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Wir sind Dino
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20. Mai 2017

Wir sind Dino

Hurra!

Zwar hat es für den HSV wieder nicht gereicht zur Meisterschaft, doch was soll es - auch der Klassenerhalt kann ja ganz schön sein!

Nach einer turbulenten Saison und einem einmal mehr vergurkten Start, dann einer Serie von reichlich Punkten am Stück unter neuem Trainer, und  schließlich einigem Wackeln am Saisonende, furchtbaren Spielen und reptiloiden Linienrichtern schafften die Hambuuuurger heute den direkten Klassenerhalt mit einem hübschen 2 : 1 gegen Wolfsburg. Yep! SO soll das sein.

Die Schachwelt-Redaktion (oder vielleicht auch nur ich?) freut sich, und nun geht es in eine neue Saison im Oberhaus. Der Dino lebt!

(Schade nur, dass Dortmund zum Schluss noch so viele Tore geschossen hat gegen Werder - sonst wäre es ein ziemlich perfektes Wochenende.)

Auf zur Wahl des Präsidenten!
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Und da sind wir wieder! Es ist 2017, ein Superwahljahr, wie man weiß, und der ganze Kontinent scheint über neue Präsidenten, Kanzler, Parlamente abzustimmen. Da steht natürlich auch der Deutsche Schachbund nicht zurück - auch hier wird gewählt, und das bereits in wenigen Tagen auf dem großen DSB- Kongress im mecklenburgischen Linstow.

Wir freuen uns, heute im Gespräch mit dem Lübecker Ullrich Krause einen Blick auf den Schachsport in Deutschland zu werfen. Er ist seit einigen Jahren der Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Schachverbandes, und kandidiert in Linstow für das Amt des Schachbund- Präsidenten. Ullrich tritt an gegen den amtierenden Herbert Bastian.

Bastian Krause 2011 Bonn GF Hund
Die visionäre Auslosung Bastian - Krause
           auf der Deutschen Meisterschaft in Bonn, 2011     (Foto: GF Hund, danke!)

Unseren herzlichen Dank an beide Kandidaten für ihr sehr umfangreiches ehrenamtliches Engagement in dieser und in anderen Funktionen! (Das muss ja auch mal gesagt werden - ohne Menschen wie sie läuft nichts!)

Wir haben bei beiden Kandidaten um ein Interview angefragt, und freuen uns nun auf die Antworten, die uns der Herausforderer auf die vielen drängenden Fragen des (Schach-) Lebens geben wird.

Die Fragen stammen

a) aus der honorigen Schachwelt- Redaktion,

b) von den noch viel honorigeren Lesern unseres Blogs (und sogar aus dem internationalen Österreich!), und

c) wurden herausgefischt aus den Tiefen des Darknets, wobei wir da natürlich keine genauen Quellen angeben dürfen.

Sodann - stürzen wir uns in das Interview!

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Lieber Ullrich, Du trittst Ende Mai an gegen Herbert Bastian, der dem Deutschen Schachbund seit nun sechs Jahren vorsteht. Läuft es im Schachbund denn so schlecht? Warum meinst Du, dass es Zeit für einen Wechsel ist?

Das Schachspiel erlebt zurzeit einen Boom wie schon lange nicht mehr. Die WM-Kämpfe mit Magnus Carlsen werden auf allen wichtigen Internetseiten mit Live-Kommentaren und nachträglichen Analysen gewürdigt und an vielen Grundschulen gibt es Schach-AGs. In den Kinos laufen diverse Schachfilme und der Wettkampf „Rechtes gegen Linkes Alsterufer“ erreicht in diesem Jahr eine Rekordteilnehmerzahl. In einem Satz: Schach ist angesagt! Nach meinem Eindruck nutzt der Deutsche Schachbund die Chancen, die sich daraus ergeben, nicht in ausreichendem Maße, und diesen Zustand möchte ich gerne ändern.

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Manche sagen ja, für den „normalen Vereinsspieler“ ist der Schachbund nur wichtig, damit der Ligabetrieb organisiert wird und jemand die DWZ-Auswertung vornimmt. Woran werden die Mitglieder des DSB im Falle Deiner Wahl überhaupt merken können, dass es einen neuen Präsidenten gibt?

