SCHACHWELT

Der Schach-Blog

Dienstag,18 Juni 2013

Aktualisiert00:03:21 Wed

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Mittwoch, 28. September 2011 11:39

FIDE- Fischzug in ELO-Gewässern

Die FIDE bemüht sich schon seit Jahren erfolgreich um ein schlechtes Image. Einer ihrer Repräsentanten prügelte sich auf einem olympischen Turnier, und die Regeln für die WM-Kandidatenkämpfe werden oft sehr spontan geändert. Mittlerweile verliert man seine Partien, wenn man nicht rechtzeitig auf die Sekunde zum Spiel erscheint, und der Vorsitzende sitzt beim Schach mit Außerirdischen zusammen (oder so).

Auch jetzt ist der großen Mutter FIDE wieder ein Coup gelungen, der hohe Wellen schlägt in der Schachgemeinde. Der holländische Schachverband fühlt sich hintergangen und hat sogar schon einen lesenswerten offenen Brief mit vielen Details geschrieben, um scharf zu protestieren (Danke, Jörg, für den Link!).

Worum geht es? Wie Kevin Spraggett in seinem Blog berichtet, plant die FIDE eine strenge Gebührenordnung, die für die Inhaber von ELO-Zahlen eine jährliche Zahlung von 30€ vorsieht – wahrscheinlich für das Verwalten der Zahlen und das Auswerten der Turniere. Eine lebenslange Lizenz würde 500,-€ kosten, für den allerersten Eintrag in die ELO-Listen soll dagegen eine Art Lizenzgebühr von 10,-€ fällig werden.
Veranstalter, die Spieler ohne eine solche ELO-Lizenz antreten lassen, würden dafür von der FIDE geächtet werden und müssten 50,-€ Ablass zahlen - für jeden einzelnen Spieler.

Man tut der FIDE vermutlich Unrecht, wenn man meint, sie würde das alles nur tun, um Geld in ihre Kassen zu spülen. Obwohl: was spricht schon dagegen? Irgendwie muss jeder ja sehen, wo er bleibt – auch die FIDE.

Wir verstehen das und sind darum sehr angetan von dem Vorschlag. Auch wollen wir der FIDE gerne helfen, weiteres Geld in ihre Kassen zu füllen. 

Wir regen daher die folgenden drei Dinge an - alles für die große Sache!

1) Schon Weltmeister und Wunderkind Capablanca wusste, dass das Schachspiel vom Remistod bedroht ist. Wir alle sollten aber ein Interesse daran haben, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. FIDE, wie wäre es daher mit einer kleinen Gebühr für Remisangebote? Wenn jedes Remisangebot die Spieler 2,-€ kostet, wäre diese Gefahr schnell gebannt. Geht die Partie am Ende tatsächlich unentschieden aus, könnten 3,50€ fällig werden – und sogar 4,10 €, wenn das schon vor dem 12.Zug passiert. Die Zuschauer würden spannende Kämpfe sehen, das Fernsehen käme endlich vorbei, alles wäre gut. Das sollte es uns wert sein.

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Hier ist Remis extrem unwahrscheinlich - Schachspieler im Budapester Széchenyi-Bad (Quelle: Wikicommons)

2) Langweilige Eröffnungen könnten schon bald der Vergangenheit angehören, wenn eine geschickte Gebührenordnung endlich  die richtigen Signale senden würde. "Globalsteuerung" hieß so etwas glaube ich in den Sechziger und Siebziger Jahren bei Helmut Schmidt. FIDE, was spricht zum Beispiel dagegen, den Gebrauch der Englischen Eröffnung 1.c2-c4 mit einer Sonderabgabe zu belegen? Die Welt würde ein wenig besser werden, und es bleiben ja immer noch genügend andere erste Züge übrig, die man kostenfrei spielen könnte. Auch andere eher langweilige Eröffnungen könnte die FIDE durch eine leichte Aufpreis verteuern und dadurch unattraktiver machen:

- The Berlin Wall in der Spanischen Eröffnung – niemand würde dieses Abspiel ernsthaft vermissen, oder? (Bei diesem Vorschlag könnte die FIDE auch auf die Unterstützung von Garri Kasparow hoffen, der gegen die Berliner Verteidigung und Wladimir Kramnik einst seinen Weltmeistertitel verlor.)

- Französisch Abtausch – jedesmal 3,-€, wenn 3.e4xd5 gespielt wird

- Slawisch – das ist zwar nicht wirklich langweilig, aber irgendwie schwer zu verstehen. Ich wäre dafür, dass diese Eröffnung weniger gespielt wird. Über den Preis kann man das sicher erreichen – fünf Euro für jedes Mal 2….. c7-c6 sprechen eine deutliche Sprache


3) Besonders lange Partien, sogenannte Seeschlangen, nehmen viel Speicherplatz in Anspruch, wenn man sie in die Datenbanken einpflegt. Auch braucht es länger, bis alle Züge erfasst sind – die Schiedsrichter, die in Dortmund die Partie Meier - Nakamura (150 Züge!) eingaben, können ein Lied davon singen. (Oft kann man noch nicht mal genau erkennen, was mit der Notation überhaupt gemeint gewesen sein soll - manche Spieler kritzeln einfach nur irgendetwas hin, damit die Zeile gefüllt wird). Damit könnte schnell Schluss sein – denn vieles spricht dafür, Partien von über 80 Zügen Länge mit einem gediegenen XXL-Aufschlag von 5,-€ zu belegen. Wer mehr spielt, soll schließlich auch mehr zahlen. Nach 80 Zügen werden die meisten Zuschauer sowieso schon nach Hause gegangen sein – da kann man mit dem Spielen eigentlich auch gleich aufhören. Oder aber – man zahlt 5,-€ extra. XXL eben.

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Die "Große Seeschlange" nach Hans Egede und Georg Meier (Illustration von 1734) (Quelle: Wikicommons)


Der Einzug all dieser Gebühren könnte sicher unkompliziert per Bankeinzug nach Kalmückien geregelt werden. Alternativ werden die Turnier-Schiedsrichter vor Ort sicher gerne behilflich sein bei der Abrechnung der einzelnen Partien. Wechselgeld ist mitzubringen.

