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Der Schach-Blog

Samstag,25 Mai 2013

Aktualisiert00:42:52 Sun

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Stefan Löffler

Stefan Löffler

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Kissingers vielzitierter Anruf bei Bobby Fischer: "Der schlechteste Schachspieler der Welt ruft den besten Schachspieler der Welt..." Das sich über Wochen ziehende Drama, ob Fischer antritt, hat den WM-Kampf 1972 zum meistbeachteten der Geschichte gemacht. Ob FIDE-Präsident Iljumschinow hofft, dass sich so etwas wiederholen könnte? Hat der unberechenbare Kalmücke darum das nächste WM-Match Anand - Carlsen ohne Ausschreibung nach Chennai vergeben, obwohl Carlsen seit Wochen klar macht, dass er auf eine Ausschreibung pocht und lieber nicht in den Tropen spielen möchte? Oder schielt er mit der Vergabe in eine Entwicklungsland vor allem auf die zahlreichen Stimmen der Entwicklungsländer, um 2014 sein Regime um vier weitere Jahre verlängern zu können?

Diesen Sonntag mittag haben Iljumschinows Vorstandskollegen bei ihrer Sitzung in Baku jedenfalls den Vorschlag ihres Präsidenten abgenickt. Dabei hat am Freitag der Französische Schachverband ein deutlich besseres Angebot (2,65 Millionen Euro Preisgeld statt 1,94 Millionen in Chennai) vorgelegt, und der Norwegische Verband hat gegen eine Vergabe ohne Ausschreibung offiziell protestiert. Bevor Carlsen öffentlich mit Nichtantreten droht, dürfte er die rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, denn eine WM-Vergabe ohne Ausschreibung könnte gegen die Statuten der FIDE verstoßen.

Nachtrag 6. Mai: Carlsen hat die Sache überschlafen und dann mitgeteilt, dass er die Entscheidung für Chennai trotz ihrer Regelwídrigkeit akzeptiert.

"After qualifying for the World Championship match by winning the London Candidates I have been highly motivated for, and looking forward to the World Championship match against reigning champion V. Anand.

I’m deeply disappointed and surprised by the FIDE decision to sign a contract for the 2013 match without going through the bidding process outlined in the WC regulations, and for not choosing neutral ground. The bid from Paris clearly showed that it would be possible to have more options to choose from.
The lack of transparency, predictability and fairness is unfortunate for chess as a sport and for chess players.

My team and I will now start preparing for the match. The main thing now will be to come to an agreement with the Indian Chess Federation and FIDE regarding terms and conditions before and during the match. I really hope this process will run quick and smoothly.

Lastly, I will not let the news from Baku diminish the joy and excitement derived from playing the top level Norway Chess tournament starting tomorrow."

Am Dienstag abend beginnt in der Uni Stavanger mit einem Blitzturnier das erste Weltklasseturnier auf norwegischem Boden. Dass Carlsen den Kopf jetzt nicht frei hat, kann man sich denken. Auch Anand ist dabei. Das höhere Preisgeld in Paris (wo beide kürzlich spielten) und die Erinnerung an 1994, als er in seinem Heimatland, wo sich alle Journalisten auf ihn stürzten, ein 4:2 stehendes Kandidatenmatch gegen Kamsky noch 4:6 verlor, dürften eigentlich auch ihn eher gegen Chennai stimmen, so lange er sich nicht öffentlich gegen seine Heimatstadt erklären muss. Wenn Anand und Carlsen in Stavanger auf eine gemeinsamen Linie verständigen, lässt sich der Skandal, den Iljumschinow offenbar will, vielleicht noch verhindern. Die WM könnte in Paris oder einer anderen Stadt in einem neutralen Land steigen und Carlsen bald zu seiner ersten Indien-Reise aufbrechen, einer Goodwill-Simultantour nach Chennai. 

