SCHACHWELT

Der Schach-Blog

Mittwoch,19 Juni 2013

Aktualisiert18:11:09 Wed

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Olaf Steffens

Olaf Steffens

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Es war schon wieder ein Highlight der deutschen Fernseh-und Schachgeschichte: in der Sendung „Wer wird Millionär“ kämpfte sich kürzlich eine Frau durch bis zur 64.000,-€- Frage, die der Moderator Günther Jauch dann wie folgt formulierte:
"Wobei handelt es sich um eine gängige Schlussformel in der Korrespondenz bestimmter Freizeitsportler?"
 Nun ist dies nicht unbedingt eine Frage, die man auf Anhieb gleich verstehen muss. Darum ist es hilfreich, wenn man die vier Antwortvorschläge sieht: 

A: Mit golfischen Grüßen

B: Mit schachlichen Grüßen

C: Mit anglischen Grüßen

D: Mit skatischen Grüßen

 

Alles sehr obskur – es scheint also einen typischen Gruß zu geben, mit dem Golfer, Schachspieler, Angler oder Skatspieler ihre Briefe beenden. Welcher mag das sein?

Weil wir hier ja nun in einem Schachblog sind, werden es manche bereits ahnen - richtig war die schöne Antwort B, „Mit schachlichen Grüßen“!
Auf einem regionalen Open ist es meist nicht ganz so einfach, sich überhaupt und schon gar nicht ein stattliches Preisgeld zu erspielen. Hier aber bei dieser Frage hätten wir schon ziemlich reich werden können durch ein wenig Schachwissen – 32.000,-€ mehr im Topf, wer hätte das gedacht?

magnus carlsen

Wer sich viel bildet, hat bei Gewinnspielen oft bessere Chancen.

Mein Kollege sprach mich darauf an, ob ich die Antwort im Gegensatz zur Kandidatin wohl gewusst hätte. Ich muss sagen – da hätte ich keine Ahnung gehabt!
Ein „Mit schachlichen Grüßen“ habe ich bewusst noch nie unter einem Brief, einer Mail oder sonstwo wahrgenommen. Wer sagt so etwas - Herbert Bastian doch nicht etwa? Und wie schafft es dieser Gruß in die 64.000,-€ - Frage - – kann man da nicht lieber etwas anderes fragen zu unserem Sport? Zum Beispiel …

- warum die Schach-Olympiade eigentlich alle zwei Jahre stattfindet
- wer nun eigentlich die Krennwurzn ist, oder
- warum Frank Hoppe für das deutsche Olympiateam in Istanbul nicht nominiert wurde, oder
- warum man gegen starke Spieler immer kurz vor Schluss noch etwas einstellt.

Irgendwie so etwas könnte man doch mal fragen. Tut aber leider keiner.

 noppes

Sven Noppes stellt die Millionenfrage - Peter Heine Nielsen zögert aber noch mit der Antwort.

 

Aber nun gut, freuen wir uns, dass es das königliche Spiel zumindest wieder in die deutsche Fernsehöffentlichkeit geschafft hat – dorthin, wo es ja sonst leider keinen auch nur irgendwie gearteten Hauch von Schachpräsenz gibt, weder wenn Arkadij Naiditsch das Turnier in Wijk aan Zee (B) gewinnt, Matthias Krallmann den Werder Monatsblitz dominiert oder das Team Germany in Griechenland Europameister wird (hey!). Da schweigt das Fernsehen doch lieber und sendet Volksmusik und Fußball.
Doch wie immer gibt es noch Hoffnung – sollte die alte Tante SPD im Herbst die Wahl gewinnen, könnte Schachfreund Peer Steinbrück als neuer Kanzler unser Schach zum Nationalsport machen („Schach – Das Spiel der Kanzler“). Dann wären wir auch mehr im Fernsehen. Meine Unterstützung hätte er! -

steinbrck

So wollen wir das sehen: Schach für alle in den Medien, und auch das Brett ist richtig aufgebaut

 

 „Ein Matt beendet die Schachpartie“ heißt es ja immer so schön, und wir alle haben das auf die eine oder andere schmerzvolle Weise schon einmal erlebt. (Manchmal geht es ja auch ohne Matt - im Falle von Falko Bindrich und Christoph Natsidis beispielsweise war es der Schiedsrichter im Verbund mit Sebastian Siebrecht, der die Partie beendete.)
Wie aber beenden Schachspieler eine Korrespondenz, die sie sich auf dem einen oder anderen Wege zuspielen? Schreibt da wirklich irgendjemand „mit schachlichen Grüßen“?  
 Wir wollten es genauer wissen, und tatsächlich fanden wir bei unseren Kollegen von Wikipedia in der Abteilung „Grußformel/Korrespondenz“ bei „Spezielle Grußformeln mit Bezug auf Verbände und Vereinigungen“ den Hinweis auf so allerlei spezielle Wendungen:
 
 -        Mit reiterlichem Gruß (das sagen wohl die ReiterInnen)
-         Mit freundlichem Glückauf (Kohlekumpel unter sich)
-         Gut Pfad (das wünscht man sich unter PfadfinderInnen)
 
Soweit die Klassiker - doch was gibt es noch?

-         Best regards from outer space! (Kirsan Ilyumzhinov)
-         Vy-73 (unter Funkamateuren)
-         Moinmoin! (in Schleswig-Holstein)
-         Hav (Hochachtungsvoll, für ganz Eilige)
-         Yo! (Jan Gustafsson)
 
 Und dann, endlich
- „Mit schachlichen Grüßen“ – zwischen Schachfreunden (gleiche Vereinszugehörigkeit nicht erforderlich).
 
Es ist also wahr – dieser Gruß besteht ganz offiziell. Da haben die Fragenschreiber von „Wer wird Millionär“ wieder alles richtig gemacht.
Dennoch bleiben Zweifel – wird diese Wendung auch wirklich benutzt? Das fragen wir heute unsere Leser und auch unsere Leserinnen. Um ehrliche Antworten wird gebeten. Wir wollen die schonungslose Wahrheit. Danke für alle Einsendungen!
Wir verabschieden uns aus diesem Artikel mit einer laut Wikipedia offenbar leicht veralteten, aber dennoch wohlklingenden Grußformel, die wir damit dem drohenden Vergessen zu entreißen hoffen:
„Mit größtem Respekt und bewundernder Hochachtung verbleibe ich in demütiger Hoffnung“

Olaf Steffens

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                     Seid schachlich gegrüßt aus Bremen, gelle!

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Tjaja, so kann das gehen - da richtet man liebevoll ein Turnier aus in den eigenen Vereinsräumen, und dann kommen die Gäste aus Hamburg und schnappen sich schon wieder den schönsten Pokal!
Beim dritten Fußball-Schachturnier des SV Werder Bremen gelang es dem Team aus der anderen, etwas größeren Hansestadt, den Titel des Vorjahres zu verteidigen und erneut einen feinen Pokal über die Landesgrenzen hinweg bis hin zur Elbe zu entführen. Hummel Hummel! Das ist bisher noch keinem Team bei diesem Turnier gelungen, und selbst der OSG Baden-Baden nicht - fürwahr also ein historischer, ein großer Tag für den Schachsport. -
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Fußballschach? Ach na ja, wenn´s nicht unbedingt sein muss ... (Photo: Ray Morris-Hill)

