Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen.

Seit 2012 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen.

Größte Erfolge:
Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 5.Platz beim letztenTravemünder Open 2013, und Sieger des Bremer Hans-Wild-Turniers 2018.

Größte Misserfolge:
Werd´ ich hier lieber nicht sagen!

Größte Leidenschaften:
früh in der Partie irgendetwas mit Randbauern und/ oder g-Bauern auszuprobieren und die Partie trotzdem nicht zu verlieren – klappt aber nicht immer.

Da waren es nur noch sechzehn: mit zwei eher knappen Siegen in der Hamburger Vorrundengruppe des Deutschen Mannschaftspokals hat sich Grün-Weiß Werder Bremen für die Runde der letzten 16 Mannschaften qualifiziert – hurra, hurra!

Zwar war die kleine Bremer Gesandtschaft, die Mannschaftsleiter Christian Richter an die Elbe zu schicken vermochte, relativ deutlich gegenüber den anderen drei Teilnehmern favorisiert. Unsere ELO war im Schnitt gut 150 oder mehr Punkte höher als die der Mannen aus Graal-Müritz (Mecklenburg-Vorpommern), Segeberg oder des Ausrichters Johanneum Eppendorf.
Mit IM Sven (Joachim) und FM Sven (Charmeteau) waren wir an den vorderen Brettern mit zwei unbändigen Mannschaftsscorern der bisherigen Saison besetzt, während weiter hinten André Büscher und ich absicherten.

Doch schon im Samstagsspiel zeigte sich, dass auch im Schach Ratingzahlen alleine nicht mattsetzen können.

Ganz im Gegenteil fuhrwerkte ich, je länger die Partie dauerte, meine Figuren in dubiose Positionen hinein (Dame auf b1, Springer auf h4, weiche Königsstellung), und so war es kein Wunder, dass der Eppendorfer Peter Wirthgen durch eine gewiefte Doppeldrohung zu erheblichem Materialgewinn kam.
Bezeichnenderweise hatten selbst mehrere Tassen guten Hamburger Kaffees meine Sinne nicht nachhaltig geschärft.

Stef Wirthgen1

In dieser nicht unterkomplexen Stellung fühlte ich mich ansich ganz wohl, verschmähte aber das direkte Fressen 17.exf6, Dxe2 18. fxg7, Sg6 19.Sf5, Lxf5 20.Dxf5 mit gutem weißen Spiel. Unheimlich genug - ich hatte meine Dame auf b1 offenbar ganz vergessen, und allein das wenig aussichtsreiche 20.Tf1xf5 berechnet. OMG!

Alternativ folgte daher am Brett 17.Lc4, e2 18.Tf2, Sg4! 19.Tf2xe2. Alles gut? Nein, Lichter aus im Alten Elbtunnel, denn mit Peter Wirthgens schönem 19...... Dd2-f4 ...drohen Matt und Läufergewinn.

Ste Wirthgen2

Ich überlegte nun gute fünf Minuten, wie ich die Drohung Dxh2 matt am geschicktesten parieren sollte - um erst dann zu bermerken, dass darüber hinaus ja auch noch mein Läufer auf c4 hängt. Wie unschön!

ADM, Aus die Maus, die Partie war praktisch vorüber. Verheerend. In meinem Wahn prüfte ich zeitweilig noch die Antwort 20. h2-h3, um nach 20....Dxc4 jedenfalls noch den Springer g4 schlagen zu können. Leider aber geht auch dann direkt das etwas stärkere 20....Dh2 und 21....Dh1 matt.

Kapow
 Nix mit Karpov, und schon gar nicht mit Kasparov - erst noch ein bisschen Taktik üben!

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Zum Glück für mich und meinen Verein hatten sich Sven & Sven starke Positionen erwirtschaftet, die nach dem frühen Rückstand noch immer zu mancher Pokalhoffnung Anlass gaben. Auch André sicherte versiert ab, was abzusichern war – Remis im komplizierten Springerendspiel gegen den starken Rüdiger Zart!

Den Svens indes geriet derweil etwas Sand ins Punktegetriebe – Sven Joachim fand sich gegen den stark aufspielenden Christoph Schröder in einem Läuferendspiel wieder, das amtlicherseits wohl hätte Unentschieden ausgehen sollen. Doch auf den letzten Partiemetern geriet Christoph noch auf Abwege und verpasste ein elegantes Remismanöver – Punkt für uns nach gut 5 Stunden!

Pokal Hamburg 4
   Die Svens in Aktion

Und Sven Charmeteau? Sven stand fett, fett, fett gegen Birger Wenzel, zwei Mehrbauern oder so, alles gut. Dachte man zumindest, bis eine auch überregional bekannte Engine am späteren Abend Zweifel an- und sogar klaren gegnerischen Vorteil vermeldete. Indes, Taktik ist immer schwierig, und auch wenn sozusagen jeder der Spieler mal hätte gewinnen sollen – am Ende wurde es Remis.

So hatten wir nach sechs langen Stunden ein ausgewogenes 2 : 2 im Mannschaftsergebnis. Schiri Hugo Schulz, Originalhamburger und veritable Stammkraft an deutschen Schachschiedsrichtertischen, rechnete die Berliner Wertung zusammen, und siehe da – 6 : 4 für Werder durch den Einzelsieg am höheren (Sven-) Brett!

Damit durften wir am nächsten Tag noch einmal wiederkommen und gegen den SSC Graal-Müritz auflaufen. Die Mecklenburger hatten sich im Spiel mit Segeberg ebenfalls durch Berliner Wertung durchgesetzt. Sehr sehr knappe Verhältnisse in der nördlichsten Pokalgruppe!

Pokal Hamburg 2
Schiedsrichter Hugo Schulz - da brennt nichts an! Und überhaupt: Áku pollá, míla ta aparétita.

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Im Pokal können die 14 Spieler eines Mannschaftskaders in vogelwilder Folge zu jeder Runde neu aufgestellt werden. Anders in den Ligaspielen gibt es hier keine Rangordnung, die streng eingehalten werden muss. Wer kommt, sucht sich Farbe und Brett – und dann wird gespielt!

Wir Werderaner fanden das einen spannenden Modus – ähnlich wird doch irgendwie auch in den Niederlanden gespielt? Das wäre doch mal was, auch für die deutschen Ligen. It’s a free country!

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Samstag abend in Hamburg, Werder reiste nach Wilhelmsburg, wo Teamchef Christian Richter in weisester Voraussicht bereits ein nettes Hotel reserviert hatte. Nach einem hübschen italienischen Abend im Di Matteo, viel Knoblauch sowie einem dramatischen Duell Hand and Brain* fielen wir um Mitternacht ins Bett.

Doch nicht für lang, die Frühschicht rief! Um 08:49 Uhr saßen wir schon wieder im Bus, der uns über die Elbe bis hin zur Außenalster bringen sollte. Hugo Schulz war bereits vor Ort, ebenso Hendrik Schüler, der als Vertreter des Ausrichters bereits die formidable Hamburger Kaffeemaschine angeheizt und eine Auswahl von Snacks kreiert hatte. Und so machten wir um zehn Uhr die ersten Züge – Vorrundenfinale in Hamburg!

Pokal Hamburg
Auf zur Sonntagsrunde - schön, dass wir noch dabei sind!

Pokal Hamburg 5
   Norddeutsches Abtasten zu früher Stunde

Auch gegen Graal-Müritz, nahe der Ostsee gelegen, gleich neben Rostock, waren wir ELO-mäßig recht deutlich favorisiert. Doch – siehe Samstagsrunde – hilft das im Zweifel ja auch nicht.

Es dauerte eine ganze lange Weile, ehe sich zählbar etwas an den Brettergebnissen tat – die Svens standen beide aussichtsreich (jeder mit Mehrbauer), André fand sich in einer schwerblütigen Kampfpartie wieder, und mein Orang-Utan hatte zu einigen Felderschwächen bei meinem Gegenspieler Horst van Bentum geführt. Auszunutzen wusste ich diese allerdings nicht – geschmeidiges Variantenrechnen geht … anders.
Und doch, eine Überzahl von Figuren am Königsflügel ermöglichte schließlich ein Opfer, einen Angriff und ein Matt, wir führten 1 : 0!

Steffens van Bentum
Mit 20.... Kg8-h8 hatte Schwarz soeben auf die weiße Agression Tf3-g3 reagiert. Was macht Weiß?**

IM Sven hatte mit Hans-Eckhard Lüthke ein fiegelinsches Springerendspiel mittlerweile zum Remis austariert, während André im Spiel mit Hartmut Moritz trotz Mehrqualle in einiger Not war, seine Stellung beisammenzuhalten. Allerdings, Zeitnot allenthalben, und ein Trick zu viel für seinen Gegner – Figurenverlust, und schon bald ein Sieg für André. Zweieinhalb Punkte, wir waren weiter!

Pokal Hamburg 3
André Büscher - erneut ein Big Point für Grün-Weiß

Noch aber wurde gespielt, FM Sven wollte seinen Mehrbauern zur Geltung bringen, was in schwer verschachtelter Stellung allerdings recht knifflig und möglicherweise sogar riskant war.
Sven versuchte Manöver um Manöver, Andreas Jansen parierte links, Andreas Jansen parierte rechts, und dann, was war das? Plötzlich stand ein Bauerndurchbruch im Raum, jedoch für Graal-Müritz, ein gefährlicher Jansen- Konter mitten auf dem Brett!

Doch schien die Lage doch nicht ganz eindeutig zu sein, und so einigten sich die beiden Spieler sicherheitshalber auf ein Remis. Somit 3 : 1 für Werder, und Einzug in die nächste Runde. Hoch die Kaffeetassen!

kaffeeschach Achtelfinale!

Weiter geht es mit der bundesdeutschen Mannschaftspokalzwischenrunde am 07 und 08 März. Hübsch dezentral gestreut ruft dann der in allen Belangen sehr souveräne Turnierleiter Thomas Wiedmann die 16 verbliebenen Pokalteams erneut an die Bretter, und auf geht es ins landesweite Last 16.

Acht der sechzehn Achtelfinalisten sind durch das gute Abschneiden im Vorjahr noch vorberechtigt für das laufende Pokaljahr – sie mussten in der nun gespielten Vorrunde noch nicht “ran”. Alle Clubs, die es im März durch einen Sieg ins Viertelfinale schaffen, sind wiederum vorqualifiziert für das Achtelfinale des nächsten Jahres.

Nun ist es einerseits schön, dass ein gutes Turnierergebnis auf diese Weise honoriert wird. Andererseits scheint es fast schon ein wenig zu nobel und risikoabfedernd, dass man sich mit nur einem einzigen Sieg im Achtelfinale schon wieder für das Achtelfinale des kommenden Jahres qualifizieren kann.
Würde nicht auch eine Wildkarte für die erste Runde auf Bundesebene genügen? Gleiches Pokalrecht für alle.

Große Vereinsnamen sind noch im Lostopf dieses traditionsreichen Wettbewerbs, darunter mit Baden-Baden und Solingen zwei echte Großkopferte. Werder Bremen wird im März auf Bavaria Regensburg, die SG Leipzig und seinen Bundesliga-Reisepartner SV Lingen treffen. Eijeijei, das werden sicher spannende und sehr enge Kämpfe. Wir freuen uns drauf!

Turnierseite Mannschaftspokal


* Hand and Brain – echter Teamsport, bei dem jeweils zwei Spieler gemeinsam gegen zwei andere antreten. Bei jedem Zug benennt der eine Spieler einer Mannschaft eine Figur, die gezogen werden soll, der andere denkt sich dann einen möglichst guten Zug aus für diesen Stein. Kurios, aber macht Spaß! Man kann/ sollte auch Bier oder Lambrusco dabeii trinken.

Steffens van Bentum

** Steffens - van Bentum: Da geht doch was! Mit 21.Txg7 kann Weiß gleich reinhacken, denn 21.... Kxg7 22.Dg4+, Kh6 führt nach 23.Dh4+, Sh5 24.e3-e4! zum Matt - leider habe ich die e4-Idee nicht gesehen und schon gar nicht gespielt. Jedoch - auch 21.e3-e4 sofort geht gut (Partiezug!), und sowohl 21....Dh5 22.Lxf6! oder 21....Dd7 22.Txg7! als auch die Partiefortsetzung 21....Sxe4 22. Lxg7, Kg8 23.Le5+ gewinnen.

Dienstag, 31 Dezember 2019 12:04

Bewegte Bilder: Schach bei ... Eurosport!

Zu Silvester noch ein kleines Highlight in einem an Hochlichtern schon nicht gerade knappen Jahr 2019: Baden-Baden wird Rekordmeister, Big Vlad Kramnik tritt zurück, mühsame DSB-Querelen sowie aufregende Monatsblitzturniere in Bremen. Und SF Magnus Carlsen ist seit gestern Dominator aller Klassen und Weltmeister sowohl im klassischen Schach, im Schnellschach und nunmehr auch im Blitz. Was für ein Rekord! Da kann ich mal wieder nicht mithalten - zwar bin ich amtierender Vereinsmeister der Werder Bremen Schachabteilung, doch schon beim Blitzen hier im Bremer Raum lässt David Höffer mir in der Regel keine Schnitte. Und im Schnellschach ... bin ich auch längst nicht so gut wie Carlsen - ich gebe es zu und stehe dazu.


