Betrugserkennung Wurznpraxis

by on03. Februar 2011

Ursprünglich wollte ich versuchen die Probleme der Betrugserkennung mit statistischen Methoden anhand eigener Partien ein wenig zu erklären. Allerdings wurde mir schnell klar, dass dies eine sehr sadistische Methode ist Zeit und Energie zu verschwenden. Es fehlt mir neben schachlichem Können auch die Fähigkeit derart komplexe Zusammenhänge allgemein verständlich zu formulieren.

Der Nachweis, dass beispielsweise ein Zug in einer Partie garantiert geschummelt ist, ist natürlich unmöglich: jeder reguläre Zug darf gespielt werden – auch wenn man nicht weiß, dass dieser Zug äußerst stark ist bzw. warum. Welche sonstigen Probleme sich ergeben, versuche ich anhand der folgenden Turnierpartie nur anzureißen – wie schon gesagt eine wirklich tiefgreifende Beschäftigung ist das nicht – aber die wenige Vorarbeit, die ich gemacht habe, möchte ich Ihnen doch nicht vorenthalten.

Tauchen Sie ein in die Variantenküche einer Krennwurzn und lassen Sie den Gedanken eines möglichen Betrügers und seines Jägers freien Lauf:

NN (1700) - Krennwurzn (1800)

pos0

 

30...Lh6! auf diese Idee kommt der Computer gar nicht - es gibt andere bessere Alternativen - ein idealer Zug, um die Betrugserkennungssoftware zu irritieren.

 

[30...Sd4 sieht der Computer als stärksten Zug - ein "intelligenter" Betrüger sollte diesen Zug wohl meiden - Computerhauptvarianten sollte man nur dann spielen, wenn sie "forciert" sind – vor allem „stille Züge“ sollte man meiden. 31.La1 (31.Lxd4 exd4 32.Tee1 Le5 mit solidem unauffälligem Vorteil) 31...Se2 32.c5 dxc5 33.bxc5 Lh6 (Pos1)

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ist die Computerhauptvariante - obwohl jetzt kommt mir diese auch sehr logisch und klar vor - am Brett war das absolut nicht der Fall.] 31.Lxf3? diesen Zug habe ich erwartet, obwohl er schlecht ist.

[31.Tee1 Weiß steht weiterhin schlecht - 31.Txf3 dieser Zug erfordert die meiste Rechenarbeit 31...Tf7!! (Pos2)

pos2 

 

ein typischer Computerzug - solche stillen Züge sollte man als Betrüger meiden. Mir fiel das aus zweierlei Gründen leicht: ich hatte keine Rechnerhilfe und diesen Zug erst gar nicht gesehen!

(31...Lxd2 32.Txf8+ Txf8 33.Dxd2 Le2 Vorteil Schwarz ( Pos 3)

pos3 

 

war meine erste Vorausberechnung und die Stellung war mir wie üblich nicht wirklich klar.

 

31...Tg8–+ ( Pos 4) 32.Tf5 Lxd1) ]

pos4

 

so hätte ich das Problem gelöst und nicht mit Tf7 - das ist viel menschlicher: die Fesselung bleibt aufrecht und die Türme verbunden. Allerdings hatte ich diese Idee erst nachdem mir die Lxd2 Variante nicht mehr klar erschien - aber das ist bei mir immer so - ich sehe mehr Probleme als vorhanden und vorhandene Probleme oft gar nicht.

31...Txf3!! (Pos 5)

pos5

 

einfach zu finden, da Lxf3 nicht funktioniert - das hatte ich bei Lh6 schon gesehen. [31...Lxf3?? 32.Txf3 und Weiß hat Vorteil]

32.Sxf3 (Pos 6)

pos6

 

[32.Txf3 funktioniert nicht - fast jeder Zug widerlegt ihn - unproblematisch für Mensch und Betrüger 32...Sg5 (32...Lxd2 33.Tf5 Lxd1) ]

32...Lxe3 die Gier ist menschlich - aber auch der Computer hängt am Material [32...Sg5 erscheint mir im Nachhinein einfacher und so sollte wohl ein intelligenter Betrüger spielen.] 33.Sxe5 ein netter Schwindelversuch [33.fxe3 Sg5! (Pos 7)

pos7

 

die Aufrechterhaltung einer Fesselung sollte unverdächtig sein. (33...Tf8 die Gewinnalternative ist sehr schwierig und sollte von Betrügern gemieden werden. 34.Sxe5 dxe5 35.Lxe5+ Kg8 36.Txf8+ Sxf8 37.Da1 Ld1 38.Lh8 De2+ 39.Kxh3 Df1+ 40.Kh2 Se6 41.Df6) ] 33...Lxd1 die Dame nehmen kann nicht falsch sein und verdächtig auch nicht! [33...dxe5 ist auch möglich] 34.Sg4+ [34.Sd7+ Ld4; 34.Sf7+ Kg8 35.f3; 34.Sg6+ Kg8] 34...Ld4 nun ist auch auf Wurzenniveau alles geklärt und auch die Betrugserkennungssoftware gönnt sich in solchen Stellungen wohl ein Mittagsschläfchen! 0–1

Partie als PGN

Ja, das ist alles sehr kompliziert und obwohl man keine Angst haben sollte als Betrüger überführt zu werden, wenn man einmal eine tolle Partie (Kombination) spielt, so ist es genauso möglich die Häufigkeit (Wahrscheinlichkeit) einer solchen für jeden Spieler zu ermitteln, wenn man genügend Referenzpartien hat. Wie die Software auf Betrüger reagiert, die über hervorragendes Schachverständnis und auch Einblick in die Funktionsweise statistischer Überwachung haben – darüber kann man nur spekulieren.

Mir fällt dazu nur mehr ein: „Gute Mädchen kommen in den Himmel und böse kommen überall hin!“

 


 

Artikelserie:

  1. Betrugserkennung
  2. Betrugserkennung Wurznpraxis
  3. Betrugserkennung ökomomischer Blick
  4. Betrugserkennung Mythbusting
  5. Nutzen der Betrugserkennung
Krennwurzn

Anonymer aber dennoch vielen bekannter kritischer Schachösterreicher! Ironisch, sarkastisch und dennoch im Reallife ein netter Mensch - so lautet meine Selbstüberschätzung! Motto: Erfreue Dich am Spiel, nicht an der Ratingzahl! Das Leben ist hart, aber ungerecht (raunzender Ösi)!
 
Kontakt: krennwurzn@yahoo.de Internetseite: www.krennwurzn.gnx.at (uralt)

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