Obschon, es wurde am Ende recht knapp in diesem Jahr, deutlich knapper als im Vorjahr. Nach dem Vormittag lagen noch die ganz in Gelb spielenden Fußbrothers Jena knapp in Führung vor dem SV Werder - die Jenaer hatten sich in den je zehnminütigen Begegnungen als kompaktes Team präsentiert und waren sogar ganz ohne Gegentor durch den Fußballwettbewerb gekommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Hamburger SK mit anundfürsich wenig beeindruckenden 5:5 Punkten zusammen mit dem holländischen Team von Dr. Max Euwe (Enschede) und den Publikumslieblingen von Deep Chess aus dem Rheinland (moinmoin Jungs, und hallo Sarah Hoolt!) in der sicheren Mitte des Feldes angesiedelt. Am Ende der Tabelle lagen nach dem Ende der Fußballrunde die wackeren Spieler des Delmenhorster SK.
Doch wer in der Mittagspause mutzumaßen wagte, dass die Hamburger in diesem Jahr schon zu viele Punkte liegengelassen hatten, um sich noch ganz nach oben zu kämpfen, wurde schon bald eines Besseren belehrt. Tatsächlich gelingt es dem sympathischen Verein aus dem Norden jedes Jahr aufs Neue, mit neuen Talenten zu überraschen.
War im vergangenen Jahr noch Loek van Wely (huch!) überraschend ins Team der Hamburger gerückt, präsentierte der HSK nunmehr mit dem Internationalen Meister und
Schachjournalisten Georgios Souleidis einen gefährlichen Goalgetter mit griechischen Wurzeln.
Zusammen mit Merijn van Delft, Felix Meißner und Raimund Klein tummelten sich heute in Bremen noch einige weitere Fußballtalente und vor allem schachliche Rohdiamanten in den Reihen des HSV, die mit Namen zu benennen mir leider nicht möglich ist. Es gibt einfach zu viele von ihnen in Hamburg, und sie wachsen so schnell in die Höhe und erreichen GM-Stärke, dass man gar nicht mehr hinterherkommt mit den ganzen Namen. Erst vor kurzem hörte ich, dass der HSK mit gut 29 Mannschaften am Ligabetrieb teilnimmt. Chapeau!
fritz

 Ein wichtiges Detail am Rande: der HSK ist nicht identisch mit dem HSV!
                                      (obwohl, irgendwie ja doch, oder?)

Und so kam es, wie es kommen musste - Hamburch punktete sich satt durch den Schachwettbewerb und holte am Ende die drei Punkte auf, mit denen sie zur Mittagspause noch hinten gelegen hatten. Hilfestellung bekamen sie  von den Fußbrothers aus Jena, die in der Schlussrunde den bis dahin führenden Bremern einen Teilpunkt abluchsten und Werder damit auf den zweiten Platz hinabstießen, knapp vor dem Team von Dr. Max Euwe. So kann das gehen - Glückwunsch nach Hamburg, habt Ihr klasse hinbekommen!
(Aber freut euch nicht zu früh: im nächsten Jahr wird das nichts mehr mit dem Titel. Wir in Bremen kennen jetzt alle Eure Tricks!)
Den vierten Platz holte sich die Fußbrothers, knapp gefolgt vor den Meistern der Herzen Deep Chess und Deep Delmenhorst.
Umsichtig vorbereitet und organisiert wurde das Turnier zum allergrößten Teil von Andree Schondorf und einem freundlichen Unterstützer-Team am Schiedsrichtertisch und bei anderen Dingen im Hintergrund, ohne die es nicht geht. Andree hat auch den offiziellen Artikel und die offiziellen Fotos für die Werder-Homepage vorbereitet - zu finden ist dies alles unter diesem Link.

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 Fußballschach - mehr kann man eigentlich nicht verlangen von einem Sonntag

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Kein Blitzturnier ohne Regelfragen - und darum folgen am Ende noch drei knifflige Situationen mit der Bitte an die verehrten Leser um Auflösung. Ich bin da nämlich gar nicht so sicher - wer weiß Rat?

a) A und B spielen eine Partie Blitzschach! Bei A fällt die Platte, B reklamiert! A kann aber einzügig mattsetzen und hat das auch vor. Wer hat gewonnen?

b) Heute aus dem Turnier: T und O spielen eine Partie Blitzschach! T gibt wiederholt Schach auf den selben Feldern, O weicht mit seinem König immer wieder auf dieselben Felder aus. Kann T irgendwann auf Remis durch dreifache Zugwiederholung reklamieren, oder gibt es das im Blitzschach gar nicht?

c) Ganz allgemein: M und S spielen eine Partie Blitzschach! S bietet Remis an, M überlegt eine Weile. Während M noch so nachdenkt, fällt sein Plättchen. S reklamiert auf Gewinn, aber M pocht auf das schwebende Remisangebot. Wie ist die Rechtslage?

Die Leser haben das Wort! 

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Heute abend beginnen in Bremen die Deutschen Problemlösemeisterschaften. Zwar geht es dort um Schach, doch ahnt man es bereits: so eine Meisterschaft hat die Stadt lange schon gebraucht, denn hier an der Weser gibt es einige Probleme finanzieller und fußballerischer Art, die sich nicht so einfach lösen lassen.

Es ist ja schon ein Weilchen her, seit die schöne Hansestadt ein Musterbeispiel deutscher Wirtschaftskraft gewesen ist. Werften, Autobau (der gute Borgward!), Hafenumschlag, internationaler Handelsplatz - das alles waren die Quellen des Bremer Wohlstandes. Man lebte erfolgreich gemäß dem alte Kaufmannsmotto "Buten un binnen - wagen un winnen" (draußen und drinnen - wagen und gewinnen). Das kleine Bremen war Geberland und finanzierte den Agrarstaat Bayern lange Jahre im Länderfinanzausgleich mit. Und sogar Werder spielte früher besseren Fußball und wurde 1965 Deutscher Meister.

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Bremens gute Stube: der Marktplatz mit Rathaus und Dom

Das alles ist lange her. Heute hat Bremen mit allerlei Problemen zu kämpfen, wühlt sich durch einen Berg von Schulden, muss sparen, sparen, sparen, und kommt trotz weiterhin beachtlicher wirtschaftlicher Stärke kaum über die Runden. Die Finanzsenatorin hat es schwer, denn die meisten Bremer Arbeitnehmer wohnen außerhalb (buten!) und zahlen ihre Einkommensteuer in Niedersachsen. Darüber hinaus ist das Wetter meist nordisch grau und feucht, die Bremer Partie wurde von Magnus Carlsen vorgeführt und (das schlimmste Problem) der Hamburger SV steht in der Tabelle der Fußball-Bundesliga deutlich vor Werder.

werder sport
Grün-weißer Genuss ist in Bremen angesagt

Doch Hilfe ist auf dem Weg - denn heute beginnen sie ja, die Deutschen Meisterschaften im Lösen von Problemen, ausgerichtet vom SV Werder Bremen. Welche Stadt wäre als Austragungsort geeigneter gewesen?
Allerdings geht es in den kommenden drei Tagen mehr um schachliche Probleme als um Probleme aus der realen Welt. Und dennoch ist es eine nette Geste, dass sich
ab heute ein internationales Teilnehmerfeld ausgerechnet in der alten Hansestadt ein Stelldichein gibt. Bremen sagt: Willkommen! Welcome! Moinmoin!

 Ich persönlich (oder, wie manche Fußballer sagen, "ich für meine Person") konnte mich mit Problemschach leider noch nicht so richtig anfreunden in meinem langen Schachleben. Eine ganz normale Schachpartie am Brett mit einem richtigen Gegner verursacht bei mir schon Probleme in ausreichender Menge - und selbst die vermag ich oft nicht gut zu lösen!
Dramatischer allein ist es nur beim Problemschach - d
ie Aufgaben, die man dort lösen muss, sind reich und komplex, aber dann doch oft so übervoll mit Motiven, dass ich meist lieber schnell weiterziehe. Alles, was ich über Problemschach weiß, ist die goldene Regel: "Der unwahrscheinlichste Zug ist immer die Lösung."

schachvolk
So ungefähr nehme ich Schachprobleme wahr. (Ich bitte um Verzeihung!)

