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Der Schöne und die Krennwurzn – Vienna Chess Open 2016
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Der Titel erinnert ein wenig an das Märchen „Die Schöne und das Biest“, holpert aber auch ein wenig und da kommt die Krennwurzn ins Spiel. Aber halt eine kurze Auszeit für eine Zwischenfrage – wer ist „der Schöne“? Nun das ist ganz klar und einfach zu beantworten – der langjährige und treue Star des Vienna Chess Open: DER RATHAUSSAAL!

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Wohl einer der schönsten Spielsäle für Schachopen weltweit und das im absoluten Zentrum Wiens an der Ringstraße wo die historischen Gebäude wie auf einer Perlschnur aufgefädelt sind.

Bevor wir uns ganz der Romantik hingeben, kommen wir zum Holpern und der Krennwurzn zurück. Vienna Chess Open waren immer in ungeraden Jahren und damit immer alternierend mit der Schacholympiade – warum nach der planmäßigen Austragung 2015 im August 2016 schon wieder eine Austragung. Die offizielle Begründung Terminschwierigkeiten wegen der Renovierung des Wiener Rathauses führten schnell zu gewissen Gerüchten in der Schachwelt zumal auch die politischen Verhältnisse in Österreich und damit auch in Wien momentan sehr volatil sind. Das machte die Krennwurzn ein wenig hellhörig und so machte sie sich auf dem Weg nach Wien, um vor Ort die Turnierverantwortlichen zu befragen.

Gewählt wird in Wien erst wieder 2020 und damit sollte einer Austragung 2019 politisch nichts im Weg stehen, aber warum geht der Termin 2017 nicht, denn im Rathaus wird ja schon länger umgebaut und der Rathaussaal ist ja schon teilweise saniert worden, das ist für jeden ersichtlich. Und warum heuer die Terminplanung Dienstag bis Dienstag mit einer Doppelrunde? Vorzeichen eines Niedergangs? Das letzte Vienna Chess Open im Rathaus? Fragen über Fragen, die die Krennwurzn dem Turnierdirektor IO Johann Pöcksteiner persönlich stellen wollte.

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Stürmische Zeiten ??

Normalerweise lässt der Name Krennwurzn österreichischen Schachfunktionären einen kalten Schauer über den Rücken laufen und löst sofortige unaufschiebbare Expresstermine aus – nicht aber hier: Ok, Sie haben Fragen? Also los!

Das Wichtigste zuerst: die nächste Austragung des Vienna Chess Opens im August 2019 ist gesichert – es gibt bereits internationale Voranmeldungen beispielsweise einer koreanischen Schachgruppe, die heuer hier mit Trainer und Betreuer im C-Turnier mitspielen, aber auch von anderen Schachfreunden und Stammkunden des Turniers! Das Wort Kunde kennt die Krennwurzn nur aus dem heimatlichen Aschach im Zusammenhang mit Schachturnieren – ansonsten hat man oft etwas andere Wahrnehmungen. Ja, Kunden! bekräftigte Pöcksteiner der etwas verdutzt dreinschauenden Krennwurzn. Wir wollen den Schachspielern etwas bieten und unser Niveau halten oder verbessern und diese Überlegungen haben zu den Terminverwerfungen geführt.

