Was geht ab?
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Montag, 20 November 2017 23:09

Irgendwas mit Katzen

Die altgedienten LeserInnen werden sich erinnern - da war doch schon einmal sowas, ein Video mit einer Katze und einem Typen, beide spielen Schach, und huch!, dann kommt es zu einem regelwidrigen Zug. Wir sagen nicht, wie es weitergeht, denn das kann jeder auch selber herausfinden - es lohnt sich.
Selbst wenn der kleine Film hier schon mal lief, ist es immer noch mein Lieblingskatzenschachvideo, und so etwas kann man ja nun wirklich nicht oft genug angucken. Wenn eine Eröffnung gut ist, spielt man sie ja auch gerne ein zweites Mal. Von daher:

Urelo in Kreta entdeckt!
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Mittwoch, 01 April 2015 10:05

Urelo in Kreta entdeckt!

Bereits im September des Vorjahres war die Krennwurzn nicht wie viele dachten wieder einmal auf Urlaub und ließ sich in der Bratpfanne (Balos Peach) in Nordwestkreta die Sonne auf den schon ganz beachtlichen Bauch scheinen, sondern diesmal war es eine geheime archelogische Expedition in die Geheimnisse der Schachgeschichte.

2015Elo01Hier in der Bratpfanne hätte die Krennwurzn unbeschwerte Ferien verbringen können, aber was tut man nicht alles fürs Schach!

Nahe der heutigen Ortschaft Elos im Westen Kretas grub ein internationales Expertenteam nicht nur nach antiken Bauten, sondern ging auch einem Hinweis eines 1958 entdeckten Kommentars zu Platons Ideenlehre nach indem gesagt wird, dass das Elosystem schon den alten Griechen bekannt war und im Eloheiligtum in Kreta verehrt wurde. Wahrscheinlich wurde Schach und das Wertungssystem von kretischen Rückkehrern aus Truppen, die mit Alexander dem Großen in Persien und an den Grenzen Indiens waren, schon viel früher nach Europa gebracht.

2015Elo02Das Ausgrabungsteam bei der Arbeit in der griechischen Septembersonne!

Natürlich steht das im krassen Widerspruch zur bekannten Lehre wonach das Elosystem von Arpad Elo erfunden wurde. 1959 – ein Jahr nach dem Fund eines kleinen Hinweis auf ein Eloheiligtum in Kreta – begann der Ungar das heute bekannte System zu entwickeln - natürlich kann das Zufall gewesen sein, aber wir werden es nie mit Sicherheit wissen, aber es besteht die Möglichkeit, dass er von einem Freund auf der Universität von Milwaukee Kenntnis vom antiken Elosystem gehabt haben könnte.

2015Elo03Moderne Archeologie mit altertümlichen Geräten kann schweißtreibende Arbeit sein - aber dafür kann man sogar eine Krennwurzn gebrauchen!

Mit Sicherheit wissen wir allerdings, dass das Elosystem so seine Schwächen hat und nur auf statistischen Berechnungen fußt und uns daher viele, viele Probleme beschert. Die Elozahlen sind nicht fixe Größen sondern die Wahrheit liegt in einem Nebel vergraben – man kann nur die Wahrscheinlichkeit für den Spielausgang angeben und aus einer Partie und schon gar nicht aus einem Zug kann man keine wirklich haltbaren Schlüsse ziehen, weil – ja weil – ein fixer Bezugspunkt fehlt. Nun wurde bei den Grabungen im September ein URELO gefunden, das genau diese Probleme löst – genau wie beim Urkilogramm und Urmeter gibt es nun auch eine fixe Referenz auf die alles exakt zurückgerechnet werden kann. Inflation, Normalverteilung und Standardabweichung sind ab jetzt nur etwas für Weicheier! Jetzt wird einfach und auch richtig gemessen und die Zahlen lügen nun mal nicht.

2015Elo04Aber auch Präzesionstechnik wurde verwendet ... natürlich ohne Krennwurznhilfe!

Was hat das für praktische Auswirkungen auf das Schach? Nun jetzt kann man die Elozahl für jeden einzelnen Zug eines jeden einzelnen Spielers berechnen. Betrüger werden also sofort aufgedeckt, weil ein von einer Maschine gespielter Zug vom URELO sofort erkannt wird. Aber wie darf man sich das vorstellen? Nun fangen wir ganz einfach an und legen eine Notation einer Krennwurzn Partie neben das URELO und starten wir die Berechnungen und wir sehen, dass der Zug 1. e4 am 15. November 2014 mit einer Elozahl von 1815 gespielt wurde und der Gegner mit 1. ... c5 und 2266 Elo geantwortet hat, was unweigerlich – wenn auch nicht verwunderlich – zu einer Niederlage der Krennwurzn führte! Doch viel wichtiger wurde am gleichen Tag auch von Magnus Carlsen der Zug 1. e4 gespielt, aber mit einer Rekord-Elo von 3325 und sein Gegner Vishy Anand antwortet ebenfalls mit 1. ... c5 aber nur mit einer Elo von 2637 und schon da war klar, dass Vishy an diesem Tag auch den Fehler 26. Kd2 (Elo 2593) nicht bestrafen wird können und nur den Zug 26. ... a4 mit Elo 2599 bringen wird können, da für den Hammer 26. ... Sxe5 der Elobedarf für Vishy bei unglaublichen 4753 Elo gelegen wäre!

