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Diese Wüllenwebers (Folge 17 – FAT ROCKY)
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Alle zwei Jahre wieder kommt in der Vorweihnachtszeit in der hanseatischen Telenovela „Diese Wüllenwebers“ ein Sohn namens Fritz auf die Welt und bekommt einen Rufnamen damit man die Söhne unterscheiden kann. 2017 erblickte Fritz 16 „Vincent aus Goch“ das Licht der Welt. Zwar kam er mit kompletten Ohren ausgestattet auf die Welt, war aber gegen die immer brutaleren Schachengines ein blasser, wenn auch kunstliebender Schwächling als Gegner. Diese Brutalos tragen sogar oftmals das ZERO – also das was sie dem Gegner vom Punktekuchen überlassen wollen – im Namen.

Der schon in Würde ergraute Bruder „Dieb Edi“ – der letzte Weltmeister der Familie Wüllenweber - warf nun ein, dass man es doch einmal mit einem anderen Ansatz versuchen sollte und die Familie Wüllenweber stellte die Ernährung und das Fitnessprogramm komplett um. Und da man in der heutigen Zeit alleine eigentlich keine Chance mehr auf Erfolg hat, sondern ein starkes Team für diesen braucht, holte man sich auch das „Open Source Project LCZero“ mit an Bord.

Und so erblickte Fritz 17 „FAT ROCKY“ das Licht der Welt um endlich wieder im Konzert der ganz Großen mitspielen zu können. Die Fans warten schon gespannt, ob „FAT ROCKY“ zuerst Prügel wie verrückt bekommt und am Ende dennoch überraschend siegen wird…

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Um FAT Fritz zu entfesseln muss man ordentlich in die Hardware investieren. Um die KI Funktionalität voll nutzen zu können, braucht man eine Grafikkarte von NVIDIA mit RTX-Turingchip (ab RTX 2060 – besser RTX 2080). Finanziell bewegt man sich da bei 500 Euro aufwärts für die Grafikkarte, muss aber bedenken, dass diese 250 Watt zusätzlich vom Netzteil zieht und daher auch das Netzteil des Computers etwas stärker sein sollte und auch das Gehäuse entsprechend geräumig, um die Karte unterzubringen und vernünftig kühlen zu können.

Neuronale Engines verlangen auch nach einer neuen Bewertungsanzeige, denn obwohl die Stellung nur 1,0 oder = sein kann, können auch die modernsten Engines auf den stärksten Computersystemen diese Information nicht mit definitiver Sicherheit bereitstellen und müssen daher logischerweise Wahrscheinlichkeiten ausgeben, die ChessBase wie folgt aufbereitet:

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 Die Krennwurzn ist noch nicht sicher, ob sie sich so einen „Zecherlwärmer“ leisten sollte oder doch lieber schön brav CO2-sparsam durch die Schachwelt (blind)schleichen sollte. ChessBase hat sich wohl still und heimlich vom Engineautor Vasik Rajlich getrennt, liefert aber eine neue herkömmliche Engine von Frank Schneider mit Fritz 17 aus. Selbstverständlich kann man auch den klassischen Stockfish (ebenfalls im Lieferumfang enthalten) und jede andere UCI-taugliche Engine ohne neuronale Netze verwenden wie bisher.

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In meinem Beta-Paket war die FAT FRITZ Engine nicht dabei und daher kann ich zur tatsächlichen Spielstärke nichts sagen. Persönlich finde ich Spielstärken von Engines nur mehr mäßig interessant, aber das ist ein anderes Thema.

Leider gibt es aber noch einen zweiten Grund für die RTX. ChessBase hat die 3D Raytrace Ausgabe überarbeitet und nun wird im Gegensatz zu CB 15 die Berechnung direkt durch die Grafikkarte unterstützt, was wohl viel schneller und besser funktionieren dürfte. Naja Weihnachten steht vor der Tür und die Krennwurzn – das wissen Sie ja -ist dem Genuss nicht ganz abgeneigt.

