Krennwurzn

Krennwurzn

Anonymer aber dennoch vielen bekannter kritischer Schachösterreicher! Ironisch, sarkastisch und dennoch im Reallife ein netter Mensch - so lautet meine Selbstüberschätzung! Motto: Erfreue Dich am Spiel, nicht an der Ratingzahl! Das Leben ist hart, aber ungerecht (raunzender Ösi)!
 
Kontakt: krennwurzn@yahoo.de Internetseite: www.krennwurzn.gnx.at (uralt)
Freitag, 19 Juni 2015 12:16

Bundesliga in der Provinz

Nun die Lage in der stärksten Liga der Welt – der deutschen Bundesliga - wird ja kontroversiell in vielen Foren diskutiert. Viele Rückzüge von Mannschaften, Aufstiegsverzicht, etc und dahinter steckt meist, dass die Finanzierung der Mannschaft nicht so leicht zu sichern ist. Öffentliche Kassen sind meist klamm und private Sponsoren ziehen sich oft bald wieder zurück, weil sie erkennen müssen, dass sie eigentlich Mäzene sind und der Werbewert dem eingesetzten Geld nicht einmal annähernd nahe kommt. Aber das ist ja alles bekannt und wurde schon unendlich oft durchgekaut – also zur Frage: wie läuft das im kleinen Österreich ab? Immerhin haben die Österreicher gerade im Zillertal das deutsche Prinzen-Mitropacupteam 3:1 geschlagen!

Im kleinen Österreich spielen 12 Mannschaften in der Bundesliga, die früher Staatsliga hieß, und aus den darunterliegenden drei 2. Bundesligen steigt jeweils eine Mannschaft auf und daher müssen die letzten drei der Bundesliga in die entsprechenden Zweitligen absteigen. Rückzüge gibt es sehr selten und auch das Aufstiegsrecht wird meist in Anspruch genommen. Aber dennoch ist auch hier nicht alles eitel Wonne, denn wirft man einen genaueren Blick auf die abgelaufene Saison 2015/15, so muss man erkennen: die Bundesliga findet in der Provinz statt.

2015AUT BL01

Die vier bevölkerungsreichsten Bundesländer, die fast 60% der gemeldeten Schachspieler haben und auch wirtschaftliche Schwergewichte sind, stellten gerade mal eine einzige Bundesligamannschaft und das war der Aufsteiger Grieskirchen aus Oberösterreich! Die Hauptstadt Wien, das Schach-Präsidentenbundesland Steiermark und Niederösterreich hatten gar keine Mannschaft in der vergangenen Bundesligasaison. Außer einer Mannschaft aus Salzburg kommt keine weitere Mannschaft aus einer Landeshauptstadt. Kärnten und Tirol stellen mit sieben Mannschaften mehr als die Hälfte der Bundesligisten und nur noch das kleinste Bundesland das Burgenland stellt zwei Mannschaften.

Tirol profitiert von der Nähe zu Deutschland und verfügt auch über einen entsprechenden wirtschaftlichen Hintergrund. Anders sieht die Lage im Burgenland und in Kärnten aus, denn dort gibt es höhere Sportförderungen und man braucht weniger Sponsorgelder, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Das Burgenland profitiert hier von seiner Grenzlage im Osten und war nach dem EU-Beitritt elf Jahre lang „EU Ziel 1-Gebiet“ und wurde daher besonders gefördert, um das Burgenland wirtschaftlich aufholen zu lassen.

In Kärnten, das ein Drittel der Bundesligamannschaften stellt, sieht die Sachlage etwas anders aus – auch dort sind es die öffentlichen Sportförderungen, die manches erleichtern, aber es gibt dort auch traditionell eine starke Schachszene und mit Markus Ragger kommt der stärkste Österreicher aus Kärnten. Zudem finden in diesem beliebten Urlaubsland auch viele Schachturniere rund um das Jahr statt.

International in die Schlagzeilen kam Kärnten aber auch, weil der Rechtspopulist Jörg Haider bis zu seinem Unfalltod 2008 dort langjähriger Landeshauptmann war und dort ein System aufbaute, dass unter anderem zum Problemfall Hypo-Alpe-Adria führte, was Kärnten nun regelmäßig auch in die internationalen Schlagzeilen bringt. Das Bundesland hat aufgrund von damals gegebenen Haftungen massivste finanzielle Probleme und gilt daher als Griechenland Österreichs und auch hier wird über eine Insolvenz nachgedacht. Zudem gab Kärnten auch sonst einfach zu viel Geld aus und muss nun aufgrund von Bundesvorgaben massiv sparen! Davon sind nun auch die Sportförderungen sind betroffen und es wird also interessant zu beobachten werden, wie die Kärntner Vereine es schaffen werden, diese Gelder durch private Sponsorengelder zu ersetzen – ich denke mal, die Chancen dafür sind - auch wenn es schwierig wird - doch aufgrund der traditionell starken Schachszene gegeben.

Kommen wir zum Abschluss noch zur Frage, wer spielt den in der österreichischen Bundesliga? Nun in Summe sind die Nicht-FIDE Österreicher mit 58% klar in der Mehrheit, die stärkste Einzelnation sind aber doch die Österreicher gefolgt von den Deutschen und den Kroaten. Diese drei stellen mit einer satten ¾ Mehrheit das Gros der Bundesligaspieler.

2015AUT BL02

Und wie schlagen sich die Österreicher selbst in der Bundesliga?

2015AUT BL03

Naja nicht so toll! 42% der Spieler haben 41% der Bretteinsätze, steuern aber nur 36% der Punkte für ihre Mannschaften bei. Das ist aber auch nicht so schlecht, denn immerhin können internationale Erfahrungen gesammelt werden.

Wie in Deutschland dürfte es auch hierzulande das Problem geben, dass die Bundesliga nicht nur die Öffentlichkeit nicht erreicht, sondern es nicht einmal schafft die Masse der Schachöffentlichkeit in ihren Bann zu ziehen, denn wie sonst sollte man erklären, dass die Bundesligaklubs dort sind, wo die wenigsten Schachspieler wohnen und auch FIDE-Österreicher de facto Legionäre im eigenen Land sind?

Warum schafft man keine Fanbindung? Bei Einzelspieler gibt es starke Fanlager und auch bei Nationalmannschaften gibt es starke Emotionen, wie beispielsweise gerade jetzt, wo die Österreicher die Deutschen 3-1 schlagen, werden Erinnerungen an Cordoba wach. Oder auch wenn man sich die Diskussion rund um Arkadij Naiditsch und einen möglichen Föderationswechsel ansieht – auch wenn man sich von manchen Äußerungen in diesem Zusammenhang mit Grauen abwenden muss. Aber warum schafft man so wenig emotionale Bindungen an Bundesligamannschaften oder noch schlimmer: warum sind diese so vielen Schachfreunden schlicht weg egal?

Leider kann man diese Frage nicht so leicht beantworten, weil die Gründe wohl vielschichtig sind, aber ich denke alle Beteiligten sollten darüber nachdenken und nach Verbesserungen suchen und dabei nicht den Fokus auf eigene Befindlichkeiten und kurzfristige Vorteile legen, sondern das Problem so objektiv wie möglich ausleuchten, denn funktionierende Meisterschaften sind das Hauptanliegen vieler Schachspieler an die Verbände!

„So the winner takes it all and the loser has to fall“ sangen ABBA schon in den 70er Jahren. Zwar fragte die Krennwurzn schon vor der Wahl bei Joachim Gries wegen eines Interviews an, erhielt aber eine Absage allerdings auch mit der Aussicht darauf nach der Wahl vielleicht doch eines zu machen. Da die Wahl – je nach Sichtweise knapp oder klar – 109 zu 79 für Herbert Bastian ausging, schätzte die Krennwurzn die Chancen auf ein Interview mit Joachim Gries sehr gering ein. Aber man sollte es nicht für möglich halten auch eine Krennwurzn kann sich irren und es entstand ein hochinteressantes Gespräch über den DSB und Verbandsprobleme auch im Allgemeinen. Wer auf das Waschen von Schmutzwäsche in der Öffentlichkeit hofft, dem kann ich nur empfehlen hier mit dem Lesen aufzuhören.

Krennwurzn:
Erlauben Sie zuerst eine persönliche Frage - Sie hatten am Anfang des Jahres gesundheitliche Probleme mit dem Herzen geht es Ihnen jetzt wieder gut und könnten Sie sich den Schachfreunden ein wenig vorstellen?

Joachim Gries:
Ich bin am 01.11.1950 geboren, verheiratet seit 9.2.1976 mit meiner Ehefrau Petra Gries und habe 11 Kinder (6 Söhne und 5 Töchter). Von Beruf bin ich Studienrat mit den Fächern Mathematik und Sport, bin im Alter von 21 Jahren erstmals in einen Schachclub eingetreten (Schachfreunde Friedberg/Hessen). Parallel dazu habe ich zunächst von meinem 13. – 21. Lebensjahr gefochten (war 1971 - 12. in der deutschen Hochschul-Rangliste und hatte damals berechtigte Hoffnungen noch auf den Olympiazug nach München zu springen). Musste meine Fechterkarriere aber 1971 bedingt durch eine Meniskusverletzung abrupt beenden und da ich mein Sportstudium nicht an den "Nagel hängen" wollte bin ich auf Volleyball umgestiegen, das ich damals bereits als Hobby regelmäßig spielte. Im Zuge der wachsenden Begeisterung für dieses Spiel landete ich dann bei der SG Rodheim (Rosbach vor der Höhe bei Friedberg(Hessen) und wir schafften innerhalb von 6 Jahren den "Durchmarsch" von der Kreisklasse bis in die Regionalliga. Dort spielten wir fast 10 Jahre in einer unveränderten Formation und schafften es 1982 - 1984 in der 2.Bundesliga zu spielen. Bereits damals hatte ich vielfältige weitere zusätzliche Aufgaben wahrgenommen

  1. Abteilungsleiter Volleyball in der SG Rodheim
  2. Vereinsvorsitzender in der SG Rodheim
  3. Schiedsrichterobmann im hessischen Volleyballverband und Ausbilder von SR
  4. Staffelleiter in der Regionalliga
  5. Bundesliga Schiedsrichter

Während all dieser Jahre habe ich u.a. auch noch Schach, quasi als Ausgleichssport, in Friedberg, Klein Karben und Oberursel gespielt. Der größte schachliche Erfolg war dabei der Aufstieg der Schachfreunde Friedberg mit denen ich damals in die Oberliga aufgestiegen bin.

1986 musste ich meine aktive Volleyballkarriere einstellen, da ich massiv an Asthma erkrankte und durch mehrere Knieoperationen alle meine Menisci eingebüßt hatte. Die Arthrose in den Kniegelenken nahm damals "galoppierende" Geschwindigkeit auf. Somit erfolgte folgerichtig/zwangsläufig der Wechsel zum Schachsport (ab ca. 1987), in dem neben aktiven Spielen in den Mannschaftskämpfen vor allem der Aufbau und die Betreuung von Schulschach_AG`s zu meinen neuen Aufgaben gehörte.
1989 wurde ich in Hessen zum Ausbildungsreferenten gewählt, ein Amt, das ich bis heute wahrnehme und in dem neben der Trainerausbildung, der SR-Ausbildung vor allem auch die Lehrerfortbildung einen breiten Raum einnahm. Ab 1997 wurde ich Mitglied in der Lehrkommission des DSB und arbeitete dort bis 2007 aktiv mit, obwohl ich in den Jahren 2001 - 2003 noch zusätzlich Präsident in Hessen war.
2007 übernahm ich das Amt des Ausbildungsreferenten auf DSB-Ebene und übernahm dort anschließend das Amt als DSB Vizepräsident Sport (2011 - 2015) und bis 2015 auch zeitweise die kommissarische Leitung des Ausbildungsreferates, weil der gewählte Ausbildungsreferent wegen beruflicher Überlastung leider nicht zur Verfügung stand.

Bis Mai 2015 war ich Vizepräsident im DSB und kandidierte dann am Bundeskongress gegen Herbert Bastian, eine Entscheidung, die ich nach ein paar Tagen Abstand durchaus ambivalent sehe:

  1. Einerseits habe ich mir viel Stress und Ärger erspart, insbesondere im Hinblick auf die finanzielle Situation des DSB. Die Durchführung/Einberufung eines außerordentlichen Kongresses im Herbst dieses Jahres, in dem ein komplett neuer Haushalt vorgelegt werden soll, weil der bisher vorgelegte "nicht ab(zu)stimmungsfähig" war wirft ein bezeichnendes Bild auf die Gesamtsituation im DSB. Meine Ehefrau ist überglücklich darüber, (obwohl sie meine Kandidatur unterstütze und sich der zusätzlichen zeitlichen Belastung bewusst war), dass ich nunmehr nicht mehr in dem bisherigen Maße mit Schachthemen gebunden bin. Insbesondere der teilweise aufgestaute Ärger, z.B. nach Präsidiumssitzungen den die Familie zumeist ertragen musste entfällt - mithin also ein massiver Zugewinn an Lebensqualität für mein/unser Familienleben.
  2. Andererseits habe ich gesehen, dass wir nur mit massiven Einschnitten das "finanzielle Desaster" das uns im DSB droht unbedingt angehen müssen. Dem neuen Präsidium sind durch die Forderung nach einem neuen Haushalt die bisherigen Defizite nachhaltig aufgezeigt worden und im Prinzip ist es gut, dass der alte und neue Präsident Entscheidungen der Vergangenheit nunmehr selbst korrigieren muss.

Meinen im Januar erlittenen Herzinfarkt habe ich sehr gut überstanden. Nach Aussage der Ärzte ist die "Pumpe" ohne Schädigung geblieben. Mein Blutdruck und mein Puls hat sich wieder auf ein einem Level eingependelt, das mich an meine Zweitligazeiten erinnert. Alles in allem fühle ich mich wie "neugeboren".

Krennwurzn:
Das ist erfreulich zu hören! Dennoch war die Schachwelt vor dem Kongress doch sehr überrascht über die Rücktritte so vieler Präsidiumsmitglieder und auch dass Sie nach Ihrer Wiedergenesung als Präsident kandidiert haben, sehen viele als Anzeichen dafür, dass es neben möglicherweisen persönlichen Gründen auch massive sachliche Auffassungsunterschiede im Präsidium gegeben haben muss. Können Sie uns da ein wenig Ihre Sicht der Dinge darlegen?

Joachim Gries:
Das Präsidium ist "explodiert", die Auffassungen gingen in vielen Themen quasi diametral auseinander. Es war folgerichtig, dass fast das komplette Präsidium die "Reißleine" zog. Persönliche Interessen haben hierbei sicherlich ebenfalls eine Rolle gespielt. Für mich, für die anderen Kollegen kann ich nicht sprechen und möchte auch keine weitere Vermutung äußern, entscheidend waren in meinem Rechenschaftsbericht zwei Dinge, einerseits die Finanzkrise mit dem BMI, die noch nicht beendet ist, denn die Subsidiaritätsprüfung steht noch aus und andererseits mein Gesundheitszustand (Stand: Mitte/Ende Februar - damals befand ich mich noch in der Reha und konnte noch nicht absehen wie sich meine Gesundheit entwickeln würde).
Die Gefahr, die uns durch die Subsidiaritätsprüfung droht ist nicht absehbar, insbesondere könnte ein Ergebnis zwischen Komplettstreichung aller Zuschüsse bis zu minimalen Veränderungen herauskommen. Wer allerdings berücksichtigt, dass unsere Personalquote knapp unter 50% liegt und zwei Mitarbeiterinnen in ca. 12 Monaten wieder ihre Arbeit auf der Geschäftsstelle in vollem Umfang aufnehmen werden und wir dann mit größter Wahrscheinlichkeit auf über 50% steigen werden, weiß, dass bei solchen Prozentwerten die Gewährung von BMI-Mitteln in größter Gefahr sind. Darüber hinaus hatten wir vor kurzer Zeit eine Beitragserhöhung um 2 € durchgeführt mit der wir eigentlich die Erfordernisse für die nahe Zukunft lösen wollten. So wie es sich jetzt darstellt (siehe Kongressbeschluss - Vorlage eines neuen überarbeiteten Haushaltes), zeigt, dass diverse Haushaltspositionen massiv überarbeitet werden müssen (Kürzungen! oder gar Streichungen!), das gilt insbesondere auch für den Personalbestand auf unserer Geschäftsstelle, obwohl gerade hier in den letzten 24 Monaten diverse MitarbeiterInnen eingestellt wurden.

Krennwurzn:
Subsidiaritätsprüfung und Personalquote klingen ein wenig "technisch" und dürfen den Nichtfunktionären eher unbekannt sein, können Sie das unseren Lesern noch kurz erläutern?

Joachim Gries:
Eine Subsidiaritätsprüfung ist ein Verfahren/Mittel, das dem BMI zur Verfügung steht, um einen Verband zu überprüfen. Prüfkriterien sind zunächst u.a. die Prüfung der Struktur, wie z.B. Personal (Wie viele Stellen?), Kosten (Wie teuer ist das Personal?), Buchungen (Welche Gebühren/Kosten/Investitionen fallen an?), usw., im zweiten Schritt wird überprüft in welchem Verhältnis steht der Kostenfaktor "Personal" zu dem Gesamthaushalt. In unserem konkreten Fall haben wir ca. 450.000 € Personalkosten bei einem Gesamtvolumen von ca. 900.000 €. Das entspricht somit einer Quote von ca. 50%. Grundsätzlich sieht es so aus:

  1. jeder Sportverband, der Mitglied im DOSB ist wird in "olympisch" und "nichtolympisch" eingestuft. Die NOV (Nichtolympischen Verbände) werden im Vergleich zu den olympischen Verbänden deutlich geringer mit finanziellen Mitteln durch das BMI bezuschusst als die olympischen. Der DOSB ist diejenige Stelle, die dem BMI vorschlägt in welcher Höhe Zuschüsse erfolgen sollen.
  2. Wie bekannt, hatten wir im letzten Jahr einen heftigen Streit darüber, ob Schach weiterhin Fördermittel für den Leistungssport bekommt. Es ging damals nicht darum, ob Schach als Sport anerkannt wird oder nicht. Leider wurde in der Öffentlichkeit diese saubere Trennung nicht immer so exakt vollzogen.
  3. Sicher ist, dass wir, (die Auseinandersetzungen und die Einschaltung des Finanzausschusses des Bundestages sind sicherlich jedem bekannt) die Zuschussthematik insofern für uns zunächst positiv beenden konnten, dass die ursprünglich vorgesehene Komplettstreichung der Fördermittel (135.000 €) durch intensive Verhandlungen und Gespräche in eine Kürzung auf nur 93.000 € mündete.
    Nach den letzten Informationen (Stand: 09.Mai2015) aus dem DOSB müssen wir mit einer weiteren Kürzung auf ca. 80.500 € rechnen, da der "Verteilungstopf" (2,17 Millionen €) konstant bleibt, aber bedingt durch die Aufnahme weiterer nichtolympischer Verbände, der Anteil für jeden Verband damit kleiner wird.
  4.  Das BVA (Bundesverwaltungsamt) hat uns in den letzten 4 Jahren insgesamt 2-mal geprüft. Die zweite Prüfung "Nachprüfung" wurde nötig, weil es eine gewisse Anzahl von "Anmerkungen" gab, die wir zunächst abarbeiten/umsetzen mussten. Ein Punkt hierbei war u.a. der komplette Rückkauf der Anteile der Wirtschaftsdienst GmbH.
    Festzustellen ist, dass wir alle Auflagen erfüllt haben und deshalb zunächst auch weiterhin förderwürdig blieben. Angemerkt wurde bereits damals, dass wir nach Ansicht des BVA einen nicht unbedingt niedrigen Personalbestand haben (im Vergleich zu unserem Jahresbudget und in Bezug auf die Anzahl unserer Mitglieder).

Im vergangenen Jahr, als die Komplettstreichung der BMI-Mittel im Raume stand und wir in intensiven Gesprächen mit dem BMI standen wurde seitens des BMI unverhohlen damit "gedroht", zeitnah (in 2015 - vorausgesetzt, wir bekommen wieder Fördermittel) eine Subsidiaritätsprüfung durchzuführen. Aus Fällen, die in der Vergangenheit anderen Sportverbänden widerfahren sind und auch aus den Gesprächen im letzten Jahr beim BMI ist diese Quote für den DSB sicherlich eine "herbe Hypothek", die nicht unbedingt hoffungsvoll in die Zukunft blicken lässt. Meine Einschätzung ist daher nicht unbedingt positiv, aber vielleicht haben wir auch einfach mal Glück!

Krennwurzn:
Die öffentlichen Kassen sind seit der Finanzkrise 2008 eher leer und nach dem nicht so optimalen Abschneiden bei der Sommerolympiade 2012 in London (für Deutschland gab es zu wenige Medaillen und für Österreich gar keine) wurde in vielen europäischen Ländern die Sportförderung kritisch hinterfragt und da Schach sowohl medial als auch im Spitzenbereich nicht liefern kann, erscheinen mir Kürzungen in erster Lesung einmal logisch. Blickt man dann aber tiefer und denkt an Einstein, der sagte Schach ist das Spiel, das die Verrückten gesund hält, und nimmt die pointierte Formulierung verrückt aus dem Spiel, dann bleibt doch die Erkenntnis, dass man vom Schach viel Positives ins praktische Leben mitnehmen kann. Kurz gefragt: Setzen wir mit unserer Spitzenschachorientierung nicht aufs falsche Pferd oder fallen wir als reiner Breitensportverband aus den Fördertöpfen?

Joachim Gries:
Die Entwicklung im olympischen Bereich ist gelinde gesagt "Unerträglich"! Warum formuliere ich dies so negativ? Antwort: Die olympischen Verbände schließen im Vorfeld der Olympiade mit dem BMI sogenannte "Zielvereinbarungen"/"Erwartungsverträge" ab, die ihre Berechtigung nur daraus ableiten, dass nach Ablauf der Olympiade das eingetretene Resultat jedes(r) AthletenIn evaluiert wird. Konkret bedeutet dies, dass die möglichen Medaillenränge in ein Punktesystem übertragen werden und dann festgestellt wird, ob die Erwartungen erfüllt wurden. Ein solches Verfahren ist zwar auf den ersten Blick transparent, aber auf den zweiten Blick entstehen bei dem kritischen Beobachter doch Bedenken:

  1. Die Sportler "opfern"/"investieren" extrem viel Zeit in ihren Sport (vielfach können sie keinen Beruf ausüben und leben von der Sporthilfe), um sich in der Weltspitze zu etablieren. Allerdings sind alle nur Menschen, d.h. Magenverstimmung, "mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden", Wetterfühligkeit, besonderer Stress bei Olympiade, etc. sind Faktoren, die nicht planbar sind und demzufolge eigentlich auch entschuldbar sein müssten. Aber eine Entschuldigung für VERSAGEN gibt es formal gesehen nicht, denn das Nichterreichen der erwarteten und damit förderungswürdigen Platzierung führt zur Kürzung/Streichung der Zuschüsse.
  2. Wenn also die Spitzenverbände einem solchen "Druck" durch das BMI ausgesetzt sind, herausragende Platzierung mit ihren Sportlern erreichen zu müssen, ist es nur allzu verständlich, wenn die Verantwortlichen alles unternehmen, um eine maximale Leistung des Athleten zu ermöglichen und die Athleten noch zusätzlich mit der Drohung unter Druck setzen, welche Konsequenzen damit verbunden sind, wenn sie nicht die gewünschte Platzierung erreichen. Wie nahe wir uns in einer solchen Situation beim Doping befinden, kann wahrscheinlich fast jedermann ahnen/bzw. nachvollziehen.
  3. Wie paradox unsere Gesellschaft beim Thema Doping handelt lässt sich auch daran ermessen, dass einerseits ein Weltrekord/Olympiasieg quasi gefordert wird und andererseits das Erreichen eines solchen Titels mit Unterstützung durch Dopingmitteln mittlerweile nicht nur juristisch, sondern auch ethisch-moralisch in der Gesellschaft als verwerflich angesehen wird. "Gefeiert wird der Sieger - dann ist er Superstar, andernfalls, falls ihm Betrug nachgewiesen werden kann "Verräter an den Werten der Gesellschaft". Dazwischen scheint es in unserer Gesellschaft nichts mehr zu geben. Ein guter 6. Platz ist der berühmte "Blechplatz" und keiner weiteren Erwähnung würdig.

Alle Spitzensportler bewegen sich in einem Umfeld, das höchste psychische und physische Anforderungen stellt. Ein "Versagen" gehört nicht zum Vokabular, obwohl gerade dies uns die Chance eröffnen würde, sie die Spitzensportler etwas sympathischer und menschlicher wahrzunehmen. Leider verfahren viele Medien immer noch nach dem Prinzip "Bad News are good news!" und ein Platz "unter ferner liefen" ist nicht einmal eine Meldung wert. Versucht man Schach in diesem Problemfeld "Profi - Amateur" zu verorten wird schnell klar was in unserem Sport unbedingt geklärt werden muss. Seit Jahren "drückt" sich der DSB vor der Klärung der Frage: " Wann sehe ich einen Sportler als Amateur und wann als Profi an?"

Insofern müsste sich der Schachbundesliga e.V. und der DSB zusammensetzen und eine tragfähige Struktur/Profilizenz, etc. auf den Weg bringen. Die Förderung des Nachwuchs-Spitzenschachs, z.B. das "Schachjahr für Matthias Blübaum und Dennis Wagner" (übrigens eine Drittelfinanzierung zwischen DSB/Sponsor/Eltern) hat sich insofern bewährt, als die gesetzten Ziele nicht nur erreicht, sondern sogar teilweise überboten wurden. Eine Fortschreibung solcher Förderkonzepte ist anzustreben, da sie nicht nach dem "Gießkannenprinzip", sondern konkret an Einzelpersonen und mit einem überschaubaren Finanzaufwand umgesetzt werden.

