Vollständiger Satz

by on27. Januar 2012
Matt in vier Matt in vier

Heute wird mein Sohn zwei. Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle!
Während er motorisch im Altersdurchschnitt ist, ist er sprachlich schon unheimlich weit und ist drauf und dran, seine ersten vollständigen SPO-Sätze (für diejenigen, bei denen die Schule schon etwas her ist: das bedeutet Subjekt, Prädikat, Objekt) zu formulieren.


Um vollständige Sätze geht es auch im ersten Teil unserer Problemschachreihe. Dazu zunächst zwei kleine Erläuterungen: Als Satzsituation bezeichnet man die abgebildete Stellung bei Umkehrung des Zugrechts, das heißt, wenn Schwarz am Zug ist. Wenn man gelegentlich versucht, Probleme zu lösen, geht man irgendwann dazu über, sich intensiv mit der Satzsituation zu beschäftigen, gibt sie doch darüber Auskunft, auf welche schwarzen Züge es noch kein Matt gibt. Auf diese muss der erste Zug von Weiß eine Antwort liefern. Diesen ersten Zug nennt man Schlüsselzug (und nur den!). Die Beschäftigung mit der Satzsituation ist durchaus praxisnah, geht es doch im Wesentlichen um die stets aktuelle Frage "Was droht?"
So genug der Definitionen. Den vollständigen Satz werde ich hier nicht definieren, denn was sich dahinter verbirgt, dürft ihr selber herausfinden. Da die Aufgaben von niedrigem bis mittlerem Schwierigkeitsgrad sind, bringe ich gleich vier Beispiele von vollständigen Sätzen. Ziemlich viel für den Anfang, gewiss, aber so kann sich jeder sein Stück der Wahl heraussuchen.
In den ersten zwei Stücken heißt es Weiß am Zug, matt in zwei.

Mansfield 2         SkrinnikMarkovtsy 2

       Comins Mansfield, 1935, #2                    Skrinnik & Markovtsy, 2001, #2

Viel kann man zu diesen Stücken gar nicht schreiben, ohne gleich alles zu verraten. Weiß ist zahlenmäßig klar im Vorteil, doch in nur zwei Zügen matt zu setzen, ist gar nicht so einfach.
Anbei noch zwei Vierzüger, die das Quartett vollenden.

Kraemer 4 wL vs. sD
        Kraemer 4 springer

            Kraemer, 1925, #4                                Kraemer & Zepler, 1932, #4

Im ersten der zwei Stücke des Komponisten Ado Kraemer (1898-1972) sieht man einen amüsanten Zweikampf, im rechten Stück, das Kraemer zusammen mit Erich Zepler komponierte, darf sich jemand austoben, ohne dabei das Unvermeidliche abwenden zu können. Die rechte ist nach meinem Empfinden die schwierigere.


Lösungen bitte in den Kommentaren! Es wäre schön, wenn zumindest bei den Zweizügern eine gewisse Schamfrist bei der Nennung der Lösung eingehalten wird (Vorschlag: am Sonntag darf sie gepostet werden). Zudem sind Überlegungen, was denn nun ein vollständiger Satz ist, herzlich willkommen. Eine ausführliche Lösungsbesprechung kommt dann in ca. einer Woche. Sollten keine Lösungskommentare oder Lösungen kommen, werde ich gelegentlich Hinweise geben.

Im Problemschach ist es übrigens durchaus erlaubt, ein Brett aufzubauen und auszuprobieren. Viel Spaß, die Mühe lohnt sich!


Interessanterweise hat sich niemand getraut, die Lösung der Mansube zu posten. Das schöne Mattbild unter Beteiligung aller vier Springer entsteht nach: 1.Th7+ Kg8 2.Sf6+ Kf8 3.e7+ Sxe7 4.Tf7+ Sxf7 5.Se6#.

Kommentare   

#1 MiBu 2012-01-27 09:16
Zur Mansube: Lösungen posten wurde einem hier abgewöhnt - das wurde zumindest in der Vergangenheit vom Betreiber der Seite als "Vorsagen" abqualifiziert und mit Wegmoderation geahndet.

Daher gebe ich hier nur zum Vierzüger ganz oben den oberschlauen Hinweis, dass Weiß offenkundige Mattdrohungen auf d3 und h3 hat. Die schwarze Dame kann diese beiden Felder von d7, f5 und h7 aus decken, andere Figuren können nicht ziehen. Das Satzspiel ist also 1.-Dh7 2.Lg4. Weiß am Zug muss aber den Weg nach d7 öffnen. Wohin zieht der Läufer, damit 1.-Dd7 und Dh7 adäquat beantwortet werden können? (Liegt aus geometrischen Gründen eigentlich auf der Hand.)
#2 Losso 2012-01-31 11:00
Ich habe hier gelegentliche Lösehinweise versprochen. Kein einfaches Unterfangen, wenn man den ganzen Aha-Effekt nicht vorwegnehmen möchte.
Das geometrische Motiv in der dritten Aufgabe wurde bereits von MiBu erläutert. Im vierten Stück reicht ein einfacher Schachsatz nicht zur Lösung aus (Mist, das verrät schon viel zu viel...).
Bei den Zweizügern gibt es im ersten einen geeigneten und zwei weniger geeignete Versuche, Schwarz an den Zug zu bringen. Die Co-Produktion von Skrinnik und Markovtsy wartet mit einem vollständigen Wechsel der Mattzüge von der Satzsituation zur Lösung auf, wobei es auch hier zwei verführungsreiche Versuche gibt.
#3 MiBu 2012-01-31 16:42
Zu #4: Unterverwandlungen sind im Problemschach viel viel häufiger als im real life, also versuchen wir 1.f8S. Nach 1.-Lb3+ ist der Unterschied zur Umwandlung in D oder T, dass (statt D/Tf7) 2.Se6 geht und nach 2.-Lxe6+ 3.Kg7, weil Schwarz nicht mehr Se6+ antworten kann. Weiß droht jetzt Td1 und Scb1, was der Lc2 vorher beides im Griff hatte, und das war's.

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