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Der Schach-Blog

Mittwoch,19 Juni 2013

Aktualisiert23:02:12 Wed

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Stell dir vor, es ist Deutsche und niemand geht hin!

Wie weit kann man Negativrekorde eigentlich noch unterbieten? Über eine dünne, unterklassige mangelhafte, unwürdige Besetzung der Deutschen Meisterschaften beschweren wir uns alle ja schon lange und fleißig – zumindest solange ich mich für Schach interessiere. Ob Osterburg, Saarbrücken oder Bad Liebenzell – alles Meilensteine aus dem vergangenen Jahrzehnt, auf dem Weg zu weniger Preisgeld, weniger Prestige und weniger Begeisterung. Mit einer vorläufigen Krönung im letzten Jahr, als im von öffentlichen Verkehrsmitteln weitgehend unerreichbaren Bad Liebenzell neben der DEM ein großes offenes Open stattfinden sollte – wenn mein Gedächtnis mir keinen Streich spielt, mit Kapazität für bis zu 180 Teilnehmer. Es kamen 10 (davon etwa die Hälfte Profis aus dem Ausland). Wenn das mal kein Schlag ins Gesicht war… In den letzten Jahren lief es trotzdem irgendwie – zwar mehr schlecht als schlecht, aber immerhin. Das liegt daran, dass zu dem (über die Jahre hinweg sehr konstanten) Feld der 2300er bis 2400er, die sich über die Popel-Landesverbandsturniere qualifizierten, bedingt durch eine sehr großzügige Freiplatzpolitik immer noch eine 8-10 Mann starke GM/Jungtalent-IM-Spitze künstlich aufgesetzt wurde, die dann auch meist geschlossen den Preisfond unter sich aufteilen konnte. Natürlich insgesamt ein recht fragwürdige Praxis, den (jedes Jahr gleichen) „ehrlich“ Qualifizierten jedes Jahr die Termiten vor die Nase zu setzen, die ihnen immer wieder das Holz wegknabbern. Mich persönlich als Klein-Termit würde das ärgern, aber es wurde von der Allgemeinheit im Namen der Steigerung der Turnierqualität und des Zuschauerinteresses ganz gut hingenommen und vermutlich sogar begrüßt. Und die Qualifikanten aus den Landesverbänden, allesamt keine Profis, freuten sich auch bestimmt mal über die Gelegenheit, ein Remis gegen eine GM zu erzielen, oder wenigstens mit Würde zu verlieren.

Von daher war alles nicht so schlimm. Auf niederstem Niveau, aber die DEM siechte vor sich hin, so von Jahr zu Jahr. Es gab zwar noch weitere, eher weniger begrüßenswerte freiplatzpolitisch bedingte Auswüchse – zum Beispiel stellt sich mir die Frage, warum es bei der DEM 2009 in Saarbrücken für das Allgemeinwohl unumgänglich war, 4 Spieler aus dem Saarland mit ELO 22xx aus dem Saarland ins Teilnehmerfeld zu schleusen, aber solche „special cases“ fallen vielleicht auch nicht allen auf.

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Leider sind bedingt durch den sich aus der Zusammenlegung ergebenden Platzmangel im Männerturnier nur noch 30 statt der früheren ca. 45 Starterplätze verfügbar (zumindest ist das die offizielle Begründung und an ihren Wahrheitsgehalt zu glauben, erscheint mir zwar durchaus etwas naiv, aber die einzige andere Möglichkeit die sich mir erschließt, wäre eine absolute Benebeltheit der Verantwortlichen, die ich ihnen natürlich niemals vorwerfen würde!) und deshalb wird die Freiplatzpolitik in Bonn 2011 etwas gestutzt werden. Neben den 3-4 Spielern mit 2230 ELO aus Bonn, denen ich die Teilnahme ja durchaus noch gegönnt hätte, bekommen jetzt aber leider im Gegensatz zu den letzten Jahren etwa 8-10 Großmeister einfach mal keinen Freiplatz. Man hätte das Turnier zwar auch ganz GM-frei durchziehen können (die Vorzüge der Frauenmeisterschaft hätten dies mit Sicherheit mehr als wettgemacht), aber mit Jan Gustafsson, Daniel Fridman und Rainer Buhmann fanden sich am Ende doch noch Freiwillige, die sich bereit erklärt haben, den etwas faden aber doch sättigenden Preiskuchen aufzuessen. Kann ich durchaus nachvollziehen, ich hätte an deren Stelle ja auch nicht gefühlte 3000€ EV einfach in den Wind gehauen, hätte man mich gefragt. Wobei ich auch durchaus Verständnis für Georg Meier aufbringen kann, der eben keine Bereitschaft aufbringen konnte, sich in einem IBIS-Hotel an Amateuren die Hände schmutzig zu machen und seine Zahl zu ruinieren. Das muss letztendlich jeder selbst wissen, wie er das handhabt.

Es wird sich zeigen ob die genannten Drei auf ihrem Weg auf irgendeinen Widerstand treffen werden. Vielleicht wenigstens auf einen weiteren GM – wenn Titelverteidiger Niklas Huschenbeth, der zur Stunde beim Aeroflot-Open in Moskau weilt, bis dahin endlich seine 2500 zusammen hat.