Der Unterstützung von großen Turnieren, wie z.B. Dortmund, Baden-Baden stehe ich deutlich skeptischer gegenüber, z.B. deshalb, da die "Startgelder" für deutsche Nationalspieler bei solchen Turnieren die Fördermittel für das Schachjahr unserer Prinzen überstiegen. Insofern sehe ich die Investitionen in unsere Nachwuchsspieler mit einer höheren Priorität, als Möglichkeiten zu eröffnen, dass unsere Spitzenspieler gegen Weltklassespieler antreten können.

Fazit:
Die gleichzeitige Förderung des Spitzensportes und des Nachwuchsleistungssportes gehören unabdinglich zu den Aufgaben eines Sportverbandes. Der Breitensport, zu dem wir in unserem Verband fast 99% unserer Mitglieder zählen müssen, hat ein Anrecht darauf in seiner Sportentfaltung gleichberechtigt neben dem Spitzensport zu stehen. D.h. auch in diesem Segment müssen Finanzmittel bereitgestellt werden, so dass neben der Mitgliedergewinnung auch die Mitgliederbindung sichergestellt werden. Projekte zu diesen Themen gibt es unzählige, umso wichtiger ist es, diese Aktivitäten zu stützen und zu fördern. Es ist nicht nötig große Workshops oder Akademien zu organisieren, hilfreich und notwendig ist es unseren Vereinen Materialien an die Hand zu geben mit denen sie die Vereinsarbeit/die Alltagsarbeit besser und effektiver bewältigen können.

Krennwurzn:
Immer öfter hört man bei Schachfreunden, dass man "die da oben" ohnehin nicht wirklich braucht, es gibt so viele Möglichkeiten Schach zu spielen und Vereine und Verbände sind sowieso überholt und nicht mehr zeitgemäß beziehungsweise kommt auch die Aussage: pfeifen wir auf die Förderungen und Spitzenschach und zahlen uns den funktionierenden Rest (Mannschaftsmeisterschaften) einfach selbst.

Joachim Gries:
Diese provokante Aussage passt zu der großen Anzahl "der Nichtwähler" bei Wahlen im Bund oder in den Bundesländern. Es ist mittlerweile bei vielen Schachspielern in den Vereinen (an der Basis), tatsächlich so, dass "die da oben" als nicht unbedingt nötig angesehen werden. Vielfach ist dies dem Umstand geschuldet, dass Projekte und Themen aufgegriffen werden mit denen sich die Basis nicht identifizieren kann, bzw. überhaupt keinen Bezug dazu hat. Es wird sehr oft darüber geklagt, dass sich der Verband doch endlich um die Belange der Vereine kümmern möge. Diese Aussage lässt sich an vielen Regeländerungen der Vergangenheit exemplarisch nachvollziehen:

  1. Abschaffung der Hängepartien - Aufschrei der Schachspieler, "Das Schachspiel droht zu sterben"
  2. Abschaffung der "langen Bedenkzeit" -Die Qualität der Partien geht verloren!
  3. Abschaffung von Alkoholika, Zigaretten - Warum müssen wir dies mitmachen!
  4. Handyklingeln - Was soll so ein Unsinn!
  5. Mitbringverbot von Handy, Smartphone, etc. - Ich will doch gar nicht betrügen?
  6. Einführung der Fischerbedenkzeit - Wir haben nur mechanische Uhren, wollen die uns ruinieren?

Die Aufzählung ist sicher unvollständig. Es gibt noch viel mehr Themen, die für Irritationen sorgen und dazu beitragen, dass die Basis sich nicht mehr im Fokus der zuständigen Funktionäre fühlt. Umso wichtiger ist es für unsere Vereinen, die die wichtigste Rolle innehaben, denn sie sorgen und kümmern sich darum, dass neue Mitglieder geworben, vorhandene Mitglieder an den Verein gebunden werden, Nachwuchs gefördert wird und last but not least ein "VEREINSLEBEN" tatsächlich praktiziert wird, Die verantwortlichen Funktionäre dürfen dies niemals vergessen. Eine gute Verbandsentwicklung wird sich intensiv der Probleme und Aufgaben der Vereine stellen müssen, wie z.B. keine kostenfreie Nutzung mehr von Spielräumen (insbesondere in Ballungsräumen), kaum Nachwuchsspieler [weil es keine Trainer, bzw. Spieler gibt, die dies Aufgabe ausfüllen können], das Vereinsturnier (Vereinsmeisterschaft) kommt nicht mehr zu Stande, weil die meisten Spieler keine freien Spielabende haben (sie spielen meistens parallel in weiteren Vereinen mit), usw. Die Liste kann beliebig verlängert werden, besonders dann, wenn man zusätzlich die Internetangebote hinzufügt, die jedes weltweites Schachspiel "rund um die Uhr" ermöglichen. Der Begegnungscharakter, die persönliche Präsenz am Brett, das Gespräch, das "gemeinsame Bier", die gemeinsamen Vereinsabende treten deutlich in den Hintergrund. Wir entwickeln uns zunehmend in einem immer schnelleren Maße zu EINZELGÄNGERN, die sich vielleicht noch zu einem Mannschaftswettkampf treffen, aber spätestens danach wieder in alle Himmelsrichtungen auseinandergehen. Gemeinsame Partieanalysen am realen Brett finden nur noch selten statt. Verbandsentwicklung unter diesem Aspekt gesehen, muss bewirken, dass die Vereinsmitglieder wieder regelmäßig in den Verein kommen 

Fazit:
Wir müssen glaubhaft machen, dass wir uns für die Belange unserer Vereine interessieren und bei der Lösung von Problemen helfen wollen und KÖNNEN. Wir benötigen Vereinsberater, die langjährige Erfahrungen in der Vereinsorganisation erworben haben und sich den aktuellen Fragestellungen nicht verschließen.

2015JoachimGries

Krennwurzn:
Ein heißes Thema sind auch Einzelmeisterschaften und Spitzenturniere

Joachim Gries:
Was mich besonders bewegt, das habe ich auch in meinem mündlichen Rechenschaftsbericht vor dem Kongress ausgeführt, ist die Durchführung/Organisation unserer deutschen Meisterschaften. Wir haben seit Jahren eine sinkende Anzahl von Bewerbern für die Durchführung von deutschen Meisterschaften. In den letzten Jahren sind deshalb Herbert Bastian (Saarbrücken) Michael S. Langer und Michael Woltmann (Verden) im Langschach und ich (Gladenbach) im Schnellschach - Männer und Frauen- als Ausrichter eingesprungen. Dass ein solcher Zustand nicht zum Dauerzustand werden darf ist wahrscheinlich nachvollziehbar. Notwendig wäre an dieser Stelle deshalb eine Erhöhung des DSB-Zuschusses an die potentiellen Ausrichter. Leider ist eine solche Erhöhung in den letzten Jahren nur in unzureichender Höhe erfolgt. Wir liegen trotz leicht erhöhter DSB-Zuschüsse immer noch in einem Bereich von mindestens 10.000 € den der Ausrichter aufbringen muss. Kleine Vereine, die keinen Sponsor/Mäzen haben laufen Gefahr sich finanziell zu "übernehmen". Das kann nicht im Interesse des DSB liegen. Eine Gegenfinanzierung muss zwingend durch Umschichtung erfolgen.

Ich stand mit diesem "basisorientierten Ansatz" (Unterstützung unserer Vereine bei der Durchführung von deutschen Meisterschaften) ziemlich allein. Die Erhöhung der Zuschüsse für deutsche Meisterschaften fiel im Vergleich zur Unterstützung von Turnieren, wie z.B. Baden-Baden und Dortmund, sehr bescheiden aus.

Krennwurzn:
Da kann die Krennwurzn mal ganz unverschämt Ihre Boshaftigkeit ausleben: Ist nicht die Problematik jene, dass sowohl der Deutschen Meisterschaften und der Bundesliga Geld und Teilnehmer fehlen und man immer wieder sisyphosartig versucht Formate, die sich nachweislich am Markt bei den Schachspielern und -fans nicht durchsetzen, künstlich am Leben zu erhalten?

Joachim Gries:
Für die Organisation der Bundesliga möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen, denn dies ist der Zuständigkeitsbereich des Bundesliga e.V. und die Vereine regeln und besprechen ihre Organisationsstruktur dort in regelmäßigen Abständen in ihren turnusmäßigen Treffen. Dort werden neue Organisationsformen diskutiert und thematisiert und nach entsprechendem Beschluss in der Praxis erprobt.
Zu den deutschen Meisterschaften habe ich bereits eine ganze Menge in meinem Rechenschaftsbericht in der Kongressbroschüre gesagt. Zusammenfassend kann ich festhalten:

  1. Die Bezuschussung für den Ausrichter ist zu niedrig
  2. Die Durchführung und Organisation unter den momentanen Rahmenbedingungen ist ländlich strukturierten Regionen vorbehalten. Ballungsräume kommen nur dann in Frage, wenn dem Ausrichter ein Sponsor zur Seite steht

Krennwurzn:
Kommen wir zum Schluss noch zum heftig diskutierten Thema FIDE

Joachim Gries:
Wie schon in anderen Bereichen auch war sich das Präsidium bezüglich FIDE-Kongress Tromsö (Iljumschinow vs. Kasparow) uneins. Ich vertrat damals, wie auch heute, die Position, dass beide Kandidaten nicht vom DSB wählbar waren und zwar deshalb, weil beide nicht nur dem Korruptionsverdacht ausgesetzt waren, sondern nachweislich auch mit Korruption gearbeitet haben. Ein Verband, der solche Kandidaten unterstützt rückt sich damit selbst in die Nähe der Korruption. Der DSB war und sollte auch weiterhin ein Verband sein in dem das Wort Korruption und seine damit verbundenen Aktivitäten geoutet sind.

Krennwurzn:
Da teile ich Ihre Ansicht, dass beide Lager nicht wählbar waren! Allerdings verstehe ich auch den Ansatz von Herbert Bastian dennoch in die Institutionen zu gehen, weil man mit dem Oppositionskurs der letzten Jahre genaugenommen nichts erreicht hat. Welche alternativen Möglichkeiten gäbe es noch - ein FIDE Austritt demokratischer Föderationen?

Joachim Gries:
Ob Herbert Bastians FIDE - Weg der richtige ist, wage ich zu bezweifeln. Das Argument, nur das Beste für das deutsche Schach im Auge zu haben, muss erst bewiesen werden. Die Nichtberücksichtigung deutscher SR bei der Schacholympiade in der Türkei (wegen Rechtsstreitigkeiten zwischen FIDE und den Unterstützern von Karpow) ist ein Beweis für "die harte Haltung gegenüber Kritikern". Auch die Forderung/Angebot an den DSB mit Zahlung einer Summe X die Beziehungen zwischen DSB und FIDE wieder in geordnete Bahnen zu lenken - ist kein Freundschaftsdienst und im Prinzip ein "NO GO".

Die Annäherung, die von Herbert Bastian vollzogen wurde - erscheint nicht wenigen Schachspielern in Deutschland als ein "Opfern deutscher Positionen - gegenüber der FIDE". Die Ausführungen zur Korruption möchte ich nicht wiederholen!

Die Position des DSB lässt sich auch in der NEUTRALEN Rolle manifestieren. Wir haben es nicht nötig auf "Schmusekurs" mit Präsidiumssitz in der FIDE zu äugen. Die geschäftlichen Beziehungen (Finanzen, ELO, Titel, etc.) laufen über das FIDE-Büro und sind absolut unabhängig von irgendwelchen Funktionen in der FIDE.
Die Kontakte in der ECU und im westlichen Europa sind seit Tromsö nicht mehr die besten und bedürfen der Verbesserung. Hier sind bilaterale Gespräche dringend notwendig (siehe Aussage Michael S. Langer bei ChessBase).

Der langfristige Aufbau eines Kandidaten ist in der Vergangenheit gescheitert. Alle Versuche Iljumschinow zu entmachten sind gescheitert. Ein Austritt aus der FIDE ist aber dennoch nicht nötig, denn die Chaoszustände in den 1990 - 2005-er Jahren sind überwunden. Die Infrastruktur funktioniert, der Präsident ist umstritten. Die Föderationen können aber ihren Aufgaben nachkommen.
Allerdings kann es passieren, dass Entscheidungen getroffen werden, z.B. die Vergabe der Blitz- und Schnellschachweltmeisterschaft nach Berlin 2015, ohne dass dies dem DSB-Präsidenten bekannt gegeben wurde, obwohl er zum gleichen Zeitpunkt in China weilte. Der DSB ist zwar nicht Ausrichter, aber es müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein den zuständigen Präsidenten der betroffenen Föderation zu informieren, insbesondere dann, wenn er außerdem Vizepräsident der FIDE ist.

Ein Zusammenschluss, eine Kooperation mehrerer Föderationen zu einer Interessengemeinschaft ist denkbar, aber nicht außerhalb der FIDE. Das "Hochhalten demokratischer Strukturen" und die Unterstützung bedürftiger Mitglieder (ohne Korruptionsinteressen) kann ein Weg sein langfristig in der FIDE Veränderungen einzuleiten. Gegenseitiger Respekt, Vertrauen und Offenheit müssen Grundlage der angestrebten Kooperationen sein. Politisches Taktieren, Lavieren, diplomatisches Geplänkel sind kontraproduktiv.

Krennwurzn:
Sie sagten Sie sehen die Kandidatur jetzt ambivalent – wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Präsidenten heute?

Joachim Gries:
Mit Herbert Bastian verband mich eine langjährige persönliche Freundschaft, aber in den letzten Jahren und Monaten haben wir durchaus unterschiedliche Einschätzungen von Sachfragen entwickelt. Er stieß in der Vergangenheit eine Vielzahl von Ideen und Projekten an, die er mit viel Engagement und Kreativität vorantrieb, die den DSB zum Teil finanziell stark belasteten, vergaß aber leider dabei, dass es im DSB möglicherweise wichtigere "Baustellen" gab (deutsche Meisterschaften - ausgeglichenen Haushalt, etc.)

Und täglich grüßt das Murmeltier mag man sich denken und Schach ist ja eine der letzten Oasen des Machismo, denn auch in der Wissenschaft und in der Kunst ist das Thema schon lange durch und auch die weltberühmten Wiener Philharmoniker haben schon Frauen in ihren Reihen!

Nun hat Nigel Short im New in Chess Magazin einen Artikel „Vive la difference“ im Vorfeld seines Wettkampfs am 25+26. April gegen Kasparow in Saint Louisettkampfs am 25+26. April gegen Kasparow in Saint Louis veröffentlicht und dort geschrieben: „Männer und Frauen sollten einfach akzeptieren, dass sie anders verdrahtet sind" und in der folgenden Diskussion auf Twitter noch nachgelegt: „Männer und Frauen haben unterschiedliche Gehirne. Das ist ein biologischer Fakt.“ Eine gute Übersicht über die Ereignisse liefert ChessBase im Artikel „Zu kleine Gehirne“ mit vielen Links zum ausgelösten Rauschen im Medienwald!

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Nun gibt es Studien, dass der Spielstärkeunterschied der Weltspitze im Schach zwischen Männern und Frauen nur darauf beruht, dass einfach weniger Frauen im Spitzenschach vertreten sind und natürlich auch Studien, die dies bezweifeln. In den Expertenstreit möchte ich gar nicht eingreifen, sondern ganz einfach einmal annehmen, dass Short mit seinem vermuteten geschlechtsspezifischen Leistungsunterschied Recht hat und dann darüber nachdenken wie sich dieser in der Realität darstellen würde und dann aus diesen Erkenntnissen den geschlechtsspezifischen Leistungsunterschied abschätzen zu versuchen. Machen wir daher einen Blick auf einen Sport, wo es tatsächliche anatomisch bedingte geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede gibt und wählen den 100 Meter Sprint. Frauen sind da 1 Sekunde langsamer als Männer was die Weltrekorde betrifft - 9,50 zu 10,5 ganz grob gesprochen.

Unbestritten ist dann, dass eine noch so gute Frau es niemals ins WM-Finale schaffen würde – auf’s Schach umgelegt ist also ein SUPER-GM (2700+) unmöglich – ebenso würde keine Frau es in ein internationales Event schaffen, was schachlich GM-Niveau entsprechen könnte. Nicht einmal in das Finale vieler Landesmeisterschaften würde es die schnellste Frau schaffen und das lege ich mal locker auf gutes IM-Niveau! Und dennoch ist fast jeder männliche Hobbysportler gegen die schnellste Frau hoffnungslos verloren – möglicherweise wären auch gut trainierte Sportler aus anderen Sportarten (Fußball, Tennis, etc) in der Masse langsamer. Und jetzt bedenken wir, das alles verursacht eine einzige Sekunde oder grob umgerechnet eine um 10% schlechtere geschlechtsspezifische Leistung!

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Nun wie sieht das im Schach aus und starten wir bei Landesmeisterschaften und nehmen wir als Land Österreich und schauen ins Jahr 2006 zurück nach Köflach zur geschlossenen Staatsmeisterschaft (Kat. 7 – Eloschnitt 2401 – IM-Niveau), die von der bekannten IM Eva Moser mit 6/9 gewonnen wurde. Vergleichbares ist mir aus der Welt des 100 Meter Sprints nicht bekannt und wohl eher unwahrscheinlich bis sogar möglicherweise schlicht unmöglich!

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Im Jänner 2015 spielte die Chinesin Hou Yifan beim Traditionsturnier in Wijk an Zee und ließ dort drei Herren in der Tabelle hinter sich und hatte auf Aronian nur einen halben Punkt Rückstand. Das wäre wie wenn eine Sprinterin beispielsweise am berühmten Letzigrund im 100 Meter Finale nicht nur nicht Letzte würde, sondern ganz knapp hinter einem zwar in etwas schlechter Form befindlichen absoluten Weltklassesprinter ins Ziel käme – das kann man einfach nur mehr unrealistisch einstufen! Möglicherweise wären wir da bei einer halben Sekunde oder einer um 5% schlechteren Leistung angekommen!

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Und nicht zu Letzt hat es Judith Polgar im Oktober 2005 auf Rang 8 der Weltrangliste geschafft – nebenbei taucht auf dieser Liste Nigel Short auf Rang 32 unter – und dies wäre auf Sprintverhältnisse umgelegt sogar für Hollywood absolut nicht einmal träumbar, denn wir sprechen von 9,80 und zirka 2,5% Leistungsunterschied und vergessen wir nicht der deutsche Rekord liegt bei 10,05 aus dem Jahr 2014.

Kann man damit einen möglichen geschlechtsspezifischen Leistungsunterschied im Schach ausschließen? Ehrlich gesagt nein, aber ein vergleichender Blick sollte uns sagen, dass falls es ihn doch geben sollte, dieser ziemlich klein – wenn nicht sogar vernachlässigbar - sein könnte. Und möglicherweise existiert er auch gar nicht – dafür würde auch sprechen, wie ein Kind entsteht: aus je einem halben weiblichen und männlichen Satz an Erbinformationen (DNA) entsteht ein einziger Zellkern mit einem neuen, vollständigen Chromosomensatz und würden da von den Frauen „kleinere Gehirne“ weitergegeben, dann könnte das eine Abwärtsspirale auslösen und so funktioniert Evolution erfahrungsgemäß einfach nicht!

Was bleibt? Wir haben einen zu geringen Frauenanteil im Schach und zu viele Machoträumer und Short versteht es immer wieder sich zum richtigen Zeitpunkt auch mit zweifelhaften Aussagen in Sachen PR in eigener Sache in Szene zu setzen!

Ja und der Mensch als Mann und Frau ist doch ein wunderbares Wesen und mit all seinen Schwächen auch unheimlich erfolgreich!

In den Reaktionen auf die für manche zu lockeren Gespräche mit DSB-Präsident Bastian im August 2014 war unter anderem auch der Wunsch, die Krennwurzn möge doch auch mal den DSB-Vize Finanzen bequatschen. Ende Jänner 2015 schickte die Krennwurzn also eine Gesprächsanfrage und bekam eine positive Rückmeldung und das Gespräch begann via Email – nach ein paar beiderseitigen beruflichen, privaten und urlaubsbedingten Pausen, kann dieses Gespräch nun endlich online gehen!

Krennwurzn:
Starten wir mit etwas Smalltalk: „Michael S Langer“ langjähriger DSB-Vize Finanzen und aktiver Schachspieler wie der Präsident auch, was sollten unsere Leser noch über Dich als Person wissen?

MSL:
Ich bin 48 Jahre alt, seit 22 Jahren verheiratet und im "richtigen Leben" in einem bundesweit im Bereich der beruflichen Bildung agierenden Unternehmen Regionalleiter Niedersachsen. Neben meinen Aufgaben im Deutschen Schachbund bin ich u.a. seit 2007 Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes. Meine Hobbys neben dem Schach sind Lesen und das Reisen mit meiner Frau. Ach ja: Wir haben zwei Katzen!


2015MSL1DSB Vize Finanzen Michael S Langer

Krennwurzn:
Nun die Katze ist ja schon aus dem Sack: Du hast bekanntgegeben für keine weitere Funktionsperiode als Vize-Finanzen zur Verfügung zu stehen – es stellt sich daher die logische, aber kurze Frage: warum?

MSL:
Ich bin nach 12 Jahren an den Punkt gekommen, an dem ich meine Tätigkeit im DSB nachhaltig hinterfragt habe. Und ich bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass ich die Arbeit im Präsidium inhaltlich und atmosphärisch nicht mehr positiv genug bewerten kann, als dass ich mir ein „weiter so“ hätte abringen können. Details über meine Unzufriedenheit werden im Rahmen des DSB-Kongresses sicher intensiv diskutiert und sind vorab in meinem schriftlichen Kongressbericht nachzulesen.

Krennwurzn:
Kurze Zwischenfrage: Präsident Niedersachsen bleibst Du?

MSL:
Ich werde mich ab Mai mit (noch) mehr Intensität der Arbeit als Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes zuwenden. Und darauf freue ich mich!

Krennwurzn:
Schauen wir erst einmal ein wenig zurück: 2014 mit dem drohenden „Supergau“ des Verlust des Status „förderungswürdiger Sport“ für Schach war sicherlich schwierig – wie sieht Dein Rückblick auf 2014 aus?

MSL:
Ich antworte mal in Schlagworten! Anstrengend, nervenaufreibend, die Grenzen des Ehrenamtes austestend und am Ende so erfolgreich wie eben unter den derzeitigen Rahmenbedingungen möglich. Wir dürfen jetzt (weiter) Anträge an das BMI stellen! In welcher Höhe diese Anträge beschieden werden, wissen wir im Laufe des Jahres! Aber: Das ist mehr, als im Mai 2014 zu erwarten war! Die Haushaltslage des DSB hat sich durch die sehr späte Zahlung der BMI-Gelder im Dezember 2014 und die damit verbundene "Nichtmöglichkeit", das Geld auszugeben, nachhaltig konsolidiert. Der Jahresabschluss weist ein Plus von knapp 90.000,--€ aus und steigert unsere Liquiditätsrücklage auf knapp 260.000,-- €. Ich habe dem Präsidium trotz dieser positiv klingenden Zahlen einen ersten Entwurf des Nachtragshaushaltes vorgelegt, der eine Fortsetzung des Sparkurses, zumindest bis zum Zeitpunkt des Vorliegens eines für die kommenden Jahre mehr Sicherheit vermittelnden Bewilligungsbescheides, vorsieht.

Krennwurzn:
Viele Funktionäre klagen über die immer steigende Belastungen und dennoch hat man das Gefühl, dass die Masse der Schachspieler – sagen wir es salopp - Unmut gegenüber den Funktionären empfindet. Da muss doch was falsch laufen?

MSL:
Je weiter sich die Arbeit von der Basis der SchachspielerInnen entfernt, desto skeptischer wird diese Arbeit beurteilt. Es ist uns, wie so vielen anderen Verbänden und Institutionen, niemals wirklich gelungen, die intensive ehrenamtliche Arbeit im Dachverband (die manchmal weit über ein eigentlich verträgliches Maß hinaus geht) als nutzbringend für die Basis darzulegen. Um dieses Ansinnen nachhaltig zu verfolgen, bedarf es m.E. einer schriftlichen Ausarbeitung, die das, was der DSB leistet, in Gänze und vor allem transparent abbildet. In Stichworten: Spielbetrieb, Wertungen, stabile Finanzen, Leistungssportförderung….! Und das für 10,-- Euro im Jahr! Und natürlich: Das eine oder andere lässt sich auch inhaltlich verbessern.

Krennwurzn:
Kontrovers diskutiert wird auch, inwieweit Spitzensportförderung Aufgabe des DSB ist. Das Schachjahr zeigt super Erfolge, erscheint aber auch irgendwie sinnlos, wenn die Leute dann (berechtigterweise) studieren gehen!

MSL:
Die Förderung der Prinzen hat gezeigt, dass gesetzte Ziele mit der notwendigen Stringenz erreicht werden können. Und Ja: Ich finde es in fast allen Fällen richtig, dass erst der Beruf bzw. der Weg in denselben kommt. Ich plädiere dafür, dass wir mit diesem Thema realistisch umgehen. Der DSB wird keinen Weltmeister "produzieren" können!

Krennwurzn:
Ich würde gerne ein wenig noch in die Zahlen gehen und da drängt sich die Frage nach der doch sehr hohen Liquiditätsreserve gerade im Hintergrund von kolportierten, möglichen Beitragserhöhungen auf.

