Dennis Calder

Dennis Calder

Engagierter Schach-Spüler mit Hang zu salopper und ironischer Ausdrucksweise. Außerdem noch Fide-lizenzierter Trainer (Fide Instructor) und Buch-Rezensent.

Zu Ehren des immer kreativen Schreibers (beachte: „Schreiberling“ ist ein bei einigen Lesern negativ besetzter Begriff, daher heute mal ein anderer Begriff) Olaf S. aus dem sehr niedrig gelegenen B. wurde der nachfolgende Beitrag im Frage- und Antwort-Stil verfasst:

 

Um welches Turnier geht es?

Das nach der Traditionsuhrenmarke benannte Jacques Lemans Open ging im südösterreichischen St. Veit an der Glan bei Klagenfurt in Kärnten vom 9.-16.7.2016 in seine 35. Jubiläumsausgabe (www.stveitopen.at). Es wurde quasi in 3 Gruppen gespielt: Offen, bis Rating 2000 und jünger als Jahrgang 2001 und gleichzeitig unter Rating 1600.

 

Was gab es für Preise?

Wenig überraschend war Jacques Lemans auch Hauptsponsor und spendierte zahlreiche Uhren für verschiedenste Gewinner. Es gab neben sehr ordentlichem Preisgeld für die ersten 8 Spieler des A-Turniers (1200 Euro + eine JL Uhr für ca. 500 Euro für den Gewinner des A-Turniers) auch 6 Sonderwertungen für Senioren, Damen und bestimmte Ratings. Auch im B-Turnier wurden üppig Preise ausgeschüttet, beim Jugend-Open gab es zahlreiche Sachpreise. Für ein Startgeld von 50 Euro geradezu exzellent. Dazu gab es noch eine Teamwertung für Vierer-Teams.

 

Sonst noch Goodies, Hauser?

Ja, Kienzle: Am ersten Samstag gab es anlässlich der einzigen Doppelrunde des Turniers am Nachmittag ein Gratis-Grillen für alle Spieler. Außerdem gabs vergünstigte Hotelpreise im Blumenhotel nebenan (Preis-Leistung war sehr gut, nur die Internetverbindung war noch verbesserungswürdig), Rabatte für die städtischen Hallen- und Freibäder und eine Verlosung von 10 nicht gerade billig zu nennenden Preisen unter denjenigen Teilnehmern, die eine Woche vor Beginn schon das Startgeld überwiesen hatten.

 

Wie war der Spielort?

Angenehm: Große Kongresshalle, gut (!) klimatisiert. Trotz über 230 Teilnehmern, darunter 12 % weiblich und zahlreichen kleinen Kindern (Jugend-Open) erstaunlich leise. Der Ösi weiß sich augenscheinlich bei Schachturnieren zu benehmen. Saubere Toiletten, so weit das bei Schachturnieren mit so vielen Spielern möglich ist, gute und günstige Verpflegung und Analysebretter direkt nebenan und ein Schachhändler, der neue und alte Lektüre im Angebot hatte. Platz am Brett und zwischen den Brettern gab es auch genug.

 

Hatten die Schiedsrichter Eier oder waren es Nieten?

Mir ist nur ein einziger Streitfall bekannt: Ein Spieler hat versehentlich einen illegalen Zug gemacht, als beide Seiten noch eine Menge Zeit hatten, der andere Spieler protestierte und meinte, er hätte analog Blitzregeln gewonnen. Der Schiri klärte gelassen auf, verwies auf die Zeitgutschrift und fertig war die Sache. Sehr souverän!

 

Wann wurde gespielt?

Immer abends um 19 Uhr, nur die zweite (Doppelrunde Samstag) und die letzte Runde wurden um 10 Uhr gespielt. Für mich war das zu spät am Abend und einer der Gründe, weshalb ich ab 22 Uhr anfing, meine guten Stellungen wegzuwerfen. Nachteulen dürften sich gefreut haben.

 

Wo war die Krennwurzn, als ich sie brauchte?

Nachdem ich die über 800 km Anreise hinter mich gebracht hatte, rechnete ich fest damit, dass die Krennwurzn auch mitspielen würde, immerhin war es ein großes Turnier und dann auch noch in Österreich. Zumindest ging ich davon aus, dass Krennwurzn mal vorbeischauen und sich persönlich offenbaren würde, wir schreiben ja hier schließlich kollegial zusammen.... Das absolut Mindeste hätte aber sein müssen, dass Krennwurzn den Turnierverlauf verfolgt, sieht, dass ich das lausigste Turnier seit vielen Jahren spiele, sich auf den Weg nach St. Veit macht und mit mir gemeinsam eine Sauftour des Vergessens startet, schließlich hat er Heimvorteil. Ich hätte auch die Zeche gezahlt. Aber nein, er blieb einfach weg. Eine Unverschämtheit und wenig gastfreundlich! Na ja, wahrscheinlich hab ich es so verdient....

 

Wo waren die stärksten Schach-Ösis?

Schachspieler Arnold Schwarzenegger kommt zwar aus dem nicht besonders weit entfernten Graz und spielt laut chess.com gegen Pirc den österreichischen Angriff, war aber ebenso wenig vor Ort wie Markus Ragger, der quasi nebenan aufgewachsen ist (sagte mir ein Österreicher). Auch der legendäre Aljechin-Versteher (über 80 % Quote, leider mit Weiß gegen Aljechin!!!) IM Ernst Weinzettl verzichtete auf einen Besuch und erschütterte damit meine Zuversicht, nach Jahrzehnten der vergeblichen Suche, endlich ein Autogramm von ihm auf einem Aljechin-Buch oder meinem Brett zusammen mit Gelfand, Romanishin und Korchnoi zu ergattern. Fehlanzeige! Der Boykott dieser österreichischen Schachgötter sollte den Veranstaltern zu denken geben und erinnert ebenso unweigerlich wie fatal an den Olympia-Boykott der nicht gedopten russischen Athleten bei den gestarteten Spielen in Rio. Trotzdem steht der Termin für das nächste Jahr bereits fest.

 

Sonst noch was?

Nö. Eigentlich war´s schön: Tolle Landschaft, super Weine und Bier-Europameister (die Hirter Brauerei ist ganz in der Nähe und macht völlig zu Recht prämiertes Bier), gutes Wetter, bis auf einen Sturm, der innerhalb einer halben Stunde ein ganzes Dach abdeckte und damit einige Autos der Teilnehmer demolierte, nette Leute. Ach ja: Wer die Kontaktdaten von IM Ernst Weinzettl kennt und mir zuleitet, muss im Erfolgsfall (siehe oben) mit einer Belohnung oder Lobpreisung rechnen!

Eine mäßig sortierte erste Bestandsaufnahme

Die deutsche Wertungszahl, kurz DWZ („DeeWeeZett“) genannt, ist für viele Vereinsschachspieler der Ausdruck ihres Ehrgeizes und auch ihres Frusts. Wie kommt´s? Fast jeder will eine höhere Zahl, aber kaum ein Spieler kennt die Fakten, die dazu gehören:

Die Wertungsordnung des deutschen Schachbundes regelt, wie man zu einer DWZ kommt und wie sie sich verändert. Details findet man hier: http://www.schachbund.de/wertungsordnung.html

Die Kurzfassung: Man braucht eine Gewinnerwartung, ein Ergebnis und einen Faktor

  1. Die Gewinnerwartung teilt die relative Gewinnwahrscheinlichkeit gegen einen bestimmten Gegner mit und wird mit einer Zahl zwischen Null (0 %) und Eins (100 %) eingepflegt. Der Schachbund bietet eine schöne Tabelle (siehe Titelbild oder unter http://www.schachbund.de/anhang-21.html)
  2. Beim Schach haben sich über die Jahrhunderte durch das konsequente Weglassen von Toren nur drei Ergebnisse durchgesetzt: Sieg, Remis und Niederlage, die in die Berechnung mit Eins, 0,5 und Null einfließen,
  3. Der Faktor wiederum liegt je nach Alter und der Zahl der bereits erfolgten Auswertungen typischerweise zwischen 20 und 28. Bei Jugendspielern oder DWZ-Anfängern bis zu 5 Auswertungen ist er noch deutlich höher. Er wird folglich mit zunehmendem Alter und zunehmenden Auswertungen immer kleiner.

Daraus folgt die Faust-Formel: (Ergebnis - Gewinnerwartung) * Faktor = DWZ-Veränderung in Punkten

Weil die präzise Berechnung, insbesondere die Berechnung des Faktors, die sich an die Berechnung der internationalen Wertungszahl „Elo“ anlehnt, nur etwas für Mathe-Freaks ist, gibt es zahlreiche Links, wo die näherungsweise Berechnung (ohne Gewähr) für den interessierten Spieler erledigt wird, z. B. hier: http://www.isewase.de/dwz/

Ist das alles gut, wie es ist? Bei der DWZ weiß man das nicht so genau, weil es hier, im Gegensatz zur Elo, keinen Verrückten schachinteressierten Mathematiker / Statistiker gibt, der sich mit der Prüfung der Berechnungsformel auseinandersetzt. Das macht z. B. Jeff Sonas (https://en.wikipedia.org/wiki/Jeff_Sonas). Ein Praxisbeispiel seiner Elo-Forschung liefert er für Chessbase: http://en.chessbase.com/post/rating-inflation-its-causes-and-poible-cures

Er hat festgestellt, dass die verwendete, dem Durchschnittsspieler zugeordnete Gewinnverteilungskurve bei der Elo nicht genau der tatsächlichen Gewinnverteilung entspricht. Dadurch wird die Realität leicht verfälscht. Außerdem hält er den Faktor bei der Elo für zu niedrig. Bis vor Kurzem lag er für Normalsterbliche bei 15, aktuell bei 20. Wenn man einmal ein Elo-Rating von 2400 erreicht hat, bleibt man bis zum Lebensende beim Faktor 10.

Zurück zur nationalen Bewertung: Entgegen der landläufigen Vorurteile gibt es keine Inflation bei der DWZ. Während im Jahr 2005 die Durchschnitts-DWZ bei ca. 1556,5 lag, so liegt sie am 23.03.2016 bei 1506,4. Die Gesamtzahl der in Deutschland mit DWZ gemeldeten Spieler blieb unverändert bei über 70000. Die Zahl der Spieler ohne DWZ wiederum ist seit 2005 deutlich gesunken, von 21474 auf 16822. Das liegt vermutlich an der gestiegenen Zahl der Turniere pro Jahr, aber wer kann das schon mit Gewissheit sagen? Hier die genaue Aufteilung vom März 2016. Berücksichtigt sind alle in- und ausländischen Spieler, die Mitglied in einem DSB-Verein sind, einschl. passiv gemeldete Spieler.

Hier die weiteren Einzelheiten:

Oberste Zeile: DWZ-Bandbreite, mittlere Zeile: Zahl der Spieler in dieser Bandbreite, unterste Zeile: Prozentzahl an der Gesamtzahl der Spieler

1-699 700-799 800-899 900-999 1000-1099 1100-1199 1200-1299 1300-1399
78 3056 2617 2787 3148 3674 4746 5939
0,1% 4,3% 3,7% 3,9% 4,4% 5,2% 6,7% 8,4%

 

1400-1499 1500-1599 1600-1699 1700-1799 1800-1899 1900-1999 2000-2099 2100-2199
6973 7505 7469 6778 5637 4308 2820 1579
9,8% 10,6% 10,5% 9,6% 8,0% 6,1% 4,0% 2,2%

 

2200-2299 2300-2399 2400-2499 2500-2599 2600-2699 2700-2799 2800-2899
831 433 248 153 71 12 3
1,2% 0,6% 0,3% 0,2% 0,10% 0,017% 0,004%

 

Die 1056 Titelträger - gezählt wurden die mit in der Fide unter „GER“ geführten Spieler - sind wie folgt aufgeteilt:

80 GM, 214 IM, 609 FM, 51 CM, 14 WGM, 28 WIM, 58 WFM und 2 WCM. Die Fide hat nur geringfügig (sic) andere Zahlen.

Quelle ist der DSB-Referent für (DWZ-)Systemkontrolle, Berthold Plischke, dem hiermit für die Zusammenstellung gedankt sei.