Der Spielbetrieb ist in der Tat die erste Schnittstelle zwischen dem DSB und den Vereinsspielern, und in diesem Bereich gibt es meines Erachtens zurzeit nicht viel Handlungsbedarf. Eine Ausnahme stellt die Deutsche Meisterschaft dar, für die ich gemeinsam mit Klaus Deventer (Vizepräsident Sport) und Peter Eberl (Präsident Bayern) einige Vorschläge entwickelt habe, die auf dem Kongress hoffentlich eine Mehrheit finden werden – aber das wird natürlich nur einen kleinen Kreis der Vereinsspieler betreffen.

Ich sehe großes Verbesserungspotential in Sachen Öffentlichkeitsarbeit, und damit meine ich in erster Linie den Webauftritt des DSB und generell die Berichterstattung über die nationalen und internationalen Schachereignisse. Das wäre dann vielleicht ein erstes unmittelbar sichtbares Signal einer Veränderung.

Ich würde außerdem gerne in Kooperation mit den Anbietern der Schachserver den Vereinen Möglichkeiten an die Hand geben, ihren Vereinsabend mit digitalen Angeboten aufzuwerten. Auch das würde die Vereinsspieler direkt betreffen, allerdings nur, wenn ihr Verein diese Angebote auch wahrnimmt.

Die wichtigen Änderungen können naturgemäß nicht so schnell umgesetzt werden und zeigen ihre Wirkung auch erst mittelfristig. Um ein Beispiel zu nennen: Eine stärkere Förderung des Schulschachs wird in den Vereinen naturgemäß erst mit zeitlicher Verzögerung ankommen, und auch das nur in den Vereinen, die sich im Schulschach engagieren.

Ullrich Krause 04
                                 Ullrich Krause

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Ist der Gestaltungsspielraum des Präsidenten überhaupt so groß? Das heißt, kannst Du wirklich etwas bewirken und umsetzen, solltest Du gewählt werden?

Der Präsident alleine kann natürlich gar nichts bewirken, sondern nur Denkanstöße geben. Das DSB-Präsidium und die Referenten leisten einen wesentlichen Teil der Arbeit, aber die Mitglieder des Deutschen Schachbundes entscheiden letzten Endes darüber, wo die Reise hingeht. Und diese Mitglieder sind die Verbände, d.h. ohne die Kooperation der Präsidenten und der anderen Funktionsträger auf Landesebene bewegt sich beim DSB nichts.
Nach meinem Eindruck ist dies eines der Hauptprobleme in den letzten Jahren: Herbert Bastian schafft es nicht mehr, die Verbände zur aktiven Mitarbeit zu bewegen. Und genau hier sehe ich im Fall meiner Wahl meine erste große Herausforderung: Ich möchte gerne erreichen, dass die DSB-Versammlungen zu konstruktiven Arbeitssitzungen werden und dass auch zwischen den Treffen ein reger Austausch zwischen dem DSB und seinen Verbänden stattfindet. Heutzutage muss man nicht mehr zur selben Zeit am selben Ort sein, um aktiv miteinander zu arbeiten. Wenn es nicht gelingt, das Präsidium und die Verbände zur Zusammenarbeit zu bewegen, nützen auch die besten Konzepte und Ideen nichts.

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Worin bestehen für Dich die grundlegenden Aufgaben des Deutschen Schachbundes? Nach außen wirkt der DSB seit je nur verwaltend, den Spielbetrieb aufrechterhaltend. Zugegeben, das macht er gut – viel besser als die meisten Föderationen weltweit.

Die Allgemeinheit erwartet jedoch von einem Dachverband die Basis für blühende Landschaften zu schaffen, neue Mitglieder außerhalb der bereits akquirierten Schachszene anzusprechen und zu gewinnen, bzw. die Vereine dabei zu unterstützen. Wann gab es hier jemals eine Aktion, oder sind die Ansprüche der Schachspieler unangebracht?

Die Bundesvereinskonferenz, die gerade in Berlin stattgefunden hat, ist ein sehr gutes Beispiel für ein gelungenes Angebot des Deutschen Schachbundes an seine Vereine, auch und gerade in Kombination mit den Bundesliga-Endrunden. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Konferenz im Wiederholungsfall noch mehr Teilnehmer anzieht, und würde mir wünschen, dass sich die DSJ im nächsten Jahr wieder im gleichen Ausmaß engagiert und dass der DSB zumindest wieder die entsprechenden Gelder zur Verfügung stellt.

Mindestens genauso wichtig wie solche großen Events sind aber allgemeine Maßnahmen wie zum Beispiel die Unterstützung der Vereine im Schulschachbereich und in Form von Online-Angeboten.