War bisher und bei oberflächlicher Betrachtung der Zug 1. e4 immer gleich stark, weil ja die zugrunde liegende Stellung nur remis, gewonnen oder verloren sein kann - was auch durch das URELO nicht bestritten wird – so kann nun jeder einzelne Zug von dieser Ebene, die den Maschinen vorbehalten ist, weggehoben werden und individualisiert werden. Das URELO kann in Kombination mit der Person, dem Ort und der Zeit die Stärke eines Zuges berechnen. So spielte Carlsen den Zug 1. e4 in Wijk gegen Saric nur mit Elo 2702 und dies reichte an diesem Tag nicht aus um einen Sieg einzufahren.

2015Elo05Der Flug des Elophönix

Leider ist es zur Zeit noch notwendig, dass sich das Urmeter in unmittelbarer Nähe zur Originalnotation befindet um genaue Werte zu liefern, aber die Forscher arbeiten hart daran auch historische Partien auswerten zu können und wir dürfen schon gespannt sein, was uns diese Auswertungen an neuen Erkenntnissen bringen werden und für das Jahr 2016 ist ein eigener Server geplant auf dem alle gespielten Partien in Echtzeit ausgewertet werden können – gegen eine geringe Gebühr von 0,815 EuroCent pro Partie! Aus steuerlichen Gründen sollte dieser mit eigenem Solarstrom betriebene Server in der Nähe des antiken Eloheiligtum in Kreta stehen und zu einem Eloheiligtum 2.0 werden.

Schach, Backgammon, Pokern
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Donnerstag, 11 Dezember 2014 00:00

Schach, Backgammon, Pokern

Schach

400

Das Schachspiel hat einen durchaus anerkannten Klang im Namen. Sehr viele Menschen, denen man begegnet, und denen man sich erkennbar als Schachspieler ausgibt — die dazu überzeugendste Methode: ein Magnetschach aufbauen, egal, wo —, bleibt kurz stehen, nickt anerkennend, runzelt die Stirn oder was auch immer, aber zeigt damit an, dass er einverstanden wäre, darauf angesprochen zu werden und man tut ihm den Gefallen: „Ah, spielen Sie auch Schach?“. Natürlich, da er doch irgendwie spüren dürfte, dass er dem Niveau hier nicht ganz gewachsen ist, wird er eine leicht abwehrende Geste dazu machen, aber die dazu geäußerten Worte ähneln einander doch meist: „Ja, naja, nein, ich habe mal, früher, leider jetzt nicht mehr.“ oder auch „ich spiele immer mal mit meinem Vater/Sohn/Schwager“ oder „Mein Opa hat mir als Kind mal die Regeln erklärt, aber seitdem eigentlich nicht mehr.“ . Es besteht ein Interesse, es ist anerkannt, es hat einen hohen Stellenwert, die meisten kennen es, zumindest die Regeln, sind irgendwie voller Bewunderung, aber haben es doch nie über das Level des Hobbyschachspielers hinaus gebracht, im Gegenteil, sind sie meist sogar davor schon abgesprungen. Der Grund, aus meiner Sicht: die Komplexität, der man sehr bald begegnet und welche einem die eigene und gegnerische Zugauswahl im Prinzip zufällig erscheinen lässt sind ungeeignet, den Spaßfaktor zu erhöhen. Sprich: selbst der Gewinner weiß eigentlich nicht einmal so recht, warum er gewonnen hat (bei einer Partie unter Anfängern).

