Wow!! (Mit Tippspiel)

Die Reise geht weiter - morgen gegen Armenien! (Hier der Sewansee) Die Reise geht weiter - morgen gegen Armenien! (Hier der Sewansee) CSchopp/ WikiCommons

Mensch, Mensch, Mensch – da sitzt man hier so herum im trüben Norden, und auf der anderen Seite der Welt gewinnt das deutsche Schachteam mal so eben gegen Aserbaidschan! Was für ein Ereignis – herzlichen Glückwunsch an „unsere Jungs“ in Griechenland! Fast könnte man glauben, dass Team D nun auf M(edaillen)-Kurs gehen könnte - doch sicher ist das jetzt noch nicht, denn auch die anderen Mannschaften haben noch alle Chancen. -

Viele haben heute die Daumen gedrückt, und wieder hat es geholfen. Es war schon so eine Art Showdown heute in Porto Tarrasch: die bärenstarke Mannschaft von Aserdaidschan hatte in den ersten sieben Runden nur eine einzige Partie verloren und war auch aufgrund eines leichten ELO-Vorteils Favorit in dieser Begegnung. Das aber störte die deutschen Spieler wenig – sie alle hielten wacker dagegen und sicherten ihre Stellungen gekonnt und flexibel ab. Zwei Unentschieden waren die Folge – erst remisierte Georg Meier gegen Vugar Gashimov, und dann einigte sich auch „der zähe Hamburger Fisch“ Jan Gustafsson gegen Eltaj Safarli auf eine Punkteteilung. (Pardon – ich fand diese Bezeichnung so hübsch, die der User Slowhand auf Jans Blog verwendete!)

Es stand also 1 : 1. Und dann? Dann war es Arkadij Naiditsch, der mit Schwarz gegen den (anderen) Weltklassespieler Teimour Radjabov einen gut gesetzten Konter aus dem Ärmel zauberte und innerhalb weniger Züge die Position des aserbaidschanischen Spitzenspielers verheerte.

Erst stand es so:

radjabov - naiditsch 1

Dann so:

radjabov - naiditsch 2

Und irgendwann dann so:

radjabov - naiditsch 3

Und nun sah es schon gar nicht mehr so gut aus für Weiß!

Eine dolle Partie, wie man hier an der Küste so sagt, und zugleich auch die Führung für Team Germany. Doch was tat sich in der letzten Partie?

mamedyarov - fridman 1

Daniel Fridman kämpfte hier mit einem Turm gegen zwei weiße Leichtfiguren, und irgendwie wirkte das sehr gefährlich, was sich sein Gegner Shakhriyar Mamedyarov da nun alles so ausdachte.

Doch auch wenn es gefährlich war – es war noch lange nicht gefährlich genug für Daniel Fridman! Der Mülheimer sah sich zwar schon einigen wild heranstürmenden Freibauern gegenüber, doch mit der Verfolgung des Läufers, der immer das Umwandlungsfeld achtgeben musste, fand er einen eleganten Weg heraus aus dem Schlamassel (Schachmagazin 64) und forcierte das Remis.
Und dadurch waren es unter dem Strich 2,5 Punkte gegen Aserbaidschan – sensationell!

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Was geschah an den anderen Tischen?

- Armenien bog die aufstrebenden Niederländer um und schob sich damit auf Platz 1 der Tabelle.

- Rumänien und Ungarn trennten sich 2:2 und bleiben „oben dran”

- Bulgarien schickt Italien (ohne Caruana) mit 3:1 zum Abendessen.

- Die Russische Schachschule kommt zu zwei Punkten gegen Frankreich. Damit bewahrt Russland seine Chancen auf eine Medaille. Man weiß ja nie!

- Die SF Schweinfurt konnten ihre Serie dagegen nicht fortsetzen und unterlagen mit 1: 3 gegen Schottland. Die letzten Medaillenchancen sind dadurch leider futsch. Schade!