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Zwei Koreanerinnen in Wien

Fix aus den Planungen der Stadt bezüglich der Rathaussanierung geht hervor, dass 2017 eine Austragung im August unmöglich war, weil im Sommer 2017 größere Umbauten und Sanierungen rund um den Rathaussaal geplant sind. Der Rathaussaal selbst wird nie komplett gesperrt, weil sich die Stadt immer die Möglichkeit für eine Nutzung offen halten muss, da es auch unvorhergesehene Anforderungen geben könnte, aber Zugänge, Nebenräumlichkeiten, etc sind in diesem Zeitraum nicht oder nur erschwert benutzbar, sodass ein reibungsloser und ungeteilter Turnierablauf schlicht nicht möglich wäre. Als Alternativen boten sich an: 2017 ausfallen lassen und damit eine vierjährige Pause von 2015 bis 2019, eine Austragung 2017 an einem anderen Ort in Wien oder eben die etwas verkürzte Austragung mit einer Doppelrunde 2016 für die wir uns entschieden haben. Wien vier Jahre ohne Schachtopveranstaltung wollten wir als Schachvorstand Wien nicht, ein anderer zentraler Austragungssaal mit ähnlichem Ambiente wie der Rathaussaal ist finanziell und organisatorisch außer Reichweite. Unter diesen Voraussetzungen war dann schnell der Zeitplan klar: 2016 das „Risiko“ Vienna Chess Open im Olympiajahr – sowohl Schach als auch die laufende in Rio – nehmen und ich denke die 600+ Teilnehmer aus 49 Nationen geben uns Recht! 2018 die Staatsmeisterschaften in Wien und ab August 2019 wieder ganz klassisch im Zweijahresrhythmus das Vienna Chess Open ohne Doppelrunden!

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Auch im schönsten Ambiente ist Denken harte Arbeit

Die Schachspieler müssen sich keine Sorgen um das Turnier machen und wie die Krennwurzn auch bemerkt hat, bietet der Veranstalter Hotelzimmer zu günstigeren Konditionen an, was aber wegen der Konkurrenz von Buchungsplattformen immer schwieriger wird. Daher legt der Veranstalter wie auch schon andere den Fokus auf Angebot abseits des Schachbrettes wie Stadtspaziergänge mit Schachgeschichte, Besichtigungen mit individuellen Touch, die nicht von der Stange angeboten werden, usw… Der Schachspieler als Kunde – keine schlechte Nachricht denke ich mal!

Die Krennwurzn ist aber nicht nur wegen der Schachpolitik nach Wien gefahren, nein natürlich nicht, sie wollte natürlich auch Schachfreunde treffen und die Stadt Wien mit dem vielfältigem kulturellen und kulinarischen Angebot genießen und sogar ein wenig Zeit für Schach blieb übrig. Zuerst eine Stellung als Warnung, dass die Krennwurzn, obwohl am Schachbrett selbst absolut ungefährlich, als Zuseher extrem gefährlich ist.

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Weiß am Zug hat eine Qualität mehr, die bessere Bauernstruktur – was soll da noch passieren? Erraten: die Krennwurzn als Zuseher (Knofel) und es geht Ruck Zuck und der Punkt ist weg!

1. Tc8+ Kg7 (Tc7 wäre noch stärker) 2. Td8?! (besser h5 mit unlösbaren Problemen für Schwarz) 2 … Sxg2! ist noch nicht die Katastrophe aber mit Krennwurzneinwirkung 3. Txe6?? Sxf4! macht die Katastrophe perfekt, denn mit 3. Kxg2 Txe1 4. Dg4+ Dg6 5. Dxd4 f6 wäre Weiß noch im Spiel geblieben…

Eine gewisse positive Fernwirkung der Krennwurzn ist allerdings gegeben, wenn man an die Partie von FM Florian Sandhöfner gegen GM Marius Manolache aus der 3. Runde denkt. Entsetzt saß die Krennwurzn mit Engine bewaffnet vor dem Monitor weil sie sah, dass Florian dem Gegner in Gewinnstellung die Chance zur Zugwiederholung anbot.

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Ein „das darf aber jetzt nicht wahr sein“ in den Bart gemurmelt und schon hatte der rumänische GM Einsehen mit der Krennwurzn und ging selbst mit Dc2 der drohenden Zugwiederholung aus dem Weg, was nach Tg4 Dd3 Tg7 schließlich zum Gewinn für Florian führte!

Dass bei Begegnungen Deutschland - Österreich nicht zwangsläufig immer die Deutschen das glücklichere Ende haben zeigt dieser Turniersplitter aus der Begegnung GM Markus Ragger gegen GM Gerald Hertneck aus der 5. Runde.