Was gibt es noch Neues? Konnte man bisher Eröffnungsrepertoires und -bäume erstellen, so wurde diese Funktion jetzt um eine webbasierte Onlineversion ergänzt. Mit dem eigenen ChessBase Account kann man sich auf der Webseite mymoves.chessbase.com einloggen und damit auch ohne Computer und Fritz 17 trainieren und arbeiten.

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Die Gedächtnisleistung der Krennwurzn wurde vom System korrekt erkannt und auch dass sie undrillbar oder korrekter unbelehrbar ist, könnte man herauslesen. Eine Neuerung dieser Funktion ist, dass nun fertige Repertoires in mehreren Stufen mitgeliefert werden und man sich nicht die Mühe machen muss, selbst etwas zu erstellen, sondern ganz einfach mal etwas in einer Eröffnung schnuppern kann.

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Wie so oft bei ChessBase in den letzten Jahren kommen neuere Funktionen dazu, aber niemand findet den Mut alte, nicht mehr so aktuelle Funktionen zu streichen. Dies führt gerade hier im Eröffnungsbereich zu einer Userverunsicherung und -überlastung. Schön ist, dass das eigene Repertoire im Livebook individuell hervorgehoben wird. Der Farbcode - „Blau = Zug gehört zu Ihrem Weißrepertoire; Grün = Zug gehört zu Schwarzrepertoire; Türkis = Zug wird mit beiden Farben gespielt – ermöglicht ein schnelles erkennen, ob eine Partie eröffnungstheoretisch für den User interessant sein könnte.

Zusätzlich kann man mit der Drillfunktion sein Eröffnungswissen vom Programm abprüfen lassen und damit erlernen – eine schöne Funktion, aber leider liefert ChessBase nicht die dafür nötige Zeit mit. Die Funktionalität steht natürlich auch ganz klassisch unter der Fritz 17 GUI zur Verfügung, aber die Daten werden zeitgeistlich in der Cloud gespeichert. Leider ist die Editierbarkeit noch nicht ganz so leicht, wie man sich das als User wünschen würde. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen – ChessBase liefert ja laufend Updates für die Produkte und Services.

Eine weitere Neuerung ist „Blitz & Train“. Man kann aus den eigenen am Server gespielten Partien Trainingsfragen generieren lassen und so eigene oder auch fremde Fehler in den Partien sichtbar machen. Diese Funktion kam relativ spät dazu und steckt daher noch etwas in den Kinderschuhen wie folgendes Beispiel wohl am besten zeigt:

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Die Aufforderung an Schwarz Matt zu drohen ist schon etwas skurril, denn die Drohung Dxf2 mit folgendem Matt ist ja schon am Brett und wird durch den Lösungszug …Tf7 bei wohlwollender Sichtweise nicht aufgehoben, sondern nur erneuert. Abgesehen von diesen kleinen Kinderkrankheiten ist die Funktion ganz hilfreich, denn man kann schnell und einfach aus den eigenen Partien ein individuelles Taktiktraining generieren: und Training schadet bekanntlich auch dem größten Talent nicht.

Natürlich wurden an vielen anderen Stellen des Programms kleine oder größere Verbesserungen vorgenommen, das würde aber den Rahmen dieses kleinen Überblicks sprengen und wenn Sie schon alles lesen könnten und würden, dann verlören Sie ja die Freude am Entdecken.

Was ist schlecht am neuen Fritz 17 und was fehlt? Traditionell nervt angestammten ChessBase User wie die Krennwurzn nun mal eine ist, dass manche Funktionalität bei Fritz etwas anders funktionieren als bei ChessBase. Fritz unterscheidet beispielsweise zwischen Engine und Kiebitz und das kann bei unaufmerksamer Bedienung dazu führen, dass man im Kiebitzmode verzweifelt versucht das Let’s check Fenster zu öffnen und scheitern muss, da dies nur im Enginemode möglich ist. Es gibt noch viele, viele andere Beispiele gerade im „Playchess-Mode“ auch bei Übertragungen. Eine Vereinheitlichung oder gar eine Vereinigung von Fritz- und ChessBase Oberfläche ist ein schon oft geäußerter Wunsch der Krennwurzn und ich bin mir sicher, da stimmen viele andere User auch zu.