Tie-Break bei der Blitz-WM - the boring London System does it again, oh my God.

Auch die Kandidaten haben sich nunmehr in Stellung gebracht. Alsbald werden sich im russischen Jekatarinenburg (wer findet es auf der Karte!?) acht hoffnungsvolle Talente versammeln, um abermals einen Herausforderer für Dreifach-Weltmeister Carlsen zu bestimmen. Leider nicht dabei ist MVL Maxim Vachier-Lagrave, der sowohl bei den Kriterien World-Cup, ELO-Durchschnitt als auch FIDE-Grand-Prix just immer einen Rang zu tief lag für die direkte Qualifikation. Wir sagen - quel dommage, sehr schade, und dürften wir als Schachwelt-Redaktion einmalig die Wildcard für die Kandidaten vergeben, sicher wäre es eine für MVL, denn er hat es einfach verdient. Um es noch einmal zu sagen: SCHADE. Beim nächsten Mal dann aber, Maxime!

In aller Munde und stets angemessen in der Öffentlichkeit präsent ist Schach noch immer nicht. Doch wer weiß, es gibt so ein Gefühl, dass sich das ändern könnte. Ist Schach langsam, gaaanz langsam auf dem Weg zum Trendsport? Und woran könnte man das festmachen?

Dagegen spräche, dass bei sporadischen Umfragen an einer Bremer Berufsschule meines Vertrauens die allermeisten Schülerinnen und Schüler eher noch nie etwas beispielsweise von WM Carlsen gehört haben. Einige erinnern sich indes, dass der Weltmeister ein Schwede ist oder so - und das ist ja schon ganz gut.
Und vielleicht ist das ja auch gar kein Kriterium - ich selber müsste beispielsweise auch passen, wenn man mich fragte, wie die amtierende Weltmeisterin im Stabhochsprung heißt. Dennoch finde ich Stabhochsprung interessant, ebenso wie Tennis oder auch Drachenbootfahren.

magnus carlsen
 Und wie heißt jetzt der Weltmeister? 

Für Schach als Trendsport spricht unter anderem, dass die Schar der Schachspieler im Internet mutmaßlich wächst und wächst. Zwar sind nicht alle in Vereinen organisiert, doch what shall's - Spielen und Dabeisein, das ist die Hauptsache. Es wäre doch toll, wenn wir eine Art Schachkultur hätten wie in Russland (Taxifahrer helfen bei der Analyse) oder Armenien (Grundschulfach Schach). Andererseits, und um mal ganz ehrlich zu sein - viel mag im Internet gespielt werden, aber in Kneipen, auf Straßen, in Parks, dort sieht man Schach hierzulande eher noch nicht.

Lagerhaus
 Schachsport - mal außerhalb der Vereinsräume

Schach im Grünen
 Figurenbeobachtung in der freien Wildbahn

Schach in der Zeitung, Schach im Radio? Solide, solide, was man so hört, und durchaus gerne nehmen Zeitungen in den lokalen Sportteilen auch Schachberichte auf. Mitunter senden sie ihr eigenes Reporterteam samt Fotografen - das gab es früher doch eher nicht? Dennoch haben die Schachberichte selbst aus den hohen Ligen stets dagegen anzukämpfen, von allerlei anderen Reportagen und - Tabellen! zum Bezirksliga-Fußball und Kreisliga-Tischtennis im Sportteil verdrängt zu werden. Und dennoch, vielleicht tut sich langsam etwas, und Bereitschaft und auch Interesse der Redaktionen als auch der Leserschaften ... werden größer?

Schach im Netz ist natürlich breit repräsentiert. Es ist eine Freude zu sehen, wie intensiv und umfangreich auf Chessbase.de zum Tagesgeschehen, zu Büchern und Schachkultur reportiert wird. Auch der Schachticker (Grüße an Franz Jittenmeier und unseren lieben Kollegen Thomas Richter!), die beeindruckend aufbereiteten Seiten der Bodenseeperlenfischer (Grüße an die Südküste!),  die Bundesliga-Seite und immer wieder/ mitunter auch die DSB-Homepage bieten Lesestoff, Lesestoff, Lesestoff. Wann nur soll man das alles lesen?

Elf Freunde
   Beliebte Motivgebung: Schach und Fußball. Van Gaals Stellung sieht jedoch etwas wüst aus.

Bleibt ... das Fernsehen! Abgesehen von Interviews im Frühstücksfernsehen anlässlich der Schach-WM sind schwarz-weiße Sportfiguren hier noch eher rar gesät. Erfreulich allein, wenn in Fernsehfilmen das Schachbrett mal richtig aufgebaut wurde, mit dem weißen Feld unten rechts in der Ecke, und die Figuren auf den richtigen Plätzen.

Allein, Schachsport im Fernsehen - wer schaut schon gerne anderen beim Schachspielen zu? In Norwegen mag das anders sein, auch in der Online-Schachgemeinde selbst gibt es viele aufregende Formate, bei denen mal stundenlang den Turnierrunden folgen kann (Isle of Man!), mit Live-Videos direkt vom Brett und klasse Kommentatorenteams. Das hiesige Fernsehen ist da, anders als seine norwegischen Bruderkanäle, noch nicht ganz so weit - das war aber auch nicht so schnell zu erwarten gewesen. Und hey, wir spielen Schach ja, weil es Spaß macht - nicht, weil es im Fernsehen gezeigt wird.

the world is watching
   Schach im Netz - ständig gibt es was zu gucken

Und dennoch, so spektakulär wie es nur sein kann, hat nun EUROSPORT in Verbindung mit WORLD CHESS ein Format entwickelt, bei dem von den FIDE Grand Prix Turnieren ein etwa 45-minütiger Bericht gezeigt wird. Ein Schachfreund erzählte davon beim Vereinsabend, dass er beim Herumzappen plötzlich Bretter, Figuren und bekannte Großmeister sah, und das nicht nur für eine kurze Minute, sondern für länger und länger an einem Montagabend im November. Im richtigen Fernsehen! Und deshalb nun ein ...

Trommelwirbel für:


   Der FIDE Grand Prix 2019 in Riga - Eurosport war zu Gast!

Und was sagen wir dazu? WOW, sagen wir, denn selten sahen wir eine so intensive und hochprofessionelle Darbietung des Schachs in laufenden Bildern. Man sieht die Großmeister am Brett, Dubov, Nakamura, hört die Geschichte ihres K.O. Matches und spürt die Dramatik des Ausscheidens in Achtel- und Viertelfinale. Spieler werden interviewt, es wandern die Figuren in close-ups über das Brett, und die Spieler sind da, in Großaufnahme, mal voller Hoffnung, mal kurz vor der Aufgabe.

Ist das ein Märchen? Wie kann es sein, dass plötzlich so eine steile Show im Fernsehen gezeigt wird? Eurosport, wie rasant! DA hat World Chess nach einigen phasenweise doch eher unrund vorgetragenen Turnier-Ausrichtungen mal ein veritables Highlight geschaffen. Danke dafür an World Chess und Eurosport - uns stockt der Atem. Gerne, gerne mehr davon, liebe Leute!

*****

Für 2019 machen wir unsere Redaktionsstube nun dicht, melden uns aber in Kürze wieder - Ihr kennt das ja. Der erste Werder Monatsblitz des neuen Jahrzehnts steht ja zum Beispiel an! Und auch das Kandidatenturnier.

Vorher aber, im alten Jahr, gibt es Berliner, Berliner, Berliner, und wir wünschen Euch einen guten Rrrrrutsch ins neue Jahr 2020!

Donnerstag, 12 Dezember 2019 15:12

Bewegte Bilder: Bremer Silvesteropen 2019!

Wie muss es heißen?

O Ein Bier sagt mehr als tausend Worte.

O Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Die richtige Antwort ist: kommt drauf an, denn je nach Situation kann ein Bier erhellender sein als tausend Bilder.

Doch wer weiß! Wir halten es zumindest heute aber mit dem bewegten Bild, und weisen mit einem schönen Clip gerne auf ein Turnier hin, das zwischen den Jahren (= between the years?) in der alten Hafenstadt Bremen ausgetragen wird.

Es ist die dritte Auflage des Bremer Silvester-Opens, organisiert von David Kardoeus im Namen von und mit Hilfe von Werder Bremen. Davids Vision: ein Schachturnier für alle ausrichten, in dem das Ambiente stimmt, wo man genügend Platz hat am Tisch, wo es hübsch aussieht im Turniersaal, und das alles in freundlicher Atmosphäre. (Kurze Zwischenfrage - ist der Kaffee denn auch ok? Aus eigener Erfahrung vom Vorjahr möchte ich sagen: eine sehr wichtige und eine sehr berechtigte Frage, und jepp, der Kaffee ist ok!, wird stets frisch gekocht, und man bekommt ihn zu einem fairen Preis.)

Nun aber zum bewegten Bild - der Trailer zum Turnier:

Wer Lust bekommen hat, mehr über das Turnier zu erfahren, surfe schnell hin zur Webseite www.imperialchess.de. Dort finden sich alle Details zu Startgeld, Uhrzeiten, Preisgeldern, Siegerlisten, und über die bereits angemeldeten Teilnehmer.

(Noch eine Zwischenfrage: Fehlt bei den Anmeldungen nicht noch Spartak Grigorian? Ein Turnier ohne Spartak Grigorian? Aber nun gut, vielleicht meldet er sich ja bald noch an.)

Spartak
        Silvester 2018: Platz 2 für Spartak!

Dienstag, 26 November 2019 13:50

Werdertigers mit Traumstart

Die erste Doppelrunde der Bundesliga ist gespielt - reichlich Teams sind mit vier Mannschaftspunkten in die neue Saison gestartet, darunter beinahe auch der SV Lingen aus dem schönen Emsland, der als Aufsteiger drei Punkte sammeln konnte - zwei davon gar gegen den etwas ersatzgeschwächten Namensvetter aus SoLingen. Wir verweisen zum Bremer Saisonstart auf den Stimmungsbericht von Werder-Coach Jonathan Carlstedt auf der Seite: Werder mit Traumstart

Wer möchte, kann morgen am Donnerstag bei den Werdertigers reingucken, dort sendet ebenjener Jonathan und schaut zurück auf das vergangenen Wochenende aus Werdersicht. Ok, ok, es ist zugegebenermaßen alles ein bisschen reichlich Werder jetzt hier, gerade, aber was soll man tun? Follow us on Werdertigers!

Wir machen uns das Leben in der Redaktionsstube heute mal einen Tick leichter und kopieren einfach den amtlichen Presseartikel, den WORLDCHESS als Veranstalter des Hamburg Grand Prix 2019 zur Schlussrunde des Turniers veröffentlicht hat.

Zum Einen bietet es sich ja auch an, in Zeiten globaler Arbeitsteilung endlich auch einmal international mehrzügig zu fahren und vorgefertigte Berichte zu - wie sagt man doch gleich - sharen. Hinzu kommt, dass Worldchess in den beiden Turnierwochen viele runde, lebhafte, dabei sachliche und nicht zuletzt spannende Rundenbulletin in die Welt brachte, die zu lesen Spaß brachte - wohltuende und angenehm anschauliche,Partieschilderungen, wie vor hundert Jahren!
Der Autor oder die Autorin wurde von Worldchess leider nicht namentlich genannt, sonst hätten wir sie resp. ihn hier alsgleich erwähnt und mit großem Geld für unsere Redaktion abgeworben. So aber bleibt ein Geheimnis, was erst noch gelüftet werden muss.

Turniersieger wurde das russische Urgestein Alexander Grischuk - wir gratulieren! Grischuk hat damit unmittelbar eines der acht Tickets gelöst, das ihn zum Kandidatenturnier 2020 bringen wird. Seinen Finalgegner Jan-Krzysztof Duda vom Hamburger SK (!) (und aus Polen) kennzeichnete er charmant als einen "Fritz-Computer ohne Eröffnungsdatenbank", der spielstark und erfindungsreich nachteilige Stellungen noch zu drehen vermag, die durch bisweilen fehlendes Eröffnungswissen entstanden sind.

Grischuk Gordienko
Erst Skepsis, dann Grand Prix Sieg in Hamburg: Alexander Grischuk!   Foto: Valeria Gordienko

Duda Gordienko
 Viel hat nicht gefehlt zum Gesamtsieg: Jan-Krzysztof Duda           Foto: Valeria Gordienko

Es waren zwei sehr würdige Finalspieler, und ein schönes Turnier in Hamburg! Mir wurde es am Ende ein klein wenig lang, nachdem so viele Spieler sich schon im K.O. verabschiedet hatten und der Saal im Kehrwieder Theater immer leerer wurde - ein Kehrwieder gab es im Turnier ja nicht. Da jede der vier Runden über gute drei Tage ging, fehlte am Ende so ein wenig das Momentum - anders als im Tennis, wo auch ein Knock-Out erfolgt, dort indes dann schon nach wenigen Stunden. Vielleicht wäre ein Schnellschachformat mit Knock-out mal eine attraktive Idee? Oder dasselbe im Blitz? Aber, wahrscheinlich gibt es das auch schon irgendwo - wenn nicht sogar früher schon einmal bei 2hoch6 in Bielefeld!, oder auch aktuell auf der britischen Insel.

Hier der Bericht!

