Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.
Montag, 27 August 2018 20:46

HH - HB: Roland Michel's coming home!

Diese Bremer! Über Jahre hielten sie im prestigeträchtigen Vergleichskampf "Hansestädter spielen Schach" gegen Hamburg den Ball ganz ganz flach, verloren mal hier, verloren mal dort, und eigentlich war es stets die andere, die größere Stadt an der Elbe, die die inoffizielle hansestädtische Mannschaftsweltmeisterschaft für sich entschied.

Hamburg rules, doch offenbar nicht für immer - denn kaum hatten Boris Bruhn, Chef des Hamburger Schachverbandes, und Oliver Höpfner, ebensolcher Chef des Bremer Komitats, in diesem Jahr erstmalig einen Pokal ausgelobt für die siegreiche Équipe, schon rissen sich die Bremer am Riemen und zack!, gewannen das große 2018er Match mit einem verwegenen und durchaus historischen 32,5 : 27,5 Erfolg in Hamburg. Auswärtssieg, Pokalsieg - was für ein Tag für das Bremer Schach!

Der prunkvolle Roland-Michel-Pokal, so heißt die nach den beiden Wahrzeichen Michel (Hambuurch) und Roland (Brrremen) sehr hübsch benannte Trophäe, wird nun für zwölf Monate einen würdevollen Platz in den Bremer Stadtmauern erhalten und Ruhm, Ehre, Ansehen und Reichtum der Hansestadt mehren.

Präs
            Boris Bruhn und Oliver Höpfner eröffnen die Spiele

HH HB 1
Ehre wem Ehre gebührt: der Roland-Michel-Pokal geht an das Bremer Team!

Selbst die Älteren unter den Bremern vermochten sich nicht daran zu erinnern, dass es in diesem noch sehr jungen Jahrtausend jemals einen Bremer Sieg gegen Hamburg gegeben hatte (außer wenn Werder Fußball gegen den HSV spielte natürlich, und da dann (leider) auch umso öfter).

Doch im Schach, und darum geht es ja in unserem kleinen Blog, da waren die Hamburger einfach immer zu stark gewesen. Andreas Calic, ein profunder Kenner des bremischen Schachs, wusste zu berichten, dass dieser norddeutsche Vergleichskampf allerdings eine sehr lange und schöne Tradition hat, und schon nach dem Krieg in den späten Vierzigern waren wohl um die 100 Bremer zu einem großen Match an die Elbe gereist.

Und vorher!, hundert Jahre und mehr ist es her, auch da schon hieß es Bremen-Hamburg, oder Hamburg-Bremen, immer wieder, ein Highlight des jährlichen Turnierkalenders im Norden. Oft besuchten sich auch weniger die Landesverbände als eher die großen Vereine der Stadt, in Gestalt der Bremer Schachgesellschaft von 1877 und ihres Hamburger Gegenparts.
So war die 2018er- Auflage in den Worten von Andreas mit einem Match an dreißig Brettern zwar nicht die größte, doch immerhin die neueste in dieser langen Reihe von freundschaftlichen Veranstaltungen. Es ist wundervoll und auch inspirierend, dass diese Tradition in 2018 eine weitere Fortsetzung fand, toll und gemeinsam organisiert vom Hamburger und Bremer Verband - und Kinners, was vergeht die Zeit doch immer schnell!

BSG Hamburger Schachheim 1924
Ein Blick zurück: 1924 empfängt die Bremer SG das Hamburger Schachheim
                                                     Foto: Schach-Archiv der Bremer Schachgesellschaft (super!)

Gegen Bremen kamama verlier'n

Dreißig wackere Bremer machten sich also am letzten August-Sonntag auf den Weg, erst fix mit der Bahn bis Hamburg Hauptbahnhof, dann mit der Unter(?)grundbahn U3 überraschenderweise über der Erde entlang der Elbe bis zum Schlump. Und dort, im Hamburger Haus des Schachsports, empfingen dreißig ausgewählte Elbstädter ihre Gegner für zwei mittellange Schachpartien mit je einer Stunde Bedenkzeit (kein Zuschlag!).

HH HB 3
Das Haus des Schachsports am Schlump  (Foto: Andreas Calic)

Hamburg war dabei vollauf mit seiner Gastgeberrolle ausgefüllt, und Boris Bruhn (siehe oben, der Hamburger Vorsitzende) war zusammen mit seinem Landesturnierleiter Hendrik Schüler vollauf beschäftigt, für die insgesamt 60 Denksportler Kaffee zu brauen, die feine Hamburger Mischung, ganz in der großen Kaffee-Tradition der Hansestadt (Tchibo! Darboven!). So fehlten Boris und Henrik allerdings am Brett, während Präses Höpfner (Bremen) mit seinen Mannen Schulter an Schulter am Brett sitzen konnte und gegen einen Schachfreund aus Fischbek zwei wichtige präsidiale Punkte angelte.

Webner
Ein vortreffliches Handgemenge bei Ole Poeck (HH) - Dennis Webner (HB). Mit sechs
Sekunden auf der Uhr setzte Dennis am Ende noch Matt!

Calic
Die Kunst der Springerführung - Andreas Calic spielte die Eröffnung wie Jörg Hickl
und holt einen wichtigen Punkt!

Während Team Hamburg sowohl an den oberen Brettern (2 starke IMs!) als auch an den unteren Brettern favorisiert schien, brachte Team Bremen an den zahlreichen mittleren Brettern die leicht höhere DWZ an den Start. Da konnte auch Fritz Fegebank, Urgestein von den SF Hamburg (und seit vielen, vielen Jahren... treues Werder-Mitglied) nichts ändern, denn im Mittelbereich sammelten die Bremer gerade am Vormittag deutlich Punkte. Und obwohl Dirk Stieglitz sich zwischenzeitlich sogar von einer HSV-Wespe angegriffen wähnte, fuhr seine Mannschaft letztlich einen klaren 17,5:12,5- Auftaktsieg ein. Fünf Punkte vor, das war schon mal ein Pfund vor dem Rückspiel am Nachmittag, und beruhigend, denn immerhin ging es ja in diesem Jahr um den Roland-Michel-Pokal!

Nach einigen recht mauen Turnierergebnissen in den langen letzten Monaten und leichter Schachunfreude noch während der Anreise startete auch ich gut in den Tag:

Steffens Serrer
Olaf Steffens - Christoph Serrer: Schwarz am Zug sicherte
mit 10. ... Sb8-a6 das Feld c7.
Was war darauf eine gute Antwort?

Es ist wahrscheinlich nur ein schöner Zufall, dass im Haus des Schachsports im Erdgeschoss eine Burger-Bar logiert - nach dem wohltuenden Ergebnis am Morgen konnten die Bremer hier gleich noch ein paar schöne (Achtung, Kalauer) Hamburger verputzen!

Im unvermeidlichen Rückkampf wurden streng die Bretter gedreht, und dieselben Gegner beharkten sich aufs Neue. Team Hansestadt Hamburg blies noch einmal energisch zur Aufholjagd, und tatsächlich wackelten einige Bremer Stellungen bedenklich im Elbwind hin und her. Doch dann, Überraschung, ein solides 15:15 auch am Nachmittag, und wenn man dann beide Ergebnisse zusammenzählte ... ein klarer Gesamtsieg für die kleinere Hansestadt!

"Nach so einer bitteren Niederlage wird traditionell der Trainer gefeuert - dummerweise hatten wir gar keinen." (Hauke Reddmann, auf der Seite des Hamburger Schachverbands)

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Team Wesertiger vor der Heimreise:
             wer entdeckt den Roland-Michel-Pokal?      (Foto: Andreas Calic)

Danke an die Hamburger für einen schönen Tag voller Schach - Ihr wart tolle Gastgeber. Wir Bremer freuen uns (vor allem über den Pokalsieg, aber auch) auf den Rückkampf im nächsten Jahr. Dann wird neu ausgespielt. Hummel Hummel!

Ein buntes ELO-Treiben und viel Kaffee erwartet die Besucher ab heute in den Vereinsräumen des SV Werder Bremen. Ab 14 Uhr werden die ersten Züge gespielt im Werder Bremen IM-Turnier 2018, bei dem junge Talente aus dem Nordwesten und auch von weiter weg die Figuren aufspielen lassen gegen renommierte Titelträger aus internationalen Landen - aus Schweden, Polen und der Ukraine.

Kommentiert von Werder-Coach Matthias Krallmann und ebenso von GM Sigurds Lanka entstehen dabei täglich neue spannende Konstellationen im Rennen um Preisgeld, Ruhm, Ehre, ELO-Punkte und vor allem natürlich auch eine begehrte IM-Norm.

In dem von Dr. Oliver Höpfner, dem Vorsitzenden der Werder Schachabteilung, gemeinsam mit Wolfgang Pajeken, Trainer der Bremer Schachjugend, angebahnten Wettbewerb begibt sich ein sehr interessantes Teilnehmerfeld an die Bretter. Regionale Spieler aus Bremen und drumherum sind Jari Reuker (SV Union Oldenburg und Deutscher U18 Meister (!), Spartak Grigorian (Werder Bremen und ehemaliger Deutscher U18-Meister (!), David Kardoeus (SV Werder, Bremer Vizemeister der Herren 2018), Nikolas Wachinger (SV Werder, Dritter der Deutschen U16-Meisterschaften 2018) und Sven Charmeteau (SV Werder Bremen, FIDE-Meister und erfahrenes, wenngleich junges Urgestein der Werder Zweitliga-, Europapokal- und Blitzmannschaft!)

https://www.werder.de/de/schach/aktuell/informationen/news/2018/int-20180521-kra/

Hier eine Übersicht über die SpielerInnen und die von ihnen genannten größten Erfolge, mit Umsicht kompiliert von Stephan Buchal für das aktuelle Werder Schachmagazin:
 
GM Miroslav Grabarczyk (POL)
Jahrgang 1971
ELO 2402
Schach-Professional
• Polnischer Vizemeister 1993 und 1995
•1. Platz in Rivoltella del Garda 2009
 
IM Björn Ahlander (SWE)
Jahrgang 1963
ELO 2435
IT-Professional
• 4. Platz im Kadetten World-Cup 1980
• Mehrere erste Plätze in schwedischen Open
•2. Platz im Malta Open 2015
 
IM Viktor Skliarov (UKR)
Jahrgang 1993
ELO 2359
Lehrer für Mathematik und Physik
• Meister von Kiew
• 3.Platz ukrainische Mannschaftsmeisterschaft
• IM-Titel!
 