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Sogar im eigenen Lager herrscht Überraschung. Diego Salazar hat bei der Wahl des Französischen Schachverbands den hohen Favoriten Léo Battesti geschlagen. 591 Vereinspräsidenten verteilten die ihnen zugeteilten 1642 Stimmen mit 50,5 zu 49,5 Prozent an den 42jährigen aus Chalons in der Champagne. Mit dem Satz "ich verliere lieber mit 17 Stimmen als so zu gewinnen", verabschiedete sich Battesti aus dem Verband, in dem er anstelle des ausgeschiedenen Präsidenten Henri Carvalho zuletzt längst den Ton angab. Nun widmet er sich wieder ausschließlich Korsika und kündigte, wohl noch in der Kampflaune der letzten Monate, an, das korsische Schach unabhängiger vom nationalen Verband aufzustellen. Ein Dutzend Schachlehrer sind hauptberuflich an den Schulen unterwegs. Jeder fünfzigste Inselbewohner ist schon Mitglied im korsischen Verband. So hoch ist der Organisationsgrad nirgends auf der Welt.

Auffällig viele starke Spieler unterstützten indessen Salazar. Die Interessen der Profis und Halbprofis waren Battesti egal. Er war als "arrogant" verschrieen. Der in seiner Jugend militante Separatist ist sicher auch ein wenig am Hass vieler Franzosen auf die Korsen gescheitert. Von einer "Rufmordkampagne" titelte gar Corsematin. Ein paar, letztlich entscheidende Stimmen hat Battesti seine Herkunft sicher gekostet.

Nachdem eine korsische Firma im Januar ankündigte, im Falle seiner Wahl den Französischen Verband mit 600.000 Euro zu sponsern, hielten er und seine Anhänger die Wahl irrtümlich für entschieden. Um etwas gegenzusetzen, versprach Salazar wenige Tage vor der Abstimmung ein Ressourcenzentrum für Schachvereine, das er über die vierjährige Periode mit einer Million Euro ausstatten will. Wer dort arbeiten und woher das Geld kommen soll, ist nebulös. Wenn das Zentrum aber zustande kommt, verdient es internationale Beachtung und könnte ein Modell für andere große Schachverbände sein.

Grenzüberschreitende Bedeutung hat die Machtablösung in Frankreich noch aus zwei anderen Gründen, nämlich Schulschach und Frankreichs Rolle in der FIDE. In der FIDE hätte Battesti eine Führungsrolle in der Opposition übernommen. Kasparow, der Anfang Mai ein großes Jugendturnier in Korsika besuchen wird, ist ein Freund. Salazar dagegen, der außer Französisch nur ein wenig Spanisch spricht, ist in internationalen Schachbelangen unbeleckt. Dass er wenige Tage nach seiner Wahl Besuch von Iljumschinow bekam, muss nichts heißen. Schließlich lud sich der nach dem Kandidatenturnier in London schon in der Nähe weilende FIDE-Präsident selbst ein. Salazar hat indessen bis auf weiteres alle FIDE-Agenden Robert Fontaine übergeben. Der französische Großmeister arbeitete zuletzte für AGON. Die Firma ist wohl nur noch pro forma in die Organisation und Vermarktung der FIDE-Spitzenwettbewerbe wie dem seit Donnerstag in Zug laufenden Grandprixturnier eingebunden. Wenn Fontaine weiter in Lohn und Brot bleiben will, führt der Weg nur über Iljumschinows inneren Zirkel. 

Battesti hatte eine ambitionierte Schulschachstrategie, die in erster Linie gerade nicht darauf abzielte, Mitglieder zu gewinnen. Was den Übergang talentierter und ambitionierter Kinder von den Schulen ins organisierte Schach angeht, sind die französischen Vereine mit zwei Dritteln Jugendspielern unter ihren rund 60 000 Mitgliedern hier ohnehin schon stark unterwegs. Zentrales Anliegen war, dem Schulsystem den erzieherischen Wert des Schachs für möglichst viele Kinder nutzbar zu machen, und insbesondere benachteiligte Kinder zu fördern. Damit fand der alte Schachverband Gehör im Bildungsministerium, das im Juni zu einer hochrangig besetzten internationalen Schulschachkonferenz einlädt. Jerome Maufras, Schulschachexperte und strategischer Brater Battestis, hat sich nach der Wahlniederlage aus dem Verband zurückgezogen, wie er hier begründet. Ob Frankreich künftig international eine Vorreiterrolle im Schulschach übernehmen wird und welche Rolle der Verband dabei spielt, steht in den Sternen.

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Die Schachbundesligasaison ist zwar seit acht Tagen zu Ende. Doch die Abstiegsfrage, die schon vor der zentralen Endrunde in Schwetzingen entschieden schien, ist offen. Denn längst nicht alle qualifizierten Aufsteiger sind zum Aufsteigen auch bereit. 

