Neulich im Schachverein (Teil 2)

by Dirk Paulsen on24. Juni 2017

Neulich im Schachverein (Teil 2) oder: Regeln und ihre Anwendung

kar2Nun ja, zunächst einmal die Stellung, wie sie wohl denn „wirklich war“. Der Turm auf e1 war, bei der Umwandlung, als „Dame“ ausgerufen worden. Nun zog Schwarz also völlig regulär Turm e1 nach b1. Jedoch wäre dieser genau der zu vermeidende Zug gewesen – denn ansonsten gäbe es weit und breit ausschließlich Gewinnzüge. Zumindest derart, dass sie den Gewinn nicht direkt in Frage stellten, sozusagen „objektiv“ (konstruieren könnte man, zum Verlust, die eigene Dame nach b7 bringen, dort schlagen lassen, dem Gegner eine Dame genehmigen, die anderen Figuren unterwegs einsammeln zu lassen und dann Matt gesetzt werden; so lange ein Bauer übrig ist...). Der Ausruf „Schachmatt“ entsprang natürlich der Vorstellung, dass auf e1 eine Dame gewesen wäre und diese, per Diagonalzugfähigkeit den König einem Schachgebot ausgesetzt hätte.

Was konnte nun Weiß tun? Man darf ihm dabei durchaus unterstellen, genau auf eine derartige Chance gelauert zu haben. Er stünde im Patt und zeigte dies dem gut ausgebildeten Schiedsrichter an, welchem nun eigentlich nur diese Wahl blieb: „So weit alles richtig. Turm, so rum oder so rum aufgestellt, ist ein Turm. Die Stellung ist patt, die Partie remis.“

Die Diskussionen endeten zwar nicht unmittelbar, aber doch blieb letztendlich nur diese eine Entscheidung.

Hier jedoch kann man nun so weit unbehelligt einfach weiter darüber reden. Es gibt dabei immer verschiedene Herangehensweisen. Eine ist: eine kleine Stellungsmodifikation vornehmen. Einfach so. Wozu? Mal sehen.

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Schwarz am Zug.

Die Vorgeschichte identisch – in der Phantasie. Auch hier ein gedrehter Turm auf e1. In diesem Moment, so muss man wohl sicher annehmen, hätte der Schwarzspieler mit dem Zug Oe1-b4 (das „O“ steht für „Objekt“) sein Zugrecht ausgespielt. Zugleich jenen mit dem Ausruf „Schachmatt“ begleitet. Was wäre nun die Folge gewesen? Sicher hätte Weiß auch dann die theoretische Möglichkeit, eine Pattstellung anzuzeigen. Nur hätte er sicher die viel bessere Chance genutzt: „Illegaler Zug. Te1-b4 geht nicht. Sie haben verloren.“

Auch hier wäre dem Schiedsrichter wohl kaum eine Wahl geblieben? 1:0 das Ergebnis halt, statt ½:½. Was macht das schon? „Unmöglicher Zug, kommt doch mal vor, kann passieren, hab ich auch schon mal...“. Auf eine Art ist das sogar witzig oder gar „künstlerisch wertvoll“.

Die Philosophie – ein alternativer und im Grunde stets verfügbarer „approach“ – liefert ein paar mehr mögliche Antworten. Bevor ein paar davon genannt werden: die Partie wurde mit ½:½ gewertet, die nächste Runde ausgelost. Der ansonsten stets freundliche, zugängliche  -- selbst wenn ab und an, wie man häufig mit derartigen Vertretern assoziiert, leicht verwirrte -- Professor jedoch fand den Weg nicht mehr zurück ans Brett. Seine kurz und keineswegs unfreundlich an Alle gerichteten Worte: „Ach nee, ich hab keine Lust mehr, ich geh nach Hause.“

Dies wirft natürlich ein paar weitere Fragen auf. 

 

WIRD FORTGESETZT

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