So, jetzt kann jede(r) für sich selbst herausfinden, ob er / sie gut, mittelmäßig oder schlecht ist und was für ihn / sie überhaupt gut, mittelmäßig oder schlecht bedeutet.

Korrekturen, Ergänzungen oder weitere Fragen zum Thema werden gerne gelesen.

Der Weltklassespieler und frühere Fide-Weltmeister GM Rustam Kasimdzhanov hat diese DVD bereits 2006 für Chessbase aufgenommen. Das Prinzip der Taktikberechnung an sich ist aber bekanntlich zeitlos und daher kommt es nicht auf das Alter der DVD an.

In 22 Videolektionen über 4,25 Stunden bringt der Autor dem Zuschauer die „russische“ Art, Taktikaufgaben zu lösen, bei. Natürlich ist nicht „russisch“, sondern „großmeisterlich systematisch“ gemeint. Der Begriff soll nur als Synonym für diejenige Systematik dienen, die beim Schachstudium einst von Botvinnik propagiert wurde und die die russische Schachschule so berühmt gemacht hat.

Übliche Taktikbücher oder Taktikvideos liefern die bekannten taktischen Motive wie Gabel, Spieß, Ablenkung, Hinlenkung usw. Aber fast niemand liefert eine Anleitung, „wie“ man denken muss, um die richtigen Motive zu finden, wenn man sie nicht automatisch oder zufällig sieht. Mit „wie“ meine ich, welche Fragen man sich stellen und beantworten muss, um zur Lösung zu finden. Selbst in hochgelobten Büchern wie „Schachtaktik richtig berechnen“ von Valeri Beim habe ich nur bedingt eine geeignete Antwort gefunden (, was aber auch an mir liegen kann). Außerdem gibt es nicht viele Bücher zum Thema. Dafür braucht man folglich Trainer, und zwar sehr gute, alle anderen nähern sich des Pudels Kern nur ungefähr. Und „Kasim“ gelingt es, diese Trainingslektion zu vermitteln. Zwar nicht mit Glanz und Gloria, aber sehr gut. In dieser Anschaulichkeit und Übersichtlichkeit habe ich das bisher nur von erstklassigen Profi-Trainern kennengelernt. Als Basis dafür setzt er eine gewisse positionelle Stärke voraus, weshalb diese DVD erst ab einer etwas gehobeneren Spielstärke von ca. 1500 DWZ wirklich lohnenswert ist.

Fazit:

Kasim liefert in leicht verständlichem Englisch mit einer nervös hoch klingenden Stimme sehr anschaulich eine Anleitung, wie man an taktische Aufgaben herangeht. Pflicht"lektüre", wenn man nicht schon einen guten Trainer hat.

Sterne4

Dennis Calder

Fide Instructor April 2016

Jedes Jahr bringt der JugendSchachVerlag von Euro Schach Dresden (euroschach.de) ein Schachtaktik Jahrbuch heraus. Neulich wurden mir ein paar dieser Jahrbücher zum Rezensieren zur Verfügung gestellt.

„Reine Taktikbücher? Braucht man die heutzutage noch? Es gibt doch überall im Internet Taktikaufgaben für lau!“ fragte ich mich spontan. Und die Taktikjahrbücher sind auch keine Lehrbücher, die Gabel, Spieß, Ablenkung, Hinlenkung usw. erklären, sondern bieten typischerweise „nur“ jeweils über 400 Stellungen und Lösungen für im vergangenen Jahr gespielte Partien. Wer nur irgendwelche Taktikaufgaben haben will und Internetzugang hat, der braucht diese Bücher nicht. Wie kommen dann die Schachfreunde von Euro Schach Dresden trotz nachgewiesenen Schachverstands dazu, trotzdem die Bücher rauszubringen?

Na ja, die gut 400 Übungen je Buch sind eben doch noch nicht alles:

Ein charmantes Gimmick zum Einstieg ist der Blick in die Vergangenheit zu Beginn des Buches: Es gibt ein paar Seiten mit Übungen von vor genau 100 Jahren gespielten Partien, die entweder besonders schön oder besonders ausgefallen sind.

Dann werden Taktikaufgaben von Bundesliga, Meisterschaften (Deutschland und international, Olympiade, WM usw.), Jugend- und Seniorenschach abgehandelt. Es sind Stellungen – gelegentlich auch Varianten – aus Partien des Vorjahres und nicht von irgendwann früher, die dem übenden Schachspieler immer wieder mal begegnet sind. Die Ratings der Spieler (von Amateur bis Weltklassespieler) stehen direkt daneben. Man kann sich (und andere) folglich mit aktuell aktiven Spielern vergleichen, was im Internet nicht geboten wird. Außerdem bekommt man die ganze Qualitäts-Palette, vom billigen 2-Züger bis zur langen Kombination, ohne vorher zu wissen, was auf den Übenden zukommt. Damit sind die Jahrbücher für Trainer durchaus eine gute Hilfe, um die Fähigkeiten der Schüler zu ermitteln.

Enthalten sind außerdem die Lösungen mit Subvarianten, was im Internet nicht üblich ist, aber durchaus vorkommt. Auf Wunsch vieler Trainer sind auch sogenannte Kurzlösungen enthalten, die den ersten Zug zu den einzelnen Aufgaben anzeigen. So spart sich der Trainer Sucherei.

Neben den Aufgaben, Lösungen und Ratings gibt es immer wieder kurze Texte über das jeweilige Turnier-Jahr. Dort werden die Turnierergebnisse, die Turnierverläufe und besondere Vorfälle dargestellt. Man bekommt damit auch eine Zusammenfassung des Turnierjahres, was manche völlig überflüssig finden werden, andere wiederum dürften es ganz schön finden, nebenbei etwas über die große weite Schachwelt mitzubekommen.

Die Gliederung ist für mich generell etwas zu undurchsichtig. Die Lösungen und Kurzlösungen finden sich nicht immer auf den Folgeseiten, was ich gut gefunden hätte, sondern sind im Buch verteilt (Kurzlösungen) und an den Kapitelenden (Lösungen). Die Euroschacher machen das jedoch mit Absicht, um die Versuchung zu reduzieren, dass man sich schnell die Lösungen anschaut. Ich finde es lästig, aber das Blättern dauert ja keine Ewigkeit, weil im Inhaltsverzeichnis auf die Seite verwiesen wird.

Fazit?

Taktikaufgaben gibt es gratis wie Sand am Meer im Internet. Wer aber dort üben möchte, wo Internet gerade nicht zur Verfügung steht (WC, Zug, Vereinsabende, usw.) der kann die Taktikjahrbücher gut nutzen. Aber auch Trainer (und ernsthaft Selbsttrainierende) profitieren: Insbesondere der Vergleich mit Spielern verschiedener Ratings ist ein schöner Gradmesser für die jeweiligen Fähigkeiten: Bin ich taktisch so gut wie mein Rating oder schon so gut wie ein Meister oder fehlt mir noch ein gutes Stück Arbeit? Eine Frage, die man ohne diese Bücher nur sehr schwer fundiert beantworten kann, aber immer beantworten können müsste. Und es macht wirklich etwas aus, ob man Taktikaufgaben des letzten Jahres löst oder der letzten x Jahrzehnte. Irgendwie sind die Stellungen um die Standard-Taktiken dann doch anders.

Dennis Calder

Fide Instructor

April 2016

Sterne4

Sonntag, 20 März 2016 10:39

Bad Wörishofen 2016 - Abschlussbericht

Werder ist überall! Reicht es nicht, dass Werder Ruhm, Ehre und Unsterblichkeit in der Schachbundesliga erkämpft hat, indem sie am 13.3.2016 Baden Baden mit 5:3 besiegt haben und damit Solingen den Gewinn der ersten nicht badischen Meisterschaft seit Bobby Fischers Geburt wesentlich erleichtern? (Anm. des Autors: Ich verwende dieses Vergleichsereignis nicht, weil ich der weit verbreiteten Bobby-Obsession erlegen bin, wenngleich ich einst in Island andere Schachtouristen mit bösen Worten von (nicht an!) Bobbys Grab verscheucht habe, sondern, weil es die Seltenheit und Wichtigkeit dieser Großtat besonders betonen soll) Offensichtlich nicht. Bei mir im Hotel abgestiegen war Stephan Buchal, der sich hartnäckig weigerte, zur Bremer SG zu wechseln. Nichts gegen Dich, Olaf! Aber die BSG als Ex-Verein ist mir dann doch näher. Außerdem hat es ja nichts genutzt und es wäre durchaus möglich gewesen, dass mir das schon wieder jemand übel genommen hätte. Überhaupt: Was machen so viele Werder-Spieler im tiefen Süden? Aus Wettkampfgründen in München lasse ich aus Gründen der Tradition ja noch gelten - wer erinnert sich nicht an legendäre Schlachten mit Pizarro auf beiden Seiten? Aber sonst? Es gibt doch sehr schöne Turniere auf halber Strecke, vom alljährlichen Sekt-oder-Selters Turnier zu Pfingsten in Bielefeld über Dortmund bis zum Open der Schachfreunde aus Bad Godesberg. Die billige Ausrede, dass die ja alle nicht im März stattfinden, kann ich bei Betrachtung des Anreiseweges nicht gelten lassen. Vermutlich wird es ein Geheimnis bleiben.

 

Ebenfalls in meinem Hotel einquartiert hat sich ein Schachfreund, der Hosenträger der Düsseldorfer Fortuna trug und mir als Effzeh-Fan damit schon beim täglichen Frühstück den Blutdruck steigen liess. Der Mann, der mich optisch unweigerlich an einen tierischen TV-Star erinnerte, den hier zu nennen vermutlich fälschlich als Beleidigung interpretiert würde, war bedauerlicherweise ansonsten ausgesprochen nett, so dass ich hier leider keine unqualifizierten Vorurteile gegenüber der Düsseldorfer Fortuna mehr anbringen kann. Überhaupt hätte ein Karikaturist bei diesem Turnier enorm viele Mustervorlagen an erstklassig karikierbaren Schachfreunden zur Verfügung gehabt. Ich wünschte zwischendurch mehrfach, ich hätte auch nur den Funken von Zeichentalent oder einen Karikaturisten an der Hand. Die Vermarktung hätte mich garantiert reich und in Schachkreisen berühmt gemacht. Was für eine verpasste Chance...

 

Wieder zum schachlichen Aspekt des Turniers:

Wenn man sich die Führenden der letzten Runden mal so angesehen hat, dann musste man sich zwangsläufig fragen, ob diejenigen, die an Schach als Sport zweifeln, nicht doch Recht haben. Igor Naumkin, Aloyzas Kveinis und Aleksandar Karpatchev auf den Plätzen 1, 2 und 4 übertreffen sogar mich, ohne Nachmessen zu müssen, an Körperfülle und Schachqualität. Jan Werle (Werder!) als Dritter geht im Vergleich als hagerer Schuljunge über die Ziellinie. Wenn man dann noch an Vladimir Epishin, den zunehmend zunehmenden Arkadij Naiditsch und den früheren Peter Svidler denkt, wird einem ganz schwermütig. Naja, trotz dieser schwerwiegenden Indizien zur Relation zwischen Körpergewicht und schachlicher Meisterschaft versuche ich mich schachlich zunächst ohne forcierte Gewichtszunahme zu verbessern.