MSL:
Mein vorgelegter Haushaltsentwurf zielt darauf ab, dass keine Beitragserhöhung (zumindest für die Jahre 2016 und 2017) notwendig wird! Für den Kongress habe ich deswegen einen Antrag auf Beibehaltung der derzeitigen Beitragsstruktur gestellt.
Du beanstandest die Höhe der Liquiditätsrücklage!? Seit ich im Amt bin, lege ich fast schon gebetsmühlenartig dar, dass der DSB eine Rücklage von ca. 220.000,--€ benötigt. Dies begründet sich damit, dass im ersten Quartal keine Einnahmen erzielt werden können, die erste Beitragsrate unserer Mitgliedsverbände wird im April gezahlt, und nichts desto trotz Gehälter, Miete und anfallende Rechnungen gezahlt werden müssen. Rechnet man dann noch einen Aufschlag für unvorhergesehene Ausgaben hinzu, kommt man auf die von mir genannte Summe!

Krennwurzn:
Den großen Brocken Personalkosten möchte ich eher außen vor lassen, aber ein Blick auf 94T Kosten für Ehrenamt und 63T für die Geschäftsführung im Gegensatz zu 108T Leistungssportförderung in der auch 25T für Bundestrainer enthalten sind, schaut doch etwas „ungleichgewichtet“ aus.

2015MSL2„Einnahmen_und_Ausgaben_2013“ – PDF von DSB-Homepage

MSL:
Es stimmt! Unsere Personalausgaben sind gemessen am Gesamthaushalt hoch. Aber, wie soll der DSB denn ohne Hauptamtlichkeit überhaupt funktionieren? In den Personalausgaben sind die Kosten für unsere Trainer inkludiert. In den Kosten für die ehrenamtlichen Aufwendungen sind alle Kosten, die für den DSB im Laufe eines Jahres (also auch Kongress, Kommissionen, Präsidiumssitzungen….) enthalten. Und dass eine Geschäftsstelle Kosten (Miete, Dienstreisen, Geräte, laufende Renovierungen….) verursacht, ist selbstverständlich. Der Leistungssport hatte in den letzten Jahren mehr Geld zur Verfügung. Die geringe Summe des Jahres 2013 begründet sich u.a. mit erst in 2014 zu zahlenden Rechnungen.

Krennwurzn:
Ein weiteres heikles Thema in der Öffentlichkeit ist die etwas intransparente Sache mit der DSB Wirtschaftsdienst GmbH. Ist die noch notwendig, zeitgerecht oder soll die abgewickelt werden?

MSL:
Die WD GmbH tätigt vom Grundsatz her alle Aufgaben unseres wirtschaftlichen Zweckbetriebs. Und wirklich heikel war und ist sie nicht. Sie gehört mittlerweile zu 100% dem DSB! Von ihrer Gründung im Jahr 1985 gehörte sie bis in das Jahr 2010 verdienten (Einzel-)Mitgliedern des DSB. Ihre Einlage in Höhe von damals jeweils 10.000,-- DM haben sie zwei oder dreimal mit einer kleinen Dividende „entlohnt“ bekommen. Man braucht viel Enthusiasmus für die Sache, um das als lohnende Anlage zu bewerten. Der DSB hat die Anteile dann in zwei Schritten gekauft. Erst wollten Erben der Eigner ihre Anteile „loswerden“ und dann hat das BMI sich den Restankauf „gewünscht“. Die Irritationen und Spekulationen über diese Minifirma begründen sich wohl hautsächlich damit, dass der Jahresabschluss nicht Bestandteil der Kassenprüfung war.

Krennwurzn:
Noch heikler erscheint mir der Komplex den man mit Compliance bezeichnet. Immer wieder werden im Umfeld von FIDE Wahlen Korruptionsverdachtsfälle in die Öffentlichkeit gespielt. Wie damit umgehen und vor allem auch mit dem Problem, dass es natürlich Funktionäre geben kann, die in die eigene Tasche arbeiten.

MSL:
Ich beschränke mich in meiner Antwort erst mal auf den DSB. Ich kenne keinen Fall, in dem in Deutschland während meiner 12-jährigen Amtszeit tatsächlich Korruption nachgewiesen wurde. Dass es immer mal wieder Gerüchte gibt, liegt auch an der mittlerweile oft zu recht sehr kritischen und misstrauischen Betrachtung aller großen Sportorganisationen.

Krennwurzn:
„Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube..“ wird sich hier in Erinnerung an einen Dichterfürsten ein Großteil der Leserschaft denken, obwohl es auch nach meinen Informationen keinen gerichtlich nachgewiesen Korruptionsfall gegeben hat. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung gab es doch Vorfälle die eine „schiefe Optik“ aufwiesen – sowohl in Deutschland als auch natürlich international. Dürfen sich da der DSB und seine Funktionäre da so einfach in die Burg „juristisch Bewiesenes gibt es nicht“ zurückziehen?

MSL:
Was soll ich antworten? Natürlich kenne ich auch Gerüchte! Und ich weiß auch, wie wir intern mit diesen Gerüchten umgegangen sind. Aber: es gibt in dem Zeitraum, in dem ich in erster Reihe gearbeitet habe, eben keinen nachgewiesenen bzw. beweisbaren Korruptionsfall. Ich mache es mir etwas einfacher und weiche ein bisschen ab: Die Art und Weise, in welcher der Wahlkampf in der FIDE geführt wurde, empfand ich in vielfacher Hinsicht als grenzwertig! Ich möchte nicht, dass diese Form der Politik so Einzug in den DSB hält. Und last but not least: Nein! Der DSB darf nicht die Augen verschließen!


Ältere Gespräche DSB-Spitze mit der Krennwurzn

Dez 2013 - DSB Vize Woltmann im Interview mit der Krennwurzn

Aug 2014 – Bastian mit Krennwurzn
                   über Olympia, Prinzen und Geld
                   über FIDE und Frauen

Mittwoch, 01 April 2015 10:05

Urelo in Kreta entdeckt!

Bereits im September des Vorjahres war die Krennwurzn nicht wie viele dachten wieder einmal auf Urlaub und ließ sich in der Bratpfanne (Balos Peach) in Nordwestkreta die Sonne auf den schon ganz beachtlichen Bauch scheinen, sondern diesmal war es eine geheime archelogische Expedition in die Geheimnisse der Schachgeschichte.

2015Elo01Hier in der Bratpfanne hätte die Krennwurzn unbeschwerte Ferien verbringen können, aber was tut man nicht alles fürs Schach!

Nahe der heutigen Ortschaft Elos im Westen Kretas grub ein internationales Expertenteam nicht nur nach antiken Bauten, sondern ging auch einem Hinweis eines 1958 entdeckten Kommentars zu Platons Ideenlehre nach indem gesagt wird, dass das Elosystem schon den alten Griechen bekannt war und im Eloheiligtum in Kreta verehrt wurde. Wahrscheinlich wurde Schach und das Wertungssystem von kretischen Rückkehrern aus Truppen, die mit Alexander dem Großen in Persien und an den Grenzen Indiens waren, schon viel früher nach Europa gebracht.

2015Elo02Das Ausgrabungsteam bei der Arbeit in der griechischen Septembersonne!

Natürlich steht das im krassen Widerspruch zur bekannten Lehre wonach das Elosystem von Arpad Elo erfunden wurde. 1959 – ein Jahr nach dem Fund eines kleinen Hinweis auf ein Eloheiligtum in Kreta – begann der Ungar das heute bekannte System zu entwickeln - natürlich kann das Zufall gewesen sein, aber wir werden es nie mit Sicherheit wissen, aber es besteht die Möglichkeit, dass er von einem Freund auf der Universität von Milwaukee Kenntnis vom antiken Elosystem gehabt haben könnte.

2015Elo03Moderne Archeologie mit altertümlichen Geräten kann schweißtreibende Arbeit sein - aber dafür kann man sogar eine Krennwurzn gebrauchen!

Mit Sicherheit wissen wir allerdings, dass das Elosystem so seine Schwächen hat und nur auf statistischen Berechnungen fußt und uns daher viele, viele Probleme beschert. Die Elozahlen sind nicht fixe Größen sondern die Wahrheit liegt in einem Nebel vergraben – man kann nur die Wahrscheinlichkeit für den Spielausgang angeben und aus einer Partie und schon gar nicht aus einem Zug kann man keine wirklich haltbaren Schlüsse ziehen, weil – ja weil – ein fixer Bezugspunkt fehlt. Nun wurde bei den Grabungen im September ein URELO gefunden, das genau diese Probleme löst – genau wie beim Urkilogramm und Urmeter gibt es nun auch eine fixe Referenz auf die alles exakt zurückgerechnet werden kann. Inflation, Normalverteilung und Standardabweichung sind ab jetzt nur etwas für Weicheier! Jetzt wird einfach und auch richtig gemessen und die Zahlen lügen nun mal nicht.

2015Elo04Aber auch Präzesionstechnik wurde verwendet ... natürlich ohne Krennwurznhilfe!

Was hat das für praktische Auswirkungen auf das Schach? Nun jetzt kann man die Elozahl für jeden einzelnen Zug eines jeden einzelnen Spielers berechnen. Betrüger werden also sofort aufgedeckt, weil ein von einer Maschine gespielter Zug vom URELO sofort erkannt wird. Aber wie darf man sich das vorstellen? Nun fangen wir ganz einfach an und legen eine Notation einer Krennwurzn Partie neben das URELO und starten wir die Berechnungen und wir sehen, dass der Zug 1. e4 am 15. November 2014 mit einer Elozahl von 1815 gespielt wurde und der Gegner mit 1. ... c5 und 2266 Elo geantwortet hat, was unweigerlich – wenn auch nicht verwunderlich – zu einer Niederlage der Krennwurzn führte! Doch viel wichtiger wurde am gleichen Tag auch von Magnus Carlsen der Zug 1. e4 gespielt, aber mit einer Rekord-Elo von 3325 und sein Gegner Vishy Anand antwortet ebenfalls mit 1. ... c5 aber nur mit einer Elo von 2637 und schon da war klar, dass Vishy an diesem Tag auch den Fehler 26. Kd2 (Elo 2593) nicht bestrafen wird können und nur den Zug 26. ... a4 mit Elo 2599 bringen wird können, da für den Hammer 26. ... Sxe5 der Elobedarf für Vishy bei unglaublichen 4753 Elo gelegen wäre!

War bisher und bei oberflächlicher Betrachtung der Zug 1. e4 immer gleich stark, weil ja die zugrunde liegende Stellung nur remis, gewonnen oder verloren sein kann - was auch durch das URELO nicht bestritten wird – so kann nun jeder einzelne Zug von dieser Ebene, die den Maschinen vorbehalten ist, weggehoben werden und individualisiert werden. Das URELO kann in Kombination mit der Person, dem Ort und der Zeit die Stärke eines Zuges berechnen. So spielte Carlsen den Zug 1. e4 in Wijk gegen Saric nur mit Elo 2702 und dies reichte an diesem Tag nicht aus um einen Sieg einzufahren.

2015Elo05Der Flug des Elophönix

Leider ist es zur Zeit noch notwendig, dass sich das Urmeter in unmittelbarer Nähe zur Originalnotation befindet um genaue Werte zu liefern, aber die Forscher arbeiten hart daran auch historische Partien auswerten zu können und wir dürfen schon gespannt sein, was uns diese Auswertungen an neuen Erkenntnissen bringen werden und für das Jahr 2016 ist ein eigener Server geplant auf dem alle gespielten Partien in Echtzeit ausgewertet werden können – gegen eine geringe Gebühr von 0,815 EuroCent pro Partie! Aus steuerlichen Gründen sollte dieser mit eigenem Solarstrom betriebene Server in der Nähe des antiken Eloheiligtum in Kreta stehen und zu einem Eloheiligtum 2.0 werden.

Sonntag, 25 Januar 2015 12:49

TataRemisen

Remispartien waren beim Tata Masters in Wijk an Zee heuer erstaunlich wenige zu sehen und vor allem sehr wenige wirkliche Kurzremisen ohne wirklichen Kampf am Brett. Von den 91 Partien wurden 46 entschieden und davon gingen 28 Siege auf das Konto von Weiß und 18 Schwarzsiege waren zu verzeichnen – damit blieben 45 Remispartien übrig und eine Remisqoute von unter 50% zählt bei Topturnieren eher zu den Ausnahmen. Wie schaffen es die Organisatoren es den Spielern so eine kämpferische Partieanlage zu entlocken. Nun es erscheint mir gar nicht so schwer zu sein, denn nicht das Streben nach einer möglichst hohen Turnierkategorie bringt das gewünschte Ergebnis, sondern gerade die Einmischung von „schwächeren“ Spielern – sofern man das bei Elo 2600++ sagen darf – bringt die Würze ins Feld.

Gewonnen hat Magnus Carlsen mit einem halben Punkt Vorsprung auf vier Verfolger.

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Und hätte Ivan Saric seine etwas bessere Stellung nach der Eröffnung ausnutzen können, dann wäre fünf Spieler punktegleich am Ende dagestanden und am Anfang des Turnieres schaute es auch nicht nach einem Carlsensieg aus, denn er startete nur mit 1/3 ins Turnier und erst seine sechs in Folge gewonnenen Partien zur Turniermitte brachten ihn wieder in den Kampf um den Turniersieg zurück.

Aber eigentlich wollte ich hier über die Tataremisen schreiben, weil sich einige regelrecht ins Remis gezittert haben – teilweise mit beidseitig ausgelassenem Gewinn – das sollte keine Kritik an den Fähigkeiten der SuperGM darstellen, sondern Ausdruck der Freude am sportlichen und kämpferischen Schach sein.

Zwei Beispiele aus der 9. Runde zeigen, dass auch dramatische Änderungen der Stellungsbewertungen immer wieder noch in den Remishafen führen können! Und das Menschen nun einmal Angst haben und nicht perfekt Schach spielen können - Gottseidank!!

Aber nicht immer konnten die möglichen Remisen wirklich „ertattert“ werden und ich möchte ihnen lieber Leser noch zwei Beispiele zeigen, wobei ich mir nicht wirklich sicher bin, ob die Remisen hier wirklich in trockenen Tücher gelegen sind und ob die Maschinen richtig liegen.

Irgendwie absolut unglaublich - kann diese Stellung wirklich remis sein? Weiß am Zug - viel Spaß beim herumtattern!!

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Der weiße König hat Probleme die Freibauern zu unterstützen ohne dass mal hie mal da einer verloren gehen könnte ... nahezu unglaublich, aber die Maschinen zeigen hier im Endspiel immer 0,00 an und alle meine Versuche die Stellung zu gewinnen sind gescheitert, aber das sagt ja nicht wirklich viel aus :-)

Entscheidender könnte die Tatsache sein, dass wenn man das Bauernpaar auf der g-Linie entfernt, der entstehender 6 Steiner laut Tablebases doch remis ist!

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Hier noch die Partien zum Download in PGN

Donnerstag, 01 Januar 2015 10:48

Neujahrskonzert 2015 Schach ist Sport

Hat die Krennwurzn zu Silvester zu viel Schaumwein getrunken oder ist gar von der Musik zu berauscht, zumal der Walzer „Wein, Weib und Gesang“ von Johann Strauss (Sohn) heuer am Programm stand? Nein, nein – seien Sie unbesorgt, es ist alles in Ordnung mit der Krennwurzn. Aber nachdem wir Wein und Gesang ausgeschlossen haben, bleibt nur mehr W... also in heutiger Hochsprache die Frauen. Äh – jetzt wird es noch unverständlicher, denken Sie, aber auch hier wieder ein klares Nein. Der lange Streit ist, ob Schach Kunst, Wissenschaft oder Sport ist und ich denke diese Frage lässt sich durch den Umgang mit Frauen in den einzelnen Disziplinen am einfachsten klären. 

 

 

2015 Neu 0175. Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Musikverein

Die Kunst ist wohl seit jeher aufgeschlossen und auf Gleichberechtigung oder wie es der Krennwurzn besser gefällt auf Gleichwertigkeit ausgerichtet. Bei den Wiener Philharmonikern sind Frauen zwar erst seit 1997 und auch erst nach massivem ausländischem Druck im Orchester vertreten. Eine Künstlerlaufbahn für Frauen wird auch in vielen Gesellschaften nicht so gefördert und es ist für Frauen sicherlich schwerer eine solche einzuschlagen und dennoch gibt es keine eigene Kunstkategorie für Frauen. Also Kunst kann Schach aus diesem Blickwinkel keine sein.

2015 Neu 02200 Jahre TU Wien - hier machten die Brüder Johann und Josef Strauss eine Ausbildung

In der Wissenschaft – vor allem in der Technik – gelten die gleichen Vorurteile und die Einstiegshürden für Frauen sind faktisch höher - besonders wenn es aus dem universitären Bereich in die freie Wirtschaft geht. Und dennoch gibt es kein Institut für Frauenmathematik auf einer Universität und schon gar keine extra Forschungsabteilung für Frauen in der Wirtschaft. Trotz noch immer weit verbreitetem Chauvinismus in diesem Bereich muss man sagen – auch aus dieser Sicht ist Schach der Wissenschaft nicht zuordbar.

Bleibt nur mehr der Sport übrig und da macht die Auftrennung in Männer und Frauen durchaus in vielen Bereichen Sinn, weil es hier nachweisbare Nachteile für die Frauen gibt. Welche das im Schach sein sollten, das kann niemand sagen, aber es ist halt so bequem und zeitgeistig ... und Förderungen gibt es auch! Und diesen Männerkorpsgeist, den die Universitäten im 19. Jhdt. und die Philharmoniker im 20. Jhdt. - nicht zu deren Nachteil - überwunden haben, den haben wir Schachspieler uns erfolgreich ins 21. Jhdt. „gerettet“ und jammern über rückläufige Mitgliedszahlen, lassen aber locker das Potential der Frauen links liegen und brüsten uns, dass wir ja „sooo“ viel für Frauenschach machen!

2015 Neu 03Conchita Wurst gewann 2014 Toleranz für Österreich

Alleine in Deutschland könnten so um die 50.000 neue Mitglieder fürs Schach gewonnen werden und da wären wir noch lange nicht bei einer 50% Frauenqoute – und da dies praktisch weltweit gilt, ist das für das Schach eine auch wirtschaftlich extrem wichtige Wachstums- und Absicherungschance. Männer – jeder von uns ist gefragt – wir müssen uns endlich öffnen und auch unsere Vereinstüren für Frauen öffnen und das Vereinsleben für diese attraktiver machen!

Prosit Neujahr 2015!!

Donnerstag, 20 November 2014 00:00

Krennwurzn in the Cloud with ChessBase 13

Musste die Krennwurzn vor zwei Jahren noch leiden – nachzulesen im Artikel „ChessBase12 die Leiden der jungen Krennwurzn“ – so trällert nun der Beatles Song „Lucy in the Sky with Diamonds“ in krennwurzisch typischer Abwandlung durch meinen Kopf und mit fröhlichen und bunten Gefühlen denke ich: Apple, Microsoft, Google und wie sie alle heißen bieten Clouds an – sogar beim Kauf meines Laptops war eine Gratiscloud dabei und Dropbox verwendet beinahe schon jeder. Die NSA kennt sowieso alles von mir – sogar die geänderten, gelöschten und verworfenen Teile dieses Artikels – da ist es nur zu logisch, dass auch die Hamburger den Weg in die Wolke wagen.

Datenbanken in den Wolken

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Vom System werden automatisch drei leere Datenbanken (Meine Partien und Repertoire W&S) angelegt und wieviel Onlinespeicherplatz dem User zusteht, das bestimmt die Art der Mitgliedschaft. Wer will der kann auch sein Repertoire in die Wolke speichern und dann auch mit dem Smartphone oder einem anderen Gerät seine eigenen Eröffnungen ein wenig wiederholen. Denn der Vorteil der Wolke ist ja, dass man nicht nur mit CB13 sondern auch ganz einfach mit einem Browser auf die eigenen Daten zugreifen kann.

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Damit kann man eigene Partien schnell und unkompliziert überall herzeigen und auch beispielsweise kommentierte Partien schnell mal einem Freund zeigen. Jede Datenbank kann auch mit anderen Nutzern geteilt werden oder sogar im Web veröffentlicht werden (inkl. PGN-Download). Ich finde das sind sehr praktische Möglichkeiten auch für Vereine und vor allem für Trainer, die ihren Schüler damit individuell Zugriff auf bestimmte Datenbanken für Eröffnung, Training, etc. geben können. Wenn der Platz dafür nicht mehr reicht, könnte ich mir vorstellen, dass man bei ChessBase mehr Speicherplatz gegen Geld anmieten wird können – aktuell habe ich da aber noch keine Angebote gefunden.

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Hier die Schaltzentrale für Clouddateien inklusive Veröffentlichungsmöglichkeit im Web – die Webseite wird dynamisch generiert, das bedeutet Änderungen in der Datenbank werden innerhalb kürzester Zeit ohne eigenes Zutun auch auf der Webseite geändert. Wie ich denke ein sehr praktisches Feature, denn damit können beispielsweise kleine Vereine mal auch eine Liveübertragung im Netz machen ohne großen finanziellen Aufwand zu treiben. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass man jeden User individuell freigeben muss und man auch keinen Zugriff auf die Freundesliste hat, obwohl man doch gerne mit Freunden teilt.

„Lucy in the Sky with Diamonds“ manche Zeitgenossen sahen 1967 in den Anfangsbuchstaben des Titel einen versteckten Hinweis auf LSD gefunden zu haben. Drogen sind zwar heute auch noch immer gefährlich, aber 2014 bewegt vor allem die Sicherheitsfrage die Wolkenbewohner – LSD „Leben Schachspieler dort!?“ und wenn ja, wie sicher ist das? Nun die Geheimdienste wissen alles meist schon bevor es in die Cloud kommt und ansonsten hängt es von der Sicherheit des Servers ab und des verwendeten Passworts des Users. Ich denke mal für Normaluser eine ausreichende Sicherheit, ob Profis Eröffnungs- und Analysegeheimnisse in die Cloud stellen sollten – naja Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. LSD – Lieber sichere Daten?!

Repertoiredatenbanken

Eigentlich kommentiere ich Funktionen, die ich nicht oder kaum verwende nicht gerne, aber hier gibt es einen langjährigen Konflikt zwischen den Wünschen der Krennwurzn und der Ausführung von ChessBase. Im Vergleich zur Vorgängerversion werden nun die Repertoiredatenbanken automatisch in Weiß und Schwarz getrennt (eine Importfunktion für das alte Format ist vorhanden) und zusätzlich besteht die Möglichkeit diese auch in die Cloud zu heben. Mit Repertoiredatenbank erzeugen werden aus den eigenen Partien (oder auch anderen wie man möchte) zwei Datenbanken Repertoire Black&White erzeugt.

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In diesen sieht man dann eine Eröffnungsliste

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und wenn man dann auf eine Eröffnung klickt, erscheint

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Blau markiert sind die Repertoirezüge, die entweder die Maschine automatisch festgelegt hat oder aber der User händisch abgeändert hat. Und nun kommt die Kritik der Krennwurzn: das ist alles sehr schön, aber eigentlich nicht die Information, die ich haben möchte oder nicht so wie ich sie gerne aufbereitet hätte. Wie zu sehen ist, geht die Eröffnung mit 0,5:3,5 ganz schön in die Hose für die Krennwurzn, denn nach Livebook sollte man um die 53% der Punkte machen:

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Die Gründe für die Abweichung können vielfältig sein – die Krennwurzn könnte die Eröffnung einfach nicht verstehen – unter uns die wahrscheinlichste Erklärung. Dazu würde passen, dass die Krennwurzn immer einen bereits bekannten Fehler immer wieder macht, dann wäre es nett, wenn das Programm sagen würde, die Variante 4. Sxd4 ist ja ok, aber dein Zug xy in der Folge verliert mit hoher Wahrscheinlichkeit, spiele daher besser den Zug yx an dieser Stelle.

Ganz fies wäre, wenn in der Variante eine aktuelle Neuerung versteckt wäre und die 53% von der Vergangenheit leben und in Wirklichkeit noch kein Gegenmittel gefunden worden wäre bzw. die Variante einfach nicht mehr spielbar wäre.

Und wie hier im aktuellen Fall könnte es auch sein, dass das schlechte Ergebnis nichts mit der Eröffnung im Speziellen zu tun hat, sondern schlicht daran liegt, dass die Gegner einfach zu stark für die Krennwurzn waren – diesem Problem sind wohl viele von uns ebenfalls ausgeliefert.

Man kann zwar einen umfassenden Repertoirebericht aus einer großen Datenbank (Achtung dauert etwas länger) erstellen lassen,

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aber der ist mir einfach zu technisch und zu wenig persönlich. Ich würde mir hier wünschen, dass das Programm versucht mehr personalisierte Rückmeldungen zu generieren wie: 7. Lg5 ist ein bekannter Eröffnungsfehler und Du spielst ihn immer wieder, Du verlierst zu viel Partien in der Königsindischen Abtauschvariante, usw... Sollte ich in einer Variante überdurchschnittlich gut punkten, so könnte dies an den Gegnern liegen und ist nicht so relevant.

Gut finde ich, dass man „seine“ Repertoiredatenbanken in die Cloud legen kann und auch von Mobilgeräten via Apps (das soll noch eingebaut werden) oder aber über den Browser zugreifen kann

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und damit auch unterwegs mal die eigenen Eröffnungen wiederholen und pauken kann! Ideal bei Reisen oder wenn mal eine Wartezeit zu überbrücken ist. Handy, Tablett oder Laptop anwerfen und es ist Schachzeit!

