Germany´s Next Top Schachspieler

Die Sportnation hat entschieden Die Sportnation hat entschieden O.St.

Was auf der bundesdeutschen Ebene kaum vorstellbar erscheint, ist in einem Teil des Landes nun Wirklichkeit geworden – Spartak Grigorian wurde von den Lesern der Nord-West-Zeitung in Oldenburg (und vielleicht auch ein bisschen von den Lesern dieses Blogs) zum Sportler des Jahres 2011 gewählt!

Wir gratulieren!

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                  Im Namen der gesamten Schach-Welt:
              unsere Ehrentrophäe für Spartak Grigorian!

                              *****************************

Spartak war in seiner Kategorie „Bester Sportler“ einer der wenigen oder gar der einzige jugendliche Teilnehmer, was die Sache für ihn nicht unbedingt einfacher gemacht haben dürfte. Zudem ging er als Schachsportler ins Rennen, und auch das ist gemeinhin nicht unbedingt ein Merkmal, für das einem die Stimmen der Wähler in Scharen zufliegen.
Doch es lag wohl etwas in der Luft in diesem Jahr, das den Ausschlag für den sympathischen Nachwuchs-Kombinierer aus Wildeshausen gegeben hat. Nach einer echten Kampfabstimmung lag er mit 23% der Stimmen knapp vor den übrigen 5 Kandidaten und wurde Erster. (Danke auch an Jens Kahlenberg für seinen Kommentar mit dem schnellen Link zum Video!)


Schach-Welt, der Blog für das Große und das Ganze, fragt: Wann endlich werden Schachspieler auch auf Bundesebene in dieser Weise gewürdigt? Wir sehen uns um und merken, dass der Rest der Welt in solchen Sachen schon viel weiter ist:

- Im fernen Indien war Weltmeister Viswanathan Anand (trotz seines komplizierten Vornamens) wahrscheinlich  schon 70-mal Sportler des Jahres,
- in den Niederlanden verehrt man Jan Timman und Max Euwe
- Bobby Fischer hatte sogar Fans auf der ganzen Welt und in Island

- und selbst das von manchen hier manchmal liebevoll geschmähte Österreich brachte mit Markus Ragger (Kärnten 2005) schon einen vortrefflichen Schach-Sportler des Jahres hervor

Nur in Deutschland – da wird es scheinbar wieder erstmal nichts mit der gesellschaftlichen Anerkennung. Laut Wikipedia stammten die deutschen Sportler und Sportlerinnen der letzten Jahre zumeist aus den ehrenwerten Disziplinen Basketball, Schwimmen, Turnen oder Autorennen. Gute Chancen hatte man auch beim Biathlon oder mit Tennis (auch wenn das schon einige Jahre her ist).

Selbst bei den Mannschaftswettbewerben hatte der typische Teamsport Schach bislang wenig Chancen. So gewann Deutschland im Jahre 2000 zwar eine ruhmreiche Silbermedaille bei der Olympiade in Istanbul, doch der Titel für das beste Sportlerteam ging an einen namentlich nicht näher benannten Bahnrad-Vierer. Und die SG Baden-Oos, deutscher Abo-Meister im Turnierschach, wurde auch noch in keinem einzigen Jahr gewürdigt. Was ist da los?
Ob zumindest der wundervolle Sieg des Team Germany bei der EM 2011 in Porto Carras zu einer Nominierung führen wird? Na gut, diese Frage erübrigt sich wohl schnell.-

Aber nun muss es ja auch nicht gleich in diesem Jahr sein – wir freuen uns als Schachspieler ja schon sehr über Spartaks aktuellen Erfolg im Nordwesten. Auch wollen wir nichts übereilen. Gut Ding will Weile haben, und die sportpolitische Wühlarbeit braucht ihre Zeit.
Aber so in ein paar Jahren vielleicht, wenn die Öffentlichkeit reif ist dafür - wen könnten wir Schachspieler da auf die Kandidatenlisten setzen? Wir haben recherchiert und formulieren prophylaktisch schon jetzt einmal ein paar Vorschläge.