Am Sonntag gingen die Zweiten Ligen zu Ende. Sie waren diese Saison allesamt spannender als die Erste Liga. König Tegel hielt im Norden Rostock auf Brettpunkteabstand. Im Osten überholte die Schachabteilung des FC Bayern München die sieben Runden lang souveränen Dresdner, die schon vorige Runde gegen Bindlach stolperten, durch ein 5:3 im direkten Vergleich. Dresden hat die meisten Brettpunkte, Bindlach beide Konkurrenten geschlagen, aber durch ist Bayern. 

Ob es aus dem Süden einen Aufsteiger geben wird, ist dagegen noch nicht ganz sicher. Viernheim hat mit einem 4,5:3,5 gegen die starke Zweite von Baden-Baden zwar den Staffelsieg geschafft, aber nicht die finanziellen Ressourcen. Oder noch nicht. Wenn sich bis Meldeschluss Ende April Sponsoren finden oder zumindest das Gefühl, es finanziell zu packen, einstellt, will Viernheim antreten. Wenn nicht, dürfen und werden es sich die drittplatzierten Hofheimer überlegen. Der Viertplatzierte wird übrigens laut Reglement nicht mehr gefragt. 

Im Westen hat einmal mehr die SG Porz des seit vielen Jahren erstligaallergischen Wilfried Hilgert gewonnen und das glatt mit 18:0. Aachen überlegt und wird die Bedenkzeit bis Ende April wohl ausschöpfen, teilt Mannschaftsführer Peter Jansen mit. Die drittplatzierten Bochumer haben schon in der Vergangenheit abgewinkt und sollen auch dieses Mal nicht interessiert sein. Für die Schachfreunde Berlin verlängert sich das Zittern um den Klassenerhalt somit ziemlich sicher bis zum Meldeschluss Ende April. Und die Freude wäre eine doppelte, hängt der Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Zweite Liga doch daran, ob die Erste eins höher bleiben darf. 

Anders als beim Nachsitzen Stichkampf vor zwei Jahren gegen Griesheim können die Berliner das Ergebnis nicht beeinflussen. Oder vielleicht doch? Was wäre, wenn Aachen, sagen wir 5000 Euro fehlen und die Berliner diesen Betrag aufbringen könnten? Wäre es dann nicht eine sportliche Lösung, einen Wettkampf zu spielen? Siegt Aachen, zahlen die Berliner die 5000, und Aachen hat das Budget beisammen. Siegen die Berliner, behalten sie die für die Saison dringend benötigten 5000. Anders als ich bei der ursprünglichen Veröffentlichung glaubte, hat Aachen bereits einen starken Kader (danke an Peter Jansen für den Hinweis) und besäße gute Chancen. Doch das ist natürlich nur ein Gedankenexperiment. 

Der Abstand zwischen den Zweiten Ligen und der Ersten ist groß, so dass in der nächsten Saison der Kampf um den Klassenerhalt, wenn keine der etablierten Mannschaften einen schlechten Lauf oder der stärkste Aufsteiger Bayern einen starken Lauf hat, wieder wenig Spannung verspricht. Aufsteiger Aachen dürfte es packen, oder die SF Berlin, wenn sie doch drinbleiben dürfen. Ich würde schon jetzt tippen: Spannend wird´s auch zwischen Saison- und Meldeschluss.

(korrigiert am 20. April 2013)

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Vor acht Jahren hat Garri Kasparow dem Turnierschach adieu gesagt. Dieser Tage meldeten russische Medien, dass er Russland verlässt. Schluss mit Schach, Schluss mit Politik, Rückzug auf der ganzen Linie? Von wegen. Der Eindruck trügt. Kasparow, der an diesem Samstag fünfzig wird, arbeitet unermüdlich an seinen großen Zielen, Russland zu demokratisieren, Iljumschinow abzulösen und Schach in die Schulen zu bringen. Das alles unter einen Hut zu bringen, verlangt einen brillianten Netzwerker, als der er von dem Journalisten Igor Jakowenko in einer lesenswerten Hommage beschrieben wird.

