Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen.

Seit 2012 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen.

Größte Erfolge:
Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 5.Platz beim letztenTravemünder Open 2013, und Sieger des Bremer Hans-Wild-Turniers 2018.

Größte Misserfolge:
Werd´ ich hier lieber nicht sagen!

Größte Leidenschaften:
früh in der Partie irgendetwas mit Randbauern und/ oder g-Bauern auszuprobieren und die Partie trotzdem nicht zu verlieren – klappt aber nicht immer.

Samstag, 28 November 2020 11:38

Ho Ho Ho! Nikolausturnier bei Werder Bremen

Der Nikolaus kommt in diesem Jahr online, zumindest was den schachlichen Wettbewerb angeht - die Schachabteilung des SV Werder Bremen freut sich, mit erneut großzügiger Unterstützung der Firma Chessbase zum 1.Bremer Nikolausturnier einzuladen!

Los geht es am (na klar) 6.Dezember in aller Frühe, ein Startgeld braucht nicht gezahlt zu werden, und wunderschöne Preise warten auf die Gesamtsieger und die Besten in den jeweiligen Gruppen (Senioren, Jugend, DWZ unter 1900 und bester Spieler der zweiten Tabellenhälfte).

Gespielt wird auf PlayChess, den Link zum Turnierraum bekommen alle Vorangemeldeten per Mail zugesandt.
Zusätzlich wird dieser auch für die Kurzentschlossenen auf unserer Homepage veröffentlicht.

Tigerniko
Nu aber los - Nikolaus bei Werder Bremen! (Foto: Udo Hasenberg)

Alle Details sind in der unten angehängten Ausschreibung zu finden.

Kommt alle vorbei, meldet Euch gleich an - für einen schönen Nikolaus-Schachtag am 06.Dezember!

Nikolausturnier bei Werder

**********

Sonntag, 22 November 2020 21:54

Werdertigers Cup: Colbow - Müer

Die erste Runde des Tigerwerders Cup 2.0 ist in vollem Schwange, so mancher schon setzte sich durch im beinharten K.O.-Modus, andere mussten bereits die Heimreise antreten. Ein Ausrufezeichen vermochte SF Rolf Hundack von der Bremer SG zu setzen, der den gut 150 Punkte eloschwereren Samuel Weber (Oberursel) furios und hauchdünn mit 6 : 5 aus dem Wettbewerb warf - Rolf sehen wir also bald wieder, in der Runde der letzten 16!

Heute am frühen Abend und vor dem hübschen Wiesbadener Tatort trafen Collin Colbow (Werder) und Sebastian Müer (SK Oldenburg) aufeinander - eines der wertungsstärksten Duelle dieser Auftaktrunde. Best of 11 - wer würde obsiegen? Hier ist der Stream - viel Spaß! (Nix für schwache Nerven, gelle)

Werdertigers Collin Tigerdompteur

Soweit für heute - morgen geht's weiter!

Turnierseite bei den Werdertigers

Samstag, 21 November 2020 15:28

Offener Brief von 12 KaderspielerInnen

Was soll man machen, wenn 12 von 19 KaderspielerInnen des Deutschen Schachbundes einen offenen Brief schreiben, um - neben anderen wichtigen Punkten - auf nachhaltige Probleme in der Zusammenarbeit mit Bundestrainer Dorian Rogozenco hinzuweisen? Einige der UnterzeichnerInnen kenne ich nicht persönlich, aber zahlreiche schätze ich sehr, und wenn die Frage ist, was wir mit so einem Brief tun sollen? Wir veröffentlichen ihn!

****************************************

Offener Brief, 21. November 2020

Die Entwicklungen der letzten Monate im Bereich Leistungssport des DSB beunruhigen uns zutiefst, daher sehen wir uns gezwungen zu handeln.

Das Präsidium des Deutschen Schachbundes ist nicht bereit, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen – einem lösungsorientierten Dialog wird kontinuierlich ausgewichen. Der einzige verlässliche Partner der KaderspielerInnen, der Leistungssportreferent Andreas Jagodzinsky, wurde zuletzt soweit isoliert, dass er seinen Rücktritt bereits angekündigt hat. Nachdem getroffene Absprachen ignoriert und zugesagte Kompetenzen zurückgenommen wurden, hat nun auch Alexander Naumann zum großen Bedauern aller Spielerinnen mitgeteilt, dass er als Frauenkapitän nicht mehr zur Verfügung steht.

In Deutschland sind die nötigen Mittel und SpielerInnen vorhanden, um mittelfristig auf Erfolge im Bereich Leistungssport hinzuarbeiten. Die Leistungssportförderung ist aktuell jedoch geprägt durch mangelnde Struktur, fehlende Kontinuität und Intransparenz. Die zuletzt dramatische Verschlechterung der Lage ist ebenso unnötig wie traurig.

Ohne Not trifft der Bundestrainer destruktive Entscheidungen, die ein unerträgliches Ausmaß erreicht haben. Insbesondere die Kaderspielerinnen sind einem Umgang ohne jeglichen Respekt ausgesetzt. Angesichts der abschätzigen Haltung, die der Bundestrainer vielen SpielerInnen entgegenbringt, und einem von persönlichen Sympathien und Animositäten geprägten Entscheidungsklima ist eine weitere Zusammenarbeit für uns nicht vorstellbar. Ein Neuanfang ist zwingend notwendig. Solange Dorian Rogozenco Bundestrainer ist, stehen wir für Einsätze in der deutschen Nationalmannschaft nicht mehr zur Verfügung.

Wir fordern eine transparente Förderung, die Angebote schafft und Anreize bietet, sowie einen respektvollen und sachlichen Umgang mit allen SpielerInnen. Wir wünschen uns Willen zur Veränderung. Wir hoffen, dass die Führung des Schachbundes Voraussetzungen schafft, unter denen im Bereich Leistungssport wieder alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Gerade in der aktuellen Situation sollte man sich einer Sache nicht mehr verschließen - dem konstruktiven Dialog mit den Spielerinnen und Spielern.

gezeichnet,

Josefine Heinemann   Sarah Papp   Vincent Keymer
Hanna Marie Klek    Matthias Blübaum Dmitrij Kollars   
Melanie Lubbe Daniel Fridman Georg Meier
Annmarie Mütsch Andreas Heimann   Rasmus Svane
Samstag, 21 November 2020 12:25

Werder WoBli: Matt in einem Zug

Es ist ja eigentlich nur ein Spiel, dieses Schach, und die Welt hat so viele andere Probleme, wirklich.

Und doch, es ist zum Verzweifeln ob der kläglichen Züge und Stellungen, die immer wieder dem eigenen Denkprozess entschlüpfen. So sinnvoll die einzelnen Ideen, so kläglich das Gesamtergebnis!
Man kann mit noch so guten Absichten ans Brett gehen, und die Züge nach bestem Wissen und Gewissen erdenken – was herauskommt, ist durchaus ernüchternd, und das auch immer wieder. Bis hin zum einzügigen Matt. Oh my God!

Auch beim zweiten von acht WoBlis, dem Werder Wochenblitz, war erneut eine Schar Schachhungriger im Online-Raum versammelt. 90 Minuten des Abends am Bildschirm verbracht, eine schöne Idee, nicht zu lang, nicht zu kurz.

Der Arena-Modus bei LiChess loste alsgleich Stephan Buchal mit seinem starken Vereinskollegen Collin Colbow zusammen. Es wurde ein beinhartes Duell, verworren, komplex, und Stephan, Sieger der Vorwoche, überwand mit dem etwas fluffigeren Figurenspiel schließlich Collins Verteidigung – Sf6+, schachmatt!

