Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.
Donnerstag, 14 September 2017 23:39

Hans-Wild-Turnier 2017: Wieder Plätze frei!

Was wird mein Chef Jörg Hickl sagen? Eigentlich bringen wir hier im Blog ja keine Turnierankündigungen unter, aber ...

Das Hans-Wild-Turnier geht in seine dritte Auflage! Der SV Werder richtet in Erinnerung an seinen langjährigen
Vorsitzenden Hans Wild wieder ein fünfrundiges Turnier aus, und viele lokale und überregionale Matadore aus Bremen,
umzu (Delmenhorst! Bremer SG! Bremen-Nord, Varrel, Findorff ... !) und dem norddeutschen Raum (Hamburch!, Oldenburg)
gehen ab Freitag an die Bretter. Und - noch kann man einsteigen.

Gespielt wird in nach Spielstärke sortierten Gruppen um Preise und/ oder die Ehre (was ist dabei wichtiger!?). Ganz klassisch und
ohne Inkrement geht es von Freitag abend bis Sonntag abend durch Höhen und Tiefen:

https://www.werder.de/schach/aktuell/news/2017/svw-20170915-kra/

Leider gab es einige krankheitsbedingte Absagen - Turnierleiter Udo Hasenberg informiert daher, dass
kurzfristig wieder Plätze freigeworden sind! Nachdem die Startplätze im frühen August bereits vergeben
waren, ist es nun also möglich, doch noch in den fünfrundigen Wettbewerb einzusteigen.

Bei schriftlicher Voranmeldung ueber Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gilt die Reihenfolge des Eingangs.
Unter allen kurzentschlossenen die am Freitag nachmittag einfach vorbei schauen, werden vorhandene
Startplaetze ausgelost. Voraussetzung dann: Eintreffen bis 17:30 Uhr (oder am Besten früher)!

Link zum Turnier: https://www.werder.de/schach/turniere/hans-wild-turnier/2017-los-gehts/

Der SV Werder freut sich auf spannende Partien, ab morgen in der Hemelinger Straße! Man weiß ja nie, aber
vielleicht gibt es auch eine Live-Übertragung im Netz. Aber, mal gucken. Vor Ort ist es sowieso immer spannender!

Freitag, 08 September 2017 13:17

Bonifratz: Go Blübaum!

Vorgestern noch bei Werder Bremen, gestern schon beim Weltcup in Tiflis/ Georgien, und heute gar im Tie-Break gegen Wesley So - ein Jahr voller Abwechslungen für GM Matthias Blübaum! Es ist die zweite Runde des großartigen FIDE K.O.-Turniers, Karjakin ist schon raus, Anand ist schon raus, ich war gar nicht erst dabei, und nach zwei sicheren Remisen spielt Matthias heute in der Verlängerung zwei Schnellpartien gegen die (nach heutigem Stand) Nummer 8 der Welt. Daumen gedrückt!

Zwar läuft mein Computer ohne Tadel, doch seit Tagen bekomme ich bei Chess24 keine Züge mehr aus Tiflis - Warteschleife, Warteschleife, und keine Diagramme. Das lag aber weniger an Chess24, die ich vor allem wegen den geerdeten Kommentaren von Jan Gustafsson (und wenn man Glück hat, im Verbund auch Peter Svidler) sehr schätze. Nein, es war ein Firefox - Java- Applet-Problem, wie ich nun gestern irgendwie bemerkte. Bevor das nun alles wieder gelöst ist mit der ganzen Technik, lohnt sich ein Blick auf andere Quellen. Und siehe da, zum Glück geht es auch ohne JAVA:

Go Blübaum

Tie-Break-Runde 1 bei Chessbomb - oben links grüßt Bonifratz                                           Screenshot: Chessbomb

Die Daumen hoch hält hier Bonifratz, ein uns unbekannter Besucher in der Chessbomb-Liveübertragung. Sein Go Blübaum! möge das Motto dieses Tages sein. Die erste Partie endete soeben ohne viel Spektakel Remis - ein anderer Besucher, Billyjoeereno, meinte dazu: "bluebaum is carrying Heart Of Tarrasch". Das klingt doch gut.

Wir freuen uns auf das Rückspiel in einigen Minuten (um 14:30 deutscher Zeit), und morgen dann begleiten wir Matthias bei der dritten Weltcup-Runde gegen Vallejo Pons! 

PS 15:46 Uhr Man kann gar nicht mehr guten Gewissens das Haus verlassen - die zweite Partie endete nach einer langen Leichtfiguren-Mélange mit einem unaufgeregten Remis. Das heißt, um 16 Uhr (MEZ) kommt die erste von zwei rapiden Schnellpartien mit nun zehn Minuten Bedenkzeit um den Einzug in die Runde der letzten 32 der Welt. Geht man da vorher noch schnell einkaufen, auch wenn es regnet? Ich fürchte nicht. 

In der Chessbomb-Gemeinde hat Matthias Blübaum (auf Englisch ja Bluebaum) schon mit Blue seinen Spitznamen weg. Ganz gelungen! Darum, was sagt User KingCarl: Go Blue! So might sing the BLUes today :-)

 

PS 16:38 Uhr Auch User King Carl kann offenbar irren - zumindest in der ersten schnellen Schnellpartie behielt So am Ende den schärferen Blick und liegt zum ersten Mal in Führung. Erster Rückstand für BLUE - aber es kommt ja noch das Rückspiel, und ein Schwarzsieg in der zweiten Partie, warum denn nicht? Gucken wir mal. Wir beenden für heute erstmal unsere Blicke nach Tiflis -  auch wenn es noch regnet, jetzt geht es los mit dem Einkaufen. Go, Blue, go!

Letzter Eintrag im WorldCup-Logbuch: Leider hat es nicht gereicht - Matthias hat groß gekämpft, doch Wesley So schaffte den Einzug in die nächste Runde. Schade! Trotzdem eine sehr starke Leistung von Matthias, der mit der Weltspitze lange auf Augenhöhe blieb. Wir freuen uns auf das nächste Mal!

Mittwoch, 16 August 2017 06:01

Buchal hält die Welt in Atem

Was für ein Turnier - Stephan Buchal ist Deutscher Vizemeister der Senioren 2017!

Der Werderaner reiste vor einer Woche an die Spree zur stark besetzten Deutschen Senioren-Einzelmeisterschaft 2017. Neun Runden, neun Tage, neun gestrenge Gegner und viele Titelträger am Start, doch nichts, so schien es zunächst, konnte FIDE-Meister Buchal aufhalten. Er gewann die ersten drei Runden in gutem Stil, und besiegte in der vierten Partie mit dem Zehlendorfer GM Jakob Meister gar den Ersten der Setzrangliste.

Nach zwei weiteren umkämpften Begegnungen gegen Jefim Rotstein (Punkt!) und Boris Khanukov (Punkt!) stand seine Ausbeute bei phänomenalen 6 Punkten aus 6 Spielen. Wo lernt man, so zu spielen? Die Konkurrenz jedoch blieb mit einem Punkt Rückstand in unmittelbarer Fangweite, und Stephans Remis gegen Holger Namyslo im siebten Spiel ließ die unmittelbaren Verfolger in Gestalt von Jefim Rotstein (SC Tornado Hochneukirch - wow, was für ein Name!) und Bodo Schmidt (SC Siegburg) wieder hoffen. Und tatsächlich - in Runde acht gelang es ebenjenem Bodo Schmidt, den bislang unbezwingbaren Buchal nach schöner Mittelspielführung zur Aufgabe zu zwingen! Alles wieder offen, FM Rotstein nun in Führung mit 7 Punkten, direkt vor Schmidt und Buchal bei je 6,5 Punkten.

Die Schlussrunde sah die Partie Rotstein vs Schmidt, und hier wollte es nun gar nicht so richtig laufen für den führenden Rotstein. Im Gegenteil, Schmidt drückte einen Freibauern bis auf die drittletzte Reihe vor und schickte Springer, Turm und König zur Unterstützung - da könnte doch was gehen? Jedoch, irgendwie reichte es nicht ganz, Rotstein rettete mit einigem Überblick den Tag und führte seinerseits seine Freibauern zur Dame. Acht Punkte für Jefim Rotstein, Deutscher Meister, uneinholbar, wir gratulieren!

Doch Platz zwei, den Vizemeister-Titel, holte sich Stephan Buchal mit einem abschließenden Weiß-Sieg, seinem fünften Weiß-Sieg in Folge (!) und am Ende 7,5 Punkten in einem bestens besetzten Teilnehmerfeld. Eine mehr als starke Leistung des Werderaners, und ein phantastisches Turnier. Glückwunsch auch hier, für neun Runden voller Konzentration, Intensität, Schweiß, Sorge, Hoffnung, mutiger Züge und großartiger Abenteuer!

Den dritten Platz im Endklassement eroberte Boris Khanukov vom Bahn-SC Wuppertal. Mit Bernhard Künitz sammelte ein weiterer Bremer und Werderaner reichlich Punkte und erkämpfte sich am Ende einen sehr vorderen Platz im B-Open (bis DWZ 1950).

Das Turnier in Berlin war bestens aufbereitet auch im Netz, mit täglichen Rundenberichten aus dem A-und B-Open, vielen Fotos, einer sehr guten Live-Übertragung und dem Flair, den eine Deutsche Meisterschaft auch verdient hat. Selbst wer nicht vor Ort sein konnte, hatte im Netz die Möglichkeit, die spannenden Runden an jedem Tag nachzuverfolgen. Bedankt - so schön kann das sein beim Schach.

Freitag, 04 August 2017 12:15

Monatsblitz: Einer gegen 25.000

So war das eigentlich nicht gedacht: Turnierleiter Udo Hasenberg eröffnete an einem frühherbstlichen August-Abend die neue Staffel der Werder Monatsblitz-Serie, 14 Kandidaten setzten sich hoffnungsvoll an die Bretter. Würde es diesmal zu einem guten Ergebnis reichen, zu einem vorderen Platz?
Doch es dauerte nicht lange, da pflügte David Höffer vom Delmenhorster SK wie eh und je durch die Wellen und hatte jeden einzelnen seiner 13 braven Mitspieler aufs Kreuz gelegt. Einer alleine, mit einer ELO von gut 2300, nimmt es mit 13 anderen auf, die gemeinsam eine stattliche ELO von um die 25.000 aufweisen - und gewinnt. Unglaublich.

Hundert Prozent für das Blitzschach-Ungeheuer Höffer, und damit verbunden der erste Platz! Pustekuchen daher für einen Gezeitenwechsel im Werder Monatsblitzen, der alte Meister ist der neue, und wie in ungefähr 40 der vorherigen 41 Turniere verließ der junge Delmenhorster den Saal mit einem schönen Gehaltsscheck für den Monat August (11,-€).

Auf dem Platz direkt dahinter, von den Punkten her aber um eine Galaxie und zahlreiche Lichtjahre getrennt folgte Stephan Buchal (Werder Bremen) mit 9,5 Punkten, punktgleich mit dem Berichterstatter (auch 9,5) - zu viele Punkte blieben auf dem Wege liegen, und es hätten sogar noch mehr sein sollen, doch die aufstrebende Werder-Jugend erlaubte mir noch so einmal, zweimal einen halben Punkt aus verlorener Stellung herauszumogeln.

Den Ehrenpreis der Jury für den fünftletzten Platz teilten sich Alexander Gattig (Bremer SG) und Thorsten Dickhaus (SV Wermelskirchen 32).

Monatsblitz2017August
Hier wird noch richtig nachgedacht: Nils-Lennart Heldt, André Schondorf (vorne), Thorsten Dickhaus und Alexander Gattig

Tja, David Höffer, der unbezwingbare Löwe - was soll man da noch sagen? Die Schachabteilung des SV Werder freut sich natürlich über seine stets inspirierenden Besuche, doch rein schachlich gesehen mag man die Ergebnisse fast so deuten, dass wir Werderaner und andere Hanseaten es im Blitzen noch immer nicht ganz mit dem jungen Mann aufnehmen können. Höffer übernimmt Werder Bremen, rein blitzschachlich gesehen auf alle Fälle - und weit und breit ist niemand in Sicht, um an diesem für Grün und Weiß ernüchternden Zustand etwas zu ändern. Agonie!

Wenn das so weitergeht, wird David auch das Hans-Wild-Turnier im September ohne Probleme für sich entscheiden. Und danach das German Masters in Dresden, und das nächste FIDE- Kandidatenturnier. Carlsen, ye be warned!

Doch das Werder-Training geht natürlich weiter von früh bis spät, und seit allerspätestens gestern wissen wir Bremer, wie stark David Höffer wirklich ist. Und dass er eigentlich ziemlich schnell ist!

Der Blitz Grand-Prix wird daher fortgesetzt, im September die zweite Runde an selber Stelle, und ja, dann wollen wir sehen, ob nicht doch jemand mit wehenden Fahnen den ersten Platz erobern kann. Wir bleiben dran - und melden uns wieder! Bis dahin ... erstmal etwas Musik von den Monophonics ... uhuhuuuuu huu.

 

Dienstag, 06 Juni 2017 11:44

The Heart of Limburg Rock'n Roll

Mit Grüßen aus Holland - gerade vorbei ist das große und großartige Limburg Open 2017, das wie nun schon seit 10 Jahren über Pfingsten im Herzen der Region, dem schönen Maastricht ausgetragen wurde. Und wieder war es ein tolles Turnier, über 500 Teilnehmer aus aller Herren Länder, mit vielen Groß- und Internationalen Meistern, Frauen, Jugend, Veteranen, gestaffelt in verschiedenen Gruppen nach Spielstärke, wie man es so kennt.

Das Preisgeld in der A GROEP betrug deutlich mehr als 2000,-€ für den ersten Platz - ein stattliches Gebot, und so war es keine Überraschung, dass sich einige prominente Namen in der Startrangliste fanden. Matthew Sadler und Ivan Sokolov als Meister der Weltklasse aus den 1990er Jahren, und dazu der französische Großmeister Christian Bauer, von dem ich von Stund' an ein großer Fan geworden bin. Immerhin, er spielt nicht nur beim Hamburger SK, sondern auch 1. e4, b6! und sogar 1.e4, a6!, und ist ein so kreativer Spieler, dass es eine Freude ist, ihm stundenlang bei der Entwicklung seiner Partien zuzusehen. Gewonnen hat er das Turnier ebenso wie Matthew Sadler, mit geteilten 6 Punkten aus 7 harten Runden - doch den ersten Platz holte der holländische Meisterspieler Roeland Pruijssers (?) - punktgleich, doch mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung in einer feinen Feinwertung. Was sagt dazu die Turnierseite?

Na een spannende driestrijd in de laatste ronde wist Pruijssers Koen Leenhout te verslaan. Hierdoor eindigde hij met 6 uit 7 eerste. Evenveel punten haalden de Fransman Christian Bauer en de Engelsman Matthew Sadler, maar hun TPR was nét iets lager.

Glückwunsch also an Roeland - mit einer ELO-Performance von 2700 hat er sich den ersten Platz redlich verdient! Dabei spielte ich in der ersten Turnierrunde noch ganz in seiner Nähe (Ruud Janssen - Olaf Steffens), und sogar ein Brett vor ihm (Max Meessen - Roeland Pruijssers). Doch wie das so ist - er gewann, ich verlor, und von da an beschritten wir getrennte Wege. Der GM hielt immer engen Kontakt zu den Spitzenbrettern, ich saß näher an der Tür, was ja aber auch irgendwie ganz schön war - von dort konnte man während der Partien immer kurz mal raushuschen in die Sonne.

Beim Umsteigen auf der Rückfahrt nach Bremen spielten sie im Bahnhofscafé von Venlo gerade (Schach-)Club Tropicana von Wham. Wir enden darum heute mit diesem Lied und erinnern an George Michael, der im letzten Dezember diese Welt verlassen hat und irgendwohin weitergezogen ist. Bye Michael!

Update .... huch, das Video kann man in Duitsland (noch) gar nicht sehen - es ist wohl so eine Sache mit der GEZ, und zum Schutze der KünstlerInnen. Ganz ok so - aber wir haben Glück und weichen einfach aus:

Samstag, 20 Mai 2017 18:58

Wir sind Dino

Hurra!

Zwar hat es für den HSV wieder nicht gereicht zur Meisterschaft, doch was soll es - auch der Klassenerhalt kann ja ganz schön sein!

Nach einer turbulenten Saison und einem einmal mehr vergurkten Start, dann einer Serie von reichlich Punkten am Stück unter neuem Trainer, und  schließlich einigem Wackeln am Saisonende, furchtbaren Spielen und reptiloiden Linienrichtern schafften die Hambuuuurger heute den direkten Klassenerhalt mit einem hübschen 2 : 1 gegen Wolfsburg. Yep! SO soll das sein.

Die Schachwelt-Redaktion (oder vielleicht auch nur ich?) freut sich, und nun geht es in eine neue Saison im Oberhaus. Der Dino lebt!

(Schade nur, dass Dortmund zum Schluss noch so viele Tore geschossen hat gegen Werder - sonst wäre es ein ziemlich perfektes Wochenende.)

Und da sind wir wieder! Es ist 2017, ein Superwahljahr, wie man weiß, und der ganze Kontinent scheint über neue Präsidenten, Kanzler, Parlamente abzustimmen. Da steht natürlich auch der Deutsche Schachbund nicht zurück - auch hier wird gewählt, und das bereits in wenigen Tagen auf dem großen DSB- Kongress im mecklenburgischen Linstow.

Wir freuen uns, heute im Gespräch mit dem Lübecker Ullrich Krause einen Blick auf den Schachsport in Deutschland zu werfen. Er ist seit einigen Jahren der Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Schachverbandes, und kandidiert in Linstow für das Amt des Schachbund- Präsidenten. Ullrich tritt an gegen den amtierenden Herbert Bastian.

Bastian Krause 2011 Bonn GF Hund
Die visionäre Auslosung Bastian - Krause
           auf der Deutschen Meisterschaft in Bonn, 2011     (Foto: GF Hund, danke!)

Unseren herzlichen Dank an beide Kandidaten für ihr sehr umfangreiches ehrenamtliches Engagement in dieser und in anderen Funktionen! (Das muss ja auch mal gesagt werden - ohne Menschen wie sie läuft nichts!)

Wir haben bei beiden Kandidaten um ein Interview angefragt, und freuen uns nun auf die Antworten, die uns der Herausforderer auf die vielen drängenden Fragen des (Schach-) Lebens geben wird.