Man sieht: unser Sport ist noch lange nicht am Ende. Es gibt immer wieder neue Möglichkeiten, und wir sollten uns freuen, das die FIDE zumindest das erkannt hat.

Oder ist das neue Gebührenprojekt gar nicht so unberechtigt? Auch bislang schon mussten die Spieler zahlen, wenn der Weltverband ihnen den Titel eines Großmeisters, Internationalen Meisters oder FIDE-Meisters verliehen hat. Billig war auch das nicht, doch es wurde akzeptiert.
Auch die Auswertungen für die Deutsche Wertungszahl sind für uns Spieler vollkommen kostenlos, obwohl für die ehrenamtlichen Helfer des Deutschen Schachbundes eine gewaltige Menge an Arbeit und Verwaltung dahintersteckt. Wäre es angemessen, hier eine Art Gebühr zu verlangen?

Wir sind also schon wieder bei der alten Frage: was ist uns unser Sport wert?!

Ob das neue, innovative, begrüßenswerte, lang ersehnte und irgendwie schöne ELO-Gebührenprojekt wirklich Wirklichkeit wird, wird sich zeigen. Im Oktober hält die FIDE in Krakau Hof – wir sind schon jetzt gespannt, wie die nationalen Schachverbände sich zu dem Vorschlag äußern werden.

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Ein Rätsel zum Schluss: Sergej Karjakin spielte beim Weltcup von Khanty Mansiysk die Berliner Verteidigung im Spanier – zum Glück für ihn war das für ihn noch kostenlos, denn die Gebühr für langweilige Eröffnungen muss erst noch beschlossen werden.

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Judit Polgár als Weiße am Zug hatte aber auch so schon eine schöne Idee, um etwas Leben in die Bude zu bringen. Was war ihr 20.Zug, mit dem sie in großen Vorteil kam?

Sonntag, 25. September 2011 01:57

Wie man auch im Schach Sponsoren neugierig macht

Jahrelang musste ich mir anhören: "Ja aber, das mit den Sponsoren - das haben wir doch schon so oft versucht, das hat doch noch nie funktioniert". Was beim Deutschen Schachbund so ganz genau "nicht funktioniert" hat, das waren etwa nicht die Sponsoren oder das Sponsoring im Schach unmöglich ist, sondern die Art und Weise wie man das Projekt anging. Vor allem muss man mal eins verstanden haben, bevor man anfängt: Man muss dem Sponsor auch was bieten können. sfk-sw4

Selbst Robert K. von Weizsäcker, der zumindest als selbständig nachdenkender Mensch gilt, bilanzierte nach seiner Amtszeit, er habe ja alles versucht und mit vielen potentiellen Geldgebern gesprochen. Aber um mit Schach zu werben, dafür brauche es den Deutschen Schachbund ja nicht. Das ist nur bedingt richtig, denn der Schachbund leistet ja eine ganze Menge. Die Frage ist nur: Wie vermittle ich das?

Zunächst mache ich mich mal nicht ganz so klein und schreibe auf, was ich alles leisten kann. Dann knüpfe ich Kontakte zu Leuten die wissen, worüber sie reden oder zumindest als solche gelten und lasse mir das von außen bewerten. Damit gehe ich dann zu Steinbrück oder wer sich sonst noch für prominent politisch hält und lasse ihn das unterzeichnen (wieso war eigentlich nie jemand bei Helmut, wenn er mit Loki spielte?).

Solchermaßen bewaffnet suche ich mir ein allgemein positiv besetztes Thema (Kinderförderung geht immer), verknüpfe es mit einem mir nützlichen und schachlichen Aspekt und werbe für die Umsetzung bei Geldgebern, die sich mit dem Projekt (nicht unbedingt mit dem Spiel selbst) identifizieren können und damit ihren Bekanntheitsgrad erhöhen. Damit wiederum erzeuge ich eine ordentliche Pressearbeit und mache weiter Geldgeber auf mich aufmerksam. Und vor allem lasse ich diejenigen in ihren Ämtern, die sich solch eine Mammutaufgabe noch freiwillig aufbürden wollen, einfach mal in Ruhe arbeiten und versuche nicht ständig aus Eitelkeit meinen eigenen Stempel aufzudrücken. 

sfk-sw1Projektname: "Schach für Kids". Projektstarter: Ralf Schreiber, der vorige Referent für Breitenschach. Begonnen im Kreis Hattingen, ausgeweitet auf den ganzen Ennepe-Ruhr-Kreis in 157 Kindergärten und demnächst in vierstelliger Anzahl in Kindertagesstätten (gleich zehntausende Kinder) präsent. Die Initiative wird in drei namhaften Städten stadtweit umgesetzt - die Namen der drei Städte werden erst nach gemeinsamer Pressemitteilung mit dem Hauptsponsor bekannt gegeben. Was sich zunächst wie Beschäftigungstherapie für Schachlehrer mit Geduld und Zeit liest, ist beim zweiten Hinsehen eine erfolgreiche Initiative nach genau oben beschriebenem Muster. "Tue gutes und rede darüber" muss entsprechend vorbereitet sein, damit es Erfolg hat. SFK, wie sich die Methode abkürzt, war nun beim Weltkindertag im Landtag Nordrhein-Westfalens. Kein weltumfassender Schritt, aber einer der vielen kleinen kontinuierlicher Arbeit, die letztendlich eine Reihe von Unterstützern fand. Und es geht ja noch weiter.

Aber womit sollte der Deutsche Schachbund die Wünsche potentieller Sponsoren umsetzen? Wäre denn überhaupt ein Back-Office da, das sich um die Durchsetzung der getroffenen Vereinbarungen kümmert? Wäre der DSB seinen Mitgliedern, den Mitgliedsverbänden gegenüber überhaupt weisungsbefugt? Die Antwortenn lauten: Keine Ahnung, Nein und Sehr bedingt. Und sie kommen übrigens nicht von mir. Verwundert da die Aussage des Ex-Präsidenten?

http://www.schach-fuer-kids.de/ 

Mittwoch, 21. September 2011 13:42

Nominierungsroulette zur EM - Der Fall Khenkin

Gerade ein paar Tage ist es her, dass wir vom Comeback der alten Nationalmannschaft und der Hoffnung auf ein Ende der Querelen berichteten und schon verdunkelt sich der Himmel erneut. Betroffen ist diesmal der etwas undankbare fünfte Platz. Die Nominierung Rainer Buhmanns, mit Elo 2606 die Nr. 8 der deutschen Rangliste, löste bei vielen Lesern Verwunderung aus. Rangierte doch unter Anderem der amtierende Deutsche Meister, Igor Khenkin, deutlich vor ihm.