Dann aber folgte für Stephan eine Durstrecke, und die allerschönsten Stellungen zerstieben im Angesicht kurzer Bedenkzeit und knapper Fehleinschätzungen noch zu Remisen und Niederlagen. Siehe die einleitenden Worte oben – Schach ist manchmal ein düsterer Sport, und das Schachbrett ein düsterer Ort, der einem viele Enttäuschungen bereiten kann.

Dafür aber holte Collin nun wieder auf, punktetepunktetepunktete, und weil im ArenaModus ja eine Serie von Siegen am Ende zu doppelten Punkten führt, war DerBesteAusWelt bald schon an die Spitze des Feldes geeilt. Und surprise, dort war so ungefähr auch der Berichterstatter, der mit vielen durchaus ungeeigneten Zügen eine ansehnliche Anzahl an Punkten hatte zusammenstoppeln können. Gemeine Fallen, schmutzige Siege, glückliche Ergebnisse - dies alles eher Dinge, die man im Jugendtraining eher nicht zeigen sollte.

Collin und Steffens also kurz vor Schluss gleichauf, und in meiner Partie gegen den trickreichen Dr Wonderstein sah es gut aus für mich.

Wonderstein Ste 

Alles prima für Schwarz – Materialgewinn liegt in der Luft! Vor das Glück haben die Götter aber die Sorge gesetzt, und so sorgte ich mich nun, dass die Uhr des Gesamtturniers nur noch 4 Minuten Restspielzeit anzeigte. Mein Gegner und ich aber hatten beide noch knapp vier Minuten Zeit nach, und was geschieht nochmal, wenn das Turnier endet? Genau – die Partien zählen nicht mehr für das Turnierergebnis und was ist, sollte mein Gegner seine Uhr irgendwann einfach ablaufen lassen? Too little, too late. Das Spiel wird zwar noch zu Ende gespielt, aber gewertet – wird es nicht.

Und so, um auf meine Sorge zurückzukommen, sorgte ich mich nun weniger um meine Stellung als darum, die Partie möglichst fix noch zu beenden, ehe die Glocke läutet! Und man ahnt schon, was nun kam – schnelles Spiel, Sekunden sparen, ratzfatz die Züge aufs Brett gejagt ...

Dr Wonderstein überlegte einige Zeit, und spielte dann das schlaue …

1. O – O !

Mit Ausrufezeichen! Das profane 1.Lxe4 hätte zwar den Turm, aber nicht die Stellung gerettet. So aber – kann Schwarz den Turm auf d2 ja einfach nehme? Entweder mit der Dame, oder mit dem Springer. Doch egal, schnell schnell, denkt Schwarz, das Turnier endet bald!

1… Se4 x d2

Dies ist etwas weniger gut als das alternative Schlagen mit der Dame.

2. Dh4 x h7 matt

Ups! Wie gesagt, nichts für das Jugendtraining – und wenn doch, liebe Werdertrainer, dann bitte nur ohne Namensnennung. Gebt mit ein N.N.! Und im Übrigen – siehe die einleitenden Worte, weiter oben.

Collin war mit dieser verdienten Niederlage nicht mehr einzuholen, und somit folgt er Stephan Buchal nach und wird verdienter Sieger des 2.WoBli! Glückwunsch!

Wobli2

Das Siegerpodest des 2.Werder Wobli (Bild: LiChess)

Preisfonds (max sechs Wertungen aus 8 Turnieren)

Gesamtsieger: 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

2.Platz: 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

3.Platz: 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

Beste 2 Jugendliche (U18): je 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

Beste Teilnehmerin: 1 Tafel Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

Bester Senior (Ü50): 2 Tafeln Hachez Stadtmusikanten-Schokolade

Übrige Teilnehmer (mindestens 6 mal teilgenommen): wir verlosen 2 Tafeln von ... na Ihr wisst schon :-)

Punktewertung: Platz 1: 15 Punkte, Platz 2: 12 Punkte, Platz 3: 10 Punkte, Platz 4: 9 Punkte, und für die weiteren Ränge je ein Punkt weniger)

bremen schoko
Da ist sie wieder ....

**********

Für alle Blitz-Aficionados hier noch eine hübsche Sache - Auf zum Blitz mit Rasmus!

**********

Und überhaupt - der Werdertigers Cup 2.0 ist schon in full swing! Spiele heute, morgen, Montag, und auch live bei Twitch:

Samstag, 21.November, 18:00 : Jörg Wengler (FCB) - Frank Modder (Oldenburg)

Sonntag, 22.November, 18.30: Rolf Hundack (Bremer SG) - Samuel Weber (Oberursel)

**********

Und dann war da noch ...

Ein kleines Update zum Werdertigers Cup 2.0 - die Anmeldefrist wurde verlängert bis Mittwoch, und Ihr könnt noch einsteigen, wenn Ihr möchte!

Das Teilnehmerfeld ist attraktiv in der Tat, starke SpielerInnen durch die Bank, und wenn auch sonst in der Welt vieles gloomy aussieht, hier erwarten uns viele spannende, kurzweilige und corona-vergessene Matches, immerhin.

Teilnehmer

Turnierseite

Wir freuen uns auf Euch. Gleich anmelden, gleich anmelden!

Samstag, 14 November 2020 15:27

Bumm Bumm Buchal

Los ging es am vergangenen Donnerstag mit dem Werder WoBli Wochenblitzturnier, auf dass es an insgesamt acht Spieltagen den frühen Winter hindurch unsere ausgekühlten Schachseelen wärmen möge. Bis zu 15 Spieler tummelten sich im Feld der ersten Runde, um sich im Arena-Modus "Jeder gegen jeden, so wie es gerade passt" für 90 Minuten ineinander verkeilt möglichst viele Punkte zu ergattern.

Eindeutiger Hirsch auf dem Platz war von Anfang an FM Stephan Buchal, der mit Umsicht und der bei einer Bedenkzeit von 5 + 3 gebotenen Schnelligkeit ungeschlagen blieb. Mit drei Punkten Vorsprung entschied Stephan den Wettbewerb für sich, gefolgt von Anton Strodthoff und Olaf Steffens, die beide - wie hätte es anders sein sollen - im direkten Duell mit Turniersieger Buchal das Nachsehen hatten.

Steffens Buchal
Steffens - Buchal: nix für schwache Nerven (Diagramm: Lichess)

Ab 19:30 Uhr konnte man kommen, wann man wollte, das Turnier verlassen, wann man wollte, zwischendurch etwas Schach spielen und im Chat munter miteinander koexistieren - eine schöne Veranstaltung, so für den Abend mit Schachfreunden!

Nächste Woche heißt es am Donnerstag um 19:30 Uhr erneut "Faites votre jeux" (oder so), und wer will, kann aus nah und fern gerne mit dabei sein.
Zu gewinnen gibt es sagenhafte Preise für die Besten der achtrundigen Gesamtwertung, bei Jugend, Senioren, Damen, Gesamt - allenthalben lockt unter anderem die formidable Hachez Stadtmusikantenschokolade!

bremen schoko
Da ist sie wieder - die Bremer Schokolade der Herzen!

Eine Rezension von IM Dirk Schuh, März 2019

Ich bin immer wieder überrascht, wieviele interessante Möglichkeiten es im Schach gibt. Für mich war das Jahr 2004 dabei eine Offenbarung, als ich den ersten Teil der "Schach ohne Scheuklappen"-Reihe von New in Chess in meinen Händen hielt. Darin wurden Nebenwege in der Eröffnung aufgezeigt, die auf der einen Seite abwegig erschienen, aber auch oft einiges an Gift enthielten und den Gegner zum eigenständigen Denken zwangen. Ich war sofort begeistert und ab sofort war das jeweilige Eintreffen des neuen der dann insgesamt 14 Bände für mich wie ein Fest. Darum wurde ich auch sofort hellhörig, als "Unconventional Approaches to Modern Chess Volume 1" vom ukrainischstämmigen Großmeister Alexander Ipatov bei Thinkers Publishing angekündigt wurde. Nun halte ich es in meinen Händen und fühle mich ein wenig wie vor 15 Jahren.