Viel Spaß in Bonn, Freunde! Ich bleibe fern.

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Kommentare  

 
#1 Georg Meier 2011-02-10 17:58
Einwurf: Als ich an meiner letzten Deutschen Meisterschaft in Saarbrücken teilnahm,erklärte Herbert Bastian bei der Siegerehrung dass er sich bei den anwesenden Spitzenspielern bedankt,die durch ihre Teilnahme ihre Unterstützung des Austragunsmodus zum Ausdruck bringen. Angewidert beschloß ich nicht mehr an einer Deutschen Amateurmeisterschaft teilzunehmen. Aber ich habe doch nichts gegen die Amateure per se! Ich gehöre einfach nicht dahin,das ist alles. Dieses Jahr kann man dort mühelos gutes Geld verdienen. Aber das hat mich noch nie sonderlich interessiert im Schach. Ich suche sportliche Herausforderungen sonst fehlen mir Motivation und Spaß!
Wenn eine "echte" Deutsche Meisterschaft stattfindet(was wohl niemals passieren wird,solange die Landesverbände über den Modus entscheiden),würde ich eine Teilnahme auch wieder in Betracht ziehen. Ganz nebenbei bemerkt sehe ich überhaupt kein Risiko für meine Elo-Zahl. Oft wird davon gesprochen dass man sich in Opens nur die (hohe) Zahl ruinieren kann. Das Gegenteil ist der Fall. Ich glaube das letzte Open bei dem ich Elo verloren habe liegt schon sehr lange zurück. Die Zahl ruiniere ich immer in den Ligen,warum auch immer....

(nicht existierende Links entfernt - Krennwurzn)
 
 
#2 GLorscheid 2011-02-10 19:47
Ihm sei egal wer unter ihm Weltmeister sei, soll unser FIDE-Präsident einmal gesagt haben. Der wahre Kern daran ist, dass Funktionäre auch ohne Sportler leben können, solange der Betrieb, die Beiträge und Zuschüsse normal weiterlaufen. Organisatoren für DEMs wird man bei 75,00 Tagesgeld pro Teilnehmer weiterhin leicht finden auch wenn die Stars fehlen. Es gibt da doch so viele Kurorte, in denen im November oder März man sich über Schachspieler freut und einen ungenutzten Saal gibt es da meistens auch. Vielleicht spart der DSB ja schon für die nächste Olympiade.
Der Viererpokal wurde ja schon passend mit der Amateurmeisterschaft zusammen gelegt, seitdem sich dort ja fast nur noch die Amateurmannschaften treffen. Das war vielleicht ein Test für die DEM.
 
 
#3 Krennwurzn 2011-02-11 00:05
Ganz böse und ein wenig naiv gefragt:

Würde eine DEM mit den besten 10 der FIDE-Liste für großes Publikumsinteresse sorgen?

 Naiditsch, Arkadij 2685
 Meier, Georg 2667
 Fridman, Daniel 2655
 Gustafsson, Jan 2652
 Kritz, Leonid 2624
 Graf, Alexander 2621
 Khenkin, Igor 2618
 Dautov, Rustem 2602
 Huebner, Robert, Dr. 2600
 Doettling, Fabian 2579

Und möglich wäre so ein Feld wohl nur, wenn damit Anreize wie beispielsweise Qualifikationen für den WM-Zyklus, etc. möglich wären.
Vielleicht würden die Bayern auch nicht in der Bundesliga spielen, wenn sie sowieso für die Championsleague qualifiziert wären.
 
 
#4 Cheater 2011-02-11 12:27
Zitat Schneider:
"Wobei ich auch durchaus Verständnis für Georg Meier aufbringen kann, der eben keine Bereitschaft aufbringen konnte, sich in einem IBIS-Hotel an Amateuren die Hände schmutzig zu machen"

Eine wirklich interessante Sicht der Dinge!

Wer so seine [schwächeren] Sportkollegen sieht, der tut mir wirklich Leid!
 
 
#5 GLorscheid 2011-02-11 12:42
75 Euro bekommt der Ausrichter nach meiner Kenntnis vom DSB bzw den Landesverbänden für jeden Teilnehmer pro Tag um Unterkunft und Vollpension ohne Getränke zu stellen. (DSB-Turnierordnung H-1.5.1)
 
 
#6 Gerahrd 2011-02-11 12:58
Cheater: Das siehst Du m. E. falsch.

Georg Meier "schaut vermutlich NICHT auf Schwächere herunter", sondern will sich nicht duellieren mit ungleichen Waffen. Das ist eine faire Haltung den Amateuren gegenüber.
So zumindest kam es bei mir an.
 
 
#7 ingwer 2011-02-11 13:07
@cheater: Glaubst Du ein Fußballnationalspiel er hätte Lust sich sein Geld mit Spielen gegen Oberligamannschaften oder drunter zu verdienen??? Vielleicht ist die Wortwahl etwas unglücklich, den Kern trifft es doch wohl ganz gut.
 