Kann im Fritz-Universum abgesehen von manchen ChessBase Funktionen überhaupt noch was fehlen – oder gibt es gar schon zu viel? Der über die Jahrzehnte immer angewachsene Funktionsumfang ist wie schon oben geschrieben nicht immer ein Segen. Aber es ist immer leichter Funktionen zu streichen, die man selbst nicht verwendet, aber man vergisst dabei leicht, dass es User geben könnte, die genau diese Funktion schätzen und lieben.

Wirklich fehlt ein Engineerklärer. Wenn man ganz unromantisch ehrlich zu sich selbst ist, dann spielt die Stärke einer Engine keine große praktische Rolle mehr. Nicht nur für uns Patzer – und wir sind die zahlende Mehrheit der Schachwelt – sondern auch schon für die Topspieler sind die Maschinen mit ihren Erkenntnissen uns Menschen schon längst uneinholbar enteilt. Daher brauchen wir eine neue Enginebewertung! Nicht nur weg von den altbewährten aber oftmals wenig aussagekräftigen Bauerneinheiten zu Gewinnwahrscheinlichkeiten oder genauer zu Ergebnisvorhersagewahrscheinlichkeiten (1,0 oder = mit welcher Wahrscheinlichkeit). Da diese Information aber für uns Menschen auch nicht wirklich ausreicht, bräuchten wir eine Wahrscheinlichkeitsangabe dafür, dass ein Mensch den „Maschinenzug“ noch finden und vor allem verstehen kann.

Fehlt uns so ein Werkzeug, so werden wir als Fans immer hilflos aufheulen, wenn „unser Star“ den gewinnbringenden, rettenden, usw…binnen Sekunden aufpoppenden Enginezug nicht spielt. Da wir logischerweise nicht das Schachverständnis der Topleute haben können, brauchen wir Anhaltspunkte, was diese Leute noch sehen könnten und was einfach jenseits der menschlichen Leistungsfähigkeit liegt. Hier könnten uns statistische Methoden, die auch zur Cheatererkennung eingesetzt werden im Zusammenspiel mit starken Engines sicherlich helfen, denn Engines sind Werkzeuge und der Mensch hat schon immer Werkzeuge genutzt! Denn nur immer stärkere Engines werden uns zwangsläufig immer ratloser zurücklassen.

Fazit:

Die Krennwurzn hat in den letzten Rezensionen immer ehrlich gesagt, dass man das ChessBase-Produkt nicht wirklich braucht, man es sich aber ohne schlechtes Gewissen ruhig gönnen darf und sollte! Nun diesmal möchte die Krennwurzn weitergehen:

„FAT ROCKY“ ist ein Pflichtkauf!!

Ob man in eine Grafikkarte und Netzteil investieren sollte, darüber bin ich mir selbst noch nicht im Klaren – eigentlich nicht des Geldes wegen, sondern weil ich dann doch viel Energie für eigentlich wenig Nutzen verbraten würde …

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Schaut man sich die Maximalwattleistungen guter Schach-PCs an, so liegt die meist um die 300 Watt und das würde eine 250 Watt Grafikkarte beinahe verdoppeln und ein bisher wenig ausgelastetes 600 Watt Netzteil manchmal an seine Grenzen bringen. Aber bitte nicht weitersagen –die Krennwurzn wird schon schwach werden, wenn die maximale Wattleistung der Turingchipskarten von derzeit um die 250 Watt in Richtung 150 Watt sinken werden. Und das ist gar nicht so unrealistisch wie es aktuell klingen mag …


SYSTEMVORAUSSETZUNGEN FRITZ 17 (Herstellerangaben)

Minimum (ohne Raytracing und FatFritz):
Dual Core, 2 GB RAM, Windows 7 oder 8.1, DirectX11, Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM-Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetzugang.

Empfehlung:
PC Intel i5 oder AMD Ryzen 3 (Quadcore), 8 GB RAM, Windows 10 mit 64-Bit (aktuelle Version), NVIDIA RTX-Grafikkarte mit 6 GB Speicher und aktuellen Treibern (FatFritz auf älteren NVIDIA Karten oder anderen Grafikkarten: deutliche Performanceverluste, auf CPU nur zu Demozwecken lauffähig) , Windows Media Player 11, (DVD-ROM Laufwerk) und Internetzugang.