Wer sich denn doch weiter und tiefer in das Spiel hineindenkt — meine Beobachtung ist die: das Verständnis ist meist erst nach über einem Jahr so groß, dass überhaupt ein ernsthaftes eigenes Interesse, eine Faszination dafür, aufkommen kann —, könnte bald zu jener kleinen und kaum auf den Straßen oder in Cafés zufällig anzutreffenden Gemeinschacht der Vereinsschachspieler gehören. Jeder der vorher am Tisch stehen gebliebenen würde, falls er denn tatsächlich einmal einen Schachclub aufsuchen sollte, um sich dort mit einem auch nur schwächeren Vereinsspieler auf eine Partie einließe, sehr bald feststellen, dass es Welten sind, die ihn vom Gegenüber trennen. Da gäbe es auch kein verbales Kaschieren mehr ( Sein Level war: „Wir spielen ab und an, in einer Kneipe, und da gewinne ich gegen meine Freunde fast immer…“), hier würde die Realität ihm recht schonungslos die Augen öffnen: hier hat er nicht die geringste Chance. Dies mag zwar einen sich selbst als solchen bezeichnenden "rechten Schachspieler" in gewisser Weise zum Schmunzeln bringen, nur merkt er dabei möglicherweise nicht, dass genau diese Abschreckung dafür sorgt, dass unsere Gemeinschaft so klein bleibt (was er an anderer Stelle aber zutiefst bedauert). Die Kunst wäre hier — und natürlich Thema an ganz anderer Stelle : wie könnte man diese ersten Schritte vereinfachen, dem Neuling genau dieses Gefühl nehmen, dass er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und dass er ja möglichst bald wieder das Weite zu suchen hätte, da er zu einem Schachspieler einfach nicht taugt? 

Ich persönlich habe stets mein Magnetschach dabei und scheue mich auch nicht, dieses aufzubauen, an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Das kann auch mal die U- oder S-Bahn sein oder ein Bus, sofern von einem Schachspieler begleitet. Überall sind diese Reaktionen möglich, man hört immer wieder auch die Frage: „Wer hat denn nun gewonnen bei euch?“, welche man immer gleich erörtern muss damit, dass man lediglich analysieren würde (was dem Wohlwollenden das wohlwollende Lächeln abringt, mit einem „Ach so“ verbunden, dem weniger wohlwollenden vielleicht das ungläubige Staunen begleitet von einer Art Kopf schütteln, einen würde aber alle, auch die ungewollt mithörenden, der unausgesprochene Gedanke „Das sind Irre, der Welt entrückt“, kurz könnte man sagen „Verrückte“. Dies mag zwar sogar ein Attribut sein, mit welchem der eine oder andere Schachspieler ganz gut umgehen kann, nur wird der begleitende Effekt der Abkehr von diesem Spiel, durch diese kurze Berührung mit dem Schach für alle mehr oder weniger beteiligten Unbeteiligten, dadurch keineswegs verringert, sondern, im Gegenteil, weiter gesteigert. „Schach? Nein, das mag sicher interessant sein, ein tolles Spiel. Aber das spielen ja nur Verrückte.“ 

Nun ja, wir alle dies hier Lesenden haben ja vermutlich diese ersten Schritte irgendwie bewältigt und die vielen Narben, die wir und sicher früh mal eingehandelt haben, sind kaum noch zu erkennen. Dennoch — auch dies an anderer Stelle bereits einmal Thema, nur weiß ich grad nicht, wo? — ist aus meiner Sicht die Vorhersehbarkeit für den Ausgang einer Schachpartie auch für gestandene Schachspieler oftmals zu groß. Sofern man nämlich „weiß“, wer gewinnt, ist, unabhängig von den reinen Spielinhalten oder der Hochwertigkeit des Spiels, gar den künstlerischen Inhalten, ein anderer Effekt, welcher im Sport und dessen Wettkampf häufig eine große Rolle spielt, empfindlich verletzt. Es ist der Aspekt der Spannung. Sicher könnten sich die Beteiligten sogar noch darüber erheben, indem sie sich einfach auf ihren nächsten Zug konzentrieren und versuchen, den besten zu finden, aber ein Zuschauer, der sogar gewillt ist, dem Ereignis zu folgen, dürfte sich bald abkehren und sagen: „Der Favorit setzt sich durch. Wozu soll ich schauen?“

Eine der Begleiterscheinungen: im Schach gibt es keine hohen Preisgelder zu erzielen. Warum? Weil der Amateur, welcher letztendlich den Profispieler finanzieren müsste, sich, aufgrund der Vorhersehbarkeit, nur auf einen kleinen Spendenbeitrag (in Form des Startgeldes) einließe. Sobald es aber mal ein Turnier gibt, bei welchem höhere Preisgelder (vermutlich durch einen Sponsor) ausgelobt werden, trifft man allerdings flugs eine versammelte Elite von Spielern an, die sogar weite Reisen in Kauf nehmen, um einen Teil des Kuchen abzubekommen. Daran erkennt man: im Schach gibt es kein Geld zu verdienen.