 
#8 fragezeichen 2011-02-11 18:57
von der deutschen meisterschaft wird niemand ausgeschlossen. man muss sich halt qualifizieren. wem die art der qualifikation nicht passt, der kann sich dort einbringen, wo änderungen beschlossen werden. wenn jemand meint, die art derr meisterermittlung sei nichts wert, dann ist es dessen meinung. wenn er nicht hingeht, wird er zurecht nicht deutscher meister.
 
 
#9 Georg Meier 2011-02-11 21:16
Dass diese "art der meisterermittlung" wertlos ist, ist Konsens unter den führenden Spielern,vermutlich sogar unter fast allen deutschen Großmeistern. Sogar Uwe Boensch unterstützte die Änderung des Modus. Allerdings entscheiden die Landesverbände über den Modus und wollen die Privllegien ihrer Vertreter nicht aufgeben. All das obwohl es schon eine Amateurmeisterschaft gibt. Aus meiner Sicht ist der Titel des deutschen Meisters bald völlig entwertet. Ein Sieg bei diesem Semi-Open hat nichtmal den sportlichen Wert eines Erfolges in Deizisau,Dresden oder Bad Wiessee und das sind weissgott keine sonderlich starken Opens.
 
 
#10 Ein Amateur aus Deutschland 2011-02-11 23:34
Inhaltlich ist die Entwicklung der DM sicher sehr kritisch zu bewerten, welche Ignoranz und Überheblichkeit spricht aber aus Wörtern wie diese..."Popel-Landesverbandsturnie re", "absolute Benebeltheit der Verantwortlichen", "Hände schmutzig zu machen und seine Zahl zu ruinieren".

Aber dieser Stil ist ja bekannt von IM S. Kritik ist erlaubt. Selbstkritik ein Fremdwort?
 
 
#11 IceMan 2011-02-12 00:10
"Als ich an meiner letzten Deutschen Meisterschaft in Saarbrücken teilnahm,erklärte Herbert Bastian bei der Siegerehrung dass er sich bei den anwesenden Spitzenspielern bedankt,die durch ihre Teilnahme ihre Unterstützung des Austragunsmodus zum Ausdruck bringen. Angewidert beschloß ich nicht mehr an einer Deutschen Amateurmeisterschaft teilzunehmen...Dieses Jahr kann man dort mühelos gutes Geld verdienen. Aber das hat mich noch nie sonderlich interessiert im Schach. Ich suche sportliche Herausforderungen sonst fehlen mir Motivation und Spaß!" (Georg Meier)

2 kleine Anmerkungen dazu:

1) Ich finde es sehr befremdlich, sich in dem oben beschriebenen Szenario "angewidert" zu fühlen.

2) Wenn statt Geld für dich "sportliche Herausforderungen" im Vordergrund stehen, dann erklär mir mal bitte ganz kurz, weshalb du nicht an der Olympiade teilgenommen hast. Dort war abgesehen von Anand und Gashimov (wenn ich mich richtig erinnere) die komplette Weltelite versammelt.

Ganz allgemein zur DEM 2011:
Ich finde es gar nicht so übel, wie das Turnier dieses Jahr aufgezogen wird. Für Amateure ist eine Deutsche Meisterschaft immer interessant und die Profis haben aufgrund des ordentlichen Preisfonds auch einen Anreiz da mitzumischen.
 
 
#12 Krennwurzn 2011-02-12 09:56
Die Kritik, dass die DEM 2011 eine ""Amateuermeisterschaf t"" sei, muss man sich wohl gefallen lassen, wenn in einem Land, das laut FIDE 76 GMs und 211 IMs hat, bei einem 30er Feld die Hälfte der Teilnehmer titellos ist.
 
 
#13 Thomas Oliver 2011-02-12 12:07
Bisher wurde hier vor allem gemeckert. ohne konkrete Vorschläge zu machen wie es besser gehen könnte. Ich hätte zwei:

1) ein riesiges (mehrere hundert Teilnehmer) Schweizer System wo jeder ohne vorherige Qualifikation teilnehmen kann - Grossmeister und Amateure.
Fände ich persönlich nicht so toll, aber so wird die Europameisterschaft ausgetragen. Wobei da für Profis bis knapp über 2700 (also ausser Carlsen und Topalov) der Anreiz direkte Qualifikation für den World Cup ist, das wird der Schachbund bei der FIDE für die Deutsche nicht erreichen können ... .

2) das bisherige System beibehalten plus ein Rundenturnier mit Elo- und Turnierqualifikanten , z.B. Krennwurzn's Liste (plus Nachrücker falls einer der top 10 keine Zeit oder kein Interesse hat) plus vier Spieler aus dem (dann) "Halbfinale". In den Jahren danach Auf- und Absteiger aus der Königsgruppe.
Nachteil: man braucht jedes Jahr zwei Ausrichter und zwei Termine (oder man entscheidet sich für einen zweijährigen Zyklus?).
Ilja Schneider wäre als deutsche Nummer 43 übrigens nicht direkt qualifiziert ... . Und betrifft Georg Meier: In Opens kann er ja auch nicht sagen "der Gegner ist mir aber zu schlecht ...".
 