WIM Filiz Osmanodja (Dresden)
Jahrgang 1996
ELO 2352
Studentin (Medizin)
• Vizeweltmeisterin 2014 U18w in Südafrika
• IM-Norm bei der Frauen-EM 2018
 
FM Oleksii Molchanov (UKR)
Jahrgang 1991
ELO 2350
Schach-Trainer
• Meister Region Zaporizhzhya (2014 und 2017)
• Meister Region Odessa (rapid 2011)
• 3. Platz ukrainische Mannschafts-Meisterschaft (2015)
 
FM Sven Charmeteau (FRA, Werder)
Jahrgang 1991
ELO 2287
Student (Maschinenbau)
• Teilnehmer Jugend-WM U14 2005
• 5. Platz franz. Jugendm. U16 2006
• 1. Platz Open de Gonfreville 2013
 
Jari Reuker (Oldenburg)
Jahrgang 2001
ELO 2389
Schüler
• 1. Platz Bremer Silvester Open (2017)
• 1. Platz DJEM U18 (2018)
 
Spartak Grigorian (Werder)
Jahrgang 1998
ELO 2359
Student (Logistik)
• 1. Platz DJEM U18
• 2. Platz DJEM U16
• IM-Norm beim ECC 2016 in Novi Sad
 
David Kardoeus (Werder)
Jahrgang 1997
ELO 2226
Auszubildender (Mechatronik)
• Bremer Vizemeister 2015 und 2018
• Sieg im Qualifikationsturnier Ramada-Cup A-Gruppe
• Nord-West-Cup 2018 (Platz 13)
 
Nikolas Wachinger (Werder)
Jahrgang 2003
ELO 2292
Schüler
• 6. Platz "Young Champions" Uppsala
• Bremer Jugendmeister 2018
• 3. Platz DJEM U16 (2018

 

Mehr Informationen zum Teilnehmern, Paarungen und Spielzeiten auf der Turnierseite:

https://www.werder.de/schach/turniere/werder-im-turnier/2018/

Alle Spiele werden live ins Netz übertragen und rauben damit leider der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland einige Zuschauer. Doch das sei in Kauf genommen - Schach ist ja der Brudersport des Fußballs, und somit soll das wohl in Ordnung sein. Hier geht es zu den Live-Partien:

http://view.livechesscloud.com/5389b71c-a89c-4c94-b54f-c0464d1a37bc

Und damit gleich zur Partie Molchanov (Ukraine) - Grigorian (HB) aus Runde eins:

Molchanov Grigorian

Foto: DGT Liveübertragung

Schwarz hat bereits ausgeglichen und drängt nun die weiße Dame zurück nach d2.

a) Mit welchen interessanten Idee würzte Spartak Grigorian den weiteren Spielverlauf? (Tipp: wiir sagen "Lasker-Bauer"!)

b) Und: gewinnt Schwarz mit diesem Motiv, oder hat Weiß danach Vorteil?

c) Und warum endete es dann am Ende doch Remis?

Die Lösung zu diesen und weiteren die Welt betreffenden Fragen findet sich hier.

Spartak

                                       Spartak mit inspiriertem Start in das Turnier

******

Als weiteres Highlight der Bremer Schachwoche hat die Bremer Schachjugend einen Wettkampf "Meister gegen Talente" ausgerufen und dafür sowohl einige der allerstärksten Jungspieler der Hansestadt als auch fünf renommierte, etablierte und versierte Spieler aus Bremer Ligen als Gegner gefunden. Sie alle werden sich in einem Scheveninger System- Turnier mit den fünf Vertretern der jeweils anderen Gruppe behaken - schauen wir, wer am Ende die Nase (oder den Freibauern, oder den König) vorne hat!

https://www.werder.de/de/schach/aktuell/informationen/news/2018/int-20180616-kra/

Zu allen Veranstaltungen, Spielen, Kommentierungen sind ZuschauerInnen wie immer herzlich willkommen. Bis bald, in der Hemelinger Straße 17 im Werder Vereinsheim!

Wir könnten heute schon wieder über Vieles berichten. GM Jörg Hickl wäre doch eigentlich mal ein sehr würdiges Thema, oder warum manche Norweger so stark Schach spielen, wir selber aber nicht.

Auch das Ende der Deutschen Amateurmeisterschaft, wie wir sie kennen, wäre vielleicht mal einen kleinen Besinnungsaufsatz wert - den Insidern bzw. den Älteren so wie mir ist der Wettbewerb ja noch bekannt als Ramada Cup, der sich über Jahre und Jahre als überaus wuchtige Turnierform im ganzen Bundesgebiet und rund um Hannover etablierte, nun aber getrennt von Chef-Organisator Dr. Dirk Jordan überraschend und plötzlich eigene Wege gehen wird.

Wir wissen nichts ganz Konkretes, hörten jedoch, dass der Schachbund unseres Vertrauens mit diesem oder jenem größeren Detail im Ablauf nicht mehr so ganz glücklich war. Daher danken wir zunächst für sehr viele schöne Jahre am Ramada-Schachbrett, und hoffen, dass sich alles wie immer zum Guten wenden wird - turniertechnisch und hinter den Kulissen.

Ja, darüber und über noch viel mehr könnten wir schreiben, doch a) ist das Wetter fast viel zu gut dafür, und natürlich b) wer soll das alles denn lesen? Darum gehen wir mit der Zeit und verknüpfen einfach mit einem schicken Video, verbunden mit dem Hinweis: Hey Leute, geht in diesen Film!

 

Empfohlen sei daher heute "In den Gängen", eine originale Geschichte aus dem Handel - Waren müssen eingeräumt werden, Nachtschichten gefahren, Gabelstapler bewegt. Hier sind noch Menschen in Bewegung, und nicht nur, dass sie zusammen arbeiten, auch sieht man, wie die Arbeit ihnen - wie auch uns anderen - Halt gibt im Alltag, im Leben, und die lieben KollegInnen zwar nicht Familie werden, aber doch ziemlich nahe ranrücken.

Und was soll man sagen - auch gespielt wird in den Gängen, Schach!, das königliche Spiel der Reihen und Linien, denn so viel Zeit muss ja sein auf Nachtschicht. Recht so!

Falls also heute kein Schach auf dem Plan steht und eigentlich auch sonst nichts anliegt - auf ins Kino, Leute, in einen sehr, sehr hübschen Film! Und Details über GM Jörg Hickl berichten wir dann ein andern Mal.

Diese Döschers - Arne Döscher und Thorsten Döscher, beide sind sehr langjährige und prägende Mitglieder im SK Bremen-Nord, und nun auch beim Deutschen Pokalfinale in Leipzig!

Einer der beiden, Arne (Döscher), hatte bereits vor einigen Jahren das Viertelfinale dieses schönen Turniers erreicht und war dann am Badener Hartmut Metz gescheitert. Aber immerhin, der Sprung unter die letzten Acht im Dähnepokal auf Bundesebene, das war mal was!
Und so ließ sich nun auch der andere Döscher - Thorsten seines Zeichens - nicht lange bitten.Erst gewann er in einer fulminant angelegten Finalpartie auf Bremer Ebene gegen (leider) den Berichterstatter - und dies, obwohl es (gleichfalls leider!) ja in Bremen gar keinen schmucken Wanderpokal mehr zu gewinnen gibt, was ein durchaus Trübsinn bereitender Umstand ist.

Aber Thorsten wäre nicht Thorsten und schon gar nicht ein Döscher, hätte er davon unbeeindruckt nicht trotzdem den Pokalsieg unserer kleinen Hansestadt konsequent eingetütet, um alsdann wie sein Bruder mit wehenden Fahnen zum aktuell in Leipzig stattfindenden Bundesfinale reisen.
Und wehende Fahnen waren es in der Tat, Bremer Fahnen, Speckflaggen!, denn mit Bravour gewann Thorsten heute erst die frühmorgendliche Partie gegen den favorisierten Leipziger Manuel Pietzsch, nur um dann am Nachmittag mit den schwarzen Steinen gegen Wilfried Woll aus Greifswald souverän zum nächsten Punkt zu kommen. Chapeau! 
(Der Berichterstatter mühte sich derweil in der parallel stattfindenden Endrunde der Deutschen Amateurmeisterschaft, kam aber bei bisher zwei knappen Remisen bei weitem nicht mit so viel Elan aus den Startlöchern des Wettbewerbs wie sein hanseatischer Kollege aus Bremen-Nord.)

Damit hat Thorsten nun in der innerfamiliären Döscher-Wertung gleichgezogen und ebenso wie Arne das alldeutsche Viertelfinale erreicht. Morgen setzt er sich ans Brett gegen Markus Müller vom SC Niedermohr- Hütschenhausen - so schöne Vereinsnamen haben wir in Bremen zwar nicht unbedingt, gleichwohl drücken wir kräftig die Daumen und wünschen Thorsten einen weiteren starken Pokalfight in Leipzig. Morgen um zehne geht es los - mit Liveübertragung, wenn alles gutgeht:

Live-Bretter des Deutschen Pokalfinales

Und sonst so? Musik!

Donnerstag, 24 Mai 2018 09:10

Meister gegen Meister

Solingen ist heute nicht zu Hause. Am kommenden Samstag, da trifft sich das bundesdeutsche Blitzschach im schönen Bergischen Land und spielt den Mannschaftsmeister aus, doch vorher reisen die - Klingenstädter nochmal über Land und treffen sich heute in Baden-Baden mit Baden-Baden 1, dem anderen Schwergewicht der Schach-Bundesliga. Angesetzt für heute! ist der große, finale und alles entscheidende Stichkampf um die Deutsche Meisterschaft, nachdem beide Mannschaften punktgleich über die Ziellinie der Liga gekommen waren, deutlich und noch vor Werder Bremen. Den regulären Kampf unter der Saison hatte Solingen für sich entschieden, am Ende aber lag Baden-Baden nach Brettpunkten vorne - so gesehen ist ein Stichkampf die salomonischste Lösung. Heute also - live im Netz und an den Brettern, das Spiel um Platz Eins!

Überschattet und mehr als überlagert wird diese Begegnung vom plötzlichen Tod von Herbert Scheidt, dem Solinger Mannschaftsführer, prägendes Urgestein, Team-Captain, Seele und Organisator der ersten Liga in Solingen und schon seit ewigen Zeiten dabei. Er verstarb am vergangenen Sonntag mit 73 Jahren an den Folgen eines schweren gesundheitlichen Zwischenfalls, und wenn man heute in Baden-Baden ist, wird er einem schon jetzt fehlen, Herbert Scheidt, in seiner humorvollen, leicht knorrigen Art, voller Geschichten (Spassky! Europapokal! Liga-Anekdoten!) und mit immer in der Nähe seiner Solinger Jungens, die so wie er früher nun für die Stadt an den Brettern sitzen. Schade ist es, Herbert ist nicht mehr da, oder - er ist nun anderswo, und wir wünschen ihm auch dort von Herzen alles Gute.

Mehr zu Herbert Scheidt und seinem großen Engagemen im Schach schreibt André Schulz bei Chessbase - hier ist der Link:

https://de.chessbase.com/post/zum-tod-von-herbert-scheidt

Heute also Stichkampf - und mehr dazu bei der Schachbundesliga direkt:

https://www.schachbundesliga.de/bundesliga/stichkampf-um-die-deutsche-meisterschaft-am-24-mai

Wir drücken die Daumen, möge der Bessere gewinnen!

Ei jei jei - nun wird es aber Zeit! Seit gut einer Woche ist die Bundesliga-Spielzeit 2017/2018 vorüber, und höchste Eisenbahn daher, das dazugehörige knifflige Tippspiel aus dem Herbst 2017 aufzulösen - denn sicher harren unsere LeserInnen doch schon voller Ungeduld der Ergebnisse!

