Medienrummel um Marc Lang

gezeichnet gezeichnet Frank Jarchov

Alle Achtung: das hat Marc Lang gut gemacht! Der Blindschachspezialist ist in unzähligen Medien präsent. Etliche regionale und einige überregionale Blätter wurden auf das außergewöhnliche Thema aufmerksam und berichteten vom Reihenspiel ohne Spielsteine.

Das Medium Radio vertrat das „Schwabenradio“ (SWR 4, immerhin!), welches gleich zwei Beiträge sendete, einen davon am Sonntagmorgen direkt nach geschlagener Schlacht. radio

Und sogar das Fernsehen zeigte Schach. Im SWR wurden dem außergewöhnlichen Anlass rund 5 in der Landesschau eingeräumt.

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5940412http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5940412

Um das Ganze noch mal kurz zusammenzufassen. Lang war bereits Deutscher Rekordhalter in der Blindsimultandisziplin, am Wochenende hat er seine eigene Bestmarke nun auf 35 Bretter hinaufgeschraubt. Eine Wahnsinnstat, doch damit nicht genug. Dies soll nur eine Durchgangsstation sein; im nächsten Jahr will er sich an 46 Gegner herantrauen, was eine Verbesserung des offiziellen, noch von der Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg herrührenden Weltrekords von Miguel Najdorf bedeuten würde. Najdorf wollte damit einst die Aufmerksamkeit der Welt auf sich lenken in der Hoffnung, von seinen in Polen zurückgebliebenen Angehörigen Lebenszeichen zu erhalten. Die Hoffnung, die Lang lenkt, ist eine, die uns alle umtreibt: die, Schach populärer werden zu lassen und von der Öffentlichkeit wahrgenommen und geschätzt zu werden.

Für das Schach hat er beste, nämlich durchweg positive Werbung betrieben und dafür sind wir dankbar.

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Es braucht scheinbar eine verrückte Idee, um die Aufmerksamkeit der Medien zu erreichen. Wenn tausende Schachspieler aus aller Welt irgendwo in Sibirien zur Schacholympiade zusammenkommen, dann ist das der Presse kaum einen Einspalter wert. Auch Kämpfe zwischen Großmeistern, selbst wenn es um die Weltmeisterschaft geht, verlieren schnell an Reiz. Es muss schon aberwitzig und wider der Natur sein, wenn man die Medien zum Atufhorchen bewegen will.

Wir wollen nicht anfangen, über Sinn und Unsinn solcher Jahrmarksszenerien nachzudenken. Wohl muss man nicht verrückt sein, um sich einem solchen kräftezehrenden Ringen auszusetzen, aber vielleicht können durch die enorme Anspannung der geistigen Kräfte die Sicherungen durchbrennen. Schon Tarrasch hat solcherlei gemutmaßt, jedenfalls ist eine gute Physis wie eine starke Psyche vonnöten.

Zudem ist es wichtig, eine Utopie zu haben und das Durchhaltevermögen, diese dann umzusetzen. Bei Lang vereinen sich glücklicherweise ein paar  günstige Eigenschaften. Unabdingbar ist sein Talent für solche Blindsimultanvorstellungen. Aber der Rummel um seine Person wäre nicht so groß, wenn er nicht als dieser „Normalo“ rüberkommen würde: der fürsorgende Familienvater von nebenan, unkapriziös, weder abgehoben noch arrogant. Keiner der üblichen Psychopaten, als die die Schachspieler ansonsten in Wort und Bild immer dargestellt werden, weder der zerstreute Professor noch der egozentrische Machtmensch, der das Ego der Gegner zertrümmern will. Einer von uns mit einer kleinen, wenngleich faszinierenden Begabung. So also kann man die Medien für sich einnehmen, auch wenn man es gar nicht will. Denn wenn er geahnt hätte, wie viele Anrufe er bekommen würde und wie viele Interviews Arbeitsplatformer führen müsste, hätte er sich vielleicht doch lieber diskret im Hintergrund gehalten, so Lang. Bescheiden eben, aber sicher auch mit einer ordentlichen Prise Koketterie durchzogen. Um einen lustigen Spruch ist der gebürtige Ditzinger selten verlegen. Unterhaltsam schreiben kann er übrigens auch, man sehe die Artikel auf seinem Blog:   http://www.schach-sontheim.de/blindsimultan/blog

Nicht zu vergessen ist die gewichtige Rolle, die der Schachklub Sontheim/Brenz bei der Realisierung der Veranstaltung spielte. Der Verein und seine Führung gaben Langs verrückter Idee volle Rückendeckung und setzten sich engagiert für das Gelingen des Ganzen ein. Und der Aufwand, der hierfür betrieben wurde, war sicher kein geringer! Hier noch der Hinweis auf die Homepage dieses umtriebigen Vereins auf der Ostalb, gerade am Rande von Baden-Württemberg: http://www.schach-sontheim.de/

Nichtsdestotrotz war die Provinz (Sontheim hat kaum mehr als 5000 Einwohner) für ein Wochenende der Nabel der deutschen Schachwelt. Herzlichen Glückwunsch und viele Grüße in meine alte Heimat!

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