Weltrekordversuch im Blindschach

Marc Lang Marc Lang Helga Mansky-Denk

Samstagabend, 20.15 Uhr, nach gut neun Stunden Spielzeit steht es 5:0 für Marc Lang. 41 Bretter und eine lange, sehr lange Nacht liegen vor ihm auf dem Weg zum Blindschachweltrekord. Die medienträchtige Veranstaltung wird flankiert von verschiedenen Veranstaltungen vom Simultan mit Vlastimil Hort über ein 24-Stundenblitzturnier bis hin zu einem sog. „Amateur gegen Meister“ -Turnier mit Nationalspieler Jan Gustafsson. Die Unterstützung durch unterschiedliche Sponsoren führt zu einer professionellen Aufbereitung, die auch ein Fernsehteam des SWR anlocken konnte.

Schneller, höher, weiter

IMG 4644Vor einem Jahr erreichte Lang den Europarekord mit 35 Brettern und schien dies im Vorübergehen erledigt zu haben, denn die nächste Steigerung fiel mit weiteren 11 Brettern deutlich aus. Es gilt den nicht bestätigten Weltrekord des Argentiniers Miguel Najdorf aus den 40er Jahren zu übertreffen. Doch ist es gar nicht einfach die beiden Veranstaltungen zu vergleichen. Möglicherweise hatte Najdorf, in den 50er Jahren einer der weltstärksten Großmeister, Zugriff auf die Partienotationen und natürlich gab es zur damaligen Zeit weder eine Elo- noch eine DWZ-Zahl, die über die Spielstärke der Gegnerschaft Auskunft geben könnte.

Jeder, der ein Simultan sehenden Auges gegeben hat, kennt jedoch die Schwierigkeiten. Bei rund 45 Gegnern muss man mit mehr als sieben Stunden Spielzeit rechnen, es kommt zu zwischenzeitlichen konditionellen Problemen, „Totphasen“, in denen der Simultangeber höchst anfällig ist, und mit zunehmender Spieldauer verlieren die Gegner oftmals die Lust. Partiefragmente bleiben zudem über Jahre hinweg hartnäckig im Gedächtnis haften.

IMG 4669Beim Blindschach treten diese Probleme in ähnlicher Form auf. Zwar wird der Bewegungsapparat nicht besonders beansprucht, doch die immense Dauer stellt riesige konditionelle Anforderungen an den Simultangeber und in gewisser Weise noch größere an die Teilnehmer. Mit einer normalen Schachpartie hat dies nicht mehr viel zu tun. Wer hat schon das Durchhaltevermögen, 24 Stunden am Brett zu bleiben? Sollten die Spieler die Partien ähnlich lang schleppen wie bei „normalen“ Simultanveranstaltungen kann im Extremfall mit einer längeren Veranstaltungsdauer gerechnet werden.

Was mich immer von Blindsimultanvorstellungen abhielt. war jedoch die unheimliche geistige Belastung. Miguel Najdorf wird z. B. nachgesagt, er wäre nach seiner Veranstaltung zwei Tage durch Buenos Aires gelaufen und hätte weder gewusst, wo er wohnt noch wie er heißt….

Drücken wir Marc die Daumen und hoffen, dass die Sache gut über die Bühne geht.

Aktuelle Informationen gibt es auf der gut gemachten Website.

Nachfolgend eine erste Kostprobe:


Update Sonntagmorgen, 06.59 Uhr

Marc Lang gewinnt 34,5:11,5.
Herzlichen Glückwunsch zu dieser unglaublichen Leistungen und zum neuen, erstmals auch offiziell bestätigten Weltrekord!

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Jörg Hickl

Großmeister, Schachtrainer, Schachreisen- und -seminarveranstalter.
Weitere Informationen im Trainingsbereich dieser Website
oder unter Schachreisen

Webseite: www.schachreisen.eu

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