Wer spielt morgen? (In Klammern die Mannschaftspunkte)

Deutschland (13!) – Armenien (13!)

Aserbeidschan (12) – Romania (11)

Ungarn (11) – Bulgarien (12)

Slovenia (10) – Russland (11)


Länderporträt

Heute fragen wir: wie heißt die Hauptstadt von Armenien? Ich schaue lieber nochmal nach, aber mit einiger Gewissheit sollte es Yerewan sein. Hier ist ein schönes Bild der Stadt:

yerewan with ararat von mcschreck

Einige kennen dieses Bild schon aus einem anderen Zusammenhang … - ein imponierender Blick auf  Yerewan und den Berg Ararat

(Photo von McSchreck/ Wikicommons, dank u well!)

Kasparow hatte eine armenische Mutter, und damit ist eigentlich auch schon alles Wesentliche gesagt über den morgigen Gegner. Armenien ist Schach – das Spiel hat in dem kleinen Land in der Nähe des Schwarzen Meeres eine lange Tradition, und es war bestimmt kein Zufall, dass große Spieler wie Tigran Petrosian, Rafael Vaganian und der schon erwähnte Garry Kasparow von dort stammen. Wir sind also beeindruckt – und gewarnt.

garry kasparov 1980 dortmund von gf hund

Der Chef in seinen jungen Jahren (Dortmund 1980)

(Photo von GF Hund, WikiCommons, Danke!)

Ansonsten – welche Assoziationen verbindet man so mit Armenien?

- Während des Ersten Weltkriegs gab es traurige Vorfälle zwischen Armenien und der Türkei, von der die Türkei bis heute aber offiziell noch immer nichts wissen will. Auch zwischen Armeniern und Aserbaidschanern gab es immer mal wieder Konflikte.
- Der schöne Berg Ararat, auf dem damals die Arche Noah angedockt hat, liegt auch in der Nähe Armeniens.
- Es gibt gutes Essen in Armenien, und bestimmt noch viel besseren Wein.
- Radio Eriwan war ein berühmter Sender in der Zeit der Sowjetunion!


Unser Tippspiel für die letzte Runde

Obacht: Abgabeschluss = Rundenbeginn = morgen schon um 12 Uhr!! (!)

Ob Aronian wieder dabei ist? Als er vor kurzem für die SF Berlin gegen Werder überraschend in der Bundesliga auflief, hat das ja den Bremern für einige Verwirrung gesorgt. Morgen wird es aber nicht ganz so leicht sein, denn die Deutschen haben Dr. Levon heute schon am Brett gesehen - keine Überraschung mehr möglich. Und ein 6:2 wie bei den Schachfreunden Berlin wird es wohl auch nicht werden!

Dennoch ist morgen wieder alles möglich. Vielleicht ist sogar eine Medaille drin - aber es kann auch ganz anders kommen. Wir bitten daher um Tipps für die alles entscheidende Frage:

Wie spielt Deutschland morgen gegen Armenien?


Die Deutschen spielen ja schon seit Tagen beständig gegen meine Tipps – und darum tippe ich für morgen ein bedauerliches 2,5:1,5 für Armenien. (Ich hoffe aber auf das Gegenteil!)
Zu gewinnen gibt es diesmal einen wahren Top-Preis. Die Bremer Firma Hachez stellt feinste Schokoladen her mit einem hübschen Bild der Bremer Stadtmusikanten. Ich weiß, dass diese nun nicht allzu viel mit der EM in Griechenland zu tun haben, aber – immerhin gingen auch die Bremer Stadtmusikanten ebenso wie die vier Musketiere und morgen das Team D zu viert in den Mannschaftskampf (mit unterstützendem Auswechselspieler). Und schmecken tut die Schokolade ohnehin!

bremen schoko

Viel Spaß beim Tippen! (Und Krennwurzn – nicht wieder 4:0 für den Gegner tippen!)

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.

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