Darüber ob Ballack oder Lahm der bessere Fußballspieler ist, lässt sich trefflich streiten, im Schach hingegen gibt es eine klare Leistungseinschätzung über die Elozahl. Nur selten basieren Mannschaftsaufstellungen auf anderen Kriterien. Warum wich der Bundestrainer von dieser klaren Vorgehensweise ab? Wir machten uns auf die Suche und trafen dabei auf ratlose und enttäuschte Spieler:

Deutschlands Nummer 5 (Elo 2628), Alexander Graf:

Es ist schon 4 Jahre her, dass ich aus dem Team gestrichen wurde. Der Grund wurde mir nicht mitgeteilt. Wegen des Alters vermute ich. Seitdem hatte ich keinen Kontakt mit dem DSB.“

 

seminar-Banner-anz300Igor Khenkins Ratlosigkeit

Damit ist für Graf das Thema Nationalmannschaft wohl passé. Nicht jedoch für den amtierenden Deutschen Meister, Igor Khenkin (2624). Von ihm erreichte uns folgende Stellungnahme:

 

"Letztlich ist Uwe Bönsch natürlich der Bundestrainer und hat das Recht und die Pflicht die Mannschaftsmeldung für die EM zu machen. Aber wie Viele, frage ich mich natürlich auch, nach welchen Kriterien denn die Mannschaft aufgestellt wird ? Die ersten Vier werden wohl nach ELO-Zahl aufgestellt, der fünfte Teilnehmer aber nicht. Sowohl Alexander Graf wie auch ich haben doch eine erheblich bessere Zahl. Nicht einmal der Deutsche Meistertitel war hier ausschlaggebend, auch danach habe ich weiter sehr erfolgreich gespielt und meine ELO-Zahl weiter verbessert. Aktuell habe ich die gleiche ELO-Zahl wie Jan Gustafsson (ELO 2631).

Letztlich mag es noch neben der ELO-Zahl andere Kriterien geben, warum aber nur für den fünften und nicht für alle. Welche Kriterien sind es denn überhaupt?

Hierzu schrieb mir Uwe Bönsch nichtssagend:

"Heute wurden die Mannschaften für die Europameisterschaft nominiert. Leider muss ich dir mitteilen, dass du in der aktuellen Aufstellung nicht berücksichtigt wurdest. Verschiedene Faktoren haben bei der Wahl der Spieler eine Rolle gespielt. Am Ende fiel die Entscheidung jedoch auf Grund des Gesamtpakets."

Welche Faktoren, was für ein Gesamtpaket? - das sind leere Worthülsen. Da ich nicht weiß, warum man mich nicht berücksichtigt, fühle ich mich schlecht behandelt und bin sehr enttäuscht. Es ist eben besonders schmerzhaft, wenn man durch so einen Willkürakt - der nicht sinnvoll begründet wird – daran gehindert wird für sein Land zu spielen. Daher appelliere ich noch einmal an Uwe Bönsch und die Verantwortlichen vom DSB, mir doch irgendwie objektive Gründe für meine Nichtberücksichtigung mitzuteilen."

Igor Khenkin

Nun stellt sich die Frage, ob persönliche oder triftige interne Gründe für die Entscheidung vorliegen. Doch auch dann sollten diese zumindest den Betroffenen, unter Umständen auch der Öffentlichkeit, mitgeteilt werden und natürlich nicht in Form einer unpersönlichen e-Mail.

Khenkins Weg über unseren Blog wirkt wie das letzte Mittel und offenbart, dass die interne Kommunikation nicht funktioniert. Bei unbeteiligten Beobachtern kann schnell der Eindruck entstehen, es gäbe kein Miteinander und Funktionäre die selbstherrlich die Ohnmacht der einzelnen Spieler ausnutzen.

bannersr400anzVon einem der bestbezahlten Funktionäre des deutschen Schachs erwarte ich eine deutlich andere und intensivere Art der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Die Hauptaufgabe eines Bundestrainers liegt dabei in der Führung einer Nationalmannschaft, ihr sich gegebenenfalls unterzuordnen, eben alles für guten Teamgeist und bestmögliches Abschneiden zu tun. Schachliche Unterstützung hingegen kann er auf diesem Niveau kaum noch bieten, aber das muss er auch nicht.

Solange sich Erfolge einstellen, kann man über vieles hinwegsehen. Allerdings fällt mir auf Anhieb keine Veranstaltung innerhalb der letzten 10 Jahre ein, in der eine deutsche Mannschaft über den Setzlistenplatz hinauskam.

Es liegt vieles im Argen!

 

Dienstag, 20. September 2011 23:05

Schnellen Schrittes in Wildeshausen

Es muss ja immer weitergehen, auch in der Welt des Schachs. Das dachten sich auch einige Spieler des SK Wildeshausen und brachten mit Quickstep eine spannende Neuerung im Bereich der Turnierformate auf den Markt.

Das Quickstep-Schachturnier!

Der Quickstep ist nicht nur ein flotter Tanz, sondern auch eine neue Turnierform, die hier im Nordwesten des Landes für eine gewisse Furore sorgt. Manche mögen schon davon gehört haben. Es ist in der Tat eine plietsche Idee, und ich glaube, es waren Christian Bien, Dirk Rütemann und einige andere Spieler aus dem Schachklub Wildeshausen, die sie als Erste in eine tolle neue Turnierform gegossen haben:

http://www.quickstep-chess.de/start.php3

Beim Quickstep spielt man drei etwas flottere Turnierpartien an einem Tag, und jede dieser Partien dauert nicht länger als 3 Stunden. Für jede Partie hat man 1 Stunde Bedenkzeit, um die ersten 30 Züge gepflegt über die Bühne zu bekommen, und den Rest muss man dann in weiteren 30 Minuten absolvieren. Weil man gleich drei solcher Partien an einem Tag spielt, ist eine gewisse zeitliche Anspannung ein ständiger Begleiter. Wir erleben einen weiteren strengen Schritt in Richtung Beschleunigung des Schachlebens. So weit, so gut, gerade auch für den modernen „Wenigzeitinhaber“ (Turnierhomepage).

