Endspielmagie - Studien für die Praxis (Folge 04)

Jindrich Sulc (1911 - 1998) Jindrich Sulc (1911 - 1998)

Von Dr. Oliver Höpfner, Bremen

In der vierten Folge der kleinen Kolumne „Endspielmagie - Studien für die Praxis“ möchte ich gerne eine weitere kleine Studie des tschechoslowakischen Studienkomponisten Jindrich Šulc (22.3.1911 – 3.12.1998) vorstellen.

Dadurch, dass Mark Dworetski (1947 – 2016) eine der Arbeiten von Šulc als „Kleine Perle“ bezeichnet hat, wurde ich auf die Kompositionen des hierzulande nicht so bekannten Studienautors überhaupt erst aufmerksam.

Ich habe mir daher die Studien von Šulc noch einmal genau angeschaut und fand dabei in einer Sammlung seiner Arbeiten die folgende elegante Aufgabe, die aus meiner Sicht auch sehr gut in diese kleine Studien-Kolumne passt.

Jindrich Šulc
Sach 1942, 3. Ehrende Erwähnung

Studie_4_Sulc.png

Vor uns haben wir hier ein außerordentlich taktisches Endspiel. Wie kann Weiß in diesem Turm-Endspiel seine beiden Freibauern zum Sieg führen?

Dazu bedarf es schon eines kleinen Griffs in die taktische Trickkiste.

Viel Spaß daher bei der Lösung der Aufgabe.

 

 

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen.

Seit 2012 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen.

Größte Erfolge:
Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 5.Platz beim letztenTravemünder Open 2013, und Sieger des Bremer Hans-Wild-Turniers 2018.

Größte Misserfolge:
Werd´ ich hier lieber nicht sagen!

Größte Leidenschaften:
früh in der Partie irgendetwas mit Randbauern und/ oder g-Bauern auszuprobieren und die Partie trotzdem nicht zu verlieren – klappt aber nicht immer.

Kommentare   

#1 MiBu 2021-05-03 08:40
Mir scheint, auch hier die Lösung kurz und knallig, ähnlich der Studie Nr. 3.
#2 Thomas Richter 2021-05-03 12:37
Wenn mit Dame gegen Turm gewinnen Teil der (erforderlichen) Lösung ist, dann ist es nicht ganz so kurz.

Als Hinweis: Man muss den (weißen) g-Bauern mit Schach umwandeln - bzw., wenn Schwarz das nicht will, den (schwarzen) g-Bauern doch kontrollieren. Ein Kommentar von Olaf zu Studie Nr. 3 könnte auch diesmal passen.
#3 MiBu 2021-05-03 13:21
Das stimmt natürlich, Dame gegen Turm ist nicht trivial. Ich erinnere mich, dass es lange vor Sechssteinerdatenbanken mal ein Programm namens KDKT gab, das auch gestandene Großmeister in Probleme brachte, weil es mit dem Turm die hartnäckigste Verteidigung aufs Brett bringen konnte. Sobald aber die Materialverteilung auf dem Brett steht, ist es ein theroetischer technischer Gewinn (egal wie die Praxis aussehen könnte),von daher sehe ich die Studie als zu dem Zeitpunkt beendet an - und das sind nur eine Handvoll Züge.
#4 Olaf Steffens 2021-05-03 13:54
Hey Ihr Spezialisten :eek:

tja, wer weiß das schon - ob die Praktikerregel "Erstmal ein Schach" hier wirklich greift?
Die Frage ist natürlich interessant, ob so studienkompositorisch ein D gegen T Endspiel bereits als gewonnen gilt. Ich vermute aber, davon soll man erstmal ausgehen - kenne aber die Lösung nicht (echt!).
#5 Thomas Richter 2021-05-03 14:32
Svidler konnte mal Dame gegen Turm nicht gewinnen: https://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1210725

Die Lösung der Studie erfordert aus meiner Sicht schon mehr als fünf Züge, da auch Schwarz die taktische Trickkiste "Schachgebot mit Idee Schachgebot" hat - nur im Gegensatz zu Weiß keinen Plan B falls der Gegner da nicht mitmacht.

Die Lösung ist dabei geradlinig, nur nach dem ersten Zug gibt es (wie ich bereits andeutete) zwei Varianten.
#6 Olaf Steffens 2021-05-03 14:53
Vielleicht ruhig immer her mit den Zügen? Wir knobeln dann weiter. Erstmal wohl ein Schach ..!?
#7 MiBu 2021-05-03 16:45
Thomas und ich votieren wohl unisono für 1.Tc4+! mit folgenden Varianten:
a) Ablehnung: 1. - Kb5 2.Tg4 Th2 und nun entweder das brutale Txg2 oder das subtilere 3.Kb3 Th3+ 4.Kc2 Th2 5.Kd3 und weiter im Zickzack Richtung g-Bauer
b) Annahme: 1.-Kxc4 2.g7 g1D 3.g8D+ (mit Schach!) und wir sind auf dem Weg zu KD gegen KT.
#8 Thomas Richter 2021-05-03 23:09
Wobei ich Variante b) noch etwas verlängern würde:
1.Tc4+ Kxc4 2.g7 Ta1+!? 3.Kb2 Tb1+ 4.Kc2 Tc1+ 5.Kd2 Td1+ 6.Ke2 Te1+ 7.Kf3! (7.-Tf1+ 8.Kxg2).
Natürlich darf Weiß den freundlich angebotenen schwarzen Turm nie nehmen, denn dann käme immer -g1D mit Schach und nebst -Dxg7. Jedenfalls in einer Blitzpartie macht er es vielleicht doch, oder überschreitet die Bedenkzeit, oder spielt zum Schluss automatisch 7.Kf2?? .
#9 MiBu 2021-05-04 16:36
Sehr gut, diese schöne Variante war mir entgangen; die wertet die Miniatur nochmals auf.

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