Die Fragen stammen

a) aus der honorigen Schachwelt- Redaktion,

b) von den noch viel honorigeren Lesern unseres Blogs (und sogar aus dem internationalen Österreich!), und

c) wurden herausgefischt aus den Tiefen des Darknets, wobei wir da natürlich keine genauen Quellen angeben dürfen.

Sodann - stürzen wir uns in das Interview!

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Lieber Ullrich, Du trittst Ende Mai an gegen Herbert Bastian, der dem Deutschen Schachbund seit nun sechs Jahren vorsteht. Läuft es im Schachbund denn so schlecht? Warum meinst Du, dass es Zeit für einen Wechsel ist?

Das Schachspiel erlebt zurzeit einen Boom wie schon lange nicht mehr. Die WM-Kämpfe mit Magnus Carlsen werden auf allen wichtigen Internetseiten mit Live-Kommentaren und nachträglichen Analysen gewürdigt und an vielen Grundschulen gibt es Schach-AGs. In den Kinos laufen diverse Schachfilme und der Wettkampf „Rechtes gegen Linkes Alsterufer“ erreicht in diesem Jahr eine Rekordteilnehmerzahl. In einem Satz: Schach ist angesagt! Nach meinem Eindruck nutzt der Deutsche Schachbund die Chancen, die sich daraus ergeben, nicht in ausreichendem Maße, und diesen Zustand möchte ich gerne ändern.

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Manche sagen ja, für den „normalen Vereinsspieler“ ist der Schachbund nur wichtig, damit der Ligabetrieb organisiert wird und jemand die DWZ-Auswertung vornimmt. Woran werden die Mitglieder des DSB im Falle Deiner Wahl überhaupt merken können, dass es einen neuen Präsidenten gibt?

Der Spielbetrieb ist in der Tat die erste Schnittstelle zwischen dem DSB und den Vereinsspielern, und in diesem Bereich gibt es meines Erachtens zurzeit nicht viel Handlungsbedarf. Eine Ausnahme stellt die Deutsche Meisterschaft dar, für die ich gemeinsam mit Klaus Deventer (Vizepräsident Sport) und Peter Eberl (Präsident Bayern) einige Vorschläge entwickelt habe, die auf dem Kongress hoffentlich eine Mehrheit finden werden – aber das wird natürlich nur einen kleinen Kreis der Vereinsspieler betreffen.

Ich sehe großes Verbesserungspotential in Sachen Öffentlichkeitsarbeit, und damit meine ich in erster Linie den Webauftritt des DSB und generell die Berichterstattung über die nationalen und internationalen Schachereignisse. Das wäre dann vielleicht ein erstes unmittelbar sichtbares Signal einer Veränderung.

Ich würde außerdem gerne in Kooperation mit den Anbietern der Schachserver den Vereinen Möglichkeiten an die Hand geben, ihren Vereinsabend mit digitalen Angeboten aufzuwerten. Auch das würde die Vereinsspieler direkt betreffen, allerdings nur, wenn ihr Verein diese Angebote auch wahrnimmt.

Die wichtigen Änderungen können naturgemäß nicht so schnell umgesetzt werden und zeigen ihre Wirkung auch erst mittelfristig. Um ein Beispiel zu nennen: Eine stärkere Förderung des Schulschachs wird in den Vereinen naturgemäß erst mit zeitlicher Verzögerung ankommen, und auch das nur in den Vereinen, die sich im Schulschach engagieren.

Ullrich Krause 04
                                 Ullrich Krause

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Ist der Gestaltungsspielraum des Präsidenten überhaupt so groß? Das heißt, kannst Du wirklich etwas bewirken und umsetzen, solltest Du gewählt werden?

Der Präsident alleine kann natürlich gar nichts bewirken, sondern nur Denkanstöße geben. Das DSB-Präsidium und die Referenten leisten einen wesentlichen Teil der Arbeit, aber die Mitglieder des Deutschen Schachbundes entscheiden letzten Endes darüber, wo die Reise hingeht. Und diese Mitglieder sind die Verbände, d.h. ohne die Kooperation der Präsidenten und der anderen Funktionsträger auf Landesebene bewegt sich beim DSB nichts.
Nach meinem Eindruck ist dies eines der Hauptprobleme in den letzten Jahren: Herbert Bastian schafft es nicht mehr, die Verbände zur aktiven Mitarbeit zu bewegen. Und genau hier sehe ich im Fall meiner Wahl meine erste große Herausforderung: Ich möchte gerne erreichen, dass die DSB-Versammlungen zu konstruktiven Arbeitssitzungen werden und dass auch zwischen den Treffen ein reger Austausch zwischen dem DSB und seinen Verbänden stattfindet. Heutzutage muss man nicht mehr zur selben Zeit am selben Ort sein, um aktiv miteinander zu arbeiten. Wenn es nicht gelingt, das Präsidium und die Verbände zur Zusammenarbeit zu bewegen, nützen auch die besten Konzepte und Ideen nichts.

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Worin bestehen für Dich die grundlegenden Aufgaben des Deutschen Schachbundes? Nach außen wirkt der DSB seit je nur verwaltend, den Spielbetrieb aufrechterhaltend. Zugegeben, das macht er gut – viel besser als die meisten Föderationen weltweit.

Die Allgemeinheit erwartet jedoch von einem Dachverband die Basis für blühende Landschaften zu schaffen, neue Mitglieder außerhalb der bereits akquirierten Schachszene anzusprechen und zu gewinnen, bzw. die Vereine dabei zu unterstützen. Wann gab es hier jemals eine Aktion, oder sind die Ansprüche der Schachspieler unangebracht?

Die Bundesvereinskonferenz, die gerade in Berlin stattgefunden hat, ist ein sehr gutes Beispiel für ein gelungenes Angebot des Deutschen Schachbundes an seine Vereine, auch und gerade in Kombination mit den Bundesliga-Endrunden. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Konferenz im Wiederholungsfall noch mehr Teilnehmer anzieht, und würde mir wünschen, dass sich die DSJ im nächsten Jahr wieder im gleichen Ausmaß engagiert und dass der DSB zumindest wieder die entsprechenden Gelder zur Verfügung stellt.

Mindestens genauso wichtig wie solche großen Events sind aber allgemeine Maßnahmen wie zum Beispiel die Unterstützung der Vereine im Schulschachbereich und in Form von Online-Angeboten.

Ganz allgemein gesprochen sehe ich die Hauptaufgabe des Deutschen Schachbundes darin, unseren Sport noch populärer und erfolgreicher zu machen und die dazu erforderlichen bundesweiten Aktivitäten der Landesverbände und der Vereine zu koordinieren. Kontakte zu externen Partnern sind dabei existentiell, denn das Ehrenamt alleine wird die vielfältigen Aufgaben nicht mehr erledigen können. Diese Kontakte können naturgemäß „von oben“ am besten initiiert werden, und hier sehe ich einen weiteren Schwerpunkt der DSB-Arbeit.

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Laut Haushaltsplan 2016/2017 wurden die Mittel des DSB für Öffentlichkeitsarbeit von 15.000,- € (in 2015) auf 7.500,-€ (2016) und nun nur noch schmale 5.000,- € (2017) gesenkt. Das klingt für mich wie eine Tat des Wahnsinns - dabei sitzen doch viele kompetente Verbandsvertreter in den Gremien, die es eigentlich besser wissen.

Kann sich ein Verband wie der unsrige – der dazu noch eine „Nischensportart“ vertritt - eine solch sparsame Ausstattung in diesem wichtigen Bereich leisten?

Banner Schachreisen 2015 invers blau neuIch muss ehrlicherweise zugeben, dass ich nicht weiß, wofür diese 5.000 Euro im Referat Öffentlichkeitsarbeit genau gedacht sind. Klar ist aber, dass zum Beispiel die Arbeit an der Webseite des DSB auch Öffentlichkeitsarbeit darstellt, und hier verfügt der DSB über einen hauptamtlichen Webmaster. Letzten Endes ist jeder öffentliche Auftritt eines Funktionsträgers auch Öffentlichkeitsarbeit. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass der Aufwand, den der DSB für seine Außendarstellung betreibt, ausreichend ist – ganz im Gegenteil.

Einer meiner Lieblings-Grundsätze in Bezug auf ehrenamtliche Tätigkeit ist „Tue Gutes und rede darüber“ und ich glaube, dass wir viel mehr über die vielen schachlichen Aktivitäten reden sollten, die es in Deutschland gibt. Das impliziert neben dem Schreiben von Berichten für unsere eigene Webseite auch und gerade die Kommunikation nach außen und die Zusammenarbeit mit den Medien.

Bei der Bundesliga-Endrunde saß Anand in der 14.Runde bei der OSG Baden-Baden am vierten Brett – warum gab es da nicht sofort eine Pressemitteilung? Am vergangenen Dienstag gab es beim traditionellen Schulschachturnier „Rechtes gegen Linkes Alsterufer“ einen neuen Weltrekord – auf der DSB-Webseite fand dieses Turnier nicht statt. Weitere Beispiele für vergebene Chancen auf positive Berichterstattung lassen sich problemlos finden.

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                          Mehr Schach in die Medien!

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Mal ganz populistisch gefragt: steht es in einem ausgewogenen Verhältnis, wenn im Vergleich zum Budget der Öffentlichkeitsarbeit die Personalkosten in der DSB-Geschäftsstelle rund 80-mal so hoch sind?

Wie bereits dargestellt, stimmt diese Rechnung so nicht, aber die Öffentlichkeitsarbeit sollte trotzdem zukünftig einen wesentlich größeren Anteil an der Arbeit der DSB-Funktionäre beanspruchen.

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Apropos Öffentlichkeitsarbeit – bleiben wir in der Szene, und sprechen über Spitzensport. Eine Schätzfrage: Wie hoch ist die Anzahl der Mitglieder, die die Namen der Spieler der Nationalmannschaft aufzählen können? 1% wäre aus unserer Sicht hoch!

In anderen Sportarten erleben wir eine ganz andere Fanbasis, zum Beispiel auch in der Bundesliga. Es mangelt also offensichtlich am Kontakt zwischen SpitzenspielerInnen und Basis – siehst Du es auch so?

Ich befürchte eher, dass der nicht übermäßig große Erfolg der Nationalmannschaft in den letzten Jahren dafür verantwortlich ist, verbunden mit einer gewissen Unlust der Spieler, sich selbst zu vermarkten. Wenn man die Namen Jan Gustafsson und Niclas Huschenbeth bei Google eingibt, landet man auf ihren Webseiten, auf denen es viele kommentierte Partien und Videos gibt inklusive einer aktiv genutzten Kommentarfunktion. Ich bin mir deswegen ziemlich sicher, dass diese beiden bei den „Fans“ bekannter sind als andere Spitzenspieler, die keine eigene Webseite besitzen. Das Schach-Ehepaar Melanie und Nikolas Lubbe ist ein anderes gutes Beispiel dafür, dass die Abhängigkeit zwischen Spielstärke und Bekanntheitsgrad nicht unbedingt linear sein muss.

Klappern gehört nun mal zum Handwerk, und ich finde es bedauerlich, dass einige unsere Spitzenspieler in punkto Selbstvermarktung nicht sonderlich aktiv sind. Spontan fällt mir die Möglichkeit ein, auf der Webseite des DSB einen Bereich einzurichten, in dem unsere Spitzenspieler aktuelle Partien kommentieren und ganz allgemein über die nächsten Auftritte der Nationalmannschaft berichten. Das wäre ein erster Kontakt zwischen Spitze und Basis, den man dann sicherlich noch ausbauen könnte.

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Ihr habt im letzten Jahr mit dem Lübecker SV eine formidable Deutsche Meisterschaft auf die Beine gestellt. Allerdings klang durch, dass die finanzielle Unterstützung von Seiten des Schachbundes - vorsichtig formuliert - ausbaufähig gewesen wäre.

Hältst Du die Deutsche Meisterschaft in ihrer jetzigen Form für unattraktiv? Und wie siehst Du die Chancen, im Mai einen neuen Modus dafür zu verabschieden?

Die finanzielle Unterstützung durch den DSB fand exakt so statt, wie es in den Regularien zu der Zeit festgelegt war: Die Landesverbände haben 750 Euro pro Teilnehmer bezahlt und vom DSB gab es eine Pauschale in Höhe von 9.000 Euro. Auf dem Hauptausschuss in Lübeck wurde beschlossen, diese Zuschüsse auf 1.000 bzw. 12.000 Euro zu erhöhen. Das war ein erster Schritt, um den ausrichtenden Vereinen entgegenzukommen.

Die Vorschläge, die auf dem Kongress diskutiert und hoffentlich auch verabschiedet werden, sehen vor, sowohl die Ausrichter als auch den DSB und die Landesverbände zu entlasten, damit wir in Zukunft nicht wieder vor der Situation wie im vergangenen Jahr stehen, dass der DSB für seine wichtigste Meisterschaft wenige Monate vor Beginn des Turniers noch keinen Ausrichter hat. Ich würde mir wünschen, dass es auf dem Kongress eine lebhafte Diskussion zu diesem Thema gibt und dass wir am Ende einen Konsens finden, der die Situation verbessert. Ob dieser neue Modus dann der Weisheit letzter Schluss ist, wird man sehen.

Ich hatte kürzlich ein interessantes Gespräch mit Artur Jussupow, der mir seine Vorstellungen von einer attraktiven Deutschen Meisterschaft schilderte. Der wesentliche Punkt war dabei das Stichwort „Kongress des Deutschen Schachbundes“, der früher aus einem Meisterturnier, diversen untergeordneten Turnieren und der Versammlung des Deutschen Schachbundes bestand. Wenn man dann noch beispielsweise die Blitzmeisterschaft und die Meisterschaften der Frauen hinzufügt, hätte man eine beeindruckende Veranstaltung, bei der die Spitzenspieler auf die Spitzenfunktionäre treffen! Vielleicht kann man diese Idee weiterentwickeln und beim nächsten Hauptausschuss ein detailliertes Konzept beschließen.

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                                           Gute Laune bei der DEM 2016 im schönen Lübeck!                       Foto: Jan Plackmeyer
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Wie bist Du sonst zufrieden mit dem Leistungssport/ Schach in unserem Lande? Ein Erfolg wie die Europameisterschaft 2011 bei den Herren ist wahrscheinlich nicht so schnell wieder möglich?

Das sehe ich genauso. Mir hat das Projekt mit der Prinzen-Gruppe sehr gut gefallen, ich weiß aber nicht, warum es beendet wurde. Ich nehme an, dass finanzielle Gründe den Ausschlag gegeben haben. Der DSB sollte ein Nachfolgeprojekt auflegen und meiner Meinung nach außerdem den Kontakt mit externen Partnern suchen, um die Talentförderung voranzutreiben. Ich befürchte allerdings, dass die hierfür benötigten Mittel nicht so ohne weiteres zur Verfügung gestellt werden können.

Unabhängig davon ist die Frage, wie es im Bereich Leistungssport in Zukunft weitergehen soll, von zentraler Bedeutung für den Deutschen Schachbund. Wir verfügen über eine Vielzahl an Talenten, aber die Nationalmannschaft erzielt nicht annähernd die Erfolge, die man erwarten könnte. Vermutlich muss man das gesamte Leistungssport-Konzept auf den Prüfstand stellen, wenn sich dieser Zustand in Zukunft ändern soll. Hier gilt wieder das oben Gesagte: Der DSB und seine Verbände müssen gemeinsam eine neue Strategie erarbeiten, damit wir in Zukunft international erfolgreicher sind.

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Wir zitieren eine Frage aus einem Interview, das SF Krennwurzn mit unserem Präsidenten Herbert Bastian im Sommer 2014 geführt hat:

„Einerseits hat Schach gute Imagewerte in der Öffentlichkeit und andererseits haben wir auch aufgrund der längeren Ausübbarkeit einen hohen Anteil an gut gebildeten und einkommensstarken Mitgliedern - wir wären also attraktiv für Sponsoren. Wie will der DSB eine Änderung herbeiführen?“

Was wäre hier Deine Antwort?

Bei der Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr ist es dem Öffentlichkeits-Referenten Frank Neumann gelungen, einen Sponsor zu akquirieren. Er ist inzwischen auch Geschäftsführer der Wirtschaftsdienst GmbH und hat viele Ideen in Bezug auf eine bessere Vermarktung des Schachsports. Ich begrüße seine Aktivitäten sehr und bin zuversichtlich, dass der DSB zukünftig durch potentielle Sponsoren besser wahrgenommen wird.

Frank Neumann wird diese Herkules-Aufgabe allerdings nicht alleine erledigen können. Ich sehe hier alle Funktionäre und insbesondere das Präsidium in der Pflicht, entsprechende Kontakte herzustellen. Klar ist aber eines: Ein Sponsor wird dem Deutschen Schachbund nur dann Geld geben, wenn wir attraktive Konzepte entwickeln, wie zum Beispiel den oben erwähnten „Kongress des Deutschen Schachbundes“ oder die Bundesliga-Endrunde, kombiniert mit anderen Veranstaltungen.

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Herbert Bastian antwortete in dem besagten Interview wie folgt:

„Um Änderungen im Sinne von Verbesserungen herbeizuführen, muss das Thema Marketing im Deutschen Schachbund endlich ernst genommen werden. Klaus Lais war einer derjenigen, die auf dieses Problem schon vor einigen Jahren hingewiesen haben, doch fand er zu wenig Gehör. Wir haben keinen Ehrenamtlichen, der sich „hauptamtlich“ um dieses Thema kümmert, und bei den Hauptamtlichen fehlt es immer noch an Knowhow sowie an Zeitressourcen.“

Das war 2014. Wenn wir Hauptamtliche haben, denen es an Knowhow sowie an Zeitressourcen fehlt, finde ich das so ganz unter uns beiden gesagt ziemlich beunruhigend ….

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Es geistert immer wieder eine Zahl durch den Äther - allein für den Geschäftsführer der DSB- Geschäftsstelle entstehen dem DSB dem Vernehmen nach Gehaltsaufwendungen von gut 70.000,-€. Ist das nicht ausgesprochen stattlich für einen doch offenbar eher klammen Verband?

Wäre es Deiner Ansicht nach angebracht, in einem quasi öffentlichen Verband wie dem DSB Gehaltszahlungen an die MitarbeiterInnen ganz transparent offenzulegen?

Davon halte ich aus Datenschutzgründen nichts.

