Sven-Hendrik Loßin

Sven-Hendrik Loßin

Webseite-URL: http://losso.blogger.de
Mittwoch, 25 Juni 2014 00:00

Ein seltenes Motiv

Ein weiteres Stück aus dem Turnier zu Ehren Timmans. In der Studie gibt es viele schöne Motive. Manche sind sehr häufig gezeigt worden, andere sind eher rar. Zu letzteren gehört dasjenige, das der Autor Andrzej Jasik hier zeigt. Und so setzt der Jubilar denn auch im Preisbericht, in dem das Stück den 5. Preis erringen konnte, mit den Worten an: "Some studies have an element of humour in them..." Das Thema ist schwierig darzustellen (es sei denn,  man greift auf eine sehr einfache Stellung zurück) und noch schwerer mit tiefgründigem Spiel zu verbinden. Daher ist es auch nicht so ganz einfach, die Hauptvariante zu finden, aber die Schwarmintelligenz der Löser wird das schon richten.

Jasik draw

 

Weiß scheint halbwegs gut dabei zu sein, wenn da nicht eine gewisse Atemnot schwierige Herausforderungen mit sich brächte. Schwarz hat einen klaren dreizügigen Plan, gegen den es erst einmal noch etwas zu erfinden gilt. Aber Weiß kann sich noch in das Remis retten, aber wie?

Samstag, 31 Mai 2014 23:14

Der achte Klüver

Seit ein paar Jahren haben die Problemschachexperten ein neues Standardwerk: Die "Encyclopedia of Chess Problems" von Velimirovic und Valtonen. Auch wenn es einiges an diesem Buch auszusetzen gibt, füllt es eine Lücke, die es durchaus zu schließen galt. In ihm werden viele Themen vorgestellt. Oft stammt der Name von demjenigen, der das Thema erdacht oder erstmals dargestellt hat. Eine gewisse Phantasie bei Themen hatte hierbei Hans Klüver (1901-1989), so dass gleich 10 Themen seinen Namen tragen, für die es dem Anschein zufolge wohl jeweils eigene Konstruktionswettbewerbe gab. Das folgende Stück von Erich Zepler gewann das achte Klüver-Thematurnier.

ZeplerM4Kluever8

 

Weiß setzt in vier Zügen matt. Experten bemerken natürlich sofort die Stellung von König und Turm auf der schwarzen Grundreihe. Das hilft aber im Zweifel gar nicht so sehr beim Lösen, auch wenn man ahnt, dass die beiden im Laufe der Lösung gemeinsam zum Einsatz kommen. Wenn die Lösung gefunden ist, ist natürlich die Frage zu beantworten, was wohl das Thema des Turniers war.

Lösungen wie immer als Kommentar. Viel Spaß!

 

Dienstag, 13 Mai 2014 22:28

Von Zentraleuropa nach Nordafrika

Beim Blättern in einer britischen Schachzeitschrift wurde die folgende Studie vorgestellt.

Sie ist eine Co-Produktion des Deutschen Martin Minski und Yochanan Afek. Ersterer ist einer der produktivsten deutschen Studienkomponisten, letzterer ist Niederländer und über seine Kompositionstätigkeit hinaus als IM, Trainer, Organisator, Schiedsrichter und Betreuer einiger Schachspalten bekannt.

Die Gemeinschaftsarbeit wurde in Maroc Echecs veröffentlicht und mit einem Preis ausgezeichnet. In Marokko macht sich dabei der Abdelaziz Onkoud um die Schachkomposition verdient. Der in Frankreich lebende marokkanische IM komponiert übrigens überwiegend Hilfsmatts und ist damit wohl einer der spielstärksten Problemkomponisten.

Afek Minski

In dieser Stellung hat Weiß zwar viel Material, aber der schwarze Bauer h2 droht einzuziehen, während der weiße auf h7 noch blockiert ist. Außerdem stehen die schwarzen Figuren durchaus aktiv und können auch noch ungünstige Wirkung gegen den weißen König entfachen. Welchen Weg muss Weiß beschreiten, um hier den Sieg einzufahren?

Lösungsideen wie immer als Kommentar.

Mittwoch, 30 April 2014 23:04

Saisonabschluss für Mathematiker

Letztes Wochenende ist auch bei uns in Niedersachsen die Saison zuende gegangen, so dass langsam wieder mehr Zeit für die künstlerische Seite im Schach frei werden sollte. Und wie im letzten Jahr wird die Zeit zwischen den Spielzeiten auch für die etwas abseitigeren Bereiche im Schach genutzt.