"Dear Journalist,

Please find below the daily report from the FIDE World Chess Grand Prix Hamburg 2019 that is taking place from November 5 to November 17.

Alexander Grischuk won the FIDE Grand Prix in Hamburg. The 36-year-old Russian grandmaster decided the tiebreak of the finals against Jan-Krzysztof Duda in his favour and claimed the victory of the third leg of the Grand Prix series 2019. 

With this win, Grischuk virtually booked his ticket for the Candidates Tournament which will take place in Yekaterinburg, Russia from March 15 to April 5 2020.

"Now it will be very pleasant for me to watch the final event. Of course, I wish luck to everyone who can still qualify, to "Shakh" Mamedyarov, to Nepomniachtchi and Maxime. But not too much luck to Maxime cause I don't want him to overtake me. I can not be routing against myself", said Grischuk shortly after his victory.

In a last day full of exciting games, played in a short time control, Grischuk and Duda needed four rapid games to determine the winner.

Duda started the first rapid game of the day with the English Opening. The critical position arose after his 12th move when he attacked the black pawn on e4. Grischuk decided to sacrifice this pawn and go for an attack on the kingside. That proved to be the wrong decision. Soon, Duda had complete control of the centre, the bishop pair and was a pawn up.

With time running down the only question remaining was if Duda could manage to convert his decisive advantage to a full point. He did, and he did it convincingly. In the endgame, he created a passed pawn on the 'c'-file and combined this with a mating attack on the back rank.

Grischuk struck back immediately in the second rapid game. He started with some excellent opening play in a well-known-line of the Queen's Indian Defence, and after only 17 moves, he was a pawn up. Duda's situation soon became desperate. Grischuk penetrated with his queen into black's back rank and created unstoppable threats.

In the third rapid game, Grischuk started again with the white pieces and took the lead. This time Duda chose the Slav Defence, but once again he faced a position which he wasn't really familiar with. He tried to clear the situation in the centre, but Grischuk found a fantastic pawn sacrifice which yielded him a strong initiative due to his active pieces and development advantage.

Duda tried to find shelter for his king on the queenside, but this allowed Grischuk a devastating attack. He broke through black's defence and eventually won a full rook. Duda kept fighting as both players were short on time, but the outcome of the game was never in doubt.

In the fourth and final rapid game, Duda started with 1.e4 and tried to turn the tables with the Four Knights Game. Both players spent most of their available time of ten minutes on the opening. Duda seemed to have a slight initiative in the middlegame, but Grischuk found a brilliant manoeuvre to centralise his knight on the e4 square. Duda exchanged this knight but consequently transformed into a middlegame with opposite-coloured bishops wherein Black had the better minor piece. As usual, Duda fought bravely, but this time he was only able to get away with half a point.

Both players praised each other after the dramatic fight, and Grischuk drew an interesting comparison: "First I want to thank Jan-Krzysztof for this incredible match. I enjoyed every moment of each game all three days. All games were very tense, and it was a huge fight with no short draws or anything. I was getting a feeling that Jan plays a little bit like an old computer, not exactly Stockfish, but like some Fritz without an opening database, without an opening book, because every game – White/Black – he plays some „shit" basically but then playing incredibly. I remember when I was young, the computers were not as strong, and you could try to compete them, but still, they were beating you. And I was getting the same feeling today, but then twice I got just too much of an advantage to save even for Fritz or for Jan."

Even after losing against Grischuk, Duda had no reason to be dissatisfied with his performance in Hamburg: "First of all I want to congratulate my opponent. My openings didn't work out, especially with Black, I think. The second game was terrible because I just blundered a pawn in the opening". 

Asked about his overall performance, he replied: "My play here was great. I didn´t expect to get into the final, I didn´t even expect to get into the third round because I found Nepomniachtchi and Yu Yangyi to be the most and probably most unpleasant opponents for me because I haven't won a single game in classical chess against both of them, but I was lucky that they both blundered a game actually in one move."

Final, tiebreak result:

Alexander Grischuk - Jan-Krzysztof Duda 2,5-1,5"

Vielleicht dachte Grischuk an diese Partie in der Duda viele einzige Züge fand, um sich noch ins Remis zu retten:

Turnierseite

Schöner Bericht und Fotoimpressionen bei Chessbase

Freitag, 15 November 2019 15:51

Update: Bundesliga - Endlich wieder Tippspiel!

Auch in diesem Jahr veranstaltet unser kleiner Blog wieder eine Bundesligasaison, so dass unsere verehrten Leserinnen und Leser Ihre Prognosekünste beim großen Liga-Tippspiel 2019/2020 demonstrieren können. Schickt uns alsbald Eure pfiffigen Antworten - es soll Euer Schaden nicht sein!

norisko
                  Norisko - no funo

Frage 1) (zum Aufwärmen) Welche Mannschaft wird eigentlich Deutscher Meister? 

Frage 2) Nach welchem Spieltag wird der neue Meister feststehen?

Frage 3) Wie viele Mannschaftspunkte holt der Meister 2019/ 2020 gegen seine vier direkten Verfolgerteams?

(Die drei Tipper mit den zutreffendsten Prognosen erhalten hier die vollen Punkte, die nächsten drei die halbe Punktzahl, der (eventuelle) Rest - leider keine Punkte

Frage 4) Schafft es Werder Bremen unter die ersten Fünf?

Frage 5) Auf wie viele Einsätze insgesamt kommen Levon Aronian (Baden-Baden), Jan-Krzysztof Duda (Hamburger SK), der deutsche Meister, Niclas Huschenbeth (Bavaria Munich) und Spartak Grigorian (SV Werder Bremen) ?

(Die drei Tipper mit den zutreffendsten Prognosen erhalten hier die vollen Punkte, die nächsten drei die halbe Punktzahl, der (eventuelle) Rest - leider keine Punkte

 

Einsendeschluss ist Samstag, der 23 November, um Punkt 14 Uhr Schachwelt-Zeit. Einsendungen bitte nur im Kommentarbereich.

UPDATE: der Einsendeschluss wird elegant verschoben auf einige Tage nach Saisonbeginn. Wir sagen "sorry, folks" - irgendein Software-Phänmen verhindert leider aktuell,

dass sich neue Teilnehmer für den Kommentarbereich registrieren können. Bis das geklärt und behoben ist - ruht auch der Einsendeschluss. (Wer schon getippt hat, möge gerne

noch einen aktualisierten Tip übermitteln auch nach dem ersten Liga-Wochenende.)

Neuerliches Update (26.Nov.): alles wieder gut!, das Tippspiel ist wieder aktiviert, und ein Registrieren ist möglich. Möge seine Vorhersagen eintragen, wem es beliebt. Da die Saison schon begonnen hat, können bisherige Tipps noch einmal neu eingereicht werden (auch aus dem fernen Österreich).
Einsendeschluss. Samstag in acht Tagen! Am nächsten Schach-Bundesliga-Spieltag, 07.Dezember, 12 Uhr schließen wir den Briefkasten ab. Macht's gut!

Zu gewinnen gibt es:

Platz 1: ein Interview mit dem Sieger hier auf Schach-Welt, inkl Farbfoto und (vom Sieger) kommentierter eigener Partie

Platz 2: eine schöne (sehr sehr schöne) Tafel exklusive Bremer Stadtmusikanten-Schokolade

Platz 3: zwei Eintrittskarten für ein Schachbundesliga-Heimspiel des SV Werder

Platz 4: Einbau des Gewinner-Namens in einer exklusiven Schach-Welt-Artikel-Überschrift (z.B. "Krennwurzn erneut Weltmeister!")

Platz 5: eine Donau-Kreuzfahrt für zwei Personen von Passau nach Linz (Außenkabine, mit Frühstück) eine wundervolle CD aus meinen alten Beständen, die sich bei ebay beim besten Willen nicht mehr verkaufen ließ - lasst Euch überraschen!

Wir freuen uns auf Eure Zusendungen. Seid dabei!

Dienstag, 05 November 2019 18:58

Bundesliga: Nordgipfel und Simultan

Liga-Highlight im Bremer Kaffeequartier am Samstag, 23.November: mit acht Mannschaften aus der ersten und zweiten Bundesliga ist Bremen Ausrichter eines veritablen "Nordgipfels", bei dem es für alle Schachfans reichlich, reichlich viel zu sehen geben wird!

Zu Gast an der Weser sind:

- aus der Bundesliga: Aufsteiger SV Lingen, Vizemeister SG Solingen, der SV Mülheim Nord und als Ausrichter der SV Werder Bremen
- aus der Zweiten Bundesliga: der FC St.Pauli, der Hamburger SK 2, Turm Kiel 2 sowie auch hier als Ausrichter der SV Werder Bremen 2

Kommt vorbei und unterstützt das (Nord-) Team Eurer Wahl - die Auswahl ist groß.

Ort: Kaffeequartier Kantine, Lloydstraße 4-6, Bremen-Überseestadt
Eintritt 6,-€/ ermäßigt 3,-€, und für Schachfans im grün-weißen Werder-Dress (Oberteil) sowie Mitglieder unserer Schachabteilung natürlich umsonst. Die Begegnungen werden live vor Ort kommentiert. Wir freuen uns auf Euren Besuch!

Am Freitag abend, 22.November, lädt die Schachabteilung des SV Werder ein zu einem Leckerbissen an zwanzig Brettern: zwei renommierte Werder-Großmeister werden sich mutig in den Ring begeben und gegen ein aus vielen Bremern formiertes All Star Team im Simultanspiel antreten. Nach einer kleinen Partienschau ab 18 Uhr werden die Spiele gegen 19:15 Uhr beginnen.

Einer der beiden Meister ist der britische Spitzenspieler Luke McShane, der bereits seit 20 Jahren mit viel Erfolg die grün-weißen Farben vertritt und im Weltschach unter anderem Levon Aronian als auch Magnus Carlsen bezwingen konnte. Beide Simultanspieler werden abwechselnd durch den Parcours wandern und ohne Absprache miteinander versuchen, gemeinsam die besten Pläne gegen Team Hansestadt auszutüfteln. Ob es gelingt?

Vor zwei Jahren waren die tschechischen Großmeister Zbynek Hracek und Vlastimil Babula bei einer ähnlichen Veranstaltung erfolgreich, und allein Thorsten Ahlers, seines Zeichens 2.Vorsitzender des Landesschachbundes, konnte die Meister mit dem sehr schönen Zug 1.b2-b4! aus dem Konzept bringen und besiegen. Gut gemacht! Wir sind gespannt, was sich in diesem Jahr ereignen wird und freuen uns auf unsere Gäste.

Noch Plätze zu vergeben! - Zwei Plätze im All Star Team verlosen wir unter den Teilnehmern des Monatsblitzturniers und interessierten Werderanern am 07.November.

Zuschauer sind herzlich willkommen, der Eintritt ist frei.
Ort: Hemelinger Straße 17, Bremen, Werder Vereinsheim. 1.Etage

Olaf Steffens
SV Werder Bremen Schach Bundesliga

Freitag, 01 November 2019 20:14

Neulich noch Schachjugend, heut' schon GM

Jüngst fand sich in Bremen die Schachjugend des Landes zusammen, um unbeeindruckt vom übrigen Weltgeschehen und eines fantasmagorischen 6:2 - Heimsiegs des HSV ihre Schnellschachmeister der U10, U12, U14 und U (alle weiteren Zahlen) in der gebotenen sportlichen Freundschaft zu ermitteln. Rund 50 Youngster waren dem Ruf von Turnierleiter Dennis Webner gefolgt und machten sich um zehn Uhr in der Gesamtschule Mitte bereit, ihre ersten Schachzüge erfolgreich aufs Brett zu feuern.

Sieben Runden waren zu spielen, hübsch getaktet und ohne große Pausen, und es blieb ausreichend Zeit für einen oder auch zwei, wenn nicht sogar drei Besuche am sehr schönen und beinahe opulenten Büffet, das von einigen Eltern kredenzt und für faires Geld feilgeboten wurde.

Ausrichter der Veranstaltung war der SV Werder Bremen, und dies sozusagen in Gestalt der neuen Jugendwartin Caroline Detjen, die in umsichtiger Detailarbeit zusammen mit der Bremer Schachjugend (BSJ) ein wunderbares Org-Team ins Leben gerufen hatte.
Brettschiedsrichter, Aufbauhelfer, Turnierleiterassistenten, Catering und Kaffee - das alles lief sehr rund bei Carolines erstem Turnier, ein großes Kompliment dafür!, und mit einem "Wir kommen gerne wieder" dankte auch alsgleich Dennis Webner als Repräsentant der BSJ.

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     Ohne die Turnierleitung geht nichts: Dennis Webner und Hayo Hoffer vom Bremer Landesverband

Gespielt wurde an 27 Brettern, wenn auch nicht während der gesamten Zeit. Die jüngsten der jungen Leute wissen auch in zwanzigminütigen Schnellpartien bereits innerhalb weniger Minuten eine Entscheidung herbeizuführen und eilen dann mit oder ohne Punktgewinn hinaus zum Fußball, zur Analyse, zum Büffet oder zur Vorbereitung der kommenden Runde - oder auch zu allem gleichzeitig.
Wir Älteren, was sind wir doch manchmal behäbig, unentschlossen, vorsichtig! Vor einigen Jahren überlegte ich bei einem niedersächsischen Open in Verden fünf Minuten an meinem ersten Zug, während am Nebenbrett die Figuren schon nur so hin-und herflogen, abgetauscht wurden, sich zu Mattdrohungen formierten - ich machte meinen ersten Zug, und mein junger Nebenmann stand bereits auf Verlust.