Backgammon

485Ich möchte Backgammon nicht zu eingehend erläutern, habe es aber selbst etliche Jahre, dazu ziemlich erfolgreich, betrieben. Der Unterschied wird, Podolskis Äußerung ähnlich („Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“), aber sehr bald klar: durch den Einsatz von Würfeln ist ein beliebiges Zufallselement hinzugefügt, welches ganz offensichtlich dem Schwächeren dienlich ist und seine Chancen erhöht. Selbst wenn er seine Steine — das Spiel dem Schachspiel insofern ähnlich: man hat 15, allerdings gleichartige Steine, welche man dennoch strategisch klug setzen muss, um sie als erster in einem gegenläufigen Rennen um das Brett zu bringe, um sie auf der gegenüberliegenden Seite sie als Erster auszuwürfeln —  weniger klug und strategisch mangelhaft um das Brett setzt, so kann ihm ein Paschwurf (die Augenzahlen werden doppelt gesetzt, also bei Pasch 6, mit zwei Würfeln, kann man auf einen Schlag 24 Augen gutmachen) zur rechten Zeit doch noch das Glück des Sieges bescheren. 

Die Anerkennung für dieses Spiels ist, gegenüber jener für das Schachspiel, ungleich geringer. Bei einer dem obigen Beispiel ähnlichen Begegnung also hörte man seltener „Habe ich auch mal gespielt“ und noch seltener „ein tolles Spiel“, aber, egal, wem man darüber erzählt, würde das ungläubige Erstaunen viel eher davon ausgelöst sein, dass man es als „strategisch hochwertiges Spiel“ anpreist, denn dies, so Jedermanns Überzeugung, ist undenkbar DURCH den Einsatz von Würfeln. Sofern nämlich hier ein Partieausgang im schlichten Denken „nicht vorhersehbar, geschweige denn berechenbar“ wäre, wäre er „rein zufällig“ und insofern wäre Gewinner lediglich der, dem Fortuna gerade hold ist. Ein Unterschied zwischen 60% Siegwahrscheinlichkeit gegenüber 40% wäre nicht wahrnehmbar und würde zudem belächelt werden.

Die positive Auswirkung dieser — man verziehe mir den Ausdruck — Naivität ist die: beim Backgammon werden, sofern sich denn mal ein Haufen Gleichgesinnter, meist nach Ankündigung, am gleichen Ort einfindet (sagen wir: es gibt auch hier Turniere und Ausschreibungen), sind die Anreisenden nicht nur bereit und einverstanden, die um ein 10- bis 100-fach höheren Startgelder zu entrichten, nein, sie heißen dies sogar mehr als willkommen. Die Verlockung ist da, die Eitelkeit ohnehin hoch: „Da gibt es riesige Preisgelder zu gewinnen. Das Glück auf meiner Seite — Befähigung im ausreichenden Maße vorhanden — und ich schnapp mir den ersten Preis. Halbfinale täte es notfalls aber auch.“

So ist es schon ein hier und da zu beobachtender Effekt, dass lange Jahre ehrgeizige, anerkannte, hochwertige, aber auch andere Schachspieler, allein aus diesem Grund das Terrain wechselten. Hier kann man richtig Kohle machen.

Auch beim Backgammon gibt es aber längst einen Effekt, nach welchem auch hier die Wissenschaft weit genug vorgedrungen ist, sogar dem Träumer endgültig und unmissverständlich die Augen zu öffnen — und sie danach umverschließbar zu machen. Die heutigen Backgammon Programme sind so weit,  ähnlich wie die Schachprogramme, jeden Fehler schonungslos und unweigerlich, zugleich unwidersprochen (wer es wagt, bekommt noch mehr Lehrgeld aufgebrummt) aufdecken. Am Ende eines Matches, welche inzwischen auch, sogar per Hardware (tatsächlich wurden zwei meiner Matches bei der Weltmeisterschaft 2005, meiner letzten Teilnahme dort, damals schon live ins Internet übertragen, wie ich hier einfach mal, durchaus von Stolz begleitet, einfließen lasse), aufgezeichnet werden, gibt der Computer zudem eine nicht in Frage zu stellende Bewertung der Spielqualität ab, in Form der Error-rates (Ah, das muss der Bezug gewesen sein, damals schrieb ich über die Schachprogramme und die Bewertung der Spieler mithilfe von Error rates). Wie schlimm waren die Fehler, die die beiden Spieler gemacht haben? Gemessen wird hier im Prinzip in verschenkten Prozentpunkten auf den Sieg im Match. Wenn also der eine Spieler nun konstant bei einer 3.9 spielt, der andere aber bei 6.0: der Unterlegene WÜSSTE nun, ähnlich wie im Schach, dass er schwächer ist und dass er die fehlenden Chancen zwar in einer einzelnen Partie mit dem Glück ausgleichen kann, aber niemals auf Dauer. Das heißt: auch beim Backgammon überwiegt bereits der dem Schach ähnliche Makel: falls es zu vorhersehbar wird (beim Backgammon auf der Ebene hier: falls zu klar ist, wer besser ist), wer gewinnt, gibt es weder hohe Startgelder noch, einhergehend, hohe Preisgelder. Motto: „Ich sehe ein, dass du besser bist. Nein: ich musste es einsehen. Aber nun, da ich das weiß, zahle ich doch kein solches Startgeld mehr? Ich fahre nicht einmal hin.“ Folge: Backgammon ist rückläufig, trotz einer von mir durchaus anerkannten Hochwertigkeit des Spiels, und dies unter Einbeziehung der Notwendigkeit der Würfel und des davon provozierten zufällige(er)en Ausgangs.

