Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen.

Seit 2012 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen.

Größte Erfolge:
Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 5.Platz beim letztenTravemünder Open 2013, und Sieger des Bremer Hans-Wild-Turniers 2018.

Größte Misserfolge:
Werd´ ich hier lieber nicht sagen!

Größte Leidenschaften:
früh in der Partie irgendetwas mit Randbauern und/ oder g-Bauern auszuprobieren und die Partie trotzdem nicht zu verlieren – klappt aber nicht immer.

Glückwunsch, Glückwunsch, liebe BadenserInnen - der Titel "Deutscher Mannschaftsmeister" geht auch in der Auflage des Jahres 2020 wieder an die Nordschwarzwälder, die mit ihrem einmal mehr aus vielen lokalen Kräften komponierten Team wie schon in den letzten 15 Jahren für Furore sorgten.

Heute kam es in Karlsruhe zum Finale gegen einen Gegner auf Augenhöhe, den gewaltigen SC Viernheim, der ebenso wie die OSG Baden-Baden in den sechs Meistergipfel-Runden ungeschlagen geblieben war, und allein aufgrund von etwas weniger Brettpunkten noch nicht auf Rang 1 der Tabelle stand. Viernheim in diesem Jahr also auf dem Weg ganz nach oben?
Nein, auch Viernheim schaffte es nicht, kein "Breaking Baden-Baden" und kein neuer Meister der Bundesliga - die Füchse der OSG hielten ihren Laden zusammen und sammelten letztlich getragen von Arkadiy Naiditsch und Vallejo Pons die meisterschaftsentscheidenden Punkte. Gratulation und Chapeau, und Danke für das Ausrichten dieser tollen Veranstaltung in schwierigen Corona-Zeiten!

 BadenBaden 2020
Titanen am Schachbrett, und vielfach schon seit über 10 Jahren bei der OSG - Team Baden-Baden (mit Teamchef Sven Noppes, 2. von links) ist auch durch die enge und langjährige Verbindung zu seinen Spielern so stark  (Foto: Christian Bossert, vielen Dank!)

DSB BadenBaden Meister

Huch - Neuer Deutscher Meister? Bundesliga-Endrunde in Karlsruhe? Wie schon in den vier Tagen(!) davor, ist die Berichterstattung auf der neuen Seite des Deutschen Schachbunds auch am Abend nach dem Turnier noch von einer verblüffenden Zurückhaltung geprägt.

Auch Werder Bremen war heute angetreten, ihrem nordwestdeutschen Mannschaftskonto noch zwei weitere Punkte hinzuzufügen - das war keine leichte Sache gegen die stets gefährlichen Kollegen von den SF Berlin, doch am Ende setzte sich das ELO-Plus der Hanseaten durch - 5,5 : 2,5, und ein schöner vierter Platz im Endklassement für Werder.

Das kann sich sehen lassen!, und gäbe es dieses Jahr noch einen Europapokal, Grün-Weiß Bremen wäre qualifiziert. Erfreulicher auch für Coach Jonathan Carlstedt und Mannschaftsführer Gennadiy Fish (sowie für die beiden anderen Bremeraner, die von zu Hause aus ebenfalls fünf Tage intensiv unterstützten, Abteilungsleiter Dr. Oliver Höpfner und Manager Olaf Steffens) - erfreulich also, dass die Werder-Junioren Jari Reuker, Nikolas Wachinger und Liga-Debütant Collin Colbow bei ihren Einsätzen in Karlsruhe durch die Bank erfolgreich punkteten und gegen teilweise Weltklasse-Konkurrenz mutig aufspielten.

So kann das gerne weitergehen - wir freuen uns auf die nächsten Matches in Liga Eins, und haben für diese Vorfreude nun ein gutes halbes Jahr Zeit. Im nächsten Frühling, so die Schachgöttin will, folgen die letzten drei Wochenenden der verlängerten Saison 2019/ 2021. Und Werder ist dabei, in München, in Kiel und in Berlin. Hurra!

Schach Karlsruhe 7.png
LiveKommentare vom Meistergipfel: Über Schach zu erzählen ist zum Glück einfacher als selber gut zu spielen

Freitag, 18 September 2020 17:58

Tag 2 der Schachbundesliga

von Werder-Trainer Jonathan Carlstedt

Tag 2 brachte einen Sieg und eine Niederlage für das Werderaner Bundesligateam

Dass Deizisau ein schwerer Gegner werden würde, war bereits vor dem Turnier klar. Doch wir hatten entgegen unserer Erwartungen zwei Ausfälle an Tag 2 zu verkraften. Romain ist weiterhin nicht in der Verfassung ans Brett zurückzukehren und Wouters Heimat wurde kurz vor seiner Abfahrt zum Risikogebiet erklärt.

Doch trotzdem lieferten wir Deizisau einen spannenden Kampf mit vielen entschiedenen Partien. Schnell lagen wir 0-1 zurück als Jan gegen Vincent Keymer in eine Falle lief! Den Ausgleich besorgte der in starker Form befindliche Alexander, der genau wie Lucas seine Partie gewinnen konnte. Laurent macht aus der Position der Stärke heraus Remis. Das gleiche Ergebnis stand auch bei Luke zu Buche, jedoch nachdem er ein deutlich schlechteres Endspiel verteidigen musste. Zaher verlor seine Partie leider, sodass es auch an unseren jungen Bremern lag das Match zu gewinnen. Beide, Jari und Nikolas, spielten sehr gute Partien, mussten aber nach großem Kampf aufgeben: 3-5.

Am Nachmittag gegen Aachen lief es dann deutlich besser. Lediglich Lucas verlor, der seinen Angriff überzog. Debutant Collin Colbow startete mit einem Sieg in seine Bundesliga-Karriere. Auch seinen ersten Sieg in der Bundesligamannschaft holte Nikolas. Weitere volle Punkte steurten Gennadiy, Jan und Alexander bei, sodass bei Remisen von Luke und Zahar ein klarer 6-2 Sieg zu Buche stand.

Am Freitag geht es dann gegen Viernheim, die sehr stark aufgestellt sind, was uns wiederum zum klaren Außenseiter macht. Doch wir hoffen den Baden Baden-Ärgerer zumindest ein wenig aus der Reserve locken zu können! 

Werdertigers-Sendung zu Viernheim - Werder        

 

Der Bundesliga-Meistergipfel ist eröffnet 

Von Jonathan Carlstedt

Die Bundesligamannschaft Schach des SV Werder Bremen startete mit einem wichtigen Sieg gegen die SG Solingen.

Schon an normalen Tagen ist die SG Solingen ein schwerer Gegner. Mit vielen starken Großmeistern ausgestattet hat die Mannschaft immer wieder um die Meisterschaft gespielt und zuletzte in der Saison 2015/16 den Titel geholt. Heute war aber kein normaler Tag. Romain Edouard musste kurz vor Spielbeginn seine Teilnahme am Kampf absagen, da es ihm nicht gut ging (ein Zusammenhang mit Corona ist ausgeschlossen).
Wir tun vor Ort alles um ihn wieder fit zu bekommen. Es gibt einige Dinge die wichtiger als Schach sind, die Gesundheit unserer Spieler ins eins davon. Sein Gegner, Loek van Wely, bot sogar an, wenn Romain vorbei kommt, gegen ihn schnell zu remisieren. Eine sehr faire Geste, doch an die Umsetzbarkeit war nicht zu denken.

Da wir auch unsere Aufstellung kurzfristig nicht mehr ändern durften, lagen wir also bereits nach Minute 1 mit 0-1 zurück. Doch unsere anderen Spieler kämpften dafür umso verbissener. Jari hatte an 8 mit den schwarzen Steinen im Noteboom schnell einen Vorteil herausgespielt. Auch Laurents Stellung gegen den Eröffnungsexperten Erwin L´Ami sah sehr ordentlich aus, während sich die anderen Bretter zunächst im ungefähren Gleichgewicht befanden.
Doch es war Alexander Areshchenko, der gegen Jorden van Foreest den ersten vollen Punkt zum 1-1 dank eines starken Angriffs auf den weißen Feldern machte. Kurz darauf remisierte Lucas van Foreest in Werderaner Diensten mit Schwarz gegen seinen Landsmann Jan Smeets. Leider musste Laurent seine Gewinnversuche einstellen, was ihn sehr ärgerte, auch hier ein halber Punkt für jeden. 2-2.


Dann war es an Jari uns mit 3-2 in Führung zu bringen. Zahar Efimenko gegen Mads Andersen und Luke McShane gegen Tari Aryan sicherten den ersten Mannschaftspunkt. Luke schaffte es, nachdem er zuvor noch ein Remisangebot abgelehnte hatte, gerade so mit Figur und Bauer weniger ins Dauerschach: 4-3.


Jan Werle musste gegen den Österreicher Robert Kreisl ein schlechteres Turmendspiel verteidigen. Das gelang ihm. 4,5-3,5 für Werder!

Ein wichtiger Sieg für Mannschaft und Moral. Donnerstagvormittag um 10 Uhr geht es zunächst gegen die Schachfreunde Deizisau und um 17 Uhr gegen den Aachener SV.

Gegen Deizisau haben wir direkt vor der Corona-Pandemie noch knapp 3,5-4,5 verloren - hoffen wir, dass es diesmal besser wird! 

www.schachbundesliga.de

 

Dienstag, 15 September 2020 11:23

Meistergipfel: Werder läuft mit auf!

Von Jonathan Carlstedt

Vom 15.September an richtet die Schachbundesliga in Karlsruhe den Meistergipfel 2020 aus, bei der in sieben Runden der Deutsche Meister 2020 ermittelt wird. Auch der SV Werder schickt ein Team in den Süden, und freut sich auf den Wettbewerb mit vielen Weltklassespielern.

Werder Team 2020
Grün-Weiß Bremen im Februar: Heimspiel gegen Deizisau!

Was bisher geschah

11.März 2020: Die Schachabteilung des SVW feilt an den letzten Vorbereitungen für das Auswärts-Wochenende in München. Hier noch ein Zimmer reservieren, da noch einen weiteren Flug buchen, nachdem ein Spieler kurzfristig abgesagt hatte. Abends Vorstandssitzung in der Hemelinger Straße.

12.März 2020, Mittagszeit: Kurzfristige Absage des gesamten Spieltags durch die Schachbundesliga. Handball, Fußball, Basketball, alle Ligen schließen sich an. Die Schach-Europameisterschaft der Senioren in Prag wird einen Tag früher beendet, da um 24 Uhr die Grenzen des Landes schließen. Alles kollabiert. In den Clubräumen in der Hemelinger Straße wird für Monate kein Schach mehr gespielt werden.

Nachdem die Corona-Krise im März auch Deutschland erfasst hatte, wurde die Saison der Schachbundesliga zunächst unterbrochen. In den folgenden Monaten wurde bald klar, dass ein schnelles „Weiter so, wie wir es kennen“ nicht möglich sein würde.

So schlug der Vorstand der Schachbundesliga zunächst vor, die laufende Saison schlicht zu verlängern und nach einer langen Pause mit den ausstehenden Runden ab März 2021 zu Ende zu spielen.
Doch einigen Vereinen, darunter Baden-Baden, Deizisau, Bayern München und Werder war dies nicht genug. So wurde an Konzepten und Ideen gebastelt, wie man in dieser verrückten Zeit doch noch ein wenig echtes Schach an echten Brettern hinbekommen könnte.
Nach vielen Online- Sitzungen, Diskussionen den Mai und Juni hindurch und reichlichen Verhandlungen einigten sich die Mitglieder der Schachbundesliga im Juli auf folgendes Modell: die Saison 2019/20 wird zu einer Saison 2019/21, und! in der Zwischenzeit soll es zudem einen „Meisterschaftsgipfel der Willigen“ in den Karlsruher Messehallen geben, großzügig unterstützt von der Grenke AG, der wir für dieses tolle Engagement herzlich danken möchte.

Zu diesen acht Willigen, die nun in einem Rundenturnier vom 16. bis zum 20.September den Deutschen Meister 2020 ausspielen, zählen:

die OSG Baden Baden, Schachfreunde Deizisau, Viernheim, Bayern München, Aachen, die Schachfreunde Berlin, SG Solingen und euer Lieblingsverein, der SV Werder Bremen.

Werder Bremen Schild

Auch die Auslosung der einzelnen Runden ist bereits veröffentlicht:

1. Runde am: 16.09.2020, 14 Uhr

OSG Baden-Baden - SF Deizisau
FC Bayern München - SC Viernheim
SF Berlin - Aachener SV
SG Solingen - SV Werder Bremen

2. Runde am: 17.09.2020, 10 Uhr

SF Deizisau - SV Werder Bremen
Aachener SV - SG Solingen
SC Viernheim - SF Berlin
OSG Baden-Baden - FC Bayern München

3. Runde am: 17.09.2020, 17 Uhr

FC Bayern München - SF Deizisau
SF Berlin - OSG Baden-Baden
SG Solingen - SC Viernheim
SV Werder Bremen - Aachener SV

4. Runde am: 18.09.2020, 14 Uhr

SF Deizisau - Aachener SV
SC Viernheim - SV Werder Bremen
OSG Baden-Baden - SG Solingen
FC Bayern München - SF Berlin

5. Runde am: 19.09.2020

SF Berlin - SF Deizisau
SG Solingen - FC Bayern München
SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden
Aachener SV - SC Viernheim

6. Runde am: 19.09.2020, 17 Uhr

SF Deizisau - SC Viernheim
OSG Baden-Baden - Aachener SV
FC Bayern München - SV Werder Bremen
SF Berlin - SG Solingen

7. Runde am: 20.09.2020, 11 Uhr

SG Solingen - SF Deizisau
SV Werder Bremen - SF Berlin
Aachener SV - FC Bayern München
SC Viernheim - OSG Baden-Baden

Natürlich wird es von den jeweiligen Kadern vor Ort abhängen, wie die Erfolgsaussichten der einzelnen Mannschaften für das Turnier sind. Wie alle anderen hat auch Werder Bremen noch den Mantel des Schweigens über die Aufstellungen gelegt, um den 7 Gegnern jetzt noch keine Anhaltspunkte zu geben. Aber wie immer werden wir natürlich auf eine Mischung spielstarker und interessanter Spieler setzen.