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Es ist alles wohl (wie immer) eine Frage des Geldes. Mit den geringen Mitgliedsbeiträgen für den DSB, bei gleichzeitig fallenden Mitgliederzahlen lassen sich keine großen Sprünge machen – und die Sponsoren sind rar. Wie planst Du, die Kassen zu füllen?

kreuzfahrt165pxIch bin nicht sicher, ob die Kassen des DSB so leer sind, wie das durch die Frage suggeriert wird. Nach meinem Eindruck hat in den letzten Jahren eine Konsolidierung des DSB-Haushaltes stattgefunden, die durch Michael Langer eingeleitet und durch seinen Nachfolger Ralf Chadt-Rausch fortgesetzt wurde. Nichtsdestoweniger gibt es gewisse finanzielle Risiken (z.B. die BMI-Zuschüsse), und weniger Mitglieder zahlen in Summe natürlich auch weniger Beiträge. Insofern liegt der Gedanke nahe, durch Maßnahmen, die zur Steigerung der Mitgliederzahlen führen, gleichzeitig die finanzielle Lage des DSB zu verbessern.

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Würde es (auch) Sinn machen, die Beiträge für Schach allgemein und für den DSB zu erhöhen? Schach ist ein so günstiger Sport mit Vereinsbeiträgen von oft unter 6 oder 7 € im Monat. Jede Popcorn-Tüte im Kino kostet mehr – warum kommt es vielen so krass vor, wenn der Mitgliedsbeitrag mal wieder steigen würde? Warum tut sich Schach so schwer, höhere Beiträge zu erheben und dafür mehr Spielraum zu gewinnen für interessante Aktionen, Turniere und Spielabende?

Das Thema Beitragserhöhung sollte man beim DSB, wenn überhaupt, nur unter der Voraussetzung angehen, dass man auch sehr konkrete und exakt durchgerechnete Aktivitäten vorweisen kann, die dadurch finanziert werden sollen. Eine Beitragserhöhung quasi auf Verdacht halte ich weder für zielführend noch für mehrheitsfähig. Wenn man andererseits ein wirklich spannendes, gut durchkalkuliertes und erfolgversprechendes Projekt mit einer Kofinanzierung durch private und öffentliche Geldgeber anbietet, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass sich bei den Landesverbänden auch eine Mehrheit für eine Beitragserhöhung finden lässt. Wichtig ist natürlich, dass alle davon gleichermaßen profitieren würden.

Warum sich die Vereine nicht trauen, von ihren Mitgliedern höhere Beiträge zu verlangen, entzieht sich meiner Kenntnis. Nach meiner Erfahrung sind insbesondere die Eltern der jugendlichen Mitglieder sehr häufig erstaunt, wie gering der Mitgliedsbeitrag im Schachverein ausfällt. Schachspieler verkaufen sich und ihren Sport fast immer unter Wert und beschweren sich andererseits über fehlende materielle Mittel.

 

kaffeeschach
       Drei Tassen Kaffee im Gasthof =
                                     ein Monatsbeitrag im Schachverein?

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Was hältst Du von einer gebührenpflichtigen DWZ-Auswertung? Bei 1.000.000 Partien pro Jahr sind hier leicht erhebliche Mittel zu generieren, ohne Einzelne übermäßig zu belasten. Auch die FIDE hat diesen Weg gewählt und eine Art „ELO-Maut“ eingeführt – wer mehr spielt, zahlt auch mehr.

Am Ende könnte man den vielen Ehrenamtlichen im DWZ-Bereich sogar hiermit eine gewisse Achtung entgegenbringen, anstatt deren tolle Leistung immer als kostenlos und selbstverständlich vorauszusetzen.

Wenn ich das richtig verstehe, soll der Ausrichter eines Turniers für die DWZ-Auswertung bezahlen. Für diese und ähnliche Ideen gilt das, was ich bereits zum Thema Beitragserhöhung gesagt habe: Ohne eine konkrete Vorstellung, wie alle Beteiligten von den dadurch erwirtschafteten Geldern profitieren können, ist diese Idee nicht zielführend und mit Sicherheit auch nicht mehrheitsfähig.

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Durch eine gebührenpflichtige DWZ-Auswertung – vielleicht ergibt sich dadurch auch ein Spielraum, um dem DSB-Präsidenten eine kleine Aufwandsentschädigung zukommen zu lassen?

Wäre es nicht angebracht, dass der DSB-Präsident als Vorsitzender einer Schar von mehreren 10.000 Mitgliedern eine Teil-Vergütung erhält? Für den zeitlichen Einsatz, der über Monate und auch an den Wochenenden für den Verband geleistet wird, wäre es doch fair, wenn das auf eine Weise auch honoriert würde.

Um an meine letzte Antwort anzuknüpfen: Das wäre natürlich eine sehr konkrete Verwendung der zusätzlichen Einnahmen, von der allerdings nur einer profitieren würde. Insofern halte ich auch von dieser Idee nichts. Unabhängig davon ist der Arbeitsaufwand, den das Amt eines DSB-Präsidenten mit sich bringt, in der Tat sehr hoch, aber das gilt vermutlich auch für andere Ehrenämter, für die man bekanntlich per Definition nicht entlohnt wird.

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Unsere geschätzten LeserInnen haben ein paar knifflige Fragen eingesendet. Hier sind sie:

Achim Zehl

Meine Frage an Herrn Krause: als Informatiker sind Sie sehr aktiv im Internet, betreuen oder betreuten mehrere Websites. Als CMS verwenden Sie dabei WordPress und in den letzten Jahren wohl bevorzugt Joomla. Werden Sie auch die DSB-Website auf ein modernes CMS wie Joomla umrüsten und das Design auffrischen?

Die Auswahl des konkreten Content Management Systems ist meines Erachtens nicht so relevant, und ich gehe davon aus, dass auch das beim DSB verwendete CMS (Contao) den technischen Anforderungen an ein modernes System genügt. Wichtiger sind andere Dinge wie Übersichtlichkeit, einfache Benutzerführung und Bedienbarkeit auch auf mobilen Geräten, und da gibt es auf der DSB-Seite mit Sicherheit Verbesserungspotential. Aber wirklich ausschlaggebend für die Attraktivität einer Webseite sind letzten Endes die Inhalte, und hier würde ich dafür werben, andere Schwerpunkte zu setzen – natürlich in Absprache mit dem Referat Öffentlichkeitsarbeit und dem zuständigen Vizepräsidenten.

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Krennwurzn

Lieber Herr Krause, haben Sie auf die Frauen total vergessen? Im Schach haben wir einen Frauenanteil der noch geringer ist als in Vorständen/Aufsichtsräten - könnte der von Ihnen beschriebene Jungerwachsenenknick nicht dadurch begründet sein, dass Frauen 20+ fast komplett das Vereinsschach verlassen?

Nach meiner Erfahrung verlassen die Mädchen das Vereinsschach im Durchschnitt sogar noch ein paar Jahre früher als ihre männlichen Vereinskameraden. Insofern sehe ich hier keinen direkten Zusammenhang. Unabhängig davon finde ich den Ansatz, dass man den Frauenanteil in den Vereinen erhöhen sollte, damit deswegen auch mehr Männer den Vereinen treu bleiben, etwas fragwürdig. Wir sollten uns um alle Mitglieder beiderlei Geschlechts in allen Altersstufen gleichermaßen bemühen.

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Ullrich, hier eine Leserfrage aus dem Alpenraum, die ich nicht ganz verstehe. Sie klingt ein bisschen nach einem Body-Check:

Krennwurzn

Lieber Herr Krause, ein moderierender DSB-Präsident stellt keine Neuerung dar, denn das ist aus dem ehemals aktiven Herbert Bastian geworden - er moderiert seine Wiederwahlen. Wollen Sie uns da nur alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen?

Ich kenne Herbert Bastian seit Anfang der 90er Jahre als Schachspieler und seit 2008 als Funktionär. Die Art und Weise, wie er damals gemeinsam mit Hans-Jürgen Weyer den AKLV geführt hat, entspricht meiner Vorstellung einer moderierenden Führung, bei der alle mitgenommen und die einander oft auch widersprechenden Ansichten abgeglichen werden, damit man am Ende auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Ich habe allerdings den Eindruck, dass ihm das in seiner Eigenschaft als DSB-Präsident nicht mehr gelingt, und genau aus diesem Grund habe ich mich auch entschieden, für sein Amt zu kandidieren. Insofern ist die Idee des moderierenden Präsidenten als solche in der Tat nicht neu, aber gleichwohl die Grundvoraussetzung für den Erfolg seiner Arbeit.

BastianHerbert 2012 Dortmund GF Hund

 Herbert Bastian führt den Schachbund seit 2011     Foto: GF Hund

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Eine der Säulen Deines Wahlprogramms ist das Fördern des Schulschachs – sicher eine richtige Idee. Wie aber möchtest Du die große Anzahl von Jugendlichen und Kids, die an den Schulen oft begeistert Schach spielen, auch in die Vereine holen und dort halten? In den letzten Jahren hat das ja nicht allzu gut geklappt – jedenfalls gibt es immer noch eine gewaltige Lücke im Bereich der jüngeren DSB-Mitglieder.

Die Lücke klafft meines Erachtens erst im oben bereits erwähnten Alter der „jungen Erwachsenen“, die die Vereine scharenweise verlassen. Ich glaube, dass man ganz neue Wege gehen muss, um diese Zielgruppe zu erreichen, und der an sich naheliegende Gedanke ist das Online-Schach, allerdings nicht als Konkurrenz zum Vereinsschach, sondern als neue Komponente. Die Firma ChessBase hat bei der Bundesvereinskonferenz in einem Workshop Möglichkeiten aufgezeigt, wie man den Vereinsabend durch entsprechende Angebote an die Mitglieder aufwerten kann. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies der richtige Weg ist, um die jungen Erwachsenen im Verein zu halten und man braucht dazu nicht mehr als ein Notebook und einen Beamer.

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In Deinem Verein, dem Lübecker SV, seid Ihr ja mit Eurer Jugendarbeit sehr erfolgreich in den letzten Jahren. Was ist Euer Trick, und kann man das auch im DSB und in anderen Vereinen irgendwie umsetzen?

Um es einmal in drei Sätzen zusammenzufassen: Vereine, die keine Jugendarbeit betreiben, sterben irgendwann aus. Die einzige echte Chance für nachhaltige Jugendarbeit basiert auf dem Schulschach, und ausschlaggebend für den Erfolg ist letzten Endes die Verbindung zwischen den Schulschach-AGs und dem Verein.

Ich habe das Lübecker Konzept bei der Bundesvereinskonferenz vorgestellt. Leider sind die entsprechenden Materialien noch nicht auf der DSB-Webseite verfügbar, so dass ich nur mit diesem Link von unserer Vereins-Webseite dienen kann: https://www.lsv1873.de/index.php/aktuelles/nachrichten/915-schachverein-und-schachschule-eine-gelungene-symbiose

Die wesentliche Idee bei dieser „Symbiose“ ist die Zusammenarbeit des ehrenamtlich aufgestellten Vereins mit der professionell agierenden Schachschule, die in unserem Fall so weit geht, dass Veranstaltungen der Schachschule in unserem Vereinsheim stattfinden. Das führt wiederum dazu, dass die Kinder im Rahmen der Schulschach-Aktivitäten die Schwelle zu unserem Verein im Wortsinne überschreiten, und das erleichtert sowohl den Kindern als auch den Eltern die Entscheidung, in den Verein einzutreten.

Ich kenne in Schleswig-Holstein drei weitere Vereine, die exakt dieses Modell einer Kooperation mit einer Schachschule umgesetzt haben und damit ebenfalls sehr erfolgreich sind, und ich nehme an, dass es deutschlandweit noch viele weitere gibt. Die Größe des Vereins spielt dabei keine so große Rolle, wichtig ist nur, dass der Verein den Kindern, die dann automatisch dem Verein beitreten, auch etwas anbieten kann, sonst sind diese Kinder auch ganz schnell wieder ausgetreten.

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Der junge GM Rasmus Svane (Lübecker SV, jetzt Hamburger SV SK!)
                                                        auf der DEM in seiner Heimatstadt

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Wie sieht Dein Wahlkampf aus? Hast Du ein Team, das mit Dir zusammen die Positionen besetzen würde?

Ich unterstütze die Kandidatur von Walter Rädler für das Amt des Vizepräsidenten Verbandsentwicklung und würde es begrüßen, wenn er seine sehr erfolgreiche Arbeit in Bayern auf ganz Deutschland ausweiten könnte. Ich kann mir außerdem gut vorstellen, mit den anderen beiden Vizepräsidenten Ralf Chadt-Rausch (Finanzen) und Klaus Deventer (Sport) zusammenzuarbeiten.

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Abschließend, Ullrich – in Kürze gibt es eine Wahl zwischen Herbert Bastian und Dir. Nenne uns bitte noch einmal drei Gründe: warum sollten sich die Delegierten für Dich oder gegen den bisherigen Präsidenten entscheiden?

Ich werde alle Beteiligten zur aktiven Mitarbeit bewegen: Ohne die Unterstützung der Landesverbände kann der DSB nichts erreichen.

Ich werde Arbeit an der Basis betreiben: Eine intensive Förderung des Schulschachs sorgt für einen Zuwachs der Mitgliederzahlen und stoppt gleichzeitig das Vereinssterben.

Ich werde die Zusammenarbeit mit externen Partnern intensivieren: Nur die Kombination aus ehrenamtlicher und professioneller Arbeit kann auf Dauer nachhaltig und erfolgreich sein.

 Ullrich Krause 03

 Ullrich, herzlichen Dank für dieses Interview, und dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast. Wir freuen uns auf die Wahl am Himmelfahrts-Wochenende in Linstow!

 

 

Moinmoin, da sind wir wieder - der Blog hat ein wenig vor sich hin geruht, doch heute geht es wieder weiter, pünktlich zum vorletzten Wochenende in der Schach!- Bundesliga. Hingehen! 

Im Mai wird im Deutschen Schachbund ein neuer Präsident gewählt. Wir blicken zurück auf eine sechsjährige Amtszeit von Herbert Bastian, der 2011 von Saarbrücken aus schwungvoll ins Amt startete und nun zum vierten Mal seinen Hut in den Ring werfen wird.

Als Gegenkandidat tritt der Lübecker Ullrich Krause an, seines Zeichens bereits Präsident im Schachverband Schleswig-Holstein, und mehrfacher Landesmeister im Land zwischen den Meeren - ganz ähnlich wie Herbert Bastian, dem ebensolches an der Saar wiederholt gelang. Beide sind vielfach für den Schachsport engagiert, und FIDE-Meister noch dazu. Was mehr kann man sich wünschen?

Nach Interview- Anfragen bei beiden Kandidierenden freuen wir uns sehr, dass Ullrich Krause im Vorfeld der Wahl für ein Gespräch zugesagt hat.

Ganz basisdemokratisch sind dazu auch die Schar der Schachwelt-LeserInnen draußen vor den Computertastaturen eingeladen - schickt uns Eure Fragen an den Herausforderer im Kommentarbereich! Wir sichten alles, suchen einiges davon aus, und alles zusammen geht dann alsbald auf den Weg an Candidate President  Krause.

Ansprechen könnt Ihr im Prinzip alles. Schüttet uns Euer Herz aus, und sendet, was Euch im Schach umtreibt:

- Wo geht die Reise hin im Schachbund - und wann werden wir wieder mal Europameister?

- Die Vereine werden kleiner, die Aktiven weniger - was kann man tun?

- Ist die Öffentlichkeitsarbeit im Schachbund ausbaufähig? Wie? Und wenn ja, wer soll das bezahlen?

- Tut der DSB genug, um Sponsoren und Werbepartner zu finden?

- Sollten die Beiträge erhöht werden, um mehr Spielraum für die Schachförderung zu haben?

- Wann wird meine DWZ endlich wieder besser? (na gut, eine sehr persönliche Frage - und ich befürchte, hier sind selbst Präsidenten machtlos)

 Wer sich noch etwas reinfuchsen möchte in die Thematik, hier sind drei sehr lesenswerte Stücke:

- vor drei Jahren interviewte SF Krennwurzn den DSB-Präsidenten Herbert Bastian hier im Blog - dies ist der Link zu dem ausführlichen Gespräch

- Ullrich Krause hat drei Schwerpunkte für neue Impulse in der deutschen Schachszene formuliert, um einige recht bedenkliche Trends zu stoppen

- einen Blick auf das deutsche (Vereins-) Schach wirft in bewährt versierter Manier Stefan Löffler im Blog der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

 
Bitte schickt uns (Achtung!) Eure Fragen zum Thema schon bis Donnerstag abend - Einsendeschluss ist streng um 24 Uhr. Wir sichten sie, und bringen alles zusammen mit unseren eigenen Schachwelt-Fragen zur Post. Im Mai folgt dann das Interview hier im Blog. Bis die Tage!

 

Dienstag, 07 März 2017 15:39

140 Jahre Bremer SG

Hoppla, die Bremer SG rockt das deutsche Vereinsschach - heute auf den Tag genau vor 140 Jahren gründeten Honoratioren in der Hansestadt die ehrwürdige, traditionsreiche, charmante und mit dem heutigen Tage auch ganz offiziell hochbetagte Bremer Schachgesellschaft. Wir gratulieren! und freuen uns auf die nächsten 140 Jahre.