Pokern

411Das Pokerspiel ist nun aus meiner Sicht das in dieser Hierarchie höchstwertige Spiel. Selbst wenn man nun auch hier irgendwann mal — am besten geeignet: Geld zählen, jeden Tag — einsehen wird, dass es bessere und schwächere Spieler gibt: die Vielfalt der Möglichkeiten, speziell im eigenen Verhalten am Spieltisch, ist so gigantisch hoch, speziell der Effekt der Psychologie, dass es noch einige Zeit dauern dürfte — falls überhaupt jemals möglich —, bis Programme tatsächlich das Spielniveau korrekt bewerten können.

Das Texas Hold´em, der wohl derzeit weitest verbreitenden Variante, der wohl derzeit weitest verbreitenden Variante, kurz erläutert: zwei  der beispielsweise sechs Spieler müssen das Spiel eröffnen. Der eine mit einer halben Grundeinheit (Small Blind), der neben ihm sitzende mit dem Big Blind. Diese Spieleröffnung ist erforderlich, damit garantiert in jedem Spiel ein Umsatz gemacht wird. Jeder erhält zwei nur für ihn sichtbare Karten auf die Hand. Danach gibt es die erste Bietrunde, bei welcher reihum, nach vorgegebener und sich Runde für Runde gerecht verändernder Reihenfolge, die Spieler aufgrund der Ansicht ihrer Karten (oder sonstiger Überlegungen, womit wir fast schon beim Punkt wären) entweder mitgehen, erhöhen oder passen dürfen. Eine Erhöhung des Einsatzes hat zwangsläufig eine weitere Bietrunde zur Folge. Dabei folgen die Erhöhungen bestimmten Gesetzen (und sind nicht in allen Fällen beliebig; maximal kann ein Spieler selbstverständlich nur das Geld verlieren, welches er vor sich hat und muss nicht etwa, wie in manch mäßigem Film zu sehen, zwischendurch rasch mal in die Tasche). 

Selbstverständlich gibt es auch beim Pokern (wie beim Backgammon), das reine Geldspiel und das Turnierspiel. Beim reinen Geldspiel gelten ohnehin etwas eigene Gesetze und die möglicherweise im Einsatz befindlichen Geldbeträge können nach Belieben ausufern (falls man also im reinen, aber seriösen Geldspiel den gesamten vor sich liegenden Einsatz in einem Spiel verloren hätte — was durchaus nicht ungewöhnlich ist —, so könnte man direkt danach doch wieder in die eigenen Tasche greifen — und wird dies, bei Potenzial, vermutlich sogar tun — und das Budget wieder aufstocken, nur um es vielleicht in der nächste Runde schon wieder komplett durchzubringen (dies passiert besonders gerne konsekutiv; denn: wer ein Spiel, dazu unglücklich, verliert, neigt schon mal dazu, in der nächsten Partie zu hasardieren).

Es gibt aber selbstverständlich, und das wohl in der Mehrzahl, auch beim Pokern das Turnierspiel (welches die übergeordnete Rolle beim angegebene Anbieter Full Tilt spielt). Hier bleibt alles übersichtlich: man zahlt ein Startgeld und bekommt im Gegenzug die für das Turnier nötigen Spielchips. Diese Chips nun auf einmal setzen („All-in“) und verlieren bedeutet im ungünstigen Fall: man ist ausgeschieden. Die Möglichkeiten danach: ein weiteres Turnier spielen. Aber nicht etwa: tief in die Tasche greifen und nachladen.

Das Turnierpoker hat also aus meiner Sicht einen sehr hohen Stellenwert: es ist und bleibt ein hoch komplexes Spiel, das Zufallselement, welches durch das Austeilen von Karten hinzu kommt, ist hoch willkommen. Zugleich ist es ein mathematisches Spiel, welches ja prinzipiell für Schachspieler geeignet scheint. Selbstverständlich haben sich auch schon sehr zahlreiche Schachspieler, bis zur Weltelite, darin probiert. Wie erfolgreich, vermag ich zwar nicht zu sagen, aber ihre Veranlagung ist grundsätzlich darauf ausgerichtet und dafür geeignet. Das professionelle Spielen erfordert selbstverständlich ein gewisses Begleitprofil, welches nicht automatisch mitgeliefert wird.