Jeder Verein durfte zudem einzelne Spieler nachmelden, um eventuelle Hürden der Corona-Zeit überwinden zu können.

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Die echten Bretter werden wieder ausgepackt!                       Foto: OSt

Die OSG Baden-Baden wird auch bei dem siebenrundigen Quasi-Heimspiel des Karlsruher Meistergipfels als Favorit ins Rennen gehen. Fraglich ist jedoch, ob Spieler wie Anand, der nach dem Bremer Bundesligaspiel Ende Februar monatelang wenn auch nicht in Bremen, so doch immerhin in Deutschland festsaß, und Caruana die weiten Reisen nach Karlsruhe auf sich nehmen werden.
Bereits in Bremen haben wir der OSG fast einen Punkt abgenommen - unbezwingbar ist der Serienmeister also nicht! Grundsätzlich sind wir auf Augenhöhe mit Solingen, Deizisau und Viernheim, sollten gegenüber Berlin, München und Aachen jedoch leicht favorisiert sein. Doch gegen Berlin sahen wir ebenfalls in diesem Februar nicht gut aus, und so ist auch gegen die vermeintlich etwas schwächeren Gegner Vorsicht geboten.

Läuft das Turnier normal, wird Baden-Baden vorneweg marschieren und auch in diesem besonderen Gipfelformat Deutscher Meister werden.
Wenn es für uns gut läuft, können wir in den Kampf um die Vizemeisterschaft einsteigen. Ob uns das gelingt – dafür sind bereits die ersten beiden Runden gegen Solingen und Deizisau vorentscheidend: gegen Solingen konnten wir im Kaffeequartier in der Überseestadt in dieser Saison gewinnen, gegen Deizisau aber setzte es eine knappe Niederlage.

Die Organisatoren werden im Internet für eine hochklassige Kommentierung sorgen, zudem halten wir die Werderaner Schachfans über unsere üblichen (Werdertigers- und Homepage-) Kanäle auf dem Laufenden.

Drückt also die Daumen, dass bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft 2020 als Rundenturnier die Grün-Weißen auf sich aufmerksam machen werden!

Mehr zu der Veranstaltung täglich hier (Partien, Analysen, Berichte):

www.schachbundesliga.de

Online-Worte aus Werder-Sicht zu ausgewählten Runden:

www.twitch.tv/werdertigers

Samstag, 12 September 2020 13:07

DSOL: Finale für Werder, Pokal für Porz

Der lange Marsch des SV Werder durch die Institutionen der Deutschen Schach-Online-Liga - sieben Runden Vorrunde, Viertelfinale, Halbes Finale, Finale - wurde wenige Meter vor dem Erreichen des Siegerpodestes gestoppt. Das wirkmächtige junge Team der SG Porz knüpfte mit einem 2,5 - 1,5 Erfolg an alte Vereinstraditionen an und holte den Pokal nach großem Kampf verdient an den Rhein!

Leicht favorisiert war Grün-Weiß Bremen an die vier Bretter gegangen, mit Vlastimil Babula sicherte sogar ein handfester Großmeister das Spitzenbrett, doch auch wenn er mit dem progressiven Eröffnungskonzept von IM Christian Braun gut zurechtkam und bei beidseitig umherwandernden Königen leichte Feldvorteile zu haben schien - am Ende reichte man sich die Hand zu einem spannend ausgekämpften Remis.

Werder Porz 2005
Werder - Porz ...!? Da war Vlastimil Babula doch schon einmal dabei -
2005 im großen Stichkampf
um die Deutsche Meisterschaft (hintere Reihe, 3. von rechts)        (Foto: Werder Bremen)

Auch an den anderen drei Brettern klangen die Wertungszahlen der WerderanerInnen ein wenig imposanter als auf Porzer Seite, doch andererseits - Ratings sind Ratings aus der realen Welt, mit echten Figuren und echten Gegnern, und im Netz unter Schnellschachbedingungen am heimischen Schreibtisch sieht das ja alles oft schon wieder ganz anders aus.

Zwar waren Jari Reuker und Olaf Steffens, das Online- Kommentatorenschwadron bei den Werdertigers, zur Halbzeit verhalten optimistisch angesichts der Stellungen von Lara Schulze gegen Robin Gallasch sowie Nikolas Wachinger gegen Jonas Gallasch: hier etwas Druck im Endspiel, dort ein Wolgagambit-Aufmarsch gegen den weißen Damenflügel, das sah nach etwas aus.

Werder Team
Grün-Weiße, von vielen Seiten bedrängt

Dunkle Wolken am grün-weißen Werderhimmel zogen indes am zweiten Brett auf, wo die SG Porz mit Dmitrii Marcziter listig noch eine vierte starke Schachfachkraft postiert hatte. Gegen Sven Charmeteaus Grünfeld-Inder schien Dmitrii aus der Eröffnung zunächst nicht viel erwirkt zu haben - eine energische Stellungsöffnung mit Zentralturm auf e4 kündigten allerdings bald Ungemach an, und ein feiner Bauernhebel hob Svens Stellung dann endgültig aus allen Angeln.
Beeindruckend gemacht, und die Führung für die SG mit einem runden Sieg am zweiten Brett. Würden die anderen BremerInnen das noch ausgleichen können?

Sie konnten nicht. Zu geschickt die Kölner, mit starkem Gegenspiel nun von Robin Gallasch gegen Lara Schulze und einem klugen mannschaftsdienlichen Remisangebot, das durch die bessere Berliner Wertung bereits den Mannschaftssieg bedeutete. Kein Pokal für Werder!

Pokalhai
Die Kölner Haie angeln sich den Pott!

Auch Nikolas Wachinger sah sich mit einer massiven Ausbremsung konfrontiert. Jonas Gallasch hatte sein Wolgagambit in eine gut handhabbare Position überführt und gewann mit einem hübschen Freibauernvormarsch eine Figur, ehe eine Wendung im Endspielt dann überraschend noch zum Unentschieden führte. 2,5 - 1,5 für Porz, der Endspielsieg!

Wir wollen (müssen) es gerne noch einmal sagen, Finalsieg, stark gemacht von Porz - herzlichen Glückwunsch zum tollen Erfolg in der 1.DSOL! Auch Werder Bremens junges Team hat sich überaus achtbar ebenfalls geschlagen, nur allein das Endspiel wollte nicht mehr so ganz gelingen. Dennoch, tiptop, bärenstark in Vor-und Hauptrunde, und ein klasse zweiter Platz in der obersten DSOL-Gruppe.

WerderEins, wie allen anderen Werder-Vertretungen, hat es viel Spaß gemacht, an diesem spontan und mit sehr viel ehrenamtlichen Elan von DSB und Chessbase aus dem Boden gezauberten bundesweiten Turnier teilzunehmen. Gerne wieder! (Und dann, liebe Porzer, versuchen wir es noch einmal, mit dem Pokal ...!)

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Werdertigers-Übertragung (mit speziellen Soundfeatures): https://www.twitch.tv/videos/738027886

Turnierseite: https://dsol.schachbund.de/ergebnisse.php?s=2020&l=1z&r=30

SG Porz: https://sg-porz.de/pages/posts/sg-porz-gewinnt-die-dsol-278.php 

Better Call Saul - Music Video from MOCEAN on Vimeo.

Samstag, 05 September 2020 12:49

DSOL: Werder im Finale!

Großes Halbfinale gestern bei der Deutschen Schach-Online Liga: das Team des SV Werder trat digital an bei der TuRa Harksheide II, um Kurs auf das große Endspiel der neuen Online-Liga zu nehmen. Doch auch Harksheide II, ein Club aus dem Süden Schleswig-Holsteins nahe Norderstedt - eben auch die TuRa Harksheide zog alle Register, um den Finalplatz zu erobern.

Leider waren unsere Gegner nicht so prominent besetzt wie in den Runden zuvor, sie mussten auf ihren Spitzenmann Daniel Kopylov verzichten, der kurzfristig ausgefallen war. In dem recht engen Mannschaftskader gelang es den Gastgebern kurzfristig nicht mehr Ersatz zu finden, und auch eine Verlegung des Halbfinalspiels war aufgrund der Liga- Statuten nicht möglich.
Und so führte Grün Weiß Werder bereits früh, als GM Vlastimil Babula um 19:30 Uhr einen kampflosen Punkt gegen Artur Hovhannisyan sicherte. Etwas schade zwar für das Match als solches, doch aus Binnenbremer Sicht - hurra!

Vlasti im Stadion
Grün-Weiß im Stadion: Thorben Koop vs Vlasti Babula, 2017

Nach einer halben Stunde Matchzeit schalteten sich Tiger-CollinColbow und Werdertiger Olaf Steffens in die Twitch-Live-Kommentierung der Begegnung, nachdem sie zuvor reichlich technische Übertragungsprobleme in Hülle und Fülle bewältigt hatten (Skype-Verbindung, Bildaufbau, Mikrofonzuschaltung, Zugangsdaten ... so schön das Twitchen auch ist, aber bevor es überhaupt mal losgehen kann, sind manche Hürden erst zu überspringen.
Wie ich heute merkte, war mein Mikro falsch konfiguriert, so dass ich zwar etwas sage, man es aber kaum hören kann. Doch Collin rettete den Online-Abend!)

Werder Harksheide II

Spektakuläre Lichteffekte an drei Brettern und umzu - möge die Übertragung beginnen!

Tiger-CollinColbow und ich kombinierten dann auch messerscharf, dass wohl ein Spiel bereits entschieden sein musste, da nur noch drei laufende Partien in der Übertragung bei unserem Werder-Partner Chessbase angezeigt wurden.
In diesen drei Begegnungen stand Nikolas Wachinger gegen Taron Khachatryan sehr ok bis aussichtsreich, Sven Charmeteau gegen Alexander Bodnar durchwachsen bis mit dem Rücken zur Wand, und unser sommerlicher Neuzugang (oder: unsere sommerliche Neuzugängin?) Lara Schulze hatte die Eröffnung gegen Enno Striebeck mit zwei Figuren im Tausch gegen Turm und Bauer verlassen - das sah erstmal schon sehr gut aus, fanden wir.

Sven kämpfte noch lange und intensiv zur Rettung seiner Partie, doch gab es am Ende keinen Ausweg mehr - Ausgleich für Harksheide, 1 - 1.
Noch immer sah es insgesamt eigentlich ok aus, doch Nikolas kam nicht mehr weiter mit seinen Angriffsbemühungen gegen die gegnerischen Bauern, und eher im Gegenteil war es nun Taron Khachatryan, der so langsam die Kontrolle über das Spiel an sich riss. Nicht schön, und noch weniger schön bei aufkeimender Zeitnot.
Nikolas setzte konsequent fort und agierte furchtlos in der Vorwärtsbewegung, aber elegante und überraschende Manöver seines Gegners kosteten ihn schließlich den Ausgleich und die Partie. Was war das - wir lagen zurück!

Und schon fiel mir wieder ein, dass - IMMER wenn ich für Werder in der diesjährigen DSOL dabei war, wir noch kein einziges Match gewonnen hatten!
Das betraf zwar bisher nur Werder II, mein Team, doch nun, mit Collin in der gemeinsamen Übertragung und dem 1-2 Rückstand im Halbfinale, drohte es nun erneut schlecht zu laufen für uns?

cat
David Höffer und die Katzen des Blitzschachs - aber wie steht es mit dem Werder Online-Team?

Sorgenvolle Gemüter, doch der goldene Streif am Horizont war - Lara Schulze, "Schachfine", die ihre Partie auch bei knapper Zeit souverän behandelte, angriff, parierte, angriffangriffangriff, und ihren Gegner letztlich mattsetzen konnte. 2 - 2! Ein weiteres Hurra!

Und während Tiger-CollinColbow und ich uns bereits auf den nun folgenden Blitzentscheid freuten, funkte Udo Hasenberg, der Werder-Online-Manager von allem, uns an und teilte mit, dass Werder I gewonnen hatte - Sonderregel, da die Gegner nicht komplett angetreten waren.
Überraschend genug, denn nach Berliner Wertung war dieser Kampf exakt 5 -5 ausgegangen (Siege für Vlasti und Lara an Eins und Vier). Die Statuten aber sagen, dass bei Gleichstand in der Berliner Wertung ... das nicht komplette Team verliert. Surprise! Und etwas schade.
Für uns hätte sich ein Blitzmatch wie die deutlich fairere Lösung angefühlt. Aber na gut, die Statuten, die Statuten.