Der Autor ist mir schon vorher aufgefallen, da er manchmal wie ich keine große Lust auf zu großen Theorieballast zu haben scheint und dann einfach früh eigene Wege einschlägt. Zum Beispiel war für mich seine Partie gegen GM Samuel Shankland aus Saint Louis von 2018 ein großer Spaß, als er nach 1.d4 einfach Sa6 spielte und dann nach 2.c4 mit e5 3.dxe5 d6 einen Bauern opferte und gegen den mittlerweile 2700er ein Remis erreichte, wobei sogar mehr drin war. Diese Partie ist natürlich auch in dem Buch enthalten und in kommentierter Form sogar noch unterhaltsamer.

Unconventional Approaches

Aber worum genau geht es jetzt in diesem Werk? Der Autor zeigt 33 Eröffnungsideen für Schwarz, nach denen dem Gegner nicht nur recht wahrscheinlich die Kinnlade herunterklappt, sondern mit denen Schwarz auf kreative Art und Weise Gewinnchancen generieren kann. Wichtig ist ihm dabei aber, dass er nicht jede Idee als perfekt darstellt, sondern auch genau zeigt, worin jeweils die Risiken liegen. So weiß der Leser später recht gut, worauf er sich einlässt. Schön finde ich auch, dass kein festes Eröffnungsrepertoire für Schwarz gezeigt wird, sondern verschiedenste Ideen besprochen werden, aus denen man sich dann das heraussuchen kann, was einem gefällt. Es beginnt darum zuerst auch mit gängigen Eröffnungen, in denen er neue Wege zeigt, die man in sein vorhandenes Repertoire als Überraschung einbauen kann. So wird zum Beispiel gegen die Spanische Eröffnung unter anderem die Norwegische Verteidigung nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 b5 5.Lb3 Sa5 analysiert. Das sieht komisch aus, aber wenn Weiß ungenau spielt, holt sich Schwarz einfach das Läuferpaar und hat einen langfristigen Vorteil. GM Ipatov zeigt jetzt zuerst, was passiert, wenn Weiß mit 6.Sxe5 oder 6.Lxf7 versucht, die Variante zu widerlegen und kommt dann langsam zur kritischen Variante nach 6.0-0 d6 7.d4 Sxb3 8.axb3 f6, in der Schwarz ein wenig aufpassen muss, dass sich die Stellung nicht zu sehr öffnet, wonach sin Entwicklungsnachteil zum Problem werden kann. Aber all diese Probleme werden angesprochen und Lösungsansätze aufgezeigt. Selbst mögliche Neuerungen für Weiß und Schwarz werden antizipiert und eingearbeitet. Bei bestem Spiel von Weiß sieht er Probleme für Schwarz beim Spiel auf Gewinn, aber ein überraschter Gegner hat einige Möglichkeiten fehlzugreifen und er gibt jeweils mehrere Ideen für Schwarz an, wenn dies möglich ist, damit man flexibel bleiben kann.

Umfassender sind aber die "Systeme", bei denen er quasi jeweils komplette Schwarzrepertoires gegen 1.d4, 2.c4 analysiert. Dabei wird auch endlich mal das Malakhovsystem näher erläutert, das nach 1.d4 g6 2.c4 Lg7 3.Sc3 e6 entsteht und nach zum Beispiel 4.e4 Se7 5.Sf3 mit d5 seine typische Struktur offenbart. Als ich das zum ersten Mal in einer Partie sah, dachte ich nur, was denn der Mist soll, aber mittlerweile haben sich schon einige Großmeister, natürlich auch der Autor, daran versucht und es ist nicht so einfach zu knacken. Schwarz überlässt Weiß nach hypermoderner Manier das Zentrum, um es dann mit d5 zu attackieren und so Gegenspiel zu erhalten. Die Schwächung der schwarzen Felder am Königsflügel ist allerdings nichts für Ästheten. Das System ist schon recht alt, kam aber erst in den letzten Jahren in Mode und bietet darum noch viel Raum für frische Ideen. Auch hier bleibt der Autor aber objektiv und gibt zu, dass Weiß mit 4.Sf3 Se7 5.h4 recht unangenehm fortsetzen kann. Zwar hat er auch hier Ideen für Schwarz, aber Weiß hält wohl etwas Vorteil, was aber natürlich vertretbar ist und von den meisten normalsterblichen Schachspielern auch nicht zwingend umgesetzt werden kann. Weiß kann natürlich auch 1.d4 g6 2.e4 spielen, aber hierzu gibt es auch Material, zum Beispiel Lg7 3.Sc3 und jetzt einfach d5, das auch schon bei "Schach ohne Scheuklappen" vorkam.

Am Schluss des Buches gibt es dann noch einige Eröffnungen, in denen Schwarz früh mit g5 oder anderen Zügen fernab der Schablone agiert, siehe auch die oben genannte Shanklandpartie. Hier wird natürlich auch die phantastische Partie Aronian-Kramnik aus dem Kandidatenturnier 2018 analysiert, in der Schwarz nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 Lc5 5.Lxc6 dxc6 6.0-0 De7 7.h3 mit Tg8 und einem Bauernsturm den Weißspieler überrollte.

Seine Kapitel hat der Autor recht gut aufgebaut. Er bespricht meist Partiefragmente , in denen viele Textkommentare wie auch Analysevarianten und andere Partiefragmente enthalten sind. Die Partien stammen teils von ihm, aber auch vielen noch bekannteren Großmeistern. Vor allem Magnus Carlsen, der ebenfalls gerne mal experimentiert, ist hier häufig vertreten.

Insgesamt bietet das Buch ein tolles Buffet an interessanten Eröffnungsvarianten, mit denen man Weiß überraschen kann. Die Darstellung ist sehr gut, sodass man viele Varianten schnell in ein bestehendes Repertoire einpflegen kann, ohne großartig weiter daran feilen zu müssen. Zudem sieht man hier einmal mehr, wie abwechslungsreich Schach noch immer sein kann. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung!

IM Dirk Schuh

Unconventional Approaches to Modern Chess 1 bei Schach Niggemannbei Schach Niggemann

 

Donnerstag, 12 November 2020 17:06

Werdertigers Cup 2.0 - jetzt anmelden!

Der SV Grünweiße Tiger Werder Bremen lädt herzlich ein zum Werdertigers Cup 2.0 !

Nach den spannenden Turnierwochen im Frühjahr gehen wir nun in die zweite Auflage - wieder werden sich SpielerInnen in intensiven K.O.-Runden miteinander verhaken und beim Best of 11 - Blitz um den Einzug in die nächste Runde kämpfen.

https://www.werder.de/schach/turniere/sonstige-turniere/werdertigers-cup-2020/

https://www.schach-welt.de/BLOG/blog/werdertigers-cup-achtelfinale-komplett

Seid dabei bei der Neuauflage und meldet Euch fix an - phantastisch schöne Preise gibt es, und auch immer wieder eine Live-Kommentierung ausgewählter Matches bei den Werdertigers auf Twitch.

Mehr zum Turnier findet Ihr hier, ebenso wie die bisherigen Anmeldungen. Es sieht nach einem verdammt starken Teilnehmerfeld aus.

Bitte beachtet auch den Anmeldeschluss - Sonntag, 15.November!

Moinmoin, und bis bald (irgendwann haben wir es geschafft, mit Corona!)

Olaf

Donnerstag, 29 Oktober 2020 16:07

CD Meyer Turnier: Das Tippspiel ist entschieden

Modern ist, was gewinnt – diese alte Weisheit von Otto Rehhagel gilt nicht nur auf dem Schachbrett, sondern natürlich immer auch „umzu“.