Konsequente Jugend - man kann seine Zeit ja schließlich auch anders verbringen als mit langen Schachpartien. Schnell sein war also die radikale Devise einiger Debütanten auch jetzt beim Bremer Schnellschach, und so waren nach gut acht Minuten oft nur noch zwei Drittel der Bretter besetzt. Sei's drum!

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    Auch am Serviceschalter waren Nachwuchskräfte zu finden

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       Die Schachjugend, wo hat sie sich verborgen?

Jugend kombiniert

Andernorts im Turniersaal wurde nicht intensiver, gleichwohl aber langwieriger gerungen, und am meisten natürlich an den vorderen Brettern. Hier, weit vorne, dominierte viele Runden lang die einst für die Mongolei spielende neunzehnjährige Kirchweyher Nachwuchskraft Nomin-Erdene Davaademberel (ich gebe gerne zu, dass ich ihren Namen aus dem Turnierbericht der BSJ einfach herüberkopiert habe).

Nomin-Erdene ist bereits eine veritable Internationale Meisterin und hat eine ELO von 2415, was beachtlich und gewaltig ist. Ich beispielsweise bin ungefähr mehr als doppelt so alt, und es wäre ein Irrtum zu glauben, dass meine ELO daher auch doppelt so hoch sei - eher im Gegenteil. Wie machen das die jungen Leute nur?

Zum Glück weilte ich nur als kaffeesierender, salatverzehrender und zitronenkuchentestender Zuschauer vor Ort, so dass ich einem direkten Aufeinandertreffen mit der starken Nomin-Erdene zumindest für dieses Mal noch entkam.

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       Long vs Nomin-Erdene: im Finale geht es um alles          (Foto: Bremer Schachjugend)

Tatsächlich holte die Spielerin aus dem im Bremer Umland gelegenen Kirchweyhe zunächst vier Punkte in steter Folge, wackelte aber bereits dort an manchen Stellen ein ganz klein wenig. Die Binnenbremer Konkurrenz, rund 400 oder mehr Weltranglistenpunkte hinter ihr plaziert, schlug sich beachtlich, und in Runde 5 war es dann soweit - Vorjahressieger Erik Pahl vom SK Delmenhorst nahm der jungen Meisterin fast sensationell einen vollen Punkt ab und setzte sich auf Platz Eins.

Indes, dort blieb er nicht allzulange, denn nun war es Long Lai-Hop, die schnelle Hand vom SK Bremen-West, der den neuen Tabellenführer alsbald mutig entthronte - nur um dann seinerseits gegen Nomin-Erdene Davaademberel in einer turbulenten Schlussrunde (vier Bauern gegen einen Läufer - diese Jugend!) das Nachsehen zu haben.

Gesamtsieg damit für die Mongolin, zweiter Platz für Erik Pahl, direkt gefolgt von Long Lai-Hop - und dann waren da noch viele Einzelwertungen in den verschiedenen U-Kategorien. Jugend ist ja nicht gleich Jugend, die Altersklassen sind fein austariert, und der Chancen auf einen würdigen Pokal sind viele, selbst für die Allerjüngsten.

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     Aufregung an Brett 27 - was war da los? Am Ende aber Punkt für Laurenz gegen Sophie!

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     Es muss nicht immer Philidor sein: wer schon fertig war, konnte draußen dem Brudersport Fußball frönen

Früh übt sich

Nun könnte man ganz unbedarft denken, nun gut, Jugendschach, das ist ja alles noch gaanz, gaaanz weit weg von der Weltspitze, so wie wir sie kennen. Dazu sagen wir: weit gefehlt! Denn noch gar nicht lange ist es her, 2013 erst, da saß an ebenjenen Bremer Turnierbrettern der junge Dimitrij Kollars und punktete sich souverän zum Turniersieg und dem Eintrag seines Namens auf dem hansestädtischen Wanderpokal für Jugendschnellschachmeister.

Spieler für Werder, für Delmenhorst, Bundesliga beim Hamburger SK und heute bei den SF Deizisau - Dimitrij eroberte 2017 mit Rasanz den Großmeistertitel und gehört damit zu den rund 1600 GMs auf der ganzen Welt. Phantastisch, und begonnen hat das alles bei Jugendturnieren hier irgendwo in der Republik, die Dimitrij mit seinem Vater Michael ausgiebig bereiste. Neulich noch Schachjugend, heute schon GM - wenn das mal kein Ansporn ist für nachrückende Generationen!

Auch der Nicht-Bremer Vincent Keymer hat ja mal jung angefangen, just in dieser Woche schaffte er seine letzte Großmeisternorm, zu der wir uns sehr freuen und herzlich gratulieren!

Schon 2013 vertrat Vincent die deutschen U10- Farben bei der Jugend-EM in der Slowakei. In diesem Alter kletterte ich noch in den Bäumen hinter unserem Haus herum, erst mit 13 besuchte ich das erste Mal die Jugendgruppe des Schleswiger Schachvereins und schaute jeden Abend "Turnier der Schachgroßmeister" in einem der drei Fernsehprogramme, die es damals gab.

Und man sieht, viel ist aus mir nicht geworden, und schon gar kein Großmeister. Hätte ich mal früher angefangen? Aber was soll es - wichtig ist ja, dass man gerne einige Stunden am Schachbrett oder fußballspielend mit der Schachjugend auf dem Kleinfeld verbringt, und das geht prima, ganz egal mit welcher Spielstärke!

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        Großer Pokal mit großem Namen

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         Siegerehrung - und oben im Fensterrahmen tanzen die Fans (Foto: BSJ)

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      Viel Schach an einem Tag: Bremer Meister und Bremer Org-Team! (Foto: BSJ)

Für einen Blick auf den sportlichen Ausgang in den unterschiedlichen Altersklassen möchten wir hinweisen auf Bericht und Ergebnisse bei der Bremer Schachjugend.

Und sonst bleibt nur zu sagen - vielen Dank für schöne (Schach- und Fußball-) Stunden bei einem tollen Turnier!

Postscriptum: Mit Grüßen und Dank aus Bremen an die Niedersächsische Schachjugend - Quadratisch, taktisch, klug ein kleines, feines Regelvideo:

Sonntag, 27 Oktober 2019 20:43

Werder 3: Großer Punkt in Osnabrück

Zeitig ging es los für Werder III in der zweiten Runde der Landesliga Nord Niedersachsen/ Bremen, und nur die Zeitumstellung um eine Stunde nach hinten machte die frühe sonntägliche Abfahrt einigermaßen verkraftbar. Mannschaftsfahrer David Kardoeus holte den provisorischen Mannschaftsführer Olaf um Punkt 07:42 ab, setzte in den Folgeminuten weitere fünf Mitreisende in den Werderbus, und ab ging es über die A1 Richtung Süden.

Dort warteten in der charmant renovierten Lagerhalle, einem großflächigen Veranstaltungszentrum inmitten der Altstadt, die Mannen der SG Osnabrück sowie mit IM Christian Richter der achte Werderaner, der zu diesem Auswärtsspiel zu Fuß aus seinem Wohnort anreisen konnte. Wann gibt es so etwas schon mal?

Aufbau der Figuren, Worte des Grußes, erste vorsichtige Züge – und es dauerte nicht lange, da standen bereits zwei g-Bauern auf dem sehr attraktiven Feld g4! In der Partie Steffen Rachut - Christian Richter mit der Zugfolge 1.Sb1-c3, Sg8-f6 2.g2-g4! - das flotte Tübinger Gambit, welches Freunde des Werder Monatsblitzes sich auch immer gerne mal von David Höffer vorsetzen lassen müssen. David gewann mit 2.g2-g4! sogar schon gegen den Berliner GM René Stern – eine schöne Re(né)ferenz!

Auch an meinem Brett arbeitete sich der g-Bauern frühzeitig zwei Felder nach vorne, doch brachte mir das nicht viel ein außer einigen wackeligen Felderschwächen.

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    Felderschwächen? Was soll das noch werden?

Ganz anders dagegen die Partie von Nils-Lennart Heldt – er spielte einen soliden Sizilianer, stand gut, tauschte die Damen, stand immer noch gut, und auf einmal zerbrach die Stellung seines Gegners an zu vielen Bauernschwächen und Nils’ pointiertem Figurenspiel – 1 – 0 für uns!

Carlos Schat, der kurzfristig für den leider erkälteten Collin ins Team gerückt war, setzte gleichfalls auf nachhaltige Entwicklung, was ihm im Gegensatz zu seinem Osnabrücker Gegner eine sehr harmonische Stellung einbrachte. Der Vorteil wurde größer, und größer, und caramba!, recht bald auch ein voller Punkt für Carlos: 2 – 0!

Nun war es an der Zeit, dass auch die Gastgeber in das Match fanden, und leider erwischte es alsbald Duong Lai-Hop, der mit FM Stephan Haskamp den ELO-stärksten der Osnabrücker vor sich sitzen hatte. Lange lavierten hier alle Beteiligten in einem königsindischen Aufbau, und so richtig verließ die Partie nie die Remisbreite. Dann aber wurde die Zeit knapper, und nun langte der FM zu und machte bei knapper werdender Zeit einen langen Turmzug – Figurengewinn!, und der Anschlusspunkt für Osna.

Schon fühlte sich das Match wieder eng an, und so richtig klar wollte mir nicht klar werden, wo wir die weiteren Brettpunkte einsammeln würden. Am Brett des Interims-Mannschaftsführers (Steffens – Marc Selker) standen mittlerweile sogar beide Spieler schlecht, und Matt sowie Materialverluste drohten allenthalben:

Steffens Olaf Selker Marc 25f4

Es folgte 26.c3-c4 - die weiteren Züge sind netterweise bei Chessbase einsehbar.

Hm, hm … nochmal Glück gehabt!

Und von nun lief auch das Match fast wie auf einem Gleis in den Zielbahnhof. Timur Elmali behielt den Überblick in einer schnellen Figurenabwicklung und entwickelte positionellen Vorteil auf den weißen Feldern. Mir schien die Stellung (wie so vieles im Leben) noch etwas unklar, doch vernahm ich später, dass aus der angenehmen Position eine angenehme Mehrfigur geworden war, und mit einer solchen ließ Timur sich den Sieg nicht mehr nehmen.

Ganz ähnlich auch unser Spitzenbrett Sven Charmeteau – um es mit Olli Kahn zu sagen, machte er “Druck, Druck, Druck” beim Belagern und schließlichen Erobern eines rückständigen Bauern auf e7. Das Mehrmaterial hätte so manchem Normalschachlichen wohl noch nicht zum Sieg gereicht, doch der aktuelle Werder-Trainer Sven zeigte umsichtige Technik, drohte mal hier, mal dort, und transferierte den Punkt im Endspiel gekonnt auf das Werderkonto: 5 – 1!

Die SG Osnabrück hielt aber wiederum dagegen, und es war Mannschaftsfahrer David, der hierdurch den Kürzeren zog. Mit einem Königsinder gegen den Bajonettangriff passabel aus der Eröffnung gekommen, war David einem zwischenzeitlichen Remis durch Zugwiederholung ausgewichen. Boris Schröder indes knetete sich alsdann mit exaktem Spiel nach und nach in seine Stellung hinein und gewann die Partie mit Materialvorteil im Endspiel. Schade!

Und damit waren alle Partien beendet und wir machten uns wieder auf den Weg nach ... doch Moment! Christian Richter spielte ja noch, und was war das für eine Partie! Steffen g4 Rachut hatte den geopferten g-Bauern zwar mittlerweile zurückerobert, doch Christian umfasste die weiße Stellung in der sechsten Matchstunde mal von links (Freibauer auf der h-Linie), mal von rechts (schwacher c-Bauer). Eine veritable Massage ganz im Stile von Magnus Carlsen, und wenn Weiß auch lange den Laden zusammenhalten konnte, am Ende und wie so oft rutscht einem mal was durch die Finger, und – ADM, aus die Maus, mit Matt.

Damit stand ein 6 – 2 aus Bremer Sicht zu Buche. Wir sagen: “Hurra!” und freuen uns über einen sehr runden Saisonauftakt mit zwei Siegen, zusammen mit unserem wahren Mannschaftsführer Stephan Buchal, der gerade bei den Bayerischen Meisterschaften am Tigersee turniert.

In vier Wochen am 24. November geht es weiter mit dem Lokalderby beim starken Schachklub Bremen Nord!

Landesliga Nord Niedersachsen Bremen

 

Mittwoch, 16 Oktober 2019 21:42

Drei Großmeister für Fabiano

Schwere Zeiten für große Schachnamen: bei der 20.Auflage des Harzburger Opens konnte kein Fabiano an die glamourösen Vorstellungen der Vorjahre anknüpfen und die Bergwertung im großen Harzer Jubiläumsturnier für sich entscheiden.

Fabiano Caruana (leider verhindert durch ein etwas nordseenäher gelegenes Turnier) verpasste letztlich die Preisränge ebenso knapp wie Fabiano Brinkuana (Werder Bremen), und auch der strahlende Sieger der beiden Vorjahre, Harz-Open-Lichtgestalt Fabiano Stotyuana vom Schachklub Nordhorn, vermochte diesmal nicht entscheidend in das Titelrennen einzugreifen.