Wir beginnen mit unserem zweiten Ausflug in die Kategorie "Schachmathematik und Sonstiges" und dabei wird es diesmal geometrisch.

Sonstiges Witt

Was sagt einem diese Stellung? Nicht viel, außer dass sie im Partieschach nicht entstehen kann.

Geometrisch bilden die Figuren ein Rechteck. Wenn man davon ausgeht, dass die Figuren genau auf den Mittelpunkten der Felder stehen ist dabei der aufgespannte Flächeninhalt 4x3=12.

Aufgabe ist es nun, gleich vier Mal nach drei Zügen wieder diesen Flächeninhalt darzustellen und zwar unter folgenden Modifikationen (ausgehend von der Ausgangsstellung, die selbst keine Lösung hat). Dabei wird immer ein Bauer durch eine Leichtfigur ersetzt.

a) Auf f3 steht ein Läufer.

b) Auf f3 steht ein Springer.

c) Auf b6 steht ein Läufer.

d) Auf b6 steht ein Springer.

Ich hoffe, die Aufgabenstellung ist klar. Wieder einmal heißt es - pro Person und Tag bitte nur eine Lösung posten.

Diese nette Idee von Andreas Witt wurde in der Schwalbe mit einem Lob bedacht.

Viel Vergnügen!

 

Freitag, 11 April 2014 03:46

Damenparade

Nachdem meine letzten Angebote hier für zu leicht befunden worden sind, gibt es diesmal wieder eine etwas tiefgründigere Knacknuss. Denn sobald Damen auf offenem Brett operieren, wird es für den Löser oftmals recht hart. Da macht die folgende Studie des kürzlich verstorbenen Matuos, die im Israel Ring Tourney 2009-2010 eine ehrende Erwähnung erhielt, keine Ausnahme.

MatuosGewinn

Weiß hat eine gewisse Initiative, die sich aus der Schwäche des schwarzen Königs und natürlich aus dem Zugrecht gründet und die zum Sieg reicht. Die erste Auswahl ist, ob der Held auf c6 links abbiegt oder gerade durch zieht. Der eigentliche Glanzpunkt kommt im fünften Zug. Bis dahin ist es meines Erachtens ein schwieriger Weg, aber die Stellung nach dem fünften weißen Zug ist wahrlich entzückend - kaum zu glauben, dass es nicht anders geht. Viel Erfolg bei euren Versuchen, die bitte wie immer als Kommentar dokumentiert sein möchten.

Montag, 31 März 2014 20:50

Weltmeisterlich 2

Zweizüger sind nicht mein bevorzugtes Genre. Allerdings sind sie so erforscht wie kein anderes und haben einen umfassenden Wandel vollzogen. Früher war zunächst die Lösungsvariante allein maßgeblich - lange her. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurden auch die Satzspiele in das Thema integriert, also mögliche Mattzüge auf schwarze Züge in der Diagrammstellung. Heutzutage werden auch eindeutig scheiternde weiße Versuche als thematisch angesehen. Das bedeutet: Wenn ein weißer Zug zu hübschen Matts auf "schlechte" schwarze Verteidigungen führt, dann ist es sozusagen egal bzw. nicht künstlerisch wertvoll, wenn Schwarz zwei Paraden hat.

Insgesamt macht diese Eigenschaften den Zweizüger auch durchaus interessant für den Löser. Wenn er sich nur ein bisschen schwächlich betätigen möchte, kann er die Aufgabe mit etwas Übung ohne Brett lösen, wenn er zudem noch das Künstlerische genießen möchte, schaut er noch gezielt auf Satzspiele und Verführungen.

Bei einigen Komponisten gibt es dort regelmäßig Schönes zu entdecken und bei guten Stücken versteht man das künstlerische Anliegen oft auch ohne große Vorkenntnis des Problemschachs. Ein Name, der für Qualität bürgt, ist beispielsweise Marjan Kovacevic, der mit einigem Abstand die Kompositions-WM für die Zweizüger für sich entscheiden konnte.

Zwei Stücke habe ich von ihm herausgesucht, die ich den Lesern empfehlen möchte.