Leider macht es La Bundesliga in diesem Jahr besonders spannend und es wird sozusagen eine Ehrenrunde gedreht. Baden-Baden, die Jungens von Sven Noppes vom Rande des Schwarzen Waldes, werden sich in einem Stichkampf mit der SG Solingen aus dem Bergischen Land beharken müssen, kamen doch beide zugleich mit sehr satten 27:3 Mannschaftspunkten über die Zielgerade. Stichkampf also - wann, wer, wohin, das weiß man noch nicht, und ebensowenig wie es ausgehen wird, doch ein wachsamer Blick auf die Heimseite der Schachbundesliga wird in Kürze nähere Details offenbaren. So ist es angekündigt, und bald wird man dort alles finden. Wir sind gespannt!

noppes
Aufwärmen für den Stichkampf: Sven Noppes (Baden-Baden) und Peter-Heine Nielsen (Baden-Baden)

Das gibt uns Gelegenheit, mit Stil und Muße das Tippspiel auszuwerten, wenngleich noch gar nicht alle Fragen beantwortet werden können. Noch ist ja gar nicht raus, was die richtige Antwort ist auf Frage c) Wer wird Meister? Dennoch, die dafür vergebenen 0,25 Punkte behandeln wir flexibel und legen sie am Ende einfach obendrauf.

Nun aber Schritt für Schritt zur Aufösung:

Frage a) Welchen Platz wird der SV Hofheim am Ende belegen?

Richtige Antwort:Wer hätte das gedacht - ein ganz offizieller 12.Platz für den Liga-Newbie. Wir gratulieren!

3 Punkte für MiBu, Lowscore, Profelo und Holger Hebbinghaus

 

Frage b) Wie viele Brettpunkte wird Deizisau im Spiel gegen seinen großen Bruder Baden-Baden holen?

Richtige Antwort: 2,5 Brettpunkte. (Die jungen Jungens vom Sven Noppes Farmteam zeigten sich dem Alte-Hasen-Team von Sven Noppes diesmal noch nicht ganz gewachsen.)

2 Punkte (deux points) für MiBu, LowScore, Michael Niefünd, Holger Hebbinghausen und für Profelo

noppes
Mehr war diesmal noch nicht drin für den Neuling: Sven Noppes (SF Deizisau) und Peter-Heine Nielsen (Baden-Baden)

 

Frage c) Wer wird Meister?

Richtige Antwort: siehe oben, Stichkampf - und daher. Gemach, Gemach.

0,25 Punkte werden beizeiten dazugerechnet, wenn Baden-Baden im Stechen obsiegen sollte für den visionären MiBu sowie für ta, LowScore, Holger Hebbinghausen, Michael Niefünd

0,25 Punkte erhält dagegen Profelo, sollte Solingen gewinnen!

 

Frage d) Welche vier Teams werden die letzten vier Plätze belegen?

Richtige Antworten: SK Norderstedt (trotz tollem Schlussspurt!), FC Bayern München, SG Speyer-Schwegenheim und MSA Zugzwang München

1,5 Punkte für jede korrekte Vorhersage:

6 Punkte: der unglaubliche LowScore! Und auch vier richtige Tipps von Profelo = 6 Punkte.

4,5 Punkte: MiBu, Holger Hebbinghaus, Michael Niefünd

3 Punkte: ta (wer immer das auch ist), Olaf Steffens (wer immer das auch ist)

Bayern München

Die Bayern (hier mit Solingen bei der Blitz-DM in Schifferstadt 2016) müssen erstmal gehen - aber die roten Teufel kommen sicher wieder!

 

Frage e) Welche Équipe holte am allermeisten Brettpunkte gegen Baden-Baden I ?

Richtige Antwort: die SG Solingen (4,5 Punkte gegen das Schwarzwaldteam), dicht gefolgt vom ... Hamburger SK (4 Punkte!)

2 sehr ehrenvolle Tippspiel-Punkte für MiBu, LowScore, Holger Hebbingshaus, Michael Niefünd und Profelo

 

Frage f) Und wer wird eigentlich Vizemeister?

Richtige Antwort: weiß man ja auch noch nicht!

2,75 Punkte, falls Klingenstadt Solingen Zweiter wird: LowScore, Olaf Steffens, Michael Niefünd

2,75 Punkte, falls Baden-Baden Zweiter wird: Prof. ELO

 

Frage g) Wie viele der 20 möglichen Punkte wird der unangefochtene Schachwelt-Tippspiel-König Holger Hebbinghaus in diesem Tippspiel holen?

Richtige Antwort: mal gucken! Holger hat ohne diese Frage g) erst einmal 13,5 Punkte erstritten, eventuell zuzüglich von 0,25 Punkten aus Frage c) (Wir warten schon sehr gespannt auf diesen Stichkampf!).

Holger selbst hat 14,25 Punkte für sich getippt, und liegt damit innerhalb der erlaubten Abweichung von einem Punkt. Alles richtig gemacht, Holger, und zwei Punkte aus dieser Frage für Dich! Holger kommt damit auf insgesamt 15,5 Punkte.

(Mit Dank an Profelo räumen wir ein, dass Holger mit seinen nun 15,5 Punkten deutlich über seinem eigenen Tipp liegt und damit die zwei Punkte aus der Frage g) eigentlich nicht erhalten darf. Aber was soll's - wir geben sie einfach, sonst wird es alles zu kompliziert, und wir sind ja hier auch unter uns.)

Richtige Antwort also: 15,5 Punkte

2 schöne Punkte für ta, LowScore, Michael Niefünd und ProfElo (Punktlandung - genau 15,5 Punkte getippt!)

 

Frage h) Wer wird am häufigsten in der Liga aller Ligen spielen: Ilja Schneider (SF Berlin), Frank Zeller (Schwäbi' Hall), Falko Meyer (Norderstedt), Jörg Hickl (SV Schachwelt Hofheim) oder Vincent Keymer (SF Deizisau) ?

Richtige Antwort: Ilja 11x, Frank Zeller 11x, Falko Meyer 8x, Jörg Hickl Schachreisen 0x, Vincent Keymer 11x!

Das heißt, volle Punktzahl für die Tipps "Ilja Schneider", "Frank Zeller" und "Vincent Keymer". Kein Punkt dagegen für den Tipp "Jörg Hickl"!

2 Punkte für MiBu, Olaf Steffens, Holger Hebbinghaus, Michael Niefünd, Profelo

 Schwetzingen 11
                      Frank Zeller? Falko Meyer? Jörg Hickl? Vincent Keymer?

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Hätten wir doch bloß Raketentechnik studiert, dann wäre das Auswerten dieses 2017/2018 Tippspiels sicher total unkompliziert gewesen. So aber - komplexe Berechnungen, tiefe Recherchen, feinste Punktabstufungen! In der kommenden Saison muss das wieder einfacher werden. Für heute verkünden wir den aktuell vorläufigen Zwischenstand des diesjährigen Tippspiels (und befürchten schon einmal prophylaktisch, dass da noch allerlei Berechnungsfehler drinstecken):

MiBu: 13,5 plus eventuell 0,25 Pkt (Frage c)

LowScore: 15 Punkte plus evtl. 0,25 (Frage c) und 2,75 (Frage f)

ta: 5 Punkte plus 0,25 (Frage c)

Olaf Steffens: 5 Punkte, plus u.U. 2,75 (Frage f)

Holger Hebbinghaus: 15,5 Punkte, plus evtl. 0,25 aus Frage c)

Michael Niefünd: 12,5 Punkte, und noch 0,25 und 2,75 dazu, wer weiß

Profelo: 17 Punkte (!!) und womöglich noch 0,25 (Frage c) und 2,75 (Frage f) dazu. Das wären dann insgesamt schon ... 20 Punkte von 20 möglichen! Chapeau!

 

Soweit für heute. Hier nochmal die Staffelung der erlesenen und internationalen Preise, getreu dem Motto "The winner takes it (beinahe) all", und in Kürze dann das Endergebnis:

Platz 1) Ein fabrikneuer Volkswagen Golf Eine schöne, aber nicht mehr komplett neue DVD "Public Enemies" mit Johnny Depp ("Basierend auf der wahren Geschichte von Amerikas berühmtesten Bankräuber - John Dillinger")

Platz 2) Eine sehr sehr feine Tafel der berühmten Bremer Stadtmusikanten-Schokolade von Hachez

Platz 3) Rum Ruhm und Ehre – wir kommentieren eine von Euch eingereichte Partie hier im Blog (so Ihr es denn wollt).

 

Bis bald, liebe LeserInnen, und großes Kompliment, wenn Ihr die Punktauswertung bis hierhin durchgelesen habt - war ja irre viel diesmal. Und wo ist der Sinn? Aber egal, ich esse jetzt erstmal Bio-Chips, denn das sind die Besten. Bis bald, am Schachbrett oder so!

Freitag, 09 März 2018 08:26

Berlin Intellectual Fight Club

Die Berliner Kandidaten sind in der Stadt - heute wird die Qualifikation für den WM-Kampf eröffnet, und morgen geht es an die Bretter. Hurra! Was für ein Geschenk, und wie klasse, dass so ein Turnier mal nicht im fernen Sibirien, Usbekistan oder Kirgisien ausgetragen wird. So kann man fast selber einmal hinfahren und Sergey Karjakin, Ding Liren oder S. Mamedjarow  über die Schulter gucken. Oder - Boris Becker!, denn auch der ist eingeladen.

Auch wenn es eine eigene Turnierhomepage gibt, ganz offiziell, bereitet der Deutsche Schachbund auf seiner Kandidaten- Webseite alles sehr informativ auf. Und weil mir die Optik und Bildgestaltung der offiziellen worldchess-Seite nicht so behagt, bleibe ich lieber beim DSB. Oder bei Chessbase, dem Schachticker, und bei Chess24 - da ist es ja auch ganz schön!

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Einen Tag vor Turnierbeginn hüllt sich die offizielle worldchess-Seite zu den Paarungen noch in Schweigen.
Aber hey, morgen ist ja auch noch ein Tag. Oder übermorgen.

Auch André Schulz bei Chessbase deutet in seinem Vorbericht eine ausbaufähige Optik der worldchess-Seite an, wenn es um die Bilder der acht teilnehmenden Spieler geht. Worldchess hat achtmal zeichnen lassen (von einem Computer, vielleicht?), und André Schulz fand an anderer Stelle acht andere Bilder mit deutlich mehr Wärme, Stil und Charakter. Wir sagen natürlich: Daumen hoch für die Bilder von Mariya Yugina!

Ab morgen also: Kandidaten! Noch ist das internationale Schachwelt-Tippspiel dafür freigeschaltet, und ein wunderbarer erster Preis wartet auf seinen Gewinner. Macht's gut, und bis bald vielleicht, in Berlin!

PS Und was war das nun mit der Überschrift, und dem Intellectual Fight Club? Für die Erklärung reichen zwei Worte: Kreuzberg, und - Schachboxen! Passt ja auch gut zum Kandidatenturnier. Wobei, wie wäre es denn mal mit American Football?

Hei, was hat der Weltverband sich da schon wieder gedacht? In wenigen Tagen schon richtet unsere große Mutter FIDE das Kandidatenturnier 2018 in Berlin aus, und wer ist nicht dabei? Magnus Carlsen, der stärkste, schnellste und norwegischste Spieler der Welt! Zwar steht der junge Skandinavier schon seit langem an der Spitze der Weltrangliste, doch genützt hat ihm das offenbar nicht viel.

Statt GM Carlsen hat die FIDE lieber acht andere Großmeister eingeladen, um alsbald in Berlin den Weltmeister zu ermitteln - teilweise weil sie wie Levon Aronian einfacher eine Unterkunft in der Bundeshauptstadt finden werden, teils weil sie besser Russisch sprechen (Grischuk, Kramnik, Karjakin), und vermutlich auch, weil ihre Namen - Fabiano Caruana, Ding Liren - unter Marketingaspekten einfach nach mehr klingen.