Doch welch' Wunder auch - schließlich hatten zum runden Turniergeburtstag drei sehr renommierte Schachfachkräfte ihren Hut in den auf 261 Höhenmetern gelegenen Ring geworfen, GM Oleg Korneev (RUS), GM Vladimir Epishin (RUS) und GM Vadim Malakhatko (RUS? nein, Belgien). Und wie so oft in der Schachgeschichte waren die Russen wieder stärker und teilten letztlich verdientermaßen die ersten drei Preise unter sich auf:

Platz 1: Oleg Korneev, 6,5 Punkte

Platz 2: Vadim Malakthatko, 6,5 Punkte

Platz 3: Vladimir Epishin, 6,5 Punkte

 Als Harzburger Titelträger steht Fabian(o) Stotyn in einer langen ehrenvollen Reihe von Schachgroßmeistern, die ebenfalls Sieg und Pokal von dannen tragen konnten. Der Jugoslawe Vasja Pirc gewann 1938 die erste Auflage vor Efim Bogoljubov, ein Jahr später siegte Erich Eliskases (Österreich!), und später unter anderem dann Carl Ahues (1946), Mikhail Iwanov (2002, 2014 und 2016), Aleksandr Karpatchev (2003), Henrik Teske (2004),  Viesturs Meijers (2007 und 2009) sowie Lev Gutman (2008). 
Klangvolle Namen!, und doch ist Schachmeister Stotyn, verdienter Meister der Jahre 2017 und 2018, im gesamten uns bekannten Universum der einzige Spieler, der jemals seinen Titel beim Harzburger Open zu verteidigen vermochte. Chapeau!

Harzburg1
    Ratsvorsitzender Udo Raders, dann Oleg Korneev, Vladimir Epishin und Vadim Malakthatko

Harzburg 2
    Der Meisterbetrieb der russischen Schachschule erklimmt auch im Harz alle Gipfel

Harzburg 4
      It's lonely at the mountain top: GM Malakhatko allein am Spitzenbrett

Bester Vertreter der norddeutschen Tiefebene wurde Kilian Böhning vom SK Hagen (bei Osnabrück, Platz 5), direkt hinter dem offiziellen Gesandten des Rheinlandes, FM Vinzent Spitzl aus Düsseldorf, der seine Sache durchgängig sehr souverän und gut machte.

Das Turniergericht wurde bei der doppelrundigen Veranstaltung auch im Jahr 2019 vielfach aufgerufen. Als beliebtetes Turniergericht erwies sich dabei an allen fünf Turniertagen die klassische Currywurst, dicht gefolgt von auch von mir sehr favorisierten und beinahe schon hübsch vegetarischen Grünkohl mit Kartoffeln.

Wer wollte, konnte die Nachmittagsrunde gar mit Schachkaffee und -kuchen abrunden, in Kombination erhältlich zu sehr fairen 3,-€. Man kann wie immer den Einsatzkräften am Büffet als auch den Ausichtern insgesamt nicht genug danken - ohne ehrenamtliche Arbeit geht bei so einer Veranstaltung ja nichts, und was wäre so ein Schachturnier ohne etwas Nahrung und Kaffee für Leib und Seele? Man möchte sich das gar nicht näher ausmalen.

Bad Harzburg Team
    Open-Team Bad Harzburg!                                                     Foto: Turnier-Homepage

Gleich den drei bereits erwähnten Fabianos war auch mir das Turnierglück nicht durchgängig hold. Der Höhenmesser zeigte bei mir am Ende der Kompetition 5,5 Punkte über Normal-Null an, und damit war ich vermutlich schon sehr sehr gut bedient.

Trotz einiger Verfehlungen zu Beginn kletterte ich zwar zwischenzeitlich auf 4 Punkte aus 5 Runden, in der 6. und 7. Bergetappe jedoch verlor ich an Höhe, da sich meine Gegner Christian Hartogh aus Lehrte und GM Malakhatko aus BEL nur als bedingt friedliebend erwiesen und mir eineinhalb von zwei möglichen Punkten abluchsten.

Doch sei es drum - insgesamt fuhr ich zufrieden und mit neuen Erkenntnissen nach Hause und weiß jetzt, woran ich arbeiten muss, um es doch noch in die Weltspitze zu schaffen.

Malakhatov Vadim Steffens Olaf 16h5
         Zum Auftakt ganz verheißungsvoll für Schwarz: Malakthatko - Steffens

Malakhatov Vadim Steffens Olaf 32Re2
        Zum Ende hin dann lagen die Chancen dann eher bei Weiß


Harzburg 5
         Willkommen im Königreich

Meine Reise in und durch den Harz führte mich abschließend noch in das Königreich zu Romkershall, eine formidable Lokalität unmittelbar am Flusslauf der Oker gelegen - hier wurde 1988 die Monarchie ausgerufen (echt wahr), so dass sich die Woche beim königlichen Spiel mit zwei Nächten in einem beinahe echten und angenehm kuriosen Königreich abrunden ließ. Glück auf!

Turnier-Homepage

Dienstag, 08 Oktober 2019 09:59

Bad Harzburg knipst das Handy aus

In diesem Jahr gehen die Bad Harzburger Schachtage in ihre 20.Edition. Grund genug für uns, um herzliche Glückwünsche in die Harzer Bergwelt zu entsenden und uns ebenso herzlich, wenn auch schachlich leider noch etwas indisponiert in das beachtliche Teilnehmerfeld zu mischen.

Vier Großmeister mindestens werden ab heute im Bündheimer Schloss ihre Figuren über die Bretter manövrieren, und wer von ihnen das am stilvollsten zu tun vermag, hat am Ende die Aussicht auf den eintausend Euro schweren ersten Preis.

Der aktuelle Titelverteidiger indes ist kein (noch kein) Großmeister - der Nordhorner Fabian Stotyn entschied den Wettbewerb in den vergangenen zwei Jahren für sich und wird auch 2019 wieder seinen Hut in den Ring werfen. Wir drücken die Daumen für einen veritablen Hattrick.

Anlässlich des schönen Jubiläums schauen wir in unserer Serie "Schatten der Vergangenheit" noch einmal zurück auf das Jahr 2012. Die älteren Schach-Semester unter unserer LeserInnen werden sich entsinnen - als weltweit vielleicht erstes Turnier bannte Bad Harzburg damals das Handy und untersagte nach allerlei Betrugsskandalen in Deutschland und umzu visionär und konsequent das Mitführen der kleinen Computer während der Partie.

(Tja, und seitdem ist meine ELO um viele Punkte gesunken ... - aber das hat vermutlich andere Gründe! Zum Glück besitze ich gar kein Smartphone, und wenn doch, dann habe ich es nicht dabei.)

 Wenn der Daumen im Mundwinkel wackelt (Süddeutsche Zeitung)

 

Schachwelt präsentiert: Schatten der Vergangenheit

Bad Harzburg knipst das Handy aus (2012)

Gestern begann das Bad Harzburger Open, und wie schon in den allermeisten Vorjahren kamen circa 150 Schachsportler aus nah (Bad Harzburg) und fern (Bremen, Russland) in den Nordharz, um an insgesamt fünf Tagen die stattliche Anzahl von acht Turnierpartien zu bewältigen.

Allerdings staunten sie nicht schlecht, als der Schiedsrichter Wolfgang Block gleich zur Eröffnung nicht nur auf die 30-minütige Karenzzeit hinwies, sondern auch – und Achtung! – auf das totale Verbot, Handys, Smartphones und andere elektronische Schach-Hilfsmittel im Turnierbereich bei sich zu führen. Das war beeindruckend - Bad Harzburg setzt damit Maßstäbe im globalen Turnierschach und wagt in Anwesenheit von DSB-Vizepräsident Michael Langer diese ziemlich radikale Innovation. (Oder kam vielleicht sogar die Initiative vom DSB?) So oder so - Glückwunsch zu einer sehr strikten und sehr klaren Regel!

windbeutel

Was mag das sein? Eine Harzer Spezialität!

Viel Zeit für touristische Umtriebe bleibt an den fünf Turniertagen nicht, außer man spielt im Seniorenturnier, in dem Doppelrunden fast völlig vermieden werden (sechs Runden an fünf Tagen). Wer aber Zeit hat, findet in der Nähe aparte Wanderwege, einen Stausee, viel Wald, zahlreiche Bergwerksmuseen, ein Luchsgehege und überall Cafés, in denen es riesengroße Windbeutel zu essen gibt – eine Harzer Spezialität, ohne Zweifel!
(Auch beim Open ist ein besonderer Pluspunkt das wunderbare Buffet, wo man mittags warm und nachmittags Kaffee und Kuchen zu fairen Preisen bekommen kann. Gäbe es Ilya Schneiders beliebte Stiftung Turniertest noch – das Harzburger Open müsste weit vorne landen!) -

bndheimer schloss

Hier wird gespielt - in der guten Stube der Stadt

Das Turnier im Bündheimer Schloss begann mit der traditionellen Auftaktrunde „Hohe DWZ“ gegen „Nicht ganz so hohe DWZ“. Wahrscheinlich haben viele aus der erstgenannten Gruppe den vollen Punkt nach Hause tragen können. Ich hätte das auch gerne getan, wurde aber (einmal mehr) zusammen gelost mit einem blutjungen Vertreter der Niedersächsischen Schachjugend – und was das bedeutet, werden die erfahrenen LeserInnen dieses Blogs schon erahnen.
Der ungefähr zehnjährige Daniel Alejandro Phunhon Lopez (von Hannover 96, DWZ/ELO um die 1700) spielte gegen mich in dieser ersten Runde ähnlich stark wie der junge Anatoly Karpov. Er machte lange Zeit keine Fehler, baute seine Figuren ordnungsgemäß gegen meinen Hippo-Aufbau auf und profierte schon bald davon, dass ich einen wohlmeinenden, aber zu frühen Versuch machte, die Stellung zu öffnen. Beide Seiten fummelten von da an ein wenig herum, und erst nach ein paar Ungenauigkeiten meines jungen Gegners meinte ich einen leichten Vorteil zu spüren:

phunhon-steffens

Wusel, wusel - Phunhon - Steffens, nach dem 31...Tf8xf3

Im Gegensatz zu Alejandro, der noch ungefähr zehn Minuten übrig hatte, war ich an dieser Stelle leider schon in schwerer Zeitnot - meine Uhr zeigte eine Minute an, hinzu kam zum Glück aber immer noch der Aufschlag von 30 Sekunden pro Zug. Alejandro, ein Kind des neuen Jahrtausends, spielte 32.Te1-e2, was ein sehr plausibler Zug ist und übrigens auch meinen Turm a2 angreift. Weil ich nur mit 32.Te1-f1 gerechnet hatte, sah ich das leider so schnell nicht und verbaselte kurzentschlossen einen ganzen Turm (!) mit dem originellen 32....Tf3-c3 !?
Es folgte 33.Dc4xa2, was ich mit dem optisch ansprechenden, aber leider völlig ungefährlichen Da5xb5 beantwortete:

phunhon-steffens1

Wenn man schon so weit gereist ist, kann man auch ohne Turm noch ein bisschen weiterkämpfen

Nach 34.Td7-d1 schnappte ich mir auf h3 einen Bauern, mit vagen Ideen auf den weißen Feldern 34...Tc3xh3.

phunhon-steffens2

Ich drückte schnell die Uhr, sah auf die Anzeige und merkte, dass ich noch neun Sekunden übrig hatte. Was war mit meinen dreißig Sekunden Zeitaufschlag? Schiri Wolfgang Block stand gerade in der Nähe, und ich machte ihn darauf aufmerksam, dass die Uhr den Aufschlag nicht dazugerechnet hätte: „Die Uhr zählt nicht hoch!“ Der Schiedsrichter, ganz neutrale Vertrauensperson, entgegnete nur kurz: "Es gibt keinen Zeit-Zuschlag.“
So ist der Modus in Bad Harzburg, und tja - da hätte ich mich mal vorher über die Bedenkzeitregelung informieren sollen! Gespielt wurden tatsächlich 40 Züge in den mittlerweile handelsüblichen 90 Minuten - allerdings ohne jeglichen Zuschlag. Und so blieben mir plötzlich noch 9 fette Sekunden für gerade mal 6 Züge in komplizierter Stellung mit Minusturm.

Ähnlich wie Falko Bindrich hätte ich mich nun auch beschweren können, dass mir niemand etwas gesagt hatte über die geltenden Bedenkzeiten (bzw. Handy-Regelungen für die Toilette, im Falle von Falko). Aber Falko und ich sind Profis, und so sagte ich nichts, amüsierte mich über die kuriose Wendung und versuchte, die noch ausstehenden sechs Züge bis zur Zeitkontrolle in den neun Sekunden zu schaffen….

Und tatsächlich gelang das – es wurde im 49.Zug noch Remis durch Dauerschach!

phunhon-steffens3
Hier geht Dh5+, und der weiße König kann sich nicht mehr sinnvoll verstecken

Goldene Regeln fürs Turnierschach:

1) Handys aus,  und auch nicht mit herumtragen (in Bad Harzburg!),

2) Über die Bedenkzeit informieren (vor der Partie)

3) Ab und zu mal zum Kuchenbuffet gehen

4) Vorsicht vor Daniel Alejandro Phunhon Lopez!