 

Das Turnier blieb auch weiterhin vergleichsweise leise, die Störungen kamen, wenn überhaupt, von Senioren, die ihr post mortem auch nach Hinweis auf noch laufende Partien, im Turniersaal und nicht wortlos hinter sich bringen wollten. Das blieb aber ein Einzelfall. Dass die blinden Schachspieler um Oliver Müller (woher kommt der wohl? Natürlich. Von Werder.) ihre Züge ansagen müssen, lasse ich als Störung nicht gelten, auch wenn eine Schachfreundin ihre Züge gelegentlich durch den ganzen Saal ansagte.

Als besonders erwähnenswert darf ich nicht vergessen, dass man sich an vielen Stellen in Bad Wörishofen pflegen lassen konnte. Ich hatte einen professionellen Masseur im Hotel, der mich in 5 Sitzungen so weich klopfte, dass ich meine Verspannungen von Rücken und Nacken in nutzbringende Anspannung im Hirn während der Partien umwandeln konnte. Sehr erfolgreich, nebenbei bemerkt. Auch das sollte mal gesagt werden: Beim Schach besser zu werden, ist keine Frage des Alters, sondern der Trainingsqualität und des eingesetzten Trainingsaufwands. Ich habe dafür zahlreiche Beweise und Schachfreund Jörg Hickl, der schon alleine für den Betrieb dieses Blogs regelmäßig lobend erwähnt werden sollte, (von seinen schachlichen Erfolgen noch ganz abgesehen,) sicherlich auch.

 

Was bleibt übrig:

Leises Turnier mit vielen Schiedsrichtern, die wissen, was sie tun, wenige Kinder, viele blinde Schachspieler, angenehme Umgebung, hohes Startgeld, dafür eine Menge Gegner mit Ratings zwischen 1900 und 2250 und neben der hübschen Landschaft gibt es auch zahlreiche Möglichkeiten, sich körperlich zu pflegen. Wer abends Parties sucht ist allerdings eher falsch hier. Alles sehr entspannend!

Nach anstrengenden Zeiten mit wenig Zeit (neuer Job) mal wieder ein neues Turnier:

Das im Februar natürlich etwas verschlafen wirkende Bad Wörishofen liegt um Ulm herum im schwäbischen Westen Bayerns im schönen Allgäu. Auf der Fahrt in die ca. 15000 Einwohner und gefühlt 250 Cafés fassende Kneipp-Stadt passiert man Orte, die irgendwie zu unserem Sport passen: Katzenhirn und Schöneschach. Außerdem fanden sich dieses Jahr 330 Spieler zum A-Open, B-Open und Senioren-Open ein, um täglich eine Runde hinter sich zu bringen. Die Durchschnittsqualität ist auch nicht ohne, wenn ich als Nummer 98 der Setzliste nicht mal in der oberen Hälfte lande. Gespielt wird im schönen Kurhaus, zu meinem Erstaunen gibt es sowohl ausreichend saubere WCs als auch genug Platz, wobei Letzterer bei Schachturnieren natürlich nie ausreicht, wenn man nicht gerade um die WM spielt...

Dann gibt es noch ein paar übliche Verdächtige: Legende Igor Naumkin, der immer noch bartlose Alexandr Karpatchev (zu den tragischen Auswirkungen des Bartverlustes verweise ich auf meinen Beitrag zum Pfalz Open 2015) und der aktuell kultigste Schach-Litauer Aloyzas Kveinis sind nur 3 der mitspielenden 9 GM, 4 IM und 14 FM. Überdurchschnittlich stark vertreten sind blinde Schachspieler (nicht Schachblinde!) und die anwesenden Schiedsrichter (4-6, jeweils), wobei mir die Verbindung nicht wirklich einleuchtet. Die obligatorischen Mode-Skurilitäten fehlen natürlich auch nicht - den Vogel schoss ein Schachfreund mit T-Shirt, kurzer Hose (draußen liegt Schnee!), Turnschuhen und ganz hoch gezogenen weißen Tennissocken ab.

Was gibt´s noch auf die Schnelle? Es ist leiser als sonst, was vermutlich an der Kurstadt und nicht daran liegt, dass nur sehr wenige Kinder mitspielen. Das Café neben dem Turniersaal versorgt reibungslos mit Speis und Trank und für die bei Schachturnieren üblichen Gerüche (mein nach indischer Räucherkerze riechender sympathischer Nachbar war noch ein akzeptables Erlebnis) können weder die Organisatoren noch der Saal etwas...

Wir werden sehen, ob das Turnier noch ein paar Sensationen bietet. Bisher ist es schön entspannend.

Nick Pert ist GM (Spielstärke ca. 2500 ELO) und zur Zeit der Erstellung dieser DVD englischer Nationaltrainer. Er hat es sich in dieser DVD zur Aufgabe gemacht, sich mit typischen Fehlern von fortgeschrittenen Amateuren (1600-1900 Rating) zu beschäftigen. Das ist ein ungewöhnlich spezieller Ansatz. Im Prinzip bietet Chessbase hier ein Einzeltraining mit einem GM an.

Pert hat in 11 Kapiteln und insgesamt 57 Videos – dem Titel entsprechend – die typischen Fehler dieser Zielgruppe gegliedert, beschrieben und dann knackig erläutert, worauf man zukünftig achten möge, um die Fehler zu vermeiden. Zwischendurch bietet er interaktive Übungen an. Wie gut ist das Werk? Das Preis-Leistungs-Verhältnis lohnt sich.

Des Autors Englisch ist leicht verständlich. Die Beispiele sind allesamt von (oft jungen) Spielern der relevanten Ziel- oder sollte man je nach Blickwinkel eher Opfergruppe sagen? – und steigen dort ein, wo ein Fehler geschehen ist. Die Beschreibung, was Pert hier genau macht, ist nicht so leicht in griffige Worte zu fassen. Vorab ein Hinweis: Eine Eigenschaft des sehr guten Schachspielers ist, sich zum richtigen Zeitpunkt die richtige Frage zu stellen. Die meisten Schachautoren erklären nur, wie man bestimmte Stellungen zu bewerten hat (= die Frage zu beantworten), geben aber nicht besonders griffig mit auf den Weg, worauf es bei der Bewertung besonders ankommt (= welche die richtigen Fragen sind und wann man sie sich vorzugsweise stellt).

Pert zeigt in den Videos dieser DVD jeweils zunächst, wie die Partie verlief. Dann erklärt er aber – und das ist hier gut so – nur am Rande, welche Züge man in der jeweiligen konkreten Stellung hätte spielen sollen.

Der eigentliche Lerneffekt ist, dass Pert in jedem Beispiel sehr prinzipielle Hinweise gibt, wie man hätte besser nach anderen Lösungen hätte suchen sollen, soll heißen, welche Frage der Spieler sich in der kritischen Stellung hätte stellen sollen. Den sehr guten Schachtrainer zeichnet unter anderem aus, den Schüler mit einer umfangreichen Sammlung von hilfreichen Fragen auszustatten. Genau das macht Pert hier in jedem einzelnen Video und unterscheidet sich damit deutlich von vielen anderen Videos bzw. Büchern. Das kenne ich nur von wenigen und wirklich guten Trainern. Man bekommt hier also einen ganzen Haufen von guten Fragen für die eigenen Partien. Und das ist unverzichtbar, wenn man höhere Weihen erreichen will. Natürlich gibt es auch knackige Faustregeln für den „Alltagsgebrauch“. Sehr lohnenswert für alle Spieler von 1300-1900 Rating.

Dennis Calder

Fide Instructor

Sterne4

Martin Lokander ist ein junger schwedischer FM, der erkennbar auf dem Weg zum IM ist (er hat schon 2 IM-Normen und zwischen 2013 und 2015 steigerte er seine ELO von 2200 zu 2400). Meine bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass GM üblicherweise bessere Bücher abliefern als IM, die wiederum typischerweise besser sind als FM oder gar titellose Schachautoren. Schachfreund Lokander ist eine angenehme Ausnahme, insbesondere deshalb, weil er hier sorgfältig gearbeitet hat und hauptsächlich, weil er „nur“ erfolgreich den aktuellen Stand von Theorie und Praxis abbilden will, anstatt die Theorie einzelner Eröffnungsvarianten auf neue Höhen zu treiben. Deshalb bietet er nur sparsam eigene Neuerungen an. Er bietet in diesem Buch auf ca. 380 Seiten ein fast komplettes Schwarz-Repertoire gegen 1. e4 und empfiehlt 1. …e5. Ein fast komplettes Schwarz-Repertoire? Spanisch lässt er aus.

Ansonsten hat er in einwandfreiem Englisch tatsächlich alle üblichen Verdächtigen sehr praxisnah abgehandelt - Schottisch, Wiener Partie, Königsgambit, Mittelgambit, Vier- und Zwei-Springer-Spiel, Italienisch und ein paar unorthodoxe Varianten. Zu Beginn der Kapitel gibt es eine „theoretische Einführung“, gefolgt von einigen Beispielpartien.

Ich habe zahlreiche mir bekannte Varianten und Abspiele gegengecheckt und zu meiner Freude festgestellt, dass auf meine auftauchenden Fragen sehr oft knackige und eingängig formulierte Antworten im Buch zu finden sind. Wie meine ich das? Lokander erklärt ständig, worum es gerade geht bzw. was die Absichten der Spieler sind und berücksichtigt dabei nur praxistaugliche Varianten. Der Grad und die Intensität der Erläuterungen und Varianten macht es auch leicht, eine ideale Zielgruppe zu benennen: Für Spieler unter 1600er-Rating müssen wohl zu viele Stellungen noch genauer beschrieben werden und Spieler über 2200 brauchen die hier gelieferten Erläuterungen vermutlich schon nicht mehr. Für alle Spieler mit einem Rating von 1650 bis 2100 dürfte dieses Buch sehr lehrreich sein, da es nicht nur die gängigen Eröffnungsvarianten beinhaltet, sondern außerdem noch als gutes Lehrbuch durchgeht. Eine sehr praxisnahe Mischung von Nachschlagewerk und Lehrbuch – ein nur selten gelingender Spagat.

Dennis Calder

Fide Instructor

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise vom Schachversand Niggemann zur Verfügung gestellt.Sterne4

Chessbase (chessbase.de) hat mir erneut eine DVD zur Rezension überlassen. Es sei erwähnt, dass der Vater von Martin Breutigam, Manfred Breutigam, der Grund war, weshalb ich während meiner Bremer Zeit bei der Bremer Schachgesellschaft aktiv war. Es besteht sozusagen eine Familiensympathie, ohne dass ich ihn je kennengelernt hätte. Zur Sache:

IM Martin Breutigam (sein Elo Rating liegt seit einiger Zeit bei ca. 2400) hat schon einige Werke veröffentlicht. Seine neue DVD behandelt die Reti Eröffnung (1. Sf3 d5 2. c4) aus weißer Sicht.

Nach eingehender Prüfung der 20 Videos und 15 interaktiven Testaufgaben habe ich entschieden, keine klare Bewertung abzugeben, sondern überwiegend nur zu beschreiben, was mir aufgefallen ist. Warum? Weil Schachfreund Breutigam ein paar Dinge gemacht hat, die nicht meinem persönlichen Geschmack entsprechen, aber von anderen Schachfreunden nachweislich geschätzt werden. Und unter meinem rein persönlichen Geschmack soll er nicht leiden. Daher zunächst die Auffälligkeiten in der Reihenfolge ihres Erscheinens:

Die DVD mit einer Gesamtlaufzeit von über 5,5 Stunden ist systematisch nach den naheliegenden schwarzen Antwortzügen gegliedert: Zunächst behandelt Breutigam die Damengambit-artige Antwort 2. … e6, danach die Slawisch-artige Antwort 2. … c6, um danach die außergewöhnlicheren Varianten 2. … d4 und 2. … dxc4 zu bearbeiten. Im Anschluss an die Theorievideos gibt es noch 15 sehr gut gemachte - aber schwer zu beschreibende - interaktive Testaufgaben, die näher erläutert werden. Weiterhin gibt es einen Link auf sogenannte Modellpartien, die die einzelnen Abspiele mit ihren Stärken und Schwächen beleuchten sollen. Diese Systematik gefällt mir sehr gut.