Werder I damit im Finale, und wir treffen dort auf das starke Team der SG Porz, die im zweiten Halbfinale den Hamburger SK besiegten. Nächsten Freitag geht es weiter - FI-NA-LE! 

Turnierseite

Die Begegnung bei Twitch/ Werdertigers

Donnerstag, 09 Juli 2020 18:57

DSOL: Chatten bis die SysOps kommen

Hach, die DSOL - ein schönes Experiment! Der Schachbund unsere Vertrauens hat alle Vereine aufgerufen, sich wenn schon nicht an den Tischen und Stühlen des Vereinsheims, so doch immerhin am Computer am heimischen Schreibtisch zu Online-Mannschaftskämpfen zu versammeln. In flugs aus dem Erdboden gestampften acht Ligen und 32 Staffeln (oder so) empfangen jetzt Clubs aus Nord, Süd, Ost und West bissige Gegnerteams aus Ost, West, Süd und Nord, für ein Match an vier Brettern im erweiterten Schnellschachmodus (45 Minuten + 15 Sekunden pro Zug).
DSOL, Deutsche Schach-Online-Liga heißt das imposante Konstrukt, geboren aus den Nöten der Corona-Monate, in denen niemand so richtig Schach spielen konnte - oder zumindest keine regulären Mannschaftskämpfe, die wir doch so mögen! Verlorene Seelen finden wieder ein Zuhause - wir sagen: eine schöne, eine sehr sehr schöne Idee! So lässt es sich aushalten, bis die Ligen dann wieder "in echt" weitergehen können.

Kompliment an alle Funktionäre, die diesen Spielbetrieb auf die Schnelle in allen Details möglich gemacht haben - stellvertretend sei hier nur Bundesturnierdirektor Gregor Johann erwähnt. Auch Chessbase ist mit am Start und öffnet seine Hallen und seinen intensiven Support für die virtuellen Begegnungen. Das Spielen indes ging nicht immer reibungslos vonstatten in der ersten Ligarunde vor zwei Wochen - doch macht ja nix, und nach einer Woche Pause für Chessbase- Instandsetzungsarbeiten geht der Online-Spielbetrieb nun in dieser Woche vollumfänglich weiter. 

Werder Bremen ist mit vier Teams im Rennen, zwei davon in der Liga 1, zwei weitere etwas weiter unten - die Jugend drängt ins Online-Schach! Werderzwo, mein Team, spielte vor zwei Wochen gegen den? die? TuRa Harksheide aus Schleswig-Holstein. Und verlor - zu Recht, zu Recht, die Harksheider waren einfach vortrefflich, nicht allein schon aufgrund des bärenstarken Daniel Kopylov am ersten Brett! Damit hat Werder die ersten zwei Punkte bundeslandübergreifend nach nördlich der Elbe exportiert - das ist ja auch ganz ok. Glückwunsch an die?/ den? TuRa!

Vor dem großen Spiel, das um 19:30 Uhr anfangen sollte, aber wegen kleinerer technischer Kalamitäten dann doch erst einige Zeit später begann, entspann sich ein Chat unter Werderanern und den gastgebenden Harksheidern, ehe das Eintreffen der Systemoperatoren (SysOps) von Chessbase schließlich den Spielbeginn ermöglichte.

Wir geben das Gesprächsprotokoll zu Dokumentationszwecken hier einmal wieder, damit nachfolgende Generationen sich ein Bild machen können - wozu auch immer, wovon auch immer, und um zu zeigen, wie das damals alles war, beim Schach nach dem ersten Corona-Lockdown 2020.

Die Werderaner in diesem kleinen Bühnenstück sind Bergsteiger, Madeye, DoctorOlivar, Karl Puccino und als Captain SV Werder Bremen II.
Harksheide wird im Prä-Partiebeginn-Chat vertreten von Enno Striebeck, Alex_Bodnar und Not Taron, ergänzt um ihren Kapitän TuRa Harksheide II.

Und nun - Bühne frei!

DSOL1
         Quelle: Chessbase

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Version Play 11.7

Hello, Karl Puccino

Last Login: 01.06.2020

3556 users, 19:18 (UTC+2h)

Premium Account.

 

SV Werder Bremen II : einloggen und dann melden

Karl Puccino: moinmoin

SV Werder Bremen II : moin Karl

Karl Puccino: alles rund?

SV Werder Bremen II : ein werderaner fehlt noch, ansonsten alle supi

DoctorOlivar : ich muss jetzt nichts mehr machen, oder?

DoctorOlivar : kadde baut noch seinen schrank auf. der kommt gleich

SV Werder Bremen II : Docotr, richtig, warten :-)

Karl Puccino: doc olivar, du musst nur noch gewinnen :-)

SV Werder Bremen II : Taron, geklappt? Der Heimverein startet, dann fangen die Partien automatisch an

Karl Puccino: man kann unten rechts auch video aktivieren, ganz lustig

Karl Puccino: wie können wir die andeeren partien sehen?

SV Werder Bremen II : wenn wir AN ALLE schreiben, dann ist das erlaubt

Karl Puccino: nur zur info, ich bin aktuell im browser und versuche es dort, falls es nichts wird, starte ich den cb client. Ok?

SV Werder Bremen II : Taron, dann kann es ja gleich losgehen :-)

SV Werder Bremen II : Genau Karl, soch machen wir es

Karl Puccino: spitze!

Madeye : Kadde fehlt noch !?

Bergsteiger : Kadde ist da.

DoctorOlivar : lol. du alter bergsteiger

Karl Puccino: hey kadde!

Bergsteiger : wird automatisch gepaart? muss ich was machen?

SV Werder Bremen II : Das Heimteam startet in Kürze

Madeye : es geht automatisch los!

Karl Puccino: einmal zusammen den Werder schlachtruf zusammen!

Karl Puccino: Hipp hipp ...

Madeye : Hurra!

Bergsteiger:hurra!

Karl Puccino: Hurra!

DoctorOlivar : eisern union! <3

SV Werder Bremen II : Werder wünsche ich viel Erfolg, Harksheide viel Spaß ;-)

Bergsteiger: :-D

Karl Puccino: uuuh

Karl Puccino: SV Werder Bremen II - gut gesagt!

Enno Striebeck : GL an alle

ligabetrieb
   Mannschaftskampf am Sonntagmorgen ... so war das früher mal

Alex_bodnar : Hallo zusammen

Madeye : Hallo Harksheide!

Karl Puccino: Moinmoin Harksheide!

SV Werder Bremen II : und jetzt Turnierruhe ;-)

Karl Puccino: haha :-)

Alex_bodnar : Ich hab keinen Gegner

Enno Striebeck : ich auch nicht

Alex_bodnar : und keine Figuren!!!!!!!!!!!!

Karl Puccino: ich auch noch nicht,

Karl Puccino: wird sicher gleich was passieren

Madeye : muss wohl noch gestartet werden ;-)

SV Werder Bremen II : Taron, schon gestartet?

Karl Puccino: spielt die 1. auch?

SV Werder Bremen II : Karl, Team 1 und 3 spielen parellel

Karl Puccino: alles klar, danke!

Karl Puccino: dürfen wir während der runde auch chatten?

SV Werder Bremen II : ja, aber immer AN ALLE

Enno Striebeck : ok

Not Taron : Los

Karl Puccino: ok :-)

DoctorOlivar : jungs, bei mir passiert nichts

Bergsteiger : bitte gendern!

Karl Puccino: gendern? wir sind doch hier beim Schach!

SV Werder Bremen II : Wenn Taron sagt ist gestartet und nix passiert, dann frag ich mal im parellen ZOOM chat mit dem Orga Team

Karl Puccino: ist biertrinken erlaubt in der dsol?

Bergsteiger : ja, aber musst die Marke abdecken!

atmo
   Analoger Gegenentwurf zum Online-Schach

DoctorOlivar : ich dachte man hat mehr als 3 min ???

DoctorOlivar : lol, spielt ihr alle schon?

Bergsteiger : nein, nur du bisher

Madeye : Ich warte .... nix passiert

Waiting for playchess.com

Version Play 11.7

Bergsteiger : nein Doctor, das muss schon richtig sein hier

Karl Puccino: harksheide verliert auf zeit

SV Werder Bremen II : Taron, gestartet??

Not Taron : ich hab da startschwierigkeiten

Not Taron : eigentlich müsste es schon längst gehen

Karl Puccino: kein problem, ist für uns alle ja ganz neu

Bergsteiger : genau!

Bergsteiger : in der Ruhe liegt die Würze.

Karl Puccino: frag' einfach nochmal beim Admin, wir warten einfach

Not Taron : es wurde gesagt man sollte auf chat und da das los geben

SV Werder Bremen II : Taron, kannst du in den parallen ZOOM Chat gehen? Da wird dir geholfen, die sehen das auch schon

Madeye : jetzt kommen schon viele Sysops!!

Karl Puccino: was sind sysops? Krieg der Sterne und so?

Madeye : Androide?

Bergsteiger : Hugo Schulz for President!

Karl Puccino: freundliche oder feindliche?

Madeye : sehr freundlich!

Bergsteiger : und Gaby natürlich auch!

Karl Puccino: jetzt kann nichts mehr schiefgehen!

SV Werder Bremen II : Taron, oben auf Datei neu, MK Starten, ein paar mal OK.. dann unten auf starten

SV Werder Bremen II : Besser in den ZOOM chat

Karl Puccino: verdammt, mein bier ist schon gleich leer

Karl Puccino: marke sage ich natürlich nicht

DoctorOlivar : habt ihr alle eine zoom konferenz?

Karl Puccino: ich nicht

Madeye : macht 0,05%

SV Werder Bremen II : Doctor, dass ist ein ZOOM Chat vom Orga Team

Enno Striebeck : hat schon jemand einen Gegner?

Bergsteiger : nope

Karl Puccino: wir sind uns selbst die allergrößen Gegner (Nietzsche)

DoctorOlivar : j'adoube

Madeye : wir quasseln noch alle!

DoctorOlivar : ich dachte da kann ich zeuge eurer saufgelagen werden

Karl Puccino: be our guest

Karl Puccino: im moment aber nur alkoholfreies Wasser

Enno Striebeck : ok... Und mal ne Frage, ist es ein Anzeigefehler, dass einer von euch vor der Küste in Afrika ist? :)

Karl Puccino: hi enno, das kann man angeben, muss aber nicht stimmen

Bergsteiger : da steht mein Arbeitslaptop, auf den ich von zuhause zugreife

Karl Puccino: :-)

Enno Striebeck : ok :)

Madeye : und Deine Engine steht am Kap der guten Hoffnung?

Karl Puccino: viel lustiger hier als bei vielen Mannschaftskämpfen :-)

Enno Striebeck : @madeye meine? :-)

SV Werder Bremen II : Bremen 3 führt 1-0 :-)

Bergsteiger : nein, meine Enno :-)

Enno Striebeck : ok :)

Bergsteiger : mir wäre lieber wenn bremen 1 führt

SV Werder Bremen II : Taron??

Madeye : gegen Köln??

SV Werder Bremen II : Okay Taron, die SysOps starten, ok?

Bergsteiger : einfach starten bitte :-)

TuRa Harksheide II : Frank Jäger, ich übernehme die Turnierleitung.

TuRa Harksheide II : Ich starte jetzt und wünsche viel Erfolg!

TuRa Harksheide II : Started games

TuRa Harksheide II:Board 2: alex_bodnar - Karl Puccino

Und auf ging es in einen intensiven Kampf, den TuRa Harksheide deutlich und verdient mit 3,5 - 0,5 für sich entschied. 

Spielbericht zur ersten Runde (SVW)  von Udo Hasenberg

Turnierseite DSOL

 

Es wird Zeit, Stellung zu beziehen, gerade an diesem Abend. Bundesliga-Relegation, Nord gegen Süd, Werder gegen Heidenheim, und ja, es wird schwer für beide Mannschaften!

Heidenheim hat sich gut verkauft, in Bremen ein schönes Nullnull geholt im ersten Spiel, und heute abend lauern die Jung von der Alb auf ein wackelndes, verunsichertes, im Zweifel zweifelndes Werder-Team mit dem Rücken zur Wand .... oder?

Nein, mitnichten! Denn Bremen haut heute alles raus, hält sich die Heidenheimer vom Hals und sichert sich hübsch und vielleicht sogar stilvoll den Startplatz in der kommenden Bundesliga-Saison. Hurra!

Aber, liebe LeserInnen aus nah und fern, Bremen und umzu, damit auch wirklich, wirk-lich nix schiefgeht heute abend - drückt alle fest die Daumen!

Wir freuen uns natürlich, wenn Heidenheim aufsteigen sollte - aber bitte erst in einem Jahr! (und am besten dann zusammen mit dem HSV)

 Werder HSV UEFA
Those were the days ...


 

Mittwoch, 10 Juni 2020 09:14

Schuh schaut Schach: Keep It Simple 1.e4

von IM Dirk Schuh

Was macht ein gutes Eröffnungsrepertoire aus? Es sollte sich in seinen Eröffnungsvarianten dem Spielstil und der Spielstärke des jeweiligen Schachspielers unterordnen. Das klingt erst einmal sehr einfach, aber erstens wissen viele Spieler gar nicht, welchen Stil sie beherrschen und zweitens gibt es Unmengen an verschiedenen Eröffnungen, die man spielen könnte, unter denen man erstmal eine Auswahl treffen muss. Ich habe darum bisher nicht wenige Schüler gehabt, die zum Beispiel ursprünglich im Londoner System verkümmerten, obwohl sie taktisch stark waren.

