Russische Dreiklassengesellschaft

by on21. April 2011

Russland hat keine Liga, aber eine bärenstarke Mannschaftsmeisterschaft. Sie findet derzeit in Olginka, einem Badeort am Schwarzen Meer statt, siebzig Kilometer nordwestlich vom bisherigen Austragungsort Dagomis, die nächste größere Stadt ist Tuapse, wo Kramnik geboren wurde und aufgewachsen ist. Die zwölf Mannschaften sind von äußerst unterschiedlicher Stärke. Man kann sich das vorstellen wie fünfmal Baden-Baden, viermal HSK und dreimal Delmenhorst. Die HSKs sind gegen die Baden-Badens chancenlos (nun ja, einen Mannschaftspunkt haben die Mittelklasseteams gegen die fünf Spitzenteams doch erzielt), die Delmenhorsts sind es gegen alle anderen. Dafür ist es spannend zwischen denen, die einer Klasse angehören. Von den Spitzenteams haben Ekonomist Saratow und Jugra Chanti-Mansisk kein gutes Jahr erwischt. Das nominell stärkste Team St Petersburg hat seine Punkte auch nicht optimal verteilt. Gemeinsam vorne liegen Tomsk und Moskau, die je nur ein Unentschieden gegen St Petersburg abgegeben und Saratow und Chanti-Mansisk geschlagen haben und zwischen denen in der vorletzten Runde an diesem Freitag (live ab 12.30 Uhr) die Entscheidung fällt. Moskau hat die internationalste Truppe mit Gelfand (Israel), Wang Hao (China), Caruana (Italien, der einzige echte Westler in der ersten Liga), Giri (Niederlande, aber russischer Pass, seine Mutter heißt zwar Olga ist aber nicht zu verwechseln mit der in der Frauenliga antretenden Olga Giria) und Europameister Potkin. Die meisten Punkte am ersten Brett hat übrigens neben Ponomarjow (danke für den Hinweis, Thomas) der nicht zu den bekannten Größen unseres Spiels gehörende aber Insidern für seine Brachialoriginalität bekannte Boris Sawtschenko. 

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