Doch es gibt sie, die Problemschach-Freunde, und sie haben natürlich auch ihre eigenen Meisterschaften. Arno Zude ist ein Spezialist auf diesem Gebiet und mehrfacher Deutscher Meister. Werder-Präsident Dr. Oliver Höpfner hat ein Faible für das Problemschach und holte die Meisterschaft um den Siegerpokal der Schwalbe in diesem Jahr nach Bremen. Und auch Schachfreund Losso wird den verehrten LeserInnen dieses Blogs bekannt sein als unermüdlicher Werber für diese besondere Disziplin des königlichen Spiels.

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Mit dem Namen Höpfner verbindet sich im ganzen Land manch´ gute Assoziation.  

Mehr zum Wagen un Winnen, den sportlichen Aspekten, den Favoriten und dem gesamten Rahmen des Turniers findet sich ausführlich auf der Homepage des SV Werder.
Wer heute zur Eröffnung, morgen oder Sonntag zu den offiziellen Meisterschaftsrunden vorbeischauen möchte, ist herzlich willkommen! Gespielt und um Punkte gekämpft wird
binnen in der Hemelinger Straße nahe dem Weserstadion.
Und wenn Werders Fußballteam morgen gegen Frankfurt dann noch drei Punkte holt, ist auch eines der ganz wesentlichen Probleme der Stadt fürs Erste schon einmal gelöst. Daumen drücken!

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Ich meine, man muss das doch verstehen. So jung, der Falko, und das ist eben eine ganz andere Generation. Die wachsen doch heutzutage schon auf mit den Handys unter dem Daumen, ist doch so, und für die ist es schon ganz selbstverständlich, dass sie es überall mit hinnehmen müssen, auch aufs Klo. Aber nur weil man mal so ein Handy mit auf der Toilette hat, muss man doch noch kein schlechter Mensch sein, ich meine, wo kommen wir denn da hin? Außerdem ist er doch Geschäftsmann oder so, da würde ich auch nicht jedem zeigen wollen, was meine vertraulichen Geschäftsdaten sind, nicht wahr? Ich meine, wo fängt es an, wo hört es auf? Eigentlich ist Schach ja auch nur ein Spiel, da soll man doch bitte schön die Küche im Dorf lassen.

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Auch Capablanca hätte als Ehrenmann jeden Verdacht einer Smartphone-Nutzung
 deutlich von sich gewiesen. (Berlin 1929, Quelle: Bundesarchiv)


Die Bundesliga, na gut, da hätten sie schon ein bisschen aufpassen können mit den Formalien. Aber andererseits, es gab ja schon eine Menge gute Regeln, und wer denkt denn an sowas? Dass da einer mit dem Handy rumläuft und vielleicht sogar illegale Sachen mit macht. Und dann kann man ihn noch nicht mal bestrafen, sperren, kontumazieren, weil das irgendwie nicht ganz formgerecht in der Satzung stand. Sowas kommt vor – es ist schade, aber es kommt vor.
Der Bundesliga e.V., das sind ja auch keine Volljuristen, das sind doch auch alles nur Schachspieler so wie wir. Die machen das ja nicht, um Geld zu verdienen, und es ist alles ehrenamtlich, ich meine, ist doch so. Auf den Funktionären und Verantwortlichen sollte man jetzt nicht rumhacken. Ich bin ja froh, dass sie das überhaupt machen, den ganzen Stress auf sich nehmen. Vor den Organisatoren ziehe ich meinen Hut, wirklich.

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Auch wenn intensiv geregelt wird, bleiben leider oft noch Lücken

Es ist nur zu ärgerlich, dass nun wegen so einem Formfehler das alles nichts wird mit einer Sperre. Der Falko, nicht wahr, der kommt nun damit durch, dass er sein Handy nicht gezeigt hat. Hatte er einfach nur gute Nerven? Bei der Tour de France, ich meine, da gäb´s das nicht! Keine Blutprobe zugelassen, schon ist der Fahrer raus aus der Chose, Feierabend, Sperre, kann direkt nach Hause radeln.

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Manchmal ist es besser, schnell nach Hause zu fahren. Man kann ja auf dem Weg noch etwas lesen.

Genau so hat es der Falko aber gemacht – keine Handykontrolle erlaubt, den Schiri wieder weggeschickt, und das beim Schach, Spiel der Könige, wo man sich mit dem Smartphone mal eben heimlich gute Züge ausdenken lassen kann.
Wäre er doch bloß ein wenig demütiger gewesen, ich meine, so irgendwie kooperativ. Wenn da der Schiri auf einen zusteuert und böse Dinge unterstellt, da kann man doch mal helfen und sich entlasten!
Hat Uli Hoeness doch auch gemacht, mit seiner Selbstanzeige. So aber, ich weiß nicht, er zeigt sein Smartphone nicht, macht Rabatz und redet von Grundwerten.

dresscode

Das Ringen um sportliche Erfolge lässt Menschen manchmal sonderbare Dinge tun

Ich meine, ist doch Sport, und Bundesliga, da muss so ein Spieler doch wissen, dass das den anderen komisch vorkommt mit dem Smartphone auf dem Klo. Hätte er man sein Handy gezeigt, von innen und von außen, dann wäre doch alles geklärt. Aber Falko hat das nicht, und nun kommt er auch noch damit durch. Formfehler! Ich glaube, das war unverschämtes Glück für ihn.
Andererseits - das wird nun immer an ihm hängen bleiben. Wir wissen nicht, ob wirklich irgendwie geschummelt wurde, aber entlasten wird er sich nun nicht mehr können. Keine Chance auf Reha. Nicht schön für ihn, irgendwie. -

scharnhorststrae

 

Im Paragraphendschungel

Turnierleiter aufgepasst! Bei uns in der Vereinsmeisterschaft werde ich mich von nun an mit einem Smartphone hinsetzen, und wenn sich jemand beschwert, sage ich nur „Satzung!“.

Denn bestimmt hat in unserer Turnier-Ausschreibung niemand auf die Regeln des Deutschen Schachbundes verwiesen. Und falls doch, dann sicherlich nicht darauf, dass automatisch auch die Sanktionen des DSB Anwendung finden, falls jemand mit Smartphone erwischt wird. Was die anderen im Verein dann von mir denken? Ist mir ja erstmal ganz egal. Hauptsache, ich kann weiter spielen und ab und zu mal einen Preis gewinnen. Denn darum geht es doch im Schach, oder?
Ich meine, ist doch so, oder nicht?

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Herzschlagfinale in London – Vladimir Kramnik und Magnus Carlsen standen gleichauf vor der letzten Runde im großartigen Kandidatenfinale und spielten zwei Partien am heutigen Ostermontag, in denen es wieder drunter und drüber ging. Am Ende verloren sie beide, doch für Carlsen reicht es trotzdem für den WM-Kampf gegen Anand.

Meine Güte, das war spannend! Auch wenn man als Zuschauer wie bei jeder Turnierpartie im Internet noch gerne immer etwas anderes zwischendurch machen konnte (Kaffee kochen, am Schreibtisch arbeiten, Katzen füttern, auf dem Balkon frieren), zog es mich wieder und wieder zurück zum Computer, um zu schauen, was sich in London so tut. Allerdings dauerte es fünf intensive Stunden, bis die Entscheidung gefallen war. Ich fürchte, so richtig zuschauerkompatibel und medienwirksam ist das nicht - hier muss Schach wohl noch arbeiten, um das Format verdaulicher zu machen? -

Sowohl Kramnik als auch Carlsen hatten gute Chancen, sich für den WM-Kampf gegen Vishy Anand zu qualifizieren.
Erste Grundregel heute: wenn beide punktgleich sind, spielt Carlsen um den Titel, denn er hatte die größere Anzahl von gewonnenen Partien. (Ob das ein faires Kriterium ist für die Auswahl des Turniersiegers, sei dahingestellt. Dennis Monokroussos zum Beispiel kritisierte das sehr in seinem Blog und hätte sich stattdessen einen Stichkampf gewünscht. Es erscheint mir aber nicht unfair oder unangemessen.)