Ein falsches Eröffnungsrepertoire kann die ganze Entwicklung eines Spielers hemmen oder zerstören, darum sollte man gerade als junger Mensch am besten erfahrene Schachtrainer fragen, ehe man eines aufbaut. Gleichzeitig sollte man aber auch schauen, welche Variantenzahl man sich denn merken kann. Es gibt Eröffnungen, in denen man sehr häufig in bestimmte Strukturen einlenkt und in diesen darum auch sehr schnell Verständnis aufbauen kann. Der Vorbereitungsfaktor ist hier geringer und man kann sich in seinem Schachtraining mehr auf spielerische Details konzentrieren.

Es gibt aber auch Eröffnungen, die sehr viel gehaltvoller sind und in denen man eine enorme Bandbreite an verschiedenen Strukturen beherrschen muss, um nicht unterzugehen. Dies ist für schwächere Spieler nur schwer zu händeln und man muss sowohl ein gutes Gedächtnis als auch viel Zeit und Geduld mitbringen, um sich diese Eröffnungen anzueignen.

adams
Wo ist das beste Feld für den Springer? (Foto: OSt)

Ich bevorzuge als Spieler und Trainer stets erstere Eröffnungen. Meine Schüler haben normalerweise alle unter 2000 DWZ und sollen nicht nur andauernd Varianten auswendig lernen. Ich selbst habe zwar ein ganz gutes Gedächtnis, aber mag konkrete Eröffnungsvarianten, wo derjenige gewinnt, der sich besser auskennt, einfach nicht. Am Schachbrett möchte ich spielen und mich nicht nur erinnern. Darum war ich auch sehr auf das neue Buch des Internationalen Meisters Christof Sielecki gespannt.

In "Keep It Simple 1.e4- A Solid and Straightforward Chess Opening Repertoire for White" aus dem Hause New in Chess soll der Leser ein vollständiges Eröffnungsrepertoire nach 1.e4 erhalten, das einerseits solide ist, aber auch keine konkreten Varianten beinhalten soll, die man auswendig lernen muss. Stattdessen soll der Leser jederzeit gute Züge finden, auch wenn er die Theorie einmal vergessen hat. Die Zielgruppe wird mit einer Elo ab 1500 und nach oben hin offen klar definiert.
Mit dem Wort "simple" hat er mich natürlich sofort begeistert. Ich dachte dabei erst an Sam Collins`"A Simple Chess Opening Repertoire for White", in dem auf nur 160 Seiten ebenfalls ein Eröffnungsrepertoire nach 1.e4 vorgestellt wurde. Die geringe Seitenzahl schaffte der Autor damals, indem er gegen die Haupterwiderungen 1. ...c5, 1. ...e6, 1. ...c6 und mit Abstrichen auch 1. ...e5 stets die gleiche Bauernstruktur im Zentrum, den Damenisolani, anstrebte. Der Leser konnte so schnell zum Experten werden.
Mir gefiel das damals sehr gut, auch wenn das Buch schon eine höhere Spielstärke der Leser voraussetzte. Ganz so simpel ist das Sieleckirepertoire allerdings nicht. Statt einer Hauptstruktur im Zentrum, durch die man relativ schnell weiß, wohin man seine Figuren entwickeln kann, gibt es in diesem Buch sehr viele zu bestaunen.

So gibt es zum Beispiel nach 1.e4 e5 das Schottische Vierspringerspiel und damit eine offene Zentrumsstruktur mit dem e4 gegen den d6 oder gar ohne weiße Zentrumsbauern gegen einen schwarzen d5, gegen Sizilianisch gibt es Lb5-Aufbauten mit spanischen Zentrumsstrukturen und dem Vollzentrum e4 und d4, Igelstrukturen mit e4 und c4 gegen e6 und d6, gegen e6-Sizilianer kann Weiß auch mal den Damenisolani anstreben oder gegen einen schwarzen Damenisolani spielen, während Weiß gegen die Französische Verteidigung einfach auf d5 tauscht und dann ein statisches Zentrum mit dem d4 gegen den d5 erhält, um nur einmal die Stellungen zu nennen, die nach den häufigsten Verteidigungen vorkommen. Das stellt einen unfassbaren Aufwand dar.
Ich hätte das aber ganz gut verstanden, wenn der Autor jede Möglichkeit wahrgenommen hätte, sein Repertoire halbwegs eng zu lassen und im Hinblick auf das Oberthema "Keep It Simple" keine andere Wahl gehabt hätte. Es sollen halt einfache Stellungen angestrebt werden, in denen Weiß kaum verlieren kann und Schwarz immer etwas gequält wird.
Allerdings hätte er sich da zum Beispiel sein Russischkapitel halbwegs sparen können. Nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5 d6 4.Sf3 Sxe4 5.d3 Sf6 6.d4 spielen die meisten Russischspieler d5 und nach 7.Ld3 sind wir in der Französischabtauschvariante. Man hätte dann nur noch kurz zeigen müssen, was Weiß macht, wenn Schwarz nun nicht d5 spielt, aber das wäre vom Aufwand her vertretbar gewesen. Der Autor nennt diese Möglichkeit auch, aber ohne Weiß einen Plan nach dem Auslassen von d5 an die Hand zu geben. Seine Wahl ist stattdessen nach den obigen Zügen 3.Sc3, wonach Sc6 wieder in das Schottische Vierspringerspiel einmündet, aber nach 3. ...Lb4 4.Sxe5 0-0 5.Le2 Te8 6.Sd3 Lxc3 7.dxc3 Sxe4 haben wir wieder eine neue Zentrumsstruktur zu meistern.
Bundesliga Markus Ragger gegen Luke McShane
Grenzenlose Schachspielerfreiheit: Vor dem ersten Zug ist alles möglich!     (Foto: OSt)


Da ich 3.Sc3 häufig gegen die Russische Verteidigung spiele, kann ich sagen, dass Lb4 nicht so selten vorkommt und lästig ist. Ok, der Autor meint, dass Leute ab 1500 Elo ein unglaublich gutes Gedächtnis haben und fordert sie. Das kommt mir zwar komisch vor, aber im Hinblick auf ein in sich stimmiges Repertoire hätte ich das in Kauf genommen. Es kommt aber leider noch schlimmer. Gegen die Caro-Kann-Verteidigung hätte ich nach der Französischabtauschvariante eigentlich 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.Ld3 erwartet. Das System ist derzeit ähnlich populär und bietet einfache Stellungen, in denen Weiß meist etwas aktiver steht. Stattdessen wird in dem Buch allerdings 2.Sc3 d5 3.Sf3 empfohlen. Das Zweispringersystem habe ich selbst jahrelang gespielt, aber nicht im Turnierschach. Der Grund dafür ist 3. ...Lg4 4.h3 Lh5, wonach Weiß mit 5.exd5 cxd5 6.Lb5 Sc6 7.g4 Lg6 8.Se5 Tc8 9.d4 e6 10.De2 Lb4 11.h4 Sge7 12.h5 Le4 13.f3 eine Figur gewinnen kann, aber nach 0-0 14.Sxc6 Sxc6 15.Le3 Df6 16.fxe4 Sxd4 17.Lxd4 Dxd4 18.Td1 Lxc3 19.bxc3 Dxc3 20.Kf1 dxe4 21.Dxe4 kann Schwarz sowohl Dxc2 als auch f5 spielen und Weiß muss weiterhin sehr konkret spielen, um nicht Probleme zu bekommen.

Ich wundere mich, dass der Autor hier seine Grundsätze für das Repertoire ganz vergessen hat, denn erstens muss man diese Variante einfach auswendig lernen, was auch das mehrfache im Text auftauchende "forced" belegt, zweitens erwähnt er f5 gar nicht, obwohl der Zug genauso oft wie Dxc2 gespielt wird und drittens möchte ich den Spieler mit einer Elo von 1500, dem ich mal eine DWZ zwischen 1300 und 1400 zuordne, sehen, der das entstehende Endspiel ohne weitere Schulung gewinnt oder auch nicht verliert. Hier hätte ich zumindest eine Modellpartie erwartet, die dem armen Tropf noch ein wenig weiterhilft. Stattdessen erwähnt der Autor nur, dass diese Variante häufiger vorkommt als man denkt und dass man das Ganze auswendiglernen sollte. Aber ich dachte eigentlich, sowas soll in dem Repertoire vermieden werden.

Ich möchte dazu noch ein weiteres Beispiel nennen, um zu zeigen, dass das Repertoire leider nicht wirklich stimmig ist. Die Skandinavische Verteidigung ist für viele e4-Spieler ein kleines Problem, weil die Stellungen schnell mal austrocknen können. Der Autor bietet hier ein hartes System nach 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Da5 4.d4 Sf6 5.Sf3 c6 6.Lc4 Lf5 7.Se5 e6 8.g4 Lg6 9.h4 Sbd7 10.Sxd7 Sxd7 11.h5 Le4 möchte er, dass sein Leser mit 12.0-0 in die Königsflügelruine rochiert. Nach Ld5 13.Sxd5 cxd5 14.Ld3 Ld6 15.Ld2 gibt er jetzt nur Dc7 16.Df3 an, ohne weiteren Plan für Weiß und schreibt nur, dass man sich schon keine Sorgen um den ab jetzt für den Rest der Partie geschwächten König machen muss.
Die Leute, die nach 15. ...Dd8 auch den Buchzug 16.Df3 spielen und nach Dh4 17.Dg2 Sf6 18.f3 g6 nicht mehr das Gleichgewicht halten können, tun mir jetzt schon ein wenig leid. Der Autor liefert diesmal sogar eine Modellpartie von niemand geringerem als Viswanathan Anand, der aber 12.Th3 spielt.

Luke Fridman1
Das Gute an Endspielen ist, dass alle Eröffnungssorgen überstanden sind (McShane - Fridman, Bundesliga 2013)

Aber es gibt auch tolle Varianten in dem Buch. Für mich ist die Darstellung des Schottischen Vierspringerspiels beispielsweise top. Weiß hat klare Pläne und Felder für seine Figuren und die Verlustgefahr ist relativ gering. Ich spiele dieses System seit über 25 Jahren und hatte nie sonderlich Probleme damit. Zwar gewinnt man ab einer Spielstärke von 2200 nicht mehr allzu viele Partien damit, aber das sollte für die meisten Spieler hoffentlich nicht zu schlimm sein.

Der Autor analysiert dabei in der Hauptvariante nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.d4 exd4 5.Sxd4 Lb4 6.Sxc6 bxc6 7.Ld3 d5 8.exd5 0-0 9.0-0 cxd5 den modernen Zug 10.h3. Dieser ist noch gar nicht allzu alt und fand enorme Beachtung, nachdem Wladimir Kramnik ihn 2012 gegen Levon Aronian gespielt hatte. Weiß lässt meist Df3 und Lf4 folgen, hat aber immer noch Lg5 in Reserve, sodass Schwarz noch nicht genau weiß, was Weiß im Schilde führt. Später wird die schwarze Bauerninsel d5, c6 oder c7 meist mit c4 angerempelt und Schwarz hat mit der schlechteren Bauernstruktur im Endspiel zu kämpfen.
Die Empfehlungen von Christof Sielecki gefallen mir hier sehr gut und sind auch recht aktuell. Selbst die derzeit modische Variante nach den obigen Zügen und dann statt 9. ...cxd5 9. ...Lg4 bespricht er und empfiehlt hier eine einfache stellungsgerechte Variante.

Alles in allem hätte man die Nennung der Zielgruppe wohl weglassen oder auf mindestens 1800 DWZ anheben müssen. Mit dieser Spielstärke sollte man die zahlreichen verschiedenen Strukturen und Klippen meistern können. Auch hätte man vielleicht besser schauen sollen, ob man die genannten überscharfen und konkreten Systeme nicht durch andere hätte ersetzen können.
Vielleicht kommt hier zum Tragen, dass Christof Sielecki selbst eigentlich eher mit 1.Sf3, 1.c4 oder 1.d4 eröffnet und ihm darum die nötige Erfahrung fehlt, die Gefahren der Stellungen richtig einzuschätzen. Dass die Engine seine Varianten alle gut findet, ist klar, dafür ist er einfach zu professionell. Als Eröffnungsbuch finde ich sein Werk darum auch sehr gut, aber als angedachtes Repertoirebuch für die genannte Spielstärkegruppe hat es doch leider viele Mängel.
Ein Problem ist natürlich auch, dass ein e4-Repertoire auf nur 365 Seiten an sich schon etwas oberflächlich wäre, aber durch das Auslassen von möglichen Varianten- oder Strukturabkürzungen ist der Leser aufgrund des Umfangs in vielen Systemen schon recht früh auf sich gestellt, obwohl noch gar nicht alle seiner Figuren entwickelt sind. Wer aber die nötige Spielstärke mitbringt und bereit ist, die empfohlenen Varianten selbständig mit einer Datenbank weiterzuentwickeln, wird an dem Werk viel Spaß haben.

IM Dirk Schuh, November 2018

Schachtraining mit Dirk Schuh

keep it simple

Das Ansichtsexemplar wurde von der Firma Schach Niggemann in Münster freundlich zur Verfügung gestellt.