Ganz allgemein gesprochen sehe ich die Hauptaufgabe des Deutschen Schachbundes darin, unseren Sport noch populärer und erfolgreicher zu machen und die dazu erforderlichen bundesweiten Aktivitäten der Landesverbände und der Vereine zu koordinieren. Kontakte zu externen Partnern sind dabei existentiell, denn das Ehrenamt alleine wird die vielfältigen Aufgaben nicht mehr erledigen können. Diese Kontakte können naturgemäß „von oben“ am besten initiiert werden, und hier sehe ich einen weiteren Schwerpunkt der DSB-Arbeit.

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Laut Haushaltsplan 2016/2017 wurden die Mittel des DSB für Öffentlichkeitsarbeit von 15.000,- € (in 2015) auf 7.500,-€ (2016) und nun nur noch schmale 5.000,- € (2017) gesenkt. Das klingt für mich wie eine Tat des Wahnsinns - dabei sitzen doch viele kompetente Verbandsvertreter in den Gremien, die es eigentlich besser wissen.

Kann sich ein Verband wie der unsrige – der dazu noch eine „Nischensportart“ vertritt - eine solch sparsame Ausstattung in diesem wichtigen Bereich leisten?

Banner Schachreisen 2015 invers blau neuIch muss ehrlicherweise zugeben, dass ich nicht weiß, wofür diese 5.000 Euro im Referat Öffentlichkeitsarbeit genau gedacht sind. Klar ist aber, dass zum Beispiel die Arbeit an der Webseite des DSB auch Öffentlichkeitsarbeit darstellt, und hier verfügt der DSB über einen hauptamtlichen Webmaster. Letzten Endes ist jeder öffentliche Auftritt eines Funktionsträgers auch Öffentlichkeitsarbeit. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass der Aufwand, den der DSB für seine Außendarstellung betreibt, ausreichend ist – ganz im Gegenteil.

Einer meiner Lieblings-Grundsätze in Bezug auf ehrenamtliche Tätigkeit ist „Tue Gutes und rede darüber“ und ich glaube, dass wir viel mehr über die vielen schachlichen Aktivitäten reden sollten, die es in Deutschland gibt. Das impliziert neben dem Schreiben von Berichten für unsere eigene Webseite auch und gerade die Kommunikation nach außen und die Zusammenarbeit mit den Medien.

Bei der Bundesliga-Endrunde saß Anand in der 14.Runde bei der OSG Baden-Baden am vierten Brett – warum gab es da nicht sofort eine Pressemitteilung? Am vergangenen Dienstag gab es beim traditionellen Schulschachturnier „Rechtes gegen Linkes Alsterufer“ einen neuen Weltrekord – auf der DSB-Webseite fand dieses Turnier nicht statt. Weitere Beispiele für vergebene Chancen auf positive Berichterstattung lassen sich problemlos finden.

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                          Mehr Schach in die Medien!

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Mal ganz populistisch gefragt: steht es in einem ausgewogenen Verhältnis, wenn im Vergleich zum Budget der Öffentlichkeitsarbeit die Personalkosten in der DSB-Geschäftsstelle rund 80-mal so hoch sind?

Wie bereits dargestellt, stimmt diese Rechnung so nicht, aber die Öffentlichkeitsarbeit sollte trotzdem zukünftig einen wesentlich größeren Anteil an der Arbeit der DSB-Funktionäre beanspruchen.

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Apropos Öffentlichkeitsarbeit – bleiben wir in der Szene, und sprechen über Spitzensport. Eine Schätzfrage: Wie hoch ist die Anzahl der Mitglieder, die die Namen der Spieler der Nationalmannschaft aufzählen können? 1% wäre aus unserer Sicht hoch!

In anderen Sportarten erleben wir eine ganz andere Fanbasis, zum Beispiel auch in der Bundesliga. Es mangelt also offensichtlich am Kontakt zwischen SpitzenspielerInnen und Basis – siehst Du es auch so?