Kova1

 Das erste Stück ist aus den Neunzigern. Hier zeigt ein weißer Protagonist einen so genannten fortgesetzten Angriff. Das bedeutet, dass er für die Fehlversuche und die Lösung gleichermaßen zuständig ist.

Kova2

 Das zweite Stück war für seinen WM-Titel maßgeblich mitverantwortlich und brachte ihm 11,5 Punkte von 12 möglichen, die allerdings nach meiner Erinnerung kein Stück erhielt, ein. Zum Vergleich: mein bestes Selbstmatt brachte es gerade mal auf 7 Punkte. Da liegen Welten dazwischen. Man sieht schon, dass der weiße Springer auf d5 Ideen hat, aber sofortige Abzüge scheitern an einem Deckungsverlust.

Beim Lösen wünsche ich viel Vergnügen!

Mittwoch, 19 März 2014 20:53

Weltmeisterschaften

Alle schauen auf das Kandidatenturnier zur Weltmeisterschaft. So ähnlich fing schon mein Autorenkollege einen Bericht an, aber auch hier geht es nicht um das Kandidatenturnier zur Weltmeisterschaft, sondern um die 9. Weltmeisterschaft der Nationen in der Schachkomposition.

In 7 Kategorien wird ein Thema vorgegeben, auf das die Autoren Stücke einreichen können. Bei den Studien ging es nach meiner Erinnerung um Damenopfer, bei denen die Dame auf ein ungedecktes, angegriffenes Feld zieht.

Das folgende Beispiel von Ivan Bondar, das den 6.-8. Platz belegte, trat für Weißrussland an. Es befriedigt mich nicht ganz, trägt aber dem Wunsch nach einer partienahen Anfangstellung Rechnung.

BondarG

 

Weiß am Zug hat weniger Material, aber einen mächtigen Bauern auf a6, der die Partie entscheiden wird. Allerdings hat Schwarz noch eine interessante Verteidigungsidee, die freilich scheitert.

Viel Spaß beim Lösen! 

Freitag, 28 Februar 2014 17:42

Das Schweigen des Rosses

Skandinavien, unendliche Weiten... Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass Pferde dort weitreichend Platz zum Auslauf haben, doch das folgende Stück des Norwegers Bakke und des Schweden Uppström zeigt das Gegenteil.

BakkeUppstromm6

In dieser ziemlich extremen Stellung würde Weiß gerne ein zweizügiges Matt ausführen, aber dann hat plötzlich ein schwarzer Unpaarhufer unerwünschte Freiheiten. Doch das Weiß zu verhindern und setzt nach sechs Zügen matt.

Viel Spaß beim Lösen, Vorschläge als Kommentar!

Montag, 17 Februar 2014 21:51

Atemnot

Jetzt ist sie endlich mein, die Harold van der Heijden-Datenbank für Schachstudien. Ihr wisst nicht wovon ich spreche? Na, von der größten Studiendatenbank, die ich kenne und die man direkt beim Autor ordern kann. Für ernsthafte Schachspieler meines Erachtens kaum verzichtbar.
Beim ziellosen Surfen in der Datenbank stolperte ich über den folgenden Fund.

Rivkin

In dieser Studie Rivkins besteht materiell fast Ausgleich, aber Weiß kann schnell nachweisen, dass dem schwarzen Monarchen ein wenig die Luft zum Atmen fehlt.

Weiß am Zug gewinnt!

Sonntag, 02 Februar 2014 22:46

Leider keine Hochzeiten

Vier Hochzeiten und ein Todesfall hieß ein Film aus den 90ern. Leider habe ich nicht über Hochzeiten zu berichten, statt dessen hat die Schachwelt einige Todesfälle zu verkraften. Vugar Gashimov wurde bereits geehrt, aber im Januar 2014 gab es noch zwei weitere, dessen schachliches Andenken wir bewahren sollten.

Am 27. Januar verstarb 62-jährig der ungarische Schachgroßmeister Gyula Sax. Sax war mehrfach im Kandidatenzyklus, aber nie so ganz nah dran an der Krone. 1978 gewann er gemeinsam mit Lajos Portisch, Zoltán Ribli, András Adorján, István Csom und László Vadász die Schacholympiade.

Als ich darüber nachgedacht habe, ob mir eine Partie von ihm einfällt, dachte ich an die gegen Mihai Suba in Hastings. Da man aber einen Spieler wohl nicht mit einer verlorenen Partie ehren sollte, habe ich bei der Recherche die „Revanche“ 9 Jahre später im Zonenturnier in Budapest gefunden.