Notation, Spielerheader, Spielerlexikon, Elozahlen

In diesem Bereich gibt es viele kleine nette Verbesserungen – keine Revolutionen, aber wirklich gute Evolutionen, das zieht sich durch das gesamte Produkt und macht einen Kauf bzw. Upgrade für uns User attraktiv. Beispielsweise wurde die Kommentierung erweitert.

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Man muss nicht mehr die rechte Maus bemühen, man kann aus der Leiste direkt kommentieren – eine Kleinigkeit, aber wirklich nett und praktisch!

Ebenso wurde der Partieheader um Bilder und Funktionen ergänzt...

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mit einem Klick kann man das Bild auch noch vergrößern, klickt man auf den Namen, kommt der gesamte Personalausweis und ein Klick auf das Turnier zeigt die Turniertabelle.

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Ratingzahlen gibt es mittlerweile ja für jeden Spieler fast schon wie Sand am Meer und auch diesem Umstand wurde Rechnung getragen – nun kann man diese auch mit den Partien abspeichern.

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Es stehen Internationale (FIDE-Elo und Fernschach) in den verschiedenen Kategorien ebenso wie nationale Zahlen zur Auswahl.

In der Warteschleife befinden sich wohl auch noch Funktionen zum Spielerlexikon, wie eine Maske im Datenbankfenster Spieler zeigt:

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Man kann die Spielersuche im Lexikon, in der Datenbank oder in Turnieren machen und es gibt einen Ich-Button und man braucht den eigenen Namen nicht mehr voll ausschreiben – eine gerade für faule Krennwurzn sehr wichtige Neuerung.

Eine weitere Kleinigkeit, die allerdings schon via Updates den Eingang in ältere ChessBase Produkte gefunden hat, ist die Möglichkeit sofort aus dem Programm heraus Nachrichten an die Entwickler zu schicken.

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Neben Text kann man auch ein Bildschirmfoto beilegen und damit die Bearbeitung etwas vereinfachen, ebenso kann man optional seine E-Mailadresse angeben und erhält dann wohl eine Rückmeldung. Interessant finde ich, dass man nicht nur meckern kann, sondern den Entwicklern auch „ein Lächeln“ senden kann. Da man heutzutage – oder war das nicht schon immer so – viel leichter schimpft als lobt, erscheint diese Funktion auf den ersten Blick etwas komisch. Lobt man die Entwickler nicht alleine schon mit dem Kauf der Software genug? Sicherlich, aber werden bestimmte Funktionen von vielen gelobt, so ist das für die Entwickler doch auch eine wichtige Information diese Funktionen auszubauen – also ist „Loben“ auf den zweiten Blick sogar sehr nützlich – nutzen wir sie!

Jetzt plappere ich mal ein wenig aus dem Nähkästchen und hoffe ich verrate nicht zu viel: in den Betaversionen wurden auch noch ein paar weitere interessante Kleinigkeiten „angedacht“, die es nicht in die Finalversion geschafft haben, also können wir User uns Hoffnungen machen, dass diese wie schon öfter in der Vergangenheit bei späteren Updates als Goodies den Weg ins Programm finden.

Analyseaufträge (NEU)

Musste ChessBase anders als die Fritz-GUI bisher auf Analysefunktionen verzichten,

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so bekommt nun die Version CB13 eine solche spendiert!

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Allerdings keine von Fritz schon bekannte, sondern eine Neue! Ob und wann es 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung auch zu einer logischen Vereinigung der beiden GUI‘s (graphical user interface“) kommt, können namenlose Experten nicht abschätzen – aber das ist ein anderes Thema.

Endlich kann man der Maschine Aufgaben zuweisen und die muss diese abarbeiten. Das kann für Fernschachspieler ebenso interessant sein wie für Eröffnungstheoretiker, aber durchaus auch zur Analyse von eigenen Partien, die man nicht komplett, sondern nur punktuell an ausgewählten Stellen überprüfen lassen möchte.

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Man füllt die Analyseaufträge, wählt die Einstellungen und die Waffen – äh Engines - und schon kann man sich einen schönen Fernsehabend machen oder ins Theater gehen und die Maschine darf arbeiten! Schade nur, dass die Ergebnisse nicht auch gleich automatisch ins eigene Gehirn übernommen werden können, sondern erst am nächsten Morgen vom Rechner abgelesen werden können.

Mir gefällt an dieser Funktion vor allem, dass hier Mensch und Maschine gut zusammenarbeiten können. Man im Gegensatz zu einer Vollanalyse individuelle Schwerpunkte setzen und so in wahrscheinlich geringerer Zeit mehr Informationen aus der Partie holen kann oder aber bei gleicher Zeit vielleicht tiefere Informationen. Gut auch bei der Analyse von eigenen Partien, wo man dann doch ein paar Stellen genauer durchleuchten möchte und andere wieder nur auf taktische Schläge überprüfen möchte.

Fazit der Krennwurzn

CB13 ist eine konsequente Weiterentwicklung der Vorgängerversion, die meiner Meinung nach ChessBase wieder in die richtige Spur gebracht hat und daher möchte ich auch auf das Fazit aus dem Artikel „ChessBase12 die Leiden der jungen Krennwurzn“ verweisen, das großteils immer noch seine Gültigkeit hat

Was mir neu gut gefiel:

  • Clouddatenbanken inkl. vielfältiger Zugriffsmöglichkeiten (NEU)
  • Analyseaufträge (NEU)
  • Kleine Verbesserungen und
  • wenig optische Veränderungen zur Vorversion

Was mir noch fehlt:

  • Analyseaufträge könnten mit Let’s Check zusammenarbeiten
  • Schreibweise verbessern und Spielerlexikon haben auch noch Potential
  • individuelle Anpassungsmöglichkeiten in der Ribbon Button Leiste
  • Übersicht über alle Einstellungen, Abos, ... in einem Report (html)
  • Firmeneigenes Supportforum – ein MUSS in diesen wolkigen Zeiten

Und zuletzt die ewige Frage: welches Paket soll man nehmen? Nun diese Frage muss jeder User für sich selbst entscheiden – die sparsame (geizige?!) Krennwurzn gibt der Downloadversion mit 100 Euro eine klare Empfehlung! Aber auch die anderen Angebote haben ihren Reiz und so soll sich jeder das für sich selbst passende aussuchen!

Kommen wir zur entscheidenden Frage: braucht man CB13 überhaupt? Ganz ehrliche Antwort „NEIN“ und trotzdem gebe ich wie vor zwei Jahren meine ganz persönliche Empfehlung zum Kauf!!

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Warum etwas kaufen, was man nicht wirklich braucht? Klingt irgendwie nicht logisch, ist es aber doch. Es stimmt zwar, dass schon ältere Versionen der Software die Grundbedürfnisse der meisten User mehr als übererfüllen, aber wir sollten auch bedenken, dass neben den neuen Funktionen viele, viele kleine Verbesserungen - inklusive Fehlerbehebungen - uns Usern Vorteile bringen und dem Unternehmen Geld kosten. CB13 ist keine Revolution, aber eine gute und solide Evolution!

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Und noch ein Grund spricht für einen Kauf: in den zwei Jahren nach dem Erscheinen von CB12 sind 37 Updates auch mit kleinen Funktionserweiterungen uns Usern kostenlos zur Verfügung gestellt worden – und damit mehr als die üblichen monatlichen Updates der Großen der Softwarebranche – vielleicht ist es deshalb durchaus fair auch mal wieder ins eigene Geldbörserl zu greifen, aber vor allem denken Sie nicht an andere sondern ruhig mal an sich selbst:

Weihnachten steht vor der Tür – gönnen Sie sich etwas für Ihr Hobby!


Systemanforderungen ChessBase 13 - Herstellerangaben

Mindestens: Pentium III 1 GHz, 1 GB RAM, Windows Vista, XP (Service Pack 3), DirectX9 Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetverbindung (Aktivieren des Programms, Playchess.com, Let’s Check, Engine Cloud und Updates).

Empfohlen: PC Intel Core i7, 2.8 GHz, 8 GB RAM, Windows 7 (64 Bit) oder Windows 8 (64 Bit), DirectX10 Grafikkarte (oder kompatibel) mit 512 MB RAM oder mehr, 100% DirectX10 kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD-ROM Laufwerk und Internetverbindung (Aktivieren des Programms, Playchess.com, Let’s Check, Engine Cloud und Updates).

Internet: Info und Shop www.chessbase.de

Kleingedrucktes (nicht lesenswert)

Lob, Geschenkkörbe, Weinflaschen und Sympathiebekundungen per Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kritik, Beschwerden, Unmutsäußerungen bitte nur an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – aber bitte nur bezüglich des Programms, nicht aber über die Krennwurzn – dafür können die nichts!

Ich lege auch eine pdf-Version zum Download bereit – wer ganz erzürnt ist, bitte ausdrucken und ganz genüsslich ganz heftig klein zerreißen und dann gemütlich hinsetzen und ein gutes Glas österreichischen Rotwein trinken!

PDF: ChessBase12 die Leiden der jungen Krennwurzn
PDF: Krennwurzn in the Cloud with ChessBase 13

Artikel ChessBase12 die Leiden der jungen Krennwurzn (SCHACHWELT)

Danksagung

An jene Leser, die es so weit geschafft haben und noch nicht eingeschlafen sind!

Und zu guter Letzt an ChessBase Hamburg für die Bereitstellung der Betaversionen und der Geduld mit der Krennwurzn!

Samstag, 08 November 2014 00:00

Gentlemen no Engines please

Die WM wird wieder auf vielen Webseiten und Servern kommentiert und da kommt gleich wieder ein ganz heißes Thema aufs Tapet: darf man Engines verwenden oder muss man gefälligst selber rechnen? In so manchem Chat genügt es „+1,27“ fallen zu lassen, um sofort einen Sturm der Entrüstung loszulassen und anderswo wird sofort gekontert „Nein – jetzt nur mehr +1,03 bei Tiefe 35“ und „achwo mein selbstkompilierter, optimierter Fischimagix auf Stickstoff gekühlter Hardware sagt +08,15 – game over!“ „Schleicht‘s Euch mit Euren Enginebewertungen oder ich zucke aus – rechnet endlich selber“ bereichert ein anderer wiederum die Diskussion.

Wer hat nun Recht? Nun diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten: BEIDE!!

Beleuchten wir aber für die jüngeren Leser ein wenig den geschichtlichen Aspekt der Lagerbildung – zuerst waren die Computer einfach nur schwach, richtige Lachnummern wie der Mephisto I im Jahre 1980 mit 1250 Elo oder dann später ungeheuer groß und teuer wie „Deep Thought“, der als „Deep Blue“ unter IBM Flagge 1997 im zweiten Wettkampf sogar den Weltmeister Garri Kasparov unter Turnierbedingungen besiegen konnte.

Auch auf handelsüblichen PC und dann Laptops waren bekannte Programme wie Fritz, Shredder & Co dann dem Menschen vor allem taktisch und bei kurzen Bedenkzeiten überlegen, aber bei den Anfang der Nullerjahre aufkommenden Videoübertragungen von Schachturnieren kam es zu technischen Problemen. Laptops – damals noch mit Singlecore CPUs ausgestattet - konnten nicht gleichzeitig eine Engine rechnen lassen und Livevideos an den Server schicken ohne komplett in die Knie zu gehen oder gar abzustürzen. Also wurde aus der Not eine Tugend geboren: Kommentatoren mussten ohne Engineunterstützung auskommen – auch auf die Gefahr hin, dass User zu Hause vor dem Computer mit Engineunterstützung andere Einblicke in das Geschehen bekamen. Dass es heute für einen Laptop kein großes Problem darstellt Videos zu übertagen während auf den restlichen Kernen eine Engine als Blunderchecker agiert oder noch besser der Laptop via Cloud auf einen starken Computer mit Engine zugreifen kann – ja dies ist an manchen Kommentatoren spurlos vorbei gegangen. Und warum haben Sie dann trotzdem auch Recht mit dem „Selberrechnen“? Klar nur damit kann man seine eigene Spielstärke steigern, denn durch stumpfes Ablesen einer Enginebewertung wird man nicht wirklich ein besserer Schachspieler ... auch wenn manche davon träumen mögen!

Und warum haben dann die Enginebefürworter bei Übertragungen auch Recht? Nun ich schaue mir Übertragungen zur Unterhaltung als Fan an und nicht um meine Spielstärke zu erhöhen, die schon fast 20 Jahre auf gleichem Niveau dahinvegetiert. Mich interessiert auch nicht die Rechenstärke des Kommentators während seiner Arbeit – ich will wissen, was am Brett los ist und mir ist klar, dass die Engines stärker sind als jeder Mensch!

Bei einer Übertragung vom Gewichtheben der Klasse +105 kg und 260 kg auf der Hantel zeigt mir der Übertragungsexperte auch nicht wie er locker 200 kg hochstemmen kann und sagt mir ich sollte mich endlich mehr anstrengen, damit ich mal mehr als 60 kg schaffe und auch die Tatsache, dass jeder Kran 260 kg locker heben kann will ich nicht hören – nein, ich möchte vom Experten seine Einschätzung hören, ob der Athlet die ihm gestellt Aufgabe schaffen kann oder nicht.

Und zurück zum Schach: die Einbeziehung von Enginebewertungen kann die Sache auch interessanter machen, denn die Superstars treffen oft und mit ehrlichen Mitteln die Enginezüge und einem guten Kommentator können Enginebewertungen helfen, Gefahren der Stellungen und Ideen der Superstars zu erkennen und so aufzubereiten, dass auch wir die Masse der Zuhörer die Chance auf einen Einblick in diese uns verborgene Welt zu gewähren.

Während Carlsen gegen Anand spielt, will ich keine Trainingsstunden für mein Schach nehmen, ich möchte ein wenig verstehen können was sich am Brett abspielt und dafür brauche ich keine Engine und keinen Schachoberlehrer sondern einen KOMMENTATOR!!


So und lassen wir die Emotionen hinter uns und versuchen rational an das Thema heranzugehen. Eine Schachpartie endet nicht +1,27 sondern entweder gewonnen, verloren oder remis und dies gilt für jede einzelne der fast unendlichen Stellungen unseres schönen Spiels. Betrachten wir ein ganz einfaches Beispiel:

2014Engine01

Dass Weiß am Zug gewinnt ist logisch und mit einer einfachen Regel erklärt: König auf der 6. Reihe vor dem Bauer gewinnt immer! Nach Tablebases ist das ein Matt in 12, aber das rechnet ja kein Mensch tatsächlich aus – uns reicht die Info Bauer wird Dame und damit gewonnen. Nehmen wir nun mal eine ganz alte Engine an, die keinen Tablebasezugriff hatte und auch keine Tiefe von 24 Halbzügen erreichen konnte. Die würde wohl dann mit einer Bewertung von +9 für den Damenwert oder etwas mehr für die Hilflosigkeit des Schwarzen bewerten und damit einen Weißsieg mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Was uns +9 aber nicht sagt, sind welche Gefahren der Weiße noch umschiffen muss, um zu gewinnen. Hier natürlich extra widersinnig gewählt, aber Weiß kann diese Stellung auch noch verlieren und ein Remis ist ja immer möglich solange kein Matt die Partie beendet hat. Aber lassen wir Weiß den Bauern e6 schlagen und unsere Primitivengine würde wieder +9 für die zu erwartende Dame bewerten, obwohl jetzt ein Verlust total ausgeschlossen ist, aber ein Remis immer noch möglich ist!

Enginebewertungen sagen uns nur auf welches Ergebnis (1, 0 oder =) die Engines setzen würden. Hohe Bewertungen zeugen von einer höheren Gewinnwahrscheinlichkeit – Remiswahrscheinlichkeiten lassen sich aus den Enginebewertungen sehr schwer bis gar nicht ablesen – ebenso gibt es keine Informationen zur Schwierigkeit des Gewinn- oder Remisweges. Schauen wir uns noch ein Beispiel an:

2014Engine02

Das ist Matt in 549 wie uns die Tablebases sagen - allerdings ohne Berücksichtigung der 50 Züge Regel, aber das ist für unser Beispiel hier vernachlässigbar auch wenn die Engines den Braten möglicherweise riechen könnten, weil der Bauer schnell zu einem Springer wird und dann der Turm erst im 509. Zug geschlagen wird. Schauen wir uns trotzdem die Enginebewertungen im Detail an: Stockfish tippt auf auf klar gewonnen und hat liegt damit richtig und falsch zu gleich: Komodo sagt gute Gewinnchancen für Weiß voraus - allerdings ist ein Remis durchaus im Bereich des Möglichen und Houdini tippt auf Remis, aber die Bewertung +0,12 gibt uns keinen Hinweis auf die 50 Züge Regel.

Aber eigentlich ist dieses Beispiel nicht viel schwieriger als unser Babyendspiel vorhin, denn wir wissen mit oder ohne Engine beide können gewinnen und Remis ist immer möglich! Die Engines geben uns den Tipp Richtung Gewinn von Weiß mit mehr oder weniger Chancen auf Remis. 

Und jetzt kommt unser Kommentator ins Spiel, der möglicherweise in der Hitze des Gefechts und der Doppelbelastung den Fehler machen könnte zu denken, dass statt des Springereinzuges auch Dameneinzug möglich sei und das Endspiel Dame gegen Turm und Springer aufgrund des etwas abseits stehenden Turms für Weiß gewonnen sein könnte – obwohl auf jedem Rechner im Wohnzimmer schon Remis angezeigt wird!

2014Engine03

Was wollen wir also von ihm hören?

Dass er besser ist als wir im Schach – nein, das wissen wir sowieso!
Dass er schwächer als die Superstars ist – nein, auch das wissen wir!
Dass er nicht so gut wie Engines rechnen kann – nein, auch das ist uns bekannt!

NEIN – wir wollen nur seine Einschätzung der Stellung mit Hilfe aller auch uns auch zugänglichen Informationen hören – also auch inklusive Enginebewertungen, weil er schachlich näher an den Superstars dran ist und eher verstehen kann, was die sehen können und was nicht. Und diese Aufgabe wird mit stärken Engines, Tablebases nicht leichter werden, sondern viel, viel schwieriger, weil immer öfter erklärt werden muss, dass manches für den Menschen nicht sichtbar und schon gar nicht berechenbar ist! Es ist klar, dass Kommentatoren Fehler machen müssen, aber es ist nicht zwingend vorgeschrieben, dass sie sich laufend mit hochrotem angestrengten Kopf lächerlich machen und Untervarianten am Leben erhalten wollen, obwohl schon der Einstieg ein Fehler ist und das nur weil sie auf Hilfsmittel verzichten wollen, weil sie Belehrer und nicht Erklärer sein wollen.

Ich habe bisher bewusst keine Namen von Kommentatoren im Artikel genannt, möchte aber doch einen herausheben: Klaus Bischoff auf schach.de – zwar auch kein Freund von Engineanalysen, aber einer der wenigen, die wenn solche eingeworfen werden, sehr schnell die Ideen hinter den Enginevorschlägen versteht und in die Kommentierung einbaut, auch wenn er gerade eine andere Idee bespricht und berechnet. Vielleicht liegt es daran, dass er 1980 hinter Kasparov und Short den geteilten 3. Rang bei der Jugendweltmeisterschaft in Dortmund belegt hat und damit selbst einmal in der Welt der Superstars war!

Donnerstag, 06 November 2014 00:00

Yet another Carlsen Anand WM Kampf

„Yet another“ oder „net schon wieder“ wie es im Original gelangweilt durch den Kopf der Krennwurzn schallt: Sotchi, Anand, Carlsen, Schachweltmeisterschaft! In Sotchi wunderschön am Schwarzen Meer gelegen fand heuer die Olympiade statt, dann der Formel 1 Grand Prix und nun die Schachweltmeisterschaft! Wer beim Grand Prix nicht eingeschlafen ist, der bekommt nun eine zweite Chance und da eine Schachpartie vor allem mit Carlsen länger dauert als ein Grand Prix, dürfte der Erholungswert noch besser ausfallen.

2014WM1

Schaut man sich die Wettqouten an ist klar, Carlsen wird mit 1:1,20 seinen Titel locker verteidigen und wer seine Kröten auf Vishy setzt dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Überhaupt urfad immer dieses Sotchi, dieser Anand schon ewig in WM Finalen und Carlsen mit seinem Gequetsche in faden Endspielen - igitt, urfad – wo ist da die Spannung, die Action?

ABER HALLO!!!
Ich hasse zwar diesen Ausdruck mehr als jede Fadesse, aber wie sollte ich mich und die Schachwelt sonst aus diesem negativen Gefühl der Wiederholung herausreißen?
ABER HALLO!!!

Es geht um die Krone im Schach und ja wir hatten jetzt jährlich eine WM und das bei einem Zweijahreszyklus und Anand ist wirklich schon lange in der Weltspitze und aus dem Wunderkind Magnus ist ein junger Mann Carlsen geworden! Aber – ohne Hallo – wird es wirklich so fad wie wir uns das gerne glauben machen wollen, weil wir uns andere WM Paarungen erhofften?

Klar neben dem Altersunterschied von 21 Jahren ist auch der Elounterschied enorm: um die 70 Punkte liegt Magnus da vor Vishy und noch dazu hat dieser im letzten WM Kampf keine einzige Partie gewonnen – die Vorzeichen sind klar: Carlsen wird diese WM gewinnen! „Ja das stimmt!“ sagt auch die Krennwurzn, „aber Hallo“ muss das wirklich fad werden? NEIN ist meine klare Antwort! Carlsen hatte im Vorjahr den Druck endlich Weltmeister zu werden und Anand wollte das „Unvermeidliche“ nur verhindern und aus dieser Kombination ist dann ein etwas fader einseitiger WM Kampf entstanden. Warum soll das gerade heuer in Sotchi anders werden? Carlsen darf den Titel nicht verlieren, weil er dadurch seinen Überfliegerstatus verlieren würde und Anand ist mit seinem Sieg gegen die junge Garde beim Kandidatenturnier in Chanty-Mansijsk endgültig in den Olymp der Schachgötter aufgestiegen. Anand kann nichts mehr verlieren und das wird seinem Spiel gut tun und Carlsen wird darauf reagieren und daher glaube ich, dass wir vor einer spannenden WM stehen und es - ABER HALLO!!! - nur nicht wahr haben wollen!


Links und Spielplan

Offizelle WM Seite der FIDE

Neu die WM-Teilnehmer bei Twitter
Anand bei Twitter
Carlsen bei Twitter

2014WM2

Krennwurzn:
Die Frage die allen unter den Nägel brennt zuerst - Deutschland stimmte wohl für Kasparow - vorher für Karpov und Kok - und dennoch wird der DSB Präsident von der Schweiz und Griechenland aus dem Ilyumzhinow-Lager als FIDE-Vizepräsident nominiert und dann gewählt. Wie soll man sich diese Wende erklären? Oder will Ilyumzhinow wirklich auch bisherige gemäßigte Kritiker ins Boot holen?

Bastian:
Die Diskussion dieses Themas gleicht einem Marsch durch ein Minenfeld, weil jede Antwort, die ich geben könnte, sehr wahrscheinlich gewaltige Emotionen hoch gehen lassen wird. Dennoch will ich es versuchen, indem ich die Abläufe so transparent wie möglich beschreibe. Mich selbst sehe ich als Mann des Ausgleichs und der Kooperation, nicht der Konfrontation, wenn auch mit eigenen Vorstellungen. Deshalb bin ich nicht a priori gegen die FIDE, nur weil jeder gegen die FIDE ist oder weil man es von mir verlangt, sondern ich mache mir ein eigenes Bild. Da ich seit 2004 Sprecher der Landesverbände war, konnte ich feststellen, dass die Haltung des Deutschen Schachbundes in FIDE-Fragen stets vom Präsidium entschieden wurde und nicht mit den Landesverbänden ausdiskutiert worden war. Weil ich das wegen meiner engen Verbundenheit mit den Landesverbänden anders machen wollte, habe ich auf dem Hauptausschuss in Halle 2013 eine Erklärung abgegeben, wonach der Deutsche Schachbund seine Position erst auf dem nächsten Hauptausschuss am 30.Mai 2014 in Frankfurt bekannt geben werde. Dort haben sich die Landesverbände, also unsere Mitglieder, mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, dass der Deutsche Schachbund sich vor der Wahl nicht öffentlich zugunsten einer Partei festlegen soll. Andererseits hat sich eine Mehrheit im Präsidium dafür ausgesprochen, Kasparow zu wählen. Zwar ist die Wahl geheim und der FIDE-Delegierte kann nach unserer Satzung nicht zu einem bestimmten Abstimmungsverhalten gezwungen werden, aber ich habe mich intern verpflichtet, dass ich dem Mehrheitswunsch des Präsidiums folgen werde, sofern nicht vor den Wahlen damit Wahlkampf gemacht wird. Als drittes ist zu berücksichtigen, dass FIDE-Funktionäre seit längerer Zeit den Wunsch zu einer Wiederaufnahme einer konstruktiven Zusammenarbeit an den Deutschen Schachbund herangetragen haben, was meinen persönlichen Wünschen sehr entgegen kam (und auch für das kf2105220pxandere Lager gegolten hätte, wenn Kasparow die Wahl gewonnen hätte). Wir sind einerseits auf Abstand geblieben, weil wir uns im Wahlkampf von keiner Seite instrumentalisieren lassen wollten, andererseits wurden Sondierungsgespräche geführt. Welche Verbände mich am Ende nominiert haben – drei waren erforderlich – ist völlig unerheblich und nur ein formaler Akt. Es wurde ein Weg gewählt, der im Vorfeld möglichst wenig Unruhe erzeugte. Zu Kirsan Ilyumzhinow kann ich sagen, dass wegen seiner Kapriolen in Deutschland ein sehr schiefes Bild von ihm krampfhaft aufrechterhalten wird. Seine positiven Leistungen werden verschwiegen oder kleingeredet. Ilyumzhinow hat stets die Hand ausgestreckt und Kooperation im Interesse des Schachsports gesucht.