Zweite Grundregel: wer heute mehr Punkte holt als der andere, qualifiziert sich für Anand!

Heute nun trat der für Norwegen spielende Baden-Badener Carlsen mit den weißen Steinen gegen Peter Svidler an (der ja ebenso wie Jan Gustafsson ebenfalls für Baden-Baden spielt). Carlsen holte aus einer spanischen Eröffnung überhaupt nicht viel heraus, begann dann aber erst am Damenflügel und dann am Königsflügel zu fummeln und schien dabei einigen Druck zu erzeugen. Doch der Eindruck blieb, dass es alles ein wenig zu gewollt aussah – auch aufgrund der Turniersituation musste Magnus ja probieren und seine Chance suchen, denn nur mit einem Sieg konnte er ja sicher sein für die Qualifikation.

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Was ist hier denn los? Carlsen versucht zu wirbeln, doch Svidler bleibt cool. (Quelle: Turnierhomepage)

Dann aber schlug die Stunde von Peter Svidler, dem russischen Meister und Teamkollegen von Jan Gustafsson! Mit ein paar sauberen Zügen setzte er einen (gefühlt) sauberen Konter an und ließ Carlsens Figuren irritiert und verstreut über das Brett zurück, während seine eingenen Steine schön harmonierten und einen Mehrbauern herausspielten. Kommt mir bekannt vor – sowas machen meine Gegner auch immer in der Zweiten Bundesliga! Am Ende blieb nichts übrig von Carlsens Angriff – und Svidlers Mehrbauer lief zur Dame. Punkt für Svidler. Kramnik boven?

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“Kramnik in Bonn“ 2006

Der 14.Weltmeister stand heute dicht vor einer erneuten Qualifikation für ein WM-Finale.

Das Bild stammt aus einer Serigrafie von Emese Kazár und kann direkt bei der Künstlerin erworben werden. Den Kontakt stelle ich gerne her - bei Interesse einfach eine Mail schicken an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

(Auflage 45, signiert und datiert, Blattgröße: 14,8 x 21 cm. Ungerahmt 49,-, gerahmt mit Passepartout 69,- (Rahmengröße: 24,5 x 21 cm). Porto kostenfrei im Inland.)


Vladimir Kramnik spielte gleich nebenan eine schwere Partie gegen Vassily Ivanchuk und versuchte, ihn als Schwarzer mit einem Pirc-ähnlichen Aufbau zu überraschen. Auch wenn diese Überraschung vielleicht gelang - zumindest aber der Stellungsaufbau ging daneben und Ivanchuk entwickelte einen unheimlichen Druck auf beiden Seiten des Brettes, spielte gegen die geschwächten schwarzen Bauern und drückte und drückte und drückte. Kramnik nahm die Fäuste hoch und versuchte ein Bollwerk aufzubauen, um die weißen Figuren zu bremsen.
Doch just als Carlsen um 20 Uhr am Nebenbrett aufgab und für Kramnik nun schon ein Remis reichen würde, stand ein massiver weißer Freibauer auf b6 und machte ihm das Leben schwer. Zudem war Ivanchuk nicht wie sonst in Zeitnot, sondern spielte seine sichere Stellung sicher im Vorteilsmodus auf Gewinn. Und tatsächlich – im 43.Zug gab sich Kramnik geschlagen.

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Das Ende des WM-Traumes - Vassily Ivanchuk schlägt Vladimir Kramnik (Quelle: Turnier-Homepage)

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Er haut sie alle um - Ivanchuk schlug in London sowohl Carlsen als auch Kramnik. (Foto: Ray Morris-Hill)

So haben beide Anwärter auf den WM-Kampf heute verloren, aber gleichzeitig groß gekämpft, wie schon im gesamten Londoner Turnier vorher. Das Turnier und seine acht Teilnehmer haben eine Perle der Schachgeschichte geschaffen – so spannend und intensiv habe ich Schach schon lange nicht mehr erlebt.

Norwegen jubelt - Magnus fährt zur WM! Anand wird sich warm anziehen müssen, doch klar ist die Sache noch nicht. So hat Carlsen in London durchaus einige Unsicherheiten offenbart, und überhaupt – der für Indien spielende Baden-Badener Weltmeister wird sicherlich mit seinen Herausforderern wachsen.
Freuen wir uns also auf den Herbst! Magnus aber kann erstmal feiern. Swinging London ruft!

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So sehen (Turnier-) Sieger aus! (Foto: Ray Morris-Hill, http://raymorris-hill.smugmug.com/)

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Wo wir schon mal hier sind, können wir auch gleich unser Tippspiel zum Kandidatenfinale auflösen. Zu gewinnen gab es ja entweder eine Schachreise von und mit Jörg Hickl oder eine schöne Tafel Bremer Schokolade - wie sich nun herausstellt, muss der Sieger diesmal noch mit der Schokolade vorlieb nehmen. Doch nicht verzagen - sie ist wirklich sehr lecker und hübsch verpackt (mit Stadtmusikantenmotiv).

Auf Carlsen als Turniersieger tippten ganz richtig:

Losso, Holger Hebbinghaus (der alte Fuchs!), Sven Joachim, Marcchan, tigran_barmbek und Darth Frank.

Wie angedroht, wird meine Frau nun eine willkürliche Auswahl treffen. Das Ergebnis lautet (nach Losentscheid!):

Die Schokolade geht an .... tigran_barmbek.

Herzlichen Glückwunsch!

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  Bevor die große Mutter FIDE mir bald schon den FM-Titel aberkennt, noch schnell ein Bericht für Schach-Welt, den Blog meines Vertrauens. Viel gibt es zu berichten:

- Heute nacht um zwei werden in Europa wieder die Uhren vorgestellt. Nicht vergessen, und Vorsicht auch bei Mannschaftskämpfen, dass man nicht verschläft! Zwar können die Schiris mittlerweile ja die Augen zudrücken, wenn es mit der pünktlichen Anreise nicht ganz klappt, aber die meisten Gegner zumindest fordern die kampflose Niederlage, wenn man aufgrund der Zeitumstellung den Partiebeginn verpasst. Kontumazieren nennt man das in Österreich, und das ist mindestens genauso schlimm wie es sich anhört.

Darum also, schön heute nacht um zweie die Uhren vorstellen, auch bei den Osteropen in Deizisau und Norderstedt!

 

     -  In der Bezirksliga Nord, zwischen Flensburg, Husum, Sylt und Eckernförde, steht der Schleswiger Schachverein von 1919 schon einen Spieltag vor Saisonschluss als Meister und Aufsteiger in die Verbandsliga fest - herzlichen Glückwunsch dazu! Die Schleswiger sind damit so ein bisschen das Baden-Baden des Nordens. Mein alter Verein, in dem ich Anfang der Achtziger Jahre das Schachspielen lernte, ist also wieder auf dem Weg nach oben. So soll das sein!

schloss gottorf

Wie auch dieses Bild belegt, ist in Schleswig immer gutes Wetter. (Hier ein Blick auf das Schloss Gottorf - danke an Frank Maahs/ Wikipedia für das Bild!)