Pech für Carlsen, könnte man meinen - da wird der WM-Titel in diesem Jahr wohl ohne ihn ausgespielt. Ein ziemlicher Affront in der Tat, denn man hätte meinen sollen, dass Carlsen als noch amtierender Weltmeister doch eigentlich dabei sein sollte. Ist er aber nicht - und einmal mehr wirft dies einen dunklen Schatten auf die Auswahlkriterien, die die FIDE bei der Spielerauswahl zum Berliner WM-Turnier zugrundegelegt hat.

bowie sichert sich den pokal 2018: Kein Weltpokal für Magnus?

Doch Hoffnung naht - denn wie wir aus zuverlässiger Quelle erfuhren, hat es nun aber hinter den Kulissen des Turniersaals mächtig Ärger um den Nominierungsprozess gegeben. Im direkten Austausch mit dem ehrwürdigen FIDE-Chef-Unterhändler für Berlin und Bermuda-Shorts, Zurab Azmaiparashvili, ist es Carlsens Manager Espen Agdestein offenbar gelungen, eine Sonderregelung für seinen Schützling zu erwirken.

Mit der Drohung, die "Play Magnus"-App aus dem gesamten Internet zurückzuziehen, in Verbindung mit der Ankündigung Carlsens, bei künftigen FIDE-Turnieren noch später als bisher schon ans Brett zu kommen und den Rundenbeginn damit um weitere Minuten zu verzögern, erreichte Agdestein offenbar ein Umdenken beim Weltverband.

Ganz der Verfechter von good sportsmanship, als den wir ihn kennen und verehren, verfügte Azmaiparashvili heute, dass Magnus Carlsen im Herbst und in London gegen den Gewinner des Berliner Turniers einen zwölfrundigen Wettkampf um den endgültigen Weltmeistertitel spielen möge. Aufatmen bei allen Play Magnus-Fans! Somit verliert die Veranstaltung in Berlin ein wenig von ihrem Glamour, denn der strahlende Sieger wird nicht mehr wie geplant Weltmeister, sondern nur noch ein schnöder Qualifikant sein für einen weiteren Stichkampf um die allerhöchste Krone. Aber hej, auch das kann ja ganz schön sein, und wann kommt man sonst schon mal nach London? Freuen wir uns also, denn zumindest rein turniertechnisch ist die Welt jetzt wieder in allerbester Ordnung.

 

T I P P S P I E L ! T I P P S P I E L ! T I P P S P I E L ! T I P P S P I E L !

 

Nun aber zum WM-Turnier in Berlin. Wir unterbreiten unseren verehrten LeserInnen und Leser die durchaus überraschende Frage:

Wer wird sich für den WM-Stichkampf mit GM Magnus Carlsen qualifizieren?

Der Deutsche Schachbund stellt die Spieler auf seiner Kandidaten-Spezialseite vor - wir ergänzen daher nur noch ein wenig, auch um Speicherplatz zu sparen. Dank auch und Grüße an den DSB - reichlich getrommelt wird anlässlich des Turniers, und als Mit-Organisator steht der Schachbund ja auch unterstützend bei dieser tollen Veranstaltung zur Seite.

Zur Auswahl als mögliche Fast-Weltmeister stehen:

a) Ding Liren: ein Chinese und Nicht-Russe. Hat schon schöne Partien gespielt, aber ob das für das höchste Amt in der Schachwelt reichen wird?

b) Fabiano Caruana: Ging in die Geschichte ein, als er 2014 sieben Turnierpartien in Folge gewann - und das nicht bei den Bremer Meisterschaften, sondern beim starken Super-GM-Super-Turnier in St. Louis. Hoppla! Seitdem ist es etwas ruhiger geworden um Fabiano, doch stark und irgendwie tiefgründig ist er noch immer.

c) Sergej Karjakin: kennt sich aus mit Magnus Carlsen vom letzten WM-Kampf in New York. Nun steht er im Berliner Turnier - doch hat er noch den Schwung der vergangenen Jahre? Immerhin ist er nun verheiratet und hat ein Kind - man ahnt, dass das häusliche Studium dadurch nicht einfacher wird.

d) Anish Giri: spielt leider nicht mit, ganz ähnlich wie sein GM-Kollege Carlsen. Und - Vishy Anand ebenfalls nicht.

e) Hikaru Nakamura: spielt leider auch nicht mit! Was ist da los?

Dafür aber:

f) Vladimir Kramnik: Kommt mit einer Wildkarte in das Turnier, und yep, ist ein russischer Bär, der schachspielen kann! Trotz seiner gar nicht mehr so jungen Jahre glänzt Big Vlad durch intensive Partien und die Wiederentdeckung des unseligen Londoner Systems - wir haben zumindest diese Eröffnung nicht vermisst! Doch sei es drum - gucken wir mal, wie Kramnik abschneiden wird.

g) Levon Aronian: Ui, ui, ui, einer der ganz Großen, und viele würden sich freuen, führe er nach London zum nachträglichen WM-Finale gegen Magnus Carlsen! Aronian durchlebte eine längere Durststrecke in den letzten beiden Jahren, doch nun ist er wieder da und möbelt seine Gegner reihenweise mit Zügen wie h4!, Th4! und Th4-a4! vom Brett. Ob das auch an der Spree gelingen wird?

h) Alexander Grischuk: ein toller Spieler mit viel Esprit und Kampfkraft. Im absoluten Welt-Spitzenschach irgendwie immer ein klein wenig in der zweiten Reihe von vorne, und darum auch in Berlin keiner der klaren Favoriten? Ende März wissen wir mehr.

i) Maxime Vachier-Lagrave: hätte eigentlich dabei sein müssen, sollen, wollen, und niemand hätte etwas dagegen sagen können. Doch in jeder der Auswahldisziplinen für Berlin - FIDE Grand-Prix, durchschnittliche ELO-Zahl im Jahr 2017, Weltcup-Finale und Werder Monatsblitz -scheiterte der mutige Franzose immer um Haaresbreite an den um Haaresbreite vor ihm liegenden Konkurrenten. Was soll man sagen - c'est la vie, und hoffentlich klappt es für MVL, wie wir Insider ihn nennen, beim nächsten Mal mit einem Anlauf zum WM-Titel.

j) der HSV: spielt leider auch nicht mit, und hat bis Ende April auch noch andere Verpflichtungen.

hsv Auf geht's, Jungs!

 

k) Wesley So: hatte ein wunderbares Schachjahr 2017 und ackerte sich in achtbare ELO-Höhen. Doch nun ist es ruhiger geworden um ihn, und die ganz großen Coups wollen ihm nicht mehr so gelingen. Vielleicht ist es aber auch nur Tarnung, und bei den Kandidaten entscheidet er das Turnier für sich? In Berlin ist alles möglich - das wissen wir.

Und zu guter Letzt:

l) Shakhriyar Mamedyarov! Das Ausrufezeichen setzen wir für die Komplexität seines Vor- und Nachnamens - vielleicht auch deshalb wird er auf der Schachbund-Seite zur Sicherheit verkürzt mit dem anwenderfreundlichen S. Mamedjarov vorgestellt. Der Aserbeidschaner hat früher mal für Werder Bremen gespielt (!) und mischt seitdem stetig in der Weltspitze mit. Bekannt und gefürchtet ist er für seine Sekt-oder-Selters-artige Spielführung, mit spontanen Königsangriffen und auch mal unkonventionellen Spielführungen.

 

So sieht es aus, liebe Leserinnen, liebe Leser - nun seid Ihr am Zug! Wer gewinnt das Turnierin Berlin - prophezeit es uns, und gewinnt eine Original-Packung mit feinsten Schokoladen-Katzenzungen!

Alle Einsendungen bitte nur hier im Kommentarbereich bis zum Samstag, 10.März, um 15:00 Uhr - dann beginnt im Berliner Kühlhaus die erste Runde. Und wir können fast sicher sein - auch der glückliche WM-Nachrücker Magnus Carlsen wird aus der Ferne mit dabei sein!

Samstag, 24 Februar 2018 13:59

Bremen All Stars vs Czech GMs

Am Montag ist es soweit: 25 BremerInnen und Bremer(und umzu) treten an gegen die beiden Werder-Großmeister Zbynek Hracek und Vlastimil Babula! Hier ein Update zu dieser Veranstaltung, zusammen mit der Aufstellung des Bremer Teams.

ZuschauerInnen sind natürlich herzlich willkommen!

Liebes 25-köpfiges Bremen All Stars Team,

wir freuen uns, dass Ihr am Montag abend mit dabei seid und für unsere langjährigen Bundesliga-Spieler Zbynek Hracek und Vlastimil Babula eine absolut respektable Simultanrunde bildet.

Beide Großmeister haben uns erzählt, dass sie sich schon sehr auf ihren Besuch in Bremen und vor allem abends auf die Veranstaltung im Verein freuen. Sie sind gerade aus Tschechien nach Mülheim gereist, um heute und morgen in der Bundesliga anzutreten (unter anderem gegen Bayern München!)

Das große Simultanspiel am Montag ist auch für sie ein ungewöhnliches Ereignis, und wer weiß - bei einem Doppelsimultan ist alles möglich!

Ihr habt es vielleicht gesehen, dass auch überregional sehr von dieser Veranstaltung Notiz genommen wird:

https://de.chessbase.com/post/werder-bremen-doppelsimultan-der-urgesteine

Hier noch einmal der Plan für den Abend in der Hemelinger Straße 17 (Werder Vereinsheim, 1.Stock):

18 Uhr                        Begrüßung durch Werder-Präsident Hubertus Hess Grunewald, Ehrung der beiden Spieler

im Anschluss            25 Jahre als Profi in Bremen - was gibt es zu berichten?

                                   Anekdoten und Partien von Zbynek Hracek und Vlastimil Babula

gegen 19 Uhr           Einladung zu einem kleinen Imbiss

gegen 19:15/19:30 Doppelsimultan mit GM Zbynek Hracek und Vlastimil Babula an 25 Brettern

Vlasti2b
Europapokal 2015 in Skopje:
Vlasti Babula nach seinem Sieg gegen Anish Giri


Damit Ihr wisst, wer sich links und und rechts von Euch im Bremer All Star Team tummelt, hier noch einmal ein kurzer Überblick über alle Teilnehmer.

Wir haben eine Reihe von Plätzen für besondere sportliche Erfolge vergeben, einige von Euch sind sehr geschätzte Bremer Ehrengäste, und weitere haben ihre Chance genutzt, einen Platz bei der Verlosung auf der Homepage des Landesschachbundes zu gewinnen (gut gemacht!):

1) - 4) Findorff Seniorenmannschaft, Bremer Meister 2017, 4 Bretter

5) - 8) Bremer Schachjugend Auswahl, 4 Bretter

9) Manfred Breutigam, Bremer SG

10) Wilfried Schmid, Turnierleiter LSB

11) Bernhard Künitz, Werder Bremen 4

12) Anastasia Erofeev, Werder Bremen 5

13) Wolfgang Adaschkiewitz, Werder Bremen 6

14) - 17) Jugend SVW: Jan, Robin, Jannis, Kaiwen

18) Gerald Jung, Vereinsmeister Werder Bremen

19) Andreas Calic, Bremer SG

20) Till Schelz-Brandenburg und Ingolf Meyer-Siebert, SV Werder Schach Bundesliga

21) Robert Klemm, Bremer SG

22) Thorsten Ahlers, SF Findorff

23) Mattis Trätmar, Delmenhorster SK

24) Lars Milde, Werder Bremen

25) Elmar Kastens, SF Sulingen

 

Wir wünschen Euch einen spannenden Abend im Werder Vereinsheim!
 
