In eigener Sache Teil 1

by on04. Juli 2013

Seit Monaten stelle ich hier nun Studien und Probleme vor und lasse dabei meine eigenen bisher geflissentlich weg. Dafür gibt es allerdings auch einen guten Grund: Ich habe mir als Selbstmattautor einen Namen gemacht. Da ist es schwer, bei meinen Stücken eins zu finden, das besonders publikumswirksam daher kommt. Zu Selbstmatts werde ich in Teil 2 einiges sagen. 

Ein produktiver Studienkomponist bin ich dagegen nicht. Ich habe bisher zwei Studien komponiert. Die eine davon ist eine Nalimov-Endgame-Tablebase-Studie und zeigt meines Erachtens das Äußerste, das man aus dem Material S+L+B vs. D herausholen kann. Die andere stelle ich hier und heute vor.

LossinGewinn

 

Dieses Stück von mir erschien im Februar in "Schach".

Weiß hat zwei Bauern für den Läufer und der b6 stellt eine ernsthafte Gefahr dar. Außerdem gibt es Durchbruchideen am Königsflügel. 

Ich hatte schon immer im Gefühl, dass man zum Thema Bauerndurchbruch noch einiges bringen kann. Und so kam es, dass ich nach einem Abend, den ich mit meiner Familie bei einem IM aus dem Raum Berlin und seiner ebenfalls schachspielenden Ehefrau verbracht hatte, noch unter dem Einfluss der schachlichen Begegnung (und wohl auch der dort ausgeschänkten Getränke...) noch zum Rechner griff. Es entstand der Prototyp zu diesem Stück, den es mir gelang, zu diesem kleinen Kunstwerk auszubauen.

Neben dem Bauerndurchbruch sind hier nämlich auch die Motive "beidseitiger Zugzwang", "Selbstverstellung" und "Selbstblock" zu entdecken. Viel Spaß beim Knobeln! Weiß am Zug gewinnt.

Kommentare   

#1 Helmut 2013-07-06 19:46
Bisher traut sich anscheinend niemand, also versuche ich mal mein Glück.

Weiß hat nicht soo viele Züge. 1.b7 dürfte schiefgehen nach La6, Lxb7 und Kxd6 - der schwarze d-Bauer rennt.
Interessanter, aber wohl auch verkehrt sieht 1.f5+ aus. Der Läufer kann nicht schlagen. Schlägt der König, dann sieht es gefährlich für Schwarz aus nach 2.Kxd7. Aber 1...gxf5 funktioniert für Schwarz, der bricht mit seinen Bauern schneller durch als Weiss, wenn ich richtig geschaut habe.

Daher tippe ich auf h5 gefolgt von f5+, dann entfällt für Schwarz die Verteidigung gxf.

Falls ich bis hier richtig liege, folgt demnächst Teil 2.
#2 Losso 2013-07-07 14:33
Nach 1.h5 kann sich Schwarz ganz knapp retten.
Die Variante, die rettet, muss gefunden und dann eine Verstärkung in dieser ausgemacht werden.
#3 Christian Eichner 2013-07-07 16:37
Ich habe nichts analysiert, würde nach Gefühl mit 1. Kd8 Le4 2. Kc7 beginnen. Nun ist Schwarz gezwungen, den Läufer vom besten Platz abzuziehen. Dann h5 oder f5 ... ?!
#4 MiBu 2013-07-08 10:20
Auf 1.Kd8 Le4 2.Kc7 dürfte Lc6 die beste Antwort sein. Wie soll es dann weitergehen für Weiß? M.E. gehen weder h5 noch f5; aber ich habe auch keine konstruktivere Idee im Angebot.
#5 Helmut 2013-07-08 12:41
Meine erste "Lösung" war tatsächlich knapp daneben, denn nach 1.h5 folgt nicht gxh sondern 1...La6+ 2. Kd8 gxh -- und dieser Bauer ist fix genug, um remis zu halten.

Mehr verrate ich nicht. Sehr schöne Knobelei!
#6 MiBu 2013-07-09 09:28
Fassen wir mal zusammen: 1.h5 scheitert knapp, 1.f5+ an gxf5. 1.Kb7 und Kb8 sind sinnlos. 1.b7 wird mit La6 beantwortet und 1.Kc7 ebenfalls. Somit bleibt nach Ausschlussmethode nur noch 1.Kd8 wie von Christian vorgeschlagen
Nun scheitert 1.-La6 an 2.Kc7, weil nunmehr Schwarz am Zuge und in Zugzwang ist, also 1.-Le4. Richtig ist nun Helmuts h5. Es scheint also eine Rolle zu spielen, dass der L den Bb6 nicht von a6, sondern von e4 aus aufhält... (Ich hoffe, ich liege mit dem Terminus "schräges Epaulettenmatt mit Stütze" richtig.)
#7 Losso 2013-07-09 11:50
"schräges Epaulettenmatt mit Stütze"
Netter Begriff.