-     Beim Kandidatenturnier in London ruhen heute die Figuren, die Bretter werden gepflegt, geputzt und, falls es Schäden in der Grasnarbe gibt, ausgebessert. Acht Spieler wollten dem Baden-Badener Weltmeister Vishy Anand demnächst den Titel streitig machen, doch so wie es aussieht, haben nurmehr Vladimir Kramnik und der junge Magnus Carlsen eine reelle Chance auf den Turniersieg. Kramnik sammelt in den Partien des zweiten Umlaufs Punkt um Punkt und rang gestern in einer monumentalen Partie seinen direkten Konkurrenten Levon Aronjan nieder. Von dieser Begegnung werden sich noch unsere Enkel erzählen!

Zeitgleich und für viele völlig unvermutet unterlag auch Carlsen – der Norweger hatte gegen Ivanchuk in ausgeglichener Stellung einfach munter weiter auf Gewinn gespielt und brachte sich erst damit in Schwierigkeiten (ein beliebtes Phänomen unter Schachspielern). Nach ungefähr sechs Stunden gab sich Carlsen geschlagen – eine bittere Niederlage für ihn, nachdem das Turnier bisher so rund für ihn gelaufen war.

carlsen-ray morris hill

Schmerzhafter erster Partieverlust in London: Magnus Carlsen
For the photo - thanks, Ray Morris-Hill! http://raymorris-hill.smugmug.com/

Zwei Runden vor Schluss liegt Kramnik mit einem halben Punkt in Führung. Schauen wir mal, ob er weiter so cool bleibt und seine Punkte einfährt. Erst aber muss er noch (ebenso wie wir) die Zeitumstellung hinter sich bringen.

-    Schon in einer Woche rollen in Schwetzingen wieder die Figuren in der Schach-Bundesliga. Da mag sich so manch einer fragen – Schwetzingen, wo ist denn das? Dabei ist dieser schöne Ort eine kleine Perle in der Nähe von Heidelberg, so dass Sonne und gutes Wetter allein schon von Amts wegen garantiert sind, wenn sich alle 16 Mannschaften der Liga zu den letzten drei Runden im Schwetzinger Schloss treffen.

Rein sportlich mag die Luft zwar schon so ein wenig raus sein, denn Baden-Baden ist so gut wie Meister, und auch die Chancen der SF Berlin sind nicht mehr so ganz riesig, den fünftletzten Platz zu erreichen. Doch man weiß ja nie (vor allem bei den Berlinern!), und was soll es auch – viele tolle SpielerInnen werden dort sein, man kann Wein trinken, in der Sonne sitzen, und drei Tage lang Schach und guten Kaffee genießen. Auf also, in den Süden!

(Interessante Vorberichte zur Endrunde findet man auf dem vielseitigen Portal der Schach-Bundesliga. Alle Partien werden dort wie immer zeitgleich live und kostenlos ins Netz gestellt – fast könnte man sich fragen, ob man sich da die Anreise und das Eintrittsgeld für die Veranstaltung möglicherweise auch sparen könnte? Aber was soll´s – auch wenn ich hier die Politik und das Marketing des Schach-Bundesliga e.V. nicht ganz verstehe, hoffe ich und drücke die Daumen, dass das Schwetzinger Schloss trotzdem hübsch voll und die Veranstaltung ein toller Erfolg wird!)

-    Neuer Bremer Meister wurde heute IM Tobias Jugelt vom Delmenhorster SK. Wie schon mehrfach in den Vorjahren, hat Tobias das Turnier mit Lockerheit dominiert und sich sicher Punkt um Punkt erspielt. Er ist damit der Bremer Mann bei der Deutschen. Herzlichen Glückwunsch zum Titel!

- Auch wenn es schon etwas her ist – am 29.März 1886, also heute vor 127 Jahren, gewann der Österreicher Wilhelm Steinitz in New York, St.Louis und New Orleans den weltallerersten offiziellen WM-Kampf und wurde dadurch der erste Weltmeister der Schachgeschichte. Dazu (wenn auch nachträglich) gratuliert die Schachwelt-Redaktion! Zugleich sind wir umso gespannter, wer sich wohl morgen und übermorgen in London als Nachfolger von Wilhelm Steinitz empfehlen wird.
wilhelm steinitz

Wilhelm Steinitz: einer der stärksten Spieler des 19. Jahrhunderts und Freund heroischer Königswanderungen

Moin, und frohe Ostern allen Leserinnen und Lesern!

PS Zwischenstand Bayern - HSV 9 : 1  .... was ist denn da schon wieder los? HSV!

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Nun, da der neue Papst gewählt ist, kann auch die Schachwelt nachziehen und in London beruhigt einen Herausforderer für Weltmeister Vishy Anand küren.
Während das Kandidatenfinale vor zwei Jahren noch mit K.O.-Partien und anschließendem Hauen und Stechen im Schnell- oder gar Blitzschach ausgetragen wurde, sehen wir nun auf der britischen Insel ein doppelrundiges Turnier zehn Teilnehmern. Bis zuletzt wurden die Namen der Spieler geheim gehalten, doch nach einigen Recherchen präsentieren wir heute hier live im Schachwelt-Blog die Teilnehmer.

Wir schauen nach London, und wir sehen:

-    1) Vladimir Kramnik:

Kramnik kann Weltmeister, das wissen wir schon seit dem Jahr 2000, als er den unglaublichen Garri Kasparov vom Thron schubste. Seit seiner Heirat vor einigen Jahren musste er den Titel zwar an den (ebenfalls verheirateten) Vishy Anand abgeben, hat sich dann aber wieder gefangen und spielt seitdem nicht nur wieder erfolgreich, sondern sogar sehr unterhaltsam und wagemutig. Gefällt mir, auch wenn ich nicht immer alles verstehe.

                          Kandidatometer: 8,5 von 10 Punkten

2) Boris Gelfand:

Hatte Anand schon am Haken und wäre letztes Jahr in Moskau beinahe neuer Weltmeister geworden. Beeindruckend! Der Israeli wirkt auf mich konzentriert und ruhig, dabei gleichzeitig inspiriert und bereit zu interessanten Experimenten schon in der Eröffnung. Mal sehen, was er für London ausgekocht hat. Manche sagen, sein hohes Alter (so um die 40 …) würden es unmöglich machen, dass er der neue Herausforderer wird. Allerdings wurde er mit demselben Argument auch schon vor zwei Jahren nicht ernst genommen – und hat sich dort dennoch durchgesetzt.

                          Kandidatometer: 8 von 10 Punkten

 3) Ilja Schneider:

Hat sich bei den Bremer Blitzmeisterschaften 2012 für London qualifiziert, ist aber leider verhindert aufgrund des sechsten Bundesliga- Wochenendes mit den Schachfreunden Berlin. Aus deutscher Sicht bedauerlich!

                Kandidatometer: schade, nicht dabei. Ansonsten 9,2 Punkte und ein angenehm hoher Kaffeehausfaktor

umkmpfte krone

                         Umkämpfte Krone

 4) Alexander Grischuk

Bei Grischuk weiß man nie, ob man seinen Namen mit „sch“ oder nur mit „sh“ shreiben soll. Er ist natürlich ein Mann der alten russischen Shachshule, verdient sich seine Punkte aber auffallend oft erst in den Tie-Breaks beim Schnellschach. Ob es in London auch für die langen Partien reichen wird? Vor zwei Jahren in Mainz immerhin hat er meinen Mannschaftskollegen Joachim Asendorf im Schnellschach geschlagen. Allerdings kam dieser auch knapp zehn Minuten zu spät zur Partie und eröffnete dann auch noch mit 1.c2-c4. Eine Prognose ist hier also ausgesprochen schwer. Wir halten uns bedeckt und sagen

                           Kandidatometer: 7 Punkte von 10

5) Magnus Carlsen

Erst als Nachrücker für Ilja Schneider ins Turnier gekommen, aber dennoch ein mehr als aussichtsreicher Kandidat für unterhaltsame Partien. Stefan Löffler weiß allerdings zu berichten, dass Magnus mitunter ein klein wenig trainingsfaul ist. Außerdem waren die Norweger bisher noch nie so richtig weit vorne, wenn es um Kandidatenwettkämpfe gegangen ist. Und was ist, wenn er in London die Frau seines Lebens kennenlernt? Er ist ja noch recht jung. Da werden dann auch Carlsens gute Endspielkenntnisse nichts mehr rausreißen können.