Das stark besetzte Claus-Dieter Meyer Gedenkturnier bei Werder Bremen ist vor Kurzem erfolgreich zu Ende gegangen. Sieger auf dem Brett wurde der für Deizisau spielende junge GM Dmitrij Kollars, der ehemals und in noch jüngeren Jahren ja ein waschechter Werderaner war, und sogar ein Schüler von – Claus-Dieter Meyer! So schließt sich ein Kreis, und – zumindest aus dieser Perspektive - niemand Besseres hätte das Turnier gewinnen können.

Neben das Schachbrett haben die Götter aber auch das Turnier-Tippspiel (Link siehe unten) gesetzt, und hier waren es nicht die hochkalibrigen ELO-Riesen, die den Sieg davontrugen, sondern (siehe oben) die Teilnehmer mit den modernsten Vorhersagetechniken, der besten Expertise oder einfach auch ein ganz klein wenig Glück (muss ja auch mal sein).

Zu tippen waren so pittoreske Dinge wie die Anzahl der Partien, in denen es ein Bauernendspiel geben würde (Auflösung = 3 mal), wie oft ein Springer auf a1, h1, a8 oder h8 zu parken kommen würde (Auflösung = auch 3 mal!) die Zugzahl der längsten (158) und der kürzesten entschiedenen Partie (16!). Auch wurde angefragt, wer Turniersieger werden (Dmitrij, natürlich!) oder wer den höchsten ELO-Sprung machen würde (Ruben Köllner!).

Siegerehrung CD Meyer
Drei IM - Normen gab's: für Nikolas Wachinger (SVW), Ruben Köllner (Deizisau) und Jari Reuker (nochmal SVW!).
Ganz links Jörg Wengler vom FC Bayern sowie Schiri Dirk Rütemann, ganz rechts Oliver Höpfner, Chef der
Werder Schachabteilung

Die für den Hamburger SV spielende Sarah Papp nutzte ihre schachliche Expertise voll aus und prognostizierte die Ergebnisse der zehn nickligen Tippspielfragen am Besten – wir gratulieren! Für den ersten Tippspiel-Platz erhält Sarah ein schönes Werder-Trikot mit einem Namens-Aufdruck ihrer Wahl.

Den zweiten Platz im Feld eroberte Olaf Steffens (SV Werder), der ebenso wie Sarah selber am Turnier teilgenommen hatte und dort den etwas unschönen letzten, den dunkelroten, den untersten Rang belegte – aber einer muss diese schwere Bürde ja auf sich nehmen. Olaf erhält für seine zumindest im Turniertippspiel klugen Vorausberechnungen eine DVD Magische Endspiele von CD Meyer/Karsten Müller.

 

adams
Ein magisches Springerendspiel - hier von Mickey Adams

Platz 3 verdiente sich Stefanie Klawun-Schulze, eine Freundin des Schachs und des Grün-Weißen. Ebenso wie Sarah und Olaf zeigte sie sehr gute Prognosefähigkeiten, und damit geht Rang 3 des Tippspiels ebenso an sie wie das starke Schachprogramm Fritz 17 (hey hey!).

Danke an alle für das Teilnehmen, und ein großer Dank vor allem auch an Udo Hasenberg für die akkurate Auswertung aller Ergebnisse – das waren eine ganze Menge an Details, die hier beachtet werden mussten.

Alle Fragen und die ganz genaue Auflösung findet Ihr hier.

Von Stephan Buchal

Dramatisches Finale beim CD Meyer-Gedenkturnier! Von dem GM-Trio an der Spitze kann sich nur Dmitrij Kollars gegen Spartak Grigorian durchsetzen. Die anderen drei Großmeister müssen sich gegen fantastisch aufspielend Jugendliche in äußerst spannenden Partien mit Remis begnügen.

Weiterlesen - mit vielen Fotos und Partiefragmenten - bei Werder Bremen Schach

Dmitrij CD Turnier
Dmitrij Kollars (Mitte): der frühere Bremer und ehemalige Schachschüler von ... Claus-Dieter Meyer erkämpfte sich den ersten Platz! (Foto: Heinz Hinrichs)

Pokal CD Turnier
Der CD Meyer Pokal reist mit Dmitrij in die Welt

One more game
Schachfreund Steffens diesmal ohne Fortune - oder ganz einfach mit sehr vielen schlechten Zügen. Letzter Platz!

claus
Bundesligarunde in Bremen 2013 - Claus-Dieter Meyer (rechts, mit Andreas Burblies) ganz in seinem Element!

Sonntag, 11 Oktober 2020 07:39

CD Meyer-Turnier: erste Runde, viele Punkte!

Gestern der Aufgalopp und die erste Runde beim CD-Meyer Gedenkturnier in Bremen - Jonathan Carlstedt, Kapitän und Motor dieses Events, fasst die Ereignisse des Tages in seinem ausführlichen Bericht zur ersten Runde zusammen. Auch im Internet hat Jonathan live kommentiert - dieser Link führt Euch zum Twitch-Verlauf der ersten Runde.

Und hier auch das sehr schöne Turnierheft, mit Porträts von allen Teilnehmern, Grußworten und vor allem auch mit zahlreichen Würdigungen von Claus-Dieter Meyer, Trainer-Urgestein und Werderaner. Wir denken an Dich, lieber Claus!

CD Turnierheft Startseite

Einige Highlights und schöne Kombis gab es gestern zu sehen, viele Spieler zeigten gute Technik und gewannen, andere müssen auf ihre ersten (Teil-) Punkte noch ein wenig warten. So auch der Autor dieser Zeilen, dessen schlagkräftigste Aktionen gegen Jari Reuker das versehentliche Stoßen gegen die über den Brettern aufgebaute Plexiglaswand war.

CD Turnier 2
Plexiglas is in the house

Nachdenken, nachdenken, nachdenken, Figur in die Hand nehmen und schnell auf ein Feld in die andere Bretthälfte stellen ... - doch bonk!, da war die unsichtbare Wand, was drei-bis viermal einen kleinen effektvollen Wumms ergab. Immerhin habe ich sie nicht umgestoßen, was man mir hoch anrechnen möge! Jari natürlich steckte diese kleinen Malheure gut weg und fertigte mich in nur wenigen Zügen recht entspannt ab. Dabei hatte ich sogar meine neue Thermoskanne dabei, mit viel Kaffee für viele Turnierstunden, doch zeigte dies nicht die erhoffte Wirkung. Wir müssen uns erst noch finden, die Thermoskanne und ich - und überhaupt.

CD Turnier 1
Noch auf der Suche nach dem richtigen Mindset

Heute geht es weiter um 16 Uhr - die Paarungen findet Ihr hier.

Samstag, 10 Oktober 2020 12:21

CD-Meyer-Gedenkturnier: Auf an die Bretter!

ui ui ui

Heute geht es los in Bremen, ein beinhartes Feld voller Meisterspieler und MeisterspielerInnen, und dazwischen das kleine 2171er-Schäflein Olaf als Vorletzter auf der großen gefährlichen Turnierweide. Aber sich zu sorgen nützt ja nichts, Züge muss man trotzdem machen, und die anderen haben ja auch nicht mehr Figuren als man selbst.

Diese hohen ELO-Höhen bei der versammelten Gegnerschaft sind allerdings eine recht ungewöhnliche Perspektive für mich, ganz allgemein, und auch/ gerade nach einem halben Jahr strenger Turnierabstinenz. Wie wird es sein, wieder für Stunden an den Brettern, und Tag für Tag mit neuen massiven ELO-Riesen auf der anderen Seite der Plexiglasscheibe?