SubaSax

Suba-Sax, Budapest 1993

Weiß steht schon verdächtig. Dass 16.Sd5? aber gleich zu entscheidendem Nachteil führt, ist schon etwas überraschend. Sax fand durchgehend die besten Züge und machte kurzen Prozess. 16.-Sxd5 17.Lxd5 c4! Weiß hat sicherlich wenig Interesse an der Öffnung der c-Linie. Hier ist es schon vorbei, zumindest wenn man den Bewertungen der Blechkisten Glauben schenken mag und die sind ziemlich zuverlässig.

Weiß spielte und gab nach der schönen Zugfolge 18.Da4 b5 19.Dxb5 Tab8 20.Dxc6 Dxa3! auf. Die Endstellung verdient ein Diagramm, ein schönes Ende mit Damenopfer.

SubaSax2

Erst gestern habe ich zudem Kenntnis vom Ableben Karlheinz Bachmanns erhalten, der am 7.1. 75-jährig verstarb. Der FM war noch bis ins hohe Alter national und international auf Seniorenturnieren anzutreffen, nachdem er eine Schachkarriere hingelegt hatte, in der er einige Jahre in der Bundesliga spielte und auch Einsätze für die deutsche Mannschaft bekam.

Dass er auch noch im hohen Alter schlagfertig war, kann man im folgenden Partiefragment sehen, das aus dem Jahr 2009 stammt.

BachmannPusch

Bachmann-Pusch, Finsterbergen 2009

Schwarz steht schon komplett auf Abbruch, doch anstatt langweilig mit 27.a4 zu gewinnen, schlug hier 27.Txc7+! Kxc7 28.Dxa7+ Kc6 29.Tc1+ Kd5 30.Td1+ durch und Schwarz bekannte sich geschlagen.

Bachmann war auch als Problemkomponist aktiv und beschäftigte sich dabei insbesondere mit Zuglängenrekorden im Selbstmatt, also richtig abgefahrene Sachen.

Zum Studium kann ich folgendes Selbstmatt empfehlen, an dem ich mir selbst mit Rechnerunterstützung die Zähne ausbiss.

Bachmanns14

Karlheinz Bachmann, Selbstmatt in 14, harmonie 2009

Weiß hat die ganze Armee bis auf einen Läufer, aber wie zwingt man den schwarzen Bauern zum Matt des Königs auf h1?

1. Lb5 b6 2. Lc4 b5 3. Tg2+ bxc4 4. h8=D c3 5. Dha8 cxd2 6. Sb2

Plötzlich darf Schwarz umwandeln und alle Umwandlungen enden genau nach dem 14. Zug. Absolut erstaunlich. Kurz zur Notation: Da, wo Ausrufezeichen stehen, hat Schwarz mehrere Züge, die anderen enden dann aber eher.

6.-d1=D 7. Df4+ Df3! 8. Dc1+ Dd1 9. Df3+ Ke1 10. Dce3+ De2 11. Th2 Dxe3 12. Sd3+ Dxd3 13. Df2+ Kd1 14. Df1+ Dxf1#
6.-d1=T 7. Da6+ Td3 8. Dg4 Ke1 9. Te2+ Kf1 10. Te4 Kf2 11. De2+ Kxg3 12. Sf5+ Kh3 13. Df3+ Txf3 14. Df1+ Txf1#
6.-d1=L 7. Dd3+ Le2! 8. Daf3+ Ke1 9. Tg1+ Lf1 10. Dh5 Kf2 11. Sg4+ Ke1 12. Dc3+ Ke2 13. Sh2+ Kf2 14. Tg2+ Lxg2#
6.-d1=S 7. Dd3+ Ke1 8. Dae4+ Se3 9. Te2+ Kf1 10. Dd1+ Sxd1 11. Te1+ Kf2 12. Sd3+ Kxg3 13. Tg1+ Kh3 14. Sf2+ Sxf2#

Montag, 20 Januar 2014 21:36

Alleinunterhalter

In komponierten Stellungen erlangen oft auch sonst wenig beeindruckende Protagonisten besondere Kraft. Im Problemistensprech nennt man eine solche Konstellation, in der die mattsetzende Partei nur einen Stein außer dem König hat, ein Minimal, im vorliegenden Fall ein Läuferminimal, da Weiß nur König und Läufer hat. Wenn der Weiße dermaßen schwach ist, ist es freilich schwierig, besonders tiefgründiges Spiel zu zeigen. Das folgende Stück kommt aus Südniedersachsen von Udo Marks und stellt dar, was mit einem einzelnen Läufer möglich ist, der es hier gleich mit der gesamten schwarzen Armee zu tun bekommt, die sich nahezu komplett selbst auf den Füßen steht.