 Kasparow in Oslo
Kasparow am Freitag in Oslo, civita.no

Seinen Geburtstag feiern wird er erst mit einigen Tagen Verspätung am 19. April in New York, wo seine Frau und siebenjährige Tochter leben. Denn im Moment ist er wie meist unterwegs und zwar, sehen wir es symbolisch, im aktuellen Schachboomland Norwegen. Der Thinktank Civita hat ihn zu einer Rede über Putins Russland eingeladen. Nebenbei erklärte Kasparow die von Chennai reklamierte Vergabe des WM-Kampfes Anand-Carlsen ohne Ausschreibung zum Skandal. Und ein Treffen mit Magnus Carlsen und seinem Manager Espen Agdestein steht an, um über die Wiederaufnahme ihrer Zusammenarbeit zu verhandeln. Liebend gerne würde Kasparow Carlsen als Trainer dabei unterstützen, Anand zu schlagen. 

Schon vor der Reise nach Norwegen war es wieder eine ereignisreiche Woche für Kasparow. Er zog sich aus dem Vorstand der russischen Oppositionsbewegung Solidarnost zurück. Danach musste er aufkommende Emigrationsgerüchte dementieren. Und er erhielt einen renommierten Menschenrechtspreis zugesprochen. 

Vermisst Kasparow das Turnierschach und bereut seinen Rücktritt, wie Hartmut Metz Anand zitierend schreibt? Ich glaube nicht. Er hat seine Spielerkarriere gegen ein reicheres Leben eingetauscht. Bei allen seinen Zielen wünsche ich ihm viel Erfolg. Und natürlich: S dnjom raschdenja, Garri Kimowitsch!

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Heute früh hat Tromsö den Hut in den Ring geworfen. Die nordnorwegische Stadt, die im August 2014 die Schacholympiade austrägt, traut sich auch zu, den Titelkampf zwischen Carlsen und Anand obendrauf zu setzen. Die FIDE verhandelt momentan aber erst einmal exklusiv mit Chennai. Anands Heimatstadt kam voriges Jahr nicht zum Zug und bekam eine Option auf das nächste Match angeboten. Die Option ist eigentlich beim Kandidatenturnier abgelaufen, wurde aber auf Bitten der Inder von der FIDE um einige Tage verlängert. 

Carlsen hat allerdings keine Lust, in tropischem Klima zu spielen. Und Anand war in der Vergangenheit nicht sehr erpicht darauf, wenn viel auf dem Spiel steht, vor seinen Landsleuten anzutreten, konzentriert sich doch dann das Medieninteresse einer Milliardennation auf ihn. In Norwegen würde das freilich für Carlsen gelten. New York wurde schon irgendwo als Option genannt, womit vielleicht beide leben könnten. Schöner wäre wohl ein Ort, der auf halber Strecke liegt. Zwischen Chennai und Oslo liegt ungefähr Abu Dhabi. Zwischen Oslo und Anands altem Wohnsitz in Collado Mediano bei Madrid läge ungefähr Paris. Wie wäre es mit Deutschland? 

Oder nochmal London? Der Mann auf dem Foto rechts ist George Osborne, Britanniens Chancellor of the Exchequer (nein das ist nicht der Kanzler der Exschachspieler sondern der Finanzminister...). Ob Carlsen ihn schon nach Geld gefragt hat? Ich fürchte, Osborne war eher bei der Preisverleihung des Kandidatenturniers dabei, um der Prügel, die er als Englands derzeit unbeliebtester Politiker nahezu pausenlos bezieht, unter den ausländischen Schachspielern zu entfliehen. 

Das Heft in der Hand hat übrigens nicht Andrew Paulson und seine eigentlich auf viele Jahre mit der Vermarktung der Spitzenevents betraute Firma AGON sondern die FIDE. AGON hätte der FIDE längst 500 000 Euro überweisen müssen. Doch AGON zeigt sich auf der Sponsorensuche bisher glücklos. Den Geldgeber für das von Lissavon nach Zug (Schweiz) verlegte Grandprixturnier, Viktor Wechselberg, fand jedenfalls sicher nicht Paulson. Die FIDE kann den Vertrag, so lange AGON nicht liefert, jederzeit kündigen. 

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Montagabend ist das Kandidatenturnier Geschichte. Bevor dies für einen Aprilscherz gehalten wird, poste ich mein persönliches Resumee lieber schon mal vorab während der vorletzten Runde. Es ist ein Lob auf alle acht Spieler. Egal ob Kramnik oder Carlsen Herausforderer wird, schon jetzt steht fest, dass dieses Turnier eine großartige Leistungsschau des aktuellen Spitzenschachs ist und mehr Beachtung durch Qualitätsmedien verdient hätte als ein bloßer WM-Zweikampf. 