Quickstep-Turniere sind aber weit mehr als nur eine weitere Umformung und Verkürzung der Bedenkzeit. Raffiniert werden diese Ein-Tages-Turniere vor allem auch durch die Art der Auslosung. Man meldet sich zum Turnier und gibt seine Wertungszahl an. Das kennt man auch von anderen Turnieren, doch hier – Überraschung! – ist es erlaubt, die eigene Zahl um bis zu 100 Punkten nach oben oder unten zu verändern.
Zu Beginn des Turniers wird dann aus den Wertungszahlen dann die Rangliste der Teilnehmer aufgestellt – auch so etwas kennen wir schon von anderen Turnieren. Nun aber wird aus den ersten vier Spielern der Liste eine Gruppe gebildet – und nur diese vier spielen nun ein Art Mini-Rundenturnier. Dasselbe geschieht mit den Spielern mit der Ranglistennummer 5 – 8 – auch hier entsteht eine Gruppe, die ein charmantes kleines Rundenturnier austrägt. Und so geht es weiter mit allen Spielern des Teilnehmerfeldes.

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Seit jeher auch bei Großmeistern sehr beliebt - das Rundenturnier (Quelle: Wikicommons)

Der Charme dieser Turnierform besteht darin, dass alle Teilnehmer an nur einem Tag drei Gegner bekommen, die ungefähr eine ähnliche Wertungszahl haben wie sie selbst. Die Gewinner jeder Gruppe bekommen einen Preis – ungefähr 75% des Startgeldes, das in ihrer Vierer-Gruppe bezahlt worden ist. Man wird also nicht wirklich reich beim Quickstep – aber hat drei starke Gegner, und das ist prima.

Anders als beim Schweizer System fällt man hier durch eine Niederlage nicht dramatisch zurück und trifft auf einen Gegner mit einer deutlich niedrigeren Wertungszahl (oder nach einem Gewinn auf einen Großmeister). Stattdessen spielt man sein kleines Rundenturnier und hat drei relativ gleich starke Gegner an einem Tag. Es kann sogar sein, dass man alle drei Partien an einem Tag verliert. Schön ist das dann nicht, aber – beim Quickstep ist das Turnier dann ja auch schon wieder vorbei, und man kann nach Hause fahren und seine Wunden lecken.

  Die Beschleunigung des Schachs setzt sich also fort - im Nordwesten des Landes geht der Trend (auch bei Jugendturnieren) zum Quickstep. Eine erstaunliche Bewegung, und eine spannende, unkomplizierte Ergänzung im Turnierkalender.
Auch wenn mir die knappe Bedenkzeit noch einige Sorgen macht – ich bin mal gespannt, wie mein erstes Quickstep-Turnier am Wochenende laufen wird. Wenn Turnierschach wirklich das beste Training ist, hilft mir vielleicht ein Tag in Wildeshausen.

Ein Problem allerdings bleibt - weil man drei Partien spielt, geht es schon um 9 Uhr morgens los. Ja, das ist früh, aber in solchen Fällen orientiert man sich dann gerne an einer alten Regel, die da lautet:  

Kaffee ist der beste Freund des Schachspielers

Nun gut, das stimmt natürlich nur bedingt. Der beste Freund des Schachspielers ist immer noch der volle Punkt, ist die Gewinnpartie, das Matt am Ende eines Mannschaftskampfes! Nichts anderes ist es, wonach uns dürstet. Kaffee allerdings, und hier stimmen wir den Spökenkiekern zu, Kaffee hilft uns dabei, die milde Irritation über einen viel zu früh begonnenen Sonntagmorgen beim Schach zu überstehen und langsam durch die Zugabe von reichlich Milch und etwas Zucker wieder in die Gänge zu kommen.
Ohne Kaffee ist alles nichts? Wir sagen es nicht gern, aber – so ist es. (Manche versuchten es schon mit Apfelsaft, aber die spielten dann auch 1.c2-c4.)

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Sieht doch nett aus, so eine kleine Tasse Kaffee (Photo: Julius Schorzman, Wikicommons)
Die Zeiten ändern sich

Warum aber überhaupt spielt man gleich drei Turnierpartien an einem einzigen Tag? Auf so eine Idee wäre früher niemand gekommen, doch früher war ja auch alles anders. Das Leben ist allgemein schneller geworden, und nicht immer bleibt viel Zeit für wirklich genussvolle, richtig lange Turnierpartien. Ulrich Schnabel hat in seinem Buch „Muße – vom Glück des Nichtstuns“ sehr schön beschrieben, wie das moderne Leben den Menschen durch einen intensiven Alltag treibt – wenn man nicht aufpasst, lauern überall Termine, Ansprüche, Handyklingeln, der Abwasch und eine diffuse Forderung nach ständiger Erreichbarkeit.

Das Tempo hat sich erhöht, und das Schachspiel als Abbild der modernen Gesellschaft ist diesem Trend gefolgt:

- Noch im Jahre 1834 lief der Wettkampf zwischen dem Franzosen La Bourdonnais und dem irischen Meister MacDonnell über 85 (in Worten, und bitte nicht erschrecken: fünfundachtzig) Partien. Das Match wurde von La Bourdonnais mit 45:27 gewonnen (bei 13 Remisen). Deutlich schneller ging es bereits in späteren Jahrzehnten zu. Dort endeten die Wettkämpfe zwischen Lasker und Tarrasch 1908 und zwischen Lasker und Schlechter 1910 schon nach knapp bemessenen 16 bzw.10 Partien.