Marksm13

Und so heißt es hier: Weiß am Zug, Matt in dreizehn Zügen. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass der schwarze König auf einem weißen Feld mattgesetzt wird. Lösungsansätze und Lösungen wie immer als Kommentar.

Sonntag, 05 Januar 2014 23:17

Ausgewertet

Kommen wir aus aktuellem Anlass noch einmal auf Jan Timman zu sprechen. Dass dieser auch im Studienbereich komponiert, habe ich hier im Blog bereits mit einer schönen Studie aus seiner Feder nachweisen können. Er gehört allerdings auch zu den Personen, für die alle zehn Jahre ein Studienkompositionsturnier stattfindet. Eine Ausschreibung zu diesem Turnier konnte man auch hier in der Schachwelt lesen.

In der Oktoberausgabe von EG war nun das Ergebnis abgedruckt. Es gewann der in der Komposition noch wenig bekannte Steffen Slumstrup-Nielsen. Der Däne ist auch im Partieschach aktiv und hat eine Wertung im Bereich 2100- 2200 ELO. Ein Blog über Schachstudien und besondere Schachpartien, das er betrieb, findet man leider nur noch in Onlinearchiven.
Mit seiner Studie in Timmans Turnier hat er ein eindrucksvolles Ausrufezeichen gesetzt, dass auch heute noch Klassiker in der Schachstudie entstehen können.

SlumstrupR

 

Weiß besitzt einen Bauern für einen Läufer. Auf der Habenseite hat er zwar zwei verbundene Freibauern auf der sechsten Reihe, aber leider ist sein Turm in Nöten. Wie schafft er es, Remis zu halten?

Freitag, 27 Dezember 2013 21:25

Zum Jahresende

Der Dezember hält für Problemschachfreunde immer einiges bereit. So gibt es tradtitionell einige Weihnachtslöseturniere, der Klassiker dabei wohl der Weihnachts-Lösewettbewerb der Stuttgarter Zeitung. Dort gibt es insbesondere für Retro-Freunde einiges zu entdecken - das heißt, dass die Vergangenheit der Stellung eine Rolle bei der Lösung spielt, zum Beispiel beim Zugrecht, beim Nachweis von Rochaderechten etc.

Zum Knobeln habe ich ein Stück herausgesucht, das mal wieder etwas tiefer in den Problembereich hereinreicht, handelt es sich doch um sogenanntes Hilfsspiel, sprich, die beiden Parteien kooperieren, um die Forderung zu erfüllen.

Hilfspatt5Maslar

Die Forderung dieses sogenannten Hilfspatts von Zdravko Maslar lautet: nach 4,5 Zügen ist Schwarz patt. Sprich: Weiß ist am Zug und macht 5 Züge, Schwarz demnach deren 4.

Hier gibt es zwar keine Preise zu gewinnen, aber für eine vergnügliche Löserunde taugt das Stück allemal. Lösungen wie immer als Kommentar. Ich wünsche allen Lesern, Lösern und Interessierten einen guten Rutsch und viel Vergnügen!

Sonntag, 08 Dezember 2013 23:17

Betrogener Betrüger

Die letzte Studie des Monats in 2013 kommt aus einem Land, das gemessen an der Bevölkerung recht gut in der Schachkomposition vertreten ist, nämlich aus Israel. Drei Löser aus diesem Land tragen den Großmeistertitel und auch drei Einzelweltmeisterschaften im Lösen gingen bereits dorthin, davon zwei an Ofer Comay.

Auch die Komponisten treten häufig in einschlägigen Zeitschriften in Erscheinung. Seltener ist dies inzwischen bei Yehuda Hoch der Fall, der den Titel eines Kompositions-IMs trägt und ein hervorragender Studienkomponist ist. Die folgende Studie erwies sich nach Auskunft eines Teilnehmers (offizielle Verlautbarungen habe ich zumindest im Netz nicht gefunden) trotz ihrer vermeintlichen Kürze bei der diesjährigen schleswig-holsteinischen Landesmeisterschaft im Problemlösen als Löserschreck.