Systemvoraussetzungen für ChessBase Account:
Internetzugang und aktueller Browser, z.B. Chrome, Safari. Für Windows, OS X, iOS, Android


Offenlegung:

Danke an ChessBase Hamburg für die Zurverfügungstellung der Betaversionen! Das finale Fritz 17 Paket habe ich mir dann selbst gekauft.

Bundesliga: Nordgipfel und Simultan
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Liga-Highlight im Bremer Kaffeequartier am Samstag, 23.November: mit acht Mannschaften aus der ersten und zweiten Bundesliga ist Bremen Ausrichter eines veritablen "Nordgipfels", bei dem es für alle Schachfans reichlich, reichlich viel zu sehen geben wird!

Zu Gast an der Weser sind:

- aus der Bundesliga: Aufsteiger SV Lingen, Vizemeister SG Solingen, der SV Mülheim Nord und als Ausrichter der SV Werder Bremen
- aus der Zweiten Bundesliga: der FC St.Pauli, der Hamburger SK 2, Turm Kiel 2 sowie auch hier als Ausrichter der SV Werder Bremen 2

Kommt vorbei und unterstützt das (Nord-) Team Eurer Wahl - die Auswahl ist groß.

Ort: Kaffeequartier Kantine, Lloydstraße 4-6, Bremen-Überseestadt
Eintritt 6,-€/ ermäßigt 3,-€, und für Schachfans im grün-weißen Werder-Dress (Oberteil) sowie Mitglieder unserer Schachabteilung natürlich umsonst. Die Begegnungen werden live vor Ort kommentiert. Wir freuen uns auf Euren Besuch!

Am Freitag abend, 22.November, lädt die Schachabteilung des SV Werder ein zu einem Leckerbissen an zwanzig Brettern: zwei renommierte Werder-Großmeister werden sich mutig in den Ring begeben und gegen ein aus vielen Bremern formiertes All Star Team im Simultanspiel antreten. Nach einer kleinen Partienschau ab 18 Uhr werden die Spiele gegen 19:15 Uhr beginnen.

Einer der beiden Meister ist der britische Spitzenspieler Luke McShane, der bereits seit 20 Jahren mit viel Erfolg die grün-weißen Farben vertritt und im Weltschach unter anderem Levon Aronian als auch Magnus Carlsen bezwingen konnte. Beide Simultanspieler werden abwechselnd durch den Parcours wandern und ohne Absprache miteinander versuchen, gemeinsam die besten Pläne gegen Team Hansestadt auszutüfteln. Ob es gelingt?

Vor zwei Jahren waren die tschechischen Großmeister Zbynek Hracek und Vlastimil Babula bei einer ähnlichen Veranstaltung erfolgreich, und allein Thorsten Ahlers, seines Zeichens 2.Vorsitzender des Landesschachbundes, konnte die Meister mit dem sehr schönen Zug 1.b2-b4! aus dem Konzept bringen und besiegen. Gut gemacht! Wir sind gespannt, was sich in diesem Jahr ereignen wird und freuen uns auf unsere Gäste.

Noch Plätze zu vergeben! - Zwei Plätze im All Star Team verlosen wir unter den Teilnehmern des Monatsblitzturniers und interessierten Werderanern am 07.November.

Zuschauer sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.
Ort: Hemelinger Straße 17, Bremen, Werder Vereinsheim. 1.Etage

Olaf Steffens
SV Werder Bremen Schach Bundesliga

Wahlspruch der niedersächsischen Schachjugend
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Jüngst fand sich in Bremen die Schachjugend des Landes zusammen, um unbeeindruckt vom übrigen Weltgeschehen und eines fantasmagorischen 6:2 - Heimsiegs des HSV ihre Schnellschachmeister der U10, U12, U14 und U (alle weiteren Zahlen) in der gebotenen sportlichen Freundschaft zu ermitteln. Rund 50 Youngster waren dem Ruf von Turnierleiter Dennis Webner gefolgt und machten sich um zehn Uhr in der Gesamtschule Mitte bereit, ihre ersten Schachzüge erfolgreich aufs Brett zu feuern.