Olaf Steffens
Teamchef Schachbundesliga
SV Werder Bremen
 
www.werder.de/schach
 

Einmal mehr können wir die Berliner Schachszene nicht genug preisen - und hier vor allem die Schachfreunde Berlin! Denn in der Tat, was ist da alles los in der Hauptstadt? Passion und Schachverrücktheit!

Wir entsinnen uns natürlich noch an den Berliner Sommer, das großartige Open in der Wendezeit, gutes Wetter, starke Besetzung, leider war ich niemals dort. Dann natürlich Berlin und seine Schachvereine: zahlreich, zahlreich sind sie vertreten in der Ersten und Zweiten Bundesliga, die Zehlendorfer, Kreuzberger, Berolina Mitte, Tegeler, Neuköllner, und eigentlich müsste gefühlt auch noch Glückauf Rüdersdorf dazukommen - überall Berlin, man kommt aus dem Berlinern gar nicht mehr raus, selbst wenn man in einem weit außerhalb der Stadtmauern gelegenen Verein startberechtigt ist.

 Berlin in Liga zwei 2

   Keine Zeit für Bali - wir reisen nach Berlin! (Screenshot: Deutscher Schachbund Ergebnisdienst)

An der Spree glänzt man mit den regelmäßigen Schnell-und Blitzturnieren, hier sind es neben dem SC Kreuzberg (drei verschiedene Turnierserien jeden Monat!) ebenfalls die Schachfreunde Berlin, bei denen man in sehr beachtlichen Teilnehmerfeldern hübsche Preise gewinnen kann -  mitunter Eintrittskarten oder auch ein guter Tropfen Wein.

Auch hat die Hauptstadt der Republik im März mal so eben für zwei Wochen das Kandidatenturnier beherbergt und mit Fabiano Caruana einen standesgemäßen Herausforderer für den Nicht-Berliner Weltmeister Magnus Carlsen ermittelt. Und kam nicht auch Emanuel Lasker aus Berlin(chen)? Darüber hinaus leistet sich die Stadt neben einer progressiven Flughafenperformance schon seit Jahren eine eigene Schacheröffnung, die auch bei den Kandidaten wieder für Aufsehen gesorgt hat ("Die Berliner Mauer greift an", Ulrich Stock).

Berlin Kandidaten

                                                     Wer fährt zu Magnus Carlsen?


Tja, unsere Hauptstadt, da ist was in Gange, alleine schon rein schachlich! Und Ende April folgt mit der zentralen Bundesliga-Endrunde das nächste Feuerwerk: drei tolle Tage voller ELO, DWZ und sechzehn Bundesliga-Mannschaften an einem Ort. Baden-Baden kann noch Meister werden, ebenso Solingen, und ja, auch im Abstiegskampf gibt es ein veritables Play-Off zwischen der SG Speyer-Schwegenheim, dem Hamburger SK, München 1 und München 2 sowie den wackeren Norderstedtern. "All play all" heißt es da, beinahe jedenfalls, in den letzten drei Runden. Ein Geniestreich der Turnierleitung - spannender kann man die Auslosung nicht gestalten.

Neben intensivem schachlichem Ringen wird auch der DSB mit allerlei sehenswerten Veranstaltungen vor Ort sein - so findet auch in diesem Jahr die Bundesvereinskonferenz parallel zur Endrunde statt, bei der in zwangloser Form Ideen rund um den Schachsport im Lande besprochen werden. Die Lasker-Gesellschaft stellt aus und konferiert, die Berliner Feierabendliga schreitet an die Bretter, Berliner Politiker spielen Schach, der Berliner Mannschaftspokal wird fortgeführt - undundund!

Wie im Vorjahr liegt die Endrunde organisatorisch auch diesmal in den bewährten Händen der (erwähnten wir sie schon?) Schachfreunde Berlin. Ein Mammut-Event vom 28.April bis zum 01.Mai, alles muss bedacht werden, Spielsaal, Unterkunft, Rahmenbedingungen, Essen,  Trinken, Kaffee, und dann soll ja auch noch Schach gespielt werden!

Beim letzten Mal hat das schon überaus beeindruckend gut geklappt, und somit steht einer Neuauflage in 2018 nichts im Wege. Federführend in der Organisation sind einmal Rainer Polzin, Großmeister, Rechtsanwalt und Berliner, sowie an erster Stelle ebenso FM Christoph Nogly, der seine fünf Sinne seit Monaten mit den Zimmerreservierungen für 16 Mannschaften und mitreisende Partner, mit kurzfristigen Absagen, weiteren Nachbuchungen und besonderen Zimmerwünschen erschöpfend auslastet. Kompliment an Christoph, Rainer, und an all die (SF) Berliner HelferInnen und Helfer, die bei  diesem mammutartigen Mammutprojekt ihre Zeit, Energie und Ideen geben!
Auch der Schachbund, der Berliner Schachverband und natürlich der Schach-Bundesliga e.V. haben über Monate viel Energie eingebracht, damit alles klappt - geben wir ihnen etwas davon zurück und würdigen die wundervolle Veranstaltung mit einem Besuch vor Ort!

Berliner Endrunde 2017 1
                     Zufrieden mit der Endrunde 2017: Rainer Polzin und Jörg Schulz

Nun aber zum Blitzen! Denn so höret, Ihr Leserinnen und Leser des Schachwelt-Blogs, nicht nur eine Endrunde soll dargeboten und organisiert werden, in Berlin legt man noch eine Schippe obendrauf und lädt die Schachgemeinde zum eigenen Spielen an die Bretter.

Schon am 28.April eröffnet die Endrunde in großem Stil mit einem Blitzturnier, das seinesgleichen sucht und kaum jemals finden wird. Anders bei den Monatsturnieren der SF Berlin (Wein) oder beim Werder Monatsblitz (1.Preis: 11,-€) wird hier das Preisgeld etwas großzügiger bemessen. Reichlich, sozusagen: 2.000,-€ für den ersten Platz! (!!), und weitere monumentale Preise auf den weiteren Rängen (1.200,-€, 1.000,-€, 700,-€ ...).

Da könnte man glatt schon einmal überlegen mitzuspielen - doch ach, wie es nunmal so ist, auch andere haben von diesem Turnier erfahren, und ihre Groß- oder Internationale Meisterhüte in den Ring geworfen. Da sind die hohen Preise alle schon gebucht, mehr oder w weniger? Einge 2600er ELO-Riesen wird es zu sehen geben am Brett, Kacper Piorun, Evgeny Tomashevsky, Falko Bindrich, Daniel Fridman, Romain Edouard, und wer weiß, noch ist nicht Toresschluss, es werden sich sicher noch weitere große Kaliber einschreiben. Und so soll das ja auch sein.

Bundesliga Endrunde 2017 2

                                  Blitzen bei der Zentralen Endrunde - die Könner freuen sich darauf!

Wir rufen: "Chapeau!" für dieses Meisterstück, mit einem toll arrangierten Blitzturnier, und vier vollgefüllten Tage mit Schach, Schach und weiterem Schach. Doll!

Und was überhaupt meint dazu Carsten Schmidt, Präsident des Berliner Schachverbandes? Wir trafen ihn neulich ganz überraschend im Weserstadion an einem sehr sehr kalten Februarabend. Werder Bremen spielte auf gegen den HSV, Nordverein der Herzen, und Carsten, HSV-Fan der ersten Stunde, war bei einem Pausenstand von 0 : 0 noch vorsichtig optimistisch für seine Jungs (hummel hummel!).

Im Interview (leider ist das Bild ein ganz klein wenig dunkel geraten, und der Bremer Stadionsprecher redet die ganze Zeit dazwischen) gab er gerne Auskunft über Schach, Blitz und die Endrunde in Berlin. Außerdem erfährt man etwas über seinen Lieblingsfußballverein:

 

Auch wenn Werder den Ball am Ende noch siegbringend ins Hamburger Tor kegelte - die Saison ist ja noch lange nicht vorbei. Es bleiben (Stand Mitte April) immer noch vier lockere Spieltage, um die gefühlt 20 Punkte bis zu Platz 16 aufzuholen. Darum: Nur der HSV. Und Blitzen in Berlin!

Webseite Zentrale Endrunde in Berlin

Freitag, 09 Februar 2018 14:48

Gegner unter Aktenbergen

Immer wieder schön zu hören ist es, wenn auch jemand außerhalb der amtlichen Szene mal von seinem Draht zum Schachspiel berichtet. So fanden wir in einem Artikel "Das Ende der Papierberge" (Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 04.Februar 2018) einen Text über das papierlose Büro - und einen Hinweis auf Schach am Arbeitsplatz!

Anna Steiner untersucht die spannende Frage, ob der stets aufgeräumte und von Papier fundamental leergefegte Büro- Schreibtisch den nächsten Schritt in die Zukunft darstellt. Clean Desk Policy: kein Papier, alles hübsch im eigenen Laptop gespeichert, und am nächsten Arbeitstag zieht man mit dem Laptop dann um zum nächsten freien Schreibtisch - sehr praktisch! Oder auch nicht - viele Mitarbeiter drucken ihre Mails dann ja doch wieder heimlich aus, um sich darauf Notizen zu machen.

So offenbar auch Michael Erlhoff, ein Kölner Designtheoretiker, der die Fahne des papierbasierten Arbeitens resolut hochhält. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Unterlagen, und die papierlose Zukunft scheint bei ihm noch beruhigend fern. Und hoppla, manchmal entdeckt man auch einen Schachcomputer!

"Designtheoretiker Michael Erlhoff findet das Chaos ohnehin nicht schlimm, schließlich haben die Papierberge ihre Vorteile. Auf seinem Schreibtisch herrscht seine ganz persönliche Unordnung, wie er gerne zugibt.

Unmengen an Papier, Notizen, Dokumente, alte Manuskripte, und mittendrin ein alter Schachcomputer. Gegen den spielt er, wenn er nicht weiterkommt, und holt sich darüber neue Inspiration.
Suchen macht kreativ, findet Erlhoff. Dateien auf einem Computer sucht man meist spezifischer. Ist man hingegen auf der Suche nach einem bestimmten Dokument, dann stöbert man im Regal oder in Aktenbergen. Und stößt im Zweifel auf etwas, das man noch besser gebrauchen kann."

Beruhigend, dass auch andere mit dem Chaos rund um ihren Schreibtisch ringen, und diese Berge von Papier sogar zu schätzen wissen! Und wie schön, wenn sich beim Wühlen in den Stapeln ab und an ein Schachcomputer zeigt und alsgleich bereit steht für eine entspannende Partie.

Solange es also nicht stundenlang ist, könnten wir vielleicht wie Michael Erlhoff immer mal für ein, zwei Spiele (nicht: Stunden!) dem Wirken und der Pflicht entfliehen und dem Schachspiel frönen - meditativ an einem Holzbrett, mit einem Schachcomputer, oder wir besuchen einen Schachserver und bekämpfen im Internet Gegner aus aller Welt.

Eine kleine Flucht ins Schach befördert neue Gedanken und die Kreativität, und immerhin muss man dabei nicht arbeiten! Danach kehren wir zurück zu unserer ursprünglichen Arbeit, erfrischt und gestärkt. (Oder ermüdet und frustriert?) Doch die Papierberge und lauernden Aufgaben, sie sind leider immer noch da.