140 Jahre - nur die wenigsten von uns werden auf eine solch lange Zeitspanne zurückblicken können. Werder Bremen zum Beispiel, die Fußballer schickten sich erst 1899 und damit 22 Jahre später als die Schachfreunde an, einen Fußballverein zu gründen in der Pauliner Marsch. Und die grün-weiße Schachabteilung erblickte rund fünfzig Jahre später das Licht der Welt - da feierte die BSG schon bald ihren 80. Geburtsstag!
Doch schauen wir einmal genauer hin - vor 140 Jahren war Bismarck Kanzler, Wilhelm Kaiser, Preußen hatte sich gerade ganz Deutschland einverleibt und auch Bayern.
Die Sommer waren wahrscheinlich auch damals schon verregnet, und einen richtigen amtlichen Weltmeister gab es noch nicht, erst ein paar Jahre später sollte die FIDE - nein, die gab es damals auch noch nicht - also, erst ein paar Jahre später sollte sich Wilhelm Steinitz den ersten Titel erkämpfen. Die BSG hat seitdem viele weitere Weltmeister gesehen, doch auch zwei furchtbare Kriege und eine grausame Diktatur. Sie war dabei, wie die Schachuhr eingeführt wurde, die Ligawettbewerbe entstanden im Nordwesten und der Welt, und sie schaffte es Anfang der 2000er Jahre unter Führung von Manfred Breutigam und Alexander Belilovsky auch sehr ehrenvoll in die Schach-Bundesliga, wo sie sogar Werder Bremen im Lokalderby besiegen konnte - was war die Freude groß! Auch ich war einige sehr schöne Jahre mit im Verein, von 1999 bis 2007, ehe ich zu Werder wechselte, eine Straßenecke weiter sozusagen, in Bremen ist das ja alles nicht so weitläufig.

bremen ratskeller um 1900
Der Bremer Ratskeller um 1900 - das wäre doch mal ein schönes Vereinsheim gewesen

In den langen 140 Jahren ihres Bestehens hatte die BSG Besuch von Emanuel Lasker, Mischa Tal, Anatoli Karpov (!) und vielen anderen Größen des Weltschachs, die sich zum Simultan einfanden oder zu mancherlei Beratungspartie. Über Jahre hinweg dokumentierte Pastor Hanno Keller in akribischer Feinarbeit all diese Ereignisse - leider verstarb Hanno im vergangenen Jahr, und so ist es nunmehr Andreas Calic, ein Kenner der Hansestadt und der hiesigen Schachszene, der das Archiv des Vereins weiterführt (ebenso wie die Webseite). Andreas ist zudem eine Art Chronist des aus Bremen stammenden Carl Carls und hat darüber auch im kulturellen Schachmagazin KARL veröffentlicht - bei Fragen wende man sich gerne an ihn!
Und erwähnten wir es schon? Die Vereinsräume waren mit aller Wahrscheinlichkeit auch der Geburtsort der Englischen Eröffnung, oder zumindest der von Carl Carls ausdauernd und gegen alle schachgesellschaftlichen Widerstände gespielten Bremer Partie 1.c2-c4.

Hübsch gelegen gleich neben dem Weserstadion trifft sich der Verein jeden Montag in den Weserterrassen und richtet in bunter Runde ihre Vereinsabende aus. Es ist ordentlich Rummel dort, wie ich bei diversen Pokalpleiten Pokalspielen und schönen Blitzrunden miterleben konnte - ein lebendiger und inspirierter Verein, wenngleich leider auch hier ein wenig die Jugendlichen nicht so richtig "nachkommen". Schade! Aber die BSG wäre nicht die BSG, würde sie dies nicht auch noch irgendwie hinbekommen, und weiter engagiert im Schulschach, Jugendschach und allein durch ihre Existenz neue und auch junge Mitglieder anlocken. Es sei ihr von Herzen gegönnt!

(Bleiben Sie dran und lesen Sie auch den zweiten Teil über die Bremer Schachgesellschaft - in 140 Jahren ist es soweit!)

 

 

Hei, was war da wieder los, und wo waren die Werderaner Blitzer? In diesmal nur überschaubar zahlreicher Besetzung versuchten sich acht Grün-Weiße und als Gast Doroteya Nancheva (SK Bremen-West) daran, die wiederholte Wiederholung einer wiederholten Titelgewinn-Wiederholung durch David Höffer vom Delmenhorster SK zu verhindern, doch ach, erneut ohne Erfolg!

Zwar setzte der junge Nikolas Wachinger ein Ausrufezeichen und bezwang den Gast aus DEL in sehenswerter Manier, allein das sollte es am Ende schon sein für Höffer – keine weiteren Minuspunkte! Stattdessen Punkt um Punkt gegen die versammelte Blitzgemeinde, und wäre da nicht Sven Charmeteau gewesen, das Februar-Turnier wäre schon viel früher entschieden gewesen.

Doch Charmeteau punktete ausgiebig mit – wenngleich unter erheblichem Zeiteinsatz, so dass er am Ende seine Züge immer im Stakkato aufs Brett feuerte und stets sozusagen stets gewann, knapp bevor die Klappe fiel. Alles, bis eben auf das Match gegen David Höffer, und so, als nach neun intensiven Runden beide Heroen punktgleich mit 8 aus 9 das Feld anführten, gab der direkte Vergleich den Ausschlag für das Delmenhorster Blitzschachungeheuer. Wir gratulieren zum Sieg, und auch zur deutlichen Führung in der Grand Prix- Wertung.
Auf Platz zwei rangierte am Ende Sven Charmeteau vor dem Drittplatzierten Nikolas Wachinger (6 aus 9). Weitere Preise gab es für André Büscher (Bester unter DWZ 2000) sowie einen Bremer Arzt mit „D“, der aber als ehrenvoller Fünftletzter seinen Namen lieber nicht in diesem Artikel lesen möchte. -

Schachfreund Steffens fuddelte sich in bewährter Manier durch das Turnier, holte aber nicht wie in bewährter Manier damit auch Punkte. Das ist schon seit längerem so – darüber wird zu sprechen sein. (Aber mit wem?).

Zwei sehr und sehr glückliche Punkte gegen Andree Schondorf und Detlev Diedrichsen (durch Matt nach einem artistischen Springerschach Sh3+) brachten temporär noch einmal Hoffnung auf einen vorderen Platz, indes eine Niederlage gegen den pfeilschnellen Charmeteau (auch hier sah man Sh3+ ! mit baldigem Matt), und eine aalglatte Null in der Schlussrunde gegen David Höffer (wiederum Sh3+ ! mit Schach, worauf meine gutgemeinte Antwort f2-f4!? dann direkt den König einstellte) ließen das Turnier für Steffens im schachlichen Nirwana austrudeln. Sei‘s drum. Wir kommen wieder!
Die Frage aber bleibt, was es mit den drei schönen Springerschachs auf h3 auf sich hat. Und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas innerhalb von nur vier Runden passiert?

Der nächste Monatsblitz findet statt am 02.März in den üblichen Gefilden, kurz vor den prachtvollen Norddeutschen Blitzmannschaftsmeisterschaften 2017 in Hamburg. Bis dann!

PS Vielleicht ist dies ja was für mich, vor dem nächsten Turnier: Get ready for the Six-Minute-Blitz-Workout!

 

Samstag, 04 Februar 2017 10:34

Goldene Klänge vom Südweschden

Der Frühling nahd, bald gehd es wieder auf Schachreise, hajo, so isch des! Da schaded es nedd, schon jedzd oi wenig die Schbrache vom Ziellandes z übe, vor allem, wenn die Reise in südliche Regione gehd, no Bayern oder Baden-Würddemberg edwa. Glügglich der Mensch, der "Guade Tag, oie Kaffee bidde" auf Schwäbisch sage kann, um am Turnierbüffed während der Nachmiddagsrunde schnell ebbes z beschdellen.

Vor sechs Jahre war ich mal im Badische während von a verregnede Sommer, schön war es, und man kam sogar mid Norddeiadsch ganz guad durch. Ich schriab daraufhin oie kloie Ardikel, der am Donnerschdag, 13 Okdober 2011, hier im Blog erschien. Mid Grüße an die Schachfreinde im Südweschde, an Frank Zeller, Harald Keilhack und an Hardmuad Medz schdelle wir de landeskundliche Reiseberichd heiade oifach no oimal oi, schbrachlich ebbes aufbereided.

Die Frage bleibd nadürlich - ischd Baden-Bade überhaubd no Schwabenland? Oder ischd es schon Schwabenland? Des ischd aus der Ferne und vor allem aus Breme nur schwer, sehr schwer z beirdeile - vielleichd könne die LeserInne helfen.

[Rechdlicher Hinweis: des im Ardikel endhaldene Bundesliga-Tibbschbiel ischd leider schon seid fünf Jahre vorbei, bidde nemme deilnehme! Die Preise sind schon alle weg, hajo, so isch des!
Wer aber nohoch no oie (ex-boschd) Vorhersage zur Meischderschafd mache möchde, darf des in unserem dem liberale Geischde verschriabene Kommendarbereich nadürlich gerne dun.]

Nun aber oie Runde Schwäbisch hier im Blog - mid herzlichem Dank an die Macher von www.burble.de, die die Übersedzungsmühe für uns übernomme hendn. Und damid Grüße in de wilde Süde!

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Wer wird Deiadscher Meischder? Ba-Ba-Ba-Baden-Oooos, hajo, so isch des!

In de ledzde fünf Jahre wurde die Ooser Schachgesellschafd Baden-Bade gefühld ungefähr zwanzig Mal Deiadscher Meischder. Mid de beschde Schbielern Deiadschlands und de beschde Schbielern der Weld brachde der Veroi in der Herren-Bundesliga immer wieder Mannschafde an de Schdard, die au der viermalige Vizemeischder SV Werder Breme und die Berliner Schachfreinde nedd schdobbe konnden.

Schach-Weld, des Magazin, des z de Mensche gehd, wollde wissen: wie hendn die schachliche Erfolge des llschafdliche Lebe in Baden-Bade beoiflusschd? Und woran zeigd sich die überwäldigende Begeischderung, die die Oiwohner Baden-Badens über all diase Meischderschafde embfinden?

Schachschdadd Baden-Bade – wer hädde no nedd davon gehörd? Alloi die Schachveranschdaldunge im Badischen hendn oie log, log Tradizion. Schon seid 1870 richded des Team von Dr. Markus Keller aus dem Schach-Zendrum Baden-Baden in der wohlig-unaufgeregde Kurschdadd Turniere aus. Berühmdheid erlangde dabei vor allem der Schachkongress von 1925, in dem Aljechin no logm Ringe de erschde Preis davondrug. 1981 gab es oi Großmeischderdurnier, und in de ledzde Jahre immer mal wieder oi schönes Oben.

 Da der Rege in dem Sommer überall gleich kald war, musschde ich nedd wie sonschd auf Berge kleddern, am Schdrand liege oder Eis essen. Schdadddesse reischde ich zum „Sommer“-Obe no Baden-Bade und schbielde im ognehm renovierde Kuldurzendrum LA8 oi Turnier mid über 200 andere Schbielern.

Roi schachlich wurde es koi ganz großer Erfolg für mi (wie so ofd in ledzder Zeid), doch immerhin konnde ich während moier Reise oi wenig für diase Ardikel recherchieren.

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Guades Wedder und maridime Modive (hier in Bad Wildbad) könne über schachliche Rüggschläge hinwegdröschden

Turniere sind in der heiadige Zeid koie leichde Sache – überall am Rand vom Saales klebe Jugendliche an ihre Labdobs und befrage sie vor und no de Runden. Die Zeide ändern sich, hajo, so isch des! Früher heddde wir Bücher, heiade schbuggd der Combuader de nächschde heiße Gewinnweg und Foiheide über des Eröffnungsreberdoire der Gegner aus. Ich fühle mich durchleichded – mir mache diase Dinger boiahe mehr Angschd als der Bundeschdrojooner. Vielleichd hend ich im Schach oifach mehr z verberge als im rechde Leben? (Aber ich weiß nedd, ob des für oder gege mich schbrichd.)

Beoidruggend sind im Süde nadierlich immer die Ordsnamen. Bei oier Auadobahnabfahrd in der Nähe Baden-Badens hedd man zum Beischbiel die freie Wahl zwische fünf weidere Reisezielen: Reidlinge Nürlinge Plochinge Wendlingen und Esslingen. Phandaschdisch, hajo, so isch des!
(Des erinnerde mich gleich oi wenig an de Schbordclub Freiburg – vor oiige Jahre endede dord alle Schbielername mid der georgische Endung –vili , hajo, so isch des! Sehr guad gefiele mir immer die Name Khizaneishvili und nadierlich der berühmde Kobiashvili.)

Und überhaubd, die Schbrache im Süden: als Preis für Kuche und Kaffee sagd die Kellnerin vier Euro fuchzig an. Man gibd ihr oie Zehn-Euro-Schoi, und erhäld fünf Euro fuchzig zurügg. Charmand, hajo, so isch des! Tschüssle und Adele schmügge des Ende vieler Underhaldunge und runde de hübsche schwäbische Singsang ab. Vor oiige Jahre versuchde es oi aus Norddeiadschland schdammender Freind beim Bedrede oier Bäggerei sogar mal mid dem raffinierd-konsequende Grüß Goddle, hajo, so isch des! Man sah ihn böse an, bediende ihn aber nohoch.

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Fleisch fangfrisch vom Forschdamd - au des ischd Baden-Würddemberg


Doch zurügg zum Schach. Wir erlebe joo gerade in ganz Deiadschland oie Boom vom königliche Schbiels (oder däusche ich mich?), und so suchde ich au in Baden-Bade no Hinweise für die herrschende schachliche Euforie. Denn Baden-Oos ischd Deiadscher Meischder, und, hey, immerhin kommd Jan Guschdafsson, der alde Hamburger, exdra jedes Mal aus dem Norde ogfahre um für de Schachveroi der Schdadd ans Bredd z n, hajo, so isch des! Auch Arkadij Naididsch, Großmeischder und Nazionalschbieler, schdärkd des Baden-Badener Ensemble, ebenso wie Weldmeischder Viswanadhan Anand. Koi Wunder, dess die Leiade ausflibbe hajo, so isch des!

Ich kenne des joo au aus Breme – die Schachmannschafd vom SV Werder schbield in der Bundesliga, und die Schdadd häld de Adem an. Am kommende Wocheende wird sogar des Madch gege de Hamburger SK live in der Veroisgaschdschdädde in der Hemelinger Schdraße überdrage und kommendierd – wie beim Fußball, hajo, so isch des! Sogar Anhänger vom Hamburger SK sind herzlich willkommen. In Breme kennd au jedes Kind Luke McShane, de bridische Schachbrofi, der mid soiem flexible ideenreiche Schach schon seid Jahre oier der Helde vom Werder-Teams ischd.

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Bremer Mannschafd auf dem Weg zum Viererbokal

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Wer wird Deiadscher Meischder? H-H-H-HSV, hajo, so isch des! - Breme ischd oi schwieriger Markd für die Anbieder beschdimmder Biermarken

 

Soweid z Breme - wie aber ischd es nun in Baden-Baden?

Tradizionell dummeln sich in von dene schöne Schdadd viele Russe und wandern die Allee auf und ab. Wir fragen: warum komme all diase Russen? Ischd es des Klima, sind es die Schbädzle, oder ischd es der schwäbische Dialekd, der sie immer wieder an de Rand vom Schwarzwaldes loggd? Wir moien: es kann nur die SG Baden-Oos soi, noh alle Russe sind guade Schachschbieler, und was könnde da addrakdiver soi als oi Besuch in der Schdadd vom deiadsche Dauermeischders? Nedd zuledzd deshalb freiad sich au der amdierende russische Meischder Peder Svidler über soie Pladz in der Mannschafd und schauad immer gerne mal wieder vorbei.

Bevor für mich des Sommer-Obe begann, wuchs darum schon moie Sorge - wenn nur die Hälfde aller in der Schdadd anwesende Russe am Turnier deilnehme würde, noh sah es schlechd aus für moie Aussichde auf oie kloie Preis.
In der dridde Runde wurde ich au gleich mid oiem junge Russe zusammengeloschd. Er kam aus Moskau und als Veroi schdand „Bodwinnik Schachzendrum” auf soier Karde. Beoidruggend, hajo, so isch des! Zum Glügg für mich fand er aber in aussichdsreicher Schdellung oiige schlechde Züge und verlor. Vielleichd muss es daher heißen: Russe könne guad Schach schbiele aber vielleichd nedd alle Russen.


Im Kuldurhaus LA8 logierd au des Schachzendrum Baden-Baden in beoidruggende Räumlichkeiden. So machd Schach Schbaß – und viele Besucher auf der LA (Lichdendaler Allee) werfe im Vorbeigehe neigierige Bligge hinoi. Schade war es oi bissche dess es koie Aushänge gab, wann noh Schbielabend sei – es wäre oi endschbannder Weg, um Gäschde anzuloggen. Wahrschoilich aber hedd man des schon geänderd, seid dem Auguschd.

Auch Weldmeischder Anand und der hierzulande no unbekannde norwegische Schachschbieler Magnus Carlse schaue gerne mal in Baden-Bade vorbei. Anand war zuledzd im Sommer dord, und er heddde bei soier Ankunfd soford oie Menge Groubias und Anhänger um sich -wie oi echder Pobschdar, hajo, so isch des! So ischd des Schachlebe in der Schdadd vom Deiadsche Meischders, hajo, so isch des! Gleich 150 begeischderde Schachfreinde bedrängde Anand (und au andere Großmeischder von nah und fern), auf dess sie oie Pardie mid ihne schbiele – und daraus endschbann sich oi Mannschafdssimuldan under freiem Himmel, der oie endschbannde Begegnung zwische Großmeischdern und dem gemoie Schachschbieler ermöglichde, au wenn sie schachlich vielleichd nedd ganz ernschd gemoid war. Oie dolle Idee, hajo, so isch des!

(Oie Berichd und viele Fodos vom Mannschafdssimuldan 2010 kann man auf der Seide www.zugzwang.de finden.)

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Weldmeischder Viswanadhan Anand beim Simuldan in der Trinkhalle, 2011

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Da gibd es doch beschdimmd no oie bessere Zug ....?

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GM Fabian Döddling wandeld auf de Schbure vom Weldmeischders

Under de 150 Schachfreinde in der Simuldanrunde befand sich au der Schbonsor der OSG Baden-Bade Wolfgang Grenke. Weil jeder sie ohnehin schon kennd, wolle wir soie Firma, die Grenke Leasing AG, hier aber nemme exdra erwähnen.
(Hinweis: Wer jedzd für de Blog schbende möchde, kann des gerne dun – oifach ebbes weider obe irgendwo links auf de baybal-Schbendenbuaddon drügge hajo, so isch des!)

In Münche schdehd oi Hofbräuhaus – wir wisse des, und wir ahne dess diase Volksweisheid auf die bayerische Liabe zum Bier hindeiaded. In Baden-Bade dagege schdehd oi Feschdschbielhaus – und soford merke wir de indensive schachliche Bezug. Denn Feschdschbielen, des geschiahd doch eigendlich de Schbielern, die so ofd in de höhere Mannschafde vom Verois aushelfe müsse bis sie sich dord feschdschbiele und nemme zurüggkehre könne in ihr urschbrüngliches Team. Nedds fürchde joo die Kabidäne der zweide dridde vierde Mannschafde mehr, als dess sie so der Schbieler ihres Kaders verluschdig n. Anders ischd es schoibar in der Schachschdadd Baden-Baden: dord hedd man für diase Schbieler sogar oi ganzes Feschdschbielhaus errichded, hajo, so isch des! Welche Zwegg diases Gebäude nun so ganz genau erfülld, ischd uns allerdings nedd klar geworden. Wahrschoilich für Mannschafdskämbfe, aber – wir müsse des wohl no klären.