Vor allem die Eröffnungsvielfalt hat mich verblüfft. 1. d4 wurde bisher fast dreimal so viel gespielt wie 1.e4 und punktet auch besser. Mit 1. d4 haben die Weißen ein leichtes Plus (6:3 bei 22 Remis). Grünfeld (1:0 bei sieben Remis) und Damengambit (2:2 bei fünf Remis), übrigens in allen möglichen Spielarten inklusive Tschigorin und angenommen nur kurioserweise kein Slawisch, sind die beliebtesten Erwiderungen. Aber auch Nimzo-, Bogo-, Damen- und Königsindisch, sogar Budapester Gambit, Trompowski und Holländisch waren zu sehen. Mit 1. e4 ist die Weißbilanz sogar leicht negativ (3:4 bei vier Remis). Vor allem an Spanisch haben sich die Königsbauernspieler die Zähne ausgebissen. In der 13. Runde kommt nun übrigens auch noch Französisch auf die Palette. Mit 1. c4 sind die Weißen relativ am besten gefahren (2:1 bei einem Remis). Auch Réti wurde versucht.  

Wir haben eine ganze Reihe starker Neuerungen gesehen. Vor allem vom glänzend vorbereiteten Kramnik, der sich auch sonst auf der Höhe seines Könnens zeigt. Auch wenn er in den letzten Runden Glück hatte, führt er verdient. Schade ist es um Aronjan, der gegen Gelfand, Swidler und Kramnik mehr riskiert hat, als seine Stellungen aushielten. Hätte er nur zwei dieser Partien nicht verloren, wäre er noch im Rennen. Auch wenn Carlsen ohne seinen komplett schwarzen Freitag gegen Iwantschuk noch zumindest mit vorne wäre, fehlen ihm letztlich doch die Eröffnungen. Nicht einmal eine krumme, frühe Neuerung (wie in Runde 13 Kramniks 5.e3 im g3-Grünfeld) habe ich bei ihm entdeckt.  

Die Internetpräsentation mit Videos und Kommentatoren wie Nigel Short läuft nach einigen Startschwierigkeiten sehr überzeugend. Dennoch habe ich etwas auszusetzen. Weniger als das Selbstlob des eigentlich auch schon durch gute Ideen aufgefallenen Andrew Paulson stört mich die unwidersprochene Technik im Turniersaal. Zuschauer, die Spielern etwas signalisieren wollen, haben dank Tablet-Computern leichtes Spiel. Wenige Meter von den Spielern entfernt sind Großmeisterkommentare und Computeranalysen verfügbar. Wer in der zweiten Reihe (die erste ist gesperrt) passend zu seinem Spieler sitzt, ist trotz der beschränkten Lichtverhältnisse für diesen gut zu erkennen. Warum der offensichtliche Widerspruch zur Betrugsprävention kein Thema ist, verstehe ich nicht. Ich glaube freilich nicht, dass einer der Spieler Hilfe aus dem Zuschauerraum annehmen würde, geschweige denn bestellt hat. 

Das ist nur ein Thema mehr in einem Wettbewerb, der erfreulich viel Diskussionsstoff geboten hat. 

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Schwarz und Weiß sind die Modefarben dieses Frühjahrs, vor allem in Kombination. So manches Outfit wirkt wie ein Statement für Schach. Nie zuvor waren in den Boutiquen so viele karierte Klamotten und Accessoires, die notfalls als Brettersatz herhalten könnten.

 

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Credit: Aldoshoes.com

 

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Credit: Louis Vuitton

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Aus einer Londoner Billigboutique habe ich mir einige ganz ähnliche Fummel für meine nächste Schachveranstaltung in Wien mitgebracht. Magnus Carlsens Ausstatter G-Star hat den Trend allerdings verschlafen. In dem Laden, an dem ich gestern vorbeiging, war nichts in Schwarz-Weiß und die Verkäufer langweilten sich. Von weitem könnte man derzeit so manches Fashionmagazin mit einer Schachzeitschrift verwechseln. Hier zwei aktuelle Cover.