In einem Video hustet / hüstelt Schachfreund Breutigam so oft, dass ich eine Wiederholungsaufnahme mit geölter Stimme besser gefunden hätte.

Ansonsten allerdings kommt er gut in Schwung und beschreibt mit hanseatischer Ruhe (er hat seine Wurzeln bei der oben erwähnten altehrwürdigen Bremer Schachgesellschaft) und sachlich die Vorzüge und Nachteile der einzelnen relevanten Abspiele. Dabei stellt er auch immer wieder gelungen dar, warum bestimmte Varianten gerade nicht - oder nicht mehr - geeignet sind, um weißen Vorteil herauszuspielen. Er veranschaulicht seine Erläuterungen nur selten mit den graphischen Möglichkeiten, die Chessbase bietet, z. B. Pfeilen oder farblich markierten Feldern. Stattdessen zeigt er die Abspiele bis zur „Auflösung“ der jeweiligen Variante, dem Ende der kritischen Abspiele, sozusagen. Beide Darstellungsformen haben ihre Fans, so dass es meines Erachtens in diesem Punkt kein besser oder schlechter gibt.

Je weiter ich die Videos durchgesehen hatte, desto irritierter wurde ich: Breutigam bietet konsequent keine Empfehlung für Schwarz, was ich persönlich als großen Nachteil bei Eröffnungsabhandlungen ansehe. Und er landet immer wieder bei für Weiß vorteilhaften Varianten, obwohl es auch unklarere oder spannendere Abspiele geben muss, sonst würden viel mehr Super-GMs Reti mit Weiß spielen... Andererseits brauchen viele Spieler beim Lernen von Eröffnungen das Gefühl, dass eine Eröffnung rundum gut geeignet ist, um dann in der Praxis die kritischen Abspiele zu erleben und zu bearbeiten - vom Selbstbewussten zum Realistischen sozusagen. Auch hier kenne ich Anhänger beider „Philosophien“, so dass ich mich darauf beschränken möchte, auf den von Martin Breutigam gewählten Aufbau hinzuweisen.

Die ausgewählten Beispielpartien sind in jedem Fall sehr gut ausgesucht, weil ich das Gefühl bekam, dass alle halbwegs einleuchtenden Züge in der frühen Eröffnung besprochen worden sind.

Fazit:

Wer als Schwarzspieler ein geeignetes Abspiel gegen Reti sucht, sollte an anderer Stelle suchen. Für Spieler, die eine positionell geprägte Weißeröffnung suchen, ist diese DVD ein angenehmer, weil sehr übersichtlicher Einstieg, um sich in die Eröffnung einzuarbeiten.

Der griechische GM Vassilios Kotronias ist mittlerweile zehnfacher griechischer Meister und hat die Elo-Grenze von 2500 seit vielen Jahren deutlich überschritten. Die von ihm in 2 Büchern ausführlich (zusammen ca. 600 Seiten) besprochene Mar del Plata Variante im Königsinder (1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Sf3 0-0 6. Le2 e5 7. 0-0 Sc6 8. d5 Se7) ist eine der komplexesten und intensivsten analysierten Varianten im Schach. Beispiel gefällig? Kotronias liefert Kapitel mit Subvarianten im 25. Zug. Kotronias will hier folglich – so auch seine eigene Aussage im Vorwort – die Wahrheit über die Spielbarkeit der Variante herausfinden und uns sein Ergebnis („sie ist spielbar“) näher erläutern. Erläutern ist in dieser Hinsicht unpräzise: Die vielen Varianten sind in Kapiteln im Stile eines Nachschlagewerks aufgebaut. Übersichtlich, mit dem Variantenbaum der einzelnen Kapitel zusätzlich zum jeweiligen Kapitelgewinn. Kotronias gibt Bewertungen und begründet sie auch, oft allerdings nur pauschal oder vereinfacht. Es reicht meines Erachtens meist nicht, um als Lehrbuch wirklichen Lerneffekt zu erzielen. Er beendet die Kapitel jeweils mit einer kurzen und knackigen Zusammenfassung.

Fazit: Ein erstklassiges Nachschlagewerk über eine einzelne Variante im Königsinder.

Es bleibt die Frage nach der Zielgruppe – wer braucht diese zweibändige Doktorarbeit, die erkennbar mit sehr viel Arbeitseinsatz und Herzblut erstellt wurde? Sie erinnert mich an die Abhandlung von Zdenko Kozul zum Richter-Rauser im Sizilianer und hat wahrscheinlich eine identische Zielgruppe: Titelträger auf dem Weg nach noch höheren Zielen, Analysefetischisten und Fernschachspieler dürften viel Nutzen aus den Büchern ziehen. Nach meinen Informationen ist Königsindisch im Fernschach für Schwarz allerdings mit dem Makel einer schlechten Statistik behaftet, so dass Fernschachspieler als Käufer hier vermutlich auch ausscheiden.

Für alle anderen Schachfreunde sind es entweder zu wenig geeignete Lerninfos (für ein Lehrbuch) oder zu viel Information (für ein Nachschlagewerk, weil es sich nur mit einer einzelnen Variante ab Zug 9 beschäftigt).

Sterne5für die passende Zielgruppe

Sterne1für die meisten anderen Spieler

Zur Verfügung gestellt von Schach Niggemann (schachversand.de)

Dennis Calder

Fide Instructor

Juni 2015

Samstag, 01 August 2015 13:20

The Killer Dutch von Simon Williams

Der englische GM Simon Williams ist mir in Island das erste Mal begegnet und aufgefallen. Seine Elo von über 2500 ist mittlerweile zwar auf 2426 gesunken, dafür ist er verstärkt als Chessbase DVD-Dozent, Schulschachtrainer und Autor unterwegs. Er hat seinerzeit in Island nicht nur die interessantesten Partien des Tages der Reykjavik Open sehr unterhaltsam kommentiert, sondern auch damals schon deutlich gemacht, wie und weshalb er Schach spielt. Er spielt sehr dynamisches Schach mit dem Fokus auf frühe Mattangriffe.

Das Buch ist über 460 Seiten stark und beinhaltet die Essenz von Williams´ liebster Schwarzverteidigung, dem Holländer (1. d4 f5). Mit Weiß spielt er, nebenbei erwähnt, vorzugsweise Königsgambit. Ein feinsinniges Eröffnungsrepertoire für Positionsspieler ist daher nicht zu erwarten, obwohl der Holländer auch regelmäßig von sehr soliden Positionsspielern gespielt und auch aktiv beworben wird, z. B. von GM Mihail Marin. Williams bietet, wenn möglich, natürlich aggressive Abspiele.

Das Buch selbst ist eine Fortsetzung der Williams´schen Live-Kommentierungen: Unterhaltsam, anschaulich und sehr eingängig. Und in diesem Fall auch ausführlich. Das würde schon fast als vollständige Beschreibung reichen.

Williams´ Anmerkungen geben dem Leser das gute Gefühl, den Verlauf der Partie nachvollziehen zu können und zu verstehen, worum es eigentlich in den Varianten geht, die Bauernstrukturen werden hinreichend besprochen. Als Lehrbuch kann man dieses üppige Werk somit bequem durchgehen lassen. Wenn es um die Details geht, lässt das Buch gelegentlich kleine Lücken, weshalb es nicht als gutes Nachschlagewerk durchgeht: In den verschiedenen Theorieteilen gibt der Autor zwar eine Übersicht über die jeweiligen theoretischen Varianten, das Gefühl der Vollständigkeit will sich aber nicht einstellen. Mehrere Varianten, die ich selbst mal mit Weiß oder Schwarz gespielt habe, befassten sich nicht sehr eingehend mit von GM mindestens gelegentlich gespielten Abspielen. Macht aber nichts. Ein Eröffnungsbuch muss nicht Lehrbuch und Nachschlagewerk in einem sein.

Fazit:

Zum Lernen der Eröffnung kann man das Buch schlicht von vorne bis hinten durchgehen. Danach hat man nicht nur eine Menge Spaß mit den Texten von Simon W. und den komplexen Holländisch-Partien gehabt, sondern auch noch Einiges über holländisch gelernt.

Sterne3bisSterne4

Gesponsort von Schach Niggemann (schachversand.de)

Dennis Calder

Fide Instructor, Juni 2015

Taming wild chess openings von John Watson und Eric Schiller

IM John Watson hat vor ein paar Jahren mit „Geheimnisse der modernen Schachstrategie“ und „Schachstrategie in Aktion“ zwei legendäre Bücher geschrieben und ist auch ansonsten mit regelmäßigen Beiträgen, unter anderem bei ICC, in der Schachwelt unterwegs. Erwähnenswert ist noch, dass sogar anerkannte Trainer aus dem früheren „Ostblock“ seine Arbeiten lobend erwähnen, was sehr selten ist, wenn es um britische oder amerikanische Autoren geht. FM Eric Schiller hat auch schon mehrere Bücher geschrieben, die zwar mit viel Engagement erstellt wurden, jedoch nur mittelmäßig waren. Das Team hat mich daher neugierig gemacht.

Die Kurzfassung: Das Buch ist eine beeindruckend umfassende schachliche Freakshow: Nahezu alle bekannten ungewöhnlichen Schacheröffnungen sind hier auf über 420 Seiten dargestellt, inklusive mindestens einer brauchbaren Variante, um dagegen in Vorteil zu kommen. Bizarre Eröffnungen begegnen dem Vereinsspieler immer wieder, ob durch Anfänger, Provokateure oder schlicht Freunde außergewöhnlicher Partien. Nicht jeder hat einen guten Trainer an der Hand, der einem ein gutes Patentrezept gibt oder eine gute Datenbank, aus der man eine Widerlegung durch starke Spieler ziehen kann. Wenn man im Vorfeld einer Partie von einer bestimmten Eröffnung hört oder in der Nachbereitung etwas lernen will, hat man hier ein nützliches Werkzeug.

Es werden neben den zahlreichen schlechten Eröffnungen auch viele spielbare, aber schlecht aussehende Eröffnungen und einige gute, aber ungewöhnliche Eröffnungen besprochen. Dabei findet man nicht nur die Unterteilung der Autoren in „good“, „bad“ und „ugly“ (frei nach dem berühmten Italowestern, der in Deutschland „Zwei glorreiche Halunken“ heißt) und die Namen der seltsamen Eröffnungen am Anfang des Buches, sondern auch ein übersichtliches, nach den Anfangszügen gegliedertes Variantenverzeichnis am Ende des Buches. Innerhalb einer jeden Eröffnung werden neben kurzen Anmerkungen auch viele Subvarianten abgehandelt, damit man ein vollständigeres Bild bekommt. Die Vorschläge sind nachvollziehbar und gut gewählt – die Absicht der Autoren ist, vorzugsweise leicht zu merkende und risikofreie Varianten anzubieten, die Ausgleich gegen die spielbaren und Vorteil gegen die schlechten Eröffnungen bringen.

Kann man sich die vorgeschlagenen Varianten für ca. 120 zum Teil sehr schräge Eröffnungen merken? Wohl nicht. Muß man das unbedingt, um ein besserer Spieler zu werden? Unwahrscheinlich. Lernt man was davon? Wenn man es richtig macht – die Analyse der Eröffnungen entlang den geltenden Eröffnungsprinzipien dürfte unter Anleitung den schlechteren Spielern Spaß und Wissen bringen. Ist es aus Lerngründen besonders effizient? Nein. Macht es Spaß, sich diese Varianten durchzulesen? Ungemein! Man braucht dafür nur etwas „Schachhumor.“

Fazit: Das ideale Geschenk für jeden halbwegs humorvollen oder neugierigen Schachspieler. Ein irre amüsantes Buch, sofern man Gefühl für Ironie und Ästhetik von Schachzügen hat! Außerdem ein hilfreiches, aber nicht notwendiges Nachschlagewerk für alle Seltsamkeiten der Eröffnungsgeschichte. Ich würde es trotzdem jedem Schachspieler schenken, für den ich ein Geschenk bräuchte und der schachlichen Humor hat oder sich für exzentrisches Schach als Entertainmentoption begeistern kann.

