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Bald ist es soweit!
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20. Dezember 2016

Frohe Weihnachten auch!

Das Jahr geht zu Ende, wir haben viel erlebt und einen neuen Weltmeister. Nun ist ein ganz klein bisschen Pause, denn Weihnachten steht vor der Tür und die Hoffnung auf schöne, stillere und weniger hektische Tage. Nach dem schlimmen Terror-Anschlag in Berlin will man nicht mehr so ganz unbeschwert an Weihnachten denken - oder sollte man es jetzt erst recht? Vorbei ist zumindest das unbeschwerte Leben, wenn es so etwas überhaupt jemals gegeben hat, hier nicht, und in der übrigen Welt ohnehin nicht.

Trotz aller finsteren Wolken - wir wünschen allen Leserinnen und Lesern, Freunden, Schach-Liebhabern, Großmeistern, Präsidenten, Nachwuchskräften, Sekundanten, Kommentatoren, Erdnussfans, Zockern, Funktionären, Jugendbrettern, Hoffenden, Blitzschachkünstlerinnen, Bundesligisten, Schachreisenden, Bio-Weinliebhabern und Weltenrettern alles Gute für 2017, und davor noch frohe Weihnachten.

Lasst es Euch gutgehen, und denkt auch an die Anderen, Menschen und Tiere. Wir sehen uns bald wieder und spielen schöne Partien im nächsten Jahr. Bis dann!

 

PS Wer zum Jahreswechsel der Redaktion noch etwas Gutes tun möchte, kann unser Herz natürlich stets erfreuen mit einer schönen Lieferung von Schachbrettkeksen. Wir lieben sie! Und keine Ausreden, liebe Leserinnen und Leser - diese Kekse kann jeder selber machen, auch als Schachspieler, schaut's hier einfach darein (aber Vorsicht, Dialekt):

 

Das d6-Repertoire oder die Renovierung des Boleslavsky-Walls
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Eine Rezension des Buches von Jörg Hickl und Erik Zude von GM Dr Karsten Müller

Gleich vorweg möchte ich auf die Rezension von Martin Rieger verweisen, der den Inhalt des Buches gut umreißt und einordnet. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es gegen Philidoraufbauten nicht leicht ist, durchzukommen. Gegen Sizilianisch und andere 1...e5 Systeme hatte ich ein scharfes Repertoire, aber an Aufstellungen wie die Autoren sie empfehlen, habe ich mir oft die Zähne ausgebissen. Weiterhin finde ich es sehr erstaunlich, wie universell das schwarze Grundkonzept mit ...d6,...Sf6, ...e5, ...Le7,...c6 und wenn möglich ...b5 ist. Selbst gegen das Königsgambit geben die Autoren ein Repertoire auf dieser Grundlage. Weiterhin ist der Aufbau keineswegs rein passiv und abwartend. Vielmehr kommt es darauf an, ein gutes Gespür für die dynamischen Konter wie ...d5–d5, ...c6–c5, ...b7–b5 und manchmal sogar ...Sf6xe4 oder ...Sf6xg4 unter Opfer zu bekommen. Wenn sie gehen, dann steht Schwarz nicht selten bereits besser,  und das kann an Kleinigkeiten hängen, für welche die Schwarzspieler natürlich ein besseres Gespür haben. Außerdem muss man natürlich nicht das gesamte Repertoire spielen. Schon der Philidor- Antoshinteil oder der Altindischteil alleine sind einen Kauf allemal wert. Positiv ist auch, dass beide Autoren es selbst spielen, was sich auch bei der Partieauswahl zeigt. Ich möchte dazu auf zwei Punkte noch gesondert hinweisen:

Laustsen,Lars (2098) - Zude,Erik (2398) [A55]
Politiken Cup 37th Helsingor (3), 26.07.2015

1.d4 d6 2.Sf3 Sf6 3.c4 Sbd7 4.g3 e5 5.Lg2 Le7 6.Sc3 0–0 7.0–0 c6 8.e4 a6 9.a4 a5 10.h3 Te8 11.Le3 exd4 12.Sxd4 Sc5

12sc5

Das ist Avrukhs Empfehlung gegen Altindisch aus seiner Grandmaster Präparation Series. Die Bauer c6 und d6 gegen e4 und c4 bilden nach Hans Kmoch den Boleslavsky Wall. d6 ist dabei oft weniger schwach als es zunächst den Anschein hat.]