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Credit: Red Magazine

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Credit: Dansk Magazine

Schuld an dem Trend sind angeblich vor allem Designer wie Marc Jacobs. Wie kleidsam das schwarz-weiße Karo ist, wissen wir seit den Auftritten dieses freundlichen Herrn, der im sonst gerade eher trübsinnigen Wien positive Stimmung für Schach verbreitet.

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Credit: Regine Hendrich 

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Kramnik hat das Feld zusammengestellt, den Termin gewünscht und den Spielort vorgegeben. Der mit ihm befreundete Mäzen Oleg Skworzow war mit allem einverstanden. Das Zürcher Turnier hat unterhaltsames Schach geboten und in der zweiten Hälfte auch immerhin drei entschiedene Partien. Doch für den Mann, dem wir sie verdanken, war die Veranstaltung ein Schuss in den Ofen. Kramnik teilt mit Gelfand den letzten Platz. Dabei bot er das interessanteste Schach. Gegen Caruana und Gelfand verpasste er seine Gewinnchancen. Ein Einsteller gegen Anand brachte ihn ins Minus.

Dabei wollte er doch nach zwei Monaten Spielpause nicht nur warm gespielt sondern auch mit einem guten Gefühl zum am 15. März in London beginnenden Kandidatenturnier reisen. Kramnik brauche das Gefühl, dass es läuft, meint Anish Giri in seiner in der März-Ausgabe von "Schach" erschienenen Vorschau . An einer verpatzte Generalprobe kann der russische Exweltmeister wohl schwerer das Gute sehen als andere. Nun muss in London erst recht ein früher, überzeugender Sieg her, damit er vorne mitspielen kann.

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Leon Mons ist mit 17 Jahren zwar schon ein bisschen zu alt, um ein Prinz zu sein, besorgte dem deutschen Jugendschach in letzter Zeit aber mehrmals positive Schlagzeilen. Im November holte der von Michael Prusikin trainierte Franke bei den Jugendweltmeisterschaften in Maribor einen der wenigen zählbaren deutschen Erfolge mit seiner ersten IM-Norm. Vor zwei Wochen schlug er in der Bundesliga Arkadi Naiditsch mit einem mutigen Morra-Gambit, dessen Annahme die deutsche Nummer eins verweigerte. An diesem Samstag holte sich Mons auch noch den Skalp von Robert Kempinski. Die nächste IM-Norm ist quasi sicher. Dafür muss er nämlich nur noch die Mindestzahl von neun Partien komplettieren. Mit einem weiteren Sieg am Sonntag wäre sogar eine GM-Norm fast sicher gewesen, aber diesmal ging es noch daneben (die GM-Normchance bleibt aber). Werden ihm die Erfolge Schachflausen in den Lockenkopf treiben? Im Oktober hat Mons jedenfalls ein Mathematikstudium in Erlangen begonnen.

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Fischerschach oder Chess960, wie es mittlerweile auch offiziell im FIDE-Sprech heißt, ist die einzige Schachvariante, für die es offizielle Regeln gibt. Im Appendix F zu den Laws of Chess http://www.fide.com/fide/handbook.html?id=125&view=article ist Bobby Fischers geniale Variante reglementiert. Das ist echtes Schach vom ersten Zug an statt erst ab dem 15. oder 25.Zug, wenn die Theoriekenntnisse enden. Schade nur, dass es so gut wie keine Turnierangebote gibt. Das wichtigste war ja das Mainzer Festival. Und nach Amsterdam fahren zum einzigen mir bekannten Fischerschachklub http://www.fischerz.nl/ , der nach der genialen 80er-Popgruppe Fischer-Z benannt ist, kommt ja eherfür wenige in Frage.

Da fällt mir, ähem, brühwarm ein, dass der Meldeschluss für ein Chess960-Fernturnier unmittelbar bevorsteht. Wer´s probieren mag, findet die Ausschreibung hier http://www.bdf-fernschachbund.de/turnierangebote/ausschreibungen/1-chess960-preisgeldturnier.htm. Und kommenden Sonntag, den 17. Februar in Wien, kann man Chess960 sogar in einem fein dotierten Schnellturnier http://www.viennamindsportsfestival.com/schedule/?event=chess (1.Preis 300 Euro garantiert, im Schnellturnier vorher und im Blitzturnier hinterher noch mehr) am Brett spielen.

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