Krennwurzn:
Kasparow hat seit der Jugend-WM in Dortmund schon viele Fans in Deutschland, dann auch wegen seiner Einstellung zur Glasnost und Perestroika und den WM Kämpfen gegen Karpow in den 80er Jahren. Ebenso darf man nicht vergessen, dass er auch zu ChessBase in Hamburg als User mit der Lizenz Nr. 1 einen sehr guten Kontakt hat. Kasparow hat eine gute Reputation hier und ein Gegner Putins zu sein, gilt ja im demokratischen Mitteleuropa auch nicht gerade als Makel. Dennoch sehe auch ich Ilyumzhinow als das geringere Übel als FIDE Präsidenten – aber genügt dieses Argument gegenüber nicht so kritischen Fans von Kasparow?

Bastian:
Darauf fällt mir die Antwort leicht: Wir haben als DSB nicht die Aufgabe, Garri Kasparow seine Karrierewünsche zu erfüllen, sondern wir müssen sorgfältig abwägen, unter welchen Bedingungen die FIDE als Ganzes am besten funktioniert. Nach der Wahl geht die Arbeit doch erst richtig los! Bevor man ein gut funktionierendes System für eine ungewisse Zukunft zerschlägt, denkt man lieber zweimal nach. Darin sehe ich den Hauptgrund für den hohen Sieg Ilyumzhinows. In Gesprächen wurde immer wieder darauf hingewiesen, was Kasparow schon alles angefangen hat und dass es immer mit seiner „Flucht“ endete. Und die von ihm herbeigeführte Spaltung der FIDE ist unvergessen. Um als Präsident für alle überzeugen zu können, muss er noch an seinem diplomatischen Geschick arbeiten.

Krennwurzn:
Gut das ist alles bekannt, gleichzeitig gibt es auch in Ilyumzhinows Biografie ein paar Unklarheiten: die „Alienentführung“ und vor allem wie er zu seinem Vermögen gekommen ist. Seine politischen Kontakte in Russland und seine Macherqualitäten kann man als Pluspunkte sehen – aber als lupenreiner Demokrat geht er sicherlich nicht durch! Keine Angst, dass man als FIDE Vizepräsident da ins schiefe Licht kommen kann – auch wenn es für das Schach in Deutschland nicht schlecht sein kann, zumindest wieder den Fuß in der Tür zum Weltschach zu haben?

Bastian:
Selbstverständlich habe ich über alle diese Fragen sehr lange und gründlich nachgedacht. Das Thema „Alienentführung“ hat offenbar nicht verhindert, dass Ilyumzhinow von der russischen Regierung als Sonderbotschafter eingesetzt wird und dass er Präsident zweier Weltverbände wurde (FIDE, IMSA Mind Games), der mit dem IOC-Präsidenten Dr. Thomas Bach im Gespräch ist. Nicht zu vergessen ist, dass Ilyumzhinow viele Jahre als Staatschef erfolgreich gearbeitet hat. Es wäre ziemlich anmaßend von mir, wenn ich sagen würde, dass ich seine Fähigkeiten aus der Distanz und ohne Detailkenntnisse besser einschätzen kann als die Leute, die ihm dennoch zutrauen, dass er seine Aufgaben ordentlich erledigt. Außerdem habe ich schon vor längerer Zeit mit Personen, die sich in der FIDE in seinem näheren Umfeld bewegen, über das Alien-Thema gesprochen. Alles in allem habe ich nach den Gesprächen meine diesbezüglichen Bedenken schließlich überwunden.
Wie Ilyumzhinow zu seinem Vermögen gekommen ist, kann ich absolut nicht beurteilen. Habe ich das Recht, mich auf bloßen Verdacht hin, der von Dritten geäußert wird, über die Justiz seiner Heimat zu stellen? Die Frage, woher das Geld stammt, stellt sich im Sport sehr häufig, auch in Deutschland. Meine prinzipielle Haltung ist, unabhängig zu bleiben und rechtliche Würdigungen der jeweiligen Justiz zu überlassen. Sonst dürfte ich mich nicht als Sportfunktionär engagieren.
Dann müsste definiert werden, was man unter einem „lupenreinen Demokraten“ versteht. Ich bin mir sicher, dass man darüber trefflich streiten kann.
Dass ich in ein schiefes Licht kommen kann, ist klar und mein Risiko. Diese Gefahr besteht kaum bei den Personen, die mich und meine Einstellung kennen. Mein Einsatz gilt dem Schachsport und nicht Personen. Aber dieses Thema ist sehr stark mit Emotionen besetzt und so wird es sicher auch heftige Kritik geben. Die Frage ist nun, wie man mehr in Richtung Demokratisierung der FIDE bewirken kann: Indem man polarisiert und zur Verhärtung beiträgt, oder indem man sich engagiert und mit Freunden zusammen aus dem Innern heraus Veränderungspotential schafft? Solche Diskussionen führte ich schon in meiner Jugend, als ich mich entschied, meinen Wehrdienst in der Bundeswehr zu leisten und mir selbst ein Bild zu machen, anstatt den Wehrdienst wie viele meiner Freunde zu verweigern. Ich halte beide Wege für legitim. Insofern geht es mir persönlich nicht nur um die opportunistische Haltung, möglichst viel für den Deutschen Schachbund herauszuholen.

Krennwurzn:
Nun ich bin der Meinung, dass das System FIDE – ein Mitgliedsverband eine Stimme – genauso wie bei der FIFA im Fußball eine Demokratisierung kaum zulässt, weil dadurch jene Verbänden, die das meiste Geld einzahlen, keinen entsprechenden – korrigierenden(?) – Einfluss nehmen können. Und da es im Schach im Gegensatz zum Fußball auch keine starken Sponsoren gibt, die in einer gewissen Weise als wirtschaftliches Korrektiv auftreten, ist die Macht der Funktionäre praktisch unkontrollierbar – und das stört viele Schachfreunde!

Bastian:
Man sollte nicht unterschätzen, dass es in der FIDE und in ihren Mitgliedsverbänden viele vernünftige Leute gibt, denen die momentanen Zustände ein Dorn im Auge sind. Wer Reformen anstrebt, braucht gute Ideen, Mut, Verhandlungsgeschick und er darf keine Angst davor haben, sich eventuell unbeliebt zu machen. Wenn man das Wahlsystem zum Tabu erklärt oder sich in sein Schicksal ergibt, wird man nichts verändern. Wie schon mehrfach betont habe ich mir vorgenommen, mit Vorsicht und Geduld das Veränderungspotential auszuloten.

Krennwurzn:
Da stellt sich die Frage wie das möglich sein sollte, ohne Machtbasis? Ist da nicht die Gefahr, dass die Vernünftigen nicht immer in der Minderheit bleiben?

Bastian:
Ich glaube, wenn ich den früheren Vizepräsidenten Dr. Hans-Jürgen Weyer zitieren darf, an die „Macht des Argumentes“. Es stellt sich auch die Frage, was „vernünftig“ ist. Man lähmt sich selber, wenn man sich von seinen Zweifeln beherrschen lässt. Deshalb bevorzuge ich es, für meine Ideen zu werben und abzuwarten, was geschieht. Im Laufe eines solchen Prozesses muss man seine eigene Haltung und Vorgehensweise stets geschickt anpassen, dann kommt man meistens über das reine Scheitern hinaus. Wenn man alles oder nichts spielt, wird man meistens verlieren.

Krennwurzn:
Ok – jetzt könnte ein aktuelles Problem mit der WM in Sotschi anstehen – Carlsen wollte eine Verschiebung, die FIDE hat abgelehnt. Wahrscheinlich geht es ums Geld, weil gemunkelt wird dass der Preisfond ca. 50% unter der letzten WM liegen dürfte. Zudem befürchtet das Carlsen Lager Probleme mit den Sanktionslisten der EU. Könnte ein schwieriger Einstieg für den DSB Präsidenten in die Funktion als FIDE Vizepräsident werden, weil ja auch eine Kooperation mit dem norwegischen Verband besteht.

Bastian:
Mit diesem Thema bin ich überfragt. Mir stehen bisher nicht mehr Informationen zur Verfügung als schon veröffentlicht sind.

Krennwurzn:
Gibt es konkrete Aufgabenbereiche für den Vizepräsident Bastian bei der FIDE?

Bastian:
Bisher noch nicht, ich warte die erste Sitzung des Presidential Board ab, die zum Beginn der WM am 7.November in Sotschi terminiert ist. Schwerpunkte meines eigenen Interesses habe ich bereits genannt (Frauenschach, Behindertenschach/Inklusion, Demokratisierungspotential in der FIDE), dazu kommt wohl auch die Vertretung europäischer Interessen.

Krennwurzn:
Bleiben wir allgemein bei diesem Thema – viele Schachfreunde fragen sich, warum nur mehr wenige Schachveranstaltungen der FIDE in der „westlichen Hemisphäre“ stattfinden und sehen als Hauptursache, dass es wohl kein bekannter Konzern aufgrund von Compliance Regelungen wagt Sponsoring mit der FIDE durchzuführen.

Bastian:
Ob das stimmt wage ich zu bezweifeln. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Turniere immer teurer werden und die potentiellen Sponsoren nicht erkennen, welchen Gegenwert sie bekommen? Es könnte auch eine Rolle spielen, dass die Schachspieler im Westen selbst die FIDE systematisch schlecht reden. Ob das eine gute Strategie ist, Sponsoren zu gewinnen?

Krennwurzn:
Welchen Gegenwert bekämen nun potentielle Sponsoren?

Bastian:
Als Marketinglaie kann ich das kaum vollständig beantworten. Bekannt ist mir, dass Sponsoren entweder selbst bekannt werden wollen und dann etwas tun, was ich als Anfangsinvestition bezeichnen würde, oder sie wollen das Image ihrer Werbeträger nutzen und auf sich selbst übertragen. Deshalb ist Erfolg so gesucht. Als drittes fällt mir soziales Engagement ein, das ebenfalls positiv besetzt ist. Es kann jeder selbst beurteilen, wie wir uns als Schachsportler derzeit einzuordnen haben. Eine destruktive Haltung gegenüber der FIDE verbessert die Ausgangslage nicht. In Deutschland haben wir eine Mischung zwischen Sponsoring und Mäzenatentum. Wenn wir den Sponsorenanteil vergrößern wollen, müssen wir unseren sportlichen Erfolg und unsere Selbstdarstellung erheblich verbessern.

Krennwurzn:
Zum sportlichen Erfolg würde wohl ein Spieler in der absoluten Weltspitze zählen, da aber Arkadij Naiditsch als 38. der Weltrangliste nächstes Jahr 30 Jahre alt wird, sehe ich da wenig Chancen. Und zur Selbstdarstellung kann man wohl sagen, dass wir doch fast alles falsch machen müssen, weil einerseits hat Schach gute Imagewerte in der Öffentlichkeit und andererseits haben wir auch aufgrund der längeren Ausübbarkeit einen hohen Anteil an gut gebildeten und einkommensstarken Mitgliedern - wir wären also attraktiv für Sponsoren. Wie will der DSB eine Änderung herbeiführen?

Bastian:
Ob wir fast alles falsch machen, müssen andere beurteilen. Ich kann nur versichern, dass wir im Präsidium sehr selbstkritisch an die Sache herangehen. Um Änderungen im Sinne von Verbesserungen herbeizuführen, muss das Thema Marketing im Deutschen Schachbund endlich ernst genommen werden. Klaus Lais war einer derjenigen, die auf dieses Problem schon vor einigen Jahren hingewiesen haben, doch fand er zu wenig Gehör. Wir haben keinen Ehrenamtlichen, der sich „hauptamtlich“ um dieses Thema kümmert, und bei den Hauptamtlichen fehlt es immer noch an Knowhow sowie an Zeitressourcen. Nachdem wir das Ausscheiden von Horst Metzing inzwischen weitgehend kompensiert haben und die Frage der Leistungssportförderung vor einer Lösung steht, wird uns das Thema Marketing intern im zweiten Halbjahr vermehrt beschäftigen. Ob und bis wann das konkrete Ergebnisse liefert kann derzeit nicht beantwortet werden. Sicher ist nur, dass zuerst grundsätzliche Diskussionen notwendig sind, bevor sichtbare Handlungen folgen können.

Krennwurzn:
Hoffnung macht das nicht, aber kommen wir von der hohen Politik zu den Schachspielern zurück. Viele ärgern FIDE Regelungen, denen einfach der Blick aufs Praktische fehlt. Das beste Beispiel ist die Nulltoleranzregelung bei Spielbeginn: eine klare Sache gegen Mätzchen bei Profiturnieren und wichtig auch gegenüber Honoratioren und Sponsorenvertreter, aber bei den Amateuren vollkommen falsch am Platz – denn diesen „stiehlt“ man ohne jeglichen Gegenwert einfach nur Zeit! Ohne jetzt auf das Thema Betrug eingehen zu wollen, ist auch die unbedingt notwendige „Handyregelung“ - mobile phone and/or other electronic means of communication in the playing venue – aus rein praktischer Sicht nicht wirklich durchdacht. Reise ich mit dem Auto an ist klar, da kann ich das Handy im Auto lassen, aber viele kommen mit öffentlichen Verkehrsmittel – am Freitag manche direkt von der Arbeit – zum Schach und da stellt sich schon die Frage: wohin mit dem Handy?

Bastian:
Die Handy-Regel wurde kürzlich im Hinblick auf solche Fälle von der FIDE wieder modifiziert. Die Nulltoleranzregel kann bei Amateurturnieren leicht abgeändert werden. Für diese Kritik habe ich nur wenig Verständnis. Wenn man sich ein bisschen für seinen Sport über das reine Spielen hinaus engagiert, lässt sich alles lösen. In meinem Landesverband haben wir in einem einfachen, demokratischen Prozess akzeptable Kompromisse gefunden. Schuld an den Erschwerungen sind die Betrüger, nicht die FIDE. Ohne entschlossenes Handeln gegen Missstände wäre der Schachsport schnell ruiniert.

Krennwurzn:
Allerdings ist die modifizierte Regelung zwar schon durchgesickert, aber noch nicht ins Regelwerk eingebaut – die Kritik besteht ja darin, dass zuerst harte Regeln beschlossen werden und dann diese aufgeweicht – also erst im Nachhinein praxistauglich für die Masse der Schachspieler gemacht werden. Dass die FIDE auf Betrugsmöglichkeiten schnell und gut reagiert, wünschen sich wohl fast alle Schachspieler, dass damit oft auch schwer verständliche Erschwerungen verbunden sind, ist auch klar. Viele sind durch die schon angesprochene „Verrechtlichung“ doch auch verunsichert und möchten sich nicht durch Unkenntnis von Regeln und deren Auslegung einem Verdacht aussetzen – müsste da die FIDE und auch der DSB gerade die Auslegung besser kommunizieren?

Bastian:
Gegen eine Verbesserung der Kommunikation hab ich nichts einzuwenden. Das ist eine Aufgabe unserer Schiedsrichterkommission, die sehr selbstständig arbeitet.

Krennwurzn:
Nun bin ich selbst ein großer Freund von Freiheiten, aber wenn jede Kommission, jedes Vorstandsmitglied, jeder Mitarbeiter selbstständig arbeitet, da sehe ich schon Gefahren – müsste da nicht manchmal die Führung kontrollierend und richtungsgebend eingreifen?

Bastian:
In einem so komplexen Gebilde wie der Deutsche Schachbund kann man unmöglich als Ehrenamtlicher den vollen Überblick behalten. Manches regelt das Präsidium vorausschauend, oft wird es erst aktiv, wenn eine Beschwerde oder ein Hinweis vorliegt. Wer wirklich Missstände beseitigen will weiß das und wendet sich an das Präsidium oder noch besser an die zuständigen Personen. Der weitaus größte Teil der Führungsarbeit läuft im Hintergrund und unbürokratisch ab.

Krennwurzn:
Da wir jetzt schon beim DSB gelandet sind noch schnell eine mehrmals gestellte Leserfrage: Warum schafft es der DSB nicht seine nationale Einzelmeisterschaft so zu gestalten, dass wie beispielsweise in Frankreich fast alle Topleute mitspielen?

Bastian:
Auf dem DSB-Kongress in Bonn wurde entschieden, dass der bisherige Austragungsmodus beibehalten werden soll. Alternativ sollte es ein zusätzliches Turnier für unsere Spitzenleute geben. Um das aufzubauen hatten wir ursprünglich eine Kooperation mit Baden-Baden angestrebt. Dann kam die Kooperation mit Dortmund dazu und die Dinge entwickelten sich etwas anders. Im Prinzip könnten auch bei dem jetzigen Austragungsmodus mehr Spitzenspieler über Freiplätze teilnehmen. Aber erstens fehlt das Geld für die Finanzierung und zweitens gibt es auch terminliche Probleme. So sollte Arkadij Naiditsch letztes Jahr in Saarbrücken spielen, aber er musste wegen eines Einsatzes im Ausland absagen. Schon jetzt steht das Präsidium wegen der Kooperation mit Dortmund und Baden-Baden unter Druck. Solange sich kein Ausrichter und kein Sponsor finden, wird es etwas Vergleichbares in Deutschland nicht geben, die Franzosen sind da besser ausgestattet. Immerhin bieten wir unseren Spitzenspielern im Vergleich zu früher deutlich mehr Spielmöglichkeiten, und wir hoffen, nach Konsolidierung unserer Finanzen weitere Schritte nach vorne machen zu können.

Krennwurzn:
Geld, Finanzen ist das die richtige Überleitung zu den Frauen? Derzeit Zeit läuft ja gerade das 1. Internationale Frauenschachfestival in Erfurt. Nun ist der Frauenanteil im Schach doch sehr gering. Ich habe mir mal kurz die DWZ Daten heruntergeladen in Excel grob die Dubletten entfernen lassen und bin auf 79.000 Mitglieder gekommen, davon sind 73.000 Männer und nur 6.000 Frauen.
Irgendwo habe ich auch die Summe von 600.000 Euro Mitgliedsbeiträge an den DSB im Hinterkopf und auch, dass das Geld immer knapp ist. Könnte man einen Frauenanteil von 50% erreichen, stünden dem DSB jährlich mehr als 500.000 Euro zur Verfügung – das wäre doch ein Traum? Sicherlich kurzfristig unrealistisch – aber auch nur 10.000 Frauen mehr brächten um die 75.000 Euro in die Kasse!

Bastian:
Darauf möchte ich mit einem Satz antworten, den Dr. Richard Lutz (Vorstand Deutsche Bahn AG) am Eröffnungsabend des Turniers am Sonntagabend in Erfurt gesagt hat: „Wir können es uns nicht leisten, die Ressourcen in der einen Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren.“ Ähnliche Rechnungen wie oben habe ich auch schon angestellt, und sie waren einer der Gründe, warum ich mich so beharrlich für die Förderung des Frauenschachs einsetze. Ergänzen muss ich allerdings, dass es mir keinesfalls nur ums Geld geht. Dr. Lutz meinte auch weniger das Geld und mehr das kreative Potential, das im weiblichen Teil der Bevölkerung steckt.

Krennwurzn:
Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube und sage offen heraus, dass ich die Trennung in Damen und Herrenbewerbe im Schach als die schlimmste Diskriminierung überhaupt empfinde. Denn im Denken haben die Frauen keine Nachteile! Es gibt auch keine Trennung in weibliche und männliche Mathematik an den Universitäten. Zeigen nicht viele Topwissenschaftlerinnen und Judith Polgar klar auf, dass diese chauvinistische Haltung einfach nur steinzeitlich ist? Kann es nicht sein, dass gerade diese Trennung uns viele Frauen kostet? Und würde nicht so manchem von uns Niederlagen gegen Frauen auch Wertvolles für das reale Leben mitgeben?

Bastian:
Darauf antworte ich mit einem kleinen Vortag ;-)

Erstens gibt es im Schach keine Trennung von Männern und Frauen. Frauen stehen alle Männerturniere offen, aber es gibt Zusatzangebote für Frauen. Wenn überhaupt dann werden höchstens die Männer diskriminiert, weil ihnen diese Zusatzangebote verwehrt sind. Der erste Frauen- und Mädchenschachkongress (Kooperation DSJ/DSB) fand 2012 in Göttingen statt, und dieser Ort war auf meine Anregung hin nicht zufällig gewählt: In Göttingen lehrte Emmy Noether, die erste deutsche Mathematikprofessorin, Tochter von Prof. Dr. Max Noether aus Erlangen, der Doktorvater von Emanuel Lasker. Ihre Geschichte kann man in der Wikipedia nachlesen. Da Emmy Noether den Frauen den Weg in die Mathematik ebnete – davor waren sie praktisch ausgeschlossen – wollte ich sie als Symbolfigur für den Aufbruch des Frauenschachs etablieren, zumal sie über Lasker eine enge Verbindung zum Schach hatte. Leider ist diesem Gedanken niemand gefolgt. Eine moderne Symbolfigur könnte etwa Lisa Randall sein, die mit ihrer fünfdimensionalen Theorie der Gravitation der Theoretischen Physik neue Wege öffnete. Ich will damit sagen, dass ich die Gleichwertigkeit von Frauen hinsichtlich ihrer Denkfähigkeiten anerkenne.
Aber die Diskussionen auf dem erwähnten Kongress in Göttingen haben mich auf ein Phänomen gestoßen, das ich als „gekipptes Gleichgewicht“ bezeichnen möchte. Ein gekipptes Gleichgewicht kann man häufig finden, aber diese Diskussion führt vom Thema ab. Das Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen war in den Schachclubs von Anfang an gestört, wie man besonders schön am berühmten Bild von Johann Erdmann Hummel: „Die Schachpartie“ (um 1819) erkennen kann. Erst das Arbeiterschach verschaffte ab 1902 einem breiteren Teil der Bevölkerung den Zugang zum Schachspiel, so wie es heute über das Schulschach weltweit erneut angestrebt wird. In Verbindung mit der Emanzipation der Frauen sind heute alle Voraussetzungen vorhanden, das Gleichgewicht wenigstens angenähert herzustellen. Wenn man jedoch in der Schule mit Jugendlichen arbeitet, kann man stets von neuem beobachten, wie schnell ein anfänglich vorhandenes Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern wieder kippen kann.
Deshalb müssen mindestens zwei Strategien ausgearbeitet werden: Erstens sind Maßnahmen erforderlich, ein vorhandenes Gleichgewicht in Jugendgruppen zu stabilisieren und zu erhalten. Die Deutsche Schachjugend leistet diesbezüglich Hervorragendes, z.B. mit ihren Zertifizierungen wie frauenfreundlicher Verein. Vielleicht ist das ein interessantes Forschungsthema für Erziehungswissenschaftler, vielleicht liegen darüber auch schon Erkenntnisse vor, die von uns Schachsportlern nicht genügend genutzt werden. Zweitens benötigen die Frauen Inseln in der Männergesellschaft, wo sie sich entwickeln und Selbstbewusstsein aufbauen können, um das System von innen heraus frauenfreundlicher zu gestalten.
Wegen konkreter Maßnahmen weise ich darauf hin, dass der DOSB die Berücksichtigung von Frauen in den Führungsgremien der Sportfachverbände wünscht. Im Deutschen Schachbund habe ich bereits vorgeschlagen, einen Vizepräsidenten in die Satzung aufzunehmen, der sich strategisch mit der Förderung des Frauenschachs beschäftigt – und damit meine ich nicht nur Spielbetrieb – und nur mit einer Frau besetzt werden darf. Es handelt sich dabei keinesfalls um eine Quotenfrau, sondern um eine inhaltlich begründete Position. Bisher konnte ich mit diesem Vorstoß nicht begeistern, aber ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass unter anderem so etwas geschehen muss, um voran zu kommen.

Krennwurzn:
Da unterscheiden sich unsere Positionen wohl nur sehr wenig, aber die Krennwurzn ist nun mal ungeduldig und fragt sich, ob man nicht auch an verpflichtende Damenbretter denken sollte – wobei dies nur bedeutet, dass eine Dame in der aktuellen Wettkampfaufstellung mitspielen muss – welches Brett entscheiden einfach die für alle gültigen Regeln! Und da es so leicht ist, etwas vorzuschlagen, wenn man es nicht umsetzten muss, würde ich damit in den Bundesligen mit der Saison 2015/16 beginnen, Oberligen und Landesligen ab 2019 und für alle Mannschaften dann ab 2022! Möglicherweise sogar in einem Aufwasch mit einem Jugendbrett (also eine Dame und ein/e Jugendliche/r) – natürlich mit gleichbleibender Bretteranzahl, um die Vereine nicht mit zusätzlichen Kosten zu belasten!

Bastian:
Solche Fragen wurden schon diskutiert, nach meinem Kenntnisstand ohne konkretes Ergebnis. Aber ich werde mich umhören, wie die Meinungen dazu aktuell sind.

Krennwurzn:
Welche Pläne sind zur Zeit aktuell?

Bastian:
Vorerst haben wir keine neuen Pläne, sondern erledigen erst einmal das, was sich angestaut hat, und das ist mehr als genug. Die Ergebnisse des FIDE-Kongresses müssen ausgewertet werden, Erfurt läuft, dann kommt das Damen-Masters in Dresden und viele weitere Termine. Und es steht eine Strukturreform auf dem nächsten Kongress an. Für die DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember muss die Überarbeitung der Förderrichtlinien angepackt werden usw. Weiter zu erwähnen sind der anstehende Frauen- und Mädchenschachkongress am 5.- 7. September in Kassel sowie der nächste Schulschachkongress.