Hurra! Mit 20,5 – 15,5 hat das Werder Online Team einen am Pfingstsamstag ausgetragenen Vergleichskampf mit dem FC Bayern München für sich entschieden. Gespielt wurde Schnellschach auf dem Chessbase-Kanal, bei sechs Runden im Scheveninger System (= jede(r) spielte einmal gegen jede(n) der anderen Mannschaft).

Bei dem in freundschaftlicher Atmosphäre ausgetragenen Match standen auf Werder-Seite Jonathan Carlstedt, Spartak Grigorian, Nikolas Wachinger und Jari Reuker im Aufgebot, ergänzt um Collin „DerBesteAusWelt“ Colbow am U20-Brett sowie Ophelia Carlstedt, die mit beeindruckenden 3 Punkten aus 6 Partien das Damenbrett vertrat.
Die stark aufgestellten Münchner Bayern liefen mit GM Michael Bezold (6 Punkte aus 6 Runden!), IM Michael Fedorovsky, dem live aus Schweden zugeschalteten IM Philip Lindgren und FM Makan Rafiee auf, sowie Andriy Manucharyan am U20-Brett und Carolin Diermeier am Damenbrett.

Werder Bayern 2
 Beinhartes Ringen: Jari Reuker gegen Andriy Manucharyan auf dem Brett, links davon grüßt der Chat

Werder Bayern 1
   Ehrenrunde via Zoom: die letzte Runde brachte die Entscheidung

Unter der Leitung von Coach und Teamchef Jonathan Carlstedt lagen die Grün-Weißen nach fünf Runden knapp mit einem Punkt in Führung. Die intensive Abschlussrunde ging mit einem wuchtigen 5 – 1 jedoch deutlich an die Bremer, so dass das Gesamtergebnis in diesem Clásico letztlich überraschend deutlich ausfiel für Team Hansestadt!

Werder freut sich nun schon sehr auf den Wetteinsatz für das Siegerteam, den die Bayern in Form eines schönen Kastens Paulaner Weizenbier (mit einer alkoholfreien Flasche für das U20-Brett) überreichen werden. Andernfalls hätten wir einen Kasten Beck‘s auf den Weg nach München verschiffen müssen - aber anders herum ist es natürlich viel schöner.

Übertragen wurde das gesamte Match live auf dem Werdertigers-Kanal bei Twitch, hier kommentierten Jörg Wengler (Abteilungsleiter der FCB-Schachabteilung) und Olaf Steffens (Werder Bundesliga) in einer gut dreieinhalbstündigen Live-Sendung ausgiebig das Geschehen.

Wir übermitteln heute die Grüße der Deutschen Schachjugend, die in diesen Tagen der Corona-Pandemie auf ihr Flaggschiff, ihren Anker und beinahe sogar ihre Seele verzichten muss - die Deutsche Schach-Jugendeinzelmeisterschaft in Willingen!

Jahr für Jahr schon reisten zu Pfingsten aus dem gesamten Sendegebiet der DSJ Jugendliche für eine, wie sagt man in Bremen, pickepackevolle Woche mit viel, sehr viel Schach in eine hochgelegene Lokalität im schönen Sauerland. Was waren das immer für Highlights - sieben Tage Meisterschaft in tausenden von Altersgruppen, Mädchen, Jungens, U6, U8, U10,Tandemnächte, Hallenfußball - unsere Schachjugend, eine Pfingstwoche lang im Kombinationsdauerdienst!

In diesem Jahr aber, hach, wir wissen, ruht der Ball und bleiben die Figuren versteckt, denn nix ist mit Meisterschaft, nix ist mit Schach.
Indes - die Deutsche Schachjugend, formidabel und energiegeladen wie wir sie kennen, zaubert nun für 2020 ein alternatives Ereignis aus dem Ärmel, und die sieben Tage von Willingen, man verbringt sie jetzt kurzerhand im Netz!

Für jeden Tag gibt es allerlei Highlights für Jung und Sehr Jung, abgeschlossen am kommenden Freitag mit einem 50-stündigen Spendenmarathon "Unser Matt hilft mit" zugunsten von Terre des Hommes im Kampf gegen Corona.
Wir sagen: a) WOW und b) Chapeau, Chapeau, liebe DSJ - das muss man erstmal organisieren, so aus der Ferne, online und über das ganze Land verstreut. Begeisternd!

Danke

Und darum auch an dieser Stelle einmal einen Link zum Vorstand der DSJ, in Steckbriefen hübsch vorgestellt!

 

Hier die Rundmail zur DEM 2020 von Kristin Wodzinski, der Nationalen Spielleiterin der Schachjugend.

Kristin Wodzinski
Kristin Wodzinski               (Foto: DSJ)

 
Liebe Schachfreunde in den Ländern,
 
eigentlich wäre ich vorhin mit dem Zug in Willingen angekommen und würde jetzt wahrscheinlich gerade im Turniersaal sein, um alles für den Start unserer DEM vorzubereiten. Das ist, wie ihr alle wisst, leider nicht der Fall.
 
Doch trotzdem hat der DSJ Vorstand keine Kosten und Mühen gescheut und in den letzten 9 Tagen ein umfangreiches Alternativprogramm auf die Beine gestellt. Dazu gehören Turniere in verschiedenen Altersklassen mit tollen ChessBase Preisen, Partiekommentierung auf Twitch, eine Simultanveranstaltung, die nächste Runde der Online-Länderliga, Freizeitprogramm mit verschiedenen Gesellschaftsspielen, ein Tandemturnier, eine 12-Stunden Blitzarena, das Finale des Mädchen- und Frauen Länderkampes XXL, die Eröffnungsfeier als Video, ein 50-stündiger Spendenmarathon "Unser Matt hilft mit", die Saturday Night Show mit dem Vorstand, bei der es viele bekannte Spiele der DEM Siegerehrung geben wird und vieles, vieles mehr. Dabei ist das Thema Fairplay natürlich genauso wichtig, wie wenn man sich am Brett gegenüber sitzt.
 
Alle Informationen rund um unsere Online DEM mit dem aktuellen Programm findet ihr auf unserer Webseite und in den sozialen Medien: 

 
Nun seid ihr an der Reihe. Macht bitte Werbung bei euch in den Ländern für dieses tolle Event und motiviert eure Kinder und Jugendlichen bei einer tollen Schachwoche mit dabei zu sein. Verbreitet auch das Eröffnungsvideo bei euch, welches wir euch am Wochenende noch zukommen lassen werden.
 
Auch wenn wir uns in den nächsten Tagen nicht in Willingen sehen können, hoffe ich, dass es viertuell mindestens genau so toll wird.
 
Viele Grüße aus Karlsruhe
 
Kristin
 
 
Zur Turnierseite: DEM 2020 online!
 
Und das war die DEM 2019
 

One more game
  Katzen allein zu Haus - keine DEM in diesem Jahr!


 

 
 
 
 
 

Bald ist Pfingsten, und Corona hängt noch immer in der Luft. Das aber ist noch lange kein Grund, den Schachbetrieb ganz auf Null herunterzuregeln, ganz im Gegenteil!

So ruft die von uns geschätzte Deutsche Schachjugend ein großes Jugend-Pfingstturnier aus (für das ich offenbar schon etwas zu alt bin), und Bayern München und Werder Bremen tragen an sechs Brettern einen rasanten Schaukampf aus.

In Ermangelung von Über das Brett (ÜDB) - Schachereignissen zieht es uns also wieder einmal an die Gestade des weltweiten Internets. Das ist auch prima so, und auch hier erweist sich das Netz sozusagen als Retterin der (Schach-) Welt.

cb logo

Chessbase rettet die Welt, ganz ähnlich wie Lichess, Chess24 und Chess.com

Bei allen sonstigen Schwierigkeiten in dieser weltweiten Krise - wie ruhig, verlassen und isoliert wäre es, gäbe es nicht immerhin das WWW.
Hoffen wir, dass es irgendwann auch bei weiteren schlimmen Konstellationen (Klimakatastrophe, Artensterben, massenhaftes Produzieren von Fleisch mit Tieren in erbärmlichsten Verhältnissen) hilft, die Welt ein wenig transparenter, verknüpfter und mitunter besser zu machen.
Naiv hoffen zumindest kann man ja, aber wahrscheinlich ist das - einfach sehr naiv, und letztlich viel zu wenig.

Zurück zum Schach: Werder Bremen macht sich bereit zum Nord-Süd-Duell gegen den FC Bayern! Nun heißt es ja bei den Toten Hosen, "ich würde nie zum FC Bayern gehen", doch allein, hinzugehen braucht man jetzt ja auch gar nicht mehr, denn das Internet ermöglicht so ein Match, ohne dass man die eigenen vier Wände verlassen müsste!
Die sechs MünchnerInnen und ihre Bremer GegenspielerInnen können also trotz aller stay at home - Aufrufe ein freundschaftliches Match austragen, und im sehr sehr schönen Scheveninger System wird jede(r) Münchner(in) einmal auf jede(n) Bremer(in) treffen. (Zumindest der letzte Halbsatz belegt, wie viel einfacher doch die Welt wäre, wenn beim Schach die Männer unter sich blieben. Hat aber auch Nachteile.)

Team Hansestadt:Bremen

IM Jonathan Carlstedt     
                       
Jari Reuker         
                                      
Spartak Grigorian       
                              
Nikolas Wachinger     
                             
Collin Colbow   
                                      
Ophelia Carlstedt           

 

 

 

 

 

 

Bayern MünchenTeam Weltstadt mit Herz:

GM Michael Bezold

IM Michael Fedorovsky

IM Philip Lindgren

FM Makan Rafiee

Andriy Manucharyan

Carolin Diermeier

 

Es geht wie immer um die Ehre, aber - wenn man so will und jeden peinlichen Kalauer mitnehmen möchte - auch um die Ähre, denn das Gewinnerteam erhält von den Verlierern einen ehrlichen Kasten Bier. Wahlweise die Münchnerbayern einen Kasten Beck's aus Bremen, oder (was ich natürlich ausdrücklich - wenn vielleicht auch naiv - zu hoffen bereit bin, Team Hansestadt einen kühlen Kasten Paulaner.
Es geht also wieder einmal um alles, und wir Werderaner schicken ein Foto, sollten wir den Kasten gewinnen. Wohl bekomm's!

Aufgalopp für sechs nicklige Runden Nord-Süd-Schnellschach ist um 19 Uhr am kommenden Samstag, 30.Mai. Gespielt wird bei Chessbase, und Jörg Wengler, Leiter der Bayernmünchener Schachabteilung, sowie meine Wenigkeit werden auf dem Werdertigers-Kanal ein paar begleitende Worte sprechen während des großen Matches und die Partien der jeweiligen Adepten kritisch-würdigend unter die Vereinslupe nehmen.

Schaltet Euch dazu, kommt vorbei, wir freuen uns über alle Gäste!

Wenn man ganz naiv ein Heimspiel der Schach-Bundesliga ausrichtet, denkt man sich, ok, wir fangen an am Samstag um 14 Uhr, um sechs bis sieben Uhr sind alle fertig, wir gehen essen, und dann ab nach Hause – Sportstudio gucken, ein paar Kekse essen und für den Sonntag vorbereiten.

Richtet man indes ein Heimspiel aus, bei dem Großmeister Luke McShane mit an den Brettern sitzt, kann es sein, dass diese ganze Rechnung nicht aufgeht – nicht nur ein bisschen, sondern bei weitem nicht!

Im Februar 2013 endete unser Werder-Spiel im Weserstadion gegen den SV Mülheim Nord nicht um 19 Uhr, und ebenfalls nicht um 20 Uhr.

Es stand 3,5 : 3,5 gegen den SV Mülheim Nord, doch aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit hatten eine Reihe von Grün-Weißen das Stadion schon verlassen. Spieler und Betreuer saßen beim Mannschaftsessen – Sonntag früh um zehn war ja schließlich schon die nächste Runde. Goldene Regel: die Kräfte gut einteilen, früh aufbrechen, früh essen, und dann bald ins Bett.

Ein Werderaner aber spielte noch, spielte und spielte, ein langwieriges Endspiel mit leichtem Vorteil gegen den deutschen Großmeister Daniel Fridman.

Luke suchte nach Hebeln, tüftelte, und knetete, knetete, knetete seinen Gegner, bis das berüchtigte Format “Dame und Bauer gegen Dame” auf dem Brett zurückblieb.

Da war es bereits nach 21 Uhr, und weit über sieben Stunden hatten sich beide Meister am Spitzenbrett schon intensiv behakt.

Damenendspiel mit Mehrbauer - wer wäre bei dieser Materialverteilung ein besserer Mann, um dauerhaft seine Chance zu suchen, als Luke McShane? Luke ist bekannt für sein “glorious grinding”, eine Mischung zwischen Aussitzen und dem Anhäufen minimalster Vorteile in sehr langen Partien, gefährlich für jeden Gegner. Und immerhin, ein Sieg gegen Daniel Fridman würde ja auch direkt zum knappen Mannschaftssieg gegen bärenstarke Mülheimer führen.

 Luke Fridman1
 Kein Remis – noch ist ja gar nichts entschieden! (Fridman – McShane 2013)

Wer knetet so spät bei Nacht und Wind?

So ging das Spiel weiter bis um 22 Uhr, und der Hausmeister rasselte bereits verhalten mit dem enormen Weserstadion- Schlüsselbund (der ja bekanntermaßen auch den Schlüssel zur Welt beinhaltet).