Wenn es ganz schlecht läuft, droht tagelange Agonie, untermalt von typisch bremischem Regenwetter. Sollte der eine oder andere Punkt in mein Netz tropfen, wäre das natürlich großartig - doch weit ist der Weg, bis so ein Punkt tatsächlich mal in Sicherheit gebracht ist! Es bleibt also nur - genießen, das Beste versuchen, weitermachen, und mit Kaffee am Schachbrett (aus neuer Thermoskanne, denn kein Ausschank beim Turnier unter Corona) und einer hübschen Fernsehserie am Abend eine schöne Turnierwoche zu erleben. Hurra (hurra!) !

Für heute ist die erste Runde raus, und ohne Pardon hat Turnierdirektorchef Jonathan Carlstedt ausgelost:

http://chess-results.com/tnr532285.aspx?lan=0&art=2&rd=1

Los geht es um 16 Uhr, live übertragen bei Chess24 und Chessbase, sowie aus allererster Hand bei www.twitch.tv/werdertigers, kommentiert vom Chef persönlich (und nein, damit ist nicht Garri Kasparov gemeint).

Für alles Übrige sei hier verwiesen auf Wo man Turnier spielt, da lass Dich ruhig nieder aus dem Vorjahr - ist immer noch so gültig, dieselben Gedanken, Ideen, Sorgen. Schön, nun wieder Schach zu spielen!

Rezension von IM Dirk Schuh, Mai 2019

Ich habe Schach durch verschiedenste Regeln gelernt. Erst kamen natürlich die Grundregeln, wie die Figuren ziehen, wie man rochiert, was passiert, wenn ein Bauern die gegnerische Grundreihe erreicht! Danach habe ich aber aus eigener Erfahrung oder der Lektüre verschiedenster Bücher und Magazine weitere Regeln abgeleitet, die mir sehr geholfen haben.

Es ging hierbei darum, erst alle Figuren zu entwickeln und dann anzugreifen oder Bauernschwächen wie Doppelbauern oder Isolanis um jeden Preis zu vermeiden, selbst wenn ich nicht sah, worin das Problem der jeweiligen Schwäche lag. Auch die eigene Königsstellung war mir heilig. Mir half das, eine Spielstärke von über 2000 DWZ zu erreichen. Erst danach merkte ich, dass die eine oder andere Regel nicht zu dogmatisch gesehen werden sollte. Ich spielte geschlossenere Stellungen und dort war die Figurenentwicklung plötzlich nicht mehr so wichtig, ich fand heraus, dass man in Isolanistellungen durch die höhere Aktivität herrlich angreifen konnte und entwickelte eine Vorliebe für Königsstellungen auf f1 oder f8, während ich den h-Turm dann jeweils nur zur Verteidigung auf g8 beließ oder mit Weiß oft nach h4-h5 über h3 oder h4 ins Spiel brachte.

Vor kurzem musste ich an diese eigene Evolution denken, als ich "Say No to Chess Principles" von Großmeister Evgeny Bareev aus dem Thinkers Publishing Verlag in den Händen hielt. In dem Buch zeigt der bekannte Schachgroßmeister, wie er immer wieder klassische Prinzipien wie die frühe Rochade oder dem Vorteil der Figur im Zentrum gegenüber einer Figur am Rand ausgehebelt hat und so seine Gegner praktisch unter Druck setzte, weil sie die unorthodoxen Stellungen falsch einschätzten oder auf der Suche nach einer Widerlegung seiner Spielidee in Zeitnot kamen und dann zusehen mussten, wie ihre Stellung auseinanderfiel.
In der Einleitung gibt er dabei den Kurs seines Buches schon treffend vor. Er schreibt, dass diese Prinzipien nicht falsch sind, aber in geschlossenen Stellungen nicht den gleichen Wert wie in offenen besitzen. Darum gibt es vorwiegend geschlossene Eröffnungen zu sehen und nur hin und wieder einmal die Französische und Caro-Kann-Verteidigung, die der Autor beide meisterhaft versteht, die aber auch zu recht blockierten Stellungen führen können.

say no to principles

Was kann man als Leser nun von diesem Buch erwarten? In erster Linie möchte es unterhalten. Der Schreibstil ist recht locker und es gibt viele kleine Anekdoten zu den Partien, um ihre Umstände näher zu beleuchten oder einfach Informationen über die reinen Züge hinaus zu geben. Die 54 Partien sind recht gut mit Worten und einigen Analysevarianten sowie weiteren Partiefragmenten kommentiert und man lernt einiges über die geschlossenen Spiele.
Es geht weniger darum, dem Leser zu zeigen, wann man jetzt genau die klassischen Regeln brechen kann, sondern eher darum, die Vielfalt im Schach zu behandeln und zu inspirieren. Um das Buch wirklich genießen zu können, sollte man es gerade nicht so ernst nehmen. Dann jedoch macht es einfach Spaß! Ich zum Beispiel habe es in einem Rutsch durchgelesen und wurde dadurch vielleicht nicht zu einem besseren Spieler, spürte aber schon ein Jucken in meinen Fingern, mal wieder etwas verrücktere Stellungen anzustreben. Darum kann ich das Buch jedem nur wärmstens empfehlen, der für sowas auch zu haben ist!

Say no to chess principles bei Schach Niggemann

Montag, 05 Oktober 2020 09:24

CD Meyer Gedenkturnier: Jetzt mittippen!

Es läuft der Countdown, die Schachfiguren machen sich bereit - Bremen freut sich auf den Auftakt zum CD Meyer Gedenkturnier am kommenden Samstag!

Anlässlich des großen Events richtet der SV Werder mit wunderbarer Unterstützung verschiedener Partner ein Turnier- Tippspiel aus, bei dem es viele prima Preise zu gewinnen gibt (Platz 1: ein schmuckes Werder-Trikot).

Folgt einfach diesem Link, und sendet Eure Vorhersagen bis zum Turnierbeginn an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Turniervorschau bei Werder

Werder Porz 2005
Deutscher Meister 2005 (hey hey!) - den Grundstein dazu legte auch CD Meyer

Freitag, 02 Oktober 2020 10:38

CD Meyer Gedenkturnier bei Werder Bremen

Werder Bremen richtet im Oktober das CD-Meyer-Gedenkturnier aus - zur Würdigung und zur Erinnerung an unseren früheren Trainer Claus-Dieter Meyer, der leider im Frühjahr diesen Jahres verstorben ist.

Von Samstag, 10 Oktober, bis Sonntag, 18 Oktober, geht es in einem 22-köpfigen sehr starken und sehr internationalen Feld um Punkte und Preise - ein kleines Nahschach-Juwel in diesen langen Corona-Monaten. 

Organisiert von Turnierdirektor Jonathan Carlstedt, werden in dem zweiundzwanzigköpfigen Feld zahlreiche internationale Meisterspieler vertreten sein, darunter Spieler aus Frankreich, Brasilien, Spanien und den Niederlanden.
Auch die deutsche Schachsport-Spitze im Herren- und Damenbereich, zahlreiche Nationalspieler sowie aufstrebende Werderaner Junioren gehen an den neun Tagen an die Bretter und kämpfen um den mit 1.500,-€ dotierten Ersten Preis.

 
Partner des SV Werder bei diesem Turnier ist die Sparkasse Bremen - eine Unterstützung, über die sich die Schachabteilung sehr freut.
 
Mehr zu diesem Einladungsturnier schon bald auf www.werder.de/schach !

Zum Tode von Claus-Dieter Meyer  (Nachruf von Dr. Oliver Höpfner)

Montag, 28 September 2020 11:51

Meistergipfel: Passables Finale in Karlsruhe!