Es sollte klar sein, dass alle vier Regeln wichtig sind. (Besonders wichtig ist aber unbedingt auch Regel Nr.3!)

Heute wird das Turnier um zehn Uhr mit der zweiten Runde  fortgesetzt . Oder doch schon um neun Uhr? Ich schaue lieber noch einmal nach ...

Donnerstag, 03 Oktober 2019 16:39

Tiger, Türme, Titelträger

Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
verderblich ist des Tigers Zahn

(Friedrich von Schiller)

Auf nach Jersey! Nein, nicht nach (New) Jersey/USA, eher nach Jersey, die kleine Insel im Ärmelkanal, die trotz einiger Nähe zu Frankreich zu Großbitannien gehört.

Dorthin reiste ich im vergangenen April, mit einem flotten ICE ab Bremen, einem noch flotteren TGV ab Karlsruhe, Umstieg in Paris, Übernachtung in St.Malo und dann am nächsten Morgen in aller Frühe mit der Fähre in eineinhalb Stunden auf die Kanalinsel. Eine veritable Expedition, und das alles, um auf Jersey neun hoffentlich aufregende Runden Turnierschach beim Polar Capital Open zu spielen. Der Weg ist das Ziel? Nicht ganz, doch so lange es einen Speisewagen gibt, fahre ich gerne mit dem Zug auch in weit entfernte Destinationen.

Jersey ferry

Lohnt das Schachspielen denn so eine weite Reise? Ich habe es mal probiert, und ich möchte sagen - na klar! Aber besser ist es, wenn man mit dem Zug hinfahren kann und nicht unbedingt fliegen muss. Oder man wandert einfach locker hin, wie der Werderaner David Kardoeus von Bremen zum Xtracon Open in Dänemark!

Nach etwas Akklimatisieren auf der Kanalinsel, Geldwechseln, Spazieren und dem Kauf einer Bananenstaude als Energiespeicher für das Turnier saß ich am Anreisetag um 15:45 am Brett und schien bereit für die erste Runde - mein Gegner war GM Sergei Tiviakov, ein großes Kaliber!

Umso größer mein Erschrecken, als ich merkte, dass ich meinen treuen Tiger vergessen hatte einzupacken zur Partie - es ist natürlich völlig unmöglich, ohne Tiger-Turbo zu spielen! Zum Glück konnte ich noch flugs zum Hotel zurückeilen (200 Schritte einfache Strecke), und gestärkt mit meiner Begleitung dann das Spiel beginnen.

Wildlife
                 Alle Mann an Bord? Dann kann's ja losgehen.

Olaf Steffens (2175) - Sergei Tiviakov (2605), Polar Capital Open 2019

1.b4

Der Orang-Utan - das kann nicht ganz verkehrt sein.

Go Wild
            Zwar eher ein Gorilla, aber doch ein Bruder des Orang-Utan im Geiste.
 Bedroht vom
Aussterben sind sie leider beide - wie gehen wir nur um mit dieser Welt?

1... e5

2.a3 d5

3.Lb2 Sd7

4.e3 a5

5.b5 Sgf6

6.c4 Ld6

Tivi1

Was ist hier los? Tiviakov spielte alles sehr zügig, und verzichtet auf den zentrumsstabilisierende c7–c6. So kann ich ein paar Felder gewinnen für meine Mannschaft - einen Versuch ist es jedenfalls wert.

7.cxd5 Sxd5

8.Dc2 0–0

9.Sf3 Te8

10.Sc3

Tivi2

Idee: weißfeldrig spielen, und bald dann Ld3, h2–h4, und Sg5 - oder so.

10...Sxc3

11.Lxc3 e4

12.Sd4 Sc5

Schwarz stopft die Diagonale nach h7 und postiert sein Pferd auf dem wunderbaren Feld c5. Mein einziger Hebel ist nun f2–f3, oder sogar g2–g4 nebst Sf5 - aber tatsächlich sieht das alles eher anrüchig aus.

13.Le2 Dg5!

Tivi3

Der GM macht das Spiel schnell und hat das Feld (oder den Bauern) auf g2 als Schwäche ausgemacht. Und nun? Kf1 ist lau, auch g2–g3 ist nicht sehr chancenreich (Lg4!), und darum bleibt wie so oft nur der Versuch, einen Bengalo zu zünden und die Stellung zu vernebeln.

14.f4!? Dh4+

14...exf3 wird besser gewesen sein - egal wie Weiß nimmt, die Stellung wird nicht so richtig harmonisch.; 14...Dxg2 15.0–0–0 mit der Idee Tdg1 und allfälligem Drohspiel gegen g7. Ob es reicht, ob es geht - wer weiß das schon, aber es sah unangenehm genug aus, um meinen Gegner von einem
Schlagen auf g2 abzuhalten. 15...Sd3+  16.Kb1 Dh3

FMvsGM
       FM vs GM - man hat's nicht leicht!

15.g3 Dh3

16.Kf2 Lg4

17.Lxg4 Dxg4

18.Kg2 Sd3

Tivi4
 Wie aus dem Lehrbuch: ein shöner Systemspringer auf d3

19.h3 Dg6

Hurra, meine Stellung hat noch eine Struktur, und ich bin noch da und kann spielen (g3–g4!?). Erstmal aber die Dame umgruppieren und den Königsflügel etwas stützen.

20.Dd1 h5

21.Tg1 Lc5

22.Kh2 Lxd4

23.Lxd4 Tad8

Tivi5

Schwarz ist schön entwickelt und kann eigentlich nicht schlechter stehen. Oder doch? Ist c7 etwas weich, und droht doch mitunter mal g3–g4 mit Blick auf g7? Erstmal aber sorgte ich mich vor einem großmeisterlichen Txd4–Qualitätsopfer - der Läufer ist sozusagen mein einziger Trumpf
und soll auf dem Brett bleiben!

24.Lc3 Td5

25.g4

Vielleicht sogar erst den Praktikerzug a3–a4 mit einer Nebendrohung Lc3xa5. Die knapp werdende Bedenkzeit verhinderte aber tiefergehende Erkundungen, und darum gegen den übermächtigen Gegner lieber etwas drohen - frei nach Simon Webb in seinem wundervollen Buch „Schach
für Tiger“, im Kapitel „Wie man Trampelfanten fängt“. (Dort lockt der Tiger sie in einen Sumpf, wo er dann zuschlagen kann - eine traurige Geschichte.)

Mancs Schach
          Stubentiger bei der häuslichen Analyse

25...h4

26.a4  Dd6

Tivi7

27.g5

27.Lxa5 g5! ist unangenehm. Darum ganz im Sinne von Dvoretski etwas Prophylaxe und selber einen Bauern nach g5 stellen.

Natürlich war das unheimlich, denn kann Schwarz jetzt nicht auch auf f4 reinhauen? Er kann, aber Weiß steht noch stabil genug danach. Gefährlicher erschien mir der schwarze Zug g7–g5 - und darum blieb mir fast nur g4–g5, um im Spiel zu bleiben. Prophylaxe eben.

27...Te6?!

27...Sxf4 28.exf4 e3    29.Dg4 exd2    30.Tad1 Te3    31.Le5 Tdxe5     32.fxe5 Dxe5+     33.Kh1 Dd5+ =.

Etwas haarsträubend alles. Unser Werder-Trainer Matthias Krallmann hat diese und einige der hier angegebenen Varianten in seinem Training im April herausgearbeitet (vielen Dank!), und es scheint nun dynamisch Remis zu sein.

Hier aber kommt vielleicht die Rating ins Spiel, denn Tiviakov mit einer Super-Zahl von 2600 ELO möchte gegen ein kleines ELO-Nordlichtlein von knapp 2200 natürlich noch etwas probieren.

28.Dg4

Tivi8

Erstmal stabilisieren, und Nerven schonen. Die Zeit ist ja schon knapp genug!

28...Sc5

29.Tg2

Lieber erstmal d2 decken - der Bauer stützt ja irgendwie doch die ganze weiße Stellung, und nicht, dass da jetzt jemand noch eine Qualität reinhaut.

29...c6?

Und da kommt ein Fehler, und plötzlich stehe ich ... super! (!!) Leider habe ich das aber gar nicht begriffen und war im Gegensatz zum praktischer spielenden Tiviakov schon beinahe runter im 30–Sekunden-Modus (wir spielten 90 Minuten „für alles“ ohne jegliche Extraminute nach dem 40.Zug).

29...Sb3, 30.Ta2 b6, 31.Kh1 Dd7, 32.Dxh4 +=

30.Dxh4?

Tivi9

30.bxc6!, bxc6, 31.Kh1 ? mit dem Plan f4–f5, Dxh4, g5–g6 - irgendwie so, sehr unangenehm für Schwarz. Nach dem Textzug gewinnt Tiviakov plötzlich einen Bauern am Damenflügel, bekommt verbundene Freibauern - oh je, oh je.

30...cxb5

31.axb5 b6

Sichert erstmal alles ab - das ist gute Technik.

32.Kh1, Sb3

33.Td1 Txb5

Tivi10

Das war‘s dann wohl. Ich merkte, dass ich hier nun wirklich kein Spiel mehr habe - oder so dachte ich.

Allerdings sagt Kollege Stockfish, Weiß steht hier fett auf Gewinn! Mit 34.Tf2, Tf5, dann 35.Dg4, Dd5, und danach 36.h4–h5 bekommt Weiß wilden Angriff. Wow. Und ich dachte, ich wäre schon erledigt.

34.g6?

Noch rumfummeln, ein bisschen

34...fxg6

35.Tdg1

tivi15

Alle weißen Figuren tun jetzt irgendetwas, aber wie kann man die g-Linie öffnen?

35...Tf5

36.Le5

Sozusagen ein letzter Aktivierungsversuch - der Läufer auf e5 lenkt die Dame ab, die nun entweder das Feld d8 freigeben muss (Weiß hat ein Schach!), oder aber die Deckung von g6 aufgeben.

Tiviakov wählt das Letztere und baut auf ein Endspiel mit verbundenen Freibauern am Damenflügel.

36...De7

36...Dc6, 37.Dg4 Kf7, 38.h4 Sc5, 39.Lxg7 Sd3 =+

37.Dxe7 Txe7

38.Txg6

tivi11

Verbundene Türme gegen verbundene Freibauern! Weiß drückt auf g7, und - Überraschung! - ein Bauer auf b6 hängt auch. Vielleicht bekomme ich noch ein Remis aus dieser Partie?

38...b5?

Das ist wohl zu ambitioniert, doch so spielt man eben in einer aufregenden Schachpartie, in der beide Spieler mit Adrenalin vollgepumpt sind! (und einer von beiden auch mit etwas Kaffee).

Bei knapper Zeit Tiviakov geht weiter auf den vollen Punkt, und gibt g7 auf - doch ganz ungefährlich ist das nicht.

38...Tff7, 39.Txb6 Sxd2, 40.Ta1 Td7, 41.Txa5 Sc4, 42.Tb8+ Kh7, 43.Taa8 Sxe5, 44.fxe5 Tf3 =

Superwild
Was macht der Kaffee mit uns Schachspielern? Die Forschungen dauern an.

39.Lxg7 Kf7

40.Le5 b4

41.Ta6

tivi12

Mit allerlei Drohungen! Die Würfel rollen, das Spiel ist vogelwild und außer Kontrolle - wer (außer vielleicht Holger Hebbinghaus) kann jetzt noch sagen, wie es ausgehen wird?

41...Sxd2?

Das ist ein Bauer zuviel, doch - siehe oben - die Partie war schon völlig im Trampelfanten-Sumpf angekommen. Gut für mich - genau so wie bei „Schach für Tiger“ beschrieben.

41...Tfxe5, 42.fxe5 Txe5, 43.Tf1+ Ke7, 44.Tf4 +-

42.Tg7+

+–

42...Kf8

43.Ta8+ Te8

44.Taa7

tivi13

Zwei Türme auf der siebten Reihen - das muss doch zu irgendetwas gut sein? In Berlin heißen die doppelten Türme glaube ich „Schweine“ - und die Schweine und der Läufer drohen nun schon beinahe Matt auf d6! Schwarz muss Material geben. Aber immer noch sind seine verbundenen Freibauern auf dem Brett, was beim Gegner ja stets verlässlich diffuse Sorgen auslöst.

44...Texe5

45.fxe5 Txe5

Sicher ist das schon irgendwie prima für mich - doch was jetzt auf die Schnelle spielen und mit dreißig Sekunden Inkrement nichts verderben?

Doch manchmal hat man Glück: es geht tatsächlich etwas, UND trotz einer schon nirwanaartigen Tunnelwahrnehmung habe ich es offenbar gesehen. Vor allem wenn Letzeres misslingt, kann es viele schlaflose Nächte bereiten.

46.Th7

Den König von e8 weglocken, so dass der Turm nicht mehr auf e8 dazwischengehen kann. Und dann ...

46...Kg8 47.Thd7!

tivi14
 Das schönste Diagramm der ganzen Partie - darum auch ein bisschen größer als sonst

Es wird Matt, oder der Springer fällt - beides ist nicht schön für Schwarz. Tiviakov gab sofort auf, unterschrieb das Partieformular und weg war er.