Ich befürchte eher, dass der nicht übermäßig große Erfolg der Nationalmannschaft in den letzten Jahren dafür verantwortlich ist, verbunden mit einer gewissen Unlust der Spieler, sich selbst zu vermarkten. Wenn man die Namen Jan Gustafsson und Niclas Huschenbeth bei Google eingibt, landet man auf ihren Webseiten, auf denen es viele kommentierte Partien und Videos gibt inklusive einer aktiv genutzten Kommentarfunktion. Ich bin mir deswegen ziemlich sicher, dass diese beiden bei den „Fans“ bekannter sind als andere Spitzenspieler, die keine eigene Webseite besitzen. Das Schach-Ehepaar Melanie und Nikolas Lubbe ist ein anderes gutes Beispiel dafür, dass die Abhängigkeit zwischen Spielstärke und Bekanntheitsgrad nicht unbedingt linear sein muss.

Klappern gehört nun mal zum Handwerk, und ich finde es bedauerlich, dass einige unsere Spitzenspieler in punkto Selbstvermarktung nicht sonderlich aktiv sind. Spontan fällt mir die Möglichkeit ein, auf der Webseite des DSB einen Bereich einzurichten, in dem unsere Spitzenspieler aktuelle Partien kommentieren und ganz allgemein über die nächsten Auftritte der Nationalmannschaft berichten. Das wäre ein erster Kontakt zwischen Spitze und Basis, den man dann sicherlich noch ausbauen könnte.

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Ihr habt im letzten Jahr mit dem Lübecker SV eine formidable Deutsche Meisterschaft auf die Beine gestellt. Allerdings klang durch, dass die finanzielle Unterstützung von Seiten des Schachbundes - vorsichtig formuliert - ausbaufähig gewesen wäre.

Hältst Du die Deutsche Meisterschaft in ihrer jetzigen Form für unattraktiv? Und wie siehst Du die Chancen, im Mai einen neuen Modus dafür zu verabschieden?

Die finanzielle Unterstützung durch den DSB fand exakt so statt, wie es in den Regularien zu der Zeit festgelegt war: Die Landesverbände haben 750 Euro pro Teilnehmer bezahlt und vom DSB gab es eine Pauschale in Höhe von 9.000 Euro. Auf dem Hauptausschuss in Lübeck wurde beschlossen, diese Zuschüsse auf 1.000 bzw. 12.000 Euro zu erhöhen. Das war ein erster Schritt, um den ausrichtenden Vereinen entgegenzukommen.

Die Vorschläge, die auf dem Kongress diskutiert und hoffentlich auch verabschiedet werden, sehen vor, sowohl die Ausrichter als auch den DSB und die Landesverbände zu entlasten, damit wir in Zukunft nicht wieder vor der Situation wie im vergangenen Jahr stehen, dass der DSB für seine wichtigste Meisterschaft wenige Monate vor Beginn des Turniers noch keinen Ausrichter hat. Ich würde mir wünschen, dass es auf dem Kongress eine lebhafte Diskussion zu diesem Thema gibt und dass wir am Ende einen Konsens finden, der die Situation verbessert. Ob dieser neue Modus dann der Weisheit letzter Schluss ist, wird man sehen.

Ich hatte kürzlich ein interessantes Gespräch mit Artur Jussupow, der mir seine Vorstellungen von einer attraktiven Deutschen Meisterschaft schilderte. Der wesentliche Punkt war dabei das Stichwort „Kongress des Deutschen Schachbundes“, der früher aus einem Meisterturnier, diversen untergeordneten Turnieren und der Versammlung des Deutschen Schachbundes bestand. Wenn man dann noch beispielsweise die Blitzmeisterschaft und die Meisterschaften der Frauen hinzufügt, hätte man eine beeindruckende Veranstaltung, bei der die Spitzenspieler auf die Spitzenfunktionäre treffen! Vielleicht kann man diese Idee weiterentwickeln und beim nächsten Hauptausschuss ein detailliertes Konzept beschließen.

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                                           Gute Laune bei der DEM 2016 im schönen Lübeck!                       Foto: Jan Plackmeyer
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Wie bist Du sonst zufrieden mit dem Leistungssport/ Schach in unserem Lande? Ein Erfolg wie die Europameisterschaft 2011 bei den Herren ist wahrscheinlich nicht so schnell wieder möglich?

Das sehe ich genauso. Mir hat das Projekt mit der Prinzen-Gruppe sehr gut gefallen, ich weiß aber nicht, warum es beendet wurde. Ich nehme an, dass finanzielle Gründe den Ausschlag gegeben haben. Der DSB sollte ein Nachfolgeprojekt auflegen und meiner Meinung nach außerdem den Kontakt mit externen Partnern suchen, um die Talentförderung voranzutreiben. Ich befürchte allerdings, dass die hierfür benötigten Mittel nicht so ohne weiteres zur Verfügung gestellt werden können.