- Anfang des 19.Jahrhunderts gab es auf Schachturnieren keine Uhren, und die Spieler konnten überlegen, bis der Arzt oder die Reinigungskräfte kamen. Martin Beheim-Schwarzbach beschreibt in Knaurs Schachbuch die Szenerie beim Wettkampf zwischen La Bourdonnais und MacDonnell:

Es kam vor, dass MacDonnell anderthalb Stunden und sogar noch mehr über einen einzigen Zug nachdachte. Er saß immer mit den Beinen auf der einen Seite des Stuhls und war so völlig in das Spiel vertieft, als ob das Schicksal seiner Seele davon abhinge [womit er ja vielleicht auch ganz richtig lag, O.St.].
[…] Manchmal verlor La Bourdonnais über die endlosen Grübeleien seines Gegners die Geduld und bezeugte sein Mißfallen durch allerhand sehr deutliche Gebärden, die sich in extremen Fällen bis zu offenem Schelten steigerten. Da weder La Bourdonnais ein Wort Englisch noch MacDonnell ein Wort Französisch sprach, hatten die beiden keinerlei Gespräch miteinander.
Das Wörtchen „Schach!“ war so ziemlich die einzige Silbe, die je zwischen ihnen gewechselt wurde.“

Was soll man dazu sagen? Gens una sumus!

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Louis de la Bourdonnais, heimlicher Weltmeister 1834 (Quelle: Wikicommons)

Man merkt, dass sich die Atmosphäre bei Schachwettbewerben mittlerweile doch um Einiges geändert hat:

Wie Mr Walker, der Gefährte MacDonnells, beschreibt, pflegte La Bourdonnais, wenn er nicht am Zuge war, und zumal, wenn er auf Gewinn stand, viel zu reden und zu lachen, während er laut saftige Flüche von sich gab, wenn es nicht nach seinem Geschmack ging. Ein anderer Beobachter schilderte, wie der Franzose sich ergiebig mit den Zuschauern meistens über Politik unterhielt und meist noch seine Züge machte, noch während er redete.
Gelegentlich flossen auch Witze und Schnurren wie eine Flut von seinen Lippen; die Meinungen gehen darüber auseinander, ob er es auch mit Gesang versuchte.

[…] MacDonnell selber scheint die Ergüsse seines Gegners mit einer Art grimmiger Resignation ertragen zu haben, war doch dieser Mann, so anstößig er sich auch benahm, der einzige auf der Welt, gegen den es sich lohnte zu spielen.“ (wenn das mal kein schönes Kompliment ist!) -

Irgendwann aber führte ein schlauer Kopf die Schachuhr ein, die Partien wurden kürzer und vorbei war es mit dem Nickerchen während des Spiels und dem zwanglosen Gespräch mit schönen Zuschauerinnen.

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Die Schachuhr, Quelle manchen Leidens (Quelle: bragcat/ wikicommons)

- Der Trend zur allgemeinen Verkürzung setzte sich fort: in den 1960er Jahren wurde das Fünf-Minuten-Blitzschach immer populärer, und man begann sogar damit, Deutsche Meisterschaften in dieser neuen, aber etwas hektischen Disziplin durchzuführen. Wie Bernd Feustel in seinem Blitzschachbrevier berichtet, hieß der erste Deutsche Meister im Jahr 1974 Karl-Heinz Podzielny - wer auch sonst hätte es sein sollen!?

- Auch danach sah man Beschleunigung allenthalben. So wurde die Schach-Weltmeisterschaft 1984 zwischen Kasparov und Karpov noch als lustige Open-End-WM ausgetragen, da die FIDE bei einer größeren Anzahl von Partien mehr Werbeblöcke an das amerikanische Fernsehen zu verkaufen hoffte. Weil diese Rechnung irgendwie nicht ganz aufging, wurde der Wettkampf nach 48 Partien beim Stand von 5:3 für Karpov abgebrochen. Schon die WM 1985 verlief beschleunigt und war nur noch auf äußerst knappe 24 Partien angesetzt.

- Die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts – wer erinnert sich noch? Man spielte Turnierpartien mit 50 Zügen in 2,5 Stunden, dann folgte eine halbstündige Analysepause. Im Anschluss spielte man eine weitere Stunde für je zwanzig Züge, und dann – nochmal 20 Züge in je einer Stunde. (Oder täusche ich mich? Neun Stunden Spielzeit für eine Partie, plus An-und Abreise – waren wir damals wirklich so hart? Wow.)
Heute dagegen hat man zum Beispiel in der Zweiten Bundesliga nur noch 150 Minuten für 60 Züge (90 Minuten für 40 Züge, 30 Minuten für 20 Züge, und pro Zug einen Aufschlag von 30 Sekunden). Ruckeldiekatz, das ist Beschleunigung pur.

- Um 1990 herum: die FIDE greift durch und schafft die Hängepartien ab, um das Spiel zu beschleunigen. Für unsere jüngeren Leser: bis dahin wurden die Partien nach dem 50.Zug unterbrochen und erst nach einer halbstündigen ---> Kaffeepause weitergespielt. Doch das war nun vorbei! Seitdem hatte man keine Möglichkeit mehr, Partien in einer oft sehr aufgeregten Analyse mit den anderen Spielern seiner Mannschaft zu analysieren, um die eigenen mauen Endspielkenntnisse zu kaschieren.

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Wir sehen – alles wurde immer schneller, und alles wurde auch immer eiliger, seit La Bourdonnais damals seinen Wettkampf gewann. Noch immer scheinen wir nicht am Ende dieser Entwicklung zu stehen. Irgendwie war die Zeit wohl schon wieder reif für eine weitere kleine Beschleunigung – und schon ersann die Evolution gemeinsam mit dem SK Wildeshausen das Quickstep-Turnier als gute Gelegenheit, an nur einem Tag eine ganze Reihe längerer Partien zu spielen. Der Erfolg dieses Turnierserie gibt der Idee Recht.

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Zum Schluss eine Verbeugung vor den alten Meistern und vor den Turnierpartien ohne den ganzen Bedenkzeitstress:

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MacDonnell - La Bourdonnais, 1834

In dieser umkämpften Stellung ließ der Franzose mit  ...

35......e4-e3

einen weiteren Bauern in Richtung Grundreihe eilen. MacDonnell wird hier vielleicht wieder zwei Stunden überlegt haben, bevor er sich schließlich zu

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entschied und drohte, mit 37.Tf1xe1 den schwarze Zauber erfolgreich zu beenden. Doch es sollte nichts mehr nützen - wie sicherte sich La Bourdonnais nun mit einiger Eleganz den vollen Punkt?