Jersey 1 direkt nach der Partie
 Ein Schnappschuss bald nach der Partie - verblüfft und ungläubig
                                            blieb ich noch 20 Minuten sitzen und konnte es gar nicht fassen

Punkt
                                 Punkt!

Es war sozusagen eine typische Erstrundenpartie von Meister gegen Außenseiter, und man weiß ja, da können die verrücktesten Sachen passieren. GM Tiviakov jedenfalls gewann in den nächsten 8 Runden noch großmeisterliche siebenmal, zeigte sich in starker Form und gab nur gegen den an Zwei gesetzten Tiger Hillarp Persson noch ein Remis ab. Das reichte locker für den Turniersieg auf Jersey - selbst nach einer etwas missglückten Auftaktpartie.

Auch mein Turnier auf der Insel ging phantastisch weiter. In den neun Partien spielte ich unter anderem weitere vier Male gegen IMs oder GMs (Tiger Hillarp Persson in der Schlussrunde!) und holte insgesamt 5 solide Punkte. Fazit? Das Polar Capital Open auf Jersey = eine wunderbare Woche Schach in England!

Im Anschluss sprang ich flugs wieder auf die Fähre und in den Zug, und machte mich sehr froh (und mit Tiger) auf den Rückweg nach Bremen. Bei einem längeren Zwischenhalt in Paris schlief ich bis in den Nachmittag, um dann noch ein bisschen durch die frrühlingshafte Stadt zu bummeln - schafft man ja sonst nicht so einfach. Irgendwann Rauchschwaden, Sirenen, unruhige Menschen - Notre Dame brannte, der alte Mittelturm war schon eingestürzt. Unglaublich. Es war sehr bewegend, die Menschen standen fassungslos, trauerten, sangen gemeinsam. Eine Zäsur für die Stadt und für die Franzosen - Glüci im Unglück immerhin, dass ein großer Teil der Kirchenfassade erhalten geblieben ist.

 West coast
                          Kurzer Ausflug an die Westküste

Laufsteg
                 Catwalk am Channel

Schlussrunde gegen Tiger
     Schlussrunde mit zwei Tigern und einem temporär schnauzbärtigen Werderaner

 

Der Orang Utan 1.b2-b4 ist selbstverständlich eine fabelhafte Eröffnung. Leider nur: Tiger, Königstiger, Gorillas, Orang-Utans, Wale, Elefanten und allerlei mehr - alle immer massiver vom Aussterben bedroht. Was tun wir?

Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
verderblich ist des Tigers Zahn;
jedoch der schrecklichste der Schrecken,
das ist der Mensch in seinem Wahn.

(Friedrich von Schiller)

Wer helfen möchte, kann auf Palmöl verzichten oder noch mehr nachhaltig angebaute Bioprodukte kaufen. Oder etwas spenden, zum Beispiel bei www.greenpeace.de. Danke! :-)

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Das Turnier bei Chessresults

Samstag, 28 September 2019 11:57

Glückauf zum Ligastart!

Vorbei die Monate lasziver Langeweile, behäbigen Balkonsitzens und faulen Flanierens, nun müssen wir wieder in den Ring!
Schon geht es los, viele Ligen zwischen Nord und Süd, Ost und West, West und Süd sowie Ost und Nord öffnen aufs Neue ihre Pforten. Uhren an um zehne, auf zum Ligaspiel!

Glaube und Wissen
                                      Ganz Deutschland im Schachfieber

Ein Dank vorweg an alle klugen Köpfe, die landauf landab mit ausdauerndem Tun den Spielbetrieb erst möglich machen - Ligaleiter, Staffelleiter, Bezirksturnierdirektoren, Mannschaftsführer und wer dergleichen mehr noch am Schreibtisch sich mühte, damit morgen alle gepflegt an die Bretter gehen können.

Spielpläne austüfteln, Paarungen ansetzen, Mannschaftsmeldungen einpflegen, Räume organisieren, Mails hin und her und hin und her schicken, Streitfälle schlichten - auch wenn "Funktionäre" sonderbarerweise ein schlechtes Image haben, oft geschmäht - ohne sie geht eigentlich nichts. Oder sogar: GAR NICHTS. Darum, im Namen von allen, D.A.N.K.E.!!

Und so kommt es, dass sich viele von uns morgen nur noch an die Bretter setzen müssen, um Halbzug um Halbzug den Partieverlauf nach vorne zu treiben, Raum zu gewinnen, Materialvorteil zu bekommen, einen PUNKT zu machen und dem eigenen Team zu helfen. Wenn es dann auch noch einen Kaffee gibt in der aufgesuchten Lokalität, was mehr könnte man sich wünschen?

In der Landesliga Niedersachsen/Bremen eröffnet alsgleich Werder III gegen Werder IV, ein Bruderkampf in der Hemelinger Straße - man merkt im Verein, wie sich alle darauf freuen. Die early birds der Verbandsliga Münsterland dagegen haben bereits die zweite Runde absolviert, und bedauerlicherweise warten unsere lokalen Favoriten vom SK Königsspringer Nordwalde noch auf ihren ersten Sieg - das wird aber noch werden, Jungs!

Ebenso wie Brandenburg proklamiert auch Schleswig-Holstein morgen den Aufgalopp in Landes-und Verbandsliga, während sich etwas weiter im Süden die Schachfiguren der Zugspitzliga zusammen mit Großmeister Hans-Joachim Hecht erst am 06.Oktober, sozusagen mit einer einwöchigen Kontumazzeit, in Bewegung setzen.

Nichts geht über Mannschaftskämpfe:

- wenn man selber gewinnt, ist es gut für das eigene Team

- wenn man aber verliert, können die anderen den Kampf noch retten

- wenn man selber verliert, und die MannschaftskollegInnen auch - dann leidet man eben gemeinsam

In vielen Klubs schließt sich an viele Stunden intensiven Schachringens noch ein Besuch beim italienischen, türkischen, mexikanischen Restaurant des allgemeinen Vertrauens an, wo noch etwas Zeit bleibt um anzustoßen, Rückschau zu halten, und um zu verarbeiten, was es zu verarbeiten gibt - meistens ist das eine ganze Menge!

Wir schließen mit dem Hinweis auf sehr sehr hübsche Bundesligapartien aus der Spielzeit 2014/2015, und sagen - Glückauf zum Ligastart!

Kleine Leseraktion: Dear readers, wie war Euer Saisonauftakt? Hohe Siege, betrübliche Niederlagen? Wie war das Drumherum, gegen wen habt Ihr gespielt - und wie war der Kaffee? Schickt uns eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder berichtet im Kommentarbereich!

PS Gens uns sumus:

Donnerstag, 19 September 2019 17:30

Skakstrejk för klimatet

Ich weiß, ich weiß, die Sache mit dem Klimawandel ist vielleicht gar nicht so eindeutig - ob es ihn überhaupt gibt, und wenn ja, was dann die Ursache dafür ist. Einige werden schimpfen, manche werden das Video nicht mögen (Greta Thunberg!), und überhaupt, was soll das alles?

Auf der anderen Seite müssen wir zugeben, dass es nicht mehr so gülden aussieht mit unserer Mutter Natur wie vielleicht noch im späten 20. Jahrhundert, wo wir noch froh und unbedarft an die Schachbretter gehen konnten, in der hübschen Illusion, die Welt wäre alles in allem ein guter Ort und so ungefähr im Gleichgewicht.

Denn leider, diese Tage sind vorbei.

Heute wissen wir, dass sich die Welt aufheizt. Arten sterben, unsere Mit-Tiere verschwinden, die Natur wird mehr und mehr zerstört und zerpflückt, Wasservorräte werden knapp. Stürme drohen, Hochwasser kommen - ein Hollywood-Katastrophenfilm hätte das Szenario nicht massiver zusammenbrauen können.

Zeit also, etwas dagegen zu tun! Was genau, muss jeder selber wissen - man kann grüner leben, weniger fliegen, mehr radfahren, öko unterstützen, auf Fleisch verzichten, Geld spenden zum Schutz von Biotopen - irgendwas geht immer.
Und wer seinen Unmut zeigen möchte mit dem, was klimatechnisch und umwelttechnisch in der Welt abgeht, der oder die gehe morgen zur großen weltweiten Demo!

Habt Spaß, und tut etwas. Einen Versuch ist es allemal wert.

Dienstag, 10 September 2019 22:08

Werder lädt zum Hans-Wild-Turnier

So stark wie in diesem Jahr war die Meistergruppe vermutlich noch nie:

beim großen Hans-Wild-Turnier, das ab Freitag zum fünften Male in den Räumen des SV Werder stattfindet, sind in der A-Gruppe neben Großmeister Vitaly Kunin drei Internationale Meister sowie zwei junge Werderaner zu Gast.

Alle sechs Spieler haben eine gewaltige Wertungszahl zwischen 2350 bis 2550 ELO, und man darf gespannt sein, wer am Sonntag den Pokal und ein stolzes Preisgeld erobern wird.

Favorit auf den Turniersieg ist sicherlich GM Kunin, doch auch die IM Martin Brüdigam und Stefan Frübing aus Berlin sowie der für Oldenburg spielende IM Martin Breutigam werden ebenso ein Wörtchen mitreden wollen wie Spartak Grigorian und Jari Reuker vom SV Werder.

Insgesamt wird Turnierleiter Udo Hasenberg 48 SpielerInnen zu dem Event begrüßen können, bei dem jeweils sechs gleichstarke Spieler im Rundensystem um Punkte und Gruppensieg kämpfen.

Die Runden beginnen am Freitag um 18 Uhr, sowie am Sonnabend und Sonntag um 09:00 (early bird!) und 15:00 Uhr.

Zuschauer vor Ort sind herzlich willkommen!

Hans Wild Turnier 2016
               Da isser, der Pott!

Turnierseite:

https://www.werder.de/schach/turniere/hans-wild-turnier/2019/

Die Partien der Meistergruppe werden live übertragen unter

http://view.livechesscloud.com/9651a1ea-a5e2-4b08-aba0-93b10f07c341

Donnerstag, 05 September 2019 22:29

Monatsblitzen: Höffer diesmal unauffällig

In herzlichem Gedenken an meinen lieben Freund und alten Blitzschachkumpel Jens-Uwe Mense, SK Königsspringer Nordwalde

Kühl und frisch war es heute in Bremen, und schon fragt man sich, was das denn eigentlich bloß für ein Sommer sein soll und warum es so früh schon wieder dunkel wird.
Indes, nach der einfachen Faustformel "früher dunkel, länger Schach" werden die Apologeten des königlichen Spiels nun wieder wie kleine Nachtfalter magisch an die Bretter gezogen, und siehe da, auch der Werder Monatskartenblitz startete alsgleich in eine neue Spielzeit.

Gespannt war man natürlich an der Weser, ob Blitzschachungeheuer David Höffer, der Termi- und Dominator des bremischen Blitzens, seinen Schachhut wieder in den Ring werfen würde, und wenn ja, mit welchem Erfolg.
Tatsächlich blieb der junge Delmenhorster in dieser ersten Werder Blitzrunde aber eher unauffällig und punktete nur sehr sehr verhalten, und wenn man ganz ehrlich sein soll, war er möglicherweise auch gar nicht vor Ort. So bot sich den sonst stets mit Gleichmut in der zweiten Reihe verharrenden Werderanern Gelegenheit, sich an zumindest diesem Abend einmal ins goldene Turnierbuch einzutragen und einen historischen Tagessieg einzufahren.
Selbst ohne SF Höffer war dies noch schwer genug, und doch gelang es dem allenthalben absolut akkurat agierenden Allrounder Spartak Grigorian, das weite Feld mit erheblicher Souveränität hinter sich zu lassen (10,5 aus 11- ui ui ui).

Ebenfalls ins Revier der Preisträger vorzustoßen vermochte der Berichterstatter mit allerlei übel zusammengetricksten Punkten. Doch wie das so ist im Blitzen - in zwanzig Jahren fragt niemand mehr danach, wie das Ergebnis zustandegekommen ist, zum Glück!
8,5 Punkte für SF Steffens, und eine komplexe Stellung gegen den Man of the Matchday:

Grigorian Steffens
                               Grigorian - Steffens nach 11....f7-f6 (Quelle: Eurosport Player)

Hier die Partie versehen mit leichten Anmerkungen von Spartak:

Weitere schöne Preise in einem durch zahlreiche Newcomer interessant ergänzten Teilnehmerfeld sicherten sich der Werderaner Andree Schondorf (Top-Mann der unteren Tabellenhälfte) sowie Oliver Reif (Bremer SG) mit dem ehrenvollen Sonderpreis der Jury für den drittletzten Rang. Wir gratulieren!

Werder Monatsblitz Sept 2019
Hauen und Stechen, so will man das sehen: Lars Milde und Thorsten Ahlers (v.r.) beharken sich mit der Gegnerschaft

Das war nun Blitzen, doch in sieben Tagen beginnt im Werder Vereinsheim das wohl 5.Hans-Wild-Turnier in Würdigung des früheren Vorsitzenden und für Jahrzehnte vereinsprägenden Werderaners Hans Wild.

Die Partien der mit GM Vitali Kunin, drei weiteren IMs sowie mit Jari Reuker und Spartak Grigorian (!) außerordentlich stark besetzten sechsköpfigen A-Gruppe werden live ins weltweite (!) Netz übertragen. Natürlich aber lohnt sich auch ein Besuch vor Ort in der Hemelinger Straße, denn es gibt echten Bremer Kaffee. Was will man mehr!