Krennwurzn:
Kommen wir zurück zur sozialen Kompetenz – ein super Vorbild ist für mich da Melanie Ohme mit „Zug um Zug gegen Rassismus“, Olympiabotschafterin und einer netten Homepage. Warum fehlen da männliche Pendants?

Bastian:
Ist soziale Kompetenz Männersache? Auf den ersten Blick widerstrebt das doch der Natur des Schachspielers, der immer siegen will. Aber auf den zweiten Blick kann man entdecken, dass soziale Kompetenz in Wirklichkeit unterm Strich Vorteile bringt. Leider sind Spitzenspieler oft sehr ich bezogen mit einem Tunnelblick auf das eigene Ego. Vielleicht fehlt ihnen die harte Schule des normalen Alltags. Frauen scheinen da weniger anfällig zu sein, weil sie mehr auf ihr Äußeres achten. Aber ich bin nicht sicher, ob wirklich männliche Pendants fehlen, mir fallen da schon einige ein.

Krennwurzn:
Jetzt entgleiten wir aber in die Tiefen der menschlichen Psyche – vielleicht sollen wir hier mit der Frage abbrechen, ob nicht gerade dieses „immer siegen wollen“ uns daran hindert die besten sportlichen Leistungen zu bringen. Vielleicht könnten wir da von den Frauen was lernen und vielleicht ist einfach nur pragmatisch nett und natürlich, wenn mehr Frauen beim Schach aktiv sind?

Bastian:
Um Spitzenleistungen wie Magnus Carlsen erbringen zu können, braucht man den absoluten Siegeswillen. Aber das Schachspiel zu lieben und Schachsport zu betreiben ist mehr als Partien zu gewinnen – es kann nicht jeder Weltmeister werden. Geschätzte 99% aller Schachspieler sind weniger erfolgreich, und deshalb ist es eine Überlegung wert, mehr auf soziale Kompetenzen zu setzen und unsere Schachwelt bunter zu machen. Frauen sind dafür genau richtig!

Krennwurzn:
Ein schöneres Schlusswort hätte man nicht finden können – Danke für das Gespräch!

Liest man sich so durch die Forenwelt, dann hat man schnell den Eindruck, dass der DSB praktisch alles falsch macht, aber blickt man auf die Homepage und diverse Interviews in klassischen Medien, dann ist fast alles in Butter und auch die anstehenden Probleme wurden bzw. werden zur vollen Zufriedenheit erledigt. Eine Erfolgsstory – aber viele unzufriedenen Nörgler, da darf die Krennwurzn natürlich nicht fehlen und schickte dem DSB Präsidenten Herbert Bastian kurzerhand einen Einzeiler mit der Frage „Lust auf ein Krennwurzninterview?“. Die Antwort „Warum nicht?“ schockte die Krennwurzn allerdings dann doch zuerst einmal. Da es zwischen uns schon ein paar Mal kurzen Emailkontakt „off the records“ wie man so schön sagt gegeben hat, ist die Zusage dann auch wieder nicht so überraschend – die Schwierigkeit liegt eher darin, dass die Krennwurzn weiß, dass viel gute Arbeit ungelobt von der Schachöffentlichkeit geleistet wird, sie aber gerade respektlos die unangenehmen Themen ansprechen möchte! Aber lassen wir das Gelaber und stellen wir die erste Frage:

Krennwurzn:
Auch wenn mit der ersten Frage gleich der Weg vom Patrioten zum Idioten erfolgreich absolviert wurde: wie sehen Sie das Abschneiden der Nationalmannschaft ohne geborenen Deutschen in Tromsö?

kf2105220pxBastian:
Die Antwort auf diese Frage kann nicht nur lauten, dass wir mit dem Platz 30 der Männer unzufrieden sind, da möchte ich doch etwas weiter ausholen. Georg Meier ist in Trier aufgewachsen, ich sehe ihn, auch wenn seine Mutter aus Uruguay stammt, als „geborenen Deutschen“. Aber die Tatsache, dass alle anderen mehr oder weniger einen Migrationshintergrund haben, spricht weder für die Leistungsfähigkeit unseres Bildungssystems, noch für die Leistungsfähigkeit unseres Ausbildungssystems und auch nicht dafür, dass der Schachsport in Deutschland eine angemessene Wertschätzung erfährt. Das hat zuletzt auch die katastrophale Haltung des Bundesinnenministeriums in der Frage der Leistungssportförderung bestätigt. Dass ich schon länger Reformen im Ausbildungssystem anstrebe, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Leider mangelt es noch an der Umsetzung, weil ich bisher nicht ausreichend mit meinen Forderungen überzeugen konnte. Aber ich bin sicher, dass die Diskussion noch dieses Jahr in Gang kommt und im nächsten Jahr Handlungen folgen werden.

Unsere Männer haben bis zur 9.Runde hervorragend gespielt. Herausragend sind die Siege von Naiditsch über Carlsen und von Meier über Kamsky. Diese zeigen, dass die „Akklimatisierung“ an die Weltspitze durch die Kooperation mit Dortmund und Baden-Baden Früchte trägt. Ein halber Punkt mehr gegen Indien (10.Runde) bringt uns in die Nähe zum Setzplatz 12, ein ganzer Punkt mehr sogar in Medaillennähe. Gegen Australien war die Luft dann wohl raus, obwohl ich mir einen abschließenden Sieg gewünscht hätte. Auffällig ist auch, dass wir kaum Gegner aus der Spitzengruppe hatten. Gegen weniger bekannte Gegner schien die Mannschaft verunsichert zu sein. Wir sind unter den besten 17% und sollten laut Setzliste unter den besten 7% sein.
Anders ist die Situation bei den Frauen mit drei „geborenen Deutschen“. Die Frauen haben einen Durchbruch geschafft und ihre Leistungsfähigkeit deutlich unter Beweis gestellt. Aber ihnen fehlt noch die „Akklimatisierung“, weshalb sie mit dem Druck in der letzten Runde gegen die starken Georgierinnen noch nicht zurechtkamen. Mit dem Frauenschachfestival in Erfurt (24. – 31.8.) und der Deutschen Frauenmeisterschaft in Dresden (17.11. – 25.11.) machen wir wichtige Schritte, um unsere Frauen an ein höheres Niveau zu gewöhnen. Die Frauen haben es unter die besten 7% geschafft, gesetzt waren sie unter den besten 9%.

Krennwurzn:
Ok zu den Frauen möchte ich am Ende des Interviews noch einmal zurückkommen - die wichtigsten Fragen später, um die Spannung aufrecht zu erhalten! Die Krennwurzn möchte ganz sportmen like zuerst einmal ein Nisipeanu-bashing betreiben. Ein teurer Einkauf eines alten 38jährigen mit 2700 und einem Performanceeinstieg von 2550 - damit habe ich alle ungerechten Vorbehalte gegen einen netten Menschen in einen Satz verpackt und es graust mir vor mir selbst, aber dennoch bleibt die Frage übrig: was hat das für einen Sinn und ist das nicht gerade das falsche Zeichen an den Nachwuchs? Hätte ich nicht die Altersmilde meiner 50 Lenze sondern wäre ein heißblütiger 17jähriger Prinz mit Perspektive, würde ich schreien: warum habt Ihr diesen Oldtimer eingekauft und nicht mir eine Chance auf Olympiaerfahrung gegeben?

Bastian:
Der Wunsch zu wechseln ging von Dieter aus, und sein Wechsel wurde von unserem Sponsor begrüßt. Da sich auch die Trainer dafür ausgesprochen haben, hat das Präsidium zugestimmt. Bis zur 9. Runde war in Tromsö alles okay, und wenn Dieter gegen Indien gewinnt, spielen wir um eine Medaille mit. Wegen einer misslungenen Partie und der im Anschluss daran verkorksten Schlussrunde möchte ich noch kein negatives Fazit ziehen. Nun steht eine gründliche Auswertung an. Der Bundestrainer muss entscheiden, wie er weitermachen will. Es ist sicher eine Überlegung wert, unsere Prinzen so schnell wie möglich ins Feuer zu schicken, damit sie eventuell für die nächste Olympiade eine Option werden können.

Krennwurzn:
Ich möchte das Thema nicht an der Person Dieter Nisipeanu aufhängen, sondern die Frage stellen, ob so ein Legionärskauf nicht demotivierend auf die jungen aufstrebenden Spieler wirken kann, wenn ihnen ein "fertiger" Spieler vor die Nase gesetzt wird. Nisipeanu selbst hatte um die 20 auch erst 2400 und stieg dann auf 2600 und mit 29 schließlich auf 2700. Ein junger Spieler könnte sich da denken: diese Entwicklung will und würde ich auch machen, aber mein Verband gibt mir diese Chance nicht, denn Spielstärke und -härte kann ich nur steigern, wenn ich gegen stärkere Gegner antreten kann und genau diese Chance hätte mir eine Olympiateilnahme geboten!

Bastian:
Dieter sehe ich als Sonderfall, weil er schon so lange in Deutschland spielt und selbst den Wunsch zu wechseln geäußert hat. Grundsätzlich halte ich den Einwand für völlig berechtigt. Ob eine demotivierende Wirkung tatsächlich eingetreten ist, entzieht sich meiner Kenntnis. In der Nachbereitung der Olympiade werde ich meine Mitarbeiter um Vorschläge bitten, wie wir unsere besten Nachwuchskräfte noch effektiver und schneller an die Weltspitze heranführen können.

Krennwurzn:
Ok – kommen wir zu den Prinzen: Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir bei uns in Österreich ebenso wie in Deutschland keine wirklich früh starken Spieler haben und diese dann so bei 2600 oder früher hängenbleiben. Sind das strukturelle Schwächen oder haben wir zu wenig ehrgeizige Schachmütter und –väter? Oder sehen es auch die Jungen schon so pragmatisch wie ich: Schach ist ein wunderschönes Hobby, aber sehr riskant als Beruf und planen von Anfang an mit einem Studium oder einer guten Berufsausbildung?

Bastian:
Wir haben viele Talente und viele gute Trainer, deren Leistung ich keinesfalls in Frage stellen will. Dennoch sehe ich in Deutschland strukturelle Schwächen. Um z.B. ein so herausragender Spieler wie Magnus Carlsen zu werden, müssen viele wichtige Faktoren optimal zusammenwirken, und dazu gehört auch nicht Planbares. Verbessern könnte man in Deutschland die flächendeckende Talentsuche und die Talentschulung. Das Thema Motivation müsste aufgegriffen werden, ebenso die Frage der beruflichen Absicherung nach Durchlaufen einer professionellen Schachphase. Auch muss die Akklimatisierung unserer größten Talente an die Weltspitze früher anfangen und systematischer betrieben werden, wie wir es etwa mit den Kooperationen mit Dortmund und Baden-Baden schon begonnen haben. Und es muss eine konkretere Zieldiskussion im DSB geführt werden. Versucht haben wir das schon einmal mit der Vorlage eines Verbandsprogramms, das ohne weitere Diskussion beerdigt wurde. Diese Themen, und es sind nicht die einzigen, werden innerhalb des DSB nicht ausreichend bearbeitet, und das ist eine wesentliche, strukturelle Schwäche. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Österreich ähnliche Probleme gibt. Das pragmatische Denken spielt wohl eine Rolle, aber gerade deswegen ist es wichtig, dass die Verbände Modelle suchen, wie man junge Spieler motiviert und begleitet, bis sie in den Beruf übergehen.

Krennwurzn:
Ich sage auch rund heraus warum das ein Problem ist: für einen Verband verursachen zur Zeit Jugendförderung und Spitzenspieler nur Kosten und kaum Einnahmen! Zudem kommt ja periodisch immer die Frage auf, warum einigen wenigen „so viel“ Geld bei wenig Gegenleistung von der Schachgemeinschaft gezahlt werden soll. Hier bräuchte man kreative Ideen wie Poollösungen und Schaffung einer Marke „Nationalmannschaft“ – das kann aber kein ehrenamtlicher Funktionär leisten! Zudem müsste man den Begriff „Schachprofi“ erst einmal definieren und diesen dann auch vertraglich an den Verband (Pool) binden – so ein System verwendet beispielsweise der sehr erfolgreiche österreichische Skiverband – aber ist sowas im Schach überhaupt denkbar?

Bastian:
Diese Argumentation überzeugt mich nicht. Investition in Jugendliche, die etwas leisten wollen, zahlt sich immer aus. Oft stehen sie in späteren Jahren der Organisation noch immer als Ehrenamtliche zur Verfügung, oder ihre Vorbildwirkung erzeugt einen positiven Sog. Eine Organisation, die nicht in ihren Nachwuchs investiert, programmiert ihren eigenen Tod. Spitzenkönner erzeugen eine sehr wertvolle Langzeitwirkung, ihre Namen geben der Organisation ihr Profil. Und meistens sind sie dauerhaft Leistungsträger. Beispiel nötig? Siehe Deutscher Fußballbund.
Zustimmen möchte ich der Forderung, „kreative Ideen“ wie Poollösung oder Schaffung einer Marke „Nationalmannschaft“ zu entwickeln. Letztgenanntes tun wir bereits in ersten Anfängen. Das Marketing im weitesten Sinne muss im DSB in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden. Professionelles Marketing ist für uns derzeit unbezahlbar, ehrenamtliches nicht machbar weil es einen Fulltimejob erfordert. Wir bewegen uns irgendwo dazwischen und müssen mit Geduld und Zielstrebigkeit in kleinen Schritten Verbesserungen erreichen. Mehr zu erwarten ist derzeit unrealistisch. Ich kann nur sagen, dass wir uns intern diesen Fragen stellen und Lösungen suchen.

Krennwurzn:
Bleiben wir beim Thema Geld – Schach ist zwar ein billiger Sport und dennoch fehlt an allen Ecken und Enden Geld. Nun gehöre ich nicht zu jenen, die glauben, dass man mit Beitragserhöhungen – auch wenn diese in der aktuellen Situation durchaus vernünftig erscheinen – grundsätzliche Probleme lösen kann. Viel wichtiger ist doch das vorhandene Geld sinnvoller auszugeben – ich glaube wir verlieren zu viel Geld an – doppeltes Anführungszeichen – „Hartz IV Profis“. Das klingt in erster Lesung einmal ziemlich hart und abwertend – das ist mir klar, aber es ist nicht so gemeint, denn ich glaube viele davon haben einfach im Streben nach einer Schachkarriere als Profi den „exit point“ übersehen und da schließen sich meine Fragen an: Was kann dafür ein Verband leisten? Wäre es nicht sinnvoll jungen Spielern und Eltern einen Musterbusinessplan an die Hand zu geben, der auch so profane Dinge wie Sozialversicherung, Rentenversicherung, Steuer, etc. beinhaltet und der Jungprofis zeigt wieviel Geld sie einnehmen müssen, um neben anderen Kosten (Trainer, Reise, ...) auch diese zu tragen und ein vernünftiges und gesichertes Einkommen zu erzielen?

Bastian:
Wie jemand sein Leben konzipiert ist eine individuelle Sache, aus der sich der DSB im Allgemeinen heraushält. Mir ist nicht klar, wo Geld an „Hartz IV Profis“ verloren geht!? Ich glaube eher, dass die Leistung dieses Personenkreises für die Schachbewegung und für die Vereine viel zu wenig wertgeschätzt wird. Vieles geschieht doch entweder total unterbezahlt oder sogar ehrenamtlich, wobei ich vor allem an Jugendarbeit oder Fachartikel denke. Ohne diesen Personenkreis, der sich ganz dem Schach verschrieben hat, würde den Vereinen viel verloren gehen. Einen „Musterbusinessplan“ halte ich für eine sehr gute Idee, obwohl auch das nur ein Mosaikstein zu einer (zeitlich begrenzten) Profikarriere ist.

Krennwurzn:
Auch ich möchte niemanden vorschreiben, wie er zu leben hat – ich sehe es so: es gibt im Schach eine gewisse Menge Geld zu verteilen und zu viele an die es verteilt wird, daher ist es schwierig als Profi mit Sozialversicherung und Steuererklärung zu existieren. Meine Intention geht dahin darüber nachzudenken, ob man „lizenzierte Schachprofis“ installieren kann – im Idealfall sogar als Angestellte bei einem Verein. Das könnte für die Profis ein sicheres Auskommen bedeuten und für die Vereine böte sich möglicherweise eine bessere lokale Vermarktbarkeit! Den Begriff „Hartz IV Profis“ sollte man eher durch „Wanderarbeiter“ ersetzen...

Bastian:
„Lizenzierte Profis“ – das ist für mich eine neue Idee und sehr interessant! Das werde ich in meinem Team zur Diskussion stellen, ein weiterer Mosaikstein in diesem Themenfeld!
Etwas anders sehe ich die Frage der Geldverteilung. Ein sehr großer Anteil unserer Mitgliedsbeiträge geht bei uns in die Personalkosten. Auch wenn es unpopulär ist: aus der alltäglichen Arbeit weiß ich, dass diese Kosten unvermeidlich sind, auch wenn wir weniger Personen aus dem angesprochenen Kreis hätten. Das allgemeine Sportgeschehen und das Schachgeschehen insbesondere sind so anspruchsvoll geworden (als zwei Beispiele von vielen nenne ich das relativ neue Thema der Inklusion oder die unsägliche Verrechtlichung im Sport), dass ein Verband wie der Deutsche Schachbund von vornherein eine sehr hohe Grundbelastung hat. Bevor wir Geld in den Spielbetrieb stecken können, müssen zuerst einmal die umfangreichen Hausaufgaben der Sportpolitik erfüllt werden. Ich habe große Zweifel, ob unserer Basis das in vollem Umfang bewusst ist, daher auch das oft anzutreffende Unverständnis gegenüber Beitragserhöhungen, die doch (scheinbar!) nicht als Dienstleistungen an die Basis zurückfließen.
Auch wenn ich mich mit dieser Äußerung vielleicht der Kritik aussetze: Der Deutsche Schachbund benötigt ausreichende Mittel mit Reserven, um z.B. solche Konzepte wie „lizensierte Profis“ aufzugreifen. Solange wir finanziell am Limit leben, ist kaum Spielraum da, um solche komplexen Neuerungen auszuarbeiten und in die Praxis umzusetzen. Wir lähmen uns oft selber.

Krennwurzn:
Für die Basis sind vor allem ein funktionierender Spielbetrieb und eine vernünftige Eloauswertung von wesentlichem Interesse und das klappt doch sehr gut und zusätzlich sind nur sehr wenige sportpolitisch interessiert. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Personalkosten extrem ausgedrückt per se als „persönliche Bereicherung“ oder noch schlimmer als „Korruption“ empfunden werden und im milderen Fall eine Neiddiskussion auslösen. Einen Weltmeistertitel und eine der besten Ligen der Welt gibt es im Fußball ja auch nicht zum Nulltarif – warum sollte das dann im Schach möglich sein? Müsste man als Verband nicht offensiver die Notwendigkeit und die Sinnhaftigkeit dieser Kosten kommunizieren und wenn ja - wie?

Bastian:
Mit dieser Forderung wird das Präsidium regelmäßig konfrontiert, und ich halte sie (guten Gewissens) für berechtigt. Die Frage des „Wie“ ist schwerer zu beantworten, weil man sicherstellen muss, dass die gegebenen Informationen ankommen und objektiv betrachtet werden. Zuletzt hat unsere Geschäftsführerin Heike Quellmalz am 30.Mai auf dem Hauptausschuss in Frankfurt den Verbandsvorsitzenden in einem längeren Vortrag dargelegt, welche Aufgaben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle in Berlin erfüllen. Dies geschah in Anwesenheit des DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann. Herr Hörmann hat sehr interessiert zugehört und uns die Anregung gegeben, gegebenenfalls im Verwaltungsbereich, nicht aber im Sportbereich zu sparen, wenn wir aus der Leistungssportförderung durch das BMI fallen sollten (was inzwischen überholt ist). Im Präsidium haben wir uns das sehr zu Herzen genommen. Zudem gibt es die Absicht der Landesverbände, im Herbst die Geschäftsstelle zu besuchen und die Verhältnisse persönlich vor Ort zu prüfen. Dem stellen wir uns im Sinne der Transparenz gerne. Diesem Ortstermin und der darauf folgenden Auswertung kann und will ich nicht vorgreifen. Dennoch will ich schon hier meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezeichneten Einsatz zeigen und nicht an Leerlauf leiden.

Krennwurzn:
Ok – Geduld gehört zwar nicht zu meinen Stärken, aber da müssen die Leser und ich noch ein wenig warten. Was mich persönlich im Themenbereich Geld und Arbeit noch interessiert und oftmals auch verunsichert ist das Spannungsfeld zwischen Ehrenamt, Hobby und professioneller Arbeit. Vom Ehrenamt verlangt man professionelle Arbeit zum Nulltarif – das muss man wohl persönlich akzeptieren, wenn man so ein Ehrenamt annimmt und das funktioniert auf Vereinsebene wohl ganz gut – auf Verbandsebene habe ich manchmal das Gefühl, dass wir die Funktionäre an die Grenze des Leistbaren treiben?

Bastian:
Das ist völlig richtig. Die Funktionäre werden heute oft jenseits der Grenzen des Leistbaren getrieben und müssen zudem noch eigenes Geld investieren. Wobei ihnen von denen, für die sie unbezahlt arbeiten, noch Selbstbereicherung und Korruption vorgeworfen wird.

Krennwurzn:
Es muss doch was in der Kommunikation komplett falsch laufen, damit diese Schieflage zwischen Wirklichkeit und Vorstellung bei den Mitgliedern entstehen kann? Oder ist es simpler Zeitgeist, dass alle oben (Politiker, Manager, Funktionäre, etc. ) als – ich wage es gar nicht zu schreiben – „Gauner“ gesehen werden? Und was kann man dagegen machen und was sagt Frau Bastian dazu, dass ihr Mann viel Zeit für „Schimpf und Schande“ opfert?

Bastian:
Ja, es läuft etwas schief, aber ich kann dazu nur meine persönliche Meinung sagen, ob die zutrifft, müssen andere beurteilen. Ich sehe das Hauptproblem darin, dass zu viel von zu wenigen Leuten hinter verschlossenen Türen besprochen wird. Oft aus Angst, die Kontrolle zu verlieren. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man am weitesten kommt, wenn man offen und ehrlich kommuniziert und die Leute in die Entscheidungsprozesse so gut wie möglich einbezieht. Meine Frau kennt meine Motive und respektiert das. Sie weiß, dass ich meine Motivation aus der Liebe zum Schach beziehe und dass mir das niemand nehmen kann.

Krennwurzn:
Offene Entscheidungsprozesse sind auch meiner Meinung nach ein Schlüssel für mehr Verständnis – allerdings muss auch klar sein, dass diese liberale Herangehensweise eine klare Abgrenzung zum Anarchismus hat und daher nicht alles in allen Details in der Öffentlichkeit diskutiert werden kann, weil es neben Persönlichkeitsrechten auch schützenswerte Interna gibt.
Ich möchte zum Abschluss dieses Teils noch eine persönliche Frage zu der entgeltlosen Hobbyarbeit stellen. Wir haben eine sehr aktive Schachszene im Internet mit vielen Foren, Blogs etc. – aber manchmal bin ich mir nicht sicher, ob wir Gratisschreiber nicht professionellen Journalisten Einkommenschancen mindern?

Bastian:
Mit dem ersten Teil bin ich einverstanden, aber Letzteres kann ich nicht nachvollziehen. Es ist ja nicht so, dass die Ehrenamtlichen den Profis die Arbeit wegnehmen, sondern es ist genau umgekehrt: Überall dort, wo Ehrenamtliche oder Idealisten etwas Neues aufbauen, entstehen noch Beschäftigungsmöglichkeiten für Professionelle.

Krennwurzn:
Ok – so kann man das auch sehen. Ich möchte noch einmal bei der Offenheit etwas nachhaken – leider gab – und wird es auch in Zukunft auch geben – Fälle wo Funktionäre tatsächlich in Korruptionsaffären oder persönliche Vorteilnahme verstrickt waren. Die bisherige pragmatische Vorgehensweise war so gut wie möglich vertuschen und auch aus juristischen Gründen so wenig wie möglich öffentlich zu machen und die Sache hinter verschlossenen Türen so gut wie möglich zu lösen. Schwarze oder graue Schafe gibt es überall, aber sollte man damit in Zukunft offener umgehen oder ist der Preis drohender Gerichtsverfahren dafür einfach zu hoch und zeitaufwendig?

Bastian:
Da kann ich einfach nicht mitreden, weil ich das in meinem Umfeld noch nicht erlebt habe. Soweit ich weiß war der Deutsche Schachbund bisher nicht betroffen. Wahrscheinlich muss man jeden Fall individuell betrachten. Korruption gab es immer und wird es immer geben. Deshalb muss jede Gemeinschaft Regeln, nach denen sie sich organisieren will, und Konsequenzen bei Regelverstößen festlegen. Es ist völlig unrealistisch anzunehmen, dass wir in Deutschland Regeln festlegen können, die in allen 181 Mitgliedsorganisationen der FIDE akzeptiert werden und sinnvoll sind. In der FIDE muss über das Regelwerk gesprochen werden, es entwickelt sich ja jetzt schon kontinuierlich weiter. Doch bei allen Veränderungswünschen muss man stets berücksichtigen, dass Neuerungen nur einvernehmlich nach den jeweils geltenden Regeln beschlossen werden können. Veränderungspotenzial muss stets geduldig ausgelotet und nach viel Überzeugungsarbeit ausgeschöpft werden.