Die Sterne sind dieses Mal erklärungsbedürftig: Weil wir hier ein Schachblog sind und dieses Buch aus schachlicher Sicht nicht in der Bibliothek sein muss, nur 3 Sterne.

Sterne3

Gesponsort wurde dieses Buch vom Schachversand Niggemann (schachversand.de).

Dennis Calder

Fide Instructor, Juni 2015

Chessbase hat mir eine DVD zur Rezension gegönnt. Weil mir eine brauchbare theoretische Lektüre für den Schotten fehlte, habe ich mir diese DVD ausgesucht.

Der Inder Negi gehört zur neuen Generation indischer Super-Großmeister (aktuelles Elo-Rating: 2669) und beschäftigt sich in ca. 6 Stunden und über 30 Video-Lektionen zuzüglich einigen Übungsvideos mit der schottischen Eröffnung. Diese Chessbase DVD liefert über das moderne Medium „Video“ jede Menge leicht verdauliche Schachinformation. In verständlichem Englisch erläutert Negi sämtliche gängigen Eröffnungsvarianten im Schotten (1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. d4 exd4).

Nicht ganz so gelungen finde ich, dass die einzelnen Lektionen entweder aus Sicht von Weiß oder Schwarz aufgebaut sind. Dadurch wird es schwerer, die objektiv kritischen Varianten und Pläne zusammen zu bringen. Auch wirkt es etwas lässig, wenn Negi in einigen Varianten „let´s make some more moves“ sagt und dann sehr schnell tatsächlich ein paar Züge spielt, um danach die Stellung bzw. Pläne zu beschreiben. Das wirkt nicht sorgfältig vorbereitet, selbst wenn klar ist, dass der Super GM auch auf die Schnelle nur gute Züge macht. Auch kommt es mir eigenartig vor, wenn er in zahlreichen Varianten einen deutlichen weißen und in manchen einen deutlichen schwarzen Vorteil feststellt, obwohl die Statistiken in der schottischen Eröffnung nicht so einseitig sind. Schließlich beendet Negi häufiger seine Varianten schon nach 13 bis 15 Zügen, so dass man nicht so viel Einsicht in die entstehenden Mittelspiele bekommt, wie man es sich wünschen würde.

Aber das ist Nörgeln auf hohem Niveau. Durch die Beschreibung der Pläne und Strukturen habe ich sehr schnell das Gefühl bekommen, diese Eröffnung gut spielen zu können – natürlich bezogen auf mein schachliches Niveau. Und zwar deshalb, weil Negi sehr anschaulich und sehr konkret auf die jeweiligen Pläne eingeht und sie hervorragend darstellt. Und das ist eine starke Leistung für Videolektionen, auch wenn es satte 6 Stunden sind. Diese DVD geht damit über den berühmten „ersten“ Einblick in eine Eröffnung weit hinaus. Eine empfehlenswerte Arbeit für Spieler ab einem Rating von 1500 aufwärts.

Dennis Calder

Fide Instructor, Mai 2015

Sterne4

http://de.chessbase.com/post/parimarjan-negi-the-modern-scotch-opening

Sonntag, 07 Juni 2015 17:47

The Soviet Chess Primer - Ilya Maizelis

Wenn die beiden Ex-Weltmeister Karpov und Kasparov über das Buch sagen: „Ein bemerkenswertes Buch, durch das ich Schach gelernt habe“ und „ein wundervolles Buch“, sind das üppige Vorschusslorbeeren.

Über den Autor ist nicht viel in Erfahrung zu bringen. Geboren 1894 und gestorben 1978 gehörte Maizelis noch lange nicht zur Generation Internet. Er hat mit Yuri Averbakh zusammen ein paar Endspielbücher geschrieben. Wenn Averbakh als ausgewiesener Experte für Endspiele Maizelis ins Boot holt, kann er so schlecht nicht gewesen sein.

Das Buch lehrt den absoluten Anfänger, wie man Schach lernen soll. Das Englisch ist für jeden leicht verständlich, wobei gelegentlich (selten) ein drolliger russischer Satzbau einfließt, obwohl ein Brite die Übersetzung gemacht hat. Es ist eine Übersetzung des Soviet-Klassikers - daher der Name - aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ins Englische und damit kein neues Buch. Im Original liefert kein Geringerer als Weltmeister Emanuel Lasker ein üppiges Vorwort. Weil es ein Lehrbuch ist, muss es auch angenehmerweise nicht neu, sondern nur gut sein. Dementsprechend fängt Maizelis bei Adam und Eva an und hangelt sich dann systematisch zu komplexeren Themen weiter. Dabei ist er stets strukturiert. Am Ende der Kapitel gibt es Fragen / Aufgaben und ein paar sogenannte „Entertainment pages“. Diese stehen im weiteren Sinne mit dem Thema des abgeschlossenen Kapitels in Verbindung und sind in der Tat sehr amüsant und interessant. Es werden z. B. Kurzpartien mit groben Fehlern gezeigt und kurz kommentiert, um spielerisch zu erkennen, warum bestimmte Strukturen / Aufbauten schlecht sind und was man mit den einzelnen Figuren so alles anfangen kann, wenn die Stellungen passen. Pädagogisch ist das allererste Sahne, weil man so die Lerneinheiten auflockert und den Spaßfaktor erhöht. Die Aufgaben sind auch für Fortgeschrittene Spieler nicht immer leicht zu lösen. Auch für mich waren immer wieder neue Erkenntnisse dabei. Dieses Buch liefert folglich wirklich eine Menge Stoff zur Verbesserung und sorgt dabei außerdem noch für gute Stimmung!

Ganz klar das beste Buch für Anfänger, das mir bisher in die Finger geraten ist. Eigentlich sollten alle Spieler unter 1800er Rating dieses Buch mindestens ein Mal durchgearbeitet haben. Gesponsort wurde dieses erstklassige Buch vom Schachversand Niggemann (schachversand.de).

Dennis Calder

Fide Instructor

Sterne5

Der französische Schachfreund Edouard ist schachlich mittlerweile in die erweiterte Weltspitze geklettert (ELO im Juni 2014: 2700) und legt hier sein erstes Buch vor (gesponsort vom Schachversand Niggemann - schachversand.de).

Der Titel lässt Spielraum für Fragen. Was will der Autor mit seinem Buch erreichen? Vermeidbare Fehler im Schach sind ein sehr weites Feld. Doch danach wird es sehr strukturiert. Schnell erkennt man, dass es um Schachpsychologie geht - die Einstellung während der Partie und was den (nicht perfekten) Spieler davon ablenkt, sein bestmögliches Schach zu spielen.

In mehreren Kapiteln schreibt Edouard über seine Fehler in früheren Partien und die psychologischen Hintergründe dafür. Daraus leitet er sehr klar formulierte Regeln ab. Ich habe meine Schüler und mich bei praktisch allen Anmerkungen wieder gefunden. Das Buch kann somit schon mal als sehr realitätsnah angesehen werden.

Edouard liefert für jeden seiner „vermeidbaren Fehler“ mehrere Beispiele aus seinen Partien, wobei er sich wirklich auf die Stelle(n) konzentriert, die für die jeweilige Regel / den jeweiligen Fehler entscheidend sind. Dadurch spart sich der Leser viel Zeit. Er wird - wie in einer guten Partie - nicht abgelenkt. Das ist wirklich sehr gut gemacht. In den Beispielen entwickelt Edouard Stück für Stück seine Regel, die er am Ende dann zusammenfasst. Auch das ist pädagogisch stark.

Nach den Beispielen kommen die Übungen zum Thema. Ob die Reihe der Beispiele und die Übungen am Ende tatsächlich helfen, die Einstellung in der echten Partie zu verändern, wird sicher nur die Zeit zeigen können. Das Buch jedenfalls ist sehr strukturiert, übersichtlich und verständlich. Damit ist es logischerweise nicht so unterhaltsam wie die wohl bekanntesten Schachpsychologiebücher der letzten 10 Jahre von Jonathan Rowson („Die 7 Todsünden des Schachspielers“ und „Schach für Zebras“), übrigens beide auch sehr empfehlenswert, dafür aber konkreter. Ein starkes und sehr effizient wirkendes Buch.

Dennis Calder

Fide InstructorSterne5

Mauricio Flores Rios (MFR) ist ein junger GM (aktuelle Elo: 2531), der regelmäßig für Chile bei der Schacholympiade spielt.

Er selbst beschreibt seine schachliche Entwicklung so, dass er früher stark von seinen taktischen Fähigkeiten profitierte, ohne positionell besonders gut ausgebildet gewesen zu sein. Er geht sogar so weit, zu sagen, dass er IM wurde, ohne das positionelle Wissen zu haben, das er in diesem Buch verarbeitet hat. Nachdem ich die langen taktischen Varianten in den ersten kommentierten Partien gesehen habe, glaube ich ihm das.

MFR unterteilt das Buch in 22 Kapitel (mit Übungen am Ende des Buches), die jeweils die bekanntesten Bauernstrukturen besprechen. Z. B. beginnt er mit dem Isolani, um später unter anderem hängende Bauern, die Caro-Kann- und die Carlsbader Bauernstruktur und viele mehr zu erläutern.

Nachdem er ausführlich erklärte, warum er nicht nur die positionellen Motive besprechen will, sondern die sich anbietenden typischen, hinter den Bauernstrukturen steckenden Pläne, war ich begeistert und gespannt. Dann allerdings las ich mich in die Partien ein, in denen viele lange Varianten nicht oder nur mit einer abschließenden Bewertung versehen waren. Da war ich zunächst enttäuscht und wollte das Buch schon abhaken. Doch glücklicherweise kam ich dann dahinter, dass dieses Buch sich nicht durch die Kommentare in den Partien auszeichnet, sondern durch den Rest:

Vor jeder Partie stellt MFR kurz dar, was in der folgenden Partie gelernt werden soll. Nach der Partie erklärt er die feineren positionellen Aspekte, die für den Ausgang der Partie relevant waren. Und er hat dafür sehr gut passende Partien gefunden. Um es konkreter zu sagen: MFR schafft es hervorragend, sehr anschauliche Partien zu finden und dann die positionelle Essenz, die prinzipiellen Pläne, aus den Partien in kurze und sehr verständliche Anmerkungen zu verpacken. Dabei meine ich auch zu erkennen, wie gut MFR selbst die einzelnen Bauernstrukturen verstanden hat, da ich das Gefühl hatte, dass er manche Stellungen noch besser beschreiben kann als andere. Aber selbst wenn es tatsächlich Qualitätsunterschiede in den einzelnen Kapiteln geben sollte: Für Spieler bis zu einem Rating von 2300 ist dieses Buch in jedem Fall ein enormer Gewinn, wahrscheinlich auch für noch bessere Spieler.

Nachdem es mir gelang, die Anmerkungen in den Partien nur „nebenbei“ oder bei Bedarf eingehender zu berücksichtigen und ich stattdessen mehr Konzentration in den Verlauf der Partien und die Anmerkungen davor und danach investierte, erkannte ich, wie nützlich dieses Buch zum Lernen ist. Besonders deutlich wurde es mir bei Bauernstrukturen, für die ich bisher nur wenig Stellungsgefühl entwickeln konnte.