Noch immer spielte Luke, arbeitete mit der einen Hand seinen Mehrbauern Fridmans Grundreihe entgegen, während er mit der anderen Hand (und auch mit seiner Dame) Schach um Schach abwehrte– Gewinn, Remis, wer sollte das alles einschätzen?

In den Datenbanken endet die Partie offiziell bereits mit dem 92.Zug, doch die Wahrheit ist, dass es noch viel, viel weiterging!

Die 50-Züge-Regelung besagt ja, dass eine Partie Unentschieden ist, wenn fünfzig Züge lang keine Figur geschlagen wurde, und auch kein Bauer bewegt worden ist.

Klingt das nicht wie eine Gebrauchsanweisung für extrem lange Partien? Schach, Schach, viele Schachs von Fridman – und dann ein kleiner Bauernzug von Luke, auf zum Umwandlungsfeld. Die fünfzig Züge fangen neu an zu zählen. Wieder Schach, Schach, viele Schachs von Fridman, dann ein weiterer Bauernzug von Luke, und erneut tickt die Fünfzig-Züge-Uhr von vorne los. Kein Remis!

Luke Fridman2
Kein Remis – die Partie fängt doch gerade erst an? (Fridman – McShane 2013)

Schon stand die Stadionuhr auf kurz vor elf. Und da zeigte sie sich endlich, eine Gewinnstellung, fein austariert nach gut 9 Stunden auf den 64 Feldern! Irre.

Doch just, als Luke um 23 Uhr seinen Bauern zum Gewinn in eine neue Dame umwandeln wollte – war die Partie vorüber, und - Remis! Die 50-Züge-Regel hatte nun doch gegriffen, einen Zug, bevor die Zählung der Züge durch b2-b1 Dame neu begonnen hätte. Remis, Remis – schade!

Nun kann man sagen, na gut, Unentschieden, das hätte man ja auch schon viel früher haben können. Doch da wäre uns ein einmaliges Ringen entgangen, zwischen Luke McShane und Daniel Fridman. Neun Stunden tiefes Schweigen, Fokussieren, subtiler Angriff, gekonnte Verteidigung, und dann der Friedensschluss – einmalig.

Werders Trainer Matthias Krallmann und den wenigen noch bis 23 Uhr verbliebenen Zuschauern blieb nur noch, alle Türen schnell hinter sich zu schließen und gemeinsam mit Luke zu später Stunde noch eine sehr späte und wohl auch sehr große Pizza zu verzehren. 4 – 4 gegen Mülheim war die eine Sache an diesem Tag, und diese Partie, DIE würde keiner so schnell wieder vergessen.

Wenn wir ab und an aus Solidarität mit den Werder-Fußballern das Weserstadion freigeben und andernorts in Bremen unsere Heimspiele austragen, fragen uns die Vermieter der Säle oft, wie lange denn so ein Spiel gehen würde, am Samstag in der Schachbundesliga. Wir sagen dann, nun, normalerweise ist alles wohl vorbei gegen acht Uhr abends. Aber wenn Luke McShane mitspielt … dann müssen wir erst nochmal gucken! -

Auch Werders Trainer Matthias Krallmann beschrieb die packende Begegnung später im Werder Schachmagazin:

"Luke transformierte seinen Positionsvorteil in ein Damenendspiel mit einem Mehrbauern in der b-Linie und die Bühne war bereit für eines der größten Dramen der jüngsten Bundesligageschichte. Zug um Zug wurde im 30-Sekundenmodus gewechselt, Spieler um Spieler und Zuschauer um Zuschauer verließen das Weserstadion. Am Ende blieben Joachim Asendorf und ich mit ein paar Mülheimern und dem Schiedsrichter allein zurück.

Luke hatte mittlerweile den b-Bauern auf die vorletzte Reihe gebracht, doch ich wusste, dass der letzte Schritt der schwierigste ist, weil der König des Angreifers nun den Schachgeboten des Verteidigers schutzlos ausgeliefert ist. Die Internet-Verbindung war zusammengebrochen und ich stellte mich direkt neben das Brett. Joachim Asendorf konnte nicht mehr hinsehen und unternahm Wanderungen durch die ausgedehnten Platin-Logen. Als die beiden Kontrahenten vom Schiedsrichter das dritte Partieformular bekamen, wurde auch ich nervös. Würde Luke die Gewinnführung schaffen, bevor die 50-Züge-Regel in Kraft tritt?

Der Kampf wogte hin und her. Mehrmals sah es so aus, als würde Luke es in wenigen Zügen schaffen, aber immer wieder fand Fridman das schlaueste Schach. Plötzlich entstand Unruhe: Fridman reklamierte und zeigte dem ungläubigen Luke sein Partieformular. Der Schiedsrichter eilte hinzu. Tatsächlich: im 97. Zug hatte der b-Bauer nach b2 gezogen und Fridman war bereit seinen 147. Zug auszuführen. Der Schiedsrichter endschied auf Remis. Fassungslos starrte ich auf das Brett: In zwei Zügen hätte Luke seinen Bauern umwandeln können!"

*******

Der Londoner Luke McShane kam in der Saison 1998/1999 als junger Mann zum SV Werder Bremen, nachdem er zuvor schon beim SV Erfurt-West an den Brettern gesessen hatte. Seine erste grün-weißen Spielzeit begann Luke als Fünfzehnjähriger (!), und mit seinem pointiert- dynamischen und zugleich zuverlässigen Spiel war er in großem Maße am Gewinn der Deutschen Meisterschaft (hurra!) für Werder Bremen 2005 beteiligt.

Bundesliga Markus Ragger gegen Luke McShane
 Große Meister unter sich: Markus Ragger - Luke McShane         (Foto: OSt)

luke adams
Tief einsteigen schon in den ersten Zügen: Michael Adams - Luke McShane       (Foto: OSt)

Luke arbeitet für eine Londoner Bank, ist aber als Großmeister zugleich vielfach auf Meisterschaften und für das englische Nationalteam unterwegs. Er gilt vielen als “der stärkste Schach- Amateur der Welt”.

In dieser Saison 2019/2020 ging Luke in seine 21.Spielzeit beim SVW. Wir danken ihm für viele supertolle Jahre als Spieler, und ebenso als Ansprechpartner bei vielen Fragen rund um unsere Bundesligamannschaft!

Eine meiner All Time-Lieblingspartien von Luke:

 

 

Von IM Dirk Schuh

Ein tolles Buch hat der Verlag New in Chess jetzt veröffentlicht. In "Beyond Material - Ignore the Face Value of Your Pieces and Discover the Importance of Time, Space and Psychology in Chess" beleuchtet der kroatische Großmeister Davorin Kuljasevic mit seinen immerhin 2554 Elo die Thematik von positionellen Opfern im Schach.

In unseren Anfängen haben wir Schachspieler noch keine Übersicht und verlieren oft ungewollt Material, zumindest erinnere ich mich noch lebhaft an einige besonders einprägsame Momente meiner Anfänge, in denen ich ordentlich herumgepatzt habe. Mit etwas Übung schaffen wir es dann, das eigene Material zusammenzuhalten, ehe der Trainer uns dann zeigt, dass man auch gewollt Material abgeben kann.

Die Tür zur Welt der Opfer öffnet sich und wir lernen vielleicht erste klassische Partien von Morphy, Anderssen und co kennen. Man gibt Material und bekommt im besten Fall relativ schnell noch mehr Material zurück oder man gibt einen Bauern in der Eröffnung und bekommt dafür zwei bis drei Tempi, die zu Taktiken führen, die einem dann im besten Fall ein Matt oder mehr als einen Bauern einbringen.
Daran hat man dann auch lange Zeit Spaß und vielleicht will man diese Welt gar nicht mehr verlassen, aber der Autor nimmt uns dann mit auf eine Reise durch eine komplexe Schachlandschaft, in der man Material gibt und dafür ein schönes Feld bekommt oder den gegnerischen König schwächt, ohne dass man wirklich zwingend gewinnt.

Zum Glück schafft es GM Kuljasevic aber nicht nur, hochwertiges Material von Koryphäen wie Garry Kasparov zu präsentieren, er hat es auch recht gut strukturiert und gibt dem Ganzen durch eigene Beispiele eine recht persönliche Note.

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        Material ist längst nicht alles

Ein Beispiel möchte ich kurz mit Worten beschreiben. Es geht um die Partie Kasparov-Shirov aus Horgen von 1994. Wir steigen im 13. Zug ein und sehen im Diagramm eine Stellung aus dem Sveshnikovsizilianer. Der Autor ordnet sie auch als solche für den Leser ein und zeigt gleich auf das positionelle Hauptmerkmal der Stellung. Nach den Anfangszügen (die er nicht nennt, es geht ja um das Mittelspiel) 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Sd5 hat Weiß einen komischen Springer auf a3, aber auch einen schönen Vorposten auf d5.
Die Praxis zeigt, dass es für Schwarz ganz gut möglich ist, um diesen herumzuspielen, aber es ist schon eine Stellung, in der Schwarz etwas unternehmen muss und sich nicht ausruhen darf. In der Folge stellt Alexej Shirov seinen Läufer nach b7 und seinen Springer nach c5, um d5 direkt und indirekt unter Druck zu setzen, aber Weiß schafft es, einen Turm auf die b-Linie vor seinen Bauern zu stellen und opfert diesen gegen den Läufer.

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   16. Tb4xb7 ...!? Na klar ...

Die wichtige Frage bei solchen Opfern ist immer, was man für das Material erhält und das erklärt der Autor hier und bei seinen vielen anderen Beispielen natürlich. Weiß hat auf d5 einen unantastbaren Springer und schafft es nach 17.Txb7 Sxb7 18.b4 zudem noch, den Springer auf b7 kaltzustellen. In der Folge wird dieser Bauer sogar noch zum Freibauern, während die schwarze Bauernmehrheit im Zentrum durch den Sd5 gut blockiert wird.
In den nächsten Zügen sieht man auch noch einen weiteren Vorteil für Weiß. Schwarz hat nämlich keine klaren Pläne und spielt infolgedessen ungenau, wodurch Weiß schließlich auch noch Möglichkeiten gegen den schwarzen König erhält, die er schließlich nutzt. Der Autor zeigt einige Verbesserungen auf, auch wenn die Stellung für Schwarz nie wirklich schön wird.

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  Alexei Shirov - 1994 kalt erwischt von Chef Kasparov

Neben solchen Opfern, die Vorposten stützen oder erzeugen werden auch noch diverse andere gezeigt. Mal wird die Stellung unter Opfer klassisch für einen Königsangriff geöffnet, mal wird die gegnerische Struktur geschwächt. Da meist mehrere Beispiele zu einem Thema, wie hier de Vorposten, gezeigt wird, kann man als Leser auch selbst die Bedingungen für solche Opfer einfacher erkennen. Oftmals ist es eher der eigene Materialismus, der der Durchführung dann noch im Wege steht. Zur Abrundung der eigenen Fähigkeiten gibt es auch einige Aufgaben, in denen man am Ende eines jeden Kapitels zeigen kann, dass man die jeweiligen Motive verinnerlicht hat.

Insgesamt ist dies ein sehr gutes Trainingsbuch zu einem schwierigen Mittelspielthema, in dem wir wohl alle noch Luft nach oben haben. Ich kann es nur jedem empfehlen und habe es selbst schon im Training benutzt!

IM Dirk Schuh, November 2019

Schachtraining mit Dirk Schuh

beyond material

Das Ansichtsexemplar wurde von der Firma Schach Niggemann in Münster freundlich zur Verfügung gestellt.

Dienstag, 12 Mai 2020 19:51

Schach im Netz - seid dabei!

WSO, WOB, WTC ? Die Schachabteilung des SV Werder lädt ein zu spannenden Veranstaltungen in der nächsten Zeit!

Aus zeitlichen Gründen besonders wichtig: Das Werdertigers-Online-Schnellschach-Open (WSO) am kommenden Sonntag, den 17.5.. Werder Bremen bedankt sich in diesem Zusammenhang bei seinem Partner Chessbase, der das Turnier wieder großzügig mit Preisen ausgestattet hat!

Ebenfalls startet in Kürze die Werdertigers-Online-Blitzserie (WOB), für deren Gesamtsieg es 500 Dukaten im Gegenwert von 50 Euro zu gewinnen gibt.

Wie genau die Serienpunkte zu ergattern sind, wird noch veröffentlicht. Vor allem aber geht es darum jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat, beginnend am 20.5. ein Angebot für alle Schachfreunde zu schaffen.

Eine neue Idee ist die Werdertigers-Taktik-Cup. Auf der Seite unseres Partners Chessbase treten 2 Spieler wie beim Werdertigers-Cup gegeneinander an. Es werden gegeneinander Taktikaufgaben gelöst. Wer zuerst 13 Aufgaben richtig gelöst hat, gewinnt einen Punkt. Wer zuerst 6 Punkte hat gewinnt den Satz, wer 2 Sätze gewinnt, gewinnt das Match. Das gesamte Turnier wird im K.O.-Modus ausgetragen. Anmeldungen sind bis 18.5. möglich an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  .