Montag, 19. September 2011 15:59

21 Jahre später

Iwantschuk ist schon soooo lange Weltklasse. Aber wenn es um viel geht, spielen ihm die Nerven oft böse mit. Richtig weit im Kampf um den WM-Titel hat er es nie gebracht. Fast nie. 2002 verlor er das Finale der FIDE-WM gegen den damals gerade 18jährigen Ponomarjow. Aber eine richtige WM war das ohne Kasparow und Kramnik eh nicht. Nun hat er, wieder gegen Ponomarjow, ein wichtiges Match gewonnen, das um Platz drei des Weltcups, der gerade noch zur Teilnahme am nächsten, bereits 2012 geplanten Kandidatenturnier berechtigt. 21 Jahre nach seinem Ausscheiden im Stechen des Kandidatenviertelfinals gegen Jussupow (der dabei die wahrscheinlich bisher beste Schnellpartie aller Zeiten spielte) ist Tschuki wieder WM-Kandidat. Um seine besten 21 Jahre älter. Aber im nächsten Kandidatenturnier gerade so alt wie Gelfand, als der es zum WM-Herausforderer gebracht hat.
 
An Swidlers verdientem Weltcupsieg gibt es nichts zu rütteln. Er hat reichlich mit Schwarz gewonnen, in Chanti-Mansisk auch einiges Material geopfert und seine gute Form, in der er vorigen Monat Russischer Meister wurde, bestätigt. Dass Swidler gut Freund mit zwei anderen Kandidaten, Kramnik und Grischtschuk ist, kann man ihm nicht vorwerfen, steht aber einer Reform zu einem Rundenturnier im Weg. Bleibt der FIDE also nur, die Kandidatenmatche zu verlängern, wenn es nicht wieder wie in Kasan laufen soll. Noch ein Wörtchen zu Grischtschuk. Als er in Kasan im Kandidatenturnier Zweiter wurde,verlor er Elopunkte, ich glaube drei. In Chanti-Mansisk nun schon wieder, diesmal acht. Aber dank Schnellschach hat er beide Male reichlich Preisgeld gesammelt. Sorry, dass ich seinen Zweitberuf Pokern erwähne. Auch da kommt es darauf an, aus den wenigen guten Blättern möglichst viel zu machen. Ich fände lieber sein Schach beeindruckend.
Donnerstag, 15. September 2011 01:41

Endlich wieder Nationalmannschaft

Es scheint wieder alles im Lot - Deutschland wird bei der Anfang November im griechischen Porto Carras stattfindenden Mannschaftseuropameisterschaft endlich wieder mit der nahezu stärksten Mannschaft antreten! Gestern nominierte Bundestrainer Uwe Bönsch die TOP 4 der Rangliste sowie Rainer Buhmann (Nr. 8):

GM Arkadij Naiditsch 2707
GM Daniel Fridman 2652
GM Georg Meier 2648
GM Jan Gustafsson 2631
GM Rainer Buhmann 2606

Dazu DSB-Präsident Herbert Bastian.

"Das Präsidium des Deutschen Schachbundes ist sehr erleichtert darüber, dass es dank der guten Vorarbeit der Kommission Leistungssport unter der Führung von Klaus Deventer gelungen ist, wieder unsere stärksten Spieler für die Nationalmannschaft zu berufen. Damit wird ein Schlussstrich unter die Querelen der Vergangenheit gezogen und der Blick gemeinsam nach vorne gerichtet"...

...Und an unsere Mitglieder in den Vereinen ist die Erwartung gerichtet, dass sie unsere Nationalspieler moralisch unterstützen, wenn diese auf der Europameisterschaft nicht zuletzt um die Wiederherstellung des guten Ansehens der Schachnation Deutschland spielen werden.

Money makes the world go round

Die finanzielle Situation konnte mithilfe eines neuen Sponsors für beide Seiten zufriedenstellend geklärt werden. Mit einer anderen Kernforderung, der Absetzung Uwe Bönschs, setzte sich das Team jedoch nicht durch.

Allerdings scheint mit dieser Konstellation neues Ungemach vorprogrammiert. Nach der über Monate heftig geführten Auseinandersetzung wird es mehr als schwierig sein, ein harmonisches Klima zwischen Mannschaft und Teamkapitän/Delegationsleiter Bönsch herzustellen.

Mittwoch, 14. September 2011 01:07

KSWS - Krennwurzn sucht weltgrößten Schachserver

Und zwar rechtzeitig zum 10. Geburtstag des „Fritzservers“ am 14.September! – Glückwünsche nach Hamburg. Erstaunlich ist, dass viele Betreiber das Prädikat „weltgrößter“ oder etwas Vergleichbares für sich in Anspruch nehmen, aber nach welchen Kriterien das bewertet wird und warum es so viele „weltgrößte“ Schachserver gibt, bleibt im Dunkeln. Oder ist alles nur Marketing und wenn ja, wie sieht es mit der Prospektwahrheit aus, die uns Konsumenten vor allzu optimistischen Produktbeschreibungen schützen sollte?

Aber was soll’s – starten wir einen - wie bei KSWS & Co üblich - einen sehr, sehr oberflächlichen und showhaften Blick auf die Kandidaten:

Schach.de – www.schach.de

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Natürlich ist das Geburtstagskind nach Eigenangabe der „weltweit größte Schachserver“

Folgende Daten konnten aus Betreiberangaben bzw. Veröffentlichungen recheriert werden:

Registrierungen:       200.000         (Mehrfachregistierungen  waren möglich)

Spieler pro Tag:         20.000

Partien pro Tag:       200.000

Schacharena - www.schacharena.de

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Sonst keine leicht auffindbaren Informationen zu Registrierungen, Partien pro Tag, etc.

ICC – www.chessclub.com

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Überraschenderweise ist keine direkte Aussage zu finden, dass es sich um den weltgrößte Schachserver handelt, aber man hat mehr Mitglieder, mehr Großmeister, etc als alle anderen.

Registrierungen:       200.000         verkaufte Mitgliedschaften

Partien pro Tag:       100.000

FICS - www.freechess.org

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Je nach Sichtweise die Fortführung bzw. Abspaltung von ICC als dieser Service kostenpflichtig wurde – ebenfalls – vielleicht wegen der strengen US-amerikanischen Bestimmungen nicht ganz der „weltgrößte“ Schachserver, obwohl 300.000 Registrierungen im Vergleich mit den bisherigen Mitbewerbern der höchste angegebene Wert ist und zudem vollkommen kostenfrei zu benutzen.