Deutsche Sportler des Jahres 2015

Fein austarierte Vorschläge für die Vorschlagsliste des Deutschen Schachbundes

a) Spartak Grigorian (aus gegebenem Anlass!) – schon erfahren und gestählt in dieser Art des Wettbewerbs, und bis zum Jahr 2015 werden bestimmt noch ein paar schachliche Erfolge für ihn mit dazukommen.

b) Arkadij Naiditsch – sollte er jemals wieder für Team Germany spielen (was ich hoffe), kann er an Brett 1 weiter die Großen der Welt umbiegen und sich damit in die Herzen aller deutschen Sportfans spielen.

c) Elisabeth Pähtz: sie hat was drauf, das muss man ihr lassen, und es sollte mich nicht wundern, wenn sie bis 2015 auch ihr nun alsbald in der Türkei noch gestärktes Schachwissen auf den Turnieren der Welt gewinnbringend einsetzen würde. Ich war zwar nie ein Freund ihrer vielen Hüte, doch abgesehen davon – Elisabeth hätte sofort meine Stimme für die Sportlerin des Jahres 2015!

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                           Der gute türkische Kaffee -
das ausschlaggebende Motiv für Elisabeths Wechsel in die Türkei?

d) Viswanathan Anand – versteht eine ganze Menge vom Schach und hat in Indien als Sportler schon alles erreicht. Da sollte man ihm nun auch die Türen in Deutschland endlich nicht mehr verschließen, finde ich. Er spielt schon seit geraumer Zeit für Baden Baden, ist sogar Weltmeister (amtierend!) und ein eloquenter Botschafter für den Schachsport. Alles in allem – er wäre ein mehr als aussichtsreicher Kandidat für unseren Sport bei der Sportlerwahl 2015.

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Auch bei einer Vielzahl von Gegnern kaum zu stoppen:
   Weltmeister Vishy Anand in Baden-Baden, 2011

e) Christoph Natsidis: hat sich virtuos und ohne vor persönlichen Risiken zurückzuschrecken für den Gebrauch technischer Hilfsmittel beim Schach stark gemacht. Insofern ist er ein Mann, der uns den Weg in die sportliche Zukunft gewiesen hat – und das ist immer ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines Kandidaten.

f) Holger Hebbinghaus: hat bisher fast alle Tippspiele hier bei schach-welt.de gewonnen, ist sowieso ein feiner Kerl und genauso FIDE-Meister wie ich. Und warum sollen immer nur die Allerstärksten gewinnen dürfen?

g) Peer Steinbrück: hat es als Schachsportler zusammen mit Helmut Schmidt schon bis auf die Titelseite eines politischen Buches gebracht. Bis auf das Schachbrett war dabei auch alles richtig aufgestellt, zum Beispiel der Aschenbecher und die Figuren. Sollte er für die SPD im nächsten Jahr Kanzler machen, könnten im Zuge einer Blockwahl alle seine Stimmen auch gleich für die Sportlerwahl 2015 mitgewertet werden. Unsere Chance für den Schachsport!

steinbrck

    Na so ein Glück: in der ZEIT wurden die Farben
auf dem falsch aufgebauten Brett flugs retouschiert.

h) Carsten Maschmeyer: der bei manchen sehr beliebte Chef der Hannover-Connection hat schon viele wichtige Dinge in seinem Leben gefördert – neben dem Absatz umstrittener Finanzprodukte unter anderem auch das Wachstum eines großen Schnauzbartes und die Auslastung seiner Ferienhäuser zur Urlaubszeit. Möglicherweise spielt er auch Schach (wahrscheinlich in Hannover), und warum um Himmels willen sollte er dann nicht unser Kandidat für den Sportler des Jahres werden? Vielleicht schiebt er ja als Sponsor auch ein paar Euro für den Schachsport  rüber. Wir sind ja schon mit wenig zufrieden.