Freitag, 02 August 2019 00:19

Heute mal kein Schach

Tja, was sollen wir sagen? Es gibt heute keine Meldung zum Thema Schach. Nicht zum Schachsport, zur KinderJugendFrauenförderung, zum Kandidatenturnier oder zu Cheating Competitions. Und keine Diagramme! Auch nichts zu Werder Bremen, Breaking Baden-Baden, oder der wundervollen Orang-Utan-Eröffnung. Und schon gar nicht zum Blaubär mit 2....Lc8-a6. Nüschte.

Dafür aber das Video "Who" von David Byrne und St. Vincent, das uns den Tag retten kann, sei es durch die Musik, sei es durch den Film. Sollten wir uns alle nicht mal wieder auf die nächste Straße legen? Uns tanzend fortbewegen? Das Auto stehenlassen?

Wer weiß das schon. Während wir noch rätselnd an der Landstraße stehen, hat der Film schon eine kleine Verbindung zu unserem Sport aufgenommen, denn er kommt in Schwarz und Weiß, wie die 64 Felder und 32 Figuren.

So skeptisch man auch sein sollte gegenüber Youtube, seiner Mutter Google, ihren seelenverwandten Datenkraken Facebook und Amazon - doch immerhin können wir mit ihrer Hilfe hier ein Video einpflegen, woran wir uns heute erst einmal erfreuen wollen.

Und das muss dann auch schon genügen, denn zum Schach als solchem gibt es heute ja nichts.

Dienstag, 30 Juli 2019 22:17

Schach ist gefährlich (!)

In unserer Themenwoche "Österreich", die vor nun schon zweieinhalb Wochen begann, möchten wir heute den wunderbaren und österreichischen Autoren Thomas Glavinic vorstellen. Warum das? Weil er ein sehr passabler Schachspieler ist, darum, in jungen Jahren mit führend in den Altersklassen seiner Alpenrepublik, aber dann glücklich dem Schach entronnen.

Wir sagen, gut gemacht! - denn es gibt doch so viel anderes im Leben, mit denen man den Tag, die Zeit, sein Leben gestalten kann. Wir denken an:

mit Katzen spielen,

in der Sonne liegen,

reisen,

lesen,

Zeit mit lieben Menschen verbringen,

Kaltgetränke zu sich nehmen,

Heißgetränke zu sich nehmen,

Musik hören,

sinnvolle Arbeit leisten,

Zeit ohne Menschen verbringen,

die Welt retten,

gute Sachen essen,

keine Tiere essen,

auf dem Balkon sitzen und auf die Berge/ das Meer gucken

nicht mehr fliegen,

dafür mehr Radfahren und mit dem Zug

Stracciatella-Eis und/ oder Marillenkuchen

AmSee
               Der Seehof in Goldegg (Austria) - auch für Marillenkuchen ist man hier genau richtig

 

So ungefähr stellen wir uns das vor - aber wäre dann überhaupt noch Zeit für das Schachspielen? Und wenn ja, was würde das bringen?

Doch auch aus anderen Gründen mag man sich des Schachspielens erwehren, und von denen schreibt Thomas Glavinic. Bekannt wurde er vormals schon als Autor von "Carl Haffners Liebe zum Unentschieden", und vor allem sein letztes, angenehm verrücktes und vielleicht auch teils (schach-) autobiographischer Roman "Der Jonas-Komplex" hat uns sehr gefallen. Wir freuen uns darum, hier zu seinen Gedanken aus dem Freitext-Blog der "Zeit" zu verlinken!

Schach ist gefährlich!

von Thomas Glavinic

In kaum einem Sport kann man so verloren gehen wie im Schach. Es ist wunderschön und wild. Und man fängt an, zwischen den Figuren zu leben, zu denken.

Schach lernt man als Kind vom Vater oder vom Großvater, und man ist ein Junge. Nicht viele Frauen spielen Schach.   Weiterlesen

Glavinic Thomas.IMG 3662

Thomas Glavinic beim HeadRead Festival 2012                                     

 

Bildangaben: Foto Thomas Glavinic von User Ave Maria Mõistlik/ Avjoska, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Glavinic,_Thomas.IMG_3662.JPG, Creative CommonsAttribution-Share Alike 3.0 Unported

Donnerstag, 18 Juli 2019 10:22

Schwarzach St.Veit Open - entschlüsselt

Leider war es ja noch nie ganz einfach zu ermitteln, wie sich die Punktausbeute bei Turnieren optimieren lässt. Eine Veranstaltung wie das Schachopen zu Schwarzach St.Veit 2019 bietet indes einen geeigneten Versuchsaufbau für unsere Forschungszwecke.

Bei neun aufeinanderfolgenden Partien kann man sozusagen unter Laborbedingungen verschiedene Stellschrauben drehen, um aus empirischen Ergebnissen wichtige schachsportliche Erkenntnisse zum Wohle der Menschheit zu gewinnen.


Für diesen Feldversuch habe ich mich uneigennützig zur Verfügung gestellt und die Tage der Vergleichbarkeit halber auf gleichförmige, wenngleich auch angenehme Art und Weise verbracht. Gerne bin ich bereit, die resultierenden Erkenntnisse mit den geneigten LeserInnen an dieser Stelle zu teilen.

 Öst1
  Stets selbstlos der Wissenschaft verpflichtet: FM Olaf Steffens

Datenbasis

Runde 1

- Abendrunde um 19 Uhr

- kein Frühstücksei

- Gepäck den Berg hinaufgeschleppt (Anreisetag)

- im Wirtshaus Nudeln mit Käse vor der Partie - so machte es auch Boris Becker immer in Wimbledon

Folge: umkämpfter Sieg gegen Anton Neubauer aus Österreich (Graz)

 

Runde 2

- Frührunde um 10 Uhr

- weiches Frühstücksei

- kein Blick vom Balkon auf die Berge und

- keine warme Mahlzeit vor der Partie

- nach der Partie großer Salatteller im Hotel Zur Post (Schwarzach)

Folge: sehr glücklicher Sieg gegen Großmeister HaJo Hecht (!)

 

Runde 3

- Abendrunde um 18 Uhr

- hartes Frühstücksei

- Tag auf dem Balkon verbracht (Bergblick)

- im Wirtshaus Nudeln mit Käse vor der Runde

Folge: relativ klare Schwarz-Niederlage gegen GM Palac (Kroatien)

palac ste
           Nichts zu holen für Schwarz

Runde 4

- Abendrunde um 18 Uhr

- wiederum hartes Frühstücksei

- Tag auf dem Balkon verbracht (Bergblick)

- im Wirtshaus Nudeln mit Käse vor der Runde

Folge: Weiß-Niederlage gegen GM Zelcic (Kroatien)

 

Runde 5

- Abendrunde um 18 Uhr

- weiches Frühstücksei

- Tag nur zu einem Teil auf dem Balkon verbracht, Besuch im Naturschwimmbad St. Veit (ohne Chlor)

- Pizza Margherita auf dem Rasen des Freibades

Folge: umkämpftes und glückliches Schwarz-Remis gegen Ralf Hein (Hamburg!)

rHein Steffens
                       Offenbar Remis!

 

Auswertung:

Das umfangreiche Datenmaterial gewährt erste Einblicke in die dem Schachturnier Schwarzach St. Veit unterlegten Quellcode:

- erfolgreicher spielt es sich hier offenbar ohne ein hartgekochtes Frühstücks-Ei (Niederlage in Runde 3 und 4). Fünf-Minuten-Eier (Runde 2 und 5) dagegen schonen nicht nur die Umwelt und das Klima ob des geringeren Energiebedarfs bei der Vorbereitung. Sie scheinen auch turniertechnisch erheblich aussichtsreicher zu sein (1,5 Punkte aus 2 Partien).

- lange und mit Ausdauer auf dem Balkon verbrachte Tage (Runde 3 und 4) gewähren dem schachspielenden Organismus vermutlich nur in geringem Maße Unterstützung vor einer langen Turnierpartie. Selbst ein schöner Bergblick bietet in dieser Hinsicht offenkundig keine verbesserten Perspektiven.

 mit schwalbe oder so
             Sehr schön, aber turniertechnisch leider ohne Belang

- eine warme Mahlzeit, bevor es zur Arbeit ans Schachbrett geht, würde man intuitiv sicher zu den turniererfolgsbegünstigenden Faktoren rechnen.

Allein, unsere empirischen Forschungen zeichnen ein weniger klares Bild. Die vor Runde 1 genossenen Wirtshaus-Käsenudeln führten zu einer Gewinnpartie, doch selbiges Essen in Runde 3 und 4 brachte mit zwei Niederlagen keinerlei Fortschritt (bzw sogar Rückschritte) im Turniertableau.

Die besten Aussichten für einen vollen Punkt deuten sich an bei einem nach der Partie genossenen großen Salatteller (Runde 2). Auch mit einer im Freien genossenen Pizza (Runde 5) konnte zumindest der Partieverlust abgewendet werden, was sich von den Nudeln mit Käse bedauerlicherweise nicht behaupten lässt.

- die Uhrzeit des Rundenbeginns (4 mal spät, einmal früh) lässt bislang keine näheren Schlussfolgerungen zu - außer, dass es schön ist, den ganzen Tag vorher frei gestalten zu können

- Je weiter weg der Anreiseort der Gegner, desto schwerer ist es augenscheinlich zu Punkten zu kommen. Gegen zwei kroatische Gegner (Runde 3 und 4) ebenso wie gegen einen Hamburger Jung' (Runde 5) folgten nur recht magere 0,5 Punkte, und selbst die waren eher noch glücklich.

Bei Gegnern aus dem österreichen Einzugsgebiet (Graz in Runde 1, Raum München in Runde 2) sind die Erfolgsaussichten offenkundig besser. Die Einfluss der Anreisedistanz auf den Partieausgang erscheint in hohem Maße signifikant.

 

Wir weisen natürlich darauf hin, dass alle Hypothesen nur vorläufig sind und Wechselwirkungen zwischen den benannten Einflussfaktoren berücksichtigt werden müssen. So wird beispielsweise die Erfolgswirkung eines weichen Frühstücks- Eis aufgehoben (Runde 5), wenn der Gegner von weither anreiste (Runde 5, Ralf Hein aus Hamburg) - das Ergebnis allerdings ist fast folgerichtig ein Remis.

Warnen müssen wir indes vor der Kombination eines harten Frühstückseis mit einem Tag auf dem Balkon, Käsenudeln und kroatischen Gegnern mit langer Anreise. Hiermit ist (Runde 3 und 4) eindeutig schon vor Turnierbeginn bereits der Keim einer deutlichen Niederlage gelegt.

Ausblick auf die heutige Runde 6

Nun, was nützen die schönsten Forschungsergebnisse und aufwendig gestalteten Studien, wenn sie nicht auch in der Lebenswirklichkeit des Turnierteilnehmers zu Verbesserungen führen?

Wir versuchen daher, den Ausgang der heutigen 6.Runde zu prognostizieren für die Partie Steffens - Dr. Franz Riemelmoser (Österreich).

Zugrunde legen wir die vorliegenden Rahmendaten:

- Abendrunde um 18 Uhr: bislang kein Einfluss auf das Turnierergebnis vorhersagbar

- hartes Frühstücksei: ja, unglücklichweise aß ich ein hartes Frühstücksei heute, doch nun ist es zu spät, dies noch zu ändern. Die Studie war leider noch nicht publiziert, als ich zum Frühstück ging.

- Tag auf dem Balkon: heute nicht, ich bin gewarnt! Stattdessen eine kühne und seit langem vorbereitete Alpenwanderung von St.Veit nach Goldegg ("Golden Eye") - mit ungewissen Einfluss auf das Turnierresultat

Alpen

- Essen: von nun an besser Pizza als Käsenudeln, soviel steht fest! Oder ein nachträglicher Salatteller im Anschluss an die Partie - doch die meisten Gasthöfe haben so spät dann schon geschlossen.

- österreichischer Gegner mit kurzer Anfahrt: nach allen bisherigen findings ist das günstig für die Aussicht auf zumindest einen halben Punkt.

Prognose: bis auf das Ei spricht gemäß unserem Modell nichts oder zumindest wenig gegen einen erfolgreichen Turnierabend.

 

Heute nacht werden wir mehr wissen. Die Studie wird - Finanzierung und Mittel vorausgesetzt - auf alle Fälle fortgeführt!

 

Sonntag, 14 Juli 2019 22:12

Von Zeit zu Zeit seh' ich die Alpen gern

 

Österreich

In Schwarzach spielt' ich mit Schwarz schwach,

mit Weiß stand ich breit in St.Veit.

Beim Open zu Wien vergaß ich zu zieh'n,

mit Schwarz ging ich unter in Graz.

Meine Figuren entfernten mir starke Gegner aus Kärnten,

und selbst im schönen Zillertal verdarb ich mir die ELO-Zahl.

Im malerischen Burgenland ich viele miese Züge fand,

beim Blitz in St. Veit überschritt ich die Zeit,

und auf den Hohentauern verlor ich alle Bauern.

So merkte ich im Alpenland, dass ich vom Schach nicht viel verstand.

mit schwalbe oder so

 34.Open in Schwarzach/ St.Veit 2019