Krennwurzn:
Die Krennwurzn als hobbymäßiger Interviewer, wagt locker die Frage zu stellen, ob der DSB-Präsident zum Themenkomplex Olympia, Prinzen und Geld selbsttätig nicht gestellte Fragen beantworten möchte?

Bastian:
Bekanntlich ist das Schachspiel wie ein See, in dem eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken kann. Auf eine offene Frage zu gleich drei so komplexen Themengebieten wähle ich diesmal die Mückenvariante: Tolle Leistung der Frauen mit Luft nach oben, tolle Leistung der Männer, denen beim Zieleinlauf etwas zu früh die Puste ausgegangen ist, Prinzen als Hoffnungsträger, denen ich einen Quantensprung nach oben wünsche, und ein leidiges Thema, das wir nur durch gute sportliche Leistungen in den Griff bekommen werden.

Krennwurzn:
Danke für die Zeit und die offenen Antworten - vielleicht schaffen wir einen zweiten Teil mit den Themen FIDE und Frauen – ich glaube das würde unsere Leser noch interessieren!

Montag, 14 Juli 2014 00:00

Gleich DREI auf einen Streich

„Gleich“ – Uijegerl bei dem Wort IST – bei aufkommenden Gedanken an das Institut für Sinnlose Turniere - sogar der Krennwurzn gleich wieder schwindelig. Zimmerunsitte und gleich viele immer gleiche Artikel werden gleich wieder im Gedächtnis wach. Uijegerl geht das schon wieder los? Nein – nicht gleich so schlimm, obwohl das Thema doch schon gleich eine kleine Artikelserie darstellt:

 

Aber bitte nicht gleich alle auf einmal lesen, das könnte Sie aus dem Gleichgewicht bringen – aber kommen wir endlich gleich zur Sache: im schönen Österreich fanden in der ersten Ferienwoche vom 5. bis 13. Juli gleich drei Schachopen statt und um die 400 Schachspieler nahmen das Angebot an und spielten mit. Das ist die gute Nachricht, die schlechte ist, dass sich die 400 auf drei Standorte verteilt haben. Gleich erste Adresse war natürlich das von der Krennwurzn gleich oft kritisierte „International Styrian-Open“ im schönen namensgebenden Bad Gleichenberg.

International Styrian-Open 

Da man nach der ersten Auflage im Vorjahr mit um die 150 Teilnehmer davon 53 im A-Turnier den gleich üppigen Preisgeldfonds von 25.000 Euro auf 18.000 Euro absenkte, aber den gleich viel kritisierten Passus bezüglich Organisationsgebühr trotz massivster rechtlicher Bedenken nicht gestrichen hat, kamen diesmal gleich mal nur 125 Teilnehmer in die schöne Südoststeiermark und im A-Turnier spielten davon 47 und von diesen waren gleich nur 17 Österreicher mit von der Partie. Und gleich auch in den Preisgeldrängen waren die Österreicher gleich unterdurchschnittlich vertreten:

2014gleich gleichenberg

Gleich mit von der Partie waren die beiden „Schachprinzen“ Matthias Blübaum (Elo 2510) und Dennis Wagner (Elo 2485) in den ersten Tagen ihres Schachjahres – einer sehr guten Idee. Dennis Wagner musste gleich mal keine Niederlage einstecken, obwohl er die letzten sechs Runden immer gegen GMs antreten musste und eine Eloperformance von 2531 und damit den 5. Gesamtrang umringt von GM erzielen konnte. Seine Chance auf eine mögliche GM Norm wurde ihm gleich in den ersten Runden von den gleich nicht so elostarken Österreichern und natürlich dem Auftaktremis gegen Florian Mesaros (2158) genommen. Sein Kollege Matthias Blübaum musste zwar in der 4. Runde eine Niederlage hinnehmen, spielte aber ein sehr gutes Turnier mit einer Eloleistung von 2582 und erreichte den 3. Gesamtrang und schrammte wirklich knapp an der GM-Norm vorbei, wobei dies gleich unter die Kategorie Auslosungspech in den ersten Runden gefallen sein konnte.

Die Frage warum gleich so wenige Österreicher in Bad Gleichenberg mitgespielt haben, kann man mit einem Blick nach Wien gleich ein wenig erklären – vielleicht, außer Sie sind der verschwörungstheoretischen Meinung, dass die gleich allmächtige Krennwurzn mit seinem Geschreibsel gleich einen übergleichen Einfluss haben könnte.

Husek Vienna Open 

Dieses Turnier wurde heuer erstmals ausgetragen und gleich auf die Frage warum denn zum gleichen Termin wie gleich zwei weitere Turniere in unmittelbarer Nähe gleich auch – da muss die Krennwurzn sie gleich auf die Experten des IST verweisen, denn gleich und gleich später fällt mir darauf keine Antwort ein, die gleich auch noch einen Sinn ergeben könnte. Von den 115 Teilnehmern im Hauptturnier stellten gleich die Österreich mit 90 das größte Kontingent und das führte dazu, dass obwohl der Preisgeldfonds nicht so prall wie in Bad Gleichenberg gefüllt war, dass in den Preisgeldrängen doch gleich die Hälfte Österreicher waren.

2014gleich husek

Gewonnen hat der Setzlistenerste Rainer Buhmann nach "Viertwertung" vor vier weiteren Spielern mit 7 Punkten schreibt der Veranstalter. Da das Turnier in einer Gruppe gespielt wurde, waren von Anfang an die Chancen auf Titelnormen gleich eher gering. Im Rahmenprogramm fand auch ein Kinderturnier mit 16 Teilnehmer statt.

33. St. Veiter Jacques Lemans Open 

Hatten die Kärntner vielleicht gleich nach dem Rückzug von Oberwart 2012 als Turnierveranstalter gehofft, dass gleich die Openkonkurrenz sich terminlich gleich besser verteilt, so hatten sie diese Rechnung gleich ohne das IST gemacht und nach Bad Gleichenberg im Vorjahr hat auch noch Wien ein Open zum gleichen Termin ins Rennen geschickt – ob gleich die Pläne des IST (Institut für Sinnlose Turniere) für 2015 gleich alle österreichischen Turnier und Meisterschaften gleichzeitig in dieser Woche auszutragen wirklich umgesetzt wird, kann man gleich jetzt seriöserweise nicht gleich sagen, aber so 4-5 Open gleichzeitig könnten es schon werden.

Mit fast 160 Teilnehmer, davon aber fast 100 im B-Turnier konnten sich die Kärntner gleich mal die Krone der meisten Teilnehmer aufsetzen – Tradition und eine schöne Erholungslandschaft im Umfeld bringen eben auch viele Stammgäste in diese Region Österreichs. Im A-Turnier waren von den 46 Teilnehmern 31 Österreicher und 9 Slowenen vertreten

2014gleich stveit

und doch ging der Turniersieg überlegen mit einem Punkt Vorsprung an den kroatischen GM Marin Bosiocic vor dem schottischen GM Matthew Turner, der sich nach Feinwertung vor dem besten Österreicher IM Helmut Kummer den zweiten Platz sicherte.

Sensationsmann des Turniers war der 16-jährige Hohenemser Emilian Hofer (2035) der mit sechs Siegen bei drei Niederlagen den fünften Platz belegte und dabei die erfahrenen
IM´s Leon Mazi und Georg Danner besiegen konnte. Eine beinahe noch größere größere Sensation gelingt seinem ebenfalls 16-jährigen Vereinskollegen Vincent Nussbaumer (1821) im B-Bewerb, der erst in der Schlussrunde ein Remis abgibt und mit 8,5 Punkten überlegen den Sieg vor dem Klagenfurter Gerhard Raschun mit 7 Punkten holt.

Gleich könnte man auf den Gedanken kommen, die Österreicher spielen gleich gerne dort wo sie auch Chancen auf Preisgeldränge haben und da sind gleich sehr hohe Preisgeldfonds nicht gleich das optimale, da – das ist zwar gleich ungerecht – die Spitze in anderen Ländern etwas stärker ist und die sich gleich die Preise gleich sichern und die Österreicher fürchten müssen gleich leer auszugehen.

Kommen wir gleich zum Anfang zurück und sprechen wir gleich das letzte Mal über den Passus, der gleich das Blut der Krennwurzn so in Wallung versetzen konnte. 

2014Gleich1

Nach Ansicht von gleich zwei Behörden (Bundesministerium für Konsumentenschutz und Europarechtsabteilung der Steiermärkischen Landesregierung) verstößt dieser Passus gegen den § 23 des Dienstleistungsgesetz (DLG) und damit europäischen Normen.

zimmer03

Nun haben die gleich komplizierte und gleich unlösbare Situation, dass daran nichts zu rütteln ist, wenn auch ein Teil der steierischen Schachfreunde das gleich anders sehen. Gleichzeitig ist es gar nicht leicht dem Recht zum Durchbruch zu verhelfen, denn die Bezirkshauptmannschaft Südoststeiermark könnte zwar eine Strafe gegen die Veranstalter aussprechen, kann aber auch für künftige Ausschreibungen den Passus nicht verbieten, da hierfür die rechtlichen Grundlagen fehlen. So bliebe nach Rücksprache mit Konsumentenschutzrechtsexperten gleich nur mehr zwei Wege um den Passus zu bekämpfen: erstens eine Klage wenn man ihn tatsächlich bezahlen musste oder zweitens eine Beschwerde an die Volksanwaltschaft, weil die zuständige Bezirkshauptmannschaft nicht durch hohe Verwaltungsstrafen hart genug gegen den Veranstalter vorgeht. Beides ist für die Krennwurzn nicht denkbar und so gebe ich den Don Quijotischen Kampf gegen die Windmühlen der Bürokratie und gleich auch der Starrsinnigkeit, mit der der Veranstalter sein eigenes Turnier in wohl schädigendes Fahrwasser bringt, auf!

Donnerstag, 15 Mai 2014 15:59

Unterstützen wir den DSB

Auf der Homepage des DSB sind zwei Artikel mit der Bitte um Unterstützung erschienen.

Das Präsidium bitte Sie um Unterstützung

hier wird gebeten einen Musterbrief an politische Ansprechpartner zu schicken

Musterbrief (DOC) und Anhang Rede Thiel (PDF)

Bericht Treffen des DSB mit der DOSB-Spitze am 14. Mai 2014

Vielleicht schafft der DSB auch noch die Möglichkeit einer ONLINE-PETITION um auch die neuen Medien optimal zu nutzen! Leisten wir unseren Teil dabei, damit wir nicht unsichtbar und ungehört bleiben. Also bitte an so viele Schachfreunde wie möglich weiterleiten und verlinken!
Und natürlich schicken wir den ausgefüllten Musterbrief inkl. Anhang an unsere regionalen und überregionalen Politiker!

Donnerstag, 17 April 2014 00:00

Gleich noch einmal

„Gleich“ sagt der Österreicher im Dialekt manchmal, wenn er „sofort“ sagen möchte, aber nicht wirklich sofort handeln möchte oder aber auch wenn ihm etwas „egal“ ist. Und gleich werden die Leser zusammenzucken – gab’s da nicht gleich einen Artikel im Vorjahr mit unheimlich vielen „gleich“ im Text? Gleich weiter unten werden die Links dazu geliefert und gleich Einigen wird dazu gleich ein Turnier in einem wunderschönen Teil Österreichs einfallen, das gleich sehr viele Preise an gleich doch wenige Teilnehmer ausgeschüttet hat, aber andersgleichen auch durch einen für mitteleuropäische Sitten gleich etwas befremdlichen Passus in der Ausschreibung gleich aufgefallen ist.

Nun diesen Passus und damit dieses Turnier gibt es gleich noch einmal!

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Gleichwohl es niemanden interessiert, ob dieser Passus nun gegen EU-Recht verstößt oder nicht, stellt sich die Frage, ob dieser Passus dem Turnier nicht gleich mehr schadet als nutzt – man muss ja nicht gleich ans Image denken und Steirer gelten – nicht erst seit den Zeiten des Romans „Aus dem Leben Hödlmosers“ von Reinhard P. Gruber als etwas ... naja – man wird ja nicht gleich was Gleichmacherisches schreiben. Denn andererseits wurde die Ausschreibung doch gleich in mehreren Punkten gleich ein wenig abgeändert, damit es nicht wieder gleich zu einem Gedränge von Preisen und Teilnehmern kommen kann. Dazu wurde der Preisfond von 25.000 Euro auf 18.000 Euro gesenkt und gleich einmal alle Damen, Senioren und U18 Preise gestrichen und gleich auch noch die Anzahl der Preise gesenkt. Die gleich vorjährigen 12 Österreicherkategoriepreise wurden durch 8 Kategoriepreise ÜBER 2300 Elo ersetzt (siehe Bild Ausschreibung unten - wer's gleich nicht glauben kann, der kann sich hier das Original-PDF ansehen).

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Da wird gleich einer aufschreien, aber das ist gleich gar nicht so schlimm, wenn's auch gleich etwas unlogisch aussieht - da gleich Doppelpreise nicht mögich sind, wird die Sachlage gleich wieder klarer - ob sich der Turnierfünfte, wenn er über 2300 Elo hat mit 800 Euro zufrieden gegen muss oder er sich doch die 1000 für den ersten Platz in der Kategorie über 2300 nehmen darf - das darf dann gleich vor Ort ausdiskutiert werden. Jedenfalls gleich einmal ein innovativer Ansatz für Preisgeldgestaltung, dessen Ursprung gleichwohl dem IST (Institut für Sinnlose Turniere) zuzurechnen sein dürfte.

Im Vorjahr mussten sich 53 Teilnehmer des A-Turniers mit 33 Preisen gleich zufrieden geben, damit dies dieses Jahr wieder erzielbar ist, dürften gleich nur 30 Schachfreunde das Turnier in Angriff nehmen – aber das wollen wir gleich wieder schnell vergessen und auch, wenn gleich nur etwas weniger als die Hälfte der Gesamtteilnehmer des Vorjahrs kommen sollten, dann hätte man gleich wieder eine Preisqoute von um die 60% in Reichweite.

Gleich gar nicht beachtet hat man, dass gleichzeitig nur 200 km westlich im ebenfalls sehr schönen St. Veit ein bereits etabliertes Open gleich zum 33. Mal ausgetragen wird und gleich ganz neu ist, dass in Wien gleichzeitig das Husekopen gleich mit freiem Eintritt in die Therme Wien neu ins Leben gerufen wurde! Als Nichtösterreicher könnte man da gleich leicht verzweifeln, aber gleich werden viele Leser an das nur Ihnen nach gleich zu viel Krennwurznleserei bekannte IST (Institut für Sinnlose Turniere) denken! Nochmals bitte nicht beim seriösen Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) anrufen, die kennen dieses zweite IST gleich gar nicht und sind auch gleich gar nicht gut auf dieses zu sprechen! Außerdem gilt beim Institut für Sinnlose Turniere (IST) die CIA Gepflogenheit: rufen Sie uns nicht an, wir melden sich gleich bei Ihnen!

Und so ist es gleich unserer – erlauben Sie mir gleich diesen Einwurf – armen Krennwurzn gegangen. Ein gleich nicht genannt werden wollender Experte des IST hat sich bei der Krennwurzn gemeldet und ihm gesagt, dass diese Konzentration von Turnieren zu einem Zeitpunkt wie am Julianfang 2014: Gleichenberg, St. Veit, Wien und OPENair Braunberg, Sonntag, 6. Juli 2014 (Werbeeinschaltung Krennwurzn: an diesem Tag hat die Fußball WM Pause und die Krennwurzn kann man in schöner Landschaft live und in Farbe kennenlernen – auch wenn gleich alle nur wegen der schönen Landschaft und dem guten Essen auf der Braunberghütte kommen) ...

Also dass wir gleich nicht abgleiten und gleich beim Thema bleiben – diese Konzentration von Turnieren im Juli 2014 hat das IST auf eine gleich umwerfende Idee gebracht und wird gleich 2015 vom IST perfektioniert gleich durchgeführt: Gleich in der ersten gesamtösterreichischen Ferienwoche von Samstag 11. bis 19. Juli 2015 werden gleichzeitig alle Bundesligen auch jene der Damen, alle Staatsmeisterschaften, alle Landesmeisterschaften und gleich auch noch alle OPEN und gleich auch noch alle Blitz- und Schnellschachturnier gleichzeitig durchgeführt. Gleich alle FIDE Bestimmungen werden aufgehoben, damit man gleich mehrere Partien gleichzeitig und gleich auch noch – falls notwendig – gleich auch gegen sich selbst spielen kann!

Falls Sie jetzt gleich zum Kalender laufen wollen, dann muss ich Sie gleich vorweg enttäuschen: heute ist nicht der 1. April – aber der Fasching endet in Österreich gleich nie!

Gleich noch einmal zum Nachlesen verlinkt – falls einer gleich noch nicht genug gleich gelesen haben sollte: Zimmerunsitte und IST GLEICH

Dienstag, 01 April 2014 00:00

Doppelte Punkte

Man und besonders gerne die Krennwurzn schimpft ja oft und heftig über Funktionäre und deren Reaktionszeiten wie Supertanker auf aktuelle Probleme und auf weiß Gott noch alles. Aber heute wurde die Krennwurzn aber doch erwischt – denn kurz nach dem FIDE Presidential Board Meeting in Khanty-Mansiysk kam es aufgrund aktuellem Anlass zu einer wegweisenden Entscheidung:

Künftig werden in jeder Schlussrunde eines jeden FIDE-gewerteten Turniers wie in der Formel 1 seit dem Jahr 2014 üblich DOPPELTE PUNKTE vergeben, um die Spannung zu erhöhen. Diese Regelung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft!

Die Notwendigkeit wurde gerade beim erst kürzlich zu Ende gegangenem Kandidatenfinale vollkommen klar. Hätte nicht der großartige Anand am Donnerstag in der drittletzten Runde eine +9 Stellung noch dazu in Zeitnot geistesgegenwärtig ins Remis abgewickelt, wäre das Turnier schon vor dem letzten Ruhetag und den beiden Schlussrunden entschieden gewesen. Eine Katastrophe für die Zuseher, die Sponsoren und die gesamte Schachwelt wäre hereingebrochen und Millionen Dollar an Werbeeinnahmen wären zukünftig in Gefahr gewesen.

Viele beklagen schon lange, dass bei Open in den Schlussrunden schnell Remis gemacht wird, weil damit der Turniersieg oder der Preisgeldrang abgesichert ist. Bei doppelten Punkten ist dies in Zukunft nicht mehr so einfach möglich. Denken wir aber auch – und das ist der FIDE nicht entgangen – an Mannschaftsmeisterschaften: da spielen die Titelkonkurrenten unglücklicherweise schon in den ersten Runden gegeneinander und damit ist die Meisterschaft praktisch schon entschieden und damit fad und farblos! Auch da bringt dann die Aussicht auf doppelte Punkte in der Schlussrunde noch Feuer ins Spiel.

Man muss nicht von Aliens oder Außerirdischen lernen, es reicht, wenn man einen Blick auf den großen Bernie wirft und aus dem Sport eine Show – äh Geld macht!

Freitag, 28 März 2014 14:40

Perfektes Dilemma

Beim Lesen eines Threads über Fernschach im Forum Schachfeld ist die Krennwurzn per Zufall auf ein interessantes Problem gestoßen. Die letzte Partie der 25. Fernschachweltmeisterschaft, die 2009 begonnen wurde und im April 2013 beendet wurde, erregte das Interesse, weil das Remis rot hervorgehoben wurde. Dass dies nur bedeutet, dass es eben das letzte Resultat des Turniers ist, beachtete die Krennwurzn nicht wirklich und holte sich das PGN-File der Partie auf den Rechner.

Beim Durchklicken wurde mir schnell klar, dass das Endspiel mit seiner asymmetrischen Materialverteilung hochinteressant ist. Dann fiel mir auf, dass die Partie wohl durch die 50 Züge Regel im Remis geendet sein musste, da die Endstellung von Houdini als Gewinnstellung angegeben wurde und der letzte Ereigniszug genau 50 Züge entfernt war. Hochinteressant – schnarch – höre ich schon einige Leser fragen – was hat das mit Perfektion und Dilemma zu tun?

Da es sich bei der Schlussstellung um einen 6-Steiner handelt und diese ja schon lange perfekt gelöst sind, ist der erste Teil der Frage schnell erklärt: nach weiteren 55 Zügen ist Schwarz matt.

Wo liegt aber nun das Dilemma? Kann es in der Perfektion überhaupt ein Dilemma geben? Nun die Antwort darauf überlasse ich gerne den Philosophen und wende mich den schachlichen Aspekten zu. Endspieldatenbanken gibt es in mehreren Metriken – diese geben Aufschluss darüber, wie die Information über eine Stellung (1,0,=) gespeichert wird. Bei DTM (Depth to Mate) wird einfach die Entfernung zum Matt gespeichert, dabei wird jedoch die 50 Züge Regel nicht berücksichtigt. Die bekannten Namilov 6-Steiner und die weniger bekannten Lomonosov 7-Steiner sind nach mir vorliegenden Informationen in der DTM-Metrik erstellt worden. Das bedeutet wann immer eine Engine auf diese Daten zugreift, fällt die 50 Züge Regel durch den Rost und bis einen Zug vor Eintritt dieser glaubt man sich auf der Gewinnerstraße und erst mit dem 50. Zug greift dann die GUI (grafische Benutzeroberfläche) mit den gültigen Schachregeln ein und sagt: 50 Züge Regel REMIS.

Das Dilemma beginnt mit einer guten Nachricht: im 84. Zug hat Weiß den Bauern auf h7 mit Schach beseitigt und auch ohne Zugriff auf die kostenpflichtigen Lomonosov ist klar – Weiß gewinnt in 105 Zügen! Wenn – ja ... wenn binnen der nächsten 50 Züge entweder ein Turm geschlagen wird oder man auf die weitere Teilnahme des Springers verzichten kann – bei perfektem Spiel natürlich!

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Seit 1. April – das ist kein vorgezogener Scherz – 2013 gibt es nun die nicht nur sehr kompakten Syzygy-Tablebases sondern auch eine Lösung oder soll man besser sagen einen Beitrag zum Dilemma, weil diese nicht auf DTM zugreifen und diese gar nicht gespeichert haben, sondern auf DTZ (Depth to Zero). Das bedeutet der Zähler wird wieder auf Null gesetzt, wenn ein Ereigniszug (Bauernzug oder Schlagzug) gemacht wird bzw. wenn es Matt wird. Mit Houdini 4 auf der Deep Fritz 14 GUI sieht das nun wie folgt aus: das Dilemma wird zwar korrekt dargestellt, man könnte es aber auch leicht übersehen, denn es wird klar Gewinn signalisiert und wer nicht darauf achtet, dass 67 größer als 50 ist, könnte das drohende Remis glatt übersehen. Notwendig wäre hier eine Erweiterung der Stellungsbewertung von 1,0,= um sagen wir mal 2 – was bedeuten würde: die Stellung ist zwar gewonnen, aber nach 50 Züge Regel Remis.

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Gut höre ich Sie, lieber Leser sagen – das ist ja theoretisch ganz schön, interessiert ein paar Computerschachfreaks und die Fernschachspieler – aber das sind doch alles keine „richtigen“ Schachspieler mehr. Für die Masse ist das doch komplett egal und kommt wahrscheinlich auch nur ganz, ganz selten vor – also keine Spur von einem Dilemma – außer dass sich Freaks Probleme schaffen, die es ohne sie nicht gäbe!

Nun so einfach ist das nun auch wieder nicht! Die Syzygy Tablebases haben zusätzlich zur DTZ auch noch einen Teil in dem die Informationen in der WDL Metrik (win, draw, loss) unter Berücksichtigung der 50 Züge Regel abgespeichert sind und auf diese Informationen greift beispielsweise Houdini 4 auch in der Suche bereits zu und das hat sehr wohl Auswirkungen auf Stellungsbewertungen durch Engines. Gehen wir in der Ausgangsstellung einen Halbzug zurück:

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und schauen wir welche Auswirkung diese Information auf die Engines haben. Neben Houdini 4 habe ich hierzu Deep Fritz 14 genommen, da dieser keinen Zugriff auf die Syzygy implementiert hat und ich keine Nalimov mehr am Rechner habe. Damit ist DF14 zwar benachteiligt, eignet sich aber somit äußerst gut, um das Dilemma aufzuzeigen.

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DF14 ohne die 50 Züge Regel Informationen aus einer Datenbank kann natürlich diese komplexe Stellung (noch) nicht zu Ende rechnen und nimmt den Bauern auf h7 und erreicht damit zwar eine gewonnene Stellung, die aber wegen der 50 Züge Regel doch nur Remis ist.

Houdini 4 hingegen wird von der Datenbank mitgeteilt – Vorsicht Dxh7 ist Remis und wird daher ausgeschieden. Da aber möglicherweise die anderen Züge ebenfalls Gefahr laufen in die 50 Züge Regel hineinzulaufen, besteht die Gefahr eben solange wir die WDL Informationen der 7 Steiner nicht haben, dass auch Houdini trotz Warnung vor der „Remisfalle Dxh7“ ebenso wie Fritz in ein möglicherweise unvermeidliches Remis läuft.

Gut das betrifft nun wieder nur ausgewählte Endspiele höre ich als Einwand. Ja, das stimmt natürlich, da aber gerade der Zugriff auf Tablebaseinformationen bei Engineanalysen immer früher und früher erfolgt, kann es durchaus von praktischer bzw. theoretischer Relevanz sein, dass Varianten spielbar wären, weil sie zwar verloren sind, aber durch die 50 Züge Regel Remis enden.