Sieben Runden waren zu spielen, hübsch getaktet und ohne große Pausen, und es blieb ausreichend Zeit für einen oder auch zwei, wenn nicht sogar drei Besuche am sehr schönen und beinahe opulenten Büffet, das von einigen Eltern kredenzt und für faires Geld feilgeboten wurde.

Ausrichter der Veranstaltung war der SV Werder Bremen, und dies sozusagen in Gestalt der neuen Jugendwartin Caroline Detjen, die in umsichtiger Detailarbeit zusammen mit der Bremer Schachjugend (BSJ) ein wunderbares Org-Team ins Leben gerufen hatte.
Brettschiedsrichter, Aufbauhelfer, Turnierleiterassistenten, Catering und Kaffee - das alles lief sehr rund bei Carolines erstem Turnier, ein großes Kompliment dafür!, und mit einem "Wir kommen gerne wieder" dankte auch alsgleich Dennis Webner als Repräsentant der BSJ.

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     Ohne die Turnierleitung geht nichts: Dennis Webner und Hayo Hoffer vom Bremer Landesverband

Gespielt wurde an 27 Brettern, wenn auch nicht während der gesamten Zeit. Die jüngsten der jungen Leute wissen auch in zwanzigminütigen Schnellpartien bereits innerhalb weniger Minuten eine Entscheidung herbeizuführen und eilen dann mit oder ohne Punktgewinn hinaus zum Fußball, zur Analyse, zum Büffet oder zur Vorbereitung der kommenden Runde - oder auch zu allem gleichzeitig.
Wir Älteren, was sind wir doch manchmal behäbig, unentschlossen, vorsichtig! Vor einigen Jahren überlegte ich bei einem niedersächsischen Open in Verden fünf Minuten an meinem ersten Zug, während am Nebenbrett die Figuren schon nur so hin-und herflogen, abgetauscht wurden, sich zu Mattdrohungen formierten - ich machte meinen ersten Zug, und mein junger Nebenmann stand bereits auf Verlust.

Konsequente Jugend - man kann seine Zeit ja schließlich auch anders verbringen als mit langen Schachpartien. Schnell sein war also die radikale Devise einiger Debütanten auch jetzt beim Bremer Schnellschach, und so waren nach gut acht Minuten oft nur noch zwei Drittel der Bretter besetzt. Sei's drum!

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    Auch am Serviceschalter waren Nachwuchskräfte zu finden

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       Die Schachjugend, wo hat sie sich verborgen?

Jugend kombiniert

Andernorts im Turniersaal wurde nicht intensiver, gleichwohl aber langwieriger gerungen, und am meisten natürlich an den vorderen Brettern. Hier, weit vorne, dominierte viele Runden lang die einst für die Mongolei spielende neunzehnjährige Kirchweyher Nachwuchskraft Nomin-Erdene Davaademberel (ich gebe gerne zu, dass ich ihren Namen aus dem Turnierbericht der BSJ einfach herüberkopiert habe).

Nomin-Erdene ist bereits eine veritable Internationale Meisterin und hat eine ELO von 2415, was beachtlich und gewaltig ist. Ich beispielsweise bin ungefähr mehr als doppelt so alt, und es wäre ein Irrtum zu glauben, dass meine ELO daher auch doppelt so hoch sei - eher im Gegenteil. Wie machen das die jungen Leute nur?

Zum Glück weilte ich nur als kaffeesierender, salatverzehrender und zitronenkuchentestender Zuschauer vor Ort, so dass ich einem direkten Aufeinandertreffen mit der starken Nomin-Erdene zumindest für dieses Mal noch entkam.

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       Long vs Nomin-Erdene: im Finale geht es um alles          (Foto: Bremer Schachjugend)

Tatsächlich holte die Spielerin aus dem im Bremer Umland gelegenen Kirchweyhe zunächst vier Punkte in steter Folge, wackelte aber bereits dort an manchen Stellen ein ganz klein wenig. Die Binnenbremer Konkurrenz, rund 400 oder mehr Weltranglistenpunkte hinter ihr plaziert, schlug sich beachtlich, und in Runde 5 war es dann soweit - Vorjahressieger Erik Pahl vom SK Delmenhorst nahm der jungen Meisterin fast sensationell einen vollen Punkt ab und setzte sich auf Platz Eins.