Falls man nun kurz einen Einblick erhalten möchte, wie komplex das Spiel ist, wie hoch die Vielfalt der Möglichkeiten ist und inwieweit es Programmen unmöglich sein dürfte, in logischen, nachvollziehbaren Auswertungen, den besseren vom schwächeren Spieler zu unterscheiden, hier ein paar Beispiele:

Ein Fehler kann sehr wohl eine geplante Aktion sein. Dies erst einmal als grundsätzliche und wichtige Überlegung. Schlussfolgerung wäre daraus: es ist zwar ein Fehler, aber es ist doch keiner?! Nun, die Fehlerhaftigkeit darin, einen Einsatz zu bezahlen ohne mathematische Rechtfertigung. Als ganz anschauliches Beispiel: man hätte das Minimum, die schlechtes denkbare Hand, und würde am Ende ein raise, eine Erhöhung, bezahlen, das ganze am besten früh in einer Partie. Man hätte also GARANTIERT verloren. Was könnte das Programm anders dazu sagen als: „Debil. Wer so etwas bezahlt kann nur debil sein.“ Was aber, wenn die dahinter stehende Überlegung lautet: „Ich mache JETZT diesen billigen Fehler, damit der Gegner später einen teureren Fehler macht?“ Tatsache ist, dass man meist ein Spielerprofil anlegt, dies tut jeder Spieler am Tisch von seinen Mitspielern (manche wissen natürlich weniger als andere). Falls das Profil dieses Spielers, aufgrund der frühen Unsinnigkeit eines Einsatzes (das Beispiel war ja überspitzt, um es plastisch zu machen), nun auf „ der kann nichts“ gesetzt wird, so hat dies zwei Konsequenzen: a) der wird nicht ernst genommen, also sein seine Einsätze grundsätzlich unsinnig, unüberlegt, und b) das Profil wird schwerlich verändert, weil der erste Eindruck am meisten zählt.

Ein weiteres, kleines Beispiel: man hat mehrfach vorher raises getätigt. Man hat mehrfach damit einen Pott geschnappt, weil die Gegner gepasst haben (übersetzt in die Pokerspielersprache: man hat ihm geglaubt). Nun wird es ganz sicher passieren, dass der Spieler irgendwann einmal kontrolliert wird (das auch Pokersprache). Vermutlich wird es daran liegen, dass ein Gegenspieler eine ausreichend gute Hand hat, mit welcher er sich nicht aus dem Pott verdrängen lässt durch blindwütige raises. Falls er nun kontrolliert wird, indem er die Karten auf den Tisch legt, und sich herausstellt, dass er nichts außer einem Haufen Müll auf der Hand hatte, so hat dies nicht etwa die Konsequent, dass er als Trottel abgestempelt wird, im Gegenteil, kann ihm das sogar Hochachtung einbringen. Dennoch wird es die Konsequenz haben, dass er zunächst an Glaubwürdigkeit verloren hat. Sollte er sich also im folgenden Spiel erneut für eine Erhöhung entschließt und dabei keine vernünftige Hand hat, so muss er wohl damit rechnen, den nächsten Pott auch zu verlieren. Das wäre also ein dummer Zug. Dagegen günstig: er bekäme im nächsten Spiel gute Karten. Dann denkbar: man glaubt ihm nicht und zahlt auch mit einer minderwertigen Hand, zur Kontrolle.

512Was ich damit erläutern möchte: wie sollte es einem Programm möglich sein, diese Sequenz von Zügen in einen logischen Zusammenhang zu bringen? Man kann sich übrigens auch Glaubwürdigkeit „erkaufen“. Das geht so:  man spielt 15 Spiele lang gar nicht. Dann hat man eine Hand oder noch immer keine. Nun setzt man plötzlich, sogar recht hoch: was sollten die Mitspieler nun annehmen? 15 Spiele lang nicht gespielt: der MUSS doch jetzt was haben? 

Verwandte Artikel: Wetten, Schach...?

Der Süden dreht auf!
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Dienstag, 17 April 2012 03:07

Badnerland, Du edle Perl´

Das große Rennen um die Deutsche Meisterschaft 2012 ist entschieden. Auch wenn es vorher niemand ernsthaft zu hoffen gewagt hätte - die SG Baden-Oos sicherte sich als Außenseiter den begehrten Meistertitel und ließ dabei die Favoriten aus Bremen, Solingen, Porz und sogar die Schachfreunde Berlin  deutlich hinter sich.

