Betrug Mythbusting

by on05. März 2011

In der Schachwelt halten sich hartnäckig Mythen über die Betrugsmöglichkeiten beim Onlineschach.

Die Mythen besagen, dass Betrügen nur wahren Hackergöttern möglich ist, dass man mindestens noch einen zweiten Computer dazu benötigt und dass Betrug bei Blitzpartien mit geringer Zeit (unter 3 Minuten pro Partie) praktisch ausgeschlossen ist. Der computertechnische Laie hat also gar keine Möglichkeit zu betrügen – außer in Windeseile die Züge von seinem Rechner auf den Laptop neben ihm zu übertragen und Weltrekorde in beidhändiger Mausakrobatik und Kopfdrehungen aufzustellen.

Nun ist es vielen Mythen eigen, dass sie einfach nicht stimmen, aber nicht aufgeklärt werden, weil es so Manchem nicht ins Konzept passt und weil der bequeme Wunsch besteht, dass der Mythos doch war sein sollte, weil die Wahrheit einfach unbequem ist.

Wer das bekannte SKYPE bedienen kann, hat schon die erste Betrugsmöglichkeit und dazu sind keine aufregenden Computerkenntnisse nötig. Allerdings braucht man einen zweiten Menschen, der einem beim Betrug hilft. Dieser kann ein stärkerer Schachspieler sein oder einer der eine Engine bedienen kann. Mit der Funktion „Skype-Bildschirmfreigabe“ kann ich meinem Skype-Partner einen Livezugriff auf meinem Bildschirm gewähren – eine Funktion, die auch beim Schachtraining verwendet wird – und schon kann mir dieser dann Züge einsagen. Nachteilig ist, dass ein zweiter Mensch benötigt wird und dass die Zeit doch knapp werden könnte, da die Bildübertragung je nach Leitungsqualität schon etwas zeitkritisch ist.

Ja, ja höre ich die Mythengläubigen jetzt sagen: man muss zwar kein Computergott sein, es reicht einfache Standardsoftware wie Skype oder auch andere Fernwartungssoftware, aber man braucht einen Mittäter – also dem einzelnem Betrüger bleibt nur die Mausakrobatikchance!

Abermals ein hartnäckiger Irrglaube – es geht ganz einfach mit einem Tool, das es meines Wissens seit 2006 oder schon länger gibt. Anfangs wollte der Autor 10 Dollar für die Software, aber ziemlich rasch hat er sie dann gratis abgegeben. Mir  liegt die Software inkl. Sourcecode vor, ich möchte aber weder den Namen noch Downloadmöglichkeiten nennen. Zudem ist diese Software vielen Serverbetreibern bekannt und es werden soweit wie möglich Gegenmaßnahmen unternommen.

Nun wie funktioniert das Wunderding? Im Prinzip ist das ganz einfach – nämlich wie bei Skype wird der Bildschirminhalt analysiert. Erkennt die Software am Bildschirm ein Schachbrett, so wird eine Engine - man kann sogar wählen welche – gestartet und die Analyseergebnisse der Engine in den Bildschirm eingeblendet. Natürlich genauso wie wir das von Engineausgaben kennen: mit mehreren Varianten und Bewertungen. Alles bequem am Bildschirm ablesbar – es ist keine Mausakrobatik notwendig, man muss nur schneller lesen als Variantenrechnen können.

Aber wie erkennt die Software ein Schachbrett höre ich die Mythengläubigen jetzt schon ein wenig kleinlauter fragen?

So schwierig ist das nun auch wieder nicht – beispielsweise gibt es Picasa von Google und das erkennt Gesichter auf verschiedenen Fotos in verschiedenen Größen – wo bitte soll es da dann ein technisches Problem bei einer Schachfigur, die entweder auf einem weißen oder schwarzen Feld stehen kann, auftreten?

Oje – betrügen ist ja kinderleicht, höre ich entmutigt und leicht deprimiert die Mythengläubigen sagen und wir werden wohl nur betrogen und betrogen und ...

Schon wieder falsch! Von einem Extrem ins andere fallen mag vielleicht typisch für Mythengläubige sein, aber die reale Welt ist weder so gut wie vorher gedacht, noch so schlecht wie jetzt befürchtet.

Nicht nur meiner Meinung nach ist Betrug beim Onlineschach eine Randerscheinung, denn im Endeffekt betrügt der Betrüger vor allem sich selbst – und er kann nur still und heimlich seinen „Ruhm“ genießen, denn wenn reale Welt und Onlinewelt zu sehr voneinander abweichen, dann glaubt das ja keiner! Oder würden sie einen Artikel „Krennwurzn – Hickl 14:0 beim Onlineblitz“ ernst nehmen?

Also bleiben Sie cool und bedenken Sie: wenn Sie gewinnen ist alles ok, bei Remis oder Verlust muss es Betrug gewesen sein ;-)


Anmerkung:

Der Autor distanziert sich hiermit ausdrücklich vom Betrug mit Software – es wurde daher auf die Nennung des Namens der Software und der Downloadmöglichkeiten bewusst verzichtet – ebenso führt eine Nennung des Namens in Postings zur Löschung derselben. Sollte es Fragen zum Artikel geben, die nicht öffentlich diskutiert werden sollten, bitte ich diese an meine Emailadresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu schicken.


Artikelserie:

  1. Betrugserkennung
  2. Betrugserkennung Wurznpraxis
  3. Betrugserkennung ökomomischer Blick
  4. Betrugserkennung Mythbusting
  5. Nutzen der Betrugserkennung

 

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Krennwurzn

Anonymer aber dennoch vielen bekannter kritischer Schachösterreicher! Ironisch, sarkastisch und dennoch im Reallife ein netter Mensch - so lautet meine Selbstüberschätzung! Motto: Erfreue Dich am Spiel, nicht an der Ratingzahl! Das Leben ist hart, aber ungerecht (raunzender Ösi)!
 
Kontakt: krennwurzn@yahoo.de Internetseite: www.krennwurzn.gnx.at (uralt)

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