Große Pause in Schachdeutschland – das Corona-Virus hatte im März diesen Jahres den gesamten Spielbetrieb der ersten Schachbundesliga lahmgelegt (und den aller anderen Ligen und Sportarten weltweit natürlich ebenfalls). Nach einer längeren Zeit der Schockstarre indes sprossen neue Initiativen aus dem Boden, wie trotz der unheimlichen Pandemie doch wieder eine Art Spielbetrieb hergestellt werden könnte.

Zunächst beschloss die Bundesliga, die Saison 2019/2020 umzumünzen in eine verlängerte Saison 2019/2021 – zwei Jahre, eine Spielzeit! – so dass sie im kommenden Frühjahr aller hoffnungsvollen Voraussicht nach beendet werden kann.
Zugleich aber wollte man auch jetzt schon spielen, wenngleich nicht absolut verbindlich – denn nicht allen Teams war die Rückkehr zu den normalen Mannschaftskämpfen schon wieder geheuer.
Konnte man aber nicht dennoch schon wieder „in echt“ an die Bretter gehen? Man konnte, fürwahr, und man wollte – und geboren war der Meistergipfel 2020 in Karlsruhe, ein freiwilliges Turnier von acht Bundesligisten, bei dem sogar ein veritabler Champion 2020 ermittelt werden sollte!

Werder in Karlsruhe 2020
Grün-Weiß Bremen im Badener Land (es fehlt - weil hinter der Kamera - Jonathan Carlstedt)

Werder Bremen war eines dieser acht Teams, und Captain Fish sowie Coach Carlstedt hatten für die Reise ins Badische eine hübsche Aufstellung komponiert: viele etablierte Fachkräfte aus aller Welt, der Ukraine, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden – ergänzt um regionale Kometen aus dem Bremer Raum, junge Werderaner, die beim Meistergipfel Erfahrung und gerne auch reichlich Punkte sammeln konnten.

Nikolas Wachinger, Collin DerBesteAusWelt Colbow und Jari Reuker sicherten somit in Karlsruhe die hinteren Bretter, und das machten sie ganz vortrefflich! Ihre Ausbeute lag bei gut 50% aus 12 Partien – Chapeau, chapeau, mit prima Resultaten u.a. von Jari gegen GM Sergei Movsesian und Collin vs GM Ilja Zaragatski, die beide mit schönen Remisen endeten.
Nikolas schnappte sich 3 Punkte in vier kniffligen Partien – was soll man sagen, in dieser Form zählt er sicher auch bei unserer gerade gestarteten Clubmeisterschaft zu den Favoriten!

Vor der letzten Runde des Meistergipfels am Sonntagmorgen lag Team Werder auf dem fünften von acht möglichen Plätzen.

Am Samstag noch waren wir vom späteren Meister OSG Baden-Baden mit 5:3 besiegt worden - leicht hätte es auch genau anders herum enden können, denn an mehreren Brettern standen wir aussichtsreich bis sogar - zeitweise- auf Gewinn (Laurent, gegen Caruana!). Immerhin, am Nachmittag kamen wir mit einem schönen 5 - 3 gegen Bayern München und verstärkt durch den nachgereisten Martin Zumsande zu zwei weiteren wichtigen Mannschaftspunkten.
Somit ging es in der abschließenden siebten Runden noch einmal um alles – denn ein Erfolg gegen die Schachfreunde Berlin bot uns die Chance, noch in die obere Tabellenhälfte vorzustoßen und die SG Solingen von Platz vier zu verdrängen.
Die Chancen dafür standen nicht allzu schlecht: im Spiel mit den Chessfriends waren wir leicht favorisiert, während die starken Solinger gegen – so hofften wir – noch stärkere Deizisauer vielleicht nicht gewinnen würden. Und tatsächlich – die Jungmannen aus Deizisau erarbeiteten sich geduldig einen überzeugenden Sieg, und auch wir konnten (wenn auch nicht ohne zeitweiliges Bangen) mit 5,5 : 2,5 beide Punkte sichern. Hurra! Vierter Platz!

Sieger wurde, bevor wir es vergessen, mit der OSG Baden-Baden der Ausrichter dieser gelungenen Veranstaltung und zugleich auch der Standard-Anwender-Meister der vergangenen 12 oder mehr Jahre – herzlichen Glückwunsch dazu, es war verdient und mit einem schillernden Team rund um Caruana, Vachier-Lagrave, Aronian und Rapport auch eine Freude, die vielen prominenten Meister in Aktion zu sehen.

Vierter Platz für uns, wir sind‘s zufrieden, und haben die Bremer Farben so hoffen wir angemessen vertreten: zugebissen gegen Aachen, die SF Berlin, die Münchner Bayern (!) (immer schön) und gegen die SG Solingen gleich in der Auftaktbegegnung. Hier spielten wir sogar nur zu siebt, da Romain Edouard krankheitsbedingt kurzfristig ausgefallen war (wir freuen uns sehr, dass es ihm mittlerweile wieder besser geht). Zu unserem Leidwesen verloren wir knapp gegen Deisisau, hoch gegen Viernheim und nach großem Ringen auch gegen Baden-Baden – das kann passieren!

Durch Corona hatten wir vor und während des Turniers reichlich um die Ohren, Coach Jonathan und Captain Genna vor Ort, Präses Höpfner und ich hier in Bremen - die Einreise unserer Meister aus so manchem Risikogebiet hielt uns viele Tage in Atem, da zunächst Corona-Tests organisiert werden mussten, um ihnen eine problemlose Anreise und Aufenthalt zu ermöglichen – doch wo gab es dafür Kapazitäten, sichere Zeitfenster, Unterkünfte vor Ort?
Es gab Sorgen um Quarantäne, kurzfristige Verschiebungen der Anreise, Versicherungsfragen wollten geklärt sein, und reichlich Mails und Anrufe bei Gesundheitsämtern und der Bundespolizei, zusammen mit mancherlei mehr Kalamitäten en gros und en détail.
Doch sagen wir „Ende gut, alles gut“ - wie so oft sind alle Schwierigkeiten wie von Zauberhand vergessen, weil man in der Rückschau über diese oder jene Situation wieder schmunzeln kann.

Es ist prima, dass wir in Karlsruhe mit dabei sein konnten mit einer tollen Mannschaft aus langjährigen Werderanern und motivierten Junioren. Ein wunderbarer Team-Spirit und viele spannende Schachtage – viel mehr kann man sich nicht wünschen!

Die letzte Runde im Video

Werder-Ergebnisse im Einzelnen

Feuerwerk der Turmkunst

Aus unserer beliebten Reihe "Feuerwerk der Turmkunst" hier noch aktuelles Beispiel aus dem Schaffen von Nikolas Wachinger, der in Karlsruhe mit Schwarz gegen IM Norbert Coenen die folgende Position erreichte:

Coenen Nikolas

Diagramm von Chess24. vielen Dank!

Wir fragen die verehrte LeserInnenschaft:

1) Auf welchem Weg eigentlich kam Nikolas' Turm nach ... a2? (!?)

2) Und wie sicherte sich Nikolas in dieser Stellung großen Vorteil?

(Lösung diskret versteckt ... hier)

Glückwunsch, Glückwunsch, liebe BadenserInnen - der Titel "Deutscher Mannschaftsmeister" geht auch in der Auflage des Jahres 2020 wieder an die Nordschwarzwälder, die mit ihrem einmal mehr aus vielen lokalen Kräften komponierten Team wie schon in den letzten 15 Jahren für Furore sorgten.

