Wo sich Schachspieler und -komponisten...

by on04. Juni 2013

...begegnen, ist meist die Studie nicht weit.

Und so findet man immer wieder hervorragende Schachspieler, die sich als Studienkomponisten betätigen. John Nunn ist nicht nur ein formidabler Schachspieler, sondern auch mehrfacher Problemlöseweltmeister und Studienkomponist. Weitere GM und IM des Schachspiels findet man in der Studienkompositionsgemeinde, unter ihnen auch Michael Prusikin, ein deutscher GM ukrainischer Herkunft. Derzeit macht ein Newcomer aus Norwegen namens Geir Sune Tallaksen Ostmoe von sich reden, der in letzter Zeit einige schöne partieschachnahe Beispiele seiner Kompositionskunst veröffentlichte. In einem Diskussionsforum gefragt, warum er denn neben dem IM-Titel im Schachspiel nun auch Kompositionsweihen anstrebe, entgegnete er, dass er es aufgegeben hätte zu versuchen, bester Spieler Norwegens zu werden...

Zu erwähnen ist auf jeden Fall noch der Problem- und Nahschach-IM Yochanan Afek, dem der große Coup gelang, ein Studienlöseturnier im Rahmen des Tata Steel Chess Turniers zu etablieren. Er leistet damit und natürlich auch mit seinen hervorragenden Studien einen großen Dienst für die Sache von uns Schachkomponisten.

Von den Komponisten, die sich auch im Spiel nah an der Weltspitze bewegt haben, habe ich John Nunn bereits genannt, doch auch ein anderer Spieler aus dieser Generation, der sogar einen Weltmeisterschaftskampf mit Anatoli Karpov bestritt, betätigt sich als Komponist: Jan Timman. Nachdem unser Schachfreund HH aus HH bereits bei Olaf Steffens Rätseln immer wieder abräumte, dürfte es nicht verwundern, dass er auch hier mit seiner Vermutung, die er in den Kommentaren zum letzten Problem äußerte, recht hatte, dass es Timman sei.

Über Timman braucht man wohl nicht viele Worte zu verlieren. Ich denke, dass er in den Niederlanden einen ähnlichen Status geniest wie Hübner, den Timman 1991 im Achtelfinale der Kandidatenwettkämpfe besiegte, bei uns. Während Hübner dort wohl seinen Zenit schon überschritten hatte, blühte der Niederländer hier noch einmal auf und unterlag erst im Finale Nigel Short. Wie es danach weiter ging und wie es dann trotzdem zum WM-Kampf zwischen ihm und Karpov kommen konnte, kann jeder in den Geschichtsbüchern nachlesen.

Wie viele andere Partiespieler bevorzugt auch Timman partienahe Studien als Kompositionsgegenstand. Und so sieht auch diese Position ganz natürlich aus, in der, so der Preisrichter, sich die Figuren verhalten, als sei ihr leben keinen Penny wert. Die Studie wurde im Zweijahresturnier 2010-2011 des Problemist mit dem 7. Preis ausgezeichnet, genau einen Platz vor der Studie des Vormonats.

Timman

Die Lage ist in der Tat spannend. Der schwarze König steht prekär, der weiße auch nicht so wirklich sicher. Schwarz hat leichtes materielles Übergewicht und der weiße Turm ist etwas aus dem Spiel, aber Weiß hat ein großes Pfund, mit dem er Wuchern kann: er ist am Zug. Die Hauptvariante geht gerade einmal acht Züge, aber, wie versprochen, mit viel Krach-Bumm-Peng.

Weiß am Zug gewinnt, Lösungsideen als Kommentar. Viel Vergnügen!

Kommentare   

#1 MiBu 2013-06-05 20:18
Nun ja, Schwarz droht Lg3+, von daher scheint es sinnvoll zu sein, die Entwicklung spät aber doch mit 1.Lf4 zu beenden, was nicht nur die gegnerische Drohung pariert, sondern selber Le5+ droht. Schwarz dürfte 1.-Ld4 antworten, und dann macht eigentlich nur 2.h6 Sinn. Was soll Schwarz antworten?
#2 Helmut 2013-06-05 22:02
1. Lf4 Ld4 sehe ich auch so, aber h6 droht nicht wirklich etwas, oder? Da ziehe ich so etwas wie Txb6 vor:
2.Txb6 Dxb6 3. Le5+ Lxe5 4.Dxe5 und 5.Dxc3. Hab's aber nicht so recht durchgecheckt momentan. Übersehe ich etwas?