                  Kandidatometer: 4,5 Punkte

(Mit Grüßen von Stefan Löffler: hier ist der Link zu seinem Artikel "Ein bisschen Gott, ein bisschen Schlange".)

6) Vassily Ivanchuk

Chucky wird entweder alle sechzehn Partien gewinnen oder im hinteren Mittelfeld landen. Nach so vielen intensiven Jahren im Profischach hätte er es allemal verdient, um die WM-Krone zu spielen. Wie so viele unter uns ist er nicht mehr ganz der Jüngste, und da sollte man auch mal sagen dürfen, dass er einfach mal dran ist. Daumen gedrückt für Ivanchuk!

                              Kandidatometer: 6,8 Punkte

7) Emanuel Lasker

bansem300Seit langer Zeit mal wieder ein deutscher Vertreter in den Finals! Das gute Ergebnis in Nottingham 1936 dürfte ihm Sicherheit geben für das Kandidatenfinale in London, auch wenn die junge Generation natürlich mit den neuesten Tricks ans Werk gehen wird. Doch das hat Emanuel Lasker schon früher nie sehr gestört. Auch drohen für London nicht diese hohen tropischen Temperaturen wie in Havanna 1921 gegen Capablanca. Seien wir also zuversichtlich!

                           Kandidatometer: 7,2 Punkte

laskers

Diese Laskers - immer für einen WM-Kampf gut! (Foto:Frank Eugene, Wikipedia)

8) Peter Svidler

Der sympathische Russe hat bei Baden-Baden viel von seinem Teamkollegen, dem Schach-Europameister Jan Gustafsson, gelernt. Seit er vor nicht allzu langer Zeit die russische Meisterschaft gewann, scheint er ernst machen zu wollen mit einem ernsthaften Anlauf zur Weltmeisterschaft. Manchmal gewinnen ja die, die vorher nicht so tief im Blickpunkt standen. Das Potential ist da. Mein Tipp: Peter Svidler!

                          Kandidatometer: 9,1 Punkte

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Ein WM-Kampf gegen Svidler? Noch hält Anand sich bedeckt.

9) Levon Aronian

Blitzweltmeister ist er schon geworden, er weiß also, wie es sich anfühlt an der Spitze. Aronian kann begnadete Züge aufs Brett zaubern, und er ist immer well-dressed. Wie man ja weiß, geben gute Anzüge und/ oder Krawatten auch Durchhaltevermögen, wenn die Königsstellung einmal kritisch ist. Und dennoch weiß ich nicht, ob das alles schon reicht bei so einem Turnier, wo es um alles geht und auch noch Magnus Carlsen mitspielt. Aus dem Bauch heraus – diesmal noch nicht, trotz aller Sympathie!

                           Kandidameter: 5,9 Punkte

10) Teimour Radjabov

Hat ähnlich wie Grischuk einen komplizierten Nachnamen, der dem Gegner schon die ersten Energien abverlangt, wenn das Partieformular ausgefüllt werden muss. Auch klingt der Name ähnlich gefährlich wie beispielsweise „Slepushkin“, „Nakamura“ oder „Schneider“, und das ist immer gut fürs Image und ein paar ELO-Punkte mehr. Aus Sicht der FIDE-Marketingabteilung wäre ein Weltmeister Teimour Radjabov allerdings nicht optimal, denn der Name ist für die breite Öffentlichkeit nicht so eingängig und leicht zu merken wie beispielsweise Kramnik, Kasparov, Anand oder Hickl. Eine genaue Prognose fällt daher schwer. Schach spielen allerdings kann der Mann, und er kann unbeschwert ins Rennen gehen.

                          Kandidatometer: 7,3 Punkte

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Zehn große Meister, doch nur einer wird sich qualifizieren

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Das Große Schach-Welt-Tippspiel (!)

Heute nun ist es soweit – die Kandidaten steigen in den Ring und kommen erst zu Ostern wieder heraus. Die Leser des Schachwelt-Blogs sind daher aufgerufen, einen Tipp abzugeben: Wer wird sich qualifizieren für das WM-Finale gegen Anand?

(Die Frage stellte sich auch Anish Giri in der ZEIT - Danke an Stefan Löffler für den Hinweis.)

 Zu gewinnen gibt es eine zehntägige Schachkreuzfahrt von und mit Großmeister Jörg Hickl oder eine kleine Schokoladenspezialität aus Bremer Landen. (Das wird noch entschieden - wir müssen uns da noch abstimmen!)

Einsendungen bitte wie immer diskret im Kommentarbereich. Bei mehreren richtigen Antworten entscheidet meine Frau, und Einsendeschluss ist nach der zweiten Runde! (= Samstag, 16.März, um Mitternacht).

Viel Glück!

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Es ist Sonntag, und wir haben Zeit zum Lesen, Schlafen, Marathonlaufen und Eis kratzen. Auch Schach kommt nicht zu kurz: gestern erst entschied Klaus Bischoff die Deutsche Blitzmeisterschaft (5 Minuten Bedenkzeit pro Partie) in Korbach für sich, noch vor Ilja Schneider, Matthias Dann und unseren beiden treuen Lesern Falko Meyer und Holger Hebbinghaus - Chapeau, und Glückwunsch aus der Redaktion! Und schon heute macht die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) ihren Lesern eine besondere Freude mit einem fast ganzseitigen Bericht über Magnus Carlsen, den alten Norweger.

Im Sportteil der FAS porträtiert Stefan Löffler, Blogger der Herzen hier auf Schachwelt.de, den sympathischen Großmeister, der ab dem kommenden Freitag einer der acht Teilnehmer des Kandidatenfinales in London sein wird.
Es gibt tolle Fotos, und was soll man sagen - cool sieht er aus, der Magnus! Erzählt wird aus seiner (Carlsens, nicht Löfflers!) Jugend mit den Donald Duck-Heften beim Schachturnier, von starken Nerven, und der interessanten Theorie, dass der Erfolg in einer Schachpartie nicht schon in der Eröffnung gesucht werden muss, sondern auch erst später erarbeitet werden kann. (Das beweisen ja auch die inspirierten Forschungen Stefan Bückers, der mit dem Geier und dem Habichd schon vor vielen Jahren von Nordwalde aus neues Leben in die ersten Züge der Partie hauchte).
geier
Na, das waren noch Zeiten damals, in den Achtzigern:
mit richtigen Bücher,
und man durfte auch noch den GEIER spielen!

Kompliment darum an die Frankfurter Allgemeine, die dem Schachsport heute einen gebührlichen Platz einräumt. Auch die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT haben die 64 Felder gerne im Blick und berichten ebenso wie so manch´ andere Zeitung regelmäßig in der gedruckten Ausgabe. Wir Schachspieler freuen uns immer darüber!

Schach ist schön, wenn man kann, sagt eine alte Volksweisheit, und niemand kann es heute scheinbar so gut wie Magnus Carlsen (oder natürlich auch Klaus Bischoff, wenn es um Blitzschach geht). Nach Stefans Artikel heute fange ich langsam an, mich auf das Turnier in London zu freuen!