Fazit: Unverzichtbar für Spieler zwischen 1500er und 2300er Rating, wenn man nicht ständig einen professionellen Schachtrainer von überdurchschnittlicher Qualität dabei hat. Mein Dank geht an den Schachversand Niggemann (schachversand.de) für dieses erst auf den zweiten Blick großartige Buch.

Dennis Calder, Fide Instructor

Sterne5

Was gibt es über Tiger Hillarp Persson zu sagen? Zunächst einmal: Ja, er heißt wirklich Tiger. Der aktuell zweitstärkste Schwede spielt seit Jahren konstant zwischen 2500 und 2600 Elo und ist der vermutlich bekannteste Spieler, der regelmäßig die moderne Verteidigung spielt. Ein Hinweis noch: Tiger ist seit einiger Zeit mein Trainer. Obwohl ich mir auf meine Objektivität etwas einbilde, bin ich mir nicht sicher, ob ich hier wirklich objektiv bleiben kann. Ich versuche es.

Tiger´s Modern aus dem Jahr 2005, Tiger´s Erstlingswerk zur modernen Verteidigung, wurde ein Klassiker der Eröffnungslehre. Er beschäftigte sich, wie der Name schon sagt, mit der modernen Verteidigung (aus schwarzer Sicht). Dass seine Eröffnung lebt, kann leicht dadurch bewiesen werden, dass sie mindestens gelegentlich auch von anderen GMs erfolgreich gespielt wird, z. B. von Caruana. Knapp 10 Jahre später packt der Autor sozusagen Version 2.0 seines Buches aus. Dabei schaut er besonders auf seine Hausvariante 1. e4 g6 2. d4 Lg7 3. Sc3 d6 4. … a6!? Damals noch exzentrisch, heute akzeptiert.

Zum Buch:

Zu Beginn erläutert Tiger, wie sich seine eigene Einstellung zur modernen Verteidigung über die Jahre verändert hat - von der „besten Eröffnung überhaupt“ zu einer immer noch sehr interessanten Eröffnung, die aber nicht jedermann zu empfehlen ist. Wenn man die Spielweise und Stärken des Tigers kennt, erklärt sich seine Vorliebe für die moderne Verteidung. Er hat eine starke Neigung, hochkomplexe positionelle Stellungen spielen zu wollen, um den Gegner von Beginn des Spiels an unter Druck zu setzen, weil er ein ausgezeichnetes Gefühl für komplexe Stellungen hat und kreativ ist. Eine Eröffnung, in der Verständnis mehr zählt als Auswendiglernen, weil man hochgradig flexibel auf die Aufstellung des Weißen reagieren kann und oft auch muss, um nicht unter die Räder zu kommen. Im Gegenzug bekommt man oft sehr komplexe (auf neudeutsch: „abgefahrene“) Stellungen, in denen nicht nur schwächere Schachspieler den Überblick sehr schnell verlieren, dafür aber die Partie so schnell nicht mehr vergessen. Da kommt dann der Vorsprung durch Erfahrung als Schwarzspieler zum Tragen.

Diese Eröffnung ist folglich das Richtige für kreative Spieler mit überdurchschnittlichem positionellen Verständnis, die komplexe Stellungen spielen wollen. Mein früherer Trainer hat mal gesagt, dass die moderne Verteidigung für Anfänger und nicht starke Spieler eher eine schlechte Wahl ist. Dem kann ich nur zustimmen.

Zur Sprache: Der Autor geht feinsinnig mit der Sprache um, subtiler Humor und klare Aussagen machen das Lesen der Anmerkungen sehr unterhaltsam. Wer englisch nicht so gut versteht, kommt vielleicht mit dem Humor nicht immer mit, immer aber mit den schachlichen Aussagen.

Ich selbst hatte inhaltlich etwas anderes erwartet als das, was das Buch nun geworden ist. Ich rechnete mit einem Lehrbuch, um die Massen von dieser Eröffnung zu begeistern und weil Tiger lehren kann. Nun halte ich stattdessen ein ausgewachsenes Nachschlagewerk in Händen. Über 520 Seiten voller Varianten, Analysen und fundierten Bewertungen auf hohem Niveau.

Tiger hat jede einzelne Variante intensiv durchleuchtet und noch einmal bewertet, insbesondere hat er sein Erstlingswerk nicht geschont. Man bekommt auch ohne Beschönigung die Bewertung eines anerkannten Spezialisten der Eröffnung über die einzelnen Varianten und kritischen Abspiele. Von wegen Erstlingswerk: Der Name "The modern Tiger" ist natürlich eine platte Anspielung auf "Tiger´s Modern" - die Idee kam vom Verlag, Tiger hat allerdings leicht beschämt zugegeben, sich nicht energisch genug gegen diesen Titel gewehrt zu haben...

Neben einer groben Variantenübersicht zu Beginn der Kapitel stellt Tiger auch mehrfach die typischen Pläne von Weiß dar und in welchen der folgenden Partien dieser Plan behandelt wird. Das bringt Überblick und gibt ein besseres Gefühl für die Strukturen.

Um ein Gefühl für die richtige Platzierung der Figuren und Bauern zu bekommen, muss man die Anmerkungen, auch in den Partien, sorgfältig lesen, weil sie leider nicht wie in einem guten Lehrbuch systematisch sortiert sind, sondern sich mal hier, mal dort „verstecken“. Überfliegen reicht da nicht. Und erstaunlicherweise sollte man wirklich vorne mit dem Durcharbeiten anfangen. Warum erstaunlicherweise, wo man Bücher doch meistens von vorne nach hinten liest? Bei den meisten Schachbüchern macht es keinen nennenswerten Unterschied, wenn man sich die Kapitel einzeln vornimmt, je nachdem, was man gerade gespielt hat oder spielen will. In diesem Buch lesen sich die Kapitel von vorne nach hinten irgendwie sehr logisch und man nimmt die mitgegebenen Faustregeln besser im Gedächtnis auf, um in den Folgekapiteln davon zu profitieren. Also doch eher Lehrbuch? Vom Aufbau her wahrscheinlich schon, vom Inhalt her überwiegend nicht. Von einem Lehrbuch erwarte ich mehr Erläuterungen, wo es lang geht und worauf es ankommt. Die vorhandenen Erläuterungen sind sehr nützlich, aber eben nicht so ausführlich, dass ein Anfänger oder mittelmäßiger Spieler (jeder definiere diese Bewertung nach eigenem Geschmack) ein echtes Gefühl entwickeln kann, wo die Figuren hingehören. Dafür findet man ungefähr jede halbwegs brauchbare Variante in diesem Buch und eine entsprechende Bewertung.

Was mir an den meisten Eröffnungsbüchern nicht gefällt, ist die Besprechung ganzer Partien, so auch hier. Ganze Partien blähen das Buch auf und haben üblicherweise einen überschaubaren Lehreffekt. Immerhin werden die eröffnungstheoretisch nicht mehr relevanten Passagen kürzer besprochen. An manchen Stellen weist Tiger aber auch aktiv darauf hin, wenn es sich um typische Endspielstrukturen handelt. Immerhin.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich, dass mitunter Partien verwendet wurden, in denen schon früh schlechte Züge gespielt wurden. Dadurch ist eröffnungstheoretisch der Rest der Partie unwichtig geworden, was für ein Eröffnungsbuch ja gerade nicht optimal ist... Andererseits sind nicht so viele Partien gespielt worden, die theoretisch bis zum 20. Zug fehlerfrei waren. Und es soll niemand auf die Idee kommen, dass diese Eröffnung nur von mittelmäßigen Spielern gespielt würde. Neben dem am Anfang erwähnten Caruana stehen unter anderem Weltklassespieler wie Tkachiev, Bologan, Benjamin, Gulko, Gurevich, Kramnik, Khalifman, Seirawan und Wojtaszek auf der Liste der Schwarzspieler. Das sagt etwas darüber aus, wie komplex die Eröffnung werden kann.

Dafür bekommt man auch allerhand Abspiele, die auf Clubniveau gespielt werden, um damit umgehen zu können.

Fazit:

Am Ende ist es eine Mischung aus Lehrbuch und Nachschlagewerk geworden. Die gesuchten Informationen sind im Buch, nur nicht so übersichtlich, wie ich es mir gewünscht hätte. Daher:

Deutlich fortgeschrittene Spieler (ab Rating von mindestens (!) 1800, passender wäre ab 2000) werden beim Durcharbeiten von den Anmerkungen bestimmt stark profitieren. Für schwächere Spieler ist es meines Erachtens zu komplex.

The Modern Tiger wird wieder ein Klassiker für Anhänger der modernen Verteidung oder solche, die es werden wollen. Als Nachschlagewerk für diese Zielgruppe unverzichtbar. Es hätte etwas übersichtlicher sein können. Als Lehrbuch ist es auch geeignet, allerdings braucht es mehr Aufwand, um die Infos zusammenzutragen.

Bereitgestellt wurde dieses Rezensionsexemplar vom freundlichen Schachversand Niggemann (schachversand.de)

Dennis Calder

Fide Instructor

Sterne4

Das Pfalz Open war mir bisher überhaupt noch nicht bekannt, als ich um Weihnachten herum ein Schachturnier für das Frühjahr suchte. Der außergewöhnliche Preisfond, die sich daraus beinahe zwangsläufig ergebende Ansammlung starker Spieler, die gute Teilung in 2 Gruppen und die besondere Nähe zu meinem Lieblingswinzer machten die Entscheidung, dort Mitte Februar 9 Runden gegen harte Konkurrenz zu spielen, relativ einfach. Während des Turniers kamen mir dann so viele Ideen für einen politisch unkorrekten Artikel zur Karnevalszeit, dass ich mir vornahm, einen Bericht zu schreiben. Meine Erfahrung mit dem unterschiedlichen Verständnis für Humor ließen mich dann mit der Umsetzung zögern. Daher hier die entschärfte Variante, die immer noch lustig sein und nicht beleidigen soll…

Viele Dinge bei diesem Turnier entsprachen so sehr dem Klischee von Schachturnieren, dass es mir schon beinahe unheimlich wurde.

1. Die Location: Das Turnier fand in einer Schule statt. Klischee. Die Spielräume hatten genug Licht und die Spieler genug Platz zum Sitzen, dafür waren die Gänge so eng, dass eine Feuerwehrprüfung bei Fluchtversuchen vermutlich zur Abwertung geführt hätte. Die Aula beherbergte den größten Teil der A-Gruppe (Bretter 1-82). Es gab auch einen Raum für Loser der A-Gruppe für die Bretter 83-97. Das wirkte motivationssteigernd und diskriminierend zugleich, wenngleich dort möglicherweise bessere Spielbedingungen herrschten als im Hauptraum. Die B-Gruppe spielte in einzelnen Klassenräumen. Irgendwie auch Klischee.

2. Das Personal: Den härtesten Job bei einem Schachturnier haben fast immer die ebenso bewunderns- wie bedauernswerten Menschen, die sich um die Aufrechterhaltung der Benutzbarkeit der Toiletten kümmern mussten. So auch hier. Mit Bravour gelöst, soweit Schultoiletten überhaupt ein angenehmes hygienisches Gefühl aufkommen lassen können. Respekt!

Womit wir auf eigenartigen Wegen bei den angebotenen Speisen und Getränken landen. Essen gut, Getränkeauswahl gut, Preise moderat, daher Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut! Nichts zu meckern.