i) SK König Tegel Berlin: Kaum ein Team hat sich in dieser Bundesligasaison so überraschend erfolgreich geschlagen wie die Berliner mit ihrem Spitzenbrett Robert Rabiega. Wenn sie so weitermachen, ist bis 2015 auch der Titel drin! Wir drücken die Daumen, denn spätestens damit wären sie in diesem Wettbewerb top favorisiert als „Beste Mannschaft“. Unter ähnlichen Vorzeichen gewann diese Kategorie zuletzt 1998 der 1.FC Kaiserslautern, der als Zweitliga-Aufsteiger unter Otto Rehhagels Regie gleich Deutscher Fußballmeister wurde (und verbunden mit diesem Hinweis viele Grüße auch nach München!). -

Ich glaube, dass der Schachsport zumindest mit einem oder zwei dieser Kandidaten gute Aussichten haben sollten, im Jahr 2015 endlich auch auf Bundesebene irgendwie einen der Titel Sportler/ Sportlerin/ Mannschaft des Jahres zu holen.

Damit wir mit unseren Empfehlungen aber nicht ganz danebenliegen, starten wir zur Sicherheit heute eine Probeabstimmung. Unter den neun Vorschlägen a) bis i) können unsere Leser schon heute ihren Kandidaten auswählen.
Der Vorschlag mit den meisten Stimmen wird der offizielle Schach-Welt-Kandidat für die Sportlerwahl 2015.

Unsere Telefone und Kommentarbereiche sind freigeschaltet
bis zum 11.März 2012!

Unter allen Teilnehmern verlosen wir optional (= man muss es nicht nehmen, wenn man nicht will) ein erlesenes weißes Sweat-Shirt
(Größe M) mit einem dezenten grün-weißen Aufdruck des SV Werder Bremen.
Ein echtes Schmuckstück, nicht nur für Fans! Es ist hübsch, kaum benutzt und dennoch frisch gewaschen.

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.

Kommentare   

#1 schmusebaer26 2012-03-04 09:11
Nun, folgendes:
die Idee, eine Schachspieler als Sportler des Jahres zu haben, hört sich natürlich fein an. Auch wird nicht nur den deutschen Spitzenschachlern, sonder auch den Amateuren die Anerkennung "verweigert". Zwar habe ich es nur zu ein paar Kreisjugendtiteln geschafft, dennoch ist mir auch aus unserem ganzen Verein niemand bekannt, der mal aufgrund seines Schachs bei einer Sportlerehrung auch nur teilgenommen hätte (und da wird ja alles geehrt, was auch nur nach Sport aussieht, mir selbst bleiben immer dutzende von Ehrungen von Schützen in Erinnerung....)

ABER: es gibt eben auch Millionen Sportarten (allein 33 davon olympisch) und das gleiche Recht hätten alle anderen wohl auch. So habe ich letzte Woche mitbekommen, dass die deutschen Frauen Badminton Europameister wurden. Worauf ein Freund zu mir meinte, in Würzburg wäre auch mal ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft gewesen. Ja nun, es grenzt ja schon an ein Wunder, das überhaupt mitzubekommen.
Letztlich brauchts einen Topsportler (WM-Sieger z.B.) und eine populäre Sportart oder einen herausragenden Sportler in einer weniger populären Sportart (dominiert die Sportart, mehrmaliger WM).
Tja, und die deutsche Schachelite in allen Ehren, aber selbst in der ersten Kategorie ist man wohl eher nicht vertreten. Und die Mannschafts EM ist schön, aber alleine echt dürftig.
Ich behaupte (und das wäre natürlich zu diskutieren): Wäre Fischer oder Kasparow (oder vielleicht mal Carlssen) Deutsche, hätte auch ein Schachspieler in Deutschland die Chance, mal Sportler des Jahres zu werden.
Im übrigen sehe ich Schachsport nicht wirklich als Mannschaftssport, weil ganz einfach die Interaktion untereinander fehlt (eine Beratungspartie z.B. ginge in die Richtung). Eher ein Aufaddieren von Einzelleistungen (vergleichbar mit einen Langstreckenrennen und wechselnden Fahrern oder dem Davis-Cup im Tennis. Da käme auch niemand auf die Idee, von Mannschaftssport zu sprechen)