 
#14 Tiger-Oli 2011-02-12 12:17
Moin aus Bremen,

Mensch, Mensch, dieser Ilja, schafft es doch immer wieder, spannende Diskussionen zu entfesseln! Ich finde das gut - wie soll sich sonst etwas ändern?

Zum Turnier selber - kann es denn ein Problem sein, wenn in einem Feld UNTER ANDEREM aus jedem Landesverband EIN Spieler mit dabei sein darf? Ich verstehe nicht die Aufregung. Und ich glaube nicht, dass der Modus an der Teilnahme dieser 16 Verbands-Teilnehmer scheitern muss. Überhaupt nicht!

Das Problem wird wohl eher sein, dass der Titel "Deutscher Meister" nicht mehr zieht - sonderbar genug. Es lockt scheinbar niemanden mehr an, der Rang und Namen hat. Aber was soll man da machen? Soll man da was machen? Ich finde es schon beängstigend, dass das Feld oberhalb der Amateure so ausgedünnt ist. Ein tolles Turnier sieht wohl anders aus. Aber das wird dann wohl eine Frage von Preisgeld sein, zum Einen. Kein GM verpasst ein gutdotiertes Open, nur weil dort auch Amateure mitspielen. Im Gegenteil kommen sie dennoch hin, denn das Preisgeld ist eben attraktiv (und/ oder die Konditionen). Scheinbar ist das jetzt nicht mehr der Fall. Gab es nicht früher mal ein Auto zu gewinnen, für den ersten Platz? Noch nicht lange her, wenn ich mich nicht irre. Aber da hilft nur ein Sponsor, ohne geht es nicht.

Das andere Problem hat Arkadij Naiditsch formuliert, als er die Terminüberschneidung en ansprach - letztes Jahr lag die DM parallel zur Europameisterschaft, und somit wanderten viele starke Spieler ab zur EM. So etwas macht keinen Sinn, und es wäre bestimmt hilfreich, wenn man die Termine ein wenig besser koordiniert.

Ich glaube schon, dass es Lösungen gibt. Den "Eigensinn der Landesverbände", die ihre Landesmeister weiter mitspielen lassen wollen, würde ich aber bei weitem nicht als Grund für die Probleme bei der DM sehen.

Moin, aus Bremen!

Tiger-Oli
 
 
#15 Georg Meier 2011-02-12 13:53
Meine Kommentare scheinen nicht klar genug formuliert zu sein, denn hier werden die falschen Schlüße gezogen. Ich nehme in erster Linie nicht an der DEM teil, weil ich diese Form der Austragung nicht unterstützen will ! Die DEM ist im Verhältnis zur Spielstärke der Teilnehmer das bestdotierte Schweizer-System Turnier. Ich habe auch Opens gespielt, und keinerleit Problem damit gegen Amateure zu spielen. Dieser Eindruck wurde nur von Ilja erweckt und hat mich gewissermaßen zu einem Kommentar gewzungen. Warum ich nicht die Olympiade spiele wenn es nicht primär ums Geld geht? Wenn ich für einen Verband starten würde der einfach das Geld nicht hat, beispielsweise Uruguay, habe ich kein Problem damit. Aber für einen Verband der seine Spieler im Stich lässt OBWOHL Geld und Möglichkeiten da sind die Spieler zu fördern und bei positiver Einstellung auch das Honorar durch externe Geldgeber zu erhöhen, sieht es anders aus. Dass ich damit recht habe, sehen mittlerweile auch einige DSB-Offizielle ein. Ich habe auf 4000€ Sonderförderung verzichtet um mich mit den anderen Spielern zu solidarisieren und auf die miserablen Zustände aufmerksam zu machen. Im Sommer werde ich an den EMG (European Maccabi Games) teilnehmen und in fast 2 Wochen nicht einen Cent verdienen. Ich bin von der A-Mannschaft sicher der Spieler dessen Entscheidungen am wenigsten vom Faktor Geld geprägt sind. Das sollte man im Hinterkopf behalten um nicht laufend die falschen Fragen zu stellen. Das angemessen Format für eine DEM ist ein Rundenturnier. Die Frage die sich stellt ist wer sich wie dafür qualifiziert, oder ob man sogar parallel 2 Rundenturniere(eine Lösung um mehr Qualifikanten unterzubringen) ausrichtet und die besten 4 dann den Titel unter sich ausspielen. Achja, jemand sagte auch noch dass bei Olympia die Weltelite versammelt ist... Ja,aber das konzentriert sich doch aufs 1. Brett. Damit ist aus meiner Sicht alles gesagt und ich werde mich erstmal wieder hier heraushalten. [Krennwurzn: Bitte nach einem . ein Leerzeichen einfügen, weil ansonsten das System hier eine nicht existierende Verlinkung einbaut - Danke]
 