Auch die Schiedsrichter waren immer auffindbar, nett und vor allem immer mit einer schnellen Lösung da! Inkonsequente Schiedsrichter sind so etwas wie ein Geschwür am Hintern eines guten Schachturniers. Die Herren hatten alles im Griff, waren freundlich und kümmerten sich um jedes Anliegen. Hier gäbe es höchstens optisch Verbesserungsmöglichkeiten, indem man statt der anwesenden Herren ein paar Cheerleaderinnen eingesetzt hätte. Aber ich bin selbst keine gutaussehende Cheerleaderin und kenne auch keine, die als Schiedsrichterin bei Schachturnieren brauchbar wäre. Vermutlich gibt es auch viele Schachfreunde, die einen derart sexistischen Wunsch schon aus Ablenkungsgesichtspunkten ablehnen würden, so dass ich diesen Punkt ironiefrei damit abschließe, dass alle, die mitgeholfen und organisiert haben, einen sehr guten Job gemacht und natürlich auch gut ausgesehen haben :-)

Allerdings kann ich mich nicht erinnern, jemals 4 Doppelrunden in 4 Tagen gespielt zu haben. Wer auf diesen Einfall kam, muss schon zu den härteren Vertretern unter den Schachfans gehören…

3. Die Spieler: Manche Schachspieler duschen zu selten während eines Turniers. Andere Spieler haben leider immer noch nicht verstanden, dass Stille zum guten Benehmen bei Schachturnieren gehört, dass man weder mit Tüten knistert, schon gar nicht, wenn der Gegner am Zug ist und dass man Kugelschreiberminen nicht nach jedem Zug rein- und rausschnipst. Reden im Turniersaal stört immer, auch wenn man nicht am eigenen Brett quatscht, sondern 5 Reihen weiter, wo man andere Spieler stört. Auch Klischee.

4. Originale: Auch hier war alles vertreten, was die Klischeekiste hergeben kann: Frank Schellmann hielt die Fahne der blinden Schachfreunde hoch (sympathischer Typ, dem man immer wieder bei Turnieren begegnet), ein Rollstuhlfahrer war auch dabei, Josip Gazic ist überregional nicht nur für seine Schachkünste bekannt, die osteuropäischen Schachfreunde mit Siegambitionen waren auch leicht an ihren Outfits erkennbar (keine Wertung!), mehrere anwesende Schachfreundinnen passten auch ins Bild weiblicher Schachspieler. Bemerkenswert ist allerdings, dass 2 Damen, Hanne Goossens und Anna Iwanow, sich mit ihren roten Haaren auf den ersten Blick so ähnlich sahen, dass man genauer hinschauen musste. DSC 9440 k

Nur auf den ersten Blick unscharf...

Erschütternd war für mich die Verwandlung von GM Alexandr Karpatchev, den ich vor 10 Jahren in Northeim flüchtig kennenlernen durfte: Ehemals der Inbegriff des großen russischen Bären mit Vollbart, imposanter Statur, tarnoliver Kleidung und wortkargem Auftritt, war er nun bartfrei und verlor dadurch seine klischee-mäßige Aura. Ergebnis: Er verlor wie Samson mit dem Bart auch so manche Partie. Die Niederlage gegen den Fünftklässler Vincent Keymer wurde nicht nur bei schachbund.de ausgewalzt und kann als ein sicheres Zeichen für den Niedergang des aktuellen Putin-russischen Imperialismus gedeutet werden. Ist vielleicht aber auch Wunschdenken, jetzt, wo meine ukrainischen Freunde ein Visum brauchen, wenn sie ihre Verwandten auf der Krim besuchen wollen. Hoffen wir, dass die Gewalt dort sich bald legt. Dies ist ausschließlich meine Meinung und spiegelt nicht die Meinung der für den Betrieb dieser Internetpräsenz verantwortlichen Personen wider. Genug Politik.

Wo wir bei Hoffnung sind: Bei diesem Turnier haben mehrere Schachfreunde eine Kippa getragen. Auch wenn es im westlichen Sozialumfeld unhöflich ist, in geschlossenen Räumen seine Kopfbedeckung nicht abzunehmen, so gehört die Kippa als Kopfbedeckung der Anhänger des jüdischen Glaubens auch innerhalb geschlossener Ortschaften Räume auf das Haupt des Trägers (man korrigiere mich bitte, sofern das falsch sein sollte). Gut so! Es ist überfällig, dass man dies wieder im Alltag in Deutschland sieht. Und dass man sich das auch wieder trauen kann, gibt mir wieder mehr Hoffnung auf ein entspanntes Zusammenleben in Zeiten, in denen Religion wieder als Vorwand für Gewalt mißbraucht wird. Hmm, das ist schon wieder Politik. Nun ist aber Schluß damit!

Beim Turnier spielte übrigens auch ein echter Patzer mit! Der Mann heißt „Patzer“, Jörg Patzer. Mit dem Namen muss man unter Schachspielern Einiges aushalten können, übertroffen höchstens noch von Schachfreund „Matt“, der mir auch schon begegnet ist. Als ich das Namensschild las, sind mir auf Anhieb zwei blöde Sprüche eingefallen. Als ich dann sah, dass seine DWZ und meine DWZ auf den Punkt genau identisch waren, blieb nur noch die selbstironische Version übrig, dass ich auch nur ein Patzer und nicht einen Hauch besser bin…

5. Das Umfeld: Im Februar ist Deutschland ohnehin von nur übersichtlicher Schönheit. Neustadt an der Weinstraße ist aber eine niedliche kleine Stadt, wo es gutes Essen und Übernachtungsmöglichkeiten für moderate Preise gibt. Neustadt ist zudem eine Weingegend. Wenn man lausig spielt, kann man sich wenigstens geschmeidig betrinken.

Fazit: Ein sehr gut organisiertes Turnier, wo man für gute Bedingungen weniger bezahlen muss als anderswo. Sehr empfehlenswert! Das nächste Pfalz Open ist für den 5.-9.2.2016 geplant.

Dienstag, 27 Januar 2015 03:10

Gute Bücher und eine Doktorarbeit

I   The Richter Rauzer Reborn von Zdenko Kozul & Alojzije Jankovic

II  Improve Your Chess Pattern Recognition von Arthur van de Oudeweetering

III The Liberated Bishop Defence von Alexey Bezgodov

IV John Nunn´s Schachkurs

 

 

The Richter Rauzer Reborn

von Zdenko Kozul & Alojzije Jankovic

 

KozulÜber den Europameister 2006 Zdenko Kozul sollte man nicht mehr viel sagen müssen. Sein Schüler Jankovic ist mittlerweile auch schon GM mit über 2550 Elo. Hier haben folglich zwei Spitzenspieler ein Buch über eine Spezialvariante geschrieben. Und was für eins! Es geht um die Sizilianisch-Variante 1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 Sc6 6. Lg5 e6 7. Dd2 a6 8. 0-0-0 Ld7. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die beiden Großmeister sezieren diese Variante nach allen Regeln der Kunst, teilweise splitten sie eine Subvariante noch 4 Mal nach dem 25. Zug! Ein enormer Aufwand. Den Beiden ging es also um nichts Geringeres als um die Wahrheit höchstselbst. Daraus ergibt sich praktisch zwangsläufig, dass dieses Buch als Lehrbuch nur sehr bedingt geeignet ist, dafür aber umso mehr als Nachschlagewerk bzw. Lexikon für Richter Rauzer Spieler unverzichtbar werden dürfte. Hier steht schlicht drin, was man spielen und was man nicht spielen kann / sollte / darf. Es gibt auch regelmäßig kurze Erläuterungen, wohin das Spiel geht, die sind aber eben nur kurz und bringen daher den Amateur nicht immer weiter.

 

Fazit: Ein phänomenales Nachschlagewerk über eine einzige Variante. Für Hobbyspieler ist es zu viel Information. Wer aber ein photographisches Gedächtnis hat oder mit dieser Variante ein Rating von 2400 oder mehr erreichen will oder sehr akribische Arbeit zu leisten gewillt ist, bekommt mit diesem Buch, was er braucht. An Detailreichtum setzt dieses Nachschlagewerk Standards.

 

Sterne5für Präzisionssüchtige, Profis oder solche, die es werden wollen

 

Sterne1für alle anderen Freizeitspieler

 


 

Improve Your Chess Pattern Recognition

von Arthur van de Oudeweetering

Oudeweetering

Der niederländische IM van de Oudeweetering (vdO) möchte mit diesem Buch typische Mittelspielmotive vermitteln. Nach einem oberflächlichen Blick durch das Buch kam mir unwillkürlich John Nunn´s „Understanding Chess Middlegames“ in den Sinn. Ein Vergleich drängte sich auf. Schnell wurde klar, dass beide Autoren hier in der Tat ein identisches Ziel verfolgen: Die Verbesserung des Mittelspiels beim interessierten Vereinsspieler. Wo sind die Unterschiede?

vdO hat Übungsaufgaben, Nunn nicht.

Nunn hat 100 sehr klar strukturierte und übersichtliche kleine Kapitel, vdO hat 40 deutlich größere Kapitel. Die 40 Kapitel sind zwar nicht so vorzüglich strukturiert wie bei Nunn, dafür vermitteln sie eindringlicher, was vermittelt werden soll, indem es mehr Beispiele gibt.

Nunn schreibt sachlich, vdO etwas unterhaltsamer.

Auch die Zielgruppe ist ähnlich: Vereinsspieler ab 1600er Rating dürften sehr von beiden Büchern profitieren.

Welches Buch nimmt man nun? Beide, denn sie ergänzen sich sehr gut.

Sterne4


 

The Liberated Bishop Defence

von Alexey Bezgodov

Bezgodov

Alexey Bezgodov war 1993 russischer und 1999 ukrainischer Meister. Das sollte als schachliche Visitenkarte reichen.

Er liefert mit The Liberated Bishop Defence ein ausführlich und intensiv recherchiertes und analysiertes Buch über eine Eröffnung für Schwarz, die nicht im Fokus der schachlichen Weltöffentlichkeit steht: 1. d4 d5, 2. c4 oder Sf3 Lf5.

Als bekennender Eröffnungsbuch-Niedermacher war ich mir bei diesem Buch nach der Prüfung selbst nicht sicher, wie ich es finden soll. Daher der Reihe nach:

Am Anfang erklärt Bezgodov, welche hochkarätigen Schachspieler die Eröffnung schon gespielt haben. Wenn so etwas nötig ist, ist es immer ein sicheres Zeichen, dass diese Eröffnung nicht ganz solide zu sein scheint.

Das Buch ist in übersichtliche Kapitel gegliedert, die alle mit Übungsaufgaben versehen sind. Das gefällt mir sehr gut.

Auf über 330 Seiten seziert Bezgodov die einzelnen Varianten und gibt seine eigenen Bewertungen offen weiter.

Je länger ich dieses Buch studierte, desto weniger sicher war ich mir, wie gut ich das Buch finde. Bezgodov schreibt zwar oft, dass bestimmte Varianten für Schwarz kritisch sind, liefert dann aber immer in den jeweiligen Partien Varianten für Schwarz, die nach seiner Ansicht zum Ausgleich führen. Er analysiert ausführlich viele nahe liegende Varianten, so dass man das Buch gut als Nachschlagewerk verwenden könnte, für diesen Zweck könnte es allerdings noch übersichtlicher gestaltet sein.

An vielen Stellen erklärt er, wie man grundsätzlich spielen / planen sollte. Dafür liefert er aber an vielen anderen wichtigen Stellen doch nur Bewertungen und Varianten, anstatt zu erklären, um was es in der Stellung gerade geht.

Fazit: Ich schätze, dass dieses Buch für manche Leser (ab einem Rating von 1600) eine tolle Hilfe sein wird, für andere Leser aber weitgehend nutzlos bleibt. Als Nachschlagewerk gut und sorgfältig sowie mit intensiven eigenen Analysen recherchiert. Es ist aber als Lehrbuch mit Übungsaufgaben und Anmerkungen aufgebaut. Dafür gibt es für meinen Anspruch zu wenig Input. Ich kann daher weder abraten noch empfehlen, sondern nur eine genaue eigene Prüfung des Buches anregen.

Sterne3


 

John Nunn´s Schachkurs

von na? Von wem wohl?!