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Ragger, der nichts aus der Eröffnung herausholen konnte, ist gerade dem Damentausch und dem dann wohl unweigerlichen Remis aus dem Wege gegangen und macht sich nun mit 25. h3 ein Luftloch – allerdings wäre ihm nach 25. … Db1+ 26. Kh2 De4!! die Luft dennoch ausgegangen, denn der Läufer f4 kann wegen 27. … Lf1 nicht ziehen und auch die Tricks auf c6 funktionieren nicht! In weiterer Folge konnte Ragger den überlebenden schwarzfeldrigen Läufer gewinnträchtig opfern und die Partie in über 60 Zügen für sich entscheiden.

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GM Gerald Hertneck spielte ein Superturnier,
wurde aber brutal an The Doors erinnert
„The old get old and the young gets stronger“

Das Turnier hat die Nummer 1 GM Markus Ragger mit 8/9 solo als Start-Ziel-Sieger für sich entschieden und hat sich damit wieder den 2700 in der Liveratingliste angenähert. In der letzten Runde entschied er sich allerdings mit Weiß zu einem Schnellremis und dem damit verbundenen alleinigen Turniersieg und gegen die Chance mit einem Sieg die 2700 in der FIDE Septemberliste zu überschreiten.

Dahinter stürmten junge Schachspieler mit 7,5 das Podest wobei IM Volodymyr Vetoshko (Startnummer 19) aus der Ukraine die Nase nach Zweitwertung vor dem deutschen Vincent Keymer (Startnummer 38) hatte, der hier in Wien eine IM Norm machte und an der GM Norm nur ganz knapp vorbeigeschrammt ist. Eine weitere IM Norm machte der 15jährige Türke Emre Emin Dedebas. Einen detaillierten Überblick über die Turnierstatistik können Sie sich lieber Leser wie gewohnt auf Chess-Results machen!

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Hinten Funktionäre des Wiener SV:
Margot Landl, Präsident LAbg. Christian Hursky, Vizepräsident Peter Jirovec, Angela Blohberger

Vorne Turniersieger: Vincent Keymer, Markus Ragger, Volodymyr Vetoshko
(© Wiener Schachverband / Gerhard Peyrer)

Bleibt noch die Frage nach 2019. Klar das Turnier findet statt, da gibt es keinen Zweifel, aber die Frage der Fragen ist, wie hoch ist die Gefahr, dass die Krennwurzn das Vienna Chess Open 2019 mitspielt? Obwohl – oder gerade weil !? – es so ein schönes Turnier ist, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering. Aber die Gefahr von plötzlichen Krennwurzneinfällen bei einzelnen Runden kann nicht ausgeschlossen werden!

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Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
und Grün des Lebens goldner Baum.


Weiterführende Informationen zum Vienna Chess Open

Homepage des Turniers

Ergebnisse und Partien

Die hervorragenden Fotos in diesem Artikel stammen Großteils vom Schachfotografen FM Peter Kranzl (herzlichen Dank!!) und können auf seiner sehenswerten Homepage bewundert werden – nehmen Sie sich aber etwas Zeit mit, denn Peter hat schon viele Events mit seiner Kamera besucht!

Nicht mehr weit bis zum Fernschach-Blitz
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Wenn Du zum Fernschach gehst, vergiss das Porto nicht - Friedrich Nietzsches alte Schachweisheit wurde mittlerweile von der Wirklichkeit wuchtig eingeholt, doch wie hätte der große Philosoph das vor über hundert Jahren auch wissen sollen? Seit das Internet, die Email und Whatsapp rulen, brauchen die gemeinen Fernschachspieler keine Portokasse mehr und erst recht keine Briefmarken. Mit modernster Technik werden ihre Fernzüge bis in den letzten Winkel des Erdenballs übertragen und erreichen die Schachfreunde im Himalaya, in Hongkong und Hannover in Windeseile - selbst wenn sie das Porto mal vergessen.