Unabhängig davon ist die Frage, wie es im Bereich Leistungssport in Zukunft weitergehen soll, von zentraler Bedeutung für den Deutschen Schachbund. Wir verfügen über eine Vielzahl an Talenten, aber die Nationalmannschaft erzielt nicht annähernd die Erfolge, die man erwarten könnte. Vermutlich muss man das gesamte Leistungssport-Konzept auf den Prüfstand stellen, wenn sich dieser Zustand in Zukunft ändern soll. Hier gilt wieder das oben Gesagte: Der DSB und seine Verbände müssen gemeinsam eine neue Strategie erarbeiten, damit wir in Zukunft international erfolgreicher sind.

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Wir zitieren eine Frage aus einem Interview, das SF Krennwurzn mit unserem Präsidenten Herbert Bastian im Sommer 2014 geführt hat:

„Einerseits hat Schach gute Imagewerte in der Öffentlichkeit und andererseits haben wir auch aufgrund der längeren Ausübbarkeit einen hohen Anteil an gut gebildeten und einkommensstarken Mitgliedern - wir wären also attraktiv für Sponsoren. Wie will der DSB eine Änderung herbeiführen?“

Was wäre hier Deine Antwort?

Bei der Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr ist es dem Öffentlichkeits-Referenten Frank Neumann gelungen, einen Sponsor zu akquirieren. Er ist inzwischen auch Geschäftsführer der Wirtschaftsdienst GmbH und hat viele Ideen in Bezug auf eine bessere Vermarktung des Schachsports. Ich begrüße seine Aktivitäten sehr und bin zuversichtlich, dass der DSB zukünftig durch potentielle Sponsoren besser wahrgenommen wird.

Frank Neumann wird diese Herkules-Aufgabe allerdings nicht alleine erledigen können. Ich sehe hier alle Funktionäre und insbesondere das Präsidium in der Pflicht, entsprechende Kontakte herzustellen. Klar ist aber eines: Ein Sponsor wird dem Deutschen Schachbund nur dann Geld geben, wenn wir attraktive Konzepte entwickeln, wie zum Beispiel den oben erwähnten „Kongress des Deutschen Schachbundes“ oder die Bundesliga-Endrunde, kombiniert mit anderen Veranstaltungen.

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Herbert Bastian antwortete in dem besagten Interview wie folgt:

„Um Änderungen im Sinne von Verbesserungen herbeizuführen, muss das Thema Marketing im Deutschen Schachbund endlich ernst genommen werden. Klaus Lais war einer derjenigen, die auf dieses Problem schon vor einigen Jahren hingewiesen haben, doch fand er zu wenig Gehör. Wir haben keinen Ehrenamtlichen, der sich „hauptamtlich“ um dieses Thema kümmert, und bei den Hauptamtlichen fehlt es immer noch an Knowhow sowie an Zeitressourcen.“

Das war 2014. Wenn wir Hauptamtliche haben, denen es an Knowhow sowie an Zeitressourcen fehlt, finde ich das so ganz unter uns beiden gesagt ziemlich beunruhigend ….

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Es geistert immer wieder eine Zahl durch den Äther - allein für den Geschäftsführer der DSB- Geschäftsstelle entstehen dem DSB dem Vernehmen nach Gehaltsaufwendungen von gut 70.000,-€. Ist das nicht ausgesprochen stattlich für einen doch offenbar eher klammen Verband?

Wäre es Deiner Ansicht nach angebracht, in einem quasi öffentlichen Verband wie dem DSB Gehaltszahlungen an die MitarbeiterInnen ganz transparent offenzulegen?

Davon halte ich aus Datenschutzgründen nichts.

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Es ist alles wohl (wie immer) eine Frage des Geldes. Mit den geringen Mitgliedsbeiträgen für den DSB, bei gleichzeitig fallenden Mitgliederzahlen lassen sich keine großen Sprünge machen – und die Sponsoren sind rar. Wie planst Du, die Kassen zu füllen?

kreuzfahrt165pxIch bin nicht sicher, ob die Kassen des DSB so leer sind, wie das durch die Frage suggeriert wird. Nach meinem Eindruck hat in den letzten Jahren eine Konsolidierung des DSB-Haushaltes stattgefunden, die durch Michael Langer eingeleitet und durch seinen Nachfolger Ralf Chadt-Rausch fortgesetzt wurde. Nichtsdestoweniger gibt es gewisse finanzielle Risiken (z.B. die BMI-Zuschüsse), und weniger Mitglieder zahlen in Summe natürlich auch weniger Beiträge. Insofern liegt der Gedanke nahe, durch Maßnahmen, die zur Steigerung der Mitgliederzahlen führen, gleichzeitig die finanzielle Lage des DSB zu verbessern.