Schachwelt.de, der Blog für die angenehmen Wahrheiten, sagt: Gut gemacht! Wir gratulieren herzlich und wünschen alles Gute für den Europapokal und auch schon für die kommende Saison - vielleicht gelingt ja sogar eine Titelverteidigung?

noppes

Sven Noppes und Peter Heine Nielsen befragen das Homburger Liga-Orakel

Zu Ehren von Teamchef Sven Noppes, seinem Chef Wolfgang Grenke, Jan Gustafsson, Viswanathan Anand und den anderen Spielern,
sowie für alle Badener im Herzen bieten wir heute ein Stücken Kultur an.
Wir freuen uns über die (siebte!) Deutsche Meisterschaft (in Folge!) mit einem kleinen Lied. Frisch auf!

Das schönste Land (Badenlied)

Das schönste Land in Deutschlands Gau´n
das ist das Badnerland,
es ist so herrlich anzuschaun
und ruht in Gottes Hand.
Drum grüß ich dich, mein Badnerland,
Badnerland, du edle Perl im deutschen Land
Frisch auf, frisch auf!
Frisch auf, frisch auf, mein Badnerland,
Du edle Perl im deutschen Land!

Zu Haslach gräbt man Silbererz
in Freiburg wächst der Wein,
im Schwarzwald schöne Mädchen
ein Badner möcht ich sein.
Drum grüß ich dich, mein Badnerland,
Badnerland, du edle Perl im deutschen Land
Frisch auf, frisch auf!
Frisch auf, frisch auf, mein Badnerland,
Du edle Perl im deutschen Land!

Der Bauer und der Edelmann
das stolze Militär
die schaun einander freundlich an
und das ist Gottes wert.
Drum grüß ich dich, mein Badnerland,
Badnerland, du edle Perl im deutschen Land
Frisch auf, frisch auf!
Frisch auf, frisch auf, mein Bremerland,
Du edle Perl im deutschen Land!

Quelle: http://www.volksliederarchiv.de/text1705.html

schach-schachwelt-baden 2

Das berühmte Baden-Badener Wetter zeigt sich auch auf diesem Bild

 

Die älteren Leser dieses Blogs werden sich noch vage erinnern:
zum Saisonbeginn hatten wir hier ein kleines Tippspiel ausgeschrieben und fragten, wer wohl Deutscher Vizemeister 2012 werden würde? Die Beteiligung war munter, damals im Oktober - es waren die seligen Zeiten vor der Europameisterschaft und dem Naiditsch-Interview zur Bundestrainer-Diskussion, und hier im Blog konnte noch kommentiert werden ohne jegliche Registrierungspflicht. (Das waren noch Zeiten, was?)

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit lag Holger Hebbinghaus bei diesem Tippspiel daneben - er hatte Eppingen auf Platz 2 gesehen. Stattdessen gehen die begehrten Preise nun wie folgt in die Welt hinaus:

Platz 1: eine schöne Tasse Kaffee und ein Schiffsquartett der Meyer Werft in Papenburg

Platz 2: eine Tafel Bremer Hachez Schokolade und ein Saisonmagazin der SG Baden Oos (Saison 2011/2012)

Die Preise 1 und 2 gehen an die Leser mit den besten (und für Schachspieler so immens wichtigen) visionären Fähigkeiten. Sowohl Klaus aus Berlin als auch Rolf aus Hamburg tippten Werder Bremen auf Platz zwei, und wahrlich, so geschah es! Also musste ein neutrales Los entscheiden, und durch Münzwurf geht der erste Platz nun an Rolf, Platz zwei an Klaus. Glückwunsch - die Preise werden zugestellt!

Platz 3: die schöne CD "Rod Stewart Unplugged"  geht an Che Falquito. Er tippte auf Solingen als Vize und lag damit auch beinahe richtig. Beeindruckend! Wir gratulieren - zur neuen CD (und mehr noch zum Aufstieg!).

Einen symbolischen Ehrenpreis würden wir gerne vergeben an Scheiterer, dessen Tipp Dresden nicht nur nicht Vizemeister wurde, sondern darüberhinaus erst einmal und wenn auch nur sehr knapp den Gang in die Zweite Liga Ost antreten muss. Beim nächsten Mal wird´s besser! -

*******

An alle Leser: Wir freuen uns sehr über den einen oder anderen Kommentar zur Bundesliga oder zum Saisonverlauf. Soll Porz wieder aufsteigen? Hat Baden-Baden den Titel wirklich verdient? Und was hat Euch in der vergangenen Saison am Besten gefallen? 