Doch obgleich die guten Züge beim Fernschach nur so durch die Lüfte fliegen - auch hier muss verwaltet werden, geplant, konzipiert, arrangiert, und so gibt es in diesem Bereich ebenfalls einen Weltschachbund, eine Fernschach-FIDE sozusagen, und dieser traf sich in der vergangenen Woche im schönen Bremen an der Weser. Eingeladen zum Welttreffen der ICCF (International Correspondence Chess Federation) hatte wie schon vor zehn Jahren der BdF (Deutscher Fernschachbund), der in diesem Jahr sein siebzigjähriges Jubiläum begeht - dazu noch herzlichen Glückwunsch aus der Nahschach-Redaktion des Schachwelt-Blogs!

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Fernschach, ich war noch nie ein großer Freund davon, leider, doch hat das mit dem Fernschach und dem Versenden von Zügen ansich nichts zu tun. Allein, schon in jungen Jahren war es mir sehr unheimlich, wenn meine Gegner soviel Zeit und Muße hatten, um ihre Antwortzüge auch in komplizierten Stellungen tagelang zu bedenken - wie sollte ich da mit meinen Jahrmarkttricks jemals noch punkten können?

Die lange Bedenkzeit beim Fernschach, das war also nichts für mich, selbst damals, als es - Schachjugend aufgemerkt! - noch gar kein Internet gab und auch nur sehr wenige Computer. Heutzutage hat sie ja eigentlich jedermann, diese kleinen Silikonknechte, die sich für uns durch die vierundsechzig Felder und zweiunddreißig Figuren beißen, und mit diesen Computern sind wir jetzt theoretisch alle Titanen der Schachkunst.

Niemand patzt mehr wüst herum, kein Mensch stolpert noch in eine dumme Bauerngabel, wenn es viel Zeit gibt zum Überlegen, und das Schachprogramm bei möglichen Fehlern schon Stunden vorher wild blinkend zu warnen beginnt. Ich habe das Gefühl, das ganze Spiel wird dadurch so intellektuell und so verantwortungsvoll, dass vom wirklichen Spielen leider nicht mehr so richtig viel übrig bleibt.  Aus lauter Vorsicht würde ich gar nicht mehr ziehen und müsste wohl jede Partie auf Zeit verlieren. Schade! Doch bleibt mir noch das Nahschach, Turnierschach, das krude Blitzen, und heidewitzka! das tollhäusige Tandemschach.

Manche aber, viele sogar mögen das Fernschach, anders als ich sind sie geduldig und vorsichtig genug dafür. Gewiefte Strategen, die sie sind, bohren sie sich in komplexe Stellungen hinein und locken ihre nichtsahnenden Gegner in die filigranen Tiefen der Holländischen Verteidigung, um dort als Menschen Vorteile zu erspähen, die ihre Gegenüber im Himalaya, in Hongkong oder sogar in Hannover selbst mit einer Horde von dampfenden Computern nicht rechtzeitig erspüren würden. Das ist hohe Kunst, das ist langsames Jagen, Schach in der Kunst des Bogenschießens. Für diese Jagd braucht man fürwahr einen langen Atem, oft für mehrere Jahre! bei nur einer Partie, und muss dennoch darauf eingestellt sein, dass sehr viele Begegnungen bei guter Gegnerschaft mittlerweile mit einem tief ausgeschürften, erdigen Unentschieden enden. Doch ist nicht der Weg das Ziel? Die Spannung bleibt.

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Wichtig ist, dass es spannend ist.   (Foto: OSt)

In weiter Ferne? So nah!

Nun also kam das Fernschach nach Bremen, und für eine gute Woche tagte der Kongress und stellte turniertechnische Weichen für die kommenden Jahre. Zur Erbauung lud man abends zum Schachspiele, und sowohl bei einem elfrundigen Blitzturnier als auch bei einem Schnellschach-Wettkampf konnten Gäste aus Bremen und umzu dazustoßen und mit den Fernschachspielern over the board um die Wette tüfteln.