 
#16 sunshine 2011-02-12 14:34
Amateurmeisterschaft schön und gut, aber wenn man keine Rahmenbedingungen für die Spitze schaffen möchte oder kann, warum kommuniziert man dies nicht? Die Beschickung mit den Dreien aus dem A-Kader und der Versuch eines annehmbaren ersten Preises sind hier doch absolut kontraproduktiv. Und zur Thematik eines „ordentlichen Preisfonds“ der angeblich für Profis interessant sei, möchte ich folgende Rechnung aufstellen:
Stellen wir uns vor, das Turnier wäre mit 15 GM einigermaßen besetzt, dann reduziert dies die durchschnittliche Preisgelderwartung des Einzelnen erheblich. So kann selbst ein an eins gesetzter Spieler im Mittel wohl nur davon ausgehen, vielleicht den 4. Platz zu machen. Gut geben wir ihm den dritten und berechnen seine Erwartung:

Kosten 10 Nächte a 75 € 750€
Reisekosten pauschal 100 €

Gesamtkosten 850 €

Einnahmen 2000€ brutto ex 19% Mwst=1680 € netto

Gewinn: 830 €

Aufwand 11 Tage plus Vorbereitung und erwartetem Qualifikationsturnie r (dessen Kosten hier unberücksichtigt blieben, wie auch evtl Zuschüsse der Landesverbände). Ca 18 Tage oder einem Mannmonat eines Angestellten.

Für einen Selbstständigen ein erbärmliches Ergebnis.

Soweit zur Nummer 1. Wie düster die Berechnung für etwas Schwächere ausfallen wird, kann sich jeder ausrechnen. Bei 8 Preisen legt bereits der Sechste drauf. Doch lassen sich wohl viele von dem zugegeben ansprechenden 1. Preis von 6.000 € blenden, der für die Wenigsten in realistischer Nähe ist.

Habe ich gravierende Fehler begangen oder sieht so eine Konzeption aus, die danach trachtet, starke Spieler anzuziehen? Denn letztendlich dient eine Deutsche Meisterschaft der Ermittlung des Deutschen Meisters und dem idealerweise besten Spieler des Landes.

@Tiger-Oli: Für viele ist der Titel bestimmt noch wichtig, doch irgendwann hört man wohl auf, den Schachbund aus ideellen Gründen zu unterstützen.
 
 
#17 Tiger-Oli 2011-02-12 18:23
Hey Sunshine,

guter Kommentar, interessante Rechnung. So kommt mal etwas Licht ins Dunkel.
Aber - der Tagessatz von 75,- Euro wird nicht von den Spielern gezahlt. Der Landesverband zahlt das, damit seine Spieler mitspielen dürfen. Wenn ich also GM xyz wäre, müsste ich das nicht zahlen (denke ich), denn mit Freiplatz wäre ich von (m)einem Verband gesponsort. Diese Kosten fallen also schonmal weg, und ich habe eine Woche ein Unterkunft schon einmal umsonst - auch nicht schlecht.

Was die Gewinnerwartung allerdings angeht - das ist immer schwierig natürlich, für GMs. Sie wissen nie, ob sie einen Preis schnappen können, und die Erwartungswerte dämpfen dann na klar auch die Euphorie. Aber andererseits - hey, das sind eben Profis. Die werden das kennen, und auf keinem Turnier ist die Chance groß, wirklich etwas zu gewinnen (Bad Wiessee, Mainz, oder wo auch immer). Es ist immer jemand da, der den großen Preis zu schnappen droht. Aber - das weiß man vorher.

Allerdings fängt man dann schon an zu überlegen, ob man die eine Woche Schach ohne Aussicht auf Preisgeld nicht durch eine Woche Trainingsstunden mit festem Tagesgeld ersetzt - um so sein Einkommen zu sichern. Die Überlegung macht natürlich Sinn. Und schon meldet man sich nicht zur DM - wie wohl so einige.

Es bleibt schwierig.
 
 
#18 sunshine 2011-02-12 19:50
@oli- Wie kommst Du darauf, dass der Verband die Kosten der GM übernehmen würde? Anscheinend doch nur für die 3 aus dem Kader..

Aber wenn alle 30 Plätze von den Landesverbänden bezahlt werden sind es immerhin 22.500€ Zuschüsse. Mit diesem Grundstock könnte man auch über eine andere Konstellation nachdeken.
 
 
#19 Tiger-Oli 2011-02-12 20:12
hey Sunshine,

na, das hoffte ich wohl, dass die GMs als Freiplatz-Inhaber dann auch so umsonst wohnen können wie die anderen Starter. Würde ich erstmal fair finden.
Aber Du hast Recht- es ist mehr eine Vermutung.

Weiß jemand mehr?
 
 
#20 Georg Meier 2011-02-12 20:22
Von den bisher bekannten Teilnehmern dürfte nach meinem Kenntnisstand kein Einziger den Tagessatz aus eigener Tasche zahlen.
Die Landesverbände zahlen für ihre Vertreter,der DSB für die Spieler die er schickt,den obligatorischen Freiplatz für den Titelverteidiger finanziert wohl der Veranstalter.
Ich verstehe nicht wie man hierüber diskutieren kann bevor man die Faktenlage klärt.
Das hat dann doch eher Stammtischniveau.
 
