämmigen Großmeister Alexander Ipatov bei Thinkers Publishing angekündigt wurde. Nun halte ich es in meinen Händen und fühle mich ein wenig wie vor 15 Jahren.

Der Autor ist mir schon vorher aufgefallen, da er manchmal wie ich keine große Lust auf zu großen Theorieballast zu haben scheint und dann einfach früh eigene Wege einschlägt. Zum Beispiel war für mich seine Partie gegen GM Samuel Shankland aus Saint Louis von 2018 ein großer Spaß, als er nach 1.d4 einfach Sa6 spielte und dann nach 2.c4 mit e5 3.dxe5 d6 einen Bauern opferte und gegen den mittlerweile 2700er ein Remis erreichte, wobei sogar mehr drin war. Diese Partie ist natürlich auch in dem Buch enthalten und in kommentierter Form sogar noch unterhaltsamer.

Unconventional Approaches

Aber worum genau geht es jetzt in diesem Werk? Der Autor zeigt 33 Eröffnungsideen für Schwarz, nach denen dem Gegner nicht nur recht wahrscheinlich die Kinnlade herunterklappt, sondern mit denen Schwarz auf kreative Art und Weise Gewinnchancen generieren kann. Wichtig ist ihm dabei aber, dass er nicht jede Idee als perfekt darstellt, sondern auch genau zeigt, worin jeweils die Risiken liegen. So weiß der Leser später recht gut, worauf er sich einlässt. Schön finde ich auch, dass kein festes Eröffnungsrepertoire für Schwarz gezeigt wird, sondern verschiedenste Ideen besprochen werden, aus denen man sich dann das heraussuchen kann, was einem gefällt. Es beginnt darum zuerst auch mit gängigen Eröffnungen, in denen er neue Wege zeigt, die man in sein vorhandenes Repertoire als Überraschung einbauen kann. So wird zum Beispiel gegen die Spanische Eröffnung unter anderem die Norwegische Verteidigung nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 b5 5.Lb3 Sa5 analysiert. Das sieht komisch aus, aber wenn Weiß ungenau spielt, holt sich Schwarz einfach das Läuferpaar und hat einen langfristigen Vorteil. GM Ipatov zeigt jetzt zuerst, was passiert, wenn Weiß mit 6.Sxe5 oder 6.Lxf7 versucht, die Variante zu widerlegen und kommt dann langsam zur kritischen Variante nach 6.0-0 d6 7.d4 Sxb3 8.axb3 f6, in der Schwarz ein wenig aufpassen muss, dass sich die Stellung nicht zu sehr öffnet, wonach sin Entwicklungsnachteil zum Problem werden kann. Aber all diese Probleme werden angesprochen und Lösungsansätze aufgezeigt. Selbst mögliche Neuerungen für Weiß und Schwarz werden antizipiert und eingearbeitet. Bei bestem Spiel von Weiß sieht er Probleme für Schwarz beim Spiel auf Gewinn, aber ein überraschter Gegner hat einige Möglichkeiten fehlzugreifen und er gibt jeweils mehrere Ideen für Schwarz an, wenn dies möglich ist, damit man flexibel bleiben kann.

Umfassender sind aber die "Systeme", bei denen er quasi jeweils komplette Schwarzrepertoires gegen 1.d4, 2.c4 analysiert. Dabei wird auch endlich mal das Malakhovsystem näher erläutert, das nach 1.d4 g6 2.c4 Lg7 3.Sc3 e6 entsteht und nach zum Beispiel 4.e4 Se7 5.Sf3 mit d5 seine typische Struktur offenbart. Als ich das zum ersten Mal in einer Partie sah, dachte ich nur, was denn der Mist soll, aber mittlerweile haben sich schon einige Großmeister, natürlich auch der Autor, daran versucht und es ist nicht so einfach zu knacken. Schwarz überlässt Weiß nach hypermoderner Manier das Zentrum, um es dann mit d5 zu attackieren und so Gegenspiel zu erhalten. Die Schwächung der schwarzen Felder am Königsflügel ist allerdings nichts für Ästheten. Das System ist schon recht alt, kam aber erst in den letzten Jahren in Mode und bietet darum noch viel Raum für frische Ideen. Auch hier bleibt der Autor aber objektiv und gibt zu, dass Weiß mit 4.Sf3 Se7 5.h4 recht unangenehm fortsetzen kann. Zwar hat er auch hier Ideen für Schwarz, aber Weiß hält wohl etwas Vorteil, was aber natürlich vertretbar ist und von den meisten normalsterblichen Schachspielern auch nicht zwingend umgesetzt werden kann. Weiß kann natürlich auch 1.d4 g6 2.e4 spielen, aber hierzu gibt es auch Material, zum Beispiel Lg7 3.Sc3 und jetzt einfach d5, das auch schon bei "Schach ohne Scheuklappen" vorkam.

Am Schluss des Buches gibt es dann noch einige Eröffnungen, in denen Schwarz früh mit g5 oder anderen Zügen fernab der Schablone agiert, siehe auch die oben genannte Shanklandpartie. Hier wird natürlich auch die phantastische Partie Aronian-Kramnik aus dem Kandidatenturnier 2018 analysiert, in der Schwarz nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 Lc5 5.Lxc6 dxc6 6.0-0 De7 7.h3 mit Tg8 und einem Bauernsturm den Weißspieler überrollte.

Seine Kapitel hat der Autor recht gut aufgebaut. Er bespricht meist Partiefragmente , in denen viele Textkommentare wie auch Analysevarianten und andere Partiefragmente enthalten sind. Die Partien stammen teils von ihm, aber auch vielen noch bekannteren Großmeistern. Vor allem Magnus Carlsen, der ebenfalls gerne mal experimentiert, ist hier häufig vertreten.

Insgesamt bietet das Buch ein tolles Buffet an interessanten Eröffnungsvarianten, mit denen man Weiß überraschen kann. Die Darstellung ist sehr gut, sodass man viele Varianten schnell in ein bestehendes Repertoire einpflegen kann, ohne großartig weiter daran feilen zu müssen. Zudem sieht man hier einmal mehr, wie abwechslungsreich Schach noch immer sein kann. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung!

IM Dirk Schuh

Unconventional Approaches to Modern Chess 1 bei Schach Niggemannbei Schach Niggemann

 

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Moinmoin, und bis bald (irgendwann haben wir es geschafft, mit Corona!)

Olaf