Ich war natürlich gewarnt und daher vorsichtig - wie man ja weiß, dauern Fernschachturniere oft mehrere Jahre, und sei es auch nur Blitz, man weiß ja nie! You can check out, but you can never leave, wie im Hotel California? Soviel Zeit hatte ich dann wiederum nicht.
Leicht sorgenvoll betrat ich daher am Dienstagabend die stilvollen Räumlichkeiten des schicken Radisson Blu Hotel, doch bald schon hatten mich sowohl der Turnierleiter als auch der umsichtige BdF-Präsident Uwe Staroske beruhigt. Nach elf Partien und schon vor Mitternacht würde Schluss sein! Nach dieser glaubhaften präsidentiellen Versicherung trug ich mich zusammen mit rund 30 anderen Blitz-Spezis, darunter mit Ralf Mulde, Marco Jostes und Andreas Calic auch drei weiteren locals aus Bremern, voller Vertrauen in die Teilnehmerliste ein.

 (Bleiben Sie dran - Teil zwei folgt!)

Sieht schön aus, aber hilft wenig für das Schachverständnis
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Seltsame Dinge hört man da schon wieder aus dem Süden des Landes - anscheinend gehen die Leute dort schwimmen, sitzen in der Sonne, und es wird vor Hitzegewittern gewarnt. Ich bin beunruhigt - ist denn dort schon Sommer?

Im Freistaat Bremen zumindest stand ich heute morgen geschützt von einer dunklen Wolkendecke auf, lief behaglich eine kleine Runde im herbstlichen Park, und jetzt freue ich mich auf den nächsten Regenschauer, der die Gärten des Bundeslandes mit frischem Nass versorgen wird.

So lässt es sich leben, und wer weiß, vielleicht ist ja diese graue Wettermonotonie, die dunkle Wolkenmasse und die hier mit Lockerheit unter zwanzig Grad bleibenden Temperaturen auch viel besser für das schachliche Fortkommen?

Nun lässt sich die Formel "Mehr Sonne = Weniger ELO" empirisch zwar nicht belegen, doch gefühlt kommen gute Schachspielerinnen mit einer größeren Wahrscheinlichkeit aus Ländern, in denen der Winter noch ein richtig kerniger Geselle ist, und in denen in der Hitze der Sommernacht nicht jegliche schachliche Trainingsambition dahinschmilzt wie ein Eiswürfel am Isarstrand.
Schauen wir nur nach Russland, weites kühles Land, aber zum Ausgleich für jede meteorologische Unbill hat es mehr als ein Drittel der Schachweltmeister dieses Universums erschaffen. (Kein Wunder auch, dass im letzten Jahr das Team von Sibiria (a cold, cold place!) den Europapokal der Vereinsmannschaften gewonnen hat.) Oder auch Norwegen - ein kühler Platz und winterlich kalt (im Winter), doch mit Magnus Carlsen entspringt einer der Helden unseres Sports ebendieser der Sonne oft weit abgeneigten Region.
Und natürlich, Island, was ist mit Island? Heißt es nicht, dieses kühle Land hat mehr Schachgroßmeister als die OSG Baden-Baden? Und DAS soll schon was heißen, wo doch in Baden-Baden mit Fabiano Caruana und Maxime Vachier-Lagrave soeben noch zwei weitere GMs dazugekommen sind.

Schlechtes Wetter = Gutes Schach, so einfach ist es. Anders als im sonnengleißenden Süden können wir Nordländler (manche sagen ja auch Fischköpfe) ohne schlechtes Gewissen im Hause hocken. Zwischen Ricklingen, Raisdorf und Ritterhude verpassen wir in den eigenen vier Wänden nur sehr selten eine Sonnenstunde und brauchen auch nicht für teures Geld ins kalte Freibad zu springen. Und wenn man schon mal daheim ist, na gut, warum soll man nicht auch mal ein bisschen Schach trainieren? Theoretisch jedenfalls, denn viele andere Dinge erscheinen dann oft ganz schnell viel attraktiver - Katzen füttern, abwaschen, das Internet durchkämmen, und schon wird es wieder schwer mit dem Training und einer nachfolgenden ELO-Steigerung.
Noch schöner , fairer und angemessener wäre es daher, würde die Wertungszahl von ganz alleine wachsen, alleine durch das schlechte Wetter. Jeder Regenschauer ein ELO-Punkt dazu, jeder graue Vormittag ein höherer K-Faktor. Da könnte die FIDE doch mal was tun. Ich wäre dafür!