 
#21 Tiger-Oli 2011-02-12 20:46
Moin Georg Meier, GM!

Na, ich finde das toll, wie Du hier mitdiskutierst. (Wenn Du es wirklich bist - aber davon gehen wir mal aus! :-)

Sieh´ uns aber bitte nach, dass wir hier nicht ALLE Fakten kennen. Wir sind ja keine Profis!
Und wie man sieht, klärt sich die Faktenlage dann ja durch ebendiese Diskussionen erst richtig auf. Und das ist dann doch auch schon wieder was Gutes, finde ich.
Nun wissen wir schonmal Bescheid, wie das mit dem Tagessatz ist.

Moin!

Tiger-Oli
 
 
#22 sunshine 2011-02-12 21:52
Ihr Beiden, darum ging es doch gar nicht. Sondern um den hypothetischen Fall weiterer spielwilliger Großmeister. Und hier ist mir zufällig bekannt, dass in der Vergangenheit von Seiten des DSB eine Teilnahme angeboten wurde, wenn die Kosten selbst getragen würden.
 
 
#23 IceMan 2011-02-12 22:59
"Wenn ich für einen Verband starten würde der einfach das Geld nicht hat, beispielsweise Uruguay, habe ich kein Problem damit. Aber für einen Verband der seine Spieler im Stich lässt OBWOHL Geld und Möglichkeiten da sind die Spieler zu fördern und bei positiver Einstellung auch das Honorar durch externe Geldgeber zu erhöhen, sieht es anders aus." (Georg Meier)

So kannst du nicht argumentieren. Wenn ein beliebiger Arbeitnehmer seinem Chef sagt, dass Geld zwar für ihn im Prinzip bedeutungslos sei, er aber trotzdem einen satten Bonus haben möchte, mit der Begründung, dass der Chef genug Kohle hat, würde mir als Arbeitgeber direkt ein interessanter Weg einfallen weitere Kosten einzusparen.

Ich persönlich finde rund 3000 Euro + Teilnahme an dem attraktivsten Mannschaftsturnier sind schon ganz ordentlich. Sollte ich irgendwann unter den besten 5 Deutschen sein, würde ich 3000 Euro bezahlen und zu Fuß nach Khanty Mansysk laufen, um für Deutschland bei einer Olympiade spielen zu dürfen.

Ein weiterer Witz ist in dem Zusammenhang, dass die Frauen (wenn ich richtig informiert bin) auch jeweils rund 3000 Euro pro Nase für ihre Olympiateilnahmen erhalten haben. Sinnlos rausgeworfenes Geld, das bei den Männern wesentlich besser angelegt gewesen wäre.

Noch zur DEM:

Wenn 16000 Euro Preisfonds in einem (gemessen an dem Preisen) relativ schlecht besetzten Turnier kein Anreiz für eine Teilnahme darstellen, dann scheint es den Schachprofis in Deutschland gar nicht so schlecht zu gehen.

Natürlich kann man das Ganze auch rein professionell als geschlossenes Rundenturnier mit den 10 elostärksten Spielern aufziehen. Ich bin mir aber relativ sicher, dass die überwältigende Mehrheit der Schachmitglieder in Deutschland das derzeitige System bevorzugen. Das liegt unter anderem auch daran, dass selbst eine Spitzenbegegnung Naiditsch - Meier die Leute nicht vom Hocker reißen würde. Die einzige wirklich interessante Landesmeisterschaft findet meiner Meinung in Russland statt, weil da viele Weltklasseleute jenseits der 2700 mitmischen.
 
 
#24 Krennwurzn 2011-02-13 00:29
Die Argumentation "mir geht es nicht ums Geld, sondern um den sportlichen Wert, aber die Gage ist mir für die anderen zu wenig" ist in sich nicht wirklich schlüssig!

Ein Profi muss natürlich auch aufs Geld schauen - tut er das nicht, ist er eher ein Amateuer oder "Nebenerwerbshobbyspo rtler"! Ein Michael Schumacher fährt auch nicht gratis für Mercedes obwohl er sich das locker leisten könnte.
 
 
#25 Georg Meier 2011-02-13 00:42
Ich denke man muss es uns Spielern zugestehen die Angemessenheit der zur Sprache stehenden Beträge unter den gegebenen Umständen zu bewerten. Niemand kann sich in unsere Lage versetzen, schon die Informationsgrundlag e fehlt weitestgehend. Man muss meine Sicht der Dinge natürlich nicht teilen,aber hier ist eine Diskussion auf Augenhöhe per se nicht möglich. Ich möchte lediglich einen Einblick vermitteln,um den Lesern eine wichtige Perspektive mitzugeben. Der Vergleich mit einem Angestellten-Verhältnis ist an den Haaren herbeigezogen. 1. gibt es für mich immer nur einen möglichen "Arbeitgeber". Ich kann mir meinen Verband nicht wie einen Verein aussuchen. Im letzten Jahr sind von 110.000€ im Leistungssportetat nur etwa 4000€ in Form von Zuschüßen direkt an A-Kader- Spieler gefloßen, darauf spielte ich unter anderem an als ich davon sprach dass der DSB das Geld zur Förderung hat und seine besten Spieler bisher trotzdem im Stich lässt. Das lässt sich auch nicht mit dem Privatvermögen eines Arbeitgebers vergleichen...
 