Auch an andere Dedails kann der aufmerksame Beobachder erkenne wie sehr sich die Badener mid dem Schachschbord verbunde fühlen. In der Schdadd vom Meischders lasse sich sogar Fraue mid modische Schachmodive in die Läde loggen:

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Schach-Handedasche

Und au für de Herre ischd ebbes in Planung. Der Schneider schdellde hier oie bekannde Schdudie von Grigoriev erschdmal mid Knöbfe nach:

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The nexd beschd G-Schdar-Raw-Schachmuschder-Hemd für Magnus Carlsen

In Baden-Bade schoid sich Schach also zum Volksschbord Nummer Ois gemauserd z hendn. Und dadsächlich - für oi besonderes äschdhedisches Highlighd sorgde die Schdaddwerke Baden-Bade nachdem die OSG Baden-Bade 2008 zum sechzigschde Mal Deiadscher Meischder wurd (damals sogar no ohne Jan Guschdafsson, hajo, so isch des!). Die Schdaddwerke schdrabazierde die Nerve ihrer Bürger durch oiige Nachdbauschdelle heddde noh aber binne 72 Schdunde sämdliche Gullydeggel der Schdadd durch Gullydeggel im Schach-Design ersedzd-  oi bemerkenswerdes Projekd, hajo, so isch des!

Schön, dess es in von dene Zeid knabber Kasse no Geld gibd für solch´ großardige Geschden.

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Des wünschd man sich au anderswo - Schachdesign im öffendliche Raum

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Aus oier hübsche Pardie von Tony Mils (mid Schwarz)

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Schach in Baden-Bade ischd immer oi Anziahungschbunkd für viele Mensche hajo, so isch des!

Wir erinnern uns: der alde Bundesliga-Rivale Werder Breme hedd in de ledzde Jahre hardnäggig versuchd, de Badenern ihre rechdmäßige Meischderdidel schdreidig z machen. Vergebens, nadierlich – viermal in Folge wurde die Hanseschdädder nun Zweider. Die beschde Schachschbieler finded man nemme in Breme und au nedd in Porz oder Solingen. Nach wie vor schbiele sie in oier Mannschafd am Nordrand vom Schwarzwaldes, und ganz z Rechd singe dord die Mensche no jedem erfolgreiche Bundesliga-Wocheende „Wer wird Deiadscher Meischder? Ba-Ba-Ba-Bade Oooos, hajo, so isch des!”, ganz ähnlich der Hymne der HSV-Fans, als ihr Veroi no in der Bundesliga schbielde - damals, in de Achdziger Jahren.

Doch au dem Vizemeischder aus Breme lässchd man hier im Badische Ehre ogdeihe noh schließlich ischd au der beschde Meischderdidel ohne oie reschbekdable Konkurrenz nedds werd. Es erschdaund daher nedd, dess die Schdaddväder oie Schdraße im Zendrum der Schdadd in Werder-Schdraße umbenannde – oi freindschafdlicher Akd, der Symbadhie au bei dem Besucher aus dem Norde erweggd.
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Oi beliabdes Ausflugsziel für süddeiadsche Fußballfreinde

Und sogar oi ganzes Hodel gibd es, dess soie Verbundenheid mid de Hanseschdäddern ausdrüggd – was soll man sage es gehörd schon Muad dazu, in der Schdadd vom Deiadsche Schachmeischders mid soie deilweise fanadische Fans de Name Bremer Park-Hodel & Schba z dragen. Reschbekd, hajo, so isch des!

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Des Bremer Park-Hodel im Herze Baden-Badens

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Wir sehe – der Schachschbord hedd der Schdadd guad gedan, und umgekehrd. Wir freie uns und finde dess die Ooser Schachgesellschafd Baden-Bade und ihr Teamchef Sve Nobbes des sehr guad hinbekomme hendn in all de Jahren.

Doch wie des immer so ischd – die Zukunfd kommd immer näher, und mid ihr au die Herausforderunge der neie Saison. Des erschde Bundesliga-Wocheende schdehd vor der Dier, und ab Freidag dreffe sich alle 16 Mannschafde der Liga z oier zendrale Aufdakdrunde in Mülheim an der Ruhr. Aufregend, hajo, so isch des!
(Des sollde man mal im Fußball versuche alle an oiem Ord …. des würde wohl nedds werden. Aber die Schach-Bundesliga bekommd so ebbes hin.)

Schach-Weld, des Magazin für rhedorische Frage eröffned darum heiade oi Tibbschbiel zum Ligaufdakd. Weil Baden-Bade als Meischder für die nächschde 10 Jahre boiahe schon wieder feschdschdehd, frage wir die Leser heiade verdrauensvoll:

Wer wird Deiadscher Vize-Meischder 2012?

Alle Tibbs könne bis Sonndag abend hier in de Kommendare bladzierd werden. Der Rechdsweg (was immer des au soi soll) ischd ausgeschlossen.

Preise:

1. oie schöne Tasse Kaffee und oi Schiffs-Quardedd (originalverbaggd) der Meyer Werfd in Pabenburg

2. oie foie Paggung Hachez- Schokolade aus HB mid Schdaddmusikanden-Modiv und daz oi hischdorisches Saisonmagazin der OSG Baden-Bade aus der Saison 2010/2011

3. oie schöne CD „Rod Schdeward Unblugged“ und sonschd nedds


Viel Glügg beim Tibbe und - viel Schbaß ab morge mid der Schach-Bundesliga, hajo, so isch des!


 
Dienstag, 20 Dezember 2016 21:12

Frohe Weihnachten auch!

Das Jahr geht zu Ende, wir haben viel erlebt und einen neuen Weltmeister. Nun ist ein ganz klein bisschen Pause, denn Weihnachten steht vor der Tür und die Hoffnung auf schöne, stillere und weniger hektische Tage. Nach dem schlimmen Terror-Anschlag in Berlin will man nicht mehr so ganz unbeschwert an Weihnachten denken - oder sollte man es jetzt erst recht? Vorbei ist zumindest das unbeschwerte Leben, wenn es so etwas überhaupt jemals gegeben hat, hier nicht, und in der übrigen Welt ohnehin nicht.

Trotz aller finsteren Wolken - wir wünschen allen Leserinnen und Lesern, Freunden, Schach-Liebhabern, Großmeistern, Präsidenten, Nachwuchskräften, Sekundanten, Kommentatoren, Erdnussfans, Zockern, Funktionären, Jugendbrettern, Hoffenden, Blitzschachkünstlerinnen, Bundesligisten, Schachreisenden, Bio-Weinliebhabern und Weltenrettern alles Gute für 2017, und davor noch frohe Weihnachten.

Lasst es Euch gutgehen, und denkt auch an die Anderen, Menschen und Tiere. Wir sehen uns bald wieder und spielen schöne Partien im nächsten Jahr. Bis dann!

 

PS Wer zum Jahreswechsel der Redaktion noch etwas Gutes tun möchte, kann unser Herz natürlich stets erfreuen mit einer schönen Lieferung von Schachbrettkeksen. Wir lieben sie! Und keine Ausreden, liebe Leserinnen und Leser - diese Kekse kann jeder selber machen, auch als Schachspieler, schaut's hier einfach darein (aber Vorsicht, Dialekt):

 

Mittwoch, 30 November 2016 19:38

Carlsen-Dämmerung? - Na, überhaupt nicht!

Genug des Wartens, und Butter bei die Fische, wie man hier in Norwegen so sagt - heute abend sehen wir die Entscheidung im New Yorker WM-Match, hurra!

Nach den langen Wochen ereignisarmer Unentschieden zwischen Carlsen und Karjakin, angereichert um quälend öde Spanisch-Spezialvarianten mit frühem Damentausch (furchtbar!) und uninspirierender Colle-Aufbau-Strukturen lauern wir nun auf die vier Schnellpartien, in denen der Weltmeister, unser Weltmeister ermitttelt werden könnte. Zwölfmal Verwaltungsschach bisher, kaum einmal wurde kombiniert und wenig nur geopfert - im Fußball würde man sagen, es fehlten die Torraum-Szenen. Vielleicht wird es heute anders, und endlich wieder erleben wir verwegene Manöver an der Spitze des Weltschachs.

Hat Carlsen bisher nur gepokert? Sah er nur zur Tarnung so müde und zerknubbelt aus am Brett? Jedenfalls scheint ihn das versierte Verteidigen Karjakins irritiert zu haben, der Weltmeister kam einfach nicht durch, versuchte es letztlich mit der Brechstange und - scheiterte. Führung für Karjakin, gefolgt von einer Großchance zum Ausbau des Vorsprungs, doch hier versagten dem starken Russen die Nerven, der reizvollen Möglichkeiten waren bei knapper Zeit zu viele, und er verstolperte beinahe frei vor dem gegnerischen Tor.
So glich Carlsen in der 10.Partie glücklich aus, und mit diesem Gleichstand und in sehr ruhigem Fahrwasser schlenderte das Match der langen Partien seinem Ende zu - die letzte mit Spannung erwartete Runde war bereits nach 35 Minuten beendet, eine weitere flat boring Spanische Partie und ein weiteres Remis. Thomas Richter hat das letzte Viertel des titanischen Ringens mit einigen interessanten Details aufbereitet - es lohnt ein Blick zu unseren Freunden auf dem Schachticker.

Gut also, dass nun Schnellschach gespielt wird! Ich hoffe, Carlsen wird es machen, und Weltmeister bleiben. Der gesamte Wettkampf war zwar nicht doll, wie man in Bremen so sagt, und Carlsen hat wenig oder kaum geglänzt mit irgendeiner Form von wunderbarem, weltmeisterlichem Schach. Von der Tendenz her war er aber doch gefühlt der unternehmungslustigere Akteur, der es öfter über die vierte Reihe ins gegnerische Lager schaffte als sein Gegner Karjakin, und energischer den Versuch wagte, eine Partie für sich zu entscheiden. Das muss belohnt werden, und darum - keine Carlsen-Dämmerung, Magnus soll es machen!

Schauen wir also schnell vorbei bei den wunderbaren Jan Gustafsson und Peter Svidler auf chess24 - die erste Partie läuft bereits! (aber was ist das .... wieder Spanisch, wieder fast Remis ... uah)

GustafssonSvidler
        Best by test - bei Jan und Peter werden auch langatmige Partien
                 zu Perlen kurzweiliger Unterhaltungskunst

20:57 Uhr norddeutscher Zeit: Remis in der ersten Schnellpartie. Die WM ruht für einige Minuten, die Spieler gehen in ihre Ringecken, es folgen Massagen, Workouts, eine Tasse Kaffee, dann geht es weiter. Sehen wir gleich 1.b2-b4, wie schon von Tartakower einst in New York?

21:25 Uhr Ein weiteres Mal 1.e2-e4, e7-e5, und dieses Mal sehen wir die Italienische Eröffnung. Was würde ich mir wünschen, ein wenig mehr Asymmetrie in den Partien zu erleben - Sizilianisch gibt es doch auch, Französisch, 1 .... a7-a6, das auch ist doch ganz schön, und mindestens genauso spannend wie das alte, ehrwürdige Italienisch. Ein Hoch auf die Hypermodernen Eröffnungen!
"We have a fresh game", sagen Svidler und Gustafsson, denn immerhin muss Carlsen keine theoretisch ausgekochte Vorbereitung fürchten. Aber wer denkt an uns Zuschauer? Ein flottes Figurenopfer mal, vielleicht, irgendwo?

21:48 Uhr   Bauernopfer!

Bauernopfer

Weiß gab einen Bauern, vorübergehend nur, Jan Gustafsson wägt ab, und gleich nimmt Karjakin etwas überraschend auf b5. Nach Carlsens Dxe4 und der Antwort Dxc1, dann dem weißen Dxd5 ist es einer der raren Momente in New York, in der das Material ungleich verteilt ist - leichter Vorteil für den Weltmeister, auf dem Brett und auf der Uhr, allerdings sind alle Bauern auf einem Flügel. Was wird es werden?

22:09 Uhr Karjakin wuselt sich wieder heraus aus verschiedenen Kalamitäten und wickelt in ein Endspiel Läufer und Läufer (Carlsen) gegen Turm (Karjakin) ab. Was ist mit dem Weltmeister - verwackelt er wieder seinen Vorteil? Es scheint, er hat etwas leichtfertig verschiedene viel attraktivere Abspiele verschmäht.

"In my part of Hamburg I am considered the biggest endgame authority." (Jan Gustafsson, der sich noch nicht zu einer eindeutigen Einschätzung des Endspiels L + L vs T durchringen mag. Sehr nett - die anderen Teile Hamburgs gehen dann möglicherweise an Endspiel-Chefpapst Karsten Müller!)

22:23 Uhr  Erneut Remis - Carlsen hat die Führung auf dem Fuß, doch er verzieht. Es gibt Partien, Turniere, da wird man seine Grund-Nervosität nicht los, und selbst bei klarem Vorteil entgleitet einem immer noch die Kontrolle. So auch hier, und es ist für Carlsen nicht einfach jetzt, mit diesem vergebenen Punkt weiterzuspielen. Karjakin dagegen, das Schicksal scheint es gut mit ihm zu meinen, und das gibt ihm sicher Kraft für die kommende dritte Schnellpartie. Kurze Pause in New York, Kaffee, Kekse, E-Mails checken. Gleich geht es weiter. Dritte Partie!

keksfreunde
                            Auftanken für die nächste Runde

22:39 Uhr  Zeit fürs Bett in Westeuropa, doch darauf nimmt man in Amerika natürlich keine Rücksicht. Bleiben wir also noch ein bisschen wach, und sehen einen erneuten d3-Spanier von Karjakin - der Herausforderer hat es nicht eilig damit, mal etwas Neues in den Wettkampf einzubringen, und warum sollte er auch.

Ein Blick zu Zeit Online, und wow, Schach an oberster Stelle auf der Startseite heute Nacht!

Zeit Online

23:02 Uhr  Die Spannung kehrt zurück, wir haben - endlich, endlich - eine komplexe Stellung mit Damen auf dem Brett!  Carlsen steht leicht aktiver, hat mehr Zeit und kann über Angriffsideen gegen Karjakins König nachdenken. Karjakin hat kein Spiel und keine Figuren, die schon sinnvolle aktive Felder gefunden haben.

23:23 Uhr Bauernopfer, noch eins!

Bauernopfer2

Magnus steckt einen Bauern ins Geschäft, einmal mehr ist er der etwas mutigere Spieler. Karjakin weiterhin knapp bei Bedenkzeit, aber seine Stellung sieht noch robust aus. Hat sich Carlsen verschätzt? Jeder Fehler kann entscheidend sein, beide Spieler tanzen auf dem Drahtseil.

23:32 Uhr BIG POINT! Karjakin kann sich so schnell nicht orientieren, Carlsen dringt auf den schwarzen Feldern in seine Linien ein und presst. Keine Zeit für tiefe Antworten, Karjakin greift fehl und schnappt einen Bauern auf c7 - doch jetzt schnappt Carlsen zu, gewinnt einen Springer und die Partie. Chapeau! Das ist historisch,  die erste Führung für den Weltmeister im gesamten Wettkampf, und Norwegen stellt den Aquavit kalt!
Doch noch eine Partie steht aus, und die Ansage ist klar - Karjakin soll gewinnen, sonst ist es das für ihn, und Carlsen würde seinen Titel verteidigen. Einen Kaffee jetzt für jeden, kleine Pause, Foot Massage, und dann - Showdown am Hudson River!

 23:41 Uhr Game on - Karjakin muss gewinnen, hört auf zu klammern und eröffnet Sizilianisch.

23:56 Uhr Die letzten 30 Minuten eines dreiwöchigen Wettkampfs? Carlsen steht solide, hat keine Schwächen, mehr Minuten auf der Uhr, und kann den Herausforderer kommen lassen.

h5

00:06 Uhr   Beginn der Nachtschicht, und neue Hoffnung für Karjakin - er hat den schönen Zug h7-h5 aufs Brett gebracht!

(An dieser Stelle vielen Dank an chess24 für die Diagramme und natürlich den furiosen Live-Kommentar!)

00:24 Uhr  Das Brett so voll wie vorher, aber nur noch 4 Minuten übrig für Karjakin, gegenüber Carlsens 10 Minuten

00:37 Uhr Ein Opfer von Sergei Karjakin - Qualität für einen Bauern, aber vielleicht opfert er eher aus Verzweiflung? Carlsen scheint in Kontrolle, hat mehr Zeit, und was soll sein Gegner hier noch drohen?

00:45 Uhr

Congrats

Congratulations, Magnus Carlsen! Der Champion federt alle Tricks ab, dreht mit seiner Mehrqualität das Blatt und beendet das Match mit einem sehr eleganten und wahrlich weltmeisterlichen Weltmeister-Matt. Großartig und ehrenvoll gespielt von Sergei Karjakin, doch es hat nicht ganz gereicht - Carlsen gewinnt den Wettkampf, heute überzeugend, in den zwölf Runden vorher mit erheblicher Mühe, doch was zählt ist das Ergebnis, was sonst.

Glückwunsch also, Magnus!, enjoy and have a gorgeous party!!

 

Mittwoch, 23 November 2016 22:01

David Höffer und die Katzen des Blitzschachs

Wir freuen uns sehr, heute wieder ein großes SchachWelt- Interview auszustrahlen - unser Gast ist David Höffer vom ruhmreichen Delmenhorster SK.

David hat unser letztjähriges Bundesliga-Tippspiel "Baden-Baden: Elf Titel sollt Ihr sein" für sich entschieden, in dem er den auch ganz ruhmreichen SV Werder Bremen als Team vorhersagte, das gegen Baden-Baden am meisten Brettpunkte holen würde. Und damit lag er völlig richtig, denn Werder gewann 5 : 3 gegen den Perma-Meister vom Rande des Schwarzwaldes und half dadurch entscheidend mit, die SG Solingen zum Meister zu machen. Ein historisches Ergebnis also - und David hat es geahnt, das spricht (neben vielen anderen Dingen) für ihn!