NunnJohn Nunn war und ist, wenn er denn noch spielt, ein Weltklassespieler. Zudem ist er Mitdirektor des Gambit Verlages und schreibt regelmäßig sorgfältig recherchierte und preisgekrönte Schachbücher. Bei ihm stellt sich somit üblicherweise die Frage, ob das neueste Buch gut, sehr gut oder hervorragend ist und für welche Zielgruppe es am Besten geeignet ist.

Er selbst stellt im Vorwort zu diesem Buch klar, dass er mit diesem Buch seine Bücher „Schach verstehen – Zug um Zug“ und „Das Verständnis des Mittelspiels im Schach“ ausführlicher erläutern möchte. Man kann seinen „Schachkurs“ aber auch ohne die anderen Bücher gut lesen und verstehen.

„Schach verstehen – Zug um Zug“ erklärt Großmeisterpartien von Anfang bis Ende ausführlich.

„Das Verständnis des Mittelspiels im Schach“ war eine konzentrierte Darstellung der 100 wichtigsten Mittelspielideen. Sehr knapp dargestellt, jeweils auf 2 Seiten pro Idee.

Hier liefert Nunn in 15 Kapiteln mit nachfolgenden Übungen die Erläuterungen zu seinen Ideen, wobei er entweder ganze Partien oder Partieausschnitte nimmt. Er greift dabei ausschließlich auf Partien von Ex-Weltmeister Lasker zurück. Die Erklärung für diese Auswahl: Lasker war ein hervorragender Spieler (logisch) und er hat seine Eröffnungen nicht stark variiert, so dass die Eröffnungen nicht so viel besprochen werden müssen, schließlich soll das Buch ein Mittelspiellehrbuch sein.

Nunn liefert, wie so oft, an vielen Stellen übersichtliche Erklärungen und Faustregeln, die für eine große Bandbreite von Spielern nützlich sein dürften. Schon beim Überfliegen bin ich an vielen hilfreichen Hinweisen hängen geblieben. Bei eingehenderer Lektüre bekommt man eine gute Vorstellung, warum das vorherige Studium der angesprochenen Vorgängerbücher (siehe oben) den Lerneffekt wohl noch deutlich erhöhen dürfte. Kürzlich noch war für mich Arthur van de Oudeweeterings „Improve your Chess Pattern Recognition“ ein gelungener Komplementär/eine passende Ergänzung zu Nunn´s „Verständnis des Mittelspiels im Schach“. Hier hat Nunn eine sehr gut gegliederte und selbst geschriebene Ergänzung veröffentlicht.

Fazit:

Idealerweise nutzt man alle 3 Bücher nacheinander: Erst Nunn´s „Verständnis des Mittelspiels im Schach“, dann van de Oudeweetering und schließlich dieses Buch. Wer dann nicht ein wirklich deutlich besserer Schachspieler geworden ist, kann es nicht mehr auf die Lehrmittel schieben, sondern nur auf seine/ihre Art, zu lernen…

Sterne4

Samstag, 17 Januar 2015 15:59

Schachographien

Neue Schachbücher - heute: Schachliche Biographien = Schachographien

  • Anand – Move by Move von Zenon Franco Ocampos
  • Carlsen - Move by Move von Cyrus Lakdawala
  • Garry Kasparov on Garry Kasparov – Part III
  • A game of Queens von Judit Polgar

Anand

Anand – Move by Move von Zenon Franco Ocampos

Zenon Franco Ocampos analysiert Partien von Vishy Anand. Dass passend zum WM-Kampf ein Buch über Anands Partien herausgebracht würde, war zu erwarten. GM Zenon Franco Ocampos ist vermutlich in unseren Breitengraden nicht sonderlich bekannt. Er kommt aus Paraguay und als Jahrgang 1956 ist er auch keiner der jungen Wilden. Er gewann jeweils Gold für die beste Performance am ersten (!) Brett bei Schacholympiaden 1982 und 1990 - sehr beeindruckend in den Zeiten sowjetischer Dominanz - und hat im Laufe der Jahre mehrere Bücher geschrieben. Zenon Franco hat schon mit "Test Your Chess“ als Autor Eindruck auf mich gemacht. Mit Aufgaben und Erläuterungen vermittelt er auch hier wieder hochwertig Schachwissen. Regelmäßig erklärt Zenon Franco, worauf es in den jeweiligen Stellungen ankommt und erleichtert damit, die richtigen Pläne zu verstehen und in eigenen Partien zu finden. Lange unkommentierte Varianten kommen zwar auch vor, aber seltener als bei anderen Kommentatoren und überwiegend, um den typischen Verlauf nach den einzelnen Abspielen zu demonstrieren. Man muss allerdings genau lesen, was Zenon Franco schreibt. Bei oberflächlichem Lesen übersieht man leicht wertvolle Informationen. Dafür geht der Autor über das durchschnittliche Weichgespülte oder Offensichtliche hinaus und man kann wirklich etwas mitnehmen. Um also die wertvollen Infos auch zu erkennen, sollte man schon ein 1600er Rating überschritten haben. Die immer wieder gestellten Übungen passen auch besser für die fortgeschrittenen Spieler.

Ein empfehlenswertes Buch, wenn man Partiensammlungen über einzelne Spieler mag, etwas lernen will und konzentriert ans Werk geht. Und Vishy Anands Partien sind immer schön anzusehen.

Sterne4


 

Carlsen

Carlsen - Move by Move von Cyrus Lakdawala

Cyrus Lakdawala ist ein amerikanischer IM, der in letzter Zeit mehrere Bücher geschrieben hat. Zum WM-Kampf Carlsen-Anand war dieses Mal Carlsen das Thema.

Bei der Analyse der Partien konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass Lakdawala entweder zu wenig Zeit mit den Partien verbracht hat oder ein zu schlechter Schachspieler ist, um die Details zu durchdringen und gut erklären zu können. An den sprachlichen Fähigkeiten kann es nicht liegen, Lakdawala schreibt wie immer sehr unterhaltsam und eloquent. Das ist seit jeher sein großes Plus. Nun spielt Lakdawala um Längen besser Schach als ich, so dass ich annehme, es liegt an der fehlenden Zeit je Partie. Er bietet oft Varianten, ohne die Hintergründe zu erklären und Ideen, die für bessere Spieler meist offensichtlich sind. Schlechtere Spieler bekommen aber auch nicht immer so viel Input, dass sie den Lerntransfer in eigene Partien schaffen dürften. Tief gehende schachliche Analysen sind vielleicht keine Mangelware, für meine Erwartungen reicht es aber nur bedingt.

Fazit: Wegen der sprachlichen Fähigkeiten ist Lakdawala stets unterhaltsam, aus schachlicher und aus Trainingssicht ist dieses Buch seichte Kost. Angenehme Reiselektüre.

Sterne2


 

Kasparov

Garry Kasparov on Garry Kasparov – Part III

Der Egozentriker Kasparov schreibt über sein Lieblingsthema - sich selbst. Als Kasparov noch spielte konnte man sich darauf verlassen, dass seine Analysen sehr lange und unkommentierte Varianten enthielten und fehlerhaft waren. Bevor sich Widerspruch regt: Alle vorherigen Behauptungen sind belegt. Ich bin somit erkennbar kein Fan des Autors Kasparov. Doch seit seinem Rückzug aus dem professionellen Turnierschach hat Kasparov seine positiven Fähigkeiten für hochwertige Bücher eingesetzt.

Meine Theorie zu den Analysen von früher: Die Fehler wurden eingebaut, um sich im Turnierschach nicht zu schwächen. Kasparov war seit jeher ein unermüdliches Arbeitstier, immer auf der Suche nach der schachlichen Wahrheit und – nun ja – schlicht der beste Schachspieler der Welt. Jetzt gibt es keinen Grund mehr, unsaubere Analysen in seine Bücher einzubauen. Und siehe da! Kasparov springt über seinen eigenen Schatten und zeigt Größe, indem er seine früheren Analysefehler aktiv anspricht und die Verbesserungen darstellt. Die Varianten sind immer noch sehr lang und meist unkommentiert, aber inklusive zahlreichen theoretisch wertvollen Partien. Doch in diesem Buch liefert er nicht nur lange Varianten, er erklärt zusätzlich immer wieder, um was es gerade geht. Ohne Schachbrett bzw. Computerbrett kann man die Lektüre wegen der langen Varianten praktisch vergessen, Fortgeschrittene dürften aber so Einiges lernen.

Zwischen den Partien schreibt Kasparov über die jeweiligen Turniersituationen und welche Emotionen und Umstände ihn damals schachlich und außerschachlich bewegten. Dabei hat man sehr schnell das Gefühl, als wäre man dabei gewesen. Diese Texte lesen sich sehr gut und machen neugierig auf die nächste Passage. Außerdem zitiert Kasparov oft Kommentare von anderen Spielern und Gegnern, die damals die jeweiligen Partien kommentiert haben.

Zusammenfassung: Kasparov zeigt großartige Partien, darunter sogar einige, die er nicht gewann. Dabei kommentiert er für Fortgeschrittene gut, für Spieler unter einem Rating von 1700 wohl zu kompliziert und für lässiges nebenbei Lesen eindeutig zu komplex. Überraschenderweise sind ausgerechnet seine Bemerkungen über seine Gefühlslage am und abseits des Brettes hochinteressant und sehr lesenswert. Dadurch wird ein Buch über einen bestimmten Spieler erst wirklich ein „hautnahes“ Erlebnis und nicht nur eine tolle Partiensammlung. Die erste Partiensammlung /Schachbiographie über einen einzelnen Spieler, die wirklich nah am Spieler sein will und es auch ist.

Sterne4

Polgar

A game of Queens von Judit Polgar

Der dritte und vorerst letzte Band von Judit Polgar´s schachlicher Autobiographie behandelt die Zeit von 2001 bis heute. Bei der Erstellung dieses Buches der seit langer Zeit weltbesten Frau im Schach und ehemaligen Nummer 8 der Welt war mit seiner Erfahrung als Autor GM Mihail Marin als Helfer beteiligt.

Im Buch kommentiert Polgar meist ganze Partien und gelegentlich Partiefragmente. Dabei lesen sich die Kommentare erstaunlich flüssig. Erstaunlich deshalb, weil man bei der Ausnahmetaktikerin Polgar eher lange taktische Varianten erwarten durfte als besonders verständlich geschriebene Kommentare, die nicht nur die Partie erklären, sondern auch geeignet für den Transfer in eigene Partien sind. Dabei schont sie sich und ihre Gegner nicht und wirft auch nicht mit „!“ um sich, wie es andere Autoren und selbst Exweltmeister in ihren Büchern gerne tun, um ihre großartigen Ideen zu betonen. Die nicht gespielten Varianten sind gelegentlich allerdings zu komplex, um sie ohne Schachbrett zu durchdringen. Ein weiteres Plus: Polgar lässt den Leser an ihren Gedanken teilhaben und erwähnt an den kritischen Stellen, wie lange sie und / oder ihre Gegner für bestimmte Züge nachgedacht haben. Daraus kann der fortgeschrittene Spieler zahlreiche Trainingseinheiten machen, für die es nur wenig Material gibt: Man kann das Gespür für die kritische Stellung schulen, indem man herauszufinden versucht, in welchen Stellungen man besonders viel Grips investieren sollte, weil die Großmeister viel Zeit investiert haben.

Polgar schreibt in einem sehr flüssigen Stil über die Partien und über ihre Zeit zwischen den Partien und Turnieren. Überhaupt liest sich das ganze Buch sehr angenehm.

Fazit: Partiensammlungen über einzelne Spieler sind tendenziell nicht meine Sache. Dieses Buch gehört für mich zu den positivsten Beispielen dieser Schachbuchsparte. Wenn es mir also schon gefällt, sollte es für Fans ein Vergnügen sein.

Sterne4

Die Bücher wurden bereitgestellt von Schachversand Niggemann