Wenn Du das Matt gefunden hast, hast Du auch den Selbstblock gefunden, in diesem Fall sogar Selbstfernblock, da der sK ja noch auf e6 steht. Auch stellst Du implizit richtig fest, dass die Ausgangsstellung mit wKc7 sLa6 eine Stellung beiderseitigen Zugzwangs ist, daher 1.Kc7? La6!, aber 1.Kd8 La6? 2.Kc7!.

Es gibt noch ein paar Verzweigungen, zumindest die eine mit der Selbstverstellung (s. Text) sollte noch gefunden werden.
#8 MiBu 2013-07-09 14:26
Ich glaube, es war in Kurt Richters "666 Kurzpartien", in denen diverse Mattbilder vorkamen und zum Teil auch mit Namen erklärt wurdenn. So ist wDg6 vs sKg8 Tf8 Th8 das gewöhnliche (gerade) Epaulettenmatt, steht der K auf g7, benötigt die wD "Stütze" um nicht geschlagen zu werden, und dann sind die Epauletten (meint die Schulterstücke rechts und links bei einer Uniform) schräg und nicht gerade.

Die Variante dahin lautet 1.Kd8 Le4 2.h5 gxh5 3.f5+ Kxf5 4.Kxd7 h4 5.Kc7 hxg3 6.d7 g2 7.d8D g1D 8.Df6# Dabei bilden Le4 und Bg4 die Epauletten, wobei der Le4 durch den Schlüssel auf das Feld gezerrt wurde. Sehr schön und vor allem nicht offensichtlich!
#9 Losso 2013-07-09 14:41
Sehr gut! Und danke für das Lob.

Zwischenopfer des sL sind natürlich genauso hoffnungslos wie 2.-Lc6 3.h6!!

Aber 3.-Kxd6 (oder mit Zugumstellung 2.-Kxd6 3.f5 gxh5) ist noch hübsch. 2.-Kxd6 3.f5 gxf5 verläuft hingegen eher klassisch.
#10 Helmut 2013-07-09 20:10
Ich möchte mich dem Lob von MiBu anschließen, sehr schöne Aufgabe! Als ich beim Knobeln das Matt mitten auf dem Brett entdeckte, mußte ich glatt schmunzeln. Aber auch einige "Nebenlinien" waren recht interessant, z.B.:

1. Kd8 Be4 2. h5 Kxd6 3. f5 gxh5 4. f6 Ke6 5. Ke8 Bg6+ 6. f7 Bxf7+

Der Läufer schlägt sogar mit Schach, aber danach steht der eigene König im Weg rum... Es gab viel zu entdecken, hab sogar mein Schachspiel dafür ausgepackt.

Vielen Dank, Losso!
#11 Losso 2013-07-10 13:02
Nochmal kurz zur Entstehung:
Eine erste Fassung hatte schon das Fernblockmotiv, aber einen sehr schwachen Schlüsselzug. Ich war schon drauf und dran, das Stück so zu lassen, wurde aber von Harold von der Heijden nochmal motiviert, weiterzusuchen.
Dann sah ich die Möglichkeit, den beiderseitigen Zugzwang zu realisieren und hatte dann das Autorenglück, dass die von Helmut letztgenannte Variante mit drin steckte.

Übrigens ein ganz wichtiger Tipp für jene, die sich mal als Autoren versuchen möchten: Wenn ihr eine gute Fassung gefunden habt, legt sie eine Woche beiseite und sucht dann eine bessere.
#12 MiBu 2013-07-11 15:11
Der Vollständigkeit halber sei noch 1.Kd8 Le4 2.h5 Kxd6 3.f5 gxf5 4.g6 erwähnt. Nach 4.-hxg6 5.h6 kommt es zum touchdown und nach 4.-h6 5.g7 Ld5 ebenfalls, wobei Weiß wählen darf, welchen Bauern er opfert und welchen umwandelt - das war wohl in Kommentar 9 mit "eher klassisch" gemein, denn das Motiv "Langschrittler soll zwei Bauern gleichzeitig aufhalten und ist damit überlastet" ist natürlich in der Tat nicht neu.

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