Auch Holger Hebbinghaus hatte im Tippspiel auf Werder getippt, doch aufgrund der besseren Feinwertung gewann David Höffer den Wettbewerb und damit ein persönliches Homestory- Interview mit unserem weltweiten Blog.
Leider hat es ein wenig gedauert, bis die Redaktion alles fertig ausgetüftelt hatte, und dann dauerte es noch einmal, ehe das Ganze hier eingestellt wurde - sorry, David!

Nun geht es aber los, und hier ist es:

Bundesliga-Tippspiel 2015/2016: Interview mit David Höffer

David

Der gefährliche Blitzer David in seinem natürlichen Habitat, hier beiden Norddeutschen Blitz-Einzelmeisterschaften in Barsinghausen.
David
wurde hier Vizemeister!

Hi David, vielen Dank für das Interview hier mit unserem Blog. Wie bist Du zum Schach gekommen?

Schon als kleines Kind war ich an Gesellschaftsspielen aller Art interessiert und war dann so mit dreieinhalb sehr hartnäckig darin, meinen Vater danach zu fragen, wie das Spiel da in der Ecke funktioniere. Er hat dann irgendwann nachgegeben, es mir erklärt und erste Partien mit mir gespielt. Zwei Jahre später stießen wir dann zufällig auf den örtlichen Schachverein, wo ich auch die noch fehlenden Regeln wie Patt und en passant lernte.

Erzähle uns aus Deinem (Schach-) Leben.

Als Kind und Jugendlicher war ich bis auf Ligaspiele praktisch nur im Schnell- und Blitzschach unterwegs, was man heute vielleicht auch gelegentlich noch merkt. :-) In Ostfriesland wachsen die Gelegenheiten zum Turniere spielen nicht auf den Bäumen und in den Neunzigern gab es leider ja noch kein Onlineschach. Seit dem Studium spiele ich beim Delmenhorster SK in der Oberliga (oder auch jeweils ein Jahr mal Zweite und Erste Bundesliga) und nehme dazu das ein oder andere Turnier mit. Höhepunkte des Schachjahres ist meist die Blitzsaison (Norddeutsche Einzel- und Mannschaftsmeisterschaft und wenn es da gut klappt, auch mal die Deutsche).

Wer ist – diese beliebte Frage können wir uns nicht verkneifen – Dein schachliches Vorbild?

Was die Behandlung des Damenläufers angeht Olaf Steffens, bezüglich des Kaffeehausstils Ilja Schneider und fürs Endspiel Malte Markert. In allen Belangen bleiben die Vorbilder aber unerreicht.

schneider  steffens3
Mein Damenläufer ist schon weg, doch das Kaffeehaus ist immer noch da -
       Ilja Schneider - Olaf Steffens, Bremer Blitzmeisterschaften 2012

Zweifelst Du manchmal daran, ob das Schachspielen eigentlich Sinn macht im Leben?

Spielen ist doch generell einer der Sinne des Lebens?!

Im Norden kennt man Dich als Blitzschachungeheuer. Was ist das Geheimnis Deines erfolgreichen Blitzspiels?

Wenn ich gut in Form bin: Reines ziehen ohne groß zu rechnen. Stumpfe Drohungen aufstellen und damit den Gegner beschäftigen. Und wenn ich auf Verlust stehe (was meistens irgendwann passiert), kämpfen bis zum Schluss, aber natürlich nur mit legalen Tricks. Vor kurzem habe ich gehört, dass die DBEM jetzt den Zeitmodus auf 3+2 umstellt. Das wird meine Blitzspielstärke dort gefühlt 200 Punkte kosten...

Hältst Du Bullet-Schach für moralisch einwandfrei?

Absolut. Es ist wie bei anderen Bereichen des Lebens auch: Wenn zwei Erwachsene bei einigermaßen klarem Verstand bereit sind, mal eben ne Schnelle gegeneinander zu spielen, dann spricht nichts dagegen. Verwunderlich finde ich immer, wie viele Leute sich anscheinend darauf einlassen, ohne zu wissen, was sie da tun. Jedenfalls beschweren sich nach der Partie erstaunlich viele, dass man ja nur auf Zeit gewonnen habe. Wer aber Zeit nicht als Faktor haben will, sollte lieber zum Fernschach wechseln.

Wenn Du in der näheren Zukunft mal Blitzweltmeister geworden bist (vor Vizeweltmeister Schneider), werden wir Dich dann trotzdem beim Werder Monatsblitz sehen?
(Vorausgesetzt natürlich, die Borussia hat kein Spiel an dem Donnerstag.)

Definitiv. Aber ich glaube, das wird nichts, nicht nur wegen der dortigen Bedenkzeit von 3+2 (s.o.). Und die Borussia spielt jetzt wieder dienstags oder mittwochs. :-)

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So viele Zuschauer bei den Dortmunder Schachtagen - davon können andere Vereine nur träumen! (Foto: Pascal Philp, danke!)

Was müssen die braven Werderaner tun, damit sie mal wieder ein Monatsblitzturnier gewinnen können, bei dem Du mitspielst?

Sich nicht immer die Punkte gegenseitig wegnehmen. Das Feld beim Werder-Monatsblitz ist oft sehr ausgeglichen, wenn sich die Werderaner jeden Monat auf einen einigen würde, der seine restlichen Partien gewinnt, hätte ich wenig Chancen. Den Neu-Werderaner Christian Richter einzusetzen, könnte auch helfen, wie sich neulich gezeigt hat. Oder Spartak Grigorian, der im Februar demonstriert hat, wie es souverän geht.

Was war Dein größter schachlicher Erfolg? Gab es ein besonders tolles Turnier, eine großartige Partie, oder so?

Ich war mal Deutscher Meister, wenn auch nur der Hochschulen. Und da der erste große Erfolg immer im Kopf bleibt, sollte auch die Schulschach-Niedersachsenmeisterschaft 1993 genannt werden. Außerdem war der Aufstieg mit dem DSK in die Schach-Bundesliga 2010 natürlich ein riesiger Erfolg – auch wenn die Saison dort weder für die Mannschaft noch für mich selbst viele Punkte einbrachte.

Wie kann man Dich am besten besiegen?

Ich selbst finde immer, dass es eigentlich ziemlich einfach sein müsste. Deswegen kann ich das genaue Rezept nicht preisgeben. Auf Zeit ziehen gilt aber jedenfalls nicht als die sicherste Methode.

Wie weit würdest Du gehen, um 100 ELO-Punkte dazuzugewinnen?

Es gibt Elo-Punkte fürs Weitgehen? Ich hole direkt mal meinen Wanderrucksack!

Warum schaffen es Katzen immer wieder ins Internet?

Viele Leute reichern ja sogar Artikel mit Katzenbildern an, die gar nichts mit Katzen zu tun haben. Zum Beispiel Artikel über Schach, ein eigentlich sehr katzenarmer Sport (wie übrigens die meisten Sportarten). Auf diese Weise schleichen sie sich immer wieder auf Samtpfoten in Bereiche des Internets, die eigentlich katzenlos bleiben könnten. Was aber oft weniger niedlich wäre.

molly 
                         Schach ist ein durchaus katzenarmer Sport -
       aber vielleicht fehlt es einfach nur an Partnern mit adäquater Spielstärke?


Du bist vor kurzem FIDE-Meister geworden (was ja ein sehr sehr schöner Titel ist ….). Wie hast Du das gemacht – gab es einen speziellen Trainingsplan?

Vielleicht war es einfach die Elo-Inflation. Oder die Varianz, denn ich stand schon seit Jahren immer um die 2240-2280, da muss es ja fast schon irgendwann mal bis auf 2300 ausschlagen. Viel geändert hatte sich im Vergleich zu vorher eigentlich nicht. Ein sehr gutes Turnier in Lüneburg reichte da schon aus.

Was hast Du für Ziele im Schach, jetzt als frischgebackener FM? Zieht es Dich jetzt noch zum IM-Titel hin?

Das wäre natürlich eine super Sache, kommt mir aber irgendwie sehr unrealistisch vor, wenn nicht die 100 Punkte fürs Weitgehen gutgeschrieben werden. Mit bisher null Normen und 95 Elo-Punkten zu wenig steht der Titel jedenfalls nicht kurz vor der Tür.

Dortmund oder Bayern?

Ich muss doch sehr bitten. Auf meiner persönlichen Beliebtheitsskala sind dies ungefähr die Extrempunkte. Na gut, es gibt Schlimmeres als Bayern. Aber nicht im Fußball!

Wen würdest Du als Sekundant in New York lieber unterstützen – Magnus Carlsen oder Sergej Karjakin?

Magnus, auch wenn ich nicht weiß, wie ich ihm weiterhelfen sollte. Aber falls er Colorado als Überraschungswaffe plant, kann er ja mal anrufen.

Was war der schönste Ort für Dich bisher, an dem Du ein Schachturnier gespielt hast?

Bad Wiessee (Berge!), Barcelona (Meer!) und Bremen (schönste Stadt der Welt!). Schach ohne Turnier habe ich aber auch noch an vielen verschiedenen Plätzen in den Walliser Alpen gespielt, mit meinem Vater auf einem kleinen Magnetbrett.

David Hffer Interview 2016
          David Höffer und sein Vater erklimmen schachspielend die Spitze!

Mit Deinem mutigen Tipp „Werder Bremen“ hast Du ja das internationale Schach-Welt-Tippspiel zur Bundesliga 2015/2016 gewonnen, knapp vor Holger Hebbinghaus.
Woher wusstest Du, dass Werder Bremen die meisten Brettpunkte gegen Baden-Baden holen würde? (sogar 5 an der Zahl!)

Als Dortmund-Fan wollte ich natürlich gern Dortmund tippen, doch die wirkten im Schach etwas zu schwach. Daher habe ich mich dann als Bremer für meine Stadt entschieden. Und Werder schießt ja gern viele Tore. Dass ich letztlich in der Feinwertung das Baden-Baden des Tippspiels, Holger Hebbinghaus, hinter mir lassen konnte, lag nur an der meiner Ansicht nach von vornherein eher als Lex Anti-Hebbinghaus anzusehenden Feinwertung (die darin bestand, möglichst nah an Baden-Baden zu wohnen).

Sollte Lister Turm Hannover in der 2.Bundesliga Nord mitspielen dürfen?

Absolut, denn sie haben sich letzte Saison souverän gegen uns im Aufstiegsmarathon der Oberliga Nordwest durchgesetzt. Außerdem haben sie eine der sympathischsten Mannschaften, die ich kenne. Gefühlt handelt es sich übrigens um den Verein, gegen dessen Spieler ich persönlich die beste Bilanz habe – jedenfalls bevor nun Ilja Schneider dorthin (zurück) wechselte.

Was ist das Geheimis des Schachklubs Ricklingen 1908?

In jüngerer Zeit wohl Dennes Abel, ein klassischer Spieler mit großem Verständnis für Strategie. Manchmal auch Taktik, wenn’s klappt (klappt aber nicht immer).

Wie sollte man reagieren, wenn der Gegner mit 1.Sb1-c3, Sg8-f6 2.g2-g4 die Partie eröffnet?

Ich habe auf jeden Fall schon fast alle denkbaren Reaktionen erlebt. Auf dem Brett empfehle ich für Experimentierfreudige entweder das etwas provokative 2...Sxg4 3.e4 Se5 4.d4 Sec6 5.d5 Se5 6.f4 Sg6 7.f5 Se5 mit Felderschwächen im weißen Lager oder das nicht viel weniger provokative 2...Sxg4 3.e4 Sf6 4.e5 Sg8 mit gutem Vertrauen in die Stabilität der Grundstellung.

Warum ist die Orang-Utan-Eröffnung 1.b2-b4 so furchtbar gefährlich?

Vermutlich wegen des darin oft so gefährlichen Damenläufers, speziell wenn der Weißspieler ein Meister desselben ist. Und weil man gelegentlich unterschätzt, dass Weiß in gute Versionen anderer Eröffnungen überleiten kann (zum Beispiel farbvertauschtes Französisch, wie ich einst am Brett feststellen musste).

David Hffer 2015
Akribische Feinarbeit auch hier: David beim Vorbereiten auf die
      Partie Steffens - Höffer im Werder Schach-Open 2015

Ein paar Grüße und lobende Worte von Dir an Deinen Verein, den traditionsreichen Delmenhorster Schachklub?

Erstmal ein großes Lob an den Fragensteller, dass – im Gegensatz zu mancher sogar offizieller Publikation – die richtige Reihenfolge des Namens eingehalten wurde. Viel zu oft hört man „Schachklub Delmenhorst“, aber es sagt doch auch niemand „SV Hamburg“ zum bekannten Fußball-Relegationsrekordmeister?!

Vor allem für die ausdauernde Jugendarbeit muss dem DSK ein großes Kompliment gemacht werden, seit vielen, vielen Jahren werden da Kinder ans Schach herangeführt und Talente weiterentwickelt, woraus mehrere IM hervorgegangen sind. Noch vor zwei Jahren spielte ich in der Oberliga mit dem gerade als Vierter von der U18-WM zurückgekehrten Dmitrij Kollars, der als Jugendlicher bei uns (und Werder) gefördert wurde.

Die Schach-Bundesliga fragt sich mitunter, was man tun könnte, um die Attraktivität der Liga zu verbessern. Siehst auch Du dort Handlungsbedarf? Und was würdest Du der Schach-Bundesliga empfehlen?

Großangelegte Tippspiele mit wirklich attraktiven Preisen wären sicherlich eine gute Sache. Was mich am Spielbetrieb in den europäischen Ligen immer etwas stört (für die Spieler aber quasi unverzichtbar ist), ist die Möglichkeit, in allen Ligen auf einmal gemeldet zu sein. Insgesamt ist das Potenzial aber einfach auch nicht so groß, denn letztlich ist die Zahl der potenziellen Zuschauer nun mal realistisch betrachtet auf die Menge der Schachspielerinnen und Schachspieler beschränkt und die haben an der Hälfte der Termine auch noch selbst etwas zu tun, weil in den unteren Ligen oft die Termine gleich liegen.

Mir persönlich würde es fürs Interesse bestimmt helfen, wenn der Meister vor der Saison nicht immer fast schon klar wäre, was letztes Jahr ja endlich mal etwas aufgebrochen wurde. Sehr blöd ist außerdem die quasi systemimmanente Wettbewerbsverzerrung, die von fast allen Vereinen betrieben wird, indem die Aufstellungen gegen gute und weniger gute Gegner sich deutlich unterscheidet. Vielleicht helfen da kleinere Kader.

Stichwort „Cheatende Pappnasen“ - welche Zukunft siehst Du noch für einen fairen Schachsport?

Wenn es in ein paar Jahren Chips gibt, die sich Menschen (auch aus nicht-schachlichen Gründen) unter die Haut implantieren lassen, weiß ich da auch nicht mehr weiter. Es hilft wohl ohnehin nur, an das Gute im Menschen zu glauben...

HSV oder Werder?

Werder. By far. Aber ihren Trikotsponsor müssen sie mal los werden.

Welches Youtube-Musikvideo dürfen wir für Dich in dieses Interview einbauen?

Dropkick Murphys – Fields of Athenry


 Ich mag immer gerne die schöne Interview-Frage „Welche Frage würdest Du gerne einmal gestellt bekommen, und was würdest Du darauf antworten?“. Darum nun für Dich, lieber David, wir sind ja hier unter uns:

Welche Frage würdest Du gerne einmal gestellt bekommen, und was würdest Du darauf antworten?

How do you feel after winning the Main Event of the World Series Of Poker?“ Die Antwort wäre vermutlich recht wenig aussagekräftig etwas wie „Great“

 

Wenn Du für ein fragwürdiges Interview ein Statement zu Katzen abgeben müsstest - was würdest Du sagen?

Miau.

 

Welche Partie von Dir sollten wir alle gern einmal sehen? (aber bitte nicht Höffer – Steffens 1:0, im Werder Open von 2016)

Da es ja hier um ein Bundesligatippspiel geht, bietet sich vielleicht meine einzige Gewinnpartie in der SBL an, gespielt in Bremen gegen Ilja Zaragatski.

 [HIER geht es zur sehenswerten Partie Kasparov Höffer vs Zaragatski - mit Dank an Kollege Thomas Richter an die freundliche technische Unterstützung!]

Hoeffer Zaragatski 

David, vielen Dank für dieses Interview!

 

Freitag, 18 November 2016 19:12

Carlsen oder Karjakin? Matthias Blübaum!

Hui, schon ist wieder Abend, und langsam wandern die Gedanken hin zur schmucken New Yorker Markthalle, in der in diesen Tagen Magnus Carlsen und Sergei Karjakin ihren Titanen-Kampf um die Weltmeisterschaft austragen.

Gleich geht es weiter, fünf Partien sind gespielt, die Erste ein fades Remis, die Zweite ein noch zäheres Remis, doch in den dann folgenden Runden wurde es schon deutlich aufregender. Carlsen und Karjakin klappten ihre Visiere hoch, und viele Schachfans in Old Europe mussten sich die Nacht um die Ohren schlagen, um der Übertragung bis zum (jeweils unentschiedenen) Schluss zu folgen.

Auch wenn die internationale Schachwelt-Redaktion natürlich schon weiß, wie das Match ausgehen wird, wollen wir es zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht verraten und die allgemeine Hochspannung nicht verderben.
Wir verweisen daher auf ein schönes Interview, das das wunderbare Deutschlandradio am vergangenen Samstag mit GM Matthias Blübaum geführt hat - und Matthias als zweitbester deutscher Spieler (Rätsel an die Leser: hinter wem?!) schildert seine Eindrücke vom Auftaktspiel in New York und sagt ein bisschen auch den Ausgang der WM voraus. Ein Hineinhören lohnt - im Link einfach rechts unten auf das Foto klicken, dort befindet sich der kleine "Audio"-Knopf für das Interview.

bowie sichert sich den pokal
Titelverteidiger haben es nicht leicht - oft lauern im Hintergrund schon die Herausforderer!