Noch besser als zehn Minuten Schach wäre vermutlich sogar ein kurzer Spaziergang im Freien, mit Natur, Wind, Sonne, echtem Leben - doch dafür müsste man ja vor die Tür gehen, und wer hat dafür schon die Zeit?

Donnerstag, 01 Februar 2018 17:32

Werder - Solingen: Show us your tips!

Es nützt ja alles nichts: so wundervoll die Winterpause auch war, nun geht es wieder los für die 16 deutschen Bundesliga-Vereine und ihre 128 zum Teil sogar international besetzten Bretter. Sechzehn davon werden am Sonnabend im Bremer Weserstadion aufgebaut, und ab 14 Uhr spielt der Ligazweite Solingen gegen den Ligadritten Werder. Wir fragen: wer rockt den Schachtisch, und wie geht es aus, das Spitzenspiel?! (Und warum ist Baden-Baden nicht beteiligt, obwohl es ein Spitzenspiel ist?)

Mehr dazu auf der schönen Seite der Schachbundesliga:

http://schachbundesliga.de/klubnews/schachstars-im-weserstadion

Bitte schickt uns Eure exklusiven Tips für Werder Bremen - SG Solingen bis Samstag, 14:00 Ortszeit, als Eintrag im Kommentarbereich unseres liebenswerten Blogs. Und weil es besser ist, gibt es auch etwas zu gewinnen: unter den richtigen Einsendungen verlosen wir den Tagessonderpreis, und das ist wahlweise

a) eine Reisetüte Walker's Crisps "Cheese & Onion" (wurde erheblich gelobt von MiBu, dem Gewinner des letzten Tippspiels)   (HInweis: irrtümlich hatten wir zunächst die Sorte "Salt & Vinegar" ausgelobt, nach einem prüfenden Blick in den Schrank mussten wir es aber korrigieren)

ODER

b) ein investigatives Interview mit dem/ der strahlenden GewinnerIn hier im Blog.

 

Bundesliga Plakat Februar 2018 V4

Wer selber ins Weserstadion kommen möchte, ist dazu natürlich immer herzlich eingeladen. Mehr zu Eintritt, Rahmenprogramm und überhaupt findet Ihr hier.

Viel Glück beim Tippen!

Und nun die Boxen aufdrehen - hier kommen die Schachtablerocker Turntablerocker!

Vielleicht würde es helfen, wenn wir alle öfter Lenny Kravitz hören würden? Vielleicht auch nicht, aber zur Sicherheit beginnen wir einfach mal mit einem Lied:

Nun aber zum Thema - der Monatsblitz für Januar hat stattgefunden! Trotz der unglaublichen Flut an parallel stattfindenden internationalen Schachveranstaltungen hat es das Bremer Traditionsturnier geschafft, wieder ein respektables Feld von zwölf zumindest lokal renommierten Spielern ins Werder Vereinsheim zu locken. Die Hansestadt hielt den Atem an, denn war es nicht der geballten Werder-Entourage beim November-Wettbewerb zum ersten Mal seit der Erfindung des Streichholzes gelungen, dem unschlagbaren David Höffer aus DEL ein Schnippchen zu schlagen und ihm den üblichen Turniersieg sowie das schöne Preisgeld von guten 11,-€  zu entwinden?

Pommes
        Ein ähnlich starkes Team wie die Werder-Blitzer: Die Pommesgabeln des Teufels

Sven Charmeteau hatte sich den Sieg im November geholt, doch nach dem Motto "Er ist wieder da" betrat der junge Höffer um 19:25 Uhr leichtfüßig die grün-weißen Vereinsräume und meldete zum Januarturnier. Damit hatte er schon den ersten Punkt so gut wie sicher, denn gemeinhin gewinnt David jede direkte Begegnung gegen mich und somit auch stets zumindest einen Punkt. Das kam mir an diesem Abend auch ganz gut zupass, denn nach Niederlagen in den Runden eins (überzogen gegen Nikolas Wachinger), zwei (Turm weggestellt nebst Matt gegen David Kardoeus), drei (eine gelungene Verlustpartie gegen Rechtsanwalt Joachim Asendorf) und vier (Lars Milde hatte vor ungefähr zehn Jahren eine Fernschachpartie begonnen und wurde seitdem nicht mehr im Verein gesehen - nun war er wieder da und schnappte sich mit schönem Läuferopfer auf .... h7! den vollen Punkt gegen mich) - nach diesen vier Nullen in Folge, vier Nullen zum Auftakt 2018 war ich auch mehr als bereit für eine weitere Niederlage gegen SF Höffer. Wie heißt es unter Softwareleuten? "Der Fehler sitzt immer vor dem Computer" - oder eben vor dem Brett. Zeit für weiteres Training!

training frhstck
       Die drei Zutaten des Erfolgs: Trainieren, trainieren, trainieren (und etwas Honig)

Das Rennen um die vorderen Plätze wogte indessen auch ohne den matten SF Steffens (siehe oben) hin und her. Die Höffers, Charmeteaus und Asendorfs dieser Welt schnappten sich Punkt um Punkt, und man hätte kaum gedacht, dass ein junger Konkurrent noch so lange um die Spitze mitspielen würde. Doch in der Tat, vor der letzten Runde war Werdertiger David Kardoeus punktgleich führend, alleinig führend, wer weiß das schon so genau, und nur eine Null am Ende gegen den gefährlichen FM Stephan Buchal brachte ihn letztlich um einen großen bremischen Schacherfolg - schade! Dies war die Chance für die Titelträger FM RA Dr. Joachim Asendorf und FM David Höffer, noch gemeinsam an die Spitze zu ziehen - und dort waren sie dann am Ende, mit je 8,5 Punkten aus elf strengen Runden. Glückwunsch an beide Preisträger - und an den Turniersieger Joachim Asendorf, der durch den Sieg im direkten Vergleich Platz Eins und seinen hervorragenden Platz im Gesamtklassement behauptete.

Der Spezialpreis < 2000 DWZ wurde anschließend überreicht an Robert Klemm von der Bremer SG. Den Sonderpreis der Jury erspielte sich Carsten Ballandis (SVW) mit Erreichen des souveränen fünftletzten Platzes. Glückwunsch auch hier!

Weiter geht es im Februar mit dem Monatsblitz Semi-Royale: die Bundesliga (Schach!) kommt am 03. und 04.Februar nach Bremen in Gestalt der SG Solingen, DJK Aufwärts Aachen und dem SV Mülheim-Nord, und Werder lädt ins Weserstadion zu zwei sehr intensiven Spieltagen im Norden. Zum Aufgalopp der Doppelrunde findet am Donnerstag, 01.Februar 2018, der Monatsblitz Semi-Royale statt, mit hübschen Preisen am Vor-Vorabend der Bundesligarunde und einem (mal schauen) gut gefüllten Vereinsheim in der Hemelinger Straße. Nah und fern - kommt alle und seid dabei!

Bundesliga Plakat Februar 2018 V4

Noch zwei Worte am Rande:

a) Nichts geht im Blitzen ja ohne einen Turnierleiter - ich hielt es seit jeher für übermenschlich, sowohl die Turnierrunden als Spieler zu bestreiten, als auch die Zeit zwischen den Runden damit zu verbringen, dem versammelten Schachvolk die Ergebnisse abzuringen UND dann auch noch korrekt in die Turniertabelle einzutragen: wer gegen wen, in welcher Runde, wie war das Ergebnis, habe ich alles eingetragen?

Wenn ich einst in schwachen Minuten mal das Amt des Turnierleiters übernahm - es war keine Freude für alle Beteiligten, und Fehler in der Tabelle waren eine für alle faszinierende Begleiterscheinung. Nichts dergleichen allerdings scheint der Fall, wenn ein Blitz-Wettbewerb bei Werder von Stefan Preuschat geleitet wird: Stefan blitzt zügig mit wie ein junger Schachgott, und sammelt ohn' Unterlass, mit nie versiegender Energie und zu hundert Prozent korrekt die Resultate ein.

Das ist beinahe übermenschlich. Wir sagen vielen Dank!

Mobli
          Raketentechnik könnte kaum komplexer sein - die Turniertabelle, souverän geführt von SF Preuschat

 

b) Was hören wir da wieder von der FIDE? Änderung der Blitzschach-Regeln, alles muss raus, Platz für neue Regelungen:

- erst der zweite unmögliche Zug verliert nun die Partie, der erste unmögliche Zug verliert nicht mehr direkt, wird jedoch mit einer Minute Zeitgutschrift für den Gegner geahndet. Wir sagen: viel Spaß beim Einstellen der Uhren! Sonst aber eine interessante Regelung - endlich kann man seinen König wieder stehenlassen oder sonstigen Unfug machen, ohne gleich zu verlieren. Doch war es nicht immer genau das, was Blitzschach ausgemacht hat - gesunde Härte?

- niemand hat mich vorher dazu befragt, darum kommt es für mich überraschend, dass ab 2018 auch der Plättchenfall neu verhandelt wird. In den goldenen Schachzeiten (= bis incl 2017) war die Partie unentschieden, wenn beide Plättchen gefallen waren. Eine schöne, klare Regelung - doch natürlich musste man sie irgendwie ändern, und zwar so: das erste gefallene Plättchen verliert.

Wenn beide Plättchen gefallen sind, stellt man fest, welche zuerst "unten" war - und diese Seite hat dann verloren. Zum Glück gibt es die elektronische Schachuhr, mit der solcherlei Rekonstruieren möglich wird. Doch warum soll jemand eine Partie gewinnen, dessen Zeit ebenfalls abgelaufen ist? Soll es keine Rettung mehr geben, sobald auch der geschätzte Gegner seine Zeit überschreitet? Wie langweilig.

Das alles ist betrüblich. Natürlich gibt es noch viel betrüblichere Dinge auf dieser Welt, und hey, es ist ja nur Schach. Und trotzdem - wieso können jahrhundertelang bewährte Blitzregeln einfach so geändert werden?

Vielleicht habe ich das alles auch nur falsch verstanden. Unmögliche Züge werden erlaubt, man kann gewinnen, auch wenn das eigene Fähnchen gefallen ist - welche Späße wird sich die FIDE noch ausdenken für das Blitzen? Hauptsache aber, wir dürfen keine Bermudashorts mehr tragen beim Schach. Der Rest ist dann schon egal.

Trösten wir uns daher schnell mit etwas Schach aus der Zeit, wo man noch nach den (alten) Regeln spielte:

 

Freitag, 08 Dezember 2017 21:32

London Classics: Na-Na-Nakamura!

So kann Schach sein - während wir alle älter und gesetzter werden (ja, auch heute schon wieder), gibt es einen im großen Schachzirkus, der noch so richtig mit den Schachfiguren auf den Gegner einholzt, und wie auf den Bolzplätzen unserer Jugend den Ball aufs Tor zimmert.

Hikaru Nakamura heißt der Mann, bekannt und beliebt für seine Bulletkünste und diverse Experimente mit der Boris Becker Eröffnung 1.e2-e4, e7-e5 2.Dd1-h5 im ernsthaften Schach.