 

Starke Frühform im August: Matthias Krallmann, Andreas Calic, Detlef Schötzig (von rechts oben)
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Kaum ist die Sommerpause vorbei, trommelt Turnierleiter Stefan Preuschat schon wieder zum energischen Schach: Werder Bremen hat die neue Saison im 64-feldrigen Hauen und Stechen mit einem gepflegten Blitzturnier eröffnet.

Nach den langen Wochen sehr überschaubarer schachlicher Aktivität konnten die Teilnehmer im geschützten Umfeld des Werder-Vereinsheims wieder vorsichtig Kontakt aufnehmen mit Springern, Bauern, Königen, und diese bei stets schrumpfender Restbedenkzeit über das Brett bewegen. Das gelang bei diesem ersten Wiedersehen nach der Sommerpause erstaunlich gut, und bis auf die Tatsache, dass mehr Könige eingestellt wurden als sonst, war das schachliche Niveau bereits recht ansehnlich. So kann es weitergehen!

Entgegen einer bewährten Seefahrer-Maxime gingen die im Teilnehmerfeld befindlichen Kapitäne nicht als letzte von Bord bzw aus dem Turnier. Nein, ganz im Gegenteil, es war wahrlich ein Abend der Kapitäne, denn die zwei vordersten Plätze im Gesamtklassement schnappten sich mit Detlef Schötzig (Mannschaftskapitän Werder III) und Stephan Buchal (Käpt'n von Werderzwo) zwei gestandene Fachkräfte, die ihre Teams mit Bravour durch die Untiefen der letzten Spielzeit(en) geführt haben.

Mit jeweils 8 von 11 denkbaren Punkten ließen sie damit auch Olaf Steffens knapp hinter sich, der zwar Manager der Werder-Bundesligamanschaft ist, aber eben nicht deren Kapitän - das nämlich ist GM Gennadiy Fish, der als spielender Capitano das grün-weiße Team auf seinen Reisen durch die Republik begleitet.
So war es nur folgerichtig, dass Steffens nicht so ganz weit vorne landete, und nicht zuletzt auch deshalb, weil er gegen Matthias Krallmann die schwarze Dame von b7 schwungvoll nach f3 bewegte - allerdings über einen auf d5 stehenden weißen Bauern hinweg. Das geht natürlich nicht, und Punkt daher für Coach Krallmann! Schach ist einfach für manche noch zu schwer, so direkt nach der Sommerpause.

Ansonsten alles gut - der SV Werder freut sich auf die nächsten Runden des Monatsblitzturniers! Und wer weiß, vielleicht wird auch David Höffer dann wieder vor Ort sein? Diesmal allerdings begegnete man dem strahlenden Gesamtsieger des Vorjahres noch nicht, und so bleibt nur zu sagen, dass sich André Büscher den Preis für den besten Teilnehmer < DWZ 2000 verdiente, während Andreas Calic (Bremer SG) als Fünftletzter den Ehrenpreis der Jury zugesprochen bekam. Wir gratulieren!

Nächster Monatsblitz ist am 01.September, kurz vor dem 2.Hans-Wild-Turnier (noch sind Plätze frei) vom 16.-18.September.

Und damit - moin aus Bremen, und von der Küste! :-)

Kongress des Weltfernschachbundes ICCF in Bremen
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Ein höchst seltenes Ereignis findet vom 14. – 20. August 2016 in Bremen statt: Nur alle 10 Jahre kommt der Kongress des Weltfernschachbundes ICCF nach Deutschland. Diesmal ist die Hansestadt der Veranstaltungsort, nach Dresden 2006 als zweite deutsche Metropole in diesem Jahrtausend! Der Ausrichter ist der Deutsche Fernschachbund e. V., der in diesem Jahr zugleich sein 70jähriges Bestehen feiert.