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Würde es (auch) Sinn machen, die Beiträge für Schach allgemein und für den DSB zu erhöhen? Schach ist ein so günstiger Sport mit Vereinsbeiträgen von oft unter 6 oder 7 € im Monat. Jede Popcorn-Tüte im Kino kostet mehr – warum kommt es vielen so krass vor, wenn der Mitgliedsbeitrag mal wieder steigen würde? Warum tut sich Schach so schwer, höhere Beiträge zu erheben und dafür mehr Spielraum zu gewinnen für interessante Aktionen, Turniere und Spielabende?

Das Thema Beitragserhöhung sollte man beim DSB, wenn überhaupt, nur unter der Voraussetzung angehen, dass man auch sehr konkrete und exakt durchgerechnete Aktivitäten vorweisen kann, die dadurch finanziert werden sollen. Eine Beitragserhöhung quasi auf Verdacht halte ich weder für zielführend noch für mehrheitsfähig. Wenn man andererseits ein wirklich spannendes, gut durchkalkuliertes und erfolgversprechendes Projekt mit einer Kofinanzierung durch private und öffentliche Geldgeber anbietet, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass sich bei den Landesverbänden auch eine Mehrheit für eine Beitragserhöhung finden lässt. Wichtig ist natürlich, dass alle davon gleichermaßen profitieren würden.

Warum sich die Vereine nicht trauen, von ihren Mitgliedern höhere Beiträge zu verlangen, entzieht sich meiner Kenntnis. Nach meiner Erfahrung sind insbesondere die Eltern der jugendlichen Mitglieder sehr häufig erstaunt, wie gering der Mitgliedsbeitrag im Schachverein ausfällt. Schachspieler verkaufen sich und ihren Sport fast immer unter Wert und beschweren sich andererseits über fehlende materielle Mittel.

 

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       Drei Tassen Kaffee im Gasthof =
                                     ein Monatsbeitrag im Schachverein?

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Was hältst Du von einer gebührenpflichtigen DWZ-Auswertung? Bei 1.000.000 Partien pro Jahr sind hier leicht erhebliche Mittel zu generieren, ohne Einzelne übermäßig zu belasten. Auch die FIDE hat diesen Weg gewählt und eine Art „ELO-Maut“ eingeführt – wer mehr spielt, zahlt auch mehr.

Am Ende könnte man den vielen Ehrenamtlichen im DWZ-Bereich sogar hiermit eine gewisse Achtung entgegenbringen, anstatt deren tolle Leistung immer als kostenlos und selbstverständlich vorauszusetzen.

Wenn ich das richtig verstehe, soll der Ausrichter eines Turniers für die DWZ-Auswertung bezahlen. Für diese und ähnliche Ideen gilt das, was ich bereits zum Thema Beitragserhöhung gesagt habe: Ohne eine konkrete Vorstellung, wie alle Beteiligten von den dadurch erwirtschafteten Geldern profitieren können, ist diese Idee nicht zielführend und mit Sicherheit auch nicht mehrheitsfähig.

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Durch eine gebührenpflichtige DWZ-Auswertung – vielleicht ergibt sich dadurch auch ein Spielraum, um dem DSB-Präsidenten eine kleine Aufwandsentschädigung zukommen zu lassen?

Wäre es nicht angebracht, dass der DSB-Präsident als Vorsitzender einer Schar von mehreren 10.000 Mitgliedern eine Teil-Vergütung erhält? Für den zeitlichen Einsatz, der über Monate und auch an den Wochenenden für den Verband geleistet wird, wäre es doch fair, wenn das auf eine Weise auch honoriert würde.

Um an meine letzte Antwort anzuknüpfen: Das wäre natürlich eine sehr konkrete Verwendung der zusätzlichen Einnahmen, von der allerdings nur einer profitieren würde. Insofern halte ich auch von dieser Idee nichts. Unabhängig davon ist der Arbeitsaufwand, den das Amt eines DSB-Präsidenten mit sich bringt, in der Tat sehr hoch, aber das gilt vermutlich auch für andere Ehrenämter, für die man bekanntlich per Definition nicht entlohnt wird.