Heute kam es in Karlsruhe zum Finale gegen einen Gegner auf Augenhöhe, den gewaltigen SC Viernheim, der ebenso wie die OSG Baden-Baden in den sechs Meistergipfel-Runden ungeschlagen geblieben war, und allein aufgrund von etwas weniger Brettpunkten noch nicht auf Rang 1 der Tabelle stand. Viernheim in diesem Jahr also auf dem Weg ganz nach oben?
Nein, auch Viernheim schaffte es nicht, kein "Breaking Baden-Baden" und kein neuer Meister der Bundesliga - die Füchse der OSG hielten ihren Laden zusammen und sammelten letztlich getragen von Arkadiy Naiditsch und Vallejo Pons die meisterschaftsentscheidenden Punkte. Gratulation und Chapeau, und Danke für das Ausrichten dieser tollen Veranstaltung in schwierigen Corona-Zeiten!

 BadenBaden 2020
Titanen am Schachbrett, und vielfach schon seit über 10 Jahren bei der OSG - Team Baden-Baden (mit Teamchef Sven Noppes, 2. von links) ist auch durch die enge und langjährige Verbindung zu seinen Spielern so stark  (Foto: Christian Bossert, vielen Dank!)

DSB BadenBaden Meister

Huch - Neuer Deutscher Meister? Bundesliga-Endrunde in Karlsruhe? Wie schon in den vier Tagen(!) davor, ist die Berichterstattung auf der neuen Seite des Deutschen Schachbunds auch am Abend nach dem Turnier noch von einer verblüffenden Zurückhaltung geprägt.

Auch Werder Bremen war heute angetreten, ihrem nordwestdeutschen Mannschaftskonto noch zwei weitere Punkte hinzuzufügen - das war keine leichte Sache gegen die stets gefährlichen Kollegen von den SF Berlin, doch am Ende setzte sich das ELO-Plus der Hanseaten durch - 5,5 : 2,5, und ein schöner vierter Platz im Endklassement für Werder.

Das kann sich sehen lassen!, und gäbe es dieses Jahr noch einen Europapokal, Grün-Weiß Bremen wäre qualifiziert. Erfreulicher auch für Coach Jonathan Carlstedt und Mannschaftsführer Gennadiy Fish (sowie für die beiden anderen Bremeraner, die von zu Hause aus ebenfalls fünf Tage intensiv unterstützten, Abteilungsleiter Dr. Oliver Höpfner und Manager Olaf Steffens) - erfreulich also, dass die Werder-Junioren Jari Reuker, Nikolas Wachinger und Liga-Debütant Collin Colbow bei ihren Einsätzen in Karlsruhe durch die Bank erfolgreich punkteten und gegen teilweise Weltklasse-Konkurrenz mutig aufspielten.

So kann das gerne weitergehen - wir freuen uns auf die nächsten Matches in Liga Eins, und haben für diese Vorfreude nun ein gutes halbes Jahr Zeit. Im nächsten Frühling, so die Schachgöttin will, folgen die letzten drei Wochenenden der verlängerten Saison 2019/ 2021. Und Werder ist dabei, in München, in Kiel und in Berlin. Hurra!

Schach Karlsruhe 7.png
LiveKommentare vom Meistergipfel: Über Schach zu erzählen ist zum Glück einfacher als selber gut zu spielen

Freitag, 18 September 2020 17:58

Tag 2 der Schachbundesliga

von Werder-Trainer Jonathan Carlstedt

Tag 2 brachte einen Sieg und eine Niederlage für das Werderaner Bundesligateam

Dass Deizisau ein schwerer Gegner werden würde, war bereits vor dem Turnier klar. Doch wir hatten entgegen unserer Erwartungen zwei Ausfälle an Tag 2 zu verkraften. Romain ist weiterhin nicht in der Verfassung ans Brett zurückzukehren und Wouters Heimat wurde kurz vor seiner Abfahrt zum Risikogebiet erklärt.

Doch trotzdem lieferten wir Deizisau einen spannenden Kampf mit vielen entschiedenen Partien. Schnell lagen wir 0-1 zurück als Jan gegen Vincent Keymer in eine Falle lief! Den Ausgleich besorgte der in starker Form befindliche Alexander, der genau wie Lucas seine Partie gewinnen konnte. Laurent macht aus der Position der Stärke heraus Remis. Das gleiche Ergebnis stand auch bei Luke zu Buche, jedoch nachdem er ein deutlich schlechteres Endspiel verteidigen musste. Zaher verlor seine Partie leider, sodass es auch an unseren jungen Bremern lag das Match zu gewinnen. Beide, Jari und Nikolas, spielten sehr gute Partien, mussten aber nach großem Kampf aufgeben: 3-5.

Am Nachmittag gegen Aachen lief es dann deutlich besser. Lediglich Lucas verlor, der seinen Angriff überzog. Debutant Collin Colbow startete mit einem Sieg in seine Bundesliga-Karriere. Auch seinen ersten Sieg in der Bundesligamannschaft holte Nikolas. Weitere volle Punkte steurten Gennadiy, Jan und Alexander bei, sodass bei Remisen von Luke und Zahar ein klarer 6-2 Sieg zu Buche stand.

Am Freitag geht es dann gegen Viernheim, die sehr stark aufgestellt sind, was uns wiederum zum klaren Außenseiter macht. Doch wir hoffen den Baden Baden-Ärgerer zumindest ein wenig aus der Reserve locken zu können! 

Werdertigers-Sendung zu Viernheim - Werder        

 

Der Bundesliga-Meistergipfel ist eröffnet 

Von Jonathan Carlstedt

Die Bundesligamannschaft Schach des SV Werder Bremen startete mit einem wichtigen Sieg gegen die SG Solingen.

Schon an normalen Tagen ist die SG Solingen ein schwerer Gegner. Mit vielen starken Großmeistern ausgestattet hat die Mannschaft immer wieder um die Meisterschaft gespielt und zuletzte in der Saison 2015/16 den Titel geholt. Heute war aber kein normaler Tag. Romain Edouard musste kurz vor Spielbeginn seine Teilnahme am Kampf absagen, da es ihm nicht gut ging (ein Zusammenhang mit Corona ist ausgeschlossen).
Wir tun vor Ort alles um ihn wieder fit zu bekommen. Es gibt einige Dinge die wichtiger als Schach sind, die Gesundheit unserer Spieler ins eins davon. Sein Gegner, Loek van Wely, bot sogar an, wenn Romain vorbei kommt, gegen ihn schnell zu remisieren. Eine sehr faire Geste, doch an die Umsetzbarkeit war nicht zu denken.

Da wir auch unsere Aufstellung kurzfristig nicht mehr ändern durften, lagen wir also bereits nach Minute 1 mit 0-1 zurück. Doch unsere anderen Spieler kämpften dafür umso verbissener. Jari hatte an 8 mit den schwarzen Steinen im Noteboom schnell einen Vorteil herausgespielt. Auch Laurents Stellung gegen den Eröffnungsexperten Erwin L´Ami sah sehr ordentlich aus, während sich die anderen Bretter zunächst im ungefähren Gleichgewicht befanden.
Doch es war Alexander Areshchenko, der gegen Jorden van Foreest den ersten vollen Punkt zum 1-1 dank eines starken Angriffs auf den weißen Feldern machte. Kurz darauf remisierte Lucas van Foreest in Werderaner Diensten mit Schwarz gegen seinen Landsmann Jan Smeets. Leider musste Laurent seine Gewinnversuche einstellen, was ihn sehr ärgerte, auch hier ein halber Punkt für jeden. 2-2.


Dann war es an Jari uns mit 3-2 in Führung zu bringen. Zahar Efimenko gegen Mads Andersen und Luke McShane gegen Tari Aryan sicherten den ersten Mannschaftspunkt. Luke schaffte es, nachdem er zuvor noch ein Remisangebot abgelehnte hatte, gerade so mit Figur und Bauer weniger ins Dauerschach: 4-3.


Jan Werle musste gegen den Österreicher Robert Kreisl ein schlechteres Turmendspiel verteidigen. Das gelang ihm. 4,5-3,5 für Werder!

