Giri nach mehr

by on30. Januar 2011
Anish Giri in Wijk Anish Giri in Wijk Joachim Schulze

Anish Giri hat in Wijk aan Zee auch seine Schwarzpartie gegen Anand remisiert. Aber nicht etwa remis gehalten. Es war der Weltmeister, der zu kämpfen hatte. Es war ihre erste reguläre Partie, aber voriges Jahr spielten sie vor dem WM-Kampf Sparringspartien zu Eröffnungen, die Anand für Topalow testen wollte. Zwei davon hat Giri übrigens gewonnen, wie er dem NRC Handelsblad kürzlich verriet. Dass er den Ruhetag blokartend am Strand verbracht hatte, rächte sich jedenfalls nicht. Schon um den 20.Zug herum war Schwarz am Drücker, obwohl Anand keinen offensichtlichen Fehler begangen hatte. Während der Inder brütete, wie er sich behaupten konnte, sah man Giri entspannt herumspazieren und sich den Stellungen des C-Turniers widmen. In der Endphase drängten sich Hunderte hinter der Absperrung, um einen Blick auf Giri, Anand und ihre Stellung zu erhaschen. Der einzige Fehler, den der sehr lebendig und lesenswert schreibende Livekommentator Ian Rogers in Giris Spiel nachweisen konnte, war sein letzter Zug. Mit 49...Tb6 hätte der 16jährige zwar nicht unmittelbar gewonnen, aber wohl auf Gewinn gestanden, meint der australische Großmeister. Nach 49...Td2? kam Anand mit dem Schrecken und einem halben Punkt davon. Giri hatte nach 50.Tc7 c2 51.Tc6+ Kh5 den Zug 52.Tff6 nicht auf der Rechnung. Aber wir haben Giri auf der Rechnung. Seine Fortschritte, seit er vor nicht ganz drei Jahren in die Niederlande übersiedelte, suchen im Spitzenschach ihresgleichen. Bei seinem ersten Weltklasseturnier behauptet er sich auf Augenhöhe. Einem gewissen Magnus Carlsen war das nicht gelungen. In Elopunkten legte Giri in den letzten drei Jahren doppelt so viel zu wie der Norweger im entsprechenden Alter.

Der hat übrigens an diesem Samstag einen sehr hübschen Sieg gegen Wang Hao eingefahren, und beißt sich vermutlich in den Hintern, gegen Giri und Nepo nicht remis genommen zu haben. Denn dann wäre er jetzt punktgleich mit Leader Nakamura, der vor seinem ersten großen Turniersieg steht.

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