mfG
#2 schmusebaer26 2012-03-04 09:14
Ach ja, natürlich Peer: reife Leistung, zwar das Brett nicht richtig aufzubauen, es damit aber trotzdem auf diverse Titelseiten zu schaffen. Das soll ihm erst mal einer nachmachen, von daher hat er meine Stimme.
#3 Thomas Richter 2012-03-04 14:30
Da Olaf die Niederlande erwähnt und ich dort wohne: Ich wage zu bezweifeln ob Timman und Euwe hierzulande bei der breiten Bevölkerung(!) bekannter und beliebter sind als Hübner und Lasker bei den Nachbarn im Osten. Von Euwe haben einige vielleicht gehört denn das Max Euwe - Zentrum liegt mitten in Amsterdam, mit Freiluftschach auf dem Platz nebendran. Wie sichtbar ist die Lasker-Gesellschaft in Berlin?

Aktuell macht Giri sicher am meisten Reklame für Schach auch unter Nicht-Schächern, er war z.B. schon mehrfach im Fernsehen. Er ist eben auch erfolgreich UND medientauglich. In Deutschland ist Naiditsch relativ am erfolgreichsten (aber Umgang mit den Medien, hmmm), Gustafsson vielleicht am medientauglichsten aber da fehlen die grossen Erfolge.

Da war doch noch was, Deutschland ist Europameister. Wenn sie ("wir") bei der Olympiade ähnlich erfolgreich sind, Schachbund und Spieler diesen Erfolg verkaufen statt ihn zu zerreden, ja dann vielleicht ... .

Meine Stimme ginge übrigens geteilt an zwei nicht erwähnte: Aronian der insgesamt mehr Deutschland-Bindung hat als Anand, und Herbert Bastian für sein Lebenswerk als Schachspieler und Funktionär.
#4 ufkub 2012-03-05 00:27
"Germany´s Next Top Schachspieler"? Das kann nach dieser Woche nur einer werden: Hauke Reddmann!
#5 Holger Hebbinghaus 2012-03-05 20:53
Nach dem Vorbild meiner beider Vorredner möchte ich ebenfalls einen weiteren Namen ins Spiel bringen: Sarah Hoolt gehört als erste aus Norddeutschland stammende WGM auch auf die Kandidatenliste; und da sie bei der diesjährigen Sportmeisterehrung der Stadt Essen die Dankesrede der Sportler gehalten hat, ist sie für eine solche Ehrung bestimmt bestens vorbereitet.
#6 Olaf Steffens 2012-03-10 12:52
Moin an alle,

das schmucke Werder-Shirt liegt bereit!

Teilnahmeschluss für das Gewinnspiel zum Sportler des Jahres 2015 ist morgen abend. (Nur nochmal als Hinweis)
#7 MiBu 2012-03-10 17:48
Das Adjektiv "schmuck" passt aber nicht zu einem Shirt von Werder! Ist ein Widerspruch in sich bzw. auf gut bildungsbürgerisch "contradictio in adiecto". (Und die ganze Südkurve singt: "Was ist grün und stinkt nach Fisch?"...) Und außerdem habe ich eh Größe XXL.

Meine Stimme geht natürlich an "Deutschlands schönsten Strukturvertriebschef" a.D. (Maschmeyer hat den AWD faktisch an die Swiss Life verkauft, und deren Werbeträger ist Ottmar Hitzfeld. Irgendwie muss doch da auch was für die Klötzchenschieberei zu holen sein und nicht immer nur für die Balltreter! Zwar mag man Maschi den Intellektuellen nicht so recht abnehmen, aber bei Hitzfeld ist das ja wohl kein Problem.)

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