Hoch1982Gewinn

Die weißen Bauern auf f- und h-Linie sind natürlich sehr gefährlich. Schwarz verteidigt sich sehr phantasievoll, erweist sich aber schließlich als betrogener Betrüger.

Ideen, Varianten, Lösungsvorschläge wie immer als Kommentar. Ob es für einen ganzen Löseabend unter Alkoholeinfluss (wer regelmäßig die Kommentare mitliest, weiß, was ich meine) reicht, kann ich nicht garantieren...

Freitag, 29 November 2013 21:39

Bremer Fünfling

Über den Bremer Kompositions-GM Herbert Ahues hatte ich hier bereits berichtet. Der Sohn des Schachmeisters Carl Ahues ist mit über 90 immer noch sehr aktiv. Der folgende Fünfling erschien im Mai in der Zeitschrift Harmonie. Die professionell editierte Zeitschrift bekommt man inzwischen kostenlos zum Download auf problemschach.de.

ahues2013

 

Weiß am Zug, Matt in zwei. Das ist sozusagen Aufgabe a).

Sobald der weiße Springer zieht droht zumindest Df3#. Aber auch Schwarz hat einen Springer, der die Diagonale freigeben kann, wonach f3 gedeckt ist. Dieser kann in der Diagrammstellung nicht nach b6.

Aber auch wenn man diesen Bauern von b6 nach b) b4, c) c3, d) f6 und e) e7 versetzt, gibt es eindeutige Lösungen. Das ist eine interessante Leistung, da man ja immer einen Grund erfinden muss, warum durch diese kleine Veränderung alle vier anderen Lösungen scheitern. Natürlich nicht unheimlich subtil, aber wirklich nett gemacht. Reicht ja, wenn zur Weihnachtszeit das Essen

Lösungen als Kommentar, jeder nur eine Lösung pro Tag.

Dienstag, 12 November 2013 22:38

Randsportart - die zweite

Anbei gibt es ein wenig Abwechslung zum spannenden Tagesgeschehen aus Polen und Indien.

Im letzten Monat gab es ein im Vergleich recht einfach zu lösendes Stück mit schönen wechselseitigen Damenopfern. Was passiert, wenn man ein solches Motiv einem der besten Studienkomponisten verabreicht, ist hier zu sehen.

Didukh2012r

Die Züge e3 und Dxd8 lauern als schwarze Ressourcen in dieser Stellung, wonach die weiße Stellung schnell hoffnungslos werden kann. Weiß muss einen sehr schmalen Pfad beschreiten und schon im ersten Zug viel Weitblick beweisen.

Weiß am Zug hält Remis, Sergiy Didukh 2012.

 

 

Samstag, 26 Oktober 2013 01:00

Aufräumaktion

Nach mehreren Buchbesprechungen folgt mal wieder eine Schachaufgabe. Die Stellung ist mal wieder etwas gewöhnungsbedürftig: Weiß hat haufenweise mehr Material, das allerdings noch ordentlich verklumpt ist, da tut Aufräumen Not. Der schwarze König hingegen fragt sich wohl selbst, wie er da hin geraten ist.

Ouelletm8

Nichtsdestotrotz ist hier natürlich klar, dass Weiß leicht den Sieg sicher stellen kann. Wenn man ihm dafür allerdings nur acht Züge zugesteht, wird es interessant, denn dann muss man beim Versuch, dem Monarchen zu Leibe zu rücken wirklich alles in die Waagschale werfen.

Ein cleveres Stück des Kanadiers Charles Ouellet, von dem man desöfteren witzige Ideen präsentiert bekommt. Matt in acht, Antworten als Kommentar.

Donnerstag, 17 Oktober 2013 18:10

Randsportart

 

Es ist schon Mitte Oktober durch. Normalerweise sollte die Studie des Monats in der ersten Monatshälfte erscheinen, so hatte ich es mir zumindest vorgenommen. Dass dies und einiges andere liegen geblieben ist, liegt an einer Sportart, die mich am Rande interessiert, eine Randsportart sozusagen, und die sich Partieschach nennt. Ziemlich merkwürdig besteht diese aus der Diskussion der immer gleichen Anfangsstellung, der die Aktiven aber überraschenderweise immer wieder neue  Nuancen abzuringen vermögen.

