Sauber austempiert

by on22. Juli 2014

Die folgende Aufgabe aus dem Jahr 1931 hat eine bewegte Vorgeschichte. Ursprünglich stammte sie von Troitzky, einem sehr produktiven Studienkomponisten, der überwiegend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aktiv war. Sie blieb vom Preisrichter unbeachtet. Mehr noch, Jahrzehnte später, Troitzky war längst nicht mehr am Leben, fand einer seiner Nachfahren im Geiste, Nikolai Kralin, heraus, dass die Lösung, die Troitzky angab, gar nicht funktionierte.

Da nahm sich der Amerikaner Pal Benkö, der wohl auch Schachspielern ein Begriff sein dürfte, das Stück zur Brust, wies zunächst nach, dass es eine eindeutige Lösung gab, nur eben nicht diejenige von Troitzky und versah das Stück mit einer bereichernden Einleitung. Diese Fassung, die ihr hier dann auch zu sehen bekommt, veröffentlichte er dann 2007, 76 Jahre nachdem das Stück erstmalig erschienen war.

Troitzky Benko

Schwarz ist materiell gut dabei, aber kann sich kaum rühren. Zugwang liegt in der Luft. Wenn ein Läufer von Schwarz ziehen muss, ohne dass er tricksen kann, ist die Dame futsch. Die Gewinnführung von Weiß erweist sich allerdings als Wanderung durch ein Minenfeld.

Viel Vergnügen!

Kommentare   

#1 MiBu 2014-07-22 09:57
Ich versuche mal nur den ersten Zug... Mir scheint 1.g4 sinnvoll zu sein. Die Deckung des Th5 erlaubt dem wK das Betreten von c3 meine ich.
#2 joerg005 2014-07-22 10:40
Würde bei einem schnellen Blick eher 1.Kc2 bevorzugen, um die Drohung Lc4: nebst Ld3+ und dann Ld2 aus der Stellung zu nehmen.
Obwohl, darauf scheint 1...Lh7 sehr unangenehm zu sein.
Vielleicht 1.Ka1?
#3 MiBu 2014-07-22 12:24
Kc2 hatte ich eben wegen Lh7 verworfen, aber auf 1.g4 Lxc4 übersehen. Da es keinen sinnvollen Zug der Türme zu geben scheint, bleibt nach Ausschlussmethode in der Tat nur noch Ka1, was auch die ästhetischen Anforderungen an eine Studie erfüllen würde. 2.g4, 3.g5, 4.Kb1 ,5.Kc2 und 6.Kc3 könnten folgen. Dann steht allerdings der sK auf a5, das ist schlecht. Ich rate daher, dass man noch ein Dreiecksmanöver finden muss, die Stellung mit Kc3 und Ka5 mit Schwarz am Zuge zu erhalten. Dann kann Ka4 mit Ta8 und Ka6 mit Tb3 bedient werden, oder nicht?
#4 joerg005 2014-07-22 13:28
Stimme dem zu.
#5 Losso 2014-07-22 15:14
Sehr schön. Beide Fehlversuche genannt, zur kritischen Situation vorgetastet, viel Richtiges gesagt und dennoch eine Ungenauigkeit drin gelassen. Diese und das richtige Dreieck müssen noch gefunden werden.
#6 joerg005 2014-07-22 19:24
Mit Ungenauigkeit dürfte wohl MiBus Tb3 gemeint sein, was den Ka6 nicht in Zugzwang belässt, da der Lg8 ziehen kann.
Nach Ka6 scheint Kb4 gewinnträchtig zu sein. ;-)
#7 Holger Hebbinghaus 2014-07-22 20:50
Wenn ich mir überlege, welche Felder der weiße König betreten darf und welche nicht, bleiben nur noch die Routen b1-c2-d1-e1-f2-g3-f4-e5-d 4-c3 und b1-c2-c3-d4-e5-f4-g3-f2-e 1-d1-c2-c3 übrig.
Da Schwarz Kf4 mit Lxg5+ Kxg5 Dxh5+ Kxh5 Lxc4, empfiehlt sich die Route, in welcher der schwarze König zu diesem Zeitpunkt auf a5 steht...
#8 super-marius 2014-07-23 22:34
Eine echt harte Nuss!
Nun mein Versuch. Zuerst dachte ich, daß das Dreiecksmanöver auf h3 stattfindet und g4 deshalb verfrüht ist. Aber nach 1.Ka1 Ka4 2.g4 Ka5 3.Kb1?? Lxc4 4.Txh8 Ld3+ 5.Ka1 Ld2 folgt undeckbar Lc3#.
Also habe ich mir den Weg durchs Minenfeld genau angeschaut. Wenn Schwarz nichts unternimmt und nur Ka5-a4 zieht, kommt er nach Kb1-c2-c3-d4-e5-f4-g3-f2- e 1-d1-c2-c3 tatsächlich in den besagten Zugzwang. Seine einzige Chance besteht also in Lxg5+ und Lxc4, wenn der weisse König f4 erreicht. Aber auf der Route b1-c2-c3-d4-e5 erreicht Weiß f4 mit dem schwarzen König auf a5, während die Route andersrum b1-c2-d1-e1-f2-g3-f4 einen Zug länger dauert und der schwarze König bereits auf a4 steht!
Also nach 8....Ka5 9.Kf4 Lxg5+ 10.Kxg5 Dxh5+ 11.Kxh5 Lxc4 12.Tb1! verhindert Lxa2 wegen Ta1 und a3 fällt (deswegen muss der schwarze König auf a5 stehen). 12....Ka4 verliert jetzt wohl das entscheidende Tempo. Nach 13.Kg5 Lxa2 14.Ta1 gewinnt Weiß leicht mit h5-h6, aber das führt wohl zu weit.
#9 Losso 2014-07-24 08:35
Ich denke, jetzt haben wir es komplett. 12.Tb1! ist in der Tat der Zug, der den Unterschied zwischen den beiden Kreismanövern ausmacht.
Meinungen?
#10 joerg005 2014-07-24 11:17
Welche Lösung hatte sich denn nun Troitzky gedacht?
#11 Losso 2014-07-24 22:22
Troitzky zeigte die Stellung mit weißem Bauern g3 auf g5 und König b1 auf c3. Als Lösung gab er die Rundreise gegen den Uhrzeigersinn an, die, wie es hier ja zutreffend dargestellt wurde, aber scheitert.

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