Auf dem Kongress des ICCF werden die Belange des Weltfernschachs diskutiert und entschieden. Es werden über 100 Spitzenfunktionäre des Weltfernschachs erwartet. Der Austragungsort ist das Radisson Blu in der Bremer Böttcherstraße. .

Einen besonderen Höhepunkt bildet der Montagmorgen ab 9:30 Uhr: Vor der feierlichen Eröffnung durch ICCF Präsident Eric Ruch wird es eine Ansprache durch Herbert Bastian, den Präsidenten des Deutschen Schachbundes e. V. sowie ein Grußwort durch den Präsidenten des Deutschen Fernschachbundes e. V., Dr. Uwe Staroske, geben.

Direkt im Anschluss findet die Titelverleihungszeremonie statt. Auch hier besteht für den Deutschen Fernschachbund e. V. ein besonderer Grund zu r Freude: Unter anderem nimmt das siegreiche Team der 18. Fernschacholympiade (Mannschaftsweltmeisterschaft) in der Besetzung P. Hertel, Dr. M. Kribben, M. Voss, A. Nickel, Dr. H.-D. Wunderlich und R. Moll seine Auszeichnungen entgegen, Uwe Nogga wird als Gewinner des XVI Weltpokals ausgezeichnet und mit Matthias Gleichmann wird ein neuer Fernschach-Großmeister geehrt.

Ab dem Beginn der Veranstaltung wird fortlaufend auf der Website des Deutschen Fernschachbundes e. V. über die Ergebnisse berichtet (www.bdf-fernschachbund.de).

Der Ösi an sich ist ein lässiger Typ
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Zu Ehren des immer kreativen Schreibers (beachte: „Schreiberling“ ist ein bei einigen Lesern negativ besetzter Begriff, daher heute mal ein anderer Begriff) Olaf S. aus dem sehr niedrig gelegenen B. wurde der nachfolgende Beitrag im Frage- und Antwort-Stil verfasst:

 

Um welches Turnier geht es?

Das nach der Traditionsuhrenmarke benannte Jacques Lemans Open ging im südösterreichischen St. Veit an der Glan bei Klagenfurt in Kärnten vom 9.-16.7.2016 in seine 35. Jubiläumsausgabe (www.stveitopen.at). Es wurde quasi in 3 Gruppen gespielt: Offen, bis Rating 2000 und jünger als Jahrgang 2001 und gleichzeitig unter Rating 1600.

 

Was gab es für Preise?

Wenig überraschend war Jacques Lemans auch Hauptsponsor und spendierte zahlreiche Uhren für verschiedenste Gewinner. Es gab neben sehr ordentlichem Preisgeld für die ersten 8 Spieler des A-Turniers (1200 Euro + eine JL Uhr für ca. 500 Euro für den Gewinner des A-Turniers) auch 6 Sonderwertungen für Senioren, Damen und bestimmte Ratings. Auch im B-Turnier wurden üppig Preise ausgeschüttet, beim Jugend-Open gab es zahlreiche Sachpreise. Für ein Startgeld von 50 Euro geradezu exzellent. Dazu gab es noch eine Teamwertung für Vierer-Teams.

 

Sonst noch Goodies, Hauser?

Ja, Kienzle: Am ersten Samstag gab es anlässlich der einzigen Doppelrunde des Turniers am Nachmittag ein Gratis-Grillen für alle Spieler. Außerdem gabs vergünstigte Hotelpreise im Blumenhotel nebenan (Preis-Leistung war sehr gut, nur die Internetverbindung war noch verbesserungswürdig), Rabatte für die städtischen Hallen- und Freibäder und eine Verlosung von 10 nicht gerade billig zu nennenden Preisen unter denjenigen Teilnehmern, die eine Woche vor Beginn schon das Startgeld überwiesen hatten.

 

Wie war der Spielort?