Ein besonderes Highlight findet am kommenden Samstag um 10 Uhr statt. Das Werdertigers Youth Masters. 4 der besten Deutschen Jugendlichen, Henning Holinka, Ruben Köllner, Lara Schulze und Jakob Pajeken treten zusammen mit 4 Werderaner Nachwuchsspielern an: Collin Colbow, Nikolas Wachinger, Jari Reuker und Spartak Grigorian. Auch dieses Event, als Rundenturnier mit 7 Partien ausgetragen, wird großzügig von Chessbase unterstützt. Die Liveübertragung findet bei den Werdertigers statt. https://www.twitch.tv/werdertigers/

Wir freuen uns auf viele Zuschauer bei diesem einzigartigen Event!

Jonathan Carlstedt

Alle Ausschreibungen auf der Onlineschach-Seite des SV Werder

werdertigerswerdertigerswerdertigerswerdertigerswerdertigers

Woche um Woche wurde gespielt, gekämpft und gerungen, und nun ist es soweit, das Finale steht vor der Tür!

Von den 32 Teilnehmern im Werdertigers Cup 2020 haben sich

Nikolas Wachinger (SV Werder Bremen)

und (wer hätte das gedacht!)

David Höffer (Delmenhorster SK)

erfolgreich durch alle Runden getankt, Hindernisse und Widrigkeiten verschiedenster Art bewältigt und spielen nun das Finale um großes Preisgeld am

Montag, 04 Mai, um 17 Uhr

Wer in dem Match zuerst 6 Punkte sammeln kann, gewinnt. Übertragen wird wie immer live und in voller Farbauflösung auf

www.twitch.tv/werdertigers

Schaut vorbei!

Großes Nordderby heute live im Netz! Werder Bremen blitzt um die Wette gegen den kleinen HSV den Hamburger SK von 1830, und los geht's um 18 Uhr. Hier die Vorankündigung von Werder-Trainer-Teamchef-und Kapitän Jonathan Carlstedt!

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Am heutigen Mittwoch um 18 Uhr startet das Rematch Werder gegen den Hamburger SK an acht Brettern um 16 Runden, wir freuen uns!

Um 18 Uhr geht es im Playchess-Client unseres Partners und Sponsors Chessbase unter Vereine und Verbände --- Deutschland --- Hamburg --- Hamburger SK --- Turniere los! Die Revanche für die bittere 16,5:15,5-Niederlage unser Werderaner startet an 8 Brettern über 16 Runden!

Für den Hamburger SK gehen an den Start:

Luis Engel
Malte Colpe
Tom-Frederik Woelk
Henning Holinka
Jakob Weihrauch
Michael Kotyk
Robert Engel
Isaac Garner

Für die Werderaner gehen an den Start:

Jari Reuker
Spartak Grigorian
Nikolas Wachinger
Jonathan Carlstedt
Collin Colbow
Olaf Steffens
Detlev Diedrichsen
Samuel Pfeffer

Wir freuen uns auf ein tolles Match und werden dieses auch wieder bei den Werdertigers streamen!

www.twitch.tv/werdertigers

live ab 18 Uhr

Jonathan Carlstedt

Sonntag, 19 April 2020 11:58

DEM 2014: Fridman weiterhin unschlagbar

Spannendes Rennen um die weiteren Plätze

Vor kurzem reiste GM René Stern aus der Hauptstadt nach Verden, um als Meister seines Landesverbandes die Berliner Farben in der Norddeutschen Tiefebene hochzuhalten. Nach einem durchwachsenen Start in den Wettbewerb und einigen harten Runden im tristen Niemandsland des Feldes reiste René Stern ein weiteres Mal - aus den mittleren Höhen der Tabelle langsam immer höher im Klassement, Tisch um Tisch, und heute fand er sich tatsächlich am Spitzenbrett wieder.

Dort wartete auch diesmal wieder der schon seit gestern als neuer Deutscher Meister feststehende Daniel Fridman, denn Brett Eins war hier in Verden sein Wohnzimmer - und Hobbykeller, Terrasse und Kochecke war es mittlerweile wahrscheinlich auch schon, denn hier saß er neun Runden lang, das ist Kontinuität. Morgen wird der Abschied schwerfallen! Vielleicht darf Fridman das Spitzenbrett ja aber auch mit nach Hause nehmen. Die Gespräche mit dem Niedersächsischen Landesverband laufen.

René Stern aber, auch er schien sich sichtbar wohl zu fühlen am Top Board. Und wie der Berliner vom SK König Tegel nun einmal so ist, zeigte er dem Deutschen Meister gegenüber weder Ehrfurcht noch Demut, sondern lieferte ihm einen schneidigen Kampf und ließ ihn noch einmal arbeiten, ehe nach 57 Zügen ein Remis vereinbart wurde. Gut gekämpft, Löwen!

Goldene Turnierregeln

Vize!

Das Titelrennen war ja schon nach der achten Turnierrunde entschieden, und selbst die allergrößten Dennis-Wagner-Follower mussten eingestehen, dass ein Punkt Rückstand und Fridmans bessere Feinwertung nicht mehr einzuholen waren - jedenfalls nicht innerhalb einer weiteren, letzten Partie.

Dennis Wagner und der Rest der Teilnehmer konnte daher nur noch Trost suchen in einer passablen Platzierung auf den Rängen. Und das ist ja auch schon etwas - von Platz zwei bis runter zu Position acht winkten immerhin noch sehr beachtliche Geldpreise.

Die goldene Turnierregel "Letzte Runde siegen, dann kannst Du auch was kriegen" wurde in vorbildlicher Manier von (Schach-)Prinz Dennis umgesetzt - man sieht, die stete Förderung durch den DSB trägt gute Früchte, in enger Kombination natürlich mit dem exzellenten schachlichen Blick des Hockenheimers. Es waren indes lange siebzig Züge und einige konkrete Berechnungen im Springerendspiel zu überstehen, ehe er Felix Graf den vollen Punkt abgeluchst hatte. Deutscher Vizemeister 2014: Dennis Wagner. Chapeau!

Wagner, Fridman, Kunin - die drei stärksten deutschen Spieler! (Foto: Andreas Burblies)

Die goldene Regeln las natürlich auch Vitaly Kunin vor der Runde noch einmal nach, und so hatte Hagen Poetsch mit den schwarzen Steinen einen sehr sehr schweren Stand. Mehr und mehr sah er sich von Kunins manövrierenden Figuren eingeengt, die bald hierhin und bald dorthin drohten.

Kunin spielte mit viel Umsicht eine bestens vorgetragene Partie zu Ende und sicherte sich damit den starken dritten Platz. Ebenfalls Gratulation dazu!

Einer jünger als der andere - Dmitrij Kollars und Rasmus Svane

Die weiteren Preisränge belegten Matthias Blübaum und Igor Khenkin (beide 6 Punkte) vor Rainer Buhmann und René Stern (ebenfalls 6 Punkte!). Und der achte Rang? Hätte man wetten müssen vor dem Turnier auf einen Spieler seiner Wahl, der es auf den achten Platz schaffen würde, wären sicherlich viele Namen genannt worden. Unsicher ist, ob auch jemand auf Dmitrij Kollars getippt hätte, den jungen Delmenhorster Spieler (und Ex-Werderaner!), doch in der Tat - Rang acht ging an ihn!

Zwar versuchte Rasmus Svane noch viele Stunden lang, ihn mit nicht ganz uneigennützigen Gewinnversuchen von dieser Position zu verdrängen, jedoch es war vergebens, und äußerlich cool und innerlich unbeeindruckt brachte Dmitrij den halben Punkt in Sicherheit und tja, ein schönes Preisgeld nimmt er ebenfalls mit nach Hause. Goldene Turnierregeln vermitteln eben immer nur eine grobe Annäherung an die Wahrheit. Manchmal reicht am Ende auch ein Remis.

Am Ende des 44-köpfigen Feldes fand sich am Ende der Ravensburger Vadim Reimche wieder. NIemand liebt den letzten Platz, doch einen trifft es immer, der quasi stellvertretend für alle anderen den etwas unangenehmen letzten Platz belegen muss. Auch ich war davon nicht sehr weit entfernt und kann nur von Glück sagen, dass Vadim mich in der Nachtschicht-Runden am Sonntag noch aus einer schon verlorenen Stellung mit einem vollen Punkt davonkommen ließ.

Und so war es in einigen von Vadims Partien, die er bis zur letzten Runde immer wieder mit viel Sportsgeist und unbeirrtem Turniermut anging - hier ein Bauernopfer, dort ein strenger Angriffszug, doch so ist es eben manchmal - es läuft dann einfach nicht. Ein Remis wäre mindestens verdient gewesen, sicher auch in mehreren Partien, und (siehe oben) ganz bestimmt gegen mich.

So blieb für Vadim letztlich kein Punkt und ein mit viel Herz erspielter massiver letzter Tabellenplatz. Er hatte unter allen Teilnehmern die vermutlich härteste Turnierwoche - die Neun Tage von Verden. Mit diesem geduldig ausgehaltenen Ergebnis nimmt er immerhin den anderen Schachspielern in Deutschland ein klein wenig die Sorge, selber auch mal dort ganz unten im Keller der Tabelle zu landen. Vadim hat´s erlebt, und er hat es auch durchgehalten!  Und wer weiß, wozu es gut ist - der Ravensburger zeigte hier in Verden sehr sehr gutes sportsmanship - und es kommen sicher bald wieder bessere Tage und neue Erfolge für ihn.

ELO, wem ELO gebührt

Haben ihre Normen schon gesammelt: GM Buhmann und IM Jugelt

Die ELO- Zahlen lügen nicht, jedenfalls nicht auf mittlere Sicht. Zwar ist es oft traurig, gleichwohl muss man wohl schon glauben, was die ELO-Liste über die eigene Spielstärke verrät. Auch wenn sich jemand eine Norm erspielt, kommt das nicht ungefähr und verdient Respekt, und so war es Bundesturnierleiter Ralph Alt eine Ehre, anlässlich der Siegerehrung auch die Erfüllung einer, zweier ... nein, von drei Normen im Verdener Turnier zu verkünden.

Da waren einmal die beiden jungen Männer, die einmal mehr eine erfolgreiche Prinzen-Prüfung abgelegt hatten, Dennis Wagner und Matthias Blübaum - beide absolvierten mit ihren ausgezeichneten Tabellenrängen die Anforderungen für eine GM-Norm. Wenn das mal nichts ist!

(Nun hatte Matthias bereits vor kurzem in Bad Wiessee die für den großen Titel erforderliche dritte Norm erreicht, doch man weiß ja nie, und sicher ist sicher. Falls die Verdener Norm für ihn aber nicht mehr nutzbringend sein sollte - es gibt sicher einige, die sich sehr darüber freuen würden. So eine Norm ist doch sicher ein handelbares Gut. Wäre doch viel besser, als wenn sie einfach so verfällt.)

Auch der schon erwähnte Dmitrij Kollars focht mit seinen zahlreichen Gegnern intensive Duelle aus, und in bemerkenswert abgeklärter Manier holte er dabei 5,5 hochkarätige Punkte. Für den Turnierleiter war dies (neben anderen Kriterien) Anlass genug, eine IM-Norm auszurufen und das Turnier für Dmitrij noch mehr als ohnehin schon zu einem großen Erfolg zu machen.

Nun kann man den Austragungsmodus der Deutschen Meisterschaften durchaus kritisch sehen (so erst heute aus berufenem Munde hier), indes kann er so miserabel ja vielleicht doch nicht sein, solange noch Titelträger in ausreichender Anzahl anwesend sind und Normen wie in dieser Woche eingefahren werden.

Viele der deutschen Spitzenspieler bleiben dem Turnier regelmäßig fern, aber vielleicht liegt es auch gar nicht so sehr am Turniermodus? Falls es gelänge, das Preisgeld in höhere Sphären zu bewegen, würde mit einiger Sicherheit auch das Interesse der stärkeren Titelträger wachsen - unabhängig davon, ob man ein Rundenturnier mit zehn oder zwölf Teilnehmern austrägen möchte, oder wie in der jetzigen Form ein größeres Schweizer System-Turnier.

Der Modus selber ist vielleicht gar nicht in erster Linie das Problem.

Die Perle von Verden

Ja, das war es eigentlich schon, und von weiteren Preisen können wir nicht mehr berichten. Allerdings, eine Ehrung gab es noch!, denn im Laufe der Woche hatte sich Claus-Dieter Meyer als langjähriger A-Trainer des SV Werder die Partien des Turniers genau angesehen und die in seinen Augen gelungenste Spielführung für den Schönheitspreis empfohlen.

Als beste, erhabenste und auszeichnungswürdigste Begegnung wählte er das spannende Match zwischen Christoph Schild und ... (er ist wirklich überall!) .. Daniel Fridman aus, eine Partie der zweiten Runde mit vielen Tricks und einigen Finessen. Schon früh entschloss sich Weiß dort zu 4.g2-g4, und man merkt bereits den vielen Pfeffer, der dadurch in die weiteren Stellungsbilder kommt. Beide Spieler erhielten dafür den Schönheitspreis. Viel Spaß beim Nachspielen!

Wir freuen uns, eine ausführliche Analyse dieser Partie von Claus-Dieter "C.D." Meyer an dieser Stelle noch einmal wiederzugeben!

Schönheitspreis für Daniel Fridman

 

Fotos, Fotos, Fotos

 Olaf Steffens und Vadim Reimche
Olaf Steffens und Vadim Reimche (Foto: Andreas Burblies

Wir beenden die Berichterstattung mit ein paar in loser Folge eingefangenen Bildern aus dem Turniersaal.