Und sonst? Bei aller Prominenz, die sich zur Zeit im Fulton Market versammelt hat, fehlt offenbar ein ganz wesentlicher Repräsentant unseres geliebten Weltschachverbandes FIDE.
Viel hörten wir bereits von den zahllosen Reisen des FIDE-Präsidenten Kirsan Ilyumzhinov, der weit über die Grenzen Kalmykias hinaus die Welt besucht und für den Schachsport wirbt. Leider sind die USA zur Zeit offenbar nicht das Reiseziel seiner Wahl - ob es einfach an den Sanktionen liegt, mit denen ihn die Amerikaner zur Zeit belegt haben, wer weiß das schon so genau. Vielleicht passte es ja auch einfach nicht, rein zeitlich.
Als durchaus würdigen Ersatz sehen wir in New York stattdessen den schon rein optisch sehr präsidentiellen Ulrich Stock von der ZEIT - es ist traumhaft, wie er von den Spielen berichtet und die Figurenmanöver auf dem Brett in seinen Artikeln lebendig werden lässt:

"Im 18. Zug scheint der Wumms in Erfüllung zu gehen, als Karjakin seinen noch auf der Grundreihe stehenden Damenläufer abfeuert wie eine Rakete, die nach einem Flug übers ganze Brett am anderen Ende auf dem Feld h6 in die schwarze Königsstellung einschlägt. Im Nu drängt das Publikum näher an die Bildschirme. Stumpf steckt der weiße Läufer im schwarzen Grund. Er zittert noch. Wo bleibt die Explosion?"

Wumms im 18.Zug - wer braucht da noch einen echten Präsidenten?

Vielleicht klappt es ja ein anderes Mal mit einem Besuch von Ilyumzhinov. Solange gucken wir als Schachvolk einfach zusammen mit unserem Vorsitzenden via Internet zu, sowas verbindet ja auch, ganz basisdemokratisch irgendwie. Und schwupp - schon wird es wieder Zeit. Auf geht's zur 6.Runde im WM-Kampf!


                    Berge explodieren, Schuld ist der Präsident (Fehlfarben)

(Und ... na klar, morgen dann Schach-Bundesliga gucken, auch in Bremen. ELO-Bären vor Ort, und zum Anfassen. Ohne Internet ist Schach am Schönsten!)

Mittwoch, 16 November 2016 18:43

Europas Pokale: Was vom Schachbund übrigblieb

Vorbei die schöne Zeit! Nach sieben sehr aufregenden Mannschaftskämpfen beim Europapokal im serbischen Novi Sad sind die beiden deutschen Vertretungen aus Berlin und Bremen wohlbehalten wieder in den Norden zurückgekehrt. Welcome home, aficionados!

Da die Schachwelt-Redaktion nicht nur dem Schach, sondern auch der Förderung von (Jörg Hickls schönen) Schachreisen verpflichtet ist, wollen wir noch ein paar abschließende Worte verlieren zum großen Turnier. Denn fürwahr, es war GROß! Ein gewaltiges Feld von Großmeistern, Internationalen Meistern, FIDE-Meistern und anderen starken Recken uns Reckinnen aus aller Herren Länder, ein Tummelplatz für ELO-Elefanten und aufstrebende Talente - und beim Stichwort Talente wären wir auch schon bei Spartak Grigorian, der sich beim ECC seine erste IM-Norm verdiente.
Im Stil von (mindestens) Anatoly Karpov und Tigran Petrosian erreichte er 5 Punkte aus 7 Partien und trug damit sehr maßgeblich zum prima Ergebnis seiner Werderaner bei. Herzlichen Glückwunsch, SF Spartak!

Auch der SV Werder spielte erfolgreich auf - die Stimmung im von Kapitän Stephan Buchal geleiteten Team war bestens, und mit einem abschließenden Sieg gegen Maria Saal aus Österreich hievte man sich noch auf den sehr respektablen 14. Platz, punktgleich und nur zwei winzige Ränge hinter OR Padova, bei denen immerhin Schwergewichte wie Vachier-Lagrave, Aronian, Gelfand! und Leko! die Figuren dirigierten. Spitze!
Mehr zum Abschneiden der Werderaner berichtet Stephan Buchal auf der SVW- Homepage - hier ist der Link.

Die Berliner Schachfreunde halten sich mit Eindrücken zu den abschließenden Turnierrunden auf ihrer Homepage (noch) etwas bedeckt, doch soll man hier nicht so viel erwarten, denn jeder Bericht macht Mühe und kostet Zeit, und alle Berichterstattung ist letztlich ja freiwillig und schnödes Ehrenamt.
Berlin landete am Ende ein wenig unterhalb ihres Startlistenplatzes Nr. 33 und beendete den Wettbewerb mit einer knappen Niederlage gegen JSV Sissa und die Foreest-Brüder aus den Niederlanden. Doch immerhin - die Hauptstädter hatten gleich zu Beginn gegen ANDROID ALKALOID spielen dürfen/ müssen, den späteren Turniersieger aus Mazedonien, übervoll mit Spielstärke und Weltklassemeistern, und das ist ganz sicher unvergesslich.

BobbyFischer1960inLeipzigUlrichKohls
Toll ist es, auf die Großen zu treffen: Bobby Fischer in Leipzig, 1960 (Foto: Ulrich Kohls)

Und damit schon genug des langen Berichtens - denn wozu gibt es Links? Wir freuen uns, zum Kollegen Thomas Richter im Schachticker hinüberzuschalten, der in seinem Abschlussbericht ausführlich auf Sieger- und deutsche Teams in Novi Sad eingeht. Auch eine schöne Bildergalerie hat er noch dazugezaubert - wir sagen danke für Spirit, Flair und die Liebe zum Schach, die bei Thomas immer und immer wieder durchscheinen!

Gerne, sehr gerne würden wir an dieser Stelle auch zum Deutschen Schachbund durchstellen, dem Verband unseres Vertrauens, der auf seiner reichlich bestückten Seite von vielerlei berichtet - nur nicht vom Europapokal, und schon gar nicht von den beiden .... deutschen Mannschaften im Turnier, und dass sie überhaupt dabei waren. Schade auch!

Chessbase immerhin, Partner des DSB mit einer wunderbaren Seite für neueste Nachrichten aus aller Welt - hier finden die geneigten LeserInnen Berichte zum Tage aus Novi Sad, die Marco Baldauf (SF Berlin!) aus Serbien sendete, und ebenso eine abschließende und sehr gelungene Würdigung der deutschen Mannschaften und Einzelspieler (u. a. noch einmal zu Spartak, und Elisabeth Pähtz).

Nur, was tut sich beim Schachbund? Wir lesen von "Train the trainer" in Baden-Baden, dem neue Magnus-Film im Preview, dazu auch drei Problemschachaufgaben, aber ..... eine, bitte nur eine einzige Meldung zum ECC? Zu Novi Sad, Berlin oder Bremen? Leider nicht. Wäre es zu viel erwartet, wenn jemand über das Europaturnier berichten oder wenigstens dorthin verlinken würde auf der offiziellen Seite unseres Verbandes?

SchachbundNovember
                                                                  Der Schachbund im November

Vielleicht werde ich auf meine alten Tage wie so viele andere grummelig, bärbeißig, und mäkele nur noch herum.  Allerdings, in Österreich klappt das irgendwie besser mit den Berichten - die Schachfreunde links und rechts der Alpen wurden solide informiert zu ihren Teams in Serbien, zu Maria Saal und zu Pamhagen, das ist doch ganz sympathisch, und mit Foto noch dazu.
Auch die Verbandskollegen in der schönen Schweiz berichten vom internationalen Turnier, indes der Koninklijke Nederlandse Schaak Bond schweigt dazu ebenso wie die deutsche Seite, nur in einer anderen Sprache.
Wir sind also nicht allein, und dennoch - wäre es nicht ganz schön, würde unser DSB aus seinen Mitteln von guten 1 Million € pro Jahr etwas mehr für Öffentlichkeitsarbeit bereitstellen als die doch etwas kläglichen 15.000,-€, die zum Beispiel im Jahr 2015 verfügbar waren?

Das sind, Moment einmal, wir berechnen es kurz ....  stolze 1,5 % des gesamten Schachbund- Etats, und wie man hört, sind selbst diese Mittel im vergangenen Jahr noch einmal tüchtig gekappt worden. Mon dieu! So drängt unser Sport nach vorne?

Bei allem Ehrenamt und viel, viel gutem Engagement in der Pressestelle des DSB - ich schlage einfach mal vor, den bisherigen Betrag für Öffentlichkeitsarbeit zu verfünffachen, mindestens - dann klappt es auch besser mit einer noch würdigeren Außendarstellung für Presse, Sponsoren, Interessierte auf der DSB-eigenen Seite. Wer dafür ist, hebe jetzt die Hand. -

Vorbei und Schachgeschichte ist nun erst einmal der Europapokal, und wer es mitverfolgen konnte, nimmt viel mit von einem aufregenden, intensiven und wundervollen Weltklasse-Turnier.
In drei Tagen schon geht es weiter, am Wochenende gehen landauf, landab die Ligaspiele weiter bis hin zur Bundesliga, und jeweils abends spielt und knetet Weltmeister Magnus seinen Herausforderer Karjakin in New York. Freuen wir uns, dass so viel los ist in diesen Wochen. Goldene Schachzeiten!

Donnerstag, 10 November 2016 13:36

ECC: Werderleaks und schöne Kämpfe

Leider wurde mein Vorschlag, den Berliner Frank Hoppe zum nächsten US-Präsidenten zu machen, jenseits des Atlantiks bisher nicht aufgegriffen - die Amerikaner werden schon sehen, was sie davon haben. So immerhin kann Frank weiterhin als Stütze des Deutschen Schachbundes agieren, und gut, das immerhin ist für uns alle eine positive Sache, wenngleich es nicht direkt der Rettung der Welt dienen mag. Aber wer weiß!

Gestern bewegten die Meister in Novi Sad wieder Figuren über das Brett, und wie schon jüngst in den USA zeigte sich nun auch in Old Europe, dass es leider nicht mehr so richtig weit her ist mit der schönen Idee der Völkerverständigung.
Zum einen ja wird beim Schachsport a) ohnehin nicht viel geredet und verständigt, und b) schützt auch die schönste Völkerverständigung offenbar nicht davor, dass einzelne Vereine ihre Gegner recht skrupellos und im Neo-Trump-Stil zu Boden werfen.

Wir hörten davon bereits im Bericht zur ersten Runde im Europapokal, und auch die nachfolgenden Paarungen 3 und 4 zeitigten hohe und ganz und gar unsolidarische Siege von St. Petersburg und AVE Novy Bor gegen das friedliebende Team von Werder Bremen. Mit am Ende doch deutlichen 4,5 : 1,5 - und 5 : 1 - Niederlagen im Gepäck machten sich die Hanseaten am Ende auf zum abendlichen Essen, doch nun gut, es waren zwei sehr starke Gegner gewesen, und einige Highlights und gute Einzelergebnisse gab es ja auch!

Die Berlin Chessfriends als zweite deutsche Gesandtschaft konnten in der dritten Runde ein mitreißendes Match für sich entscheiden und besiegten das belgische Team Eupen knapp mit 3,5 : 2,5.
Zum Einsatz kam dabei auch unerwartet der Ersatzmann Jens Ebeling, der ein spielentscheidendes Unentschieden gegen den hochfavorisierten Norbert Coenen zum Mannschaftssieg beitrug. Rainer Polzin berichtet von der Schönheit im Kampf auf der Homepage der Berliner!
Der gestrige Tag bescherte den Berlinern eine andere Hauptstadt mit "B" - im Spiel gegen Belgrad einigte man sich letztlich folgerichtig auf ein 3 : 3. Völkerverständigung, so sieht sie aus.

Wir freuen uns, heute noch einmal die internen Werder-Kommunikationskanäle ganz in der Tradition der Welt-Geheimdienste anzuzapfen und zwei Berichte von Mannschaftskapitän Stephan Buchal hier ins Netz zu stellen - Werderleaks sozusagen. Das Turnier indes geht gleich schon wieder weiter, heute mit der fünften Runde und unter anderem mit den Begegnungen:

SF Berlin - SC MPO Maria Saal   

       (wenn das mal nichts für die Krennwurzn ist!)

SV Werder Bremen - Oslo Schakselskap

Die weiteren Paarungen findet man hier  - an den vorderen Tischen weilen unter anderem der Vorjahressieger SYBERIA, dann Ashdod, Zhiguli, Mednyi Vsadnik, Ladya Kazan und als Vertreter der Arzneimittelbranche meine Freunde von ALKALOID.
Und die Amerikaner? Sie haben keinen Vertreter nach Novi Sad geschickt, und man mag das schon deuten als erstes Anzeichen von Isolationismus, ganz im Sinne des President Elect.
Hätte doch bloß Frank Hoppe die Wahl gewonnen!

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Stephan Buchal (Kapitän elect des SV Werder) berichtet nun für uns über die Runden drei und vier aus grün-weißer Sicht. Vielen Dank!

3.Runde: Gut gekämpft!

Als nächstes geht es also gegen die St. Petersburger Riesen, angeführt vom siebenmaligen Russischen Meister Peter Svidler. Die Mannschaft hat einen ELO-Schnitt über 2700 und ist damit durchschnittlich etwa 250 ELO-Punkte „schwerer“ als wir. Wir haben nichts zu verlieren, also mutig voran.

Sven Fed

Besonders mutig ist Sven, der gegen Fedoseev gleich im 7. Zug „einen Springer für ein Schach“ opfert (siehe Bild: gleich zieht Sven 7.Ld3!!?? – hat er vergessen, vorher auf f8 zu tauschen?). Einige im Team (inklusive Captain) glauben an einen Fingerfehler. Dieser Eindruck wird durch die Körperhaltung der Kontrahenten verstärkt: während Sven ins Grübeln kommt und sehr langsam weiterspielt, blitzt Fedoseev die nächsten Züge herunter und wirkt dabei selbstbewusst bis arrogant. Nach einigen Zügen wird den zahlreichen Kiebitzen bewusst, dass Sven vielleicht doch etwas (aber nicht genug?!) Kompensation für die Figur hat. Und plötzlich passiert es: Fedoseev ist sichtbar fassungslos, er ist auf einen kleinen Trick von Sven hereingefallen und hat eine glatte Figur eingestellt – einige GMs können im Vorbeigehen ein Schmunzeln nicht unterdrücken.
Sven hat nichts weniger und eine Riesenstellung. Aber leider wenig Zeit. Er findet nicht den richtigen Plan, um seine Stellung entscheidend zu verstärken, Fedoseev bekommt Gegenspiel und übernimmt wieder die Initiative. In Zeitnot kann Sven die Partie nicht halten ... sehr, sehr schade!

Auch an den anderen Brettern war teilweise mehr drin: Matthias überrascht Svidler mit einer alten Hauptvariante im Franzosen und gleicht locker aus. Aber ein, zwei Ungenauigkeiten im Mittelspiel bringen dem Petersburger wieder Chancen. Zwar übersieht er in Matthias‘ Zeitnot eine Gewinnfortsetzung, aber auch so reicht es, um in ein gewonnenes Turmendspiel abzuwickeln.

Am 2. Brett ist Jan glänzend vorbereitet und bekommt eine aussichtsreiche Stellung gegen den Weltklassemann Dominguez Perez. Er knetet ihn stundenlang, aber der Kubaner ist zäh und kann das etwas schlechtere Endspiel halten.

Eine Klasse-Leistung zeigen Vlastimil Babula und Spartak Grigorian. Vlastimil muss stundenlang eine starke Initiative von Vitiugov aushalten, aber auch seine aktive Verteidigung hält stand und am Ende hat er null Probleme das Endspiel Turm gegen Turm+Springer zu remisieren.

Spartak gerät aus der Eröffnung heraus in eine strategisch schwierige Stellung gegen Maxim Rodshtein, der in dem damenlosen Mittelspiel Raumvorteil, aktive Türme und bessere Leichtfiguren hat. Ich kann mir nicht vorstellen, solch eine Stellung gegen einen beinahe 2700er zu halten. Aber Spartak ist unglaublich zäh und hält den geduldigen, stundenlangen Gewinnversuchen seines Gegners stand. Klasse!

Thorben dagegen verliert im frühen Mittelspiel einen Bauern und muss sich mit einem noch schlechteren Endspiel herumplagen. Aber sein chinesischer Gegner ist für seine außergewöhnlich gute Technik bekannt und lässt ihm keine Chance.

Naja, 3 Remis und 3 Niederlagen sind gefühlte 50% [Anmerkung der Redaktion: :-)  ]
Es hätte schlimmer kommen können gegen diese Super-Mannschaft – aber es wäre auch mehr drin gewesen!

4

Mednyi Vsadnik (RUS)

Rtg

19

SV Werder Bremen

Rtg

4½:1½

GM

Svidler, Peter

2742

-

GM

Bluebaum, Matthias

2641

1:0

GM

Dominguez Perez, Leinier

2752

-

GM

Werle, Jan

2551

½:½

GM

Vitiugov, Nikita

2718

-

GM

Babula, Vlastimil

2548

½:½

GM

Bu, Xiangzhi

2698

-

IM

Koop, Thorben

2430

1:0

GM

Rodshtein, Maxim

2696

-

Grigorian, Spartak

2280

½:½

GM

Fedoseev, Vladimir

2673

-

Charmeteau, Sven

2305

1:0

 

 

4. Runde: Schon wieder lauter 2700er …

von Stephan Buchal

Wer gehofft hatte, dass wir nach der Petersburger Prüfung jetzt einen schlagbaren Gegner bekommen würden, sah sich getäuscht. Mit tschechischen Mannschaft aus Novy Bor wartete der Fünfte der Setzliste auf uns, praktisch genauso stark wie St. Petersburg.

Beim Frühstück fragt mich Vlastimil, ob ich nicht für ihn einspringen möchte. Für ihn sei es nicht so angenehm, gegen seine alten Freunde (mit denen er 2013 den ECC gewonnen hatte) zu spielen – aber selbstverständlich würde er spielen, wenn es mir lieber wäre … ich war sehr überrascht und hin-und-hergerissen. Einerseits war ich mental ganz auf meine Rolle als „non-playing captain“ eingestellt – aber natürlich ist es äußerst reizvoll, gegen so ein starkes Team mitzuspielen. Auf der anderen Seite wäre es eine erhebliche Schwächung unserer Mannschaft – aber hatten wir überhaupt eine Chance? Also spiele ich mit!