Ein wichtiger Sieg für Mannschaft und Moral. Donnerstagvormittag um 10 Uhr geht es zunächst gegen die Schachfreunde Deizisau und um 17 Uhr gegen den Aachener SV.

Gegen Deizisau haben wir direkt vor der Corona-Pandemie noch knapp 3,5-4,5 verloren - hoffen wir, dass es diesmal besser wird! 

www.schachbundesliga.de

 

Dienstag, 15 September 2020 11:23

Meistergipfel: Werder läuft mit auf!

Von Jonathan Carlstedt

Vom 15.September an richtet die Schachbundesliga in Karlsruhe den Meistergipfel 2020 aus, bei der in sieben Runden der Deutsche Meister 2020 ermittelt wird. Auch der SV Werder schickt ein Team in den Süden, und freut sich auf den Wettbewerb mit vielen Weltklassespielern.

Werder Team 2020
Grün-Weiß Bremen im Februar: Heimspiel gegen Deizisau!

Was bisher geschah

11.März 2020: Die Schachabteilung des SVW feilt an den letzten Vorbereitungen für das Auswärts-Wochenende in München. Hier noch ein Zimmer reservieren, da noch einen weiteren Flug buchen, nachdem ein Spieler kurzfristig abgesagt hatte. Abends Vorstandssitzung in der Hemelinger Straße.

12.März 2020, Mittagszeit: Kurzfristige Absage des gesamten Spieltags durch die Schachbundesliga. Handball, Fußball, Basketball, alle Ligen schließen sich an. Die Schach-Europameisterschaft der Senioren in Prag wird einen Tag früher beendet, da um 24 Uhr die Grenzen des Landes schließen. Alles kollabiert. In den Clubräumen in der Hemelinger Straße wird für Monate kein Schach mehr gespielt werden.

Nachdem die Corona-Krise im März auch Deutschland erfasst hatte, wurde die Saison der Schachbundesliga zunächst unterbrochen. In den folgenden Monaten wurde bald klar, dass ein schnelles „Weiter so, wie wir es kennen“ nicht möglich sein würde.

So schlug der Vorstand der Schachbundesliga zunächst vor, die laufende Saison schlicht zu verlängern und nach einer langen Pause mit den ausstehenden Runden ab März 2021 zu Ende zu spielen.
Doch einigen Vereinen, darunter Baden-Baden, Deizisau, Bayern München und Werder war dies nicht genug. So wurde an Konzepten und Ideen gebastelt, wie man in dieser verrückten Zeit doch noch ein wenig echtes Schach an echten Brettern hinbekommen könnte.
Nach vielen Online- Sitzungen, Diskussionen den Mai und Juni hindurch und reichlichen Verhandlungen einigten sich die Mitglieder der Schachbundesliga im Juli auf folgendes Modell: die Saison 2019/20 wird zu einer Saison 2019/21, und! in der Zwischenzeit soll es zudem einen „Meisterschaftsgipfel der Willigen“ in den Karlsruher Messehallen geben, großzügig unterstützt von der Grenke AG, der wir für dieses tolle Engagement herzlich danken möchte.

Zu diesen acht Willigen, die nun in einem Rundenturnier vom 16. bis zum 20.September den Deutschen Meister 2020 ausspielen, zählen:

die OSG Baden Baden, Schachfreunde Deizisau, Viernheim, Bayern München, Aachen, die Schachfreunde Berlin, SG Solingen und euer Lieblingsverein, der SV Werder Bremen.

Werder Bremen Schild

Auch die Auslosung der einzelnen Runden ist bereits veröffentlicht:

1. Runde am: 16.09.2020, 14 Uhr

OSG Baden-Baden - SF Deizisau
FC Bayern München - SC Viernheim
SF Berlin - Aachener SV
SG Solingen - SV Werder Bremen

2. Runde am: 17.09.2020, 10 Uhr

SF Deizisau - SV Werder Bremen
Aachener SV - SG Solingen
SC Viernheim - SF Berlin
OSG Baden-Baden - FC Bayern München

3. Runde am: 17.09.2020, 17 Uhr

FC Bayern München - SF Deizisau
SF Berlin - OSG Baden-Baden
SG Solingen - SC Viernheim
SV Werder Bremen - Aachener SV

4. Runde am: 18.09.2020, 14 Uhr

SF Deizisau - Aachener SV
SC Viernheim - SV Werder Bremen
OSG Baden-Baden - SG Solingen
FC Bayern München - SF Berlin

5. Runde am: 19.09.2020

SF Berlin - SF Deizisau
SG Solingen - FC Bayern München
SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden
Aachener SV - SC Viernheim

6. Runde am: 19.09.2020, 17 Uhr

SF Deizisau - SC Viernheim
OSG Baden-Baden - Aachener SV
FC Bayern München - SV Werder Bremen
SF Berlin - SG Solingen

7. Runde am: 20.09.2020, 11 Uhr

SG Solingen - SF Deizisau
SV Werder Bremen - SF Berlin
Aachener SV - FC Bayern München
SC Viernheim - OSG Baden-Baden

Natürlich wird es von den jeweiligen Kadern vor Ort abhängen, wie die Erfolgsaussichten der einzelnen Mannschaften für das Turnier sind. Wie alle anderen hat auch Werder Bremen noch den Mantel des Schweigens über die Aufstellungen gelegt, um den 7 Gegnern jetzt noch keine Anhaltspunkte zu geben. Aber wie immer werden wir natürlich auf eine Mischung spielstarker und interessanter Spieler setzen.

Jeder Verein durfte zudem einzelne Spieler nachmelden, um eventuelle Hürden der Corona-Zeit überwinden zu können.

fressinet
Die echten Bretter werden wieder ausgepackt!                       Foto: OSt

Die OSG Baden-Baden wird auch bei dem siebenrundigen Quasi-Heimspiel des Karlsruher Meistergipfels als Favorit ins Rennen gehen. Fraglich ist jedoch, ob Spieler wie Anand, der nach dem Bremer Bundesligaspiel Ende Februar monatelang wenn auch nicht in Bremen, so doch immerhin in Deutschland festsaß, und Caruana die weiten Reisen nach Karlsruhe auf sich nehmen werden.
Bereits in Bremen haben wir der OSG fast einen Punkt abgenommen - unbezwingbar ist der Serienmeister also nicht! Grundsätzlich sind wir auf Augenhöhe mit Solingen, Deizisau und Viernheim, sollten gegenüber Berlin, München und Aachen jedoch leicht favorisiert sein. Doch gegen Berlin sahen wir ebenfalls in diesem Februar nicht gut aus, und so ist auch gegen die vermeintlich etwas schwächeren Gegner Vorsicht geboten.

Läuft das Turnier normal, wird Baden-Baden vorneweg marschieren und auch in diesem besonderen Gipfelformat Deutscher Meister werden.
Wenn es für uns gut läuft, können wir in den Kampf um die Vizemeisterschaft einsteigen. Ob uns das gelingt – dafür sind bereits die ersten beiden Runden gegen Solingen und Deizisau vorentscheidend: gegen Solingen konnten wir im Kaffeequartier in der Überseestadt in dieser Saison gewinnen, gegen Deizisau aber setzte es eine knappe Niederlage.

Die Organisatoren werden im Internet für eine hochklassige Kommentierung sorgen, zudem halten wir die Werderaner Schachfans über unsere üblichen (Werdertigers- und Homepage-) Kanäle auf dem Laufenden.

Drückt also die Daumen, dass bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft 2020 als Rundenturnier die Grün-Weißen auf sich aufmerksam machen werden!

Mehr zu der Veranstaltung täglich hier (Partien, Analysen, Berichte):

www.schachbundesliga.de

Online-Worte aus Werder-Sicht zu ausgewählten Runden:

www.twitch.tv/werdertigers