 


Anzeige des BMAS
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Das positive Image des Schachs wird gerne von privatwirtschaftlichen Unternehmen für Werbekampagnen genutzt. Schachfiguren oder Slogans wie "Sie sind am Zug" sind dabei häufig anzutreffen. Jüngst bediente sich nun auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) der Symbolkraft. Eine Anzeige zum sensiblen Thema „Hilfe für Opfer von Gewalttaten“ startete mit einem stilisierten Schachfigurenbild als Aufmacher.

Beim besten Willen gelang es mir aber nicht, einen Zusammenhang zwischen unserem Spiel und der Thematik herzustellen. Ist Schach Opfer, Täter oder Helfer? Unserem Image förderlich scheint die Anzeige mir jedoch keineswegs zu sein. Was meinen Sie dazu?

Zu sehen ist die komplette Anzeige in der Februarausgabe von SBK-leben, dem Magazin der Siemens-Betriebskrankenkasse, auf Seite 2. Zum Download auf SBK

Auf unsere Bitte um eine Stellungnahme erhielten wir vom BMAS bisher keine Antwort.


Banner Schachreisen 2015 vollfarbig blau neuUpdate:

Soeben erreichte mich die Stellungnahmes des BMAS. Anscheinend hat man dort ein völlig anderes Verständnis des Schachs. Nachfolgend die komplette Mail mit freundlicher Genehmigung des Referatsleiters Joachim Zweig. Die für mich völlig unverständliche Passage habe ich blau eingefärbt. Vergleiche zu Optiker- und Malerinnung lasse ich unkommentiert.
 

Sehr geehrter Herr Hickl,

vielen Dank für Ihre mail zu unseren Publikationen und Anzeigen „Hilfe für Opfer von Gewalttaten“, die ein Segment aus Schachfiguren enthalten.
Zunächst eine kleine Richtigstellung: Das 'Schachfigurenbild' verwenden wir schon seit 2004 auf den entsprechenden Veröffentlichungen zum Opferentschädigungsgesetz; von einem 'Start' kann also nicht die Rede sein. Seitdem, also nun schon über 7 Jahren später, ist Ihre Mail die erste Kritik zu diesem Bild.

Nun zur Auswahl des Bildes selbst:
Wie die anderen Bundesministerien arbeitet das BMAS mit verschiedenen 'Schmuckbildern' auf seinen Veröffentlichungen. Dies ist u.a. notwendig, um bei der Vielzahl der Publikationen über das Bild einen Wiedererkennungseffekt zu ermöglichen. Teilweise ist das sehr einfach, weil ein konkreter Gegenstand, eine Situation etc. abgebildet wird, teilweise muss auf symbolische Schmuckbilder zurückgegriffen werden.

Das BMAS verwendet z.B.
für die Arbeitsschutzbroschüre 'Klare Sache'
eine Zeichnung. Das bedeutet aber nicht, dass nur Jugendliche, die von Farbeimern getroffen werden, nun schützenswert sind. (Auch die Malerinnung hat sich bis heute noch nicht beschwert.)
für die Arbeitsrechtsbroschüre
die sich nicht nur an Brillenträger wendet. (Bisher auch noch keine Proteste von der Optikerinnung.)
oder an die Broschüre zur Grundsicherung
die natürlich auch für Menschen gilt, die nach links abbiegen.

Viel wichtiger ist es bei sehr sensiblen Themen - wozu z.B. Gewaltverbrechen und damit Opferschutz aber auch z.B. Themen aus dem Behindertenbereich gehören - ein Foto oder eine Grafik zu finden, durch die betroffene Personen nicht diskriminiert werden oder in diesem konkreten Fall durch die Darstellung einer Gewaltszene gar zur Nachahmung animiert werden.

Aus dem Grund hatten wir uns entschieden, ein Bild mit Schachfiguren zu wählen, da gerade die Plötzlichkeit des Ereignisses - also das Schachstellen einer Figur -  so manchen Spieler genauso überrascht wie das Opfer einer Gewalttat.
Dennoch wissen Sie - besser als ich -, dass es genügend Abwehrmöglichkeiten im Schachspiel gibt, um den Schaden für die eigenen Figuren möglichst gering zu halten oder ein Schachmatt sogar zu verhindern.

Das Gleiche gilt für die Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden. Mit einem wesentlichen Unterschied: Das Spiel für die geschlagene Schachfigur ist endgültig beendet. In der Realität aber gibt es Dank des Opferentschädigungsgesetzes für die Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden, eine Möglichkeit auf Entschädigung und Unterstützung, damit sie weiter aktiv am Leben teilnehmen können.

Dafür steht das Hilfe- und Entschädigungsgesetz und dafür werben wir - sicherlich auch in Ihrem Sinne.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Zweig

Referatsleiter