Angenehm: Große Kongresshalle, gut (!) klimatisiert. Trotz über 230 Teilnehmern, darunter 12 % weiblich und zahlreichen kleinen Kindern (Jugend-Open) erstaunlich leise. Der Ösi weiß sich augenscheinlich bei Schachturnieren zu benehmen. Saubere Toiletten, so weit das bei Schachturnieren mit so vielen Spielern möglich ist, gute und günstige Verpflegung und Analysebretter direkt nebenan und ein Schachhändler, der neue und alte Lektüre im Angebot hatte. Platz am Brett und zwischen den Brettern gab es auch genug.

 

Hatten die Schiedsrichter Eier oder waren es Nieten?

Mir ist nur ein einziger Streitfall bekannt: Ein Spieler hat versehentlich einen illegalen Zug gemacht, als beide Seiten noch eine Menge Zeit hatten, der andere Spieler protestierte und meinte, er hätte analog Blitzregeln gewonnen. Der Schiri klärte gelassen auf, verwies auf die Zeitgutschrift und fertig war die Sache. Sehr souverän!

 

Wann wurde gespielt?

Immer abends um 19 Uhr, nur die zweite (Doppelrunde Samstag) und die letzte Runde wurden um 10 Uhr gespielt. Für mich war das zu spät am Abend und einer der Gründe, weshalb ich ab 22 Uhr anfing, meine guten Stellungen wegzuwerfen. Nachteulen dürften sich gefreut haben.

 

Wo war die Krennwurzn, als ich sie brauchte?

Nachdem ich die über 800 km Anreise hinter mich gebracht hatte, rechnete ich fest damit, dass die Krennwurzn auch mitspielen würde, immerhin war es ein großes Turnier und dann auch noch in Österreich. Zumindest ging ich davon aus, dass Krennwurzn mal vorbeischauen und sich persönlich offenbaren würde, wir schreiben ja hier schließlich kollegial zusammen.... Das absolut Mindeste hätte aber sein müssen, dass Krennwurzn den Turnierverlauf verfolgt, sieht, dass ich das lausigste Turnier seit vielen Jahren spiele, sich auf den Weg nach St. Veit macht und mit mir gemeinsam eine Sauftour des Vergessens startet, schließlich hat er Heimvorteil. Ich hätte auch die Zeche gezahlt. Aber nein, er blieb einfach weg. Eine Unverschämtheit und wenig gastfreundlich! Na ja, wahrscheinlich hab ich es so verdient....

 

Wo waren die stärksten Schach-Ösis?

Schachspieler Arnold Schwarzenegger kommt zwar aus dem nicht besonders weit entfernten Graz und spielt laut chess.com gegen Pirc den österreichischen Angriff, war aber ebenso wenig vor Ort wie Markus Ragger, der quasi nebenan aufgewachsen ist (sagte mir ein Österreicher). Auch der legendäre Aljechin-Versteher (über 80 % Quote, leider mit Weiß gegen Aljechin!!!) IM Ernst Weinzettl verzichtete auf einen Besuch und erschütterte damit meine Zuversicht, nach Jahrzehnten der vergeblichen Suche, endlich ein Autogramm von ihm auf einem Aljechin-Buch oder meinem Brett zusammen mit Gelfand, Romanishin und Korchnoi zu ergattern. Fehlanzeige! Der Boykott dieser österreichischen Schachgötter sollte den Veranstaltern zu denken geben und erinnert ebenso unweigerlich wie fatal an den Olympia-Boykott der nicht gedopten russischen Athleten bei den gestarteten Spielen in Rio. Trotzdem steht der Termin für das nächste Jahr bereits fest.

 

Sonst noch was?

Nö. Eigentlich war´s schön: Tolle Landschaft, super Weine und Bier-Europameister (die Hirter Brauerei ist ganz in der Nähe und macht völlig zu Recht prämiertes Bier), gutes Wetter, bis auf einen Sturm, der innerhalb einer halben Stunde ein ganzes Dach abdeckte und damit einige Autos der Teilnehmer demolierte, nette Leute. Ach ja: Wer die Kontaktdaten von IM Ernst Weinzettl kennt und mir zuleitet, muss im Erfolgsfall (siehe oben) mit einer Belohnung oder Lobpreisung rechnen!