PS! À propos Schach, und à propos Zeitungen: der Londoner Guardian hat heute in seiner Online-Ausgabe ebenfalls ein ausführliches Porträt von Magnus Carlsen.

http://www.guardian.co.uk/sport/2013/mar/10/chess-magnus-carlsen-world-title

Für alle, die (so wie ich) noch nicht genau wissen, wer am Londoner Kandidatenfinale überhaupt teilnimmt, hier noch ein Rätsel.
Acht Spieler nehmen teil - welche drei der folgenden sind also nicht dabei? (Die Lösung steht im Guardian-Artikel.)

Magnus Carlsen (!),Hikaru Nakamura, Vladimir Kramnik, Levon Aronian, Vassily Ivanchuk, Viswanathan Anand, Peter Svidler, Anish Giri, Alexander Grischuk, Teimour Radjabov?

 

 

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Als Schachspieler werfen wir manchmal Blicke in die wirkliche Welt und sehen, dass dort allenthalben wohlklingende Titel verlorengehen. Mit Grüßen von der Uni Düsseldorf wurde erst kürzlich der prominenten Titelträgerin Annette Schavan der Doktortitel aberkannt. Auch der Papst heißt künftig nicht mehr Papst, sondern erkennt sich seinen Titel in Kürze selbst ehrenvoll und freiwillig ab.

Selbst beim Schach, diesem härtesten Sport zwischen Krefeld und Kirgistan, werden unbescholtene Spielernaturen immer öfter mit dem Phänomen der Aberkennung konfrontiert:

-     - Vladimir Kramnik erkannte man den Weltmeister-Titel ab, nachdem er bei einem starken Turnier 2007 in Mexiko lediglich einen (!) Punkt weniger als Anand erspielt hatte (Hinweis: im Jahr zuvor hatte Kramnik geheiratet). So schnell kann das gehen mit dem Verlust eines Titels. Und die Uni Düsseldorf musste dazu noch nicht einmal ein Statement abgeben.

À propos Düsseldorf – auch das anschließende Match Anand – Kramnik 2008 im Düsseldorf recht nahegelegenen Bonn entschied Vishy fulminant für sich. Kramnik ist seitdem erst einmal Ex-Weltmeister, doch auch dieser Titel hat ja eigentlich einen gewissen Charme.

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Ein großer Ex-Weltmeister, auch im Sitzen: Vladimir Kramnik 2005 in Wijk (Foto: Steenslag)

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Anand hatte für Bonn das gewiefte Bauernopfer Lb7! vorbereitet.

schach-schachwelt-baden 7

-                             Auch mit vielen Gegnern gleichzeitig keine Probleme:
                                           Weltmeister Anand beim Simultan in Baden-Baden 2011

 

--  -  Beim Internet Chess Club werden die Spielernamen, sogenannte „Handles“, aberkannt, wenn man nicht rechtzeitig sein Konto wieder auffüllt und das Abo verlängert. Da ist es dann schnell vorbei mit Titeln wie „Carl Puccino“, „Mattenkatze“ und „Karpovs Putzfrau“ – ohne Dollar kein Handle, und schwupp ist auch hier schon die Aberkennung vollzogen. Andererseits kann man sich hier und auf anderen Portalen auch schnell wieder einen neuen Titel kaufen, mit dem man dann durchs Leben geht - irgendwie ja auch ganz beruhigend.

-     - Erst vor kurzem berichtete mein verehrter Chef, der Großmeister Jörg Hickl, hier im Blog von leichten Unregelmäßigkeiten im Turnierbetrieb. So scheinen einige Schachwettbewerbe tatsächlich nur auf dem Papier stattzufinden, und doch geht von dort am Ende so manche(r) Spieler(in) mit einer hübschen IM-oder GM-Norm nach Hause. Wir sagen: ein klarer Fall für die Schachpolizei!
Vielleicht werden einige Großmeister ihre Titel eines Tages sogar wieder abgeben müssen - doch wen könnte es treffen? Vielleicht Alexej Shirov, der immer so abenteuerliche Züge macht? Jan Gustafsson, der ja bekanntlich aus Hamburg kommt? Oder gar der starke Großmeister Baadur Jobava, der erst kürzlich dreimal in einem Turnier mit 1.b2-b3 eröffnet hat?
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D   5.g2-g4 - darf man solche Züge wirklich denken? (Alexej Shirov - Masha Klinova, Gibraltar 2006)

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    Läufer on board! Der König der armen Masha bekommt Besuch auf den weißen Feldern. 

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     Wer kennt diesen Hamburger Großmeister?   (Foto: Stefan64)

-    schach-schachwelt-aberkennung b3

Baadur Jobava zieht 1.b2-b3! Ein schöner Zug, doch seien wir ehrlich – spielt so ein echter Großmeister?

Natürlich sind diese drei GMs in jederlei Hinsicht mindestens genauso unverdächtig wie der Papst . Aber dennoch, es gibt solche Manipulationen, und gut ist das auf keinen Fall.

Nicht nur für die Träger ehrenvoller Titel droht in diesen modernen Zeiten Ungemach. Auch in anderen Bereichen des Schachsports muss man mittlerweile mit Kürzungen rechnen:

-     - Der Deutsche Schachbund hat mir in den letzten zwei Jahren eine ganze Reihe schwer erarbeiteter DWZ-Punkte aberkannt. Dabei war ich nur auf einigen Turnieren und habe so gut (schlecht) Schach gespielt, wie es mir eben möglich war. Doch für den DSB war das scheinbar schon zuviel - kein Pardon für ein langjähriges Mitglied, und weg waren meine DWZ-Punkte. Unheimlich.


kaffeeschach

Es ist hart, wenn man erkennt, dass manchmal auch Kaffee nicht mehr hilft.

U   Und was passiert eigentlich mit diesen DWZ-Punkten – werden sie irgendwo gelagert, oder macht sich jemand anderes damit einen schönen Tag? Darüber wüsste man manchmal gerne etwas mehr.

-     - Die Sponsoren des Moskauer Aeroflot Open haben dem langjährig etablierten Wettbewerb ein Stück seiner Bedenkzeit geraubt. Gespielt werden nun nicht mehr Turnierpartien, sondern fluffige Schnellpartien mit (Achtung!) nur noch fünfzehn Minuten je Spieler (+ 10 Sekunden Aufschlag pro Zug).
Die Spiele mit langer Bedenkzeit seien „langweilig, armselig und nutzlos“, so Ilya Levitov vom Russischen Schachverband. Nun geht es also immer aeroflot weiter zur nächsten Runde - sehr zum Missvergnügen vieler Großmeister und auch des kanadischen Bloggers Kevin Spraggett, der stark bezweifelt, dass durch hurtig dargebotenes Schach mehr Publikum angezogen werden kann. Solange wie wir nicht mit brennenden Figuren spielen, nackt am Brett sitzen und durch allerlei Skandale unseren Sport aufhübschen, schaltet die breite Masse wohl auch weiterhin direkt weiter zu Dart und Tennis.

schach-katze

Vielleicht kann man mit Katzen die Attraktivität des Schachs erhöhen?

-     - Ich will ja gar nicht unken, aber vielleicht droht bald sogar die Aberkennung von gewonnenen Turnierpartien. Wir sollten da auf der Hut sein. Immerhin wiederholen wir am Brett ja allerhand Theoriezüge, die schon von anderen vor uns gespielt wurden. Rein rechtlich macht man sich da sicherlich eines guttenbergischen Plagiates schuldig, und auch die ordentlichen Zitierrichtlinien werden nur die wenigsten von uns einhalten, wenn wir die Züge mit zitternder Hand auf das Partieformular bannen. Vielleicht reicht sowas bald schon aus für eine Aberkennung der Punkte? Mir ist das nicht geheuer.