HikaruNakamura11a Stefan64
Einer der stärksten Spieler unserer Galaxie:
Hikaru Nakamura, hier mit Anzug und coolen Koteletten (Foto: Stefan64, vielen Dank)

Nachdem Naka vor einem Jahr bereits in einem atemberaubenden Angriffswirbel Wesley So königsindisch zerlegte, war heute nun Magnus Carlsen an der Reihe. Auch wenn die Partie noch läuft - dem Weltmeister wird mächtig eingeheizt, und dann auch noch in Swinging London - das ist vielleicht kein gutes Omen für die WM im nächsten Jahr an gleicher Stelle? Doch bis dahin ist noch viel Zeit, und Magnus wird sich erholen.

Wir freuen uns erstmal an Nakamuras energiegeladenem Figurenzauber, und sagen Danke! an das Team der Chess Classics - schon während der Partie gibt es die Live-PGN zum Herunterladen. Wow.

Hier! geht es zur Partie mit einigen sehr leichten Kommentaren. Es ist mein erster Versuch mit dem wundervollen Chessbase Reader online .. ich hoffe, das wird klappen!

Turnierseite London Chess Classics

*****

Und schon Zeit für ein Update - es hat nicht ganz gereicht für Hikaru, die Partie wurde Remis. Was ihm neben dem wohl enttäuschenden halben Punkt bleibt, ist der kreative Wirbel und der Mut, den er gezeigt hat - auch wenn es sich in der Turniertabelle nicht sogleich niederschlägt. Morgen dann vielleicht!

Naka Carlsen

Montag, 20 November 2017 23:09

Irgendwas mit Katzen

Die altgedienten LeserInnen werden sich erinnern - da war doch schon einmal sowas, ein Video mit einer Katze und einem Typen, beide spielen Schach, und huch!, dann kommt es zu einem regelwidrigen Zug. Wir sagen nicht, wie es weitergeht, denn das kann jeder auch selber herausfinden - es lohnt sich.
Selbst wenn der kleine Film hier schon mal lief, ist es immer noch mein Lieblingskatzenschachvideo, und so etwas kann man ja nun wirklich nicht oft genug angucken. Wenn eine Eröffnung gut ist, spielt man sie ja auch gerne ein zweites Mal. Von daher:

Dienstag, 07 November 2017 00:07

Gegen Russland kann man mal verlier'n

Letzte Runde der Mannschafts-EM auf Kreta, Deutschland ringt mit der russischen Übermannschaft und muss sich am Ende mit 1 : 3 geschlagen geben - zwei schöne halbe Punkte von Liviu-Dieter Nisipeanu und Daniel Fridman, und zwei umkämpfte Niederlagen von Matthias Blübaum und Georg Meier reichten am Ende (diesmal!) nicht aus, um den Favoriten zu ärgern.

Damit robbt sich Russland auf Platz zwei vor, hat aber das Nachsehen hinter den rasant durchpunktenden Aserbeidschanern. Die Brettpunkte gaben hier den Ausschlag für den Kaukasus, und da Integration alles ist, hier auch herzliche Glückwünsche an Arkadij Naiditsch, der als Ex-Deutscher und Neu-Aserbeidschaner einen guten Anteil am Titelgewinn seiner neuen Heimat hatte. Das deutsche Team aber - Chapeau, Chapeau, meine Herren, eine sehr starke Woche in Griechenland, tolle Partien, große Matches und ein absolut passabler achter Platz am Ende. So soll das sein. Danke!

Doch genug der Worte zur letzten Runde - viel eher lohnt hier der Weg zu Chessbase, die wie immer hübsch und aktuell die letzte Runde für uns Zuschauer aufbereiteten. Sehr cool!

Uns bleibt nur, vor dem nun anstehenden zweiten Bundesliga-Wochenende noch einmal etwas durchzuschnaufen, und dann am Samstag ins Weserstadion (oder zu einer der anderen Austragungsstätten) zu ziehen und Schach live! vor Ort zu schauen. Viel besser als im Netz - so nah ran an die Weltspitze wie in der Bundesliga kommt man nicht so oft! (weder räumlich, noch in Bezug auf ELO). Wenn wir Glück haben in Bremen, sehen wir Rasmus Svane (für den Hamburger SK) sowie Daniel Fridman (für Mülheim-Nord) am Brett - zwei Spieler, die in dieser Woche noch auf Kreta weilten und für Deutschland die EM spielten!

Abschließend noch ein paar lobende Worte an den stets unvergleichlichen MiBu. Im großen Schach-Welt-EM-Tippspiel nahm er mit seherischen Fähigkeiten das heutige Ergebnis von Russland - Deutschland vorweg und tippte verwegen genau auf ein 3 : 1. Das spricht absolut für unseren werten Leser, und das umso mehr, als er in diesem Tippspiel mit Holger Hebbinghaus auch den König, Kaiser und Supertopchecker der Schachprognosen zum Gegner hatte.
Doch MiBu ebenso wie Russland ließen sich heute nicht beirren, und der Vize-Europameistertitel (für die Russen) sowie eine britische Walkers-Chipstüte (für MiBu) sind der verdiente Lohn für ihre Bemühungen. Glückwunsch, MiBu - die Chips gehen in Kürze auf den Weg!

Hoppala, hoppola, Hoppala! Was ist los bei der deutschen Nationalmannschaft? Bei der Europameisterschaft an den wundervollen Gestaden der Insel Kreta holen die fünf Mannen von Teamchef Dorian Rogozenko Punkt um Punkt - nach einem formidablen 2,5 : 1,5 - Sieg gestern gegen Armenien (!) wartete heute mit Israel der Fünfte der Setzliste auf Team Germany. Und was passiert? Wupp, wupp, 3 zu 1, ein schönes Fußballergebnis und ein erneuter Erfolg gegen eine europäische Spitzenmannschaft!

Am obersten Brett federte Liviu-Dieter Nisipeanu mit einem eleganten Bauernopfer Boris Gelfands Angriffsversuche ab und sicherte ebenso ein Remis wie Daniel Fridman, der mit Schwarz eine massive attack von Emil Sutovsky blockte und unter Qualitätsopfer in ein dynamisches Dauerschach-Remis abwickeln konnte.

Nisipeanu
 Nisipeanu entschied sich nun für ... d5-d4, was aus der Sicht eines kleinen Bremer FIDE-Meisters
 einen Bauern verliert für ... nicht viel. Aber Schwarz entwickelte Druck, Druck, Druck - und holte
 sich am Ende den Bauern zurück. Remis!

Während Matthias Blübaum heute pausierte, brachte sein Deizisauer Kollege Georg Meier mit den weißen Steinen Rotshtein in erhebliche Schwierigkeiten. Aus einer unauffälligen Stellung heraus setzte er den schwarzen Damenflügel immer mehr unter Druck, gewann Raum und sperrte am Ende den schwarzen Springer b8 und den nebenstehenden Turm auf ihren Ausgangsfeldern ein. Ein Ausbruchsversuch mit taktischer Hilfe brachte Rotshtein nur in weitere Nöte - und für Georg Meier den vollen Punkt. Beeindruckend!

Meier
Der schwarze Springer, wohin soll er sich wenden? Und wie ist es mit dem Turm? Nach dem trickreichen
...Sb8-a6!? musste Georg Meier noch einiges berechnen, doch - es wurde ein ganzer Punkt am Ende!

Ein Punkt von Deizisau - da will auch der Norden nicht lange zurückstehen, und so war es Rasmus Svane vom Hamburger SK, der Ilia Smirin am vierten Brett erst positionell (Doppelbauer auf c6 und c7) und dann taktisch in trübe Wasser lockte und trotz trickreicher Gegenwehr Smirins Läufer gewann, der sich auf das Feld d1 verirrt hatte. Was Jann-Fiete Arp für den HSV ist, ist Rasmus Svane für die Schach-Nationalmannschaft: 5,5 Tore in 7 Spielen!

Svane
Hier folgte De3-c3!, und der schwarze Läufer muss ausweichen nach d1, wo er schließlich gefangengenommen wurde.

Lübeck2Rasmus
   Keine Angst vor renommierten Gegnern: Jann-Fiete Svane vom Hamburger SK

Wir zählen noch einmal zusammen und kommen auf ... drei Brettpunkte für das deutsche Team gegen Israel  - eine phantastische Leistung, heute, und auf das gesamte Turnier gesehen. Hup hup, würde man in den Niederlande sagen, und auch auf der Insel Texel!

Wir sind gespannt auf die letzte Runde am morgigen Montag, und weil das ja manchmal doch hilft, drücken wir alle Daumen für das Schlussrunden-Match gegen ... Russland? Aserbeidschan? Wir schauen mal.

In unserer mit Liebe handgefertigten Blitztabelle der aktuelle Stand nach 8 Runden:

1. Aserbeidschan 13 Punkte

2./ 3. Russische Schachschule 12 Punkte

         Ukraine 12 Punkte

4./5./6.  Team Germany 11 Punkte (Elf Punkte sollt Ihr sein)(erstmal!)

              Türkiye 11 Punkte

              Croatia 11 Punkte

Und weil's so schön ist, ein kleines Schachwelt-Tippspiel anlässlich der tollen Serie unserer Jungs. Wir fragen: Wie geht das Spiel morgen (9.Runde) für Deutschland/ Alemania/ Duitsland/ Tyskland/ Allemagne aus? Die Auslosung ist gerade raus - die Ansetzung lautet

Germany - Russia

Einsendungen via Kommentarbereich bis morgen 13 Uhr Blogzeit (Rundenbeginn eine Stunde früher als sonst). Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir eine internationale Chipstüte der Firma Walkers (Großbritannien), 25 Gramm, Geschmacksrichtung "Chess/Cheese and Onion". Lecker!

Freitag, 03 November 2017 19:09

Monatsblitz: Potztausend! Das Ende einer Ära

Imperien lösen sich auf, Monarchien zerbröckeln, Vorherrschaften schwinden - in der Welt der Politik, und nun auch im Werder-Monatsblitz. Zur großen Überraschung aller anwesenden Zeitzeugen endete das Novemberturnier nicht mit einem erneuten Gesamtsieg des Delmenhorsters David Höffer. Diesmal war es der pfeilschnelle Werderaner Sven Charmeteau, der den Wettbewerb an diesem wahrlich historischen Abend für sich entschied. Damit klang eine im Welt- wie auch im Bremer Schach einmalige Serie von Turniererfolgen aus - seit gefühlt 75 Jahren hatte David den Monatsblitz dominiert und stets gewonnen. Potztausend!

Selbst wenn man es etwas objektiver nachprüft, so besagt die amtliche Statistik noch immer, dass SF Höffer zumindest die letzten sieben Turniere seit Januar 2017 erfolgreich für sich verbuchte. 

Oder anders formuliert: seit dem Herbst 2015 holte sich David bei seinen zahlreichen Teilnahmen nur dreimal NICHT den Turniersieg - eine großartige Serie! Einmal gewann Spartak Grigorian (SVW) vor David Höffer, einmal Markus Lammers (strong! Zugzwang München!) vor einem gewissen David Höffer, und im Januar 2017 der Bremer Rechtsanwalt und FIDE-Meister Joachim Asendorf, ebenfalls vor Blitzschachungeheuer Höffer.

Ich zähle lieber nicht, wie oft David auch mich in diesen langen Jahren besiegte. Zum Glück schweigt die Quellenlage dazu relativ diskret - und ich hoffe, niemand wird auch in Zukunft genauere Daten dazu entdecken können.

Schach David ich
David wie immer bester Laune, Steffens dagegen
                         wirkt durchaus etwas schläfrig (Fotos: Andreas Burblies, 2013)

Nun aber - was war anders beim Novemberturnier am letzten Donnerstag?