Vorher aber noch einen herzlichen Dank an alle LeserInnen, die die neun Turniertage von Verden auch hier in den Artikeln wacker miterlebten und sich mit einiger Nervenstärke alles immer bis zum Ende durchgelesen haben. Ich freue mich über die vielen positiven Rückmeldungen und hoffe, dass die meist zu sehr später/ früher Stunde entstandenen Rundenberichte ein Bild von der Stimmung rund um die Deutsche Meisterschaft in Verden zeichnen konnte.

Zu meinem Bedauern bleibt festzustellen, dass Weltmeister Magnus Carlsen entgegen mancher Andeutung nicht mehr in das Turnier eingestiegen ist. Möglich wäre es gewesen, denn die WM in Sotschi endete ja schon am letzten Wochenende. Vermutlich hat Magnus einfach geahnt, dass Daniel Fridman in Verden einfach der Bessere sein würde!

dem2014.schachbund.de

Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens ist FIDE-Meister, wohnt in Bremen und spielt dort für den SV Werder II in der Oberliga Nord-West. Obwohl das Schachspiel eigentlich viel zu schwierig für ihn ist, versucht er es immer wieder und schreibt darüber zusammen mit anderen auf www.schach-welt.de.

Während der Deutschen Einzel-Meisterschaft 2014 schreibt er für den Deutschen Schachbund.

Samstag, 18 April 2020 11:09

Daniel Fridman ist Deutscher Meister!

 

 

Klaus Bischoff tritt von seinem Amt zurück

Das Ende einer Ära ist gekommen - wir halten kurz die Luft an und sagen "Vielen Dank, Klaus Bischoff!". Der noch immer amtierende Deutsche Meister verlor heute bei der Deutschen Einzelmeisterschaft in Verden seine Partie gegen Felix Graf und hat damit auch streng theoretisch keine Möglichkeit mehr, in das Rennen um den Titelgewinn 2014 einzugreifen. Bischoff hat daraufhin am Abend alle Ämter nieder- und sich selbst eine Weile hingelegt, bevor man ihn später dann wieder als Privatmann im Hotel Niedersachsenhof begrüßen durfte, befreit von der Bürde und Verantwortung des Meistertitels, den er seit seiner Inauguration in Saarbrücken im September 2014 innegehabt hat.

Trotz aller berechtigten Sentimentalität müssen wir uns in diesem Zusammenhang natürlich mit der Frage auseinandersetzen, ob Klaus Bischoff in seiner vierzehnmonatigen Amtszeit das Wohl des Deutschen Schachvolkes angemessen gemehrt und Schaden von ihm abgewehrt hat.

Wir erinnern uns, dass Baden-Baden unter seiner Ägide einen weiteren Meistertitel holen konnte. Die SG Solingen schnitt derweil sehr passabel und besser noch als Werder Bremen beim Europapokal in Bilbao ab, und mit dem SSC Rostock 07 ist ein Verein von der Ostseeküste in die Bundesliga aufgestiegen.

Das alles sind beeindruckende Erfolge und sprechen für das weitsichtige und weise Wirken des freundlichen Ulmers. Auch seine Expertise war bundesweit geschätzt, als bei dem letzten Kandidatenturnier in (wo war es noch?) niemand so richtig die Züge der internationalen Großmeister zu deuten vermochte. Hier sprang er selbstlos in die Bresche und erklärte dem Volke alle Manöver im Rahmen mehrstündiger Chessbase-Live-Übertragungen. (Ab und zu gab es aber auch eine Pause, da musste man dann selber weiterdenken.)
Schön war also die Zeit, und unbedingt loben wollen wir hiermit den Deutschen Meister 2013 Klaus Bischoff für eine sehr erfolgreiche Amtsperiode! Vielen herzlichen Dank im Namen aller Mitglieder!

Klaus Bischoff bei der Ausübung seines Amtes

Bis die Verdener Meisterschaft entschieden ist, muss der Deutsche Schachbund nun offenbar mit einem zweitägigen Machtvakuum zurechtkommen. Kommissarisch wird sicherlich Präsident Herbert Bastian in Verbindung mit Bundesturnierleiter Ralph Alt Antworten auf die drängendsten schachpolitischen Fragen finden können. Dennoch, es ist gut, dass vermutlich schon am Sonnabend der wichtigste Posten im Deutschen Schach endlich wieder vergeben sein wird.

Kunin - Fridman: Es wird streng verhandelt

Gute Chancen auf die Amtsnachfolge hat augenblicklich Daniel Fridman, dessen Namen wir im Rahmen der laufenden Berichterstattung ja schon das eine oder andere Mal und eigentlich die ganze Zeit über gehört haben. Fridman bremste in der siebten Turnierrunde den ungestüm anrennenden Vitaly Kunin aus, der seine Figuren aus der Ferne und auf den ersten Blick gesehen vielleicht etwas zu schwungvoll nach vorne geworfen hatte.

IM Hagen Poetsch: Inspirierter Angriffssieg gegen Rainer Buhmann

Da am Nebenbrett Dennis Wagner alsbald ein Remis mit Igor Khenkin vereinbarte, liegt Fridman nun wieder mit einem bewährten halben Punkt in Führung - und das würde ja auch am Ende vermutlich völlig für den Turniersieg ausreichen. Zugleich aber toben aus dem oberen Mittelfeld noch die (jungen) Wilden Hagen Poetsch, Felix Graf und Tobias Jugelt heran, die ebenso wie Khenkin und Matthias Blübaum fünf Punkte erspielten und nun zu Fridman ins Wohnzimmer müssen. Los geht es dort mit Tobias Jugelt, der heute gegen Rasmus Svane eine schwerblütige Grünfeld-Partie mit tiefen Manövern zum Gewinn führen konnte.

Grigorian - Steffens: Der schwarzen Stellung fehlen so ein wenig die Bauernhebel

Auf den Rängen punktet sich momentan die Jugend erfolgreich durch den Wettbewerb. Da ist einerseits Dimitrij Kollars mit einem weiteren Punkt gegen das etablierte Fachpersonal in Gestalt von Thilo Kabisch, ebenso wie Vincent Keymer, der gegen Tomislav Bodrozic zwar wackelte, am Ende aber unter dem Einsatz von Taktikspray noch zu einem vollen Zähler kam.

Einen weiteren schönen Punkt für die Jugendwertung steuerte Spartak Grigorian bei - was mich für ihn freut, meiner eigenen Turnierbilanz allerdings eher abträglich ist. Spartak, Oldenburger Sportler des Jahres 2011 und mein alter Blitzkumpel hier in Verden, ließ mich und meinen Angriff einfach auflaufen und wickelte dann ganz unkollegial in ein angenehmes Endspiel ab. So muss man´s machen!

Was sonst noch geschah

Woltmann - Langer 1 : 0 - Bremer Funktionär besiegt niedersächsischen Funktionär im Blitzen!

Wir kommen schon wieder zum Schluss und weisen ein weiteres Mal gerne auf einen sehenswerten Fernsehbericht hin. Nun soll man ja gar nicht so viel Fernsehen gucken, aber in diesem Fall ist es unzweifelhaft in Ordnung: SAT 1 Regional war ja gestern in Verden zu Besuch und hat einen breit gestreuten Bericht zu Schach und Meisterschaft produziert. Sehenswert!

Medienfuchs und Netz-Admin Torsten Bührmann, hier vor Ort in der Turnierleitung tätig, hat auf der Seite des Niedersächsischen Schachverbandes eine Kollektion aktueller Medienbeiträge aus aller Welt kreiert. Internationale Pressestimmen sozusagen, Funk, Fernsehen, Zeitung, NSA - ein Blick lohnt auch hier.

Bevor es morgen um Punkt 15 Uhr weitergeht (Handys aus!), hier noch ein Hinweis in eigener Sache. Hier in Verden wird ja auf Teufel komm´ raus jeden Tag stundenlang Schach gespielt. Das ist sehr schön und wird uns in Kürze auch den demokratisch legitimierten Nachfolger von Klaus Bischoff bescheren. Unser Sport hier lebt indes nicht allein von den Spielern und ihren aufregenden Zügen, wir brauchen auch immer viele viele Kräfte, die in ihrer freien Zeit all das anbahnen, was hier in neun Runden Turnierschach letztlich kulminiert. Um es einmal staatstragend zu formulieren:

Zur Würdigung ihrer umfangreichen Unterstützung bedanken wir uns hiermit herzlich bei allen ehrenamtlichen Helfern und freundlichen Funktionären, ohne die diese ganze Meisterschaft niemals möglich gewesen wäre.
Es macht sicher nicht immer nur Freude, was es rund um den Schachbetrieb ständig zu organisieren und abzuklären gibt. Ohne Eure Arbeit, Mühe und Koordination für Tuniere und Ligen wären wir Spieler wirklich ziemlich aufgeschmissen!

Wir möchten alle einmal kurz vorstellen heute, bevor es am Freitag und Samstag in die atemberaubenden Schlussrunden geht und weder Spieler noch Zuschauer mehr einen klaren Gedanken abseits des Schachbretts fassen können.

Darum heute - einige Porträts der Organisatoren, als da wären:

Michael S. Langer, Vorsitzender des Niedersächsischen Schachverbandes und auch DSB-Vizepräsident (Finanzen)

Dr. Oliver Höpfner, Präsident des Landesschachbundes Bremen

Michael Woltmann, Vorstand des Landesschachbundes Bremen und DSB-Vizepräsident (Verbandsentwicklung und Öffentlichkeit)

Ralph Alt, Bundesturnierleiter und Hauptschiedsrichter

Dirk Rütemann, Schatzmeister Niedersächsischer Schachverband und Schiedsrichter hier vor Ort

Torsten Bührmann, Sportdirektor im Niedersächsischen Schachverband und Netz-Admin

Bernd Laubsch, Allgemeine wohlwollende Unterstützung und Reservespieler

Frank Hoppe, Schachbulle und Webmaster (unter anderem) des Deutschen Schachbundes. Schrieb ich schon, dass der DSB ohne seine Netz-Arbeit nicht mehr sehr lange existieren würde? Frank war auch so nett, alle folgenden Porträts schon zu formatieren und hier in einiger Kleinarbeit im Server einzustellen.

Oliver Höpfner

SV Werder Bremen

- Ist dies Deine erste Teilnahme an einer DEM? / Deine wievielte Teilnahme an einer DEM ist das?

Das ist meine zweite Teilnahme an der Organisation einer DEM nach der Deutschen Einzelmeisterschaft 1998 in Bremen.

- Wie bereitest Du Dich vor?

Mit einer Vielzahl von Sitzungen, Besprechungen und Telefonkonferenzen.

- Wer sind in Deinen Augen die Favoriten?

Favoriten sind sicherlich die deutschen Nationalspieler Daniel Fridman, Igor Khenkin und Rainer Buhmann. Zudem hoffe ich sehr, das Matthias Blübaum in den Kampf um den Titel mit eingreifen kann.

- Was war bisher Dein größter schachlicher Erfolg?

Einmal konnte ich das Vereins-Pokalfinale bei Werder Bremen erreichen.

- Was ist Dein Ziel für die Deutschen Meisterschaften in Verden?

Dass das Turnier reibungslos und ohne größere Probleme abläuft.

Zudem hoffe ich sehr, das wir mit der Meisterschaft eine gute Werbung für den Schachsport in Bremen und Niedersachsen machen.

Und nicht zuletzt würde ich mir wünschen, das alle Meisterschafts-Teilnehmer mit einer positiven Erinnerung an diese DEM wieder nach Hause fahren.

- Was weißt Du über Verden? :-)

Als Bremer Schachspieler weiß man natürlich, das der Niedersächsischer Schachverband schon seit vielen Jahren immer im Januar seine Landesmeisterschaften in Verden ausrichtet.

Zudem haben auch schon eine Vielzahl von Jugend-Vereinsmeisterschaften in Verden stattgefunden.

Ansonsten kenne ich die Verdener Lätare-Spende (eine Verteilung von Brot und Heringen an die Bevölkerung als Vermächtnis von Klaus Störtebeker, an der immer auch Vertreter der Stadt Bremen teilnehmen), den Verdener Dom und die Domfestspiele, den Sachsenhain sowie den Verdener Märchenpark. Darüber hinaus ist mir Verden auch als Ausrichtungsort einer großen Zahl von Reitsportveranstaltungen bekannt.

- Wie würdest Du feiern, wenn Du Deutscher Meister wirst, obwohl Du gar nicht selber mitspielst?

Wenn das Turnier erfolgreich beendet wurde, feiere ich mit einem schönen Abendessen zusammen mit sämtlichen Meisterschafts-Teilnehmern sowie allen Organisatoren dieser DEM.

- Wer ist Dein schachliches Vorbild?

Jose Raul Capablanca, Akiba Rubinstein und Michail Botwinnik.

- Was machst Du beruflich?

Doktor der Wirtschaftswissenschaften.

- Hast Du neben dem Schach noch andere Hobbys?

Lesen, Geschichte, Politik.

- Bitte vervollständige folgenden Satz: Ich freue mich auf die DEM ganz besonders, weil...

... es die erste Deutsche Meisterschaft in Bremen bzw. im Bremer Umland seit 1998 ist.

 

dem2014.schachbund.de

Olaf Steffens