Novi Bor tritt praktisch in Bestbesetzung gegen uns an, im ELO-Schnitt wieder über 2700. Der Kampf beginnt furios: Spartak traut sich was! Er hat gegen „fire-on-board“ Alexei Shirov die Botwinnik-Variante vorbereitet, bekanntlich ist Shirov einer der größten Kenner dieses halsbrecherischen Abspiels. Aber Spartak kennt sich auch aus, und so zaubern beide in Windeseile eine für den Laien abenteuerliche Stellung aufs Brett (Matthias‘ lakonischer Kommentar zu der Variante: „alles ausanalysiert - Remis im 40. Zug“). Spartak versucht Shirov aufs Glatteis zu führen, aber der rutscht nicht aus. Im Gegenteil, irgendwann ist Spartak unsicher und greift daneben. Shirov „opfert“ die Dame, aber behält genug Material übrig, um unseren tapferen Jungen zu besiegen. Wer nichts riskiert, lernt auch nichts. Das nächste Mal ist er dran, bestimmt!

Matthias hat wieder Schwarz, diesmal gegen die Nr. 10 der Welt. Er testet Harikrishna mit derselben Variante vom Vortag gegen Svidler – „ich will wissen, ob das gegen diese GMs hält!“. Es hält. Was für Svidler noch eine Überraschung war, Harikrishna hat sich bestimmt bestens vorbereitet. Aber Matthias gleicht wieder scheinbar mühelos aus und hat sogar Chancen auf leichten Vorteil. Wie er äußerst selbstkritisch anmerkt, unterläuft ihm im Mittelspiel ein „unglaublich dummer Fehler“, Harikrishna bekommt Angriff und lässt sich diese Chance nicht entgehen. Sehr schade, die zweite vermeidbare Niederlage gegen zwei Weltklasseleute hintereinander, aber Matthias hat einmal mehr bewiesen, dass er mit diesen Top-GMs mithalten kann!

Jan bekommt mit Weiß gegen den Carlsen-Sekundanten Wojtaszek nichts aus der Eröffnung heraus und wickelt gekonnt ins Remis ab. Sven steht mit Schwarz gegen Wang Hao immer etwas schlechter und verliert relativ chancenlos. Mir selber misslingt meine Partie gegen Sasikiran vollständig, eine drastische Weißniederlage in 29 Zügen ist die logische Folge.

Die beste Partie aus unserer Sicht gelingt Thorben („meine erste Partie gegen einen 2700er“). Gegen den Grünfeld-Experten David Navara kommt er mit Schwarz gut aus der Eröffnung, erreicht die etwas bequemere Stellung - und überspielt Navara vollständig! Kurz vor der Zeitkontrolle hat er ihn auf der Rolle, aber findet bei knapper Zeit nicht den Ausheber. Der Tscheche holt das Beste aus der Stellung heraus und kann sich gerade so ins Remis retten. Natürlich ist Thorben über die vergebene Chance enttäuscht – aber ein Schwarzremis gegen Navara ist wirklich ein glänzendes Ergebnis.

Schade, dass wir nach unserem perfekten Start zweimal hintereinander verloren haben, aber immerhin gegen richtig gute Mannschaften. Und deshalb sind wir schließlich hier!

5

AVE Novy Bor (CZE)

Rtg

19

SV Werder Bremen

Rtg

5:1

GM

Harikrishna, Pentala

2768

-

GM

Bluebaum, Matthias

2641

1:0

GM

Wojtaszek, Radoslaw

2744

-

GM

Werle, Jan

2551

½:½

GM

Navara, David

2725

-

IM

Koop, Thorben

2430

½:½

GM

Shirov, Alexei

2677

-

Grigorian, Spartak

2280

1:0

GM

Wang, Hao

2680

-

Charmeteau, Sven

2305

1:0

GM

Sasikiran, Krishnan

2654

-

FM

Buchal, Stephan

2339

1:0

 

Stephan Buchal

Homepage und Fotos beim SV Werder

Gerne schalten wir heute wieder zum Europapokal nach Novi Sad, um einen Blick auf die Bretter vor Ort zu werfen. Immerhin sind ja zwei deutsche Mannschaften am Start, die heute gegen wahrlich internationale Gegnerschaft antreten - heute laufen wir einfach mal mit beim Spiel von Werder Bremen, und wenn auch nicht move by move, so doch ab und an mit einigen Diagrammen verziert kommentieren, so gut es eben geht.

Die Paarungen sind wie folgt:

AVE Novy Bor - SV Werder Bremen

Pentala Harikrishna - Matthias Blübaum (SVW)

Jan Werle (SVW) -  Radoslaw Wojtaszek (Novy Bor)

David Navara (Novy Bor) - Thorben Koop (SVW)

Spartak Grigorian (SVW) - Alexei Shirov (Novy Bor)

Hoa Wang/ Wang, Hao (Novy Bor) - Sven Charmeteau (SVW)

Stephan Buchal (SVW) - Krishnan Sasikiran (Novy Bor)


15:15 Uhr: Was ist passiert?

NovyBor1515

Quelle: Chess24

Und - Abbruch!

Danke fürs Zuschauen - wir beenden die Übertragung aber schon wieder!

Leider ist es parallel etwas schwierig, Bilder hochzuladen und in den Server/ auf die Seite hochzubringen, zu kommentieren und wieder neu hochzuladen, alles rein technisch zu zeitintensiv und überhaupt - man kann ja auch alles selber angucken live auf dem ECC-Server. Es ist (mir) auch nicht möglich, Partie-Diagramme von der Turnierseite herunterzuladen und hier nach und nach einzustellen. Sehr schade, aber tja, dann ist das so.
Außerdem, die Katzen wollen raus! Darum: einen schönen Nachmittag allen! :-)null

*********************

UPDATE 16:06 Uhr: Es geht doch weiter!

 

Ok, da sind wir wieder - für die Katzen ist es sowieso viel zu kalt draußen, und mit etwas Glück und den freundlichen Leuten bei chessbomb.com gibt es nun doch einen Weg, die Diagramme aktuell einzuspielen.

Darum, ein kurzer Blick auf die Partien. Wir beginnen mit Navara - Koop. Es ist alles ein wenig statisch und nicht viel los, aber auch wenn ich mich nicht auskenne, so sieht der weiße Springer auf e5 doch etwas unangenehm aus für Schwarz. Natürlich alles noch nicht schlimm, aber zusammen mit der c-Linie, die Navara schon besetzt hat, und dem dadurch etwas weichen Feld c6 fühlt sich das besser an für Weiß. Es ist so eine Stellung, die ich mit Weiß höchstens remisieren würde, und mit Schwarz verliere - aber das muss ja nichts heißen.

16:16 Uhr: Auftritt Spartak

Der deutsche U18-Meister 2015 gegen einen der größten und begeisterndsten Kombinateure der jüngeren Neuzeit - und es ist Spartak, der die Initiative ergreift und seine Figuren frisch ins schwarze Lager kegelt. Das kann nicht ganz verkehrt sein!

Doch was genau ist los? Das direkte Abzählen der Figuren ergibt einen Turm mehr für Shirov, und das ist in den Händen eines Großmeisters ja immer schon gar nicht so wenig. Spartak dagegen hat einen Bauern bis auf die siebte Reihe gedrückt, und ein paar Löcher in Shirovs Königsstellung gerissen. Doch wo sind die Figuren, die sich dort noch hineinsetzen könnten? Nach dem Tausch der dunklen Läufer jetzt ... oha, das sieht nicht ganz so gut aus für Werder, oder?

16:26 Uhr Levon Aronian 

 

Aber halt, falscher Mannschaftskampf! Wir meinten natürlich

16:26 Uhr Matthias Blübaum

Wie gut, dass wir keine Großmeister sind, und diese Stellung nicht verstehen müssen. Doch auch für Großmeister wird es schon tricky genug sein, indes, dafür dass Matthias Französich eröffnet hat, steht er nun schon sehr aktiv und hat - immer wichtig! - ein optisches Übergewicht am Damenflügel, wo seine Figuren sich tummeln und lebhaft herumschwadronieren. Es bleibt natürlich die Sorge um den Isolani auf d5, auf lange Sicht zumindest, aber die gefühlte Stellungsbewertung ist für mich noch ganz in Ordnung. Erstmal weiterspielen, und abwarten.

16:36 Uhr Nichts mehr

Chessbomb hat gerade gewarnt vor dem zu großzügigen Einsatz seiner Diagramme auf anderen Seiten:

"Terms and Conditions

The ChessBomb embedded widgets are free and ad-supported. Their use is allowed only on web pages that conform to the following requirements:

  • The page must be compliant with the Google AdSense Program Policies.
  • If Google AdSense ads are used on the same page, then there must be no more than 2 (two) AdSense for Content ad units on it (not counting the ad unit within the ChessBomb widget itself).
  • If more than one ChessBomb widget is put on the same page, the total number of Google AdSense for Content ad units must not exceed 3 (including the ad units within the ChessBomb widgets).

We will monitor and block domains which fail to observe the above requirements."

Das klingt gefährlich, ich fühle mich ertappt, und setze das darum erst einmal aus. Zeit für einen Kaffee! Sobald Google irgendwo auftaucht, oder ab heute auch Donald Trump, ziehe ich mich erst einmal zurück.

Wir kommen später wieder, mit neuen Diagrammen, falls möglich.

16:43 Uhr Kurze Werbepause!

17:03 Uhr Anhaltende Werbepause (unsere Techniker stöbern noch nach neuen Diagrammen)

17:21 Uhr Fail

Leider keine neuen Bilder vom Wettkampf und den Brettern - Chessbase zeigt mir nichts, was aber mehr an meinen Rechten liegen wird als an Chessbase, und sonst an anderer Stelle kann man den Partien folgen, aber keine Diagramme herauseisen, die hier in den Artikel gehen könnten. Leider, leider - damit müssen wir für heute enden!

Mehr und aktuelle Daten zeigt aber nach wie vor die Turnierseite. Viel Spaß beim Zuschauen!

**************

Hatte ich es schon geschrieben? Es ist schade (eigenartig, überraschend, ...), dass der Europapokal und speziell die deutschen Teilnehmer kaum erwähnt werden auf zwei großen Seiten:

- beim Deutschen Schachbund kommt der ECC nicht vor, und somit auch SF Berlin und Werder Bremen nicht auf internationaler Ebene. Das ist schade, und auch wenn mit Frank Hoppe einer der herausragenden Kämpfer für das Gute beim Schachbund wirkt - der Europapokal ist dort noch nicht angekommen. Internationales Schach? Kann man doch mal erwähnen? :-)

- Chessbase ist als Sponsor des DSB auch eher verhalten mit Informationen zum großen Turnier in Novi Sad, zumindest wenn es um ein, zwei oder auch drei Worte zu den beiden deutschen Teilnehmern geht. SF Berlin? SV Werder Bremen? Scheinen gar nicht dabei zu sein, und in den ersten drei Turnierberichten nur am Rande des Randes erwähnt. Danke, Chessbase, für diese Förderung und Anerkennung des bundesdeutschen Schachsports. Kompliment allerdings, und das ist nicht ironisch gemeint, für die Bilderauswahl - es macht Spaß, die wirklich tollen Fotos vom Turniergeschehen anzusehen, das ist sehr inspirierend.

Und wir? Wir melden uns ab, diesmal wirklich. Guten Abend allerseits!

Mittwoch, 09 November 2016 11:57

ECC: Die Bären sind los

09/11   never forget

11/09   always regret

(Fundstück im Netz zum Ausgang der US-Wahlen)

Ein guter Tag heute, um schachzuspielen und sich am Brett sitzend von den Dramen des Weltgeschehens abzulenken. Amerika hat gewählt, Novi Sad hat gelost, und wir sehen heute beim Europapokal unter anderem und aus (nord-) deutscher Sicht die folgenden feinen Paarungen:

SF Berliner Bären - Ein serbisches Team mit "O"

AVE Novy Bor - SV Werder Bremen

Die Schachfreunde Berlin treffen heute auf die lokalen Matadoren aus Belgrad. Die Mannen aus der deutschen Hauptstadt haben sich bislang sehr und sehr achtbar geschlagen und gegen ELO-schwere Vertretungen aus aller Herren Länder solide gepunktet. Omladinski Sahovski Klub Paracin ist ungefähr ähnlich stark besetzt wie die Schachfreunde, und somit ist alles möglich.

Etwas weniger möglich mag es aussehen bei der zweiten Begegnung mit Bundesliga-Beteiligung. Hier trifft Werder Bremen auf die an 12 gesetzte Tschechen von Novy Bor. In dem tschechischen Spitzenteam lauern Großmeister-Bären an allen Brettern, und die Einzelpaarungen stellen sich dar wie folgt:

Harikrishna, Pentala - Blübaum, Matthias

Wojtaszek, Radoslaw - Werle, Jan

Navara, David - Koop, Thorben

Shirov, Alexei - Grigorian, Spartak

Wang, Hao - Charmeteau, Sven

Sasikiran, Krishnan - Buchal, Stephan

 

Wagen wir eine Prognose?

Nachdem es für Bremen gestern eine Art Packung gab bei der ehrenvollen 1,5 : 4,5 Niederlage gegen St. Petersburg, werden heute die Figuren wieder neu gemischt. Sollte ich wetten, würde ich mein Geld natürlich auf Grün-Weiß setzen - Spartak an vier ist eine sichere Bank (er hat ja Weiß), und auch Stephan Buchal gegen Sasikiran, da müsste doch etwas drin sein für Werder. Damit wären es schon zwei Punkte für den SVW, und nun gut, mal sehen, was an den übrigen Brettern passiert.

Denken wir an SF Lotte - das SF steht für Sportfreunde oder sogar Schachfreunde, und im DFB-Pokal haben die Lotter kürzlich ja immerhin schon zweimal gewonnen - erst gegen Werder, und dann auch noch gegen Leverkusen. So gesehen ist alles möglich - wir gucken uns das mal an.

Los geht es um 15 Uhr, und chess24 überträgt wieder in gewohnter Qualität. Auf geht es also, mit Berlin und Bremen in die vierte Runde!

 

 

Dienstag, 08 November 2016 08:15

ECC: Berlin und Werder starten ins Turnier

Moinmoin, aus dem fernen Serbien erreichte uns ein informeller Rundenbericht, den Werder-Kapitän Stephan Buchal für den kleinen Hausverteiler der Schachabteilung des SVW geschrieben hat. Stephan war so nett zuzustimmen, dass wir den Report hier als kleines zeitgeschichtliches Dokument auch im Blog veröffentlichen dürfen - et voilà! Danke, und Grüße nach Novi Sad!

Runde 1: Gelungener Auftakt

von Stephan Buchal, SV Werder Bremen

In der ersten Runde kam es wie üblich zum „Schweizer Massaker“: Während es bei Einzelturnieren schon mal vorkommt, dass ein top-gesetzter Spieler einen halben oder sogar vollen Zähler abgibt, ist dies bei 6er-Mannschaften fast ausgeschlossen. Wenn ein Großmeister schwächelt, können es die anderen fünf locker ausgleichen.

So geschehen auch in der 1. Runde des ECC: alle 31 Mannschaften aus der oberen Hälfte gewannen ihre Begegnungen gegen die „Underdogs“ mindestens mit 4,5 Brettpunkten. Einzige Ausnahme war die britische Mannschaft von Cheddleton, deren 3 Großmeister David Howell, Simon Williams und Tamas Fodor zusammen 1 Punkt holten und von Glück sagen konnten, dass es gegen „Ezerelio Vaivorykste“ (schon mal gehört? Liegt in Litauen)noch zu einem knappen 3,5:2,5 reichte.

Deutlich besser machten es unsere Jungs gegen die dänische Mannschaft von „Bronshoj Skakforening“. Ich war gerade dabei, meine erste ausführliche Runde durch den überfüllten Turniersaal zu drehen als Spartak mich unterwegs abfing und seinen ersten Sieg in der Championsleague vermeldete. Es war die erste Gewinnpartie im Wettbewerb überhaupt – allerdings keine besondere Glanztat, denn sein Gegner hatte vergessen, einen angegriffenen Springer wegzuziehen.

Die Partie war vorbei, also musste Spartak umgehend den Turniersaal verlassen … diese aus meiner Sicht sehr dumme „anti-cheating“-Maßnahme ist in offiziellen FIDE-Events mittlerweile gang und gäbe und war schon im „Captains Meeting“ vor der Veranstaltung heftig kritisiert worden, natürlich hauptsächlich von den Vertretern der Amateurmannschaften, die als echte Schachfans und Mannschaftsspieler natürlich lieber im Turniersaal blieben.

Der nächste volle Zähler bahnte sich frühzeitig bei Sven an. Er zeigte sich gegen die Aljechin-Verteidigung seines Gegners absolut sattelfest und wies gegen eine etwas zweifelhafte Variante klaren Vorteil nach. Er sammelte eine Qualität ein und verwertete diese sicher. Unsere Spitzenspieler hatten es mit drei erfahrenen dänischen IMs zu tun: Als erster konnte Matthias in einem komplizierten Mittelspiel seinen Gegner fast mühelos überspielen. Vlastimil konnte dagegen erst durch dynamisches Spiel in der Zeitnotphase seinen Gegner niederringen.

Da mittlerweile auch Thorben seine Partie relativ sicher gewonnen hatte, lagen wir nach 4 Stunden sauber 5:0 vorne. Leider konnte Jan den Triumph nicht komplettieren. Er hatte aus der Eröffnung heraus eine sehr gute Stellung erreicht, dann aber etwas leichtfertig einen Bauern eingesammelt, was dem Gegner eine gefährliche Initiative einbrachte. Kim Pilgaard gewann den Bauern zurück und behielt die bessere Stellung; nach der Zeitkontrolle wurde klar, dass Jan keine Chancen hatte, das entstandene Endspiel zu halten. Eine unnötige und etwas ärgerliche Niederlage, aber auch eine gute Leistung des dänischen IM.

Stephan Buchal

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Auch die Schachfreunde Berlin weilen ja im Süden und bekamen es in der ersten Runde gleich mit einem gewaltigen Gegner zu tun, ALKALOID, dem gewaltigsten Gegner (fast) überhaupt.
Ich weiß nicht genau, wofür ALKALOID steht, aber es klingt ein bisschen wie eine Mischung aus einem Star Wars Planeten und einer Firma aus dem metallisch-industriellen Komplex. Jedenfalls hat die Mannschaft einige passable Spieler in ihren Reihen - und die SF Berlin berichten auf ihrer Homepage ganz hautnah und mit Fotos von der Begegnung dieser ersten Runde. Ein Blick lohnt!

Und sonst? Heute geht es weiter, um 15 Uhr!

Turnierseite ECC