Registrierungen:       300.000

Nun das sind wohl die großen Drei und hierzulande hat fast jeder Schachspieler zumindest davon einmal gehört, aber die Krennwurzn sucht noch immer weiter:

Chess net - www.chess.net

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500.000 registrierte Nutzer – eindeutig der weltgrößte Schachserver – wenn die Zahlen stimmen oder hat jemand Zweifel?

Chess Cube - www.chesscube.com

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Mehr als doppelt so viele Registrierungen als schach.de! Alles Gute zum Geburtstag hin oder her, da kann doch niemand mehr Zweifel haben, das ist DER weltgrößte Schachserver!! Zweifelt wirklich noch wer? JA – zum Beispiel die Krennwurzn!

Laut UNO soll es nur knapp unter 200 anerkannte Staaten geben und noch ein Duzend nicht anerkannte Gebiete, aber die Zahl 230 erreicht man damit nicht.

Convecta Ltd - http://chessok.com und http://chessplanet.ru/

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Möglicherweise auch nicht so klein und vor allem der russische Teil hätte wohl ebenfalls das Potential zum „Weltgrößten“ – und die was es bei den Chinesen und Inder gibt oder nicht – wer weiß das schon so genau.

Dann gibt es noch einige Server, die von der Fernschachschiene kommen, aber auch Spiele mit kürzerer Bedenkzeit bieten, natürlich gibt es auch dort eine „ungeprüfte“ Nummer 1:

Chess.com -  www.chess.com 

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Fast 4 Millionen Mitglieder klingt nicht schlecht – wie sich diese auf der Seite mit Training, Fernschach, Liveschach, etc. verteilen ist nicht bekannt.

Sollte ich – was sehr wahrscheinlich ist – einen oder mehrere „weltgrößte Schachserver“ übersehen haben, so bitte ich dies zu entschuldigenJ!

Dienstag, 13. September 2011 16:00

Die Schachbundesliga wirft ihre Schatten voraus

Gut drei Jahrzehnte nach Einführung der einteiligen Schachbundesliga kommt es vom 14.-16. Oktober erstmalig zu einer gemeinsamen Runde aller 16 Vereine. Mit 128 Spielern, davon ca. 100 Großmeistern, unter anderem Weltmeister Anand, wird es die weltweit stärkste Veranstaltung des Oktobers. Das bedeutendste Großereignis des deutschen Schachs (neben dem kleinen Dortmunder Einladungsturnier) seit der Schacholympiade 2008 findet mit der RWE-Sporthalle in Mülheim einen repräsentativen Austragungsort. Ein breites Rahmenprogramm soll ebenfalls dazu beitragen, die Zuschauer zu begeistern. Neben einer Livekommentierung macht eine Simultanvorstellung Viktor Kortschnois die Veranstaltung zu einem Erlebnis für jeden Schachliebhaber. DETAILS

Licht und Schatten

Nicht alles läuft jedoch so, wie ich es mir wünschen würde. Der Schachbundesliga e. V. überträgt die Partien kostenlos live auf der eigenen Website und kannibalisiert somit die grandiose Veranstaltung. Anscheinend traut man es sich nicht zu, genügend Zuschauer für einen einzigartigen Schachevent begeistern zu können, denn auch der Eintritt vor Ort ist frei. Für mich völlig unverständlich – offenbar schätzen die Veranstalter den Wert der Darbietung als gering ein. Dabei erfordert die Organisation unzweifelhaft erheblichen finanziellen und personellen Einsatz. Ich kann mir kaum vorstellen, dass andere Sportarten Weltklasseveranstaltungen zum Nulltarif bieten.

Dass es möglich ist, Zuschauer zu finden, erlebte ich als Mannschaftsführer der Stuttgarter Schachfreunde und Mitorganisator einer BL-Runde in Stuttgart im Jahr 2002. Zu Gast waren mit Castrop-Rauxel und Wattenscheid nicht die attraktivsten Mannschaften, doch unser Reisepartner Baden-Baden mit Anand&Co. machte dies mehr als wett. Ohne großen Vorlauf fanden rund 500 Zuschauer den Weg zu dem leicht außerhalb liegenden Veranstaltungsort.

Was wäre mit entsprechender Bewerbung einer Spitzenveranstaltung möglich? Doch hier krankt es im Schach erheblich. Wir schaffen (bzw. versuchen) es gar nicht, die große Masse der Spieler unter 1800 zu erreichen und für Schachveranstaltungen zu begeistern. Werbung und Vermarktung scheint unnötig oder verpönt. Auch Mülheim hätte mich nicht gefunden, wenn ich es nicht gesucht hätte…

Aber egal – ich bin trotz allem dabei.

Montag, 12. September 2011 08:53

Reise nach...

Der Weltcup hat mich bis zum Viertelfinale nicht besonders interessiert. Das Schach war nicht besonders. Der Modus eignet sich, um genau einen Sieger zu ermitteln, aber nicht, um die drei Besten zu finden. So viele Plätze aber werden in Chanti-Mansisk für das nächste Kandidatenturnier vergeben. Wer unter die letzten vier gekommen ist, hat nun beste Chancen auf einen dieser drei Plätze. Sorry, dass ich das so eng sehe, aber die WM-Quali ist aus meiner Sicht das Entscheidende.

 

Nun ändert der Wettbewerb seinen Charakter radikal. Bis zum Viertelfinale hatte niemand eine Chance von 50 Prozent. Jetzt haben alle Verbliebenen eine deutlich höhere Chance. Gespielt wird quasi die Reise nach Jerusalem. Oder nach Chanti-Mansisk, wo es genug Ölgeld gibt, um vermutlich (Gott behüte) das nächste Kandidatenturnier praktisch ohne nichtrussische Berichterstatter und Zuschauer abzuwickeln. Dass ausgerechnet der Kampf um Platz eins, in dem sich zwei Qualifizierte gegenüberstehen, über vier statt zwei Partien angesetzt ist, macht nur Sinn, weil das halt auch bei früheren Weltcups so war. Idiotisch. Also typisch FIDE.