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Unsere geschätzten LeserInnen haben ein paar knifflige Fragen eingesendet. Hier sind sie:

Achim Zehl

Meine Frage an Herrn Krause: als Informatiker sind Sie sehr aktiv im Internet, betreuen oder betreuten mehrere Websites. Als CMS verwenden Sie dabei WordPress und in den letzten Jahren wohl bevorzugt Joomla. Werden Sie auch die DSB-Website auf ein modernes CMS wie Joomla umrüsten und das Design auffrischen?

Die Auswahl des konkreten Content Management Systems ist meines Erachtens nicht so relevant, und ich gehe davon aus, dass auch das beim DSB verwendete CMS (Contao) den technischen Anforderungen an ein modernes System genügt. Wichtiger sind andere Dinge wie Übersichtlichkeit, einfache Benutzerführung und Bedienbarkeit auch auf mobilen Geräten, und da gibt es auf der DSB-Seite mit Sicherheit Verbesserungspotential. Aber wirklich ausschlaggebend für die Attraktivität einer Webseite sind letzten Endes die Inhalte, und hier würde ich dafür werben, andere Schwerpunkte zu setzen – natürlich in Absprache mit dem Referat Öffentlichkeitsarbeit und dem zuständigen Vizepräsidenten.

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Krennwurzn

Lieber Herr Krause, haben Sie auf die Frauen total vergessen? Im Schach haben wir einen Frauenanteil der noch geringer ist als in Vorständen/Aufsichtsräten - könnte der von Ihnen beschriebene Jungerwachsenenknick nicht dadurch begründet sein, dass Frauen 20+ fast komplett das Vereinsschach verlassen?

Nach meiner Erfahrung verlassen die Mädchen das Vereinsschach im Durchschnitt sogar noch ein paar Jahre früher als ihre männlichen Vereinskameraden. Insofern sehe ich hier keinen direkten Zusammenhang. Unabhängig davon finde ich den Ansatz, dass man den Frauenanteil in den Vereinen erhöhen sollte, damit deswegen auch mehr Männer den Vereinen treu bleiben, etwas fragwürdig. Wir sollten uns um alle Mitglieder beiderlei Geschlechts in allen Altersstufen gleichermaßen bemühen.

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Ullrich, hier eine Leserfrage aus dem Alpenraum, die ich nicht ganz verstehe. Sie klingt ein bisschen nach einem Body-Check:

Krennwurzn

Lieber Herr Krause, ein moderierender DSB-Präsident stellt keine Neuerung dar, denn das ist aus dem ehemals aktiven Herbert Bastian geworden - er moderiert seine Wiederwahlen. Wollen Sie uns da nur alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen?

Ich kenne Herbert Bastian seit Anfang der 90er Jahre als Schachspieler und seit 2008 als Funktionär. Die Art und Weise, wie er damals gemeinsam mit Hans-Jürgen Weyer den AKLV geführt hat, entspricht meiner Vorstellung einer moderierenden Führung, bei der alle mitgenommen und die einander oft auch widersprechenden Ansichten abgeglichen werden, damit man am Ende auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Ich habe allerdings den Eindruck, dass ihm das in seiner Eigenschaft als DSB-Präsident nicht mehr gelingt, und genau aus diesem Grund habe ich mich auch entschieden, für sein Amt zu kandidieren. Insofern ist die Idee des moderierenden Präsidenten als solche in der Tat nicht neu, aber gleichwohl die Grundvoraussetzung für den Erfolg seiner Arbeit.

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 Herbert Bastian führt den Schachbund seit 2011     Foto: GF Hund

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Eine der Säulen Deines Wahlprogramms ist das Fördern des Schulschachs – sicher eine richtige Idee. Wie aber möchtest Du die große Anzahl von Jugendlichen und Kids, die an den Schulen oft begeistert Schach spielen, auch in die Vereine holen und dort halten? In den letzten Jahren hat das ja nicht allzu gut geklappt – jedenfalls gibt es immer noch eine gewaltige Lücke im Bereich der jüngeren DSB-Mitglieder.