 
#26 Georg Meier 2011-02-13 01:10
Krennwurzn...Ich meine natürlich es geht mir nicht in ERSTER Linie ums Geld. Ein Faktor ist es selbstverständlich. Und die Gage war uns allen gleichermaßen zu wenig. Du schusterst Dir auch alles nur irgendwie zusammen.... Immer diese absolut sinnlosen Vergleiche dazu. Schade dass Du von der Situation so wenig verstehst.
 
 
#27 Krennwurzn 2011-02-13 03:01
Nun der Vergleich ist keineswegs sinnlos - ich versuche es Dir zu erklären:

Schumacher möchte für seine Leistung den Betrag X (wie jeder Profi)

a) Mercedes ist das zu teuer -> kein Vertrag

b) Mercedes ist bereit diesen zu bezahlten -> Vertrag

Folgejahr Schumacher möchte 2X - Mercedes sagt NEIN. Kann dann Schumacher argumentieren: Ihr macht 1,2 Milliarden Gewinn - Geld ist im Überfluß da, was macht ihr wegen 12 Milliönchen so ein Theater?

Was Du leider nicht verstehen dürftest, ist dass auch für Schachprofis ein Markt besteht und keine Bezahlpflicht (auch für den eigenen Verband nicht), das bedeutet schlicht und ergreifend, dass (Gagen)verhandlungen auch scheitern können! Nämlich dann, wenn dem Gegenüber der Preis für die Leistung aus welchen Gründen auch immer zu hoch ist und zwar unabhängig davon, ob Geld da ist oder nicht!

[Bitte bei Deinen Texten nach einem PUNKT (.) ein Leerzeichen einfügen - das System hier generiert ansonsten nicht existierende Links.Links]
 
 
#28 balladin 2011-02-13 03:29
Sinnerfassend zuhören und Fakten richtig bewerten scheint auch für Schachspieler fortgeschrittener Spielstärke nicht leicht zu sein. Auf der Siegerehrung der DEM 2009 in Saarbrücken (9 GM, einige vom Ausrichter finanziert, 7 Olympiateilnehmer, ..., Sieger Arik Braun, www.dem-2009.de/tabelle ) habe ich mich bei den teilnehmenden Großmeistern dafür bedankt, dass sie das Turnier durch ihre Teilnahme aufwerteten. Das ist etwas Andres als die Behauptung, ich hätte mich dafür bedankt, dass sie durch ihre Teilnahme ihre Unterstützung des Austragungsmodus zum Ausdruck bringen. Da frage ich mich doch, wer unter Realitätsverlust leidet. Gerade in Saarbrücken habe ich durch massiven Druck auf das damalige Präsidium erreicht, dass alle Landespräsidenten und das DSB-Präsidium zur Siegerehrung versammelt waren, um die Möglichkeit zu einem Dialog zwischen Funktionären und Spielern zu schaffen. Das sollte ein Modell für die Zukunft sein, aber das jetzige Präsidium hat sich danach in Bad Liebenzell wie schon die Jahre zuvor nicht blicken lassen und dieses Zusammenkommen schon wieder gecancelt. Dass mit den Nationalspielern vor der Olympiade nicht geredet wurde, wäre unter meiner Verantwortung nicht passiert. Aber ein paar undeutliche Andeutungen reichen offenbar schon aus, dass vergessen wird, wer für die Misere die Verantwortung trägt. Noch ein Wort zum Honorar der Nationalspieler: Dafür müssen klare, transparente Regelungen geschaffen werden. Die Honorare müssen so bemessen sein, dass sie über einen längeren Zeitraum garantiert werden könen, sonst hat man alle zwei Jahre das gleiche Theater. Prinzipiell bin ich durchaus dafür, den Spitzenspielern entgegen zu kommen, vorausgesetzt, alle Regelungen werden transparent und nachvollziehbar getroffen. Zurück zur DEM: Unsere Großmeister haben sich bisher noch nicht zu einem Gespräch mit den Landesverbänden gestellt, um über eine mögliche Neuordnung der DEM zu beraten. Am 19.3. treffen sich die Landesverbände in Erfurt und werden das Thema erörtern. Allerdings nicht eindimensional, nur an den Interessen der Großmeister orientiert. Es geht um eine Deutsche Meisterschaft, und da muss im Prinzip jeder Spieler die Möglichkeit haben, sich durch entsprechende Leistungen zu qualifizieren. Wir wollen bitte nicht vergessen, dass ca. 99% der Mitglieder des DSB Amateure sind, die mit ihren Beiträgen den DSB finanzieren. Die Landesverbände sind offen für faire Verbesserungen, die nicht einseitig zu Lasten der Landesmeisterschafte n gehen. Ich habe bereits vor zwei Jahren ein Modell vorgeschlagen, das den Interessen unserer Großmeister entgegenkommen dürfte: Eine Internationale DEM wie in den 80er Jahren, zur Hälfte mit Spitzenspielern aus dem Ausland besetzt und mit Qualifikationsmöglic hkeit über die gewohnte NDEM. Damit könnte man die Stärken des jetzigen Systems, die es ja auch gibt, bewahren und unseren besten Spielern eine Herausforderung bieten, die sie näher an die Weltspitze bringt. Wird dort mitspielt, wird sich nicht mehr über eine mangelde sportliche Herausforderung beklagen können. Leider wurde dieses Modell bisher nicht diskutiert wie so vieles. Es ist klar, dass der DSB zunächst ein Finanzierungsproblem hätte. Aber dieses Finanzierungsproblem hätte er genauso mit einem Exklusivrundenturnie r unserer Spitzenspieler. Ich glaube nicht, dass unsere Großmeister die nötigen Tagessätze für ein Rundenturnier nach ihren Vorstellungen zahlen werden, sondern sie erwarten, dass Amateure ehrenamtlich für sie die Organisation machen und das Geld beschaffen. Ich bin der Meinung, dass eine IDEM mit entsprechender Besetzung sogar leichter zu finanzieren wäre. Nachdem ich drei Deutsche Meisterschaften organisiert habe, weiß ich, wovon ich rede. Die jetzige NDEM ist übrigens solide finanziert. Hier liest man mal wieder die unreflektierten Klischeevorstellunge n über die Machtfantasien von Funktionären. Solche Funktionäre gibt es ja wirklich. Aber es gibt auch viele Funktionäre, die sich aufrichtig und mit demokratischen Mitteln um gute Entscheidungen bemühen. Dazu ist es unabdingbar, dass man sich in gegenseitigem Respekt an einen Tisch setzt und wechselseitig die Argumente anhört, bevor man in der Öffentlichkeit verbale Rundumschläge an Personen verteilt, mit denen man noch nie ein Wort gewechselt hat.
 