Gleich in der ersten Runde teilten sich SF Asendorf (Sieger im Januar!) und SF Höffer (Sieger im Februar! ... und auch im März, Mai, August, September und Oktober) den Punkt, und als Prof. Reiner Franke im zweiten Spiel dem Delmenhorster Gast in wildester Zeitnot den vollen Punkt abrang, hatte David bereits eineinhalb Punkte Rückstand auf die vorderen Plätze. Sehr fair von David - er reklamierte einen gegnerischen Fehler bei der Bauernumwandlung nicht, und gab sich kurz darauf geschlagen.

Selbst die allerstärksten Schachmeister haben offenbar mal einen weniger starken Abend, und man muss zu Davids Verteidigung anführen, dass sein Fußballclub, die Borussia aus Dortmund, am Vorabend gerade ein nur wenig erbauliches 1 : 1 im Heimspiel gegen ... Moment .. Apoel Nikosia aus ... Moment ... Zypern abgeliefert hatte. So etwas desillusioniert, und wie soll man da als echter Borusse am Abend darauf auch noch gut Schach spielen?

Hinzu kam, dass die Bremer Novemberrunde nur acht Teilnehmer sah - sei es aufgrund der parallel zum Monatsblitz stattfindenden Europameisterschaft der Mannschaften in Griechenland, dem Tegernsee-Open oder der Fußball Europa League mit dem 1.FC Köln und der SG Hoffenheim, jedenfalls war die Beteiligung diesmal spärlicher als sonst. Bei nur sieben Runden fällt jeder abgegebene Punkt deutlich schwerer ins Gewicht. Es bleibt einfach keine Zeit zum Aufholen!

David
   Der Serienmeister und seine gefürchtete rechte Zughand:
                             David Höffer vom SK Delmenhorst vom Delmenhorster SK

Doch noch lief der Wettbewerb, souverän geleitet von Turnierleiter Stefan Preuschat, und trotz des wackeligen Starts erntete der Titelverteidiger in der Folge eifrig Punkte. Runde vier: Steffens vergurkt ohne jede Chance gegen Höffer und erobert damit seinen ersten Minuspunkt, den er später noch mit einem Remis gegen Asendorf auf Eineinhalb ausbauen kann. Runde fünf: Steffens holt einen glücklichen Punkt gegen Charmeteau, der damit nun auch einen Minuspunkt hat. Höffer ist wieder dran!

Nach wie vor hat David noch seine eineinhalb Miese, und spielt in der siebten und letzten Runde noch gegen ebenjenen Charmeteau (minus 1). Doch Sven Charmeteau, Zweitligaspieler, FIDE-Meister, Franzose, hält dem Druck stand und ringt den Seriensieger zu Boden!
Und damit endet eine Ära: weder Platz eins für Höffer, und auch nicht Platz zwei, nurmehr der geteilte dritte Platz mit Joachim Asendorf, hinter Sven Charmeteau und (hui!) Olaf Steffens. Was für ein Ringen in so wenigen Runden! Da war es doch gut, dass die Kneipe im Werder Vereinsheim noch geöffnet war - bei Fußball, Kaltgetränk und Pommes klang der Abend aus. Und es wurde weiterhin geblitzt - denn wer sagt denn, dass man nicht auch nach dem Ende einer Ära noch ein bisschen Spaß haben darf?

 Radjabov2
               Sven Charmeteau - Teimur Radjabov (Europapokal 2015 in Skopje)

 sven
                                Verdienter Monatsblitzsieger: Sven!

Der nächste strenge Monats(karten)blitz ist gebucht für den 07.Dezember. Gäste und Borussen sind herzlich willkommen!

Sonntag, 29 Oktober 2017 01:52

Umumba liest die Bundesliga

Auflösung des Bundesliga-Tippspiels 2016/ 2017

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen." (Niels Bohr)

Wenn schon Atomwissenschaftler ihre liebe Not mit wahren Vorhersagen haben, wie soll es dann uns, den kleinen Lichtern der Schachgemeinde, gehen, wenn wir die Ergebnisse der Schachbundesliga prognostizieren? Einige aber, mutige LeserInnen des Schachwelt-Blogs, haben es versucht, und siehe da - es lief doch gar nicht so schlecht!

Die nicklige Prognose-Aufgabe lautete wie folgt:

"Wie viele Mannschaftspunkte holen die Big Three Baden-Baden, Solingen und Aufsteiger König Tegel Berlin zusammen in der kommenden Saison?"

Das musste man erst einmal stemmen, drei Mannschaften verschmolzen in einer einzigen Frage, und darunter die Dauermeister aus dem Schwarzwald, die Klingenstädter aus dem Bergischen Land, und ebenso die Könige von Berlin! Kein Wunder also, dass das Auswerten der Ergebnisse der letzten Saison unser Schachwelt- Redaktionsteam über Monate in Atem gehalten hat - sogar die neue Spielzeit 2017/2018 wurde während unserer Berechnungen schon eröffnet. Nun aber liegen die ersten unbestätigten Hochrechnungen vor, basierend auf den offiziellen Gewinnzahlen der Schachbundesliga-Webseite:

Baden-Baden  30 Punkte

Solingen           22 Punkte

König Tegel       4 Punkte

Damit ergeben sich 58 Punkte   46 Punkte   56 Punkte als richtige Antwort. Glückwunsch hiermit an Thomas Richter, der genau dieses Ergebnis gemutmaßt hat in seinem Tipp! Leider aber erreichte uns Thomas' goldrichtige Prognose im Kommentarbereich um einen guten Tag zu spät, so dass seine Einsendung nicht gewertet werden kann - wir müssen ja zumindest nach außen hin den Anschein der Unparteilichkeit aufrechterhalten.

So richten sich unsere Blicke auf die nächsten Kandidaten, und schon haben wir den Gewinner, die in Kürze per Mail informiert werden:

1) Glückwunsch an Umumba - mit seinem Tipp von 57 Punkte lag er zu fast 100 Prozent richtig. Niemand liest, versteht und deutet die Bundesliga so wie Umumba - er gewinnt daher zu Recht das sehr sehr schöne Buch "Die Jahrhundertmeisterschaft im Schach" über die Deutsche Meisterschaft 1998 in Bremen.

2) Punktgleich hinter Umumba folgen der unbezwingbare Löwe Holger Hebbinghaus und ebenfalls Lowscore/ Lowscore 2 (wer weiß das schon) - beide erahnten mit 58 Mannschaftspunkten ein Gesamtergebnis nahe der Realität. Beide verdienen es daher, hier im Blog lobend erwähnt zu werden (= 3.Preis) und erhalten auch jeweils eine Tafel Bremer Stadtmusikanten-Schokolade zugesandt (= 2.Preis). Wir gratulieren!!

Danke an alle Teilnehmer, und auch an den internationalen Krennwurzn, der aus dem fernen und hochgelegenen Österreich seinen Tipp übermittelte. Die von ihm vorhergesagten radikalen null Punkte für König Tegel, Baden-Baden und Solingen zusammen waren leider doch ein wenig zu pessimistisch. Aber, lieber Kollege Krennwurzn, beim nächsten Tippspiel wird es sicher besser laufen für Dich!

 

 

Tja! Und nun, liebe Freundinnen und Freunde, kommen wir zu unserer beliebten Rubrik ...

Das große Schach-Welt-Bundesliga Tippspiel 2017/ 2018  (in Farbe!)

Es ist wieder soweit – Schach-Welt fragt, die LeserInnen müssen antworten und gewinnen. In einer Woche rollt der Ball endlich wieder in der Schachbundesliga - doch wie wird das alles enden in der neuen Saison? Bitte schickt uns Eure wahren Saison-Vorhersagen bis zum Sonnabend/ Samstag, 21.Oktober, 13 Uhr (Bremen local time) zu.

Alle Informationen rund um die Liga und die neuesten Aufstellungen findet Ihr umfangreich und angenehm aufbereitet auf der großen Bundesliga-Webseite.

Die Fragen lauten wie folgt:

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a) Schach-Welt unterstützt Team Hofheim

Der SV 1920 Hofheim am Taunus, das Team unseres verehrten Chefredakteurs GM Jörg Hickl, ist im Frühling mit sofortiger Wirkung in die Bundesliga aufgestiegen. Welchen Platz wird der SV Hofheim am Ende belegen?

(3 Punkte für den richtigen Tabellenplatz. Wer sich um einen Rang irrt, bekommt trotzdem noch alle Punkte)

b) Ein neues Intensivderby in der Liga

Da hat Sven Noppes nicht gut aufgepasst - jedenfalls hat sein Baden-Badener Sponsor Grenke AG mit den SF Deizisau einen direkten Lokalrivalen in die Bundesliga gehievt. Wie konnte das passieren!? 

Also freuen wir uns auf ein kleines Derby zwischen Baden (Baden-Baden) und Württemberg-Schwabenland (SF Deizisau) - doch wie viele Brettpunkte wird Deizisau da holen? 

(Wieder 2 Punkte für die richtige Anzahl von Punkten - wer sich um einen halben Punkt irrt, bekommt trotzdem alle Punkte)

c) Wer wird Meister?

(0,25 Punkte für die richtige Vorhersage)

d) Welche vier Mannschaften werden die letzten Plätze belegen?

(1,5 Punkte je Team!) (Achtung ... es geht hier nicht um die Absteiger - das sind mitunter vier ganz andere Mannschaften!)

e) Welche Équipe holt am allermeisten Brettpunkte gegen Baden-Baden? (2 Punkte)

f) Und wer wird eigentlich Vizemeister?! (2,75 Punkte)

g) Wie viele der 20 möglichen Punkte wird der unangefochtene Schachwelt-Tippspiel-König Holger Hebbinghaus in diesem Tippspiel holen?

(2 Punkte für die richtige Prognose - aber nicht schummeln! Bei Abweichung um einen Punkt trotzdem volle Punktzahl)

 holger hebbinghaus

Don't mess with Holger Hebbinghaus - am Tippspiel-König kommt kaum jemand vorbei (Foto: Quickstep Chess)

h) Bonusfrage: Wer wird am häufigsten in der Liga aller Ligen spielen?

Ilja Schneider (SF Berlin),
Frank Zeller (Schwäbi' Hall),
Falco Meyer (Norderstedt),
Jörg Hickl (SV Schachwelt Hofheim)
oder
Vincent Keymer (SF Deizisau) ?

(2 Punkte)

(Gesamtpunktzahl: 20 Punkte)

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Für die höchsten Punktwerte bei diesen komplexen Fragen vergeben wir wertvolle und im deutschen Schach noch nie gesehene Preise:

1) Ein fabrikneuer Volkswagen Golf Eine schöne, aber nicht mehr komplett neue DVD "Public Enemies" mit Johnny Depp ("Basierend auf der wahren Geschichte von Amerikas berühmtesten Bankräuber - John Dillinger")

2) Eine sehr sehr feine Tafel der berühmten Bremer Stadtmusikanten-Schokolade von Hachez

3) Rum Ruhm und Ehre – wir kommentieren eine von Euch eingereichte Partie hier im Blog (so Ihr es denn wollt)

Bitte alle Prognosen ausschließlich im Kommentarbereich. Bei gleicher Punktzahl entscheidet Jörg Hickl (auch wenn das juristisch wohl nicht ganz einwandfrei ist).

Und nun viel Spaß - seid dabei und tippt mit!

bowie sichert sich den pokal