Indes, dort blieb er nicht allzulange, denn nun war es Long Lai-Hop, die schnelle Hand vom SK Bremen-West, der den neuen Tabellenführer alsbald mutig entthronte - nur um dann seinerseits gegen Nomin-Erdene Davaademberel in einer turbulenten Schlussrunde (vier Bauern gegen einen Läufer - diese Jugend!) das Nachsehen zu haben.

Gesamtsieg damit für die Mongolin, zweiter Platz für Erik Pahl, direkt gefolgt von Long Lai-Hop - und dann waren da noch viele Einzelwertungen in den verschiedenen U-Kategorien. Jugend ist ja nicht gleich Jugend, die Altersklassen sind fein austariert, und der Chancen auf einen würdigen Pokal sind viele, selbst für die Allerjüngsten.

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     Aufregung an Brett 27 - was war da los? Am Ende aber Punkt für Laurenz gegen Sophie!

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     Es muss nicht immer Philidor sein: wer schon fertig war, konnte draußen dem Brudersport Fußball frönen

Früh übt sich

Nun könnte man ganz unbedarft denken, nun gut, Jugendschach, das ist ja alles noch gaanz, gaaanz weit weg von der Weltspitze, so wie wir sie kennen. Dazu sagen wir: weit gefehlt! Denn noch gar nicht lange ist es her, 2013 erst, da saß an ebenjenen Bremer Turnierbrettern der junge Dimitrij Kollars und punktete sich souverän zum Turniersieg und dem Eintrag seines Namens auf dem hansestädtischen Wanderpokal für Jugendschnellschachmeister.

Spieler für Werder, für Delmenhorst, Bundesliga beim Hamburger SK und heute bei den SF Deizisau - Dimitrij eroberte 2017 mit Rasanz den Großmeistertitel und gehört damit zu den rund 1600 GMs auf der ganzen Welt. Phantastisch, und begonnen hat das alles bei Jugendturnieren hier irgendwo in der Republik, die Dimitrij mit seinem Vater Michael ausgiebig bereiste. Neulich noch Schachjugend, heute schon GM - wenn das mal kein Ansporn ist für nachrückende Generationen!

Auch der Nicht-Bremer Vincent Keymer hat ja mal jung angefangen, just in dieser Woche schaffte er seine letzte Großmeisternorm, zu der wir uns sehr freuen und herzlich gratulieren!

Schon 2013 vertrat Vincent die deutschen U10- Farben bei der Jugend-EM in der Slowakei. In diesem Alter kletterte ich noch in den Bäumen hinter unserem Haus herum, erst mit 13 besuchte ich das erste Mal die Jugendgruppe des Schleswiger Schachvereins und schaute jeden Abend "Turnier der Schachgroßmeister" in einem der drei Fernsehprogramme, die es damals gab.

Und man sieht, viel ist aus mir nicht geworden, und schon gar kein Großmeister. Hätte ich mal früher angefangen? Aber was soll es - wichtig ist ja, dass man gerne einige Stunden am Schachbrett oder fußballspielend mit der Schachjugend auf dem Kleinfeld verbringt, und das geht prima, ganz egal mit welcher Spielstärke!

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        Großer Pokal mit großem Namen

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         Siegerehrung - und oben im Fensterrahmen tanzen die Fans (Foto: BSJ)

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      Viel Schach an einem Tag: Bremer Meister und Bremer Org-Team! (Foto: BSJ)

Für einen Blick auf den sportlichen Ausgang in den unterschiedlichen Altersklassen möchten wir hinweisen auf Bericht und Ergebnisse bei der Bremer Schachjugend.

Und sonst bleibt nur zu sagen - vielen Dank für schöne (Schach- und Fußball-) Stunden bei einem tollen Turnier!

Postscriptum: Mit Grüßen und Dank aus Bremen an die Niedersächsische Schachjugend - Quadratisch, taktisch, klug ein kleines, feines Regelvideo: