SCHACHWELT

Der Schach-Blog

Donnerstag,20 Juni 2013

Aktualisiert03:51:17 Thu

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Stefan Löffler

Stefan Löffler

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Zwei Wochen vor dem großen Auftritt der Bundesliga mit bis zu 80 Großmeistern an einem Ort, hat ihr stärkster Vertreter international wieder nichts gerissen: Bitterer Abschluss für Baden-Baden. Nach einem bis dahin ausgezeichnet gespielten Europacup wird der Deutsche Meister durch ein abschließendes 2:4 gegen den Ersten der Setzliste auf Rang sechs durchgereicht. Und das obwohl es nach kurzem 1:0 für Baden-Baden gestanden hatte. Ein 3:3 hätte für Platz zwei gereicht, für den Cupsieg hätte es allerdings ein 4,5:1,5 sein müssen. Bemerkenswert, dass in einem Aufeinandertreffen zweier durchschnittlich über 2700 Elopunkte starker Teams keines von sechs Brettern remis endete. Außerdem dass Neuverpflichtung Kasimdschanow beim Gegner am letzten Brett saß, und ein weiterer Baden-Badener, Peter Swidler, mit St. Petersburg den Sieg holte. Hier kann man die Partien noch nachspielen.  

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Iwantschuk ist schon soooo lange Weltklasse. Aber wenn es um viel geht, spielen ihm die Nerven oft böse mit. Richtig weit im Kampf um den WM-Titel hat er es nie gebracht. Fast nie. 2002 verlor er das Finale der FIDE-WM gegen den damals gerade 18jährigen Ponomarjow. Aber eine richtige WM war das ohne Kasparow und Kramnik eh nicht. Nun hat er, wieder gegen Ponomarjow, ein wichtiges Match gewonnen, das um Platz drei des Weltcups, der gerade noch zur Teilnahme am nächsten, bereits 2012 geplanten Kandidatenturnier berechtigt. 21 Jahre nach seinem Ausscheiden im Stechen des Kandidatenviertelfinals gegen Jussupow (der dabei die wahrscheinlich bisher beste Schnellpartie aller Zeiten spielte) ist Tschuki wieder WM-Kandidat. Um seine besten 21 Jahre älter. Aber im nächsten Kandidatenturnier gerade so alt wie Gelfand, als der es zum WM-Herausforderer gebracht hat.
 
An Swidlers verdientem Weltcupsieg gibt es nichts zu rütteln. Er hat reichlich mit Schwarz gewonnen, in Chanti-Mansisk auch einiges Material geopfert und seine gute Form, in der er vorigen Monat Russischer Meister wurde, bestätigt. Dass Swidler gut Freund mit zwei anderen Kandidaten, Kramnik und Grischtschuk ist, kann man ihm nicht vorwerfen, steht aber einer Reform zu einem Rundenturnier im Weg. Bleibt der FIDE also nur, die Kandidatenmatche zu verlängern, wenn es nicht wieder wie in Kasan laufen soll. Noch ein Wörtchen zu Grischtschuk. Als er in Kasan im Kandidatenturnier Zweiter wurde,verlor er Elopunkte, ich glaube drei. In Chanti-Mansisk nun schon wieder, diesmal acht. Aber dank Schnellschach hat er beide Male reichlich Preisgeld gesammelt. Sorry, dass ich seinen Zweitberuf Pokern erwähne. Auch da kommt es darauf an, aus den wenigen guten Blättern möglichst viel zu machen. Ich fände lieber sein Schach beeindruckend.

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Der Weltcup hat mich bis zum Viertelfinale nicht besonders interessiert. Das Schach war nicht besonders. Der Modus eignet sich, um genau einen Sieger zu ermitteln, aber nicht, um die drei Besten zu finden. So viele Plätze aber werden in Chanti-Mansisk für das nächste Kandidatenturnier vergeben. Wer unter die letzten vier gekommen ist, hat nun beste Chancen auf einen dieser drei Plätze. Sorry, dass ich das so eng sehe, aber die WM-Quali ist aus meiner Sicht das Entscheidende.

 

Nun ändert der Wettbewerb seinen Charakter radikal. Bis zum Viertelfinale hatte niemand eine Chance von 50 Prozent. Jetzt haben alle Verbliebenen eine deutlich höhere Chance. Gespielt wird quasi die Reise nach Jerusalem. Oder nach Chanti-Mansisk, wo es genug Ölgeld gibt, um vermutlich (Gott behüte) das nächste Kandidatenturnier praktisch ohne nichtrussische Berichterstatter und Zuschauer abzuwickeln. Dass ausgerechnet der Kampf um Platz eins, in dem sich zwei Qualifizierte gegenüberstehen, über vier statt zwei Partien angesetzt ist, macht nur Sinn, weil das halt auch bei früheren Weltcups so war. Idiotisch. Also typisch FIDE.

 

Ich freu mich, dass Iwantschuk Radschabow rausgeworfen hat. Aber gerecht ist das nicht. Radschabow hat diesen Weltcup großartig gespielt, und sein mutiges Opfer auf g5 gegen Iwantschuk war nur eines von ihm gesetzten Highlights. Kein bisschen so destruktiv wie im Kandidatenmatch gegen Kramnik. So sympathisch mir Swidler ist, der mit Te2 gegen Kamsky den stärksten Zug des Turniers fand, so bedauernswert ist, dass Polgar gegen ihn überzogen hat und sich auskontern ließ. Je internationaler das Kandidatenturnier wird umso besser. Nun drohen mit Kramnik (nach Elo), Swidler und Grischtschuk drei (befreundete) Russen, was die Wahrscheinlichkeit einer weiteren russischen Austragung sicher nicht reduziert. Apropo Grischtschuk. Auf ihn hätte ich nach seinem blitzorientierten Spiel im Kandidatenturnier verzichten können. Der Glücksvogel wurde im Viertelfinale von Navara wie schon im Mai von Aronjan und Kramnik schlicht ausgelassen. Hoffentlich wirft er nun nicht Tschuky aus der Bahn. Gaschimow hätte ich die Quali im Unterschied zu seinen mit weniger Skrupeln behafteten Landsleuten ein Weiterkommen gegönnt, aber Ponomarjow tue ich es auch.

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Hübsch, nicht? Auf der Turnierwebsite gibt es noch mehr Fotos dieses am Donnerstag in Wien zu Ende gegangenen Meisterturniers in einzigartig frischer, grüner Umgebung. Wenn man so etwas nur vorher schon zeigen könnte, wäre es vermutlich leichter, Spieler anzulocken. 24 wollte ich dabei haben. Ich hatte Riesenprobleme, wenigstens zwölf zusammenzubekommen.
 
Es war ein Teamturnier (Ergebnisseite) und wurde von "Favoriten" (nicht wirklich nach dem gleichnamigen Wiener Bezirk sondern aufgrund des höchsten Elodurchschnitts) mit Aco Alvir, Aljoscha Feuerstack und Julian Jorczik gewonnen. Gleich drei titelsichernde IM-Normen wurden erfüllt und zwar durch Georg Fröwis (21 Jahre, Wien), Julian Jorczik (18, München) und Aljoscha Feuerstack (22, Hamburg). Die drei Normerfüller hatten ihre geforderten plus drei frühzeitig (Fröwis nach drei Runden, Jorczik nach fünf und Feuerstack nach sechs) beisammen und remisierten anschließend durch. Remiskönig mit sieben Punkteteilungen wurde, soweit ich weiß: erstmals, ich, was mir eigentlich nur deshalb etwas peinlich ist, weil man ja sonst nicht unter solchen Bedingungen spielen darf, wobei ich andererseits zu meiner Entschuldigung vorbringe, dass Spielen nach dem Einkaufen, Aufräumen, Abwaschen, Turnierseite aktualisieren... ja nur meine zweite Aufgabe war. Insgesamt blieb die Remisquote des Turniers aber unter fünfzig Prozent, und ein Spieler, Lars Ootes aus Amersfoort, remisierte überhaupt nicht, sondern gewann fünfmal (einmal mehr wäre ebenfalls eine IM-Norm gewesen) und verlor viermal. Das verdiente einen Spezialpreis.  
 
In der ersten Julihälfte 2012 möchte ich in Wien wieder ein Mannschaftsturnier veranstalten. Viererteams mit je mindestens einem Großmeister sollen teilnehmen - ob durch Vereinszugehörigkeit, Nationalität oder Freundschaft verbunden. Geplant sind Scheveninger-System-Matche vom Viertelfinale bis zum Finale mit allen Platzierungsspielen, also zwölfrundig, womit sowohl GM- als auch IM-Normen möglich sind, aber niemand gegen seine Mitspieler anzutreten braucht. Die Ausschreibung soll noch dieses Jahr vorliegen. Interessenten können sich gerne schon jetzt bei mir melden: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

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Dortmund hat viel Kampfschach und einen überragenden Sieger Kramnik geboten. Was bleibt sonst? Nakamuras Formkrise, Meiers schmerzvolle, aber für sein Weiterkommen nützliche Lektionen, Naiditschs Abwesenheit, eine gegenüber früheren Jahren in schachlicher Sicht deutlich verbesserte Pressearbeit. Unterm Strich meine ich: eindeutig eine der besseren Auflagen der Schachtage aka Sparkassen-Chess-Meeting.
 
Meine Aufmerksamkeit gilt jetzt wieder dem österreichischen Schach. An diesem Sonntag endet die Staatsmeisterschaft mit einem verdienten Außenseitersieg. Georg Fröwis, ein 21jähriger Vorarlberger, profitierte freilich in der Schlussrunde davon, dass Favorit Shengelia in Zeitnot statt stellungsgerecht die Züge zu wiederholen (und sich mit einem geteilten ersten bis dritten Platz bei schlechtester Buchholz abgibt) die Brechstange auspackt und rasch eingeht, so dass er  sich um einen halben Punkt vom buchholzbesseren Andreas Diermair absetzen kann. Fröwis hat eine IM-Norm deutlich übererfüllt, auch Schachinger und Schwabeneder haben IM-Normen geschafft. Bereits ab Mittwoch geht der Staatsmeister seine nächste Norm an, bei einem von mir organisierten IM-Turnier im Stilwerk Wien. Bis 11. August täglich ab 14 Uhr. Zuschauer sind herzlich willkommen. Im Internet gibt es eine Turnierpräsenz und eine Ergebnisseite.  
 
  

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Wladimir Kramnik spielt in Dortmund nicht mehr nur um den Turniersieg und gegen die Anwesenden. Sein härtester Konkurrent heißt Magnus Carlsen. Der Weltranglistenerste hat in Biel gerade vorzeitig das Turnier gewonnen und dabei auch einige Elopunkte. Kramniks Ausbeute verspricht größer zu werden. Schafft er noch zwei Punkte in den letzten drei Runden springt er nach acht Jahren wieder über die 2800.
Selbst Nanking (danke fürs Stichwort, strenger Kommentator Thomas Oliver) ist in Reichweite. Nanking? Ja, die 3002-Eloperformance, die Carlsen dort vor zwei Jahren mit 8 aus 10 gegen einen Eloschnitt von 2762  erzielte. Mit zweieinhalb aus drei und damit insgesamt 8,5 aus 10 hätte Kramnik eine Performance von 3026. Darüber, dass sie nicht wirklich besser wäre als Karpows 11 aus 13 in Linares 1994 mag man streiten (und Fischers 6:0 gegen Larsen ist sowieso außen vor, weil 100-Prozent-Ergebnisse sich eigentlich nicht in Performancezahlen umrechnen lassen). Aber die höchste je in einem aussagekräftigen Turnier gemessene Eloperformance bisher wäre es. Und das zählt doch was in unserer zahlengeilen Medienwelt, oder?
 
(Nachtrag zwei Runden später) Kramnik hat es versucht. Gegen Le hat er in Runde acht mit Schwarz viel riskiert (und möglicherweise in einer langen Vorausberechnung übersehen, dass 34...Dxc5 an 35.Sd6 scheitert), so dass er zwischenzeitlich am Rande einer Niederlande balancierte. Mit Schwarz gegen Giri in Runde neun war indessen nichts drin, ging es seinem jungen Gegner doch vor allem darum, Kramnik keine Chancen zu geben. Das Resultat war das langweiligste Remis des Turniers. Als Turniersieger und Elogewinner stand Kramnik trotzdem vorzeitig fest.

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Drei der acht Teilnehmer am nächsten WM-Kandidatenturnier sollen also ab 25. August beim Weltcup in Chanti-Mansisk ermittelt werden (drei weitere nach Elozahl, einer ist der Verlierer des WM-Kampfes Anand-Gelfand, einen bestimmt der Veranstalter). Trotzdem fehlt fast die komplette Weltspitze: Gelfand und Anand haben die Qualifikation nicht nötig. Carlsen, Aronjan und wohl auch Kramnik bauen auf ihre Ratings. Auch Topalow scheint seinen Elorückgewinn fix eingeplant zu haben. Alle vier können es jedenfalls nicht gleichzeitig schaffen. Nakamura pokert wahrscheinlich lieber zwischen den WM-Kämpfen. Nur Karjakin, Iwantschuk, Grischtschuk und Kamsky ist doch ziemlich dürftig, auch wenn sie alle legitime Kandidaten abgeben würden.
 
Wen könnte man sich eigentlich noch im vermutlich erst 2013 anstehenden Kandidatenturnier (dafür kommt der Weltcup als einziges Qualifikationsturnier sowieso viel zu früh jetzt, logisch wäre Frühjahr 2012, aber dann ist ja frühestens das Finale von diesem Zyklus) vorstellen? Mir fiele da Anish Giri ein. Wenn seine Eloentwicklung weitergeht, vielleicht sogar schon als einer der Favoriten. Mit seiner aktuellen Elo wäre er eh berechtigt, aber es gilt der Mittelwert der Listen 7/2010 und 1/2011. Sechs Wildcards hatte der FIDE-Präsident zu vergeben (Teilnehmerliste). Giri ist auch da nicht dabei. Keiner der sechs präsidentiell Nominierten (Sutovsky, Nielsen, Kasimdschanow, Ding, Bologan, Moriabiadi) hat eine so hohe publizierte, schon gar nicht aktuelle Elo wie Giri. Und keiner ist so jung und vielversprechend. Natürlich wäre Giri in Chanti-Mansisk nur Außenseiter. Aber ausgeschlossen wäre es nicht, dass er unter die ersten drei kommt.
 
Iljumschinow hat ein Talent für Skandale. Die Nichtnominierung Giris ist kein großer wie der Besuch bei Gadhafi, sondern nur ein kleiner. Die Frage ist, warum hat der irre Kalmücke den Jungen nicht nominiert? Hat einfach nur keiner in dem chaotischen FIDE-Haufen dran gedacht? Wird Giri von unserem Weltverband, der zur Verlängerung des Russischen Verbands geworden ist, etwa dafür abgestraft, dass er nicht für seine alte russische (und immer noch Pass-)Heimat antritt? Oder soll ausgleichende Gerechtigkeit geschaffen werden, weil Giri derzeit mehr Einladungen hat, als er annehmen kann? In Dortmund, Wijk aan Zee oder London kann man sich aber nun mal nicht für einen WM-Kampf qualifizieren. Er habe das bereits befürchtet, umschrieb er mir seine Enttäuschung, als ich ihn vor Tagen für einen Artikel in der Berliner Zeitung sprach.
 
(Nachtrag) Die FIDE hat nun doch noch durch ihr Sekretariat mitgeteilt:
"The nominations of the FIDE President are awarded upon his decision, mostly as an incentive to national federations which actively support FIDE events and FIDE activities such as "Chess in Schools", as well as to former World or Continental champions. This year, high-rated players from Europe were also nominated who played in their continental championship but did not qualify because of applicable tie-breaks which are very often disputed or in doubt of their effectiveness.
We are sure that GM Anish Giri will participate in next year's qualifying European Championship and he will indeed have a bright future as a top world-class player."
Dass Giri nicht das Qualifikationsturnier EM gespielt hat, wird ihm nun vorgehalten. Dazu muss man wissen, dass er sich zwischen der EM und dem gleichzeit ausgetragenen (letzten) Schnell- und Blindturnier in Monaco mit lauter (für den Weltcup vorberechtigten) Eloschwergewichten (für das er sich übrigens vorigen August in Amsterdam sportlich praktisch qualifiziert hatte) entscheiden musste. Wohl keiner an seiner Stelle, hätte Aix-les-Bains den Vorzug vor Monaco gegeben.  

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Zwei Runden vor Schluss führte Armenien bei der Mannschafts-WM schon mit zwei Punkten Vorsprung, doch es wurde noch richtig spannend. Eine Niederlage in der Schlussrunde hätte China, oder falls China gegen Ungarn nicht gewinnt und es gegen den direkten Gegner Ukraine ein Debakel setzt, auch diese vorbeiziehen lassen. Aronjan war in Schwierigkeiten gegen Iwantschuk, Akopjans Mehrbauern waren unverwertbar. Als Sargissjans Vorteil gegen Moisejenko größere Ausmaße annahm und sich ein chinesischer Sieg gegen Ungarn ebenso abzeichnete wie dass Russland gegen Indien nicht über ein 2:2 hinauskam, reagierten die Mannschaftsführer. Schnell war ein 2:2 ausgehandelt, das Armenien Gold (ein weiterer schöner Erfolg für ein armes, gebeuteltes Land) und der Ukraine die besten Aussichten auf Bronze versprach, denn für mehr wäre ein 3,5:0,5 nötig gewesen. Die Geschädigten waren China, das nur noch Silber holen konnte, und Russland, das nun auf Teufel komm raus gewinnen musste: Nepomnjaschtschi riskierte alles und verlor noch, was aber ebenso wie ein Remis Platz 4 bedeutete.
 
Remis an allen Brettern, darf man das überhaupt? Immerhin waren an allen Brettern mehr als 30 Züge gespielt, es zählten die Mannschaftspunkte, und es war lächerlich im Vergleich mit Absprachen, die früher bei Schacholympiaden bereits nach wenigen Minuten in verwaisten Brettern resultierten. Oder bin ich da als Armenien-Fan zu weich?
 
Gefreut habe ich mich nicht nur mit Aronjan und Co sondern auch mit Samy Shoker, der fast die Hälfte der ägyptischen Punkte holte und sich eine GM-Norm holte. Verdient gehabt hatte er sie bereits vor zwei Jahren beim Wiener Open, wo ich ihn kennenlernte, aber wegen einer Fehlkonstruktion waren GM-Normen damals nicht möglich (und sind es heuer für Spieler über 2350 wahrscheinlich auch nicht). In der Schlussrunde brauchte Shoker einen Schwarzsieg gegen einen 2765er - und schaffte es. Mamedscharow ließ sich abtragen wie ein 2400er. Verdächtig? Wenn Mamedscharow eines Tages ein lukratives Simultan oder eine Trainingssession in Kairo gibt... 
 
Ein Wort zu China: Hou Yifan ist von gleichaltrigen Burschen überholt worden (und hat mit Ju Wenjun nun auch noch starke weibliche Konkurrenz in ihrem Land) und ist weit entfernt von der Aufnahme ins chinesische Team, das aber nicht dank der Youngster Yu und Ding so glänzte, sondern dank seiner Routiniers Wang Yue (24) und Wang Hao (21). Chinas Team hatte ein Durchschnittsalter von nicht ganz 21 Jahre. Der einst jüngste Großmeister der Welt Bu (25) ist bereits ausgemustert.
 

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Dass sich Schachfestivals im Sommer terminlich auf die Füße treten, ist kaum zu vermeiden. Die Dortmunder Schachtage, die an diesem Donnerstag im Schauspielhaus losgehen, sind vor einigen Jahren selbst in die theaterfreie zweite Julihälfte und damit genau den angestammten Termin von Biel gegrätscht. Dass auch die FIDE ihre erstmals nicht mehr im Vier-Jahres-Rhythmus ausgetragene Mannschafts-WM auch noch auf diese Zeit legt, ist gemein (zumal es am Austragungsort, dem subtropischen Ningbo, im Juli heiß und regnerisch ist). Die früher belächelte WM ist so gut besetzt wie nie und verspricht nach dem 1:3 der Russen gegen Aserbaidschan am Mittwoch bis zum Abschluss am kommenden Dienstag hochspannend zu verlaufen. Auch Biel kostet Dortmund internationale Aufmerksamkeit, schraubt Carlsen dort doch mit jedem Sieg seine Weltranglistenführung und Elozahl weiter nach oben.  
 
Dabei hätte Dortmund dieses Jahr mal wieder etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Das Teilnehmerfeld ist das interessanteste seit langem. Dass der in Dortmund zuletzt nur langweilende Leko fehlt (so einen Knaller wie gestern bei der Mannschafts-WM gegen Iwantschuk hat er in "seiner zweiten Heimat" bei jährlicher Teilnahme zuletzt 2002 abgeliefert) und mit Anish Giri und Hikaru Nakamura zwei aufstrebende und nicht um Worte verlegene Hoffnungsträger eingeladen worden, ist unbedingt zu loben. Außerdem den unvermeidlichen Kramnik und Aeroflot-Sieger Le.
 