13.Te1 [Gegen Avrukhs 13.Dc2 geben Hickl/Zude 13...Db6 an, was Avrukh nicht betrachtet: 14.f4 Lf8 15.Tad1

15Tad1

und nun möchte ich betonen, dass der Vorschlag 15...Sfd7! besonders wichtig ist, zum Beispiel (15...g6? 16.f5! läuft in einen Angriff.) 16.Sf5 (16.b3 g6 17.f5 Se5 18.g4 Ld7 unklar.) 16...Dc7

16dc7

und nun neu 17.g4!? wogegen ich vorschlage (17.Tf2 g6 18.Sd4 Db6 unklar ist die Variante von Hickl/Zude.) 17...Sb6 18.Lxc5 (18.b3 Lxf5 19.gxf5 Sbd7=) 18...dxc5 19.Se3 g5 20.fxg5 Lg7 und Schwarz hat Kompensation für den Bauern.]

13...Lf8 14.Dc2 Db6 15.Te2 g6 16.Tf1 Lg7 17.Td1 Sfd7 18.f4?! [Weiß lässt sich provozieren, was sehr oft vorkommt.]

18...Sf6 19.Lf2 Db4 20.Lf1 h5 21.e5?! [Das geht dann doch zu weit.]

21...dxe5 22.fxe5 Sh7 [und Schwarz steht bereits etwas besser und gewann später:]

23.Tde1 Sg5 24.Kh2 Sce6 25.Lg2 Sxd4 26.Lxd4 Lxh3 27.Se4 Lf5 28.Lc3 Dxc4 29.Sd6 Lxc2 30.Sxc4 Ld3 31.Sd6 Lxe2 32.Sxe8 Txe8 33.Txe2 Td8 34.Lxa5 Td4 35.Ld2 Se6 36.b4 Lf8 37.b5 Txa4 38.bxc6 bxc6 39.Lxc6 Ta2 40.Tf2 Lc5 41.Tg2 Ld4 42.Lf4 Ta5 43.Te2 g5 44.Ld2 Ta2 45.Ld5 Tb2 46.Tg2 g4 47.Lf4 Tb5 0–1

 

Gavrikov,Viktor (2559) - Hickl,Joerg (2608) [A55]
SUI-chT Switzerland (3.1), 30.04.2006

Eine weitere wichtige Neuerung findet sich in folgender Variante:

1.Sf3 d6 2.d4 Sf6 3.c4 Sbd7 4.Sc3 c6 5.e4 e5 6.Le2 Le7 7.0–0 0–0 8.Le3 a6 9.d5 cxd5 10.cxd5 Sg4 11.Ld2 b5 12.b4 Sb6 13.a4 bxa4 14.Sxa4 f5 15.exf5 Lxf5 16.Sc3 Kh8 17.Ta5 [

17ta5

und nun statt der Partiefortsetzung 17...Lf6?! welche später doch zum Remis reichte nun Hickl lange entwickelte Neuerung

17...Sf6!N Der Computer gibt zwar wie so oft +/= an, aber in einer praktischen Partie sind natürlich alle 3 Ergebnisse möglich, denn auch Weiß hat Schwächen und seine Stellung ist schwierig zu spielen. Das zeigt, dass das Repertoire auch auf Großmeisterebene gespielt werden kann.Ich hätte mir noch einen Aufgabenteil gewünscht mit typischen taktischen und strategischen Motiven. Weiterhin wäre eine Kurzrepertoiredarstellung der Philidor Hanhamvariante nicht schlecht gewesen, damit man zum Endspiel 1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 e5 4.dxe5 dxe5 5.Dxd8+ Kxd8 und zur Antoshinauftstellung eine Alternative direkt zur Hand hat, welche dem Geist des Repertoires entspricht.

Das Fazit bleibt natürlich dennoch sehr positiv und auch Weißspieler können profitieren, wenn sie eine Waffe gegen diesen Philidor- bzw Altindisch brauchen.

224 Seiten, Softcover, 23,90 €, ISBN 978-3-9817134-2-8, Erscheinungsdatum: Oktober 2016, Schachreisen-Verlag, Bezugsquelle: im Buchhandel oder portofrei (D) direkt beim Verlag unter www.schachreisen.eu