 -     -  In der schönen neue FIDE-Welt werden sogar Punkte aberkannt, die man sich noch gar nicht erspielt hat. Das ist nicht nur beim Werder-Monatsblitz so – kommt man dort auch nur fünf Minuten zu spät zu seiner Partie, hat man sogleich verloren und wird im Morgengrauen kontumaziert. Auch bei weit seriöseren Veranstaltungen wie der Schach-Olympiade oder sogar den Deutschen Meisterschaften wird schon genullt, wer a) das Zirpen seines Handys nicht früh genug unterbunden hat oder b) sein Gesicht zum Rundenbeginn nicht pünktlich zeigte. Welche Folgen das genau hat, möge man bei Ralf Alt und/oder Falko Bindrich erfragen.

 owensmall

1...b7-b6 ist ein echter Großmeisterzug. Allerdings nur, wenn er innerhalb der Lienzer Kontumazzeit ausgeführt wird.

Nicht nur im Leben, auch im Schach bleibt es also (nicht nur für Titelträger) gefährlich in jeder Hinsicht.

      Es bleibt aber wie immer ein kleiner Trost. Zum Glück nämlich kann man so schlecht spielen wie man will – so lange man als GM, IM oder FM dabei nicht zu auffällig schummelt, bleibt einem der FIDE-Titel noch lange erhalten. Auch Vereinsmeisterschaften, Pokalsiege und selbst die mit schmutzigen Tricks ermogelten Punkte im Blitzschach kann man uns (hoffentlich) nicht mehr nehmen. Bisher jedenfalls!
Und das ist auch ganz schön so, denn sonst wäre zumindest ich meinen FM-Titel wohl schon lange los. Zwar erkämpfte ich erst neulich beim Werder-Monatsblitz den vierten Platz – doch für sowas interessiert sich die FIDE ja nicht.

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Wie sieht´s aus in der Schach-Bundesliga? Das vierte von sieben Wochenenden ist gespielt, und wir beginnen ganz oben in der Tabelle mit unserer Analyse:

- Baden-Baden hält sich weiter wacker an der Spitze: gegen die Schachfreunde Berlin und den SC Forchheim gab es zwei klare Siege, so dass bei ihnen nun insgesamt schon 16:0 Punkte zu Buche stehen – und dabei haben sie Magnus Carlsen noch gar nicht eingesetzt in dieser Saison! Die Süddeutschen können sich ebenso wie ihr norddeutscher Spieler Jan Gustafsson weiter Hoffnungen machen auf den ersten deutschen Meistertitel.

Doch noch ist alles offen – denn das beliebte Traditionsteam aus der Klingenstadt Solingen sorgt dafür, dass das Rennen um Platz eins nach wie vor auf des Messers Schneide steht. Gegen den Hamburger SK (ohne ihren norddeutschen Spieler Jan Gustafsson) und den SK Norderstedt (ebenfalls ohne Jan Gustafsson) verbuchten sie zwei klare Siege, so dass sie nun schon entspannte 15:1 Punkte eingefahren haben.
Baden-Baden wird sich also warm anziehen müssen – vor allem, wenn in drei Wochen beim Showdown in Trier der aus Funk und Fernsehen bekannte Großmeister Michael Hoffmann wieder die Solinger Reihen stärken könnte. Warten wir es also ab. Solingen rulez?

- Aus norddeutscher Sicht ist die Saison bislang eher durchwachsen erfolgreich. Das junge Start-Up-Team aus Norderstedt ringt mit dem anderen Aufsteiger aus Griesheim gegen die rote Laterne an, und die Chessfriends Berlin halten mit ihrem gegen Trier eroberten dritten Punkt an diesem Wochenende den Kontakt zum beliebten fünftletzten Platz. Dort tummeln sich derweil der Hamburger SK und (man mag es kaum schreiben) das grün-weiße Werderteam – beide stehen mit jetzt 6 Punkten wahrscheinlich auch nicht direkt dort, wo sie es sich wünschen würden. It´s a hard life – doch noch bleiben zwei Wochenenden und die schöne Bundesliga-Dreifachrunde im April im sonnigen Schwetzinger Schloss.

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Das Live-Portal der Schach-Bundesliga - alle Spieler, alle Tore

- It´s a hard, hard life könnte auch das Motto der Schach-Bundesliga sein. Nach dem Absturz des Servers musste man seit einiger Zeit schon hart improvisieren, um die Vorschau auf das 4.Bundesliga-Wochenende in angemessener Form publizieren zu können. Doch das hat man mit Schwung und Elan prima gelöst – bei Chess International und auf Georgios Souleidis hauseigenem Blog entwicklungsvorsprung.de wurden alle Informationen veröffentlicht, so dass alles seinen gewohnten Gang gehen konnte.
Wieder war es ein Genuss, die hervorragend aufbereiteten Begegnungen im Live-Modus während der Runde in bestechender Optik verfolgen zu können.
(Wohl hätte ich mir gewünscht, dass man bei den Ergebnissen von Werder mal die eine oder andere Eins zugunsten von Bremen dazugemogelt hätte, aber nun denn – man kann nicht alles haben, und es wäre wahrscheinlich unter rein ethischen Gesichtspunkten auch leicht bedenklich.)

- Auch wenn wir nicht mit Absicht danach gesucht haben, so wollen wir doch auf das heutige tolle Ergebnis von Leon Mons (SC Forchheim) hinweisen. Der deutsche U16-Meister von 2011 bezwang mit Arkadij Naiditsch heute die Nr.1 der Deutschen Nationalmannschaft (!), eröffnete dabei mutig mit dem sizilianischen Morra-Gambit (hurra!) und opferte hier und da auf dem Weg noch einen Bauern und eine Qualität.
So ganz zwingend zum Gewinn hätte das noch nicht unbedingt gereicht, aber Arkadij hatte wohl keinen ganz guten Tag erwischt und geriet im späten Mittelspiel ins Straucheln. Leons Freibauer auf der h-Linie schaffte es bis auf die siebte Reihe und führte so zur Entscheidung.
Das war bestimmt nicht schön für den Großmeister, doch so etwas passiert ja auch den Besten manchmal. Wir schicken Glückwünsche nach Forchheim! (Ich weiß allerdings nicht, ob ich mir so etwas in meinen jungen Jahren auch erlaubt hätte - doch na gut, die Zeiten ändern sich.)

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Der Schachsaal im Schwetzinger Schloss (Foto: Andreas Praecke, danke!)


Hier nochmal der wichtige Hinweis: vom 05. bis zum 07.April richtet der SV Hockenheim die zentrale Endrunde der Schach-Bundesliga aus. Gespielt werden drei Runden, das volle Programm, im Schwetzinger Schloss, was irgendwo im Süden Deutschlands ist (um genauer zu sein: nahe Mannheim!).

Wer viel Schach, das schöne Wetter im Rhein-Neckar-Kreis, spannende Mannschaftskämpfe, Rainer Buhmann, Leon Mons und Arkadij Naiditsch einmal vor Ort und live sehen möchte - das ist die Gelegenheit dafür. Auch der (potentielle) neue Deutsche Meister aus Solingen wird möglicherweise dort sein!

Verlosung

Schachwelt.de, der Blog mit dem besonderen Flair, verlost heute unter allen richtigen Einsendungen eine Reise für zwei Personen zum Bundesliga-Finale in Schwetzingen bei Mannheim bei gutem Wetter. Im Preis enthalten sind zwei Hotelübernachtungen in einem Vier-Sterne-Hotel sowie ... na gut, war nur ein Scherz! (!!). Aber ich glaube wirklich, es lohnt sich - auf zur Bundesliga-Endrunde im April!

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