Husten

by on26. März 2013

Will es denn gar nicht Frühling werden? Zwar haben wir optimales Schachwetter, aber solche Temperaturen im März, das will doch niemand. Vor allem, wenn sich ein grippaler Infekt wie Gummi hinzieht und das Gekeuche nun schon vier Wochen geht. Was das mit Schach zu tun hat? Nicht viel, aber als ich die Bibel der Zweizügerthemen ("Von Ajec bis Zappas" heißt sie) des Großmeisters Udo Degener aus Potsdam in Händen hielt, fiel mir das Thema "Broit" auf. Ich weiß nicht einmal, ob das deutsch, französisch oder sonst wie ausgesprochen wird, aber aufgrund meiner Erkrankung konnte ich mir lebhaft vorstellen, dass der Komponist, der es erfunden hat, gerade stark erkältet war und dann ein paar Buchstaben seiner Bronchitis beim Blick auf sein Werk weggehustet hat.

Die Darstellung des besagten "Broit"-Themas hat mich jedoch alles andere als kalt gelassen, handelt es sich doch um die Kombination von zwei hübschen Schnittpunktthemen. Der Komponist ist vielen eher als Erschaffer tiefgründiger Studien bekannt, dabei war er insbesondere auch ein sehr produktiver Problemkomponist. Sein Name ist Leonid Kubbel und in seinem gerade einmal 50 Jahre währenden Leben hat er laut Wiki ca. 2800 Schachkompositionen erschaffen.
 Und darunter viele Perlen, die ausgezeichnet wurden, darunter auch unser "Broit", der als Jahrgangsbester der Zeitschrift "Sadatchy i Etjudy" 1928 als Jahrgangsbester Zweizüger den 1. Preis für sich verbuchen konnte.

KubbelM2

Das ist das schöne Stück, in dem der anziehende Weiße das Matt spätestens im zweiten Zug erzwingt.

Viel Spaß beim Lösen und frohe Ostertage!

Kommentare   

#1 Gerhard 2013-03-27 09:06
Schönes Beispiel.
Brauchte etwas länger, aber ich sage mir: Ich bin ja kein Problemlöser.
Zum Husten: Bisher konnte ich ihn für mich abwehren, aber vielleicht kommt er erst dann zu mir, wenn es richtig warm wird.
#2 MiBu 2013-03-27 10:48
Offenbar ist ein Randspringer gelegentlich doch nicht so schlecht...
#3 Schachorganisator 2013-03-27 17:40
Ja, den Schnittpunkt muss man finden!
Allerdings: spätestens ist wohl der falsche Ausdruck und muss frühestens lauten!
#4 Losso 2013-03-27 17:55
Genau genommen sind es zwei schwarze Schnittpunkte. Einen davon besetzt Weiß, dann nennt das der Problemist "Nowotny", den anderen besetzt er nicht, aber dort kommt die gleiche Schnittpunktthematik zustande. In diesem Fall spricht man von einem "Grimshaw".
Die Kombination aus Nowotny und Grimshaw, so durfte ich lernen, nennt man Broit.

Wer sich schon immer mal gewundert hat, warum sich so wenige Schachspieler für die Schachkomposition interessieren - die Tausenden Fachtermini sind zumindest ein Teil des Grundes.
#5 MiBu 2013-04-04 15:42
Offenbar hat der Poblemistensprech jetzt endgültig das Publikum in die Flucht geschlagen...
Jedenfalls war meine erste Idee beim Blick aufs Dia Lf3, aber das war die Verführung (Ist das der Grimshaw? Ich habe keine Ahnung.), da Lxh6 den starken Randspringer entfernt und es an einem einzügigen Matt fehlt.
Fehlt also noch die Lösung, das ist dann wohl der Nowotny .(Wobei, war das nicht eigentlich ein Spieler von Bayer Leverkusen?)
#6 Helmut 2013-04-04 19:13
Ich weiss nicht, ob ich richtig liege, aber irgendwie sieht Tf6 ganz nett aus, oder?
#7 Losso 2013-04-04 19:33
Ja, in der Tat, Helmut.
Der Turm besetzt den Schnittpunkt und es droht 2.Seg8#.
Schlägt eine der beiden Figuren auf f6, nutzt Weiß die Verstellung der jeweilig anderen aus. Das gleiche gilt aber auch für f3, denn sowohl 1.-Tf3 als auch 1.-Lf3 parieren die Drohung, führen aber auch wieder zu Selbstverstellungen (@MiBu: die nennt der Problemist hier Grimshaw, da f3 von Weiß unbesetzt ist. Also Schnittpunkt auf einem von Weiß besetzten Feld -> Nowotny, auf einem unbesetzten -> Grimshaw).

Diese Schnittpunktgeschichten sind immer wieder hübsch, auch wenn das Thema natürlich steinalt ist. Ich freue mich jedenfalls immer wieder, wenn ich ein Stück mit solchem Inhalt gelöst habe, denn komischerweise fällt den Komponisten immer wieder etwas neues dazu ein.

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