PS: nach h6 z.B. Lf6, um das Schach auf d8 zu verhindern.

PPS: Nach h6 liegt allerdings auch Dxc5 in der Luft, hatte ich noch nicht bedacht... Ev. geht da was.
#3 Holger Hebbinghaus 2013-06-06 00:20
2.Txb6 ist nicht besonders effektiv; das Damenendspiel, das nach der angegebenen Variante entsteht, wird Weiß nicht gewinnen.

Nach 2.h6 hingegen droht nicht nur 3.Txb6, sondern auch 3.Dd8+ Dg8 4.Dxd4+ (weshalb 2...Tb3 scheitert). Nach 2...Df6 gewinnt 3.Dxf6+ Lxf6 4.Txb6 Ld8 5.Te6 eine Figur, somit bleibt noch 2...Lf6 als Verteidigung...
#4 joerg005 2013-06-06 11:09
Warum nicht sofort 1.Txb6?
#5 MiBu 2013-06-06 14:56
1.Txb6 Dxb6 und was dann?
2.Txb6 hat HH schon kommentiert.
3.Txb6 (irgendwann muss der ja mal kommen, sonst hat die Figur auf b5 keinen Sinn) sieht nach 1.Lf4 Ld4 2.h6 Lf6 aber gut aus (was der Herr mit den vielen H natürlich auch schon gesehen hat, keine Frage). Angesichts der Drohung Tb8+ Dg8 ist die wD tabu, anderseits hängt auf der sechsten Reihe einiges, also kommt wohl nur 3.-Dxb6 in Betracht, und dann folgt die schöne Geometrie 4.Le5.
#6 Holger Hebbinghaus 2013-06-06 16:36
Aber noch ist die Variante nicht zu Ende (das war schließlich erst der vierte Zug). Die Gegenfesselung 4...Dd6 stellt keine Herausforderung dar, da Weiß beginnend mit 5.Dxf6+ reiche Beute auf der langen Diagonalen macht und das Endspiel leicht gewonnen ist. Jedoch kann Schwarz zunächst mit 4...Th3+ die weiße Struktur verschlechtern, und nach dem erzwungenen 5.gxh3 Dd6 führt 6.Dxf6+ Dxf6 7.Lxf6+ Kg8 nur zu einer bekannten Remisstellung. Bei einer Smyslov-Studie wäre jetzt des Rätsels Lösung, dass man sich per Unterverwandlung einen zweiten schwarzfeldrigen Läufer verschafft, aber da der Autor Timman heißt, ist ein anderer Ansatz gefragt...
#7 MiBu 2013-06-06 22:48
"Bekannte Remisstellung"? Ich weiß nicht so recht...
Die meisten Leser (na, hoffentlich alle) werden wohl wissen, dass L und Randbauer gewinnen, wenn der L die Farbe des Umwandlungsfeldes beherrscht und es im anderen Falle Remis ist. Aber die Remisstellung mit dem "an sich" richtigen Läufer, aber Bh6 versus Bh7 dürfte längst nicht jedem vertraut sein. Die schachliche Begründung ist, dass dem wK das Feld h6 fehlt, um den Bh7 zu erobern. (Mit einerm zweiten schwarzfeldrigen L könnte man f8 kontrollieren und den K nach f6 bringen, so Kh8 erzwingen und dann mit Kf7 matt setzen, das kam in mehreren Studien Smyslovs vor. Mit nur einem Läufer geht das nicht, und man kann daher nur den "Pattsieg" erringen.) Hier aber erlaubt der Bh3 (nach 4.-Th3+ 5.gxh3 Dd6) die Stellungsverbesserung 6.Dg7+ Lxg7 7.hxg7+ Kg8 8.Lxd6, und der Bh6 hat unter Selbstaufopferung das wichtige Feld räumen können.
#8 Losso 2013-06-07 14:17
Mehr gibt es auch nicht zu entdecken. Ein sehr munteres Treiben, aber persönlich ziehe ich rätselhafte Studien wie die des Vormonats vor.

Die Teilnahme an unserer Kommentarfunktion ist nur registrierten Mitgliedern möglich.
Login und Registrierung finden Sie in der rechten Spalte.