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Hier in der aktuellen Partie Anand-Andreikin zeigt Houdini 4 beispielsweise bereits nach 10 Sekunden einen Tablebasezugriff an, Damit wird klar dass diese Informationen sicherlich nicht nur Mittelspielstellungen, sondern auch jetzt schon Eröffnungsstellungen beeinflussen können und somit sehr wohl von einem Dilemma gesprochen werden kann.

Das Hauptdilemma ist aber, dass der Mensch perfektes Spiel nie erreichen wird – und das wiederrum ist perfekt fürs Schach!

Dienstag, 04 März 2014 01:05

Eye of the Tiger

Der Song von Survivor hämmert wie Rocky’s Schläge auf die Ohren der Krennwurzn – es ist Faschingsdienstag und aus panischer Angst vor einer Auferstehung von Äwigkneiper dröhnt sich die Krennwurzn mit lauter Musik weg. Wie von Geisterhand gezwungen greift die Krennwurzn zum Telefon – läuten konnte er es wegen der lauten Musik ohnehin nicht hören – und sieht wie zwei Tigeraugen zu ihm sagen: „Schau mir in die Augen Krennwurzn!“ „We..we..welcher Tiger?“ stottert die Krennwurzn.

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„Der Tiger von Travemünde“ hörte die Krennwurzn und sofort blitzt der Travnicek Sager von Helmut Qualtinger „Spanien - die Stierkämpfe, a matte Sache, Simmering gegen Kapfenberg, das nenn ich Brutalität“ durch die Krennwurzn und erinnerte sich an die unheimliche Brutalität gegen einen Filztiger bei besagtem Turnier, dem vom Letztrundengegner der Blick auf das Schachbrett verwehrt wurde. Lächerlich dachte sich damals die Krennwurzn, ebenso wie auch das Argument, dass die Augen des Tigers als Kamera dienen könnten. Und jetzt blickt die Krennwurzn in die leibhaftigen Augen und führt das folgende nicht autorisierte und auch niemals geführte Faschingsdienstagsinterview mit dem „Tiger von Travemünde“!

Krennwurzn: Also gut – sie können also sehen und auch sprechen – was wollen Sie mir sagen?

Tiger: Ich möchte ... nun sagen wir mal so: mich quält das Gewissen!

Krennwurzn: Warum? So hoch sind die Telefonkosten aus Norddeutschland nach Österreich auch wieder nicht! Ist Ihr Herrchen nicht in das Telefonat eingeweiht?

Tiger: Klar weiß der nichts von uns – können wir uns ohne unsere beiden Herrchen von Tiger zu Krennwurzn unterhalten?

Krennwurzn: Klar und wenn Sie frischen Kren reißen und Ihnen dann die Augen tränen, dann sind Sie der erste lebende Filztiger auf Erden – ein irdisches Alien sozusagen.

Tiger: Woooaaahh – frisch gerissener Kren ist ja wirklich furchtbar in den Augen!

Krennwurzn: Gut, dann kommen wir zur Sache – was wollen Sie mir sagen?

Tiger: Ich manipuliere Schachpartien!

Krennwurzn: Ich dachte der Chess Tiger wurde nicht mehr weiterentwickelt?

Tiger: Nun ich bin leistungsmäßig sowieso entfesselt und bediene mich lieber beim Zauberer Houdini!

Krennwurzn: Da wünsche ich viel Glück – FIRST CHOICE HOOOUDINI höre ich da schon einen anderen Tiger kreischen und vom Professor Kenneth W. Regan werden Sie dann wissenschaftlich statistisch schonungslos aufgedeckt!

Tiger: Ich zittere schon am ganzen Leib – aber HALLO! Ich bin doch kein Anfänger und Brutalocheater der nur die Züge des Computers übermittelt!

Krennwurzn: Klar – erstes Problem: Übermittlung der Züge – wie soll denn das klappen? Die Spieler werden schon bald einer Leibesvisitation und elektronischen Detektion unterzogen werden und dann ist schon „finito“ mit Tigern!

Tiger: Am Menschen werden Sie und auch andere gar nichts finden und in mir auch nicht - außer natürlich qualitativ hochwertigen, mit liebe handgefertigten Filz!

Krennwurzn: Super und wie funktioniert das dann?

Tiger: Es ist doch bekannt, dass Naturforscher Tiger aufgrund der Fellzeichnung unterscheiden können – das sollte sogar eine Krennwurzn wissen!

Krennwurzn: Ja das ist mir bekannt, aber ...

Tiger: Acht verschiedene Tiger sollten sogar Sie als Krennwurzn sich merken können – oder? Probieren wir es doch einfach aus!

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Krennwurzn: 1. e4 und 37. Tad1+ ..... Fantastisch!!! Wahnsinn!!!

Krennwurzn: www...wie funktioniert das?? Sie sind doch nur ein Tiger – ein Filztiger? Mich laust der Affe!!

Tiger: Ja, ja für die Krennwurzn ist alles Leben Chemie - aber schon vergessen was ein Lehrer vor vielen, vielen Jahren zu Ihnen gesagt hat: „man muss nicht logisch sondern biologisch denken!“

Krennwurzn: Daran kann ich mich noch erinnern – so ist das auch wieder nicht!

Tiger: Ja, ja wer in Griechenland Tintenfisch mit Pommes isst...

Krennwurzn: mit normalen Erdäpfel – äh Kartoffel hab‘ ich ihn gegessen und aus biologischem Anbau um ganz genau zu sein – Pommes sind nicht so meine Sache!

Tiger: Egal es geht nicht ums Gemüse – gegrillt verliert das Tier äußerst wichtige Eigenschaften...

Krennwurzn: Ah – ich verstehe, Sie können Ihr Fell wie ein Sepia ändern und damit ... aber das fällt doch auf und das kann doch jeder sehen!

Tiger: Erstens fällt das Offensichtliche nicht so auf, wenn man komplizierte Tricks erwartet und zweitens werfen Sie nochmals einen Blick auf die zwei Bilder oben!

Krennwurzn: Opps – ich hätte eigentlich nur die Fernschachnotation 5254 bzw 1141 sehen können und dürfen ... warum ... warum sagte ich 1. e4 und 37. Tad1+ ... ?? Das konnte ich ja gar nicht wissen?

Tiger: Egal wohin sich meine Augen auch richten mögen, ich nehme das Schachbrett auch ohne direkten Sichtkontakt war und könnte auch von Bremen aus in Travemünde wirken!

Krennwurzn: Wirklich?

Tiger: Genau und damit kommen wir zu meiner stärksten Waffe!

Krennwurzn: Die da wäre????

Tiger: Ich bin kein Brutalohoudinicheater – ich bin ein Gedankenmanipulator!!

Krennwurzn: Sie können meine Gedanken manipulieren?

Tiger: Nur schachlich – keine Angst - nur schachlich – das genügt mir schon!

Krennwurzn: Ah – verstehe! Wie ich bei meinem Herrchen vor ein paar Tagen auch! Was hat der getobt, als ich ihm mit Lxd4 einzügig eine Figur einstellen ließ!

Tiger: Genau so funktioniert es – nur ich manipuliere BEIDE nicht nur mein Herrchen - und damit können sich der Professor Regan und die anderen HFC’s (Houdini First Choice) brausen gehen. Nicht nur dass die HFC von heute die Nogos von morgen sind, nein ich heble alle statistischen Methoden einfach mit dem Zufall brutal aus!

Krennwurzn: Ah – jetzt verstehe ich! Genial! Sie haben unsere Schwachstelle erkannt – unsere Modelle haben Schwierigkeiten mit Einschnitten, Krisen, etc. weil sich diese nicht so einfach in mathematischen Formeln darstellen lassen.

Tiger: Richtig erkannt und jetzt erkläre ich Ihnen anhand der Partie aus der 6. Runde in Travemünde wie ich das gemacht habe!

Krennwurzn: Ich bin gespannt wie eine Armbrust! (Zittert vor Aufregung)

Tiger: 1. b4!!!!

Krennwurzn: Mich laust der Affe – das schockiert ja nicht einmal mich staatlich geprüften und zertifizierten Angsthasen!

Tiger: Genau richtig und das soll es auch, denn würden Sie Schach spielen können – äh – es verstehen können, dann wäre Ihnen eines klar: Ihr Gegner hat nun bereits einen halben Punkt freiwillig auf Ihr Konto überwiesen – die Frage ist nur mehr können Sie die Partie gewinnen – der von mir Ihnen letztlich zugedachte Verlust ist nun weit außerhalb Ihrer Vorstellungskraft!

Krennwurzn: Ach so .... hinterhältig ... gemein ... genial!

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Tiger: 11. Sd4!!

Krennwurzn: Wäre da cxd5 nicht viel stärker?

Tiger: Klar du Houdinijünger – klar! Aber es würde zu sehr vereinfachen und das wollen wir – das will ICH nicht!!

Krennwurzn: Aber nach 11. Sd4? ist doch 11. ... Se5 sehr stark!

Tiger: Richtig, aber das Feld e5 wurde ja von unserem Springer vorher geschützt und bleibt im Kopf auch nach dem Wegzug noch eine Weile geschützt!

Krennwurzn: Tatsächlich 11. ... Tc8 – der Tiger zeigt seine Wirkung! Faszinierend würde Spock dazu sagen ...

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Tiger: 15 . ... Te8

Krennwurzn: 15. ... Lb4 wäre sicherlich stärker!

Tiger: Logisch, aber nun hat sich die Blockade vom Springer auf den Le7 übertragen und das ist ganz, ganz wichtig nun!

Krennwurzn: Nun kam nach 16. Le2 Se5 17. Dg3 – Weiß ist am Ende – man(n) kann die Hände schütteln!

Tiger: Man kann die Hände über den Kopf zusammen schlagen aufgrund Ihrer Naivität und Unwissenheit – ja das kann man!

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Krennwurzn: 17. ... Ld6 und aus die Maus! -3,50 sagt Houdini und vorbei ist der Zauber!!

Tiger: Ja – warihätti oder so ....

Tiger: Wie war das mit der Blockade und der Freigabe? Der Springer wurde freigegeben und der Läufer wird dadurch blockiert – Multitasking ist nicht so meine Sache! Und daher kam in der Partie: 17. ... Lb4

Krennwurzn: Aber der Läufer sollte doch blockiert sein!

Tiger: Nur vom Feld d6 sollte er sich fernhalten – das Feld b4 wäre – Betonung auf WÄRE - vorher stark gewesen, da darf er jetzt mit Verspätung hin, denn schon Michail Gorbatschow sagte: wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Krennwurzn: Genial ... super .... (mit weit geöffneten Mund)

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Tiger: 19. ... d4 wieder dasselbe Motiv ein starker Zug einen Zug später ist meist ein schwerer Fehler!

Krennwurzn: Ich glaube das geht auf Botwinnik zurück!

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Tiger: 22. ... Te7

Krennwurzn: Damit kenn ich mich aus – die Gier – eine Todsünde!!

Tiger: genau, aber 22. ... Dxe2 könnte auch schon verloren sein ...

Krennwurzn: 23. Sxe8 Txe8 24. Lxe5 Txe5 25. Txb4 mit einer Qualität für Weiß!

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Tiger: 23. Se6!! Der Tiger hat zugeschlagen und ...

Krennwurzn: genau und das soll nicht auffallen – 23. Sa6 hätte man ja auch zur Verfügung!

Tiger: Der bringt nichts außer Kopfschmerzen – viel Rechenaufwand für nichts und ein riesiger Erklärungsbedarf noch dazu!

23. Se6 hingegen ist einfach, effizient und vor allem: einfach zu erklären – auch Ihnen, liebe Krennwurzn! Es droht ein simples Matt auf g7, das sollten sogar Sie sehen und es unterbricht die Verbindung Dame Turm und damit hängt der Se5 – gut das müssen Sie im Speziellen nicht sehen!

Krennwurzn: Danke für die Blumen!

Tiger: und nach 23. ... fxe6 24. Lxe5 hängt der Turm auf b8 und der Springer auf f6!

Krennwurzn: Das sehe ich und das kann ich mit 24. ... Tf8 beides lösen!!

Tiger: und wohin geht die Dame ohne Figurenverlust nach 25. Ld3!! – darf ich diese Frage stellen?

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Krennwurzn: Opps das habe ich ...

Tiger: Genau - übersehen!!

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Tiger: Und Txf5 mit Ausnutzung der Grundreihenschwäche hätte sogar eine noch so verwelkte Krennwurzn mit geschwollenen Hühneraugen gesehen!

Krennwurzn: Jetzt werden Sie nicht überheblich! Ich habe noch etwas frisch gerissenen Kren für Ihre Augen hier!

Tiger: Ok – sorry!

Krennwurzn: Und warum erzählen Sie das Alles mir?

Tiger: Weil ich ein Problem habe und Ihre Hilfe brauche?

Krennwurzn: Mein Hilfe – da kann Ihnen nicht mehr geholfen werden!

Tiger: Doch! Sie sind der weltbeste Experte im Finden von katastrophalen Zügen!

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Ihr Lxd4 mit sofortigem Figurenverlust war einfach nur genial – wie kommt man auf solche Züge und wie bringen Sie Ihr Herrchen dazu diese tatsächlich zu spielen? Diese Frage lässt mich einfach nicht los? Wie gesagt ich manipuliere Schachpartien und das heißt ich beeinflusse BEIDE SEITEN – daher bin ich für Anticheatingsoftware und – algorithmen unentdeckbar! Wie man starkes Schach spielt, da kann ich Houdini & Co befragen, aber mir fehlt die Expertise wie man zielsicher schwache und sinnlose Züge findet!

Krennwurzn: Danke für das nichtgegebene Interview und Tschüss! Und hier ist noch was Weißes zum Einreiben der Augen – aber keine Sorge es ist keine Tigersalbe!

Aus dem Lautsprecher und von überall im Raum dröhnt es der armen Krennwurzn entgegen:

It's the eye of the tiger
It's the thrill of the fight
Rising up to the challenge of our rival
And the last known survivor
Stalks his prey in the night
And he's watching us all with the eye of the tiger
The eye of the tiger
The eye of the tiger
The eye of the tiger
The eye of the tiger 


Sie haben bisher nur Bahnhof bzw. Hafen verstanden – kein Problem und keine Ursache bei Ihnen ist alles in Ordnung – es liegt an der Krennwurzn!

Aber die Geschichte hat einen wahren Hintergrund und den können Sie in der Zeitschrift Schach Heft 2/2014 auf Seite 30 „Von Schiffen und Tigern“ von GM Daniel Hausrath lesen. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages dürfen wir Ihnen hier auch eine pdf-Version (4,3 MB) zum Lesen anbieten! 

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Außerdem wurde die Geschichte auch im Forum Schachfeld unter dem Titel "Plüschtiger am Brett" diskutiert - wobei mich der Tiger nochmals extra auf die Tatsache hingewiesen hat, dass er nicht ein Plüsch- sondern ein edler Filztiger ist und dies auch klargestellt haben möchte!
Leider wurde das Turnier von Travemünde zum 30. und letzten Male ausgetragen, wie Olaf schon vor Weihnachten bloggte.

So sah der Großmeister Daniel Hausrath die Partie zum Nachklicken:

So sah der Sieger Olaf Steffens die Partie zum Nachklicken:

Hier noch die Partien als PGN-Download

Samstag, 01 März 2014 11:34

Computerblick auf Atemlos

Diese schöne Studie von Rivkins hat Sven-Hendrik Loßin hier unter dem Titel Atemlos im Februar zum Lösen vorgestellt. Nachdem in den Kommentaren dann eine Variante zum Matt aufgetaucht ist, wurde die Krennwurzn neugierig was denn sein Computer zu dieser Studie beizutragen hat.

Also Houdini 4 mit der GUI von Deep Fritz 14 ausgerüstet mit den neuesten und platzsparenden 6 Steiner Syzygy Tablebases angeworfen. Schnell noch die Stellung eingeben – für Bequeme hier der FEN String 5RK1/8/5ppk/7p/6P1/2N5/6nP/4n3 w - - 0 1 (Neue Partie, Taste S und FEN einfügen) und schon kann es losgehen! 

Nach wenigen Sekunden findet die Maschine hier schon ein #1000 und schreibt als Hauptvariante tatsächlich ein #6

Analysis by Houdini 4 x64:

1.Se4 Sf3 2.h4 Sgxh4 3.g5+ Sxg5 4.Sd6 Sf5 5.Sxf5+ gxf5 6.Txf6#

+- (#1000) Tiefe: 30/52 00:00:24 228MN, tb=208928

Daran ändert sich auch nach längerer Rechenzeit nichts.

1.Se4 Sf3 2.h4 Sgxh4 3.g5+ Sxg5 4.Sd6 Sf5 5.Sxf5+ gxf5 6.Txf6#
+- (#1000) Tiefe: 40/61 00:23:32 12481MN, tb=24057484

1.Se4 Sf3 2.h4 Sgxh4 3.g5+ Sxg5 4.Sd6 Sf5 5.Sxf5+ gxf5 6.Txf6#
+- (#1000) Tiefe: 43/67 01:41:25 65076MN, tb=108296684

Spielt man dann 1. Se4 am Brett sinkt die Mattanzeige von 1000 auf 999 in der Variante allerdings verschwindet das Matt und sie wird bis 9. Txh4+ berechnet.

Analysis by Houdini 4 x64:

1...Sf3 2.h4 hxg4 3.Tf7 g5 4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 Sxg5 6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#999) Tiefe: 32/55 00:00:23 249MN, tb=530473

2014Atemlos2

Diese Endstellung (6K1/8/8/5Nn1/6pR/7k/8/8 b - - 0 9) ist nun ein 6-Steiner mit #15 – allerdings kann Fritz dies alleine nur mit den Syzygy-Tablebases nicht erkennen, da er nur den Übergang in ein Unterendspiel in einem Zug nach 9. ... Kh2 10. Txg4+ erkennt.

Daher ist in Let’s check ein auf den ersten Blick etwas verwirrender Eintrag zu sehen, wenn man 10. Txg4 am Brett ausführt – hier wäre wohl eine eindeutige Kennzeichnung, dass es sich um ein Tabelbaseergebnis handelt sicherlich sinnvoll.

2014Atemlos3
Wie man sieht dürfte auch die Anzeige von Stockfisch #17 nicht richtig sein, da nach Navilov dies #15 sein sollte.

Spielt man dann die Hauptvariante weiter, so bleibt die Mattansage bei #1000 und selten auch bei #999. Wer sich über die unterschiedlichen Zeiten wundert, dem sei gesagt, dass ich erstens immer so lange rechnen ließ bis ich „Entdecker“ bei Let’s check wurde und zudem auch mal andere Sachen zu erledigen hatte und daher auch überlange Bedenkzeiten entstanden sind – ist aber auch ganz interessant denke ich mal.

Analysis by Houdini 4 x64:

2.h4 hxg4 3.Tf7 g5 4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 Sxg5 6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 33/54 00:02:35 1756MN, tb=2392415
3.Tf7 g5 4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 Sxg5 6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 33/55 00:02:12 1510MN, tb=1691998

3...g5 4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 g3 6.Txf3 Kg4 7.Txg3+
+- (#999) Tiefe: 33/59 00:03:21 2204MN, tb=2211638

4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 g3 6.Txf3 Se1 7.Te3 Sg2 8.Txg3
+- (#1000) Tiefe: 36/58 00:15:36 10979MN, tb=18271428

5.hxg5 g3 6.Txf3 Kg6 7.Tf6+ Kh5 8.g6 Sf4 9.Sxg3+
+- (#1000) Tiefe: 34/69 01:27:29 62705MN, tb=12068481

5...Sxg5 6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#999) Tiefe: 50/60 00:24:22 18687MN, tb=33717243

6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 47/57 00:05:19 4033MN, tb=5431763

6...Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#999) Tiefe: 48/55 00:04:56 3767MN, tb=5030682

7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 47/55 00:04:48 3641MN, tb=5057184

7...Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#999) Tiefe: 49/53 00:05:32 4304MN, tb=5873713

8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 48/54 00:04:06 3187MN, tb=4280155

8...Sh4 9.Txh4+
+- (#999) Tiefe: 49/52 00:05:24 4111MN, tb=5335298

9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 49/55 00:07:38 5735MN, tb=8231662

Hier zum Nachspielen und als PGN-Download

Mittwoch, 01 Januar 2014 13:21

Interview mit WIM Zhansaya Abdumalik

Beim 22. Donauopen in Aschach/Donau nahe Linz in Oberösterreich spielen nicht nur immer traditionell viele Schachfreunde mit – dieses Jahr waren es über 250 verteilt auf drei Turniere – sondern aufgrund der Turnierphilosophie, dass jeder Spieler als Gast gesehen wird und nicht nach Titel und Elo präferiert wird, kommen interessante und aufstrebende Spieler gerne in den malerischen Schiffermarkt Aschach an der Donau. Dieses Jahr kam die erst 13jährige 4-fache Mädchenweltmeisterin und aktuelle U20 Vizeweltmeisterin WIM Zhansaya Abdumalik aus Kasachstan mit ihrem Vater, dem Trainer und einem Freund der Familie nach Aschach und die Krennwurzn nutzte die Gelegenheit mit einem kommenden Star des Damenschachs ein paar Worte zu wechseln.

Krennwurzn:
Zuerst einmal herzlich Willkommen und danke, dass Sie trotz Niederlage in der heutigen Partie zum Interview gekommen sind. Sie sind als Nummer 18 der Startrangliste schlussendlich auf Platz 9 und damit in den Preisgeldrängen gelandet – zufrieden oder unzufrieden mit dem Turnier?

Abdumalik:
Mit der heutigen Partie bin ich natürlich nicht zufrieden, aber ich spielte ein paar Ungenauigkeiten und mein Gegner nutzte diese gnadenlos aus – ich kann ihm nur zum Turniersieg gratulieren. Mit dem Turnier bin ich zufrieden, ich habe gute Partien gespielt und mein Rating weiter erhöht, so dass ich wohl meinen Ziel unter die Top 100 der Fraueneloliste zu kommen demnächst erreichen werde.

Krennwurzn:
Darf ich Sie bitten, dass Sie sich den Lesern ein wenig vorstellen?

Abdumalik:
Ich bin 13 Jahre alt, komme aus Almaty der mit fast 1,5 Millionen Einwohnern größten Stadt Kasachstans im Südosten unweit der Grenze zu Kirgisistan.

2014Abdumalik1
Krennwurzn:
Wie lange spielen Sie schon Schach und was sind Ihre größten Erfolge?

Abdumalik:
Ernsthaft mit Schach habe ich im Alter von 6 Jahren begonnen, dann kamen schnell Erfolge, ich wurde viermal Mädchenweltmeisterin in verschiedenen Altersklassen und heuer im November in der Türkei wurde ich Vizeweltmeisterin bei der U20 WM der Damen.

Krennwurzn:
Das ist ja beeindruckend – welche Ziele setzt man sich dann?

Abdumalik:
Zuerst möchte ich Damenweltmeisterin werden und dann möchte ich meinem Vorbild Judith Polgar nacheifern und in die allgemeine Weltspitze vordringen? 2008 bei der Blitzschach Weltmeisterschaft in Almaty konnte ich sie persönlich treffen und ein Foto von ihr mit mir machen lassen.

2014Abdumalik2
Krennwurzn:
Und dann Carlsen schlagen und Weltmeisterin werden?

Abdumalik:
Warum nicht – aber alles Schritt für Schritt!

Krennwurzn:
Ihr Trainer GM David Arutinian spielt auch mit im Turnier – wie viele Stunden trainieren Sie für Schach?

Abdumalik:
Meist um die sechs Stunden täglich, davon etwas weniger als die Hälfte mit dem Trainer.

Krennwurzn:
Bleibt da noch Zeit für andere Hobbies?

Abdumalik:
Natürlich ist die Zeit eher knapp, aber ich schwimme jeden Tag eine Stunde und gehe im Sommer bei uns in der Bergen gerne mit Freunden wandern.

Krennwurzn:
Spielen Sie für einen Klub Meisterschaft oder eher nur Turniere?

Abdumalik:
Leider gibt es in meiner Heimat wenig Turniere und auch für einen Klub Meisterschaft zu spielen ist aus geografischen Gründen schwierig, daher spiele ich meist lieber Turniere.

Krennwurzn:
Fällt das nicht schwer, immer von zu Hause weg zu sein?

Abudmalik:
Schon ein wenig, aber ich reise nie alleine – mein Vater ist immer mit dabei, mein Trainer und oft noch Freunde der Familie – hier sind wir zu Viert und es ist sehr schön hier – es gefällt uns gut in Aschach. Allerdings freue ich mich auch schon auf den heutigen Silvesterabend in Wien, da wir erst morgen von dort via Frankfurt nach Hause fliegen.

Krennwurzn:
Ich habe gesehen, dass Sie hier in Mitteleuropa in Pilsen, Brünn und Wien gespielt haben – bleibt da ein wenig Zeit sich auch die Städte touristisch anzusehen.

Abdumalik:
Leider wenig, aber wir versuchen schon die wenige Freizeit zu nutzen um touristische Ziele anzusehen – aber das Hauptaugenmerk liegt auf Schach.

Krennwurzn:
Danke für das Interview und Alles Gute für 2014 und vielleicht besuchen Sie uns nächstes Jahr wieder!

Turnierergebnisse, Partien, Fotos des Schachfotographen IM Peter Kranzl, Rundenberichte der Krennwurzn und vieles mehr finden Sie auf der Internetseite des 22. Donauopen Aschach. Vielleicht haben auch Sie mal Lust, die Krennwurzn live und in Farbe kennenzulernen oder aber wollen Sie einfach nur einmal ein „Turnier bei Freunden“ spielen und die Atmosphäre in Aschach genießen!