 

Da ich völlig unverständlicherweise noch immer der Partieschachspieler mit dem höchsten Rating in meinem Verein bin, habe ich daher ein Schachwochenende für die Vereinsmitglieder angeboten, auf dass sich dies bald ändern möge. Es standen verschiedene Themen auf dem Programm. Auch das Lösen von Studien, das meines Erachtens einen wichtigen Platz in jedem Trainingsplan eines ernstzunehmenden Schachspielers einnehmen sollte, gehörte dazu.

 

Auch die folgende bemerkenswerte Studie wurde dabei geknackt.

 

 

Studie Afek Wohl van Essen

 

Weiß steht furchtbar. Schwarz droht matt und der weiße Turm hängt. Was ist zu tun, um das Remis zu sichern?

Nicht besonders schwierig, aber wahrlich hübsch. Die Autoren sind Afek, Wohl und van Essen.

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 30 September 2013 01:02

Weltmeisterlich

Vor einigen Tagen gingen die Problemlöseweltmeisterschaften in Batumi, Georgien zu Ende. Hinter Seriensieger Polen konnte Deutschland wieder den zweiten Platz erringen. Besonders erfolgreich war dabei der deutsche Meister (und Normalschach IM) Arno Zude, der als Einzellöser Vizeweltmeister wurde und vorher noch das Offene Turnier, das im Vorfeld zur Weltmeisterschaft ausgetragen wurde, für sich entscheiden konnte.

Auch euer Blogger Losso war auf dem Turnier vertreten:

Eines seiner Selbstmatts brachte im Offenen Turnier die Löser zum Verzweifeln, am Ende gab es nur eine einzige richtige Lösung und einmal Teilpunkte bei über 70 Teilnehmern. In der eigentlichen Weltmeisterschaft war ein Selbstmatt in drei Zügen dabei, dass ich auf Basis eines Stücks von Kostjukow erstellt habe. Die etwas über 80 Löser des Hauptturniers holten hier im Schnitt 2,77 von 5 Punkten, was dafür spricht, dass es den richtigen Schwierigkeitsgrad für diesen Wettbewerb hatte. Auch starke Löser ließen Punkte bei diesem Stück liegen. Für die Dramatik sorgt dabei, dass die Selbstmattrunde immer die letzte Runde einer Meisterschaft ist. Der auf Weltmeisterschaftskurs befindliche Serbe Bojan Vuckovic und der auch noch aussichtsreich liegende Belgier Eddy van Beers, beide in den Top Ten der Problemlöser, wurden anscheinend durch das Stück komplett aus dem Tritt gebracht und fielen gar auf den siebten und elften Platz zurück. Für den Serben natürlich besonders bitter, da er vor der letzten Runde in Führung lag und so auch noch Deutschland den Serben den Vizerang abnehmen konnte.

Vom Inhalt her ist das Stück ein weiterer Beweis, dass sich in der Selbstmattform in besonderer Weise auch schwierige Themen darstellen lassen, die man im normalen Schach nur schwerlich gezeigt bekommt.

Kostjukow s3 Version Loßin

Ich habe es früher selbst nicht gemocht, wenn Stellungen so aussahen, als hätte jemand die Figuren auf das Brett gek..., äh, gewürfelt, aber wenn man das Ganze durchschaut, erkennt man, dass es sich hier um eine feinabgestimmte Geschichte handelt.

Also: Weiß am Zug erzwingt das eigene Matt im dritten Zug.

 

Dienstag, 10 September 2013 21:09

Bauernpower

Auch beim Bauernendspiel sind noch nicht alle Wiesen abgegrast. Das folgende Stück erlangte in der quartärlich erscheinenden, hübschen, deutschen Zeitschrift "Problem-Forum" im Zeitraum 2009-2010 den ersten Preis. Sein Autor, Siegfried Hornecker, ist ein nicht einmal dreißigjähriger Schachspieler mit einer DWZ/ELO von ca. 2000. Man muss also kein Partieschachgroßmeister sein, um schöne Stücke hervorzubringen.

Hornecker

Weiß hat einen mächtigen Freibauern, aber Schwarz hat durchaus beachtliches Gegenspiel durch seine Bauern g4 und f3. Am Ende setzt sich Weiß durch.

Viel Spaß beim Lösen!