Olympiade von unten

by on09. August 2014
Team Bhutan Team Bhutan Daniel Skog - Turnierseite

In meinem Olympia-Vorbericht für den Schachticker hatte ich auch diesen Satz eingebaut: "Nach dem Motto “Gens una sumus” nenne ich noch das Ende der Setzliste, Teams mit Eloschnitt 1000 (d.h. gar kein Spieler mit FIDE-Elo): Bhutan, Kongo, Gabun, Elfenbeinküste, Oman, Senegal, Somalia, Swaziland und Timor Leste." Einige dieser Teams sind dann doch nicht angereist, aber Bhutan ist dabei - wie das Titelfoto beweist. Das war auch das Titelfoto für 06 August auf der Turnierseite, das ich mit freundlicher Genehmigung recycle. Swaziland ist auch dabei, und bereits in Runde 3 gab es ein von den Medien ziemlich ignoriertes Underdog-Derby an Tisch 76 - schade eigentlich, so entging dem Publikum eine durchaus spannende Partie an Brett 2. Das wird Schwerpunkt dieses Beitrags, wobei ich danach noch zeigen werde, dass auch Spieler mit Elozahl und Schachtitel patzen können.

Bhutan und Swaziland habe ich eher zufällig ausgewählt, wie haben sie insgesamt gespielt? Bhutan begann mit einem sensationellen 4-0 gegen Luxemburg - so schien es zumindest, wobei ich mich wunderte, dass ein IM mit Dame weniger nicht aufgibt und ein Spieler mit Elo 2189 nach 12 Zügen einen Turm weniger hat und ebenfalls weiterspielt als ob nichts passiert ist. Des Rätsels Lösung: Sie spielten offenbar mit vertauschten Farben; irgendwann wurde bei den offiziellen Ergebnissen aus Luxemburg-Bhutan 0-4 Bhutan-Luxemburg 0-4. Dann unterlag Bhutan 0,5-3,5 gegen Trinidad und Tobago, wobei Cheda (einziger Spieler im Turnier ohne Vorname?) den halben Ehrentreffer erzielte, in einer durchweg ausgeglichenen Partie gegen immerhin Elo 2104. Das Derby gegen Swaziland haben sie 3-1 gewonnen, womöglich Jetlag beim Gegner (s.u.). Dann holten sie gegen Südkorea, Guyana und Oman null Brett- und damit null Mannschaftspunkte, und jetzt wartet wieder ein Team aus Europa: Jersey.

Swaziland erschien erst zur dritten Runde. Zählbares Ergebnis ist bisher ein 2-2 gegen Solomon Islands, daneben Niederlagen gegen Bhutan, Papua Neuguinea und Ruanda und nun kommt Senegal.

Nun zur Partie Mavuso Lunga-Cheda im besagten Match: Die Eröffnung lasse ich mal unkommentiert (1.d4 d5 2.e3 Sf6 3.f4) und steige ein nach 28.-Dc8:

Mavuso-Cheda1

 

 

 

 

 

 

 

Beiderseits hängt eine Figur, was tun? Gut für Weiss war 29.Ld2 oder auch 29.De1 (mit einer kleinen taktischen Pointe nach 29.-Sb4), aber er spielte 29.exd5 Txc1 30.Dd2 Dc5+ 31.Kf1 Txd1+ 32.Dxd1 Dxd5? (32.-exd5)

Mavuso-Cheda2

 

 

 

 

 

 

 

Nun konnte Weiss davon profitieren, dass sein König luftiger und näher am Zentrum steht, aber er wollte sich nicht von seiner Dame trennen - oder im Unterbewusstsein doch? 33.Dc1?? Df3+?? (es gab einen besseren Zug, der das spätere weisse Gegenspiel verhindert hätte) 34.Ke1? (34.Kg1) 34.-Dh1+ usw. - Schwarz verhaftete ein paar weisse Bauern, konnte mehrfach die Damen abtauschen (was nun für ihn gut war) aber suchte die Entscheidung im Damenendspiel. Die kam dann in dieser Stellung:

Mavuso-Cheda3

 

 

 

 

 

 

 

Nun musste Cheda wohl oder übel 43.-Db8 spielen, mit gewissen technischen Problemen trotz zwei Mehrbauern. Stattdessen geschah 43.-Kf8?? 44.Da8+ 1-0. Insgesamt ein verdienter 3-1 Sieg für Mavuso Lunga, der mit 1-0 gewertet wurde.

Wie gesagt, auch elostärkere Spieler können patzen - deren Namen verschweige ich mal (zumindest einen kennt das Publikum sicher):

Kantans-Madrigal

 

 

 

 

 

 

 

26.Da5?? Sxa5!! 0-1

Im nächsten Beispiel stand ein (ehemaliger?) Weltklassespieler gegen einen Ex-Weltmeister bereits schlecht:

Ivanchuk-Kasim

 

 

 

 

 

 

 

Aber 36.fxg5? Txe5 0-1 war nicht erzwungen.

Quesada-Kostenko

 

 

 

 

 

 

 

28.-Lh3? 29.Txh3 und wenig später 1-0. Schwarz plante wohl 29.-Df1+ was an einem Detail scheitert: 30.Dc1 Dxh3 31.Tc8+ - darum plädierte Houdini in der Diagrammstellung für 28.-h6.

 

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