Zu mehr als einem deutschen Teilnehmer hat man sich trotz des (nicht nur von mir) überdeutlichen Lobs für das Londoner Modell (viermal Weltklasse, viermal nationale Spitze) nicht durchringen können. Kurioserweise wurde Naiditsch von den eigentlich elogeilen Dortmundern ausgerechnet im Jahr seiner besten Zahl ein (in jeder Beziehung um ein Jahr verspäteter) Denkzettel verpasst. Dafür kann er dankbar sein, denn in diesem Feld wäre er meines Ermessens erster Anwärter auf den letzten Platz und einen fetten Eloverlust. Dafür erhält Meier seine erste Chance auf so hohem Niveau. Seine Generalprobe, ein Schnellturnier bei den Maccabi-Spielen in Wien, wo er an die 100 Elopunkte mehr als der Zweitbeste hatte, gewann der Trierer zwar mit 17,5 aus 22, gab dabei aber mehr Punkte ab als erwartet. Ich glaube nicht, dass Meier wie Gusti bei seiner einzigen Dortmunder Chance 2008 den Turniersieg in Greifweite haben sondern mit jedem erbeuteten halben Punkt zufrieden sein wird. Und hoffentlich eine oder zwei gewinnt.
 
Wer kommentiert im Schauspielhaus? Gusti und Naiditsch? Wäre mal interessant gewesen (und ein Anreiz vorbeizuschauen), aber Klaus Bischoff und Sebi Siebrecht werden sicher auch einen guten Job machen.

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Der Juli hat in der Schachschweiz Tradition: In der zweiten Juliwoche ist die Schweizer Meisterschaft. Sie endet an einem Freitag. Am Samstag beginnt das Schachfestival in Biel. Viele Spieler bestreiten beide Wettbewerbe und lassen allenfalls das Schnellschach am Wochenende aus, bevor sie in Biel am Montag in die regulären Partien einsteigen. Yannick Pelletier, der aus Biel stammt, aber seit einigen Jahren bei seiner französischen Lebensgefährtin lebt, vertritt in der Elitegruppe die Schweizer Farben und musste gleich zu Beginn eine Weißniederlage gegen Favorit Carlsen einstecken.
 
Der 80jährige Viktor Kortschnoi ist für diesen harten Wettbewerb mit einem Eloschnitt von knapp 2700 nicht mehr robust genug, nicht aber für die Schweizer Meisterschaft, die er mit einigem Glück gewann. Sie wurde in Form eines neunrundigen Opens ausgetragen, in dem nur die Schweizer titelberechtigt waren. Die beste Schweizer Eloperformance lieferte indessen weder Kortschnoi noch sein Stichkampfgegner Joe Gallagher (anscheinend sah das Reglement bei Punktgleichheit einen Stichkampf der zwei Buchholzbesten vor) sondern Beat Züger. Keiner spielte gegen mehr Großmeister, keiner gegen mehr, die unter den ersten zehn endeten. Im Unterschied zu Kortschnoi und Gallagher hatte er fünfmal Schwarz, darunter in den letzten beiden Runden, als ihm zwei Großmeister, man kann es kaum anders sagen, remis abklammerten (Partienseite). Am Ende fehlten nur ein paar Elopunkte für eine GM-Norm. Dass Züger mit 2,5 aus 3 gegen einen 2200er gepaart wurde, der am Ende nur 50 Prozent holte, kostete ihn neben der Norm auch die Teilnahme am Stechen um den Titel.
 
Warum das ein Thema für diesen Blog ist? Weil sich die Tagesberichte des Schweizer Schachbunds über Zügers Leistung merkwürdig ausschweigen. Ist der Internationale Meister den Funktionären suspekt? Hat Züger zu oft seine Meinung gesagt? Stört das von ihm organisierte äußerst erfolgreiche und gut dotierte Schnellturnier? Oder dass er mit der Gründung des Free Helvetian Chess Club andeutet, dass das organisierte eidgenössische Schach nicht so ganz frei ist? Dem Propagandachef des Verbands Markus Angst waren alle möglichen Spieler eine besondere Erwähnung wert, nicht aber Züger. Und das wirft kein gutes Licht auf eine Szene, die bereits von einem anderen Totschweigen überschattet wird.
 
Die Eloliste führt seit vielen Jahren Vadim Milov an. Nur einmal, 2000 in Istanbul, vertrat er die Schweiz bei der Schacholympiade. Danach hat er sich mit dem Verband und seinen Schweizer Profikollegen überworfen. Immerhin spielt Milov inzwischen wieder in der Schweizer Liga und zwar für den Aufsteigerclub Réti Zürich. Sein Mannschaftsführer und Mäzen Adrian Siegel, ein angesehener Neurologe, ist seit Juni neuer Präsident des Schweizer Schachverbands. Wenn Siegel vorhat, den SSB wieder behutsam mit seinem verlorenen Spitzenspieler zu versöhnen, sollte er gleich auch das Mobbing gegen Züger abstellen.   

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