Die Lücke klafft meines Erachtens erst im oben bereits erwähnten Alter der „jungen Erwachsenen“, die die Vereine scharenweise verlassen. Ich glaube, dass man ganz neue Wege gehen muss, um diese Zielgruppe zu erreichen, und der an sich naheliegende Gedanke ist das Online-Schach, allerdings nicht als Konkurrenz zum Vereinsschach, sondern als neue Komponente. Die Firma ChessBase hat bei der Bundesvereinskonferenz in einem Workshop Möglichkeiten aufgezeigt, wie man den Vereinsabend durch entsprechende Angebote an die Mitglieder aufwerten kann. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies der richtige Weg ist, um die jungen Erwachsenen im Verein zu halten und man braucht dazu nicht mehr als ein Notebook und einen Beamer.

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In Deinem Verein, dem Lübecker SV, seid Ihr ja mit Eurer Jugendarbeit sehr erfolgreich in den letzten Jahren. Was ist Euer Trick, und kann man das auch im DSB und in anderen Vereinen irgendwie umsetzen?

Um es einmal in drei Sätzen zusammenzufassen: Vereine, die keine Jugendarbeit betreiben, sterben irgendwann aus. Die einzige echte Chance für nachhaltige Jugendarbeit basiert auf dem Schulschach, und ausschlaggebend für den Erfolg ist letzten Endes die Verbindung zwischen den Schulschach-AGs und dem Verein.

Ich habe das Lübecker Konzept bei der Bundesvereinskonferenz vorgestellt. Leider sind die entsprechenden Materialien noch nicht auf der DSB-Webseite verfügbar, so dass ich nur mit diesem Link von unserer Vereins-Webseite dienen kann: https://www.lsv1873.de/index.php/aktuelles/nachrichten/915-schachverein-und-schachschule-eine-gelungene-symbiose

Die wesentliche Idee bei dieser „Symbiose“ ist die Zusammenarbeit des ehrenamtlich aufgestellten Vereins mit der professionell agierenden Schachschule, die in unserem Fall so weit geht, dass Veranstaltungen der Schachschule in unserem Vereinsheim stattfinden. Das führt wiederum dazu, dass die Kinder im Rahmen der Schulschach-Aktivitäten die Schwelle zu unserem Verein im Wortsinne überschreiten, und das erleichtert sowohl den Kindern als auch den Eltern die Entscheidung, in den Verein einzutreten.

Ich kenne in Schleswig-Holstein drei weitere Vereine, die exakt dieses Modell einer Kooperation mit einer Schachschule umgesetzt haben und damit ebenfalls sehr erfolgreich sind, und ich nehme an, dass es deutschlandweit noch viele weitere gibt. Die Größe des Vereins spielt dabei keine so große Rolle, wichtig ist nur, dass der Verein den Kindern, die dann automatisch dem Verein beitreten, auch etwas anbieten kann, sonst sind diese Kinder auch ganz schnell wieder ausgetreten.

Lübeck2Rasmus

Der junge GM Rasmus Svane (Lübecker SV, jetzt Hamburger SV SK!)
                                                        auf der DEM in seiner Heimatstadt

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Wie sieht Dein Wahlkampf aus? Hast Du ein Team, das mit Dir zusammen die Positionen besetzen würde?

Ich unterstütze die Kandidatur von Walter Rädler für das Amt des Vizepräsidenten Verbandsentwicklung und würde es begrüßen, wenn er seine sehr erfolgreiche Arbeit in Bayern auf ganz Deutschland ausweiten könnte. Ich kann mir außerdem gut vorstellen, mit den anderen beiden Vizepräsidenten Ralf Chadt-Rausch (Finanzen) und Klaus Deventer (Sport) zusammenzuarbeiten.

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Abschließend, Ullrich – in Kürze gibt es eine Wahl zwischen Herbert Bastian und Dir. Nenne uns bitte noch einmal drei Gründe: warum sollten sich die Delegierten für Dich oder gegen den bisherigen Präsidenten entscheiden?

Ich werde alle Beteiligten zur aktiven Mitarbeit bewegen: Ohne die Unterstützung der Landesverbände kann der DSB nichts erreichen.

Ich werde Arbeit an der Basis betreiben: Eine intensive Förderung des Schulschachs sorgt für einen Zuwachs der Mitgliederzahlen und stoppt gleichzeitig das Vereinssterben.

Ich werde die Zusammenarbeit mit externen Partnern intensivieren: Nur die Kombination aus ehrenamtlicher und professioneller Arbeit kann auf Dauer nachhaltig und erfolgreich sein.

 Ullrich Krause 03

 Ullrich, herzlichen Dank für dieses Interview, und dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast. Wir freuen uns auf die Wahl am Himmelfahrts-Wochenende in Linstow!