 
#29 Georg Meier 2011-02-13 13:12
In der Erinnerung passen sich Details manchmal dem Gesamteindruck an,daher meine bitte um Entschuldigung an Herrn Bastian,wenn ich das falsch wiedergegeben habe.
Immerhin habe ich einen interessanten Kommentar provoziert
:-)
Zumindest sehe ich es so dass durch eine Teilnahme der Modus unterstützt wird,genauso wie er gerade durch Nichtteilnahmen unterminiert wird.
 
 
#30 balladin 2011-02-13 14:52
Für eine faire, sachliche Diskussion bin ich immer zu haben, und in meiner Funktion als AKLV-Sprecher vielleicht auch nicht die schlechteste Adresse für die hier angesprochenen Probleme. Im letzten Jahr ist viel schief gelaufen, und ich bedaure, dass die Nationalspieler die Landesverbände außen vor gelassen haben. An mich hat sich niemand gewandt, obwohl doch eigentlich klar sein müsste, dass mir die Anliegen der Spieler am Herzen liegen. Bereits auf der DEM 2002 (!) habe ich die anwesenden Spieler im Rahmen der Eröffnungsveranstalt ung (damals u.a. mit Hübner, Jussupow, Naisitsch, Luther ...) dazu aufgefordert, sich mehr im DSB zu engagieren und ihre Interessen den offiziellen Gremien vorzutragen, weil ich die Gefahr gesehen habe, dass das Spitzenschach darunter leiden könnte, dass es im DSB-Präsidium immer weniger repräsentiert wird. Ich bin bereit, mich in meiner Funktion für eine Reform der Deutschen Meisterschaften stärker als bisher zu engagieren. Meinen Vorschlag habe ich ja schon gemacht, auch für andere Ideen bin ich offen. Doch bitte ich stets zu bedenken, dass wir den Blick auf den gesamten DSB richten müssen und nicht eindimensional denken dürfen. Wir haben viele Probleme, man denke etwa an den Mitgliederschwund, an die Unterrepräsentation von Frauen, an das an manchen Orten dramatische Vereinssterben, an den Funktionärsmangel ... . Wenn wir sinnvolle Veränderungen anstreben, ist es nicht klug, diese nur an den sicher berechtigten Interessen einer Gruppe zu orientieren. Für dringend erforderlich halte ich so etwas wie einen runden Tisch der Spitzenspieler mit den Landesverbänden, die letzten Endes die Mitglieder repräsentieren und auf dem Kongress die Weichen stellen. Geheimverhandlungen mit dem Präsidium mögen zwar aus wahlkampftaktischen Gründen erstrebenswert sein, aber sie führen nicht zu mehr Vertrauen innerhalb des DSB, wenn diese Verhandlungen instrumentalisiert werden. Ich meine, dass die Distanz zwischen den Spitzenspielern und der Basis, die sich von diesen ja vertreten wissen will, geprüft und eventuell verringert werden muss. Wenn die Basis sich für die Beschaffung von Geldern für unsere Spitzenspieler und die Nationalmannschaft erwärmen und engagieren soll, muss noch mehr Vertrauen entstehen. Eine konstruktive Diskussion z.B. in diesem Blog könnte in die richtige Richtung wirken.
 

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