 

Ich freu mich, dass Iwantschuk Radschabow rausgeworfen hat. Aber gerecht ist das nicht. Radschabow hat diesen Weltcup großartig gespielt, und sein mutiges Opfer auf g5 gegen Iwantschuk war nur eines von ihm gesetzten Highlights. Kein bisschen so destruktiv wie im Kandidatenmatch gegen Kramnik. So sympathisch mir Swidler ist, der mit Te2 gegen Kamsky den stärksten Zug des Turniers fand, so bedauernswert ist, dass Polgar gegen ihn überzogen hat und sich auskontern ließ. Je internationaler das Kandidatenturnier wird umso besser. Nun drohen mit Kramnik (nach Elo), Swidler und Grischtschuk drei (befreundete) Russen, was die Wahrscheinlichkeit einer weiteren russischen Austragung sicher nicht reduziert. Apropo Grischtschuk. Auf ihn hätte ich nach seinem blitzorientierten Spiel im Kandidatenturnier verzichten können. Der Glücksvogel wurde im Viertelfinale von Navara wie schon im Mai von Aronjan und Kramnik schlicht ausgelassen. Hoffentlich wirft er nun nicht Tschuky aus der Bahn. Gaschimow hätte ich die Quali im Unterschied zu seinen mit weniger Skrupeln behafteten Landsleuten ein Weiterkommen gegönnt, aber Ponomarjow tue ich es auch.

Sonntag, 11. September 2011 18:29

Russische Schachschule lässt Frauen keine Chance

Viszontlátásra – das war es für Judit Polgár beim Weltcup in Khanty-Mansiysk. Das Aus kam im Viertelfinale gegen Peter Svidler, der als russischer Meister und Mannschaftskollege von Jan Gustafsson zwei exzellente Referenzen vorweisen kann. Nachdem Polgár die erste Partie noch recht locker mit den schwarzen Steinen zum Remis abwickeln konnte, wurde ihr taktisches Spiel in der zweiten Partie von Svidler geduldig ausgebremst, so dass sie sich  von einem geopferten Bauern nicht mehr erholen konnte.
Früher Rückflug also für die Ungarin, die sich als Nr. 33 der Setzliste äußerst respektabel geschlagen hat und nun immerhin mit dem schönen Titel „Beste Frau der Welt“ nach Hause reist.

Neben Svidler haben sich Alexander Grischuk (nach Stechen gegen David Navara), Ruslan Ponomariov (1,5:0,5 gegen Vugar Gashimov schon in den regulären Partien) und Vassili Ivanchuk (im Tiebreak gegen Teimour Radjabov) für das Halbfinale qualifiziert. Die Paarungen dort lauten:

Svidler - Ponomariov

Ivanchuk - Grishuk

Gespielt wird schon ab morgen, und wiederum zwei Turnierpartien mit nachfolgenden Tiebreaks. Erst im Finale gibt es ein Mini-Match, für das vier Partien mit langer Bedenkzeit angesetzt sind. -

Einige längere Analysen zum Match Radjabov vs Ivanchuk findet man auf der sehr abwechslungsreichen Homepage des kanadischen Großmeisters Kevin Spraggett. Sehr gut gefallen hat mir die zweite Partie, in der Radjabov unbedingt gewinnen musste, um im Rennen zu bleiben. Kein leichtes Unterfangen gegen einen Riesen bzw. Bären wie Ivanchuk, doch Radjabov spielte einfach ein paar muntere Züge:

radjabov - ivanchuk

Nach sechs gespielten Zügen und einer relativ englisch aussehenden Eröffnung ist hier eigentlich noch nicht viel los. Umso schöner, dass Weiß hier in weniger Zügen eine Figur opfern wird!

7.h2-h4!

Radjabov schickt einen Außenstürmer auf dem rechten Flügel ins Rennen. Ähnliches probierte auch Levon Aronjan vor kurzem - Frank Zeller hat von dieser turbulenten Partie berichtet. Aber wie sieht es hier aus - die schwarze Verteidigung steht doch eigentlich. Was will der Bauer genau erreichen?

7..... h7-h6

Ivanchuk bleibt cool und stellt sich darauf ein, nach h4-h5 einfach mit g6-g5 zu antworten. Danach bleiben die Linien am Königsflügel weiterhin geschlossen. ( ... so könnte man zumindest meinen!) 

8. Lc1-d2, b7-b6

Spraggett kritisiert diesen Zug, weil das Feld d6 dadurch geschwächt wird. Er hat wohl Recht damit - aber es ist schwer, das an dieser Stelle schon zu ahnen.

Radjabov spielt nun munter weiter - und zwar mit den lustigen Zügen ...

9.h4-h5!

radjabov - ivanchuk1

Das kann man ja erstmal so spielen. Ivanchuk antwortete mit dem geplanten ... 

9.... g6-g5

und fiel nach der unbeschwerten Antwort

10.Sf3xg5!!

wahrscheinlich erst einmal vom Stuhl (Videobilder liegen der Redaktion leider nicht vor.).

radjabov - ivanchuk2

 

Hoppla!

Tatsächlich hat Radjabov einige Kompensation für seinen Läufer. Ein tolle Idee, die man wahrscheinlich ganz ohne die Hilfe von Fritz finden muss. Toll finde ich, dass Radjabov diesen Zug spielte, obwohl es für ihn um alles oder nichts ging und er unbedingt gewinnen musste. Aber so ist das manchmal - und der Druck lastet dann ja auch auf dem Gegner. -

Die stärkste Frau des Teilnehmerfeldes ist nicht mehr dabei, und nach dem Ausscheiden von Jörg Hickl stehen nun also je zwei Spieler aus der Ukraine und aus Russland in der Runde der letzten Vier. Somit sind die Vertreter der russischen Schachschule mal wieder ganz unter sich (auch wenn sich die Ukrainer streng genommen wahrscheinlich nicht dieser Schule zugehörig fühlen werden – ich bitte vorsorglich um Verzeihung). Interessant ist an dieser Stelle vielleicht, dass GM Alexander Yermolinski in seinem Buch "The Road to Chess Improvement" die Existenz einer russischen Schachschule ziemlich direkt in Frage stellt und sie als reinen Mythos beschreibt. Doch wie dem auch sei - die Besetzung des Halbfinales gibt der von Michail Tchigorin schon vor langer langer Zeit entdeckten russischen Schachschule wieder einmal Recht!

Mal schauen, wem wir von nun an die Daumen drücken. Das Spektakel geht weiter!

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