Es kann auch keinen geben

by on28. Mai 2012

Mal ehrlich, war das weltmeisterlich oder auch nur das Prädikat WM wert, was Anand und Gelfand in den zwölf WM-Partien geboten haben? Ich finde nein. Remisquote über 80 Prozent. Nur 29 Züge im Durchschnitt. 75 Prozent mit frühem Damentausch, im Durchschnitt vor dem 20.Zug.

 

Der letzte WM-Kampf, der mich ähnlich enttäuschte, war Kramnik-Leko 2004, hatte mehr unausgespielte Stellungen, aber immerhin doppelt so viele entschiedene Partien und war am Ende richtig dramatisch. Hatten wir einfach Glück mit den letzten drei WM-Kämpfen? Zweimal war Topalow dabei. Mit einem Topalow, Carlsen oder Aronjan, behaupte ich, gibt es keine uninteressanten Zweikämpfe. Mit einem Anand kann das schon passieren, zumindest mit der Version von 2012. Der Inder klammert nur noch an seinem Titel, statt ihm auch zwischen Titelkämpfen Ehre zu machen. Ja, er schafft es nicht einmal, einen nicht zu den Top Ten zählenden Gelfand zu schlagen, wenn der sich nicht gerade, wie in der achten Partie, selbst ausknockt.

 

Brauchen wir einen Weltmeister, der so ein lasches Match im Schnellschach oder vielleicht sogar erst im Blitzschach gewinnt? Es wäre ja noch vertretbar, wenn dieser Weltmeister in seinen Turnieren etwas reißt. Das kann man aber weder von Gelfand noch Anand behaupten. Weltmeister als Auslaufmodell. Unter jetzigen Umständen würde ich sagen: Es kann auch keinen geben.

 

Hier mein Vorschlag: Wer am Mittwoch das Stechen gewinnt, soll sich ein knappes Jahr lang Weltmeister nennen und von der FIDE so genannt werden (muss ja sonst nicht jeder tun) und kriegt statt einem Gratistitelkampf den Platz im Achterturnier in London. Wer dort im Frühjahr 2013 gewinnt, wird der nächste Weltmeister. Und bis dahin diskutiert und entscheidet die internationale Schachcommunity, ob sie dem Weltmeister noch ein so gewaltiges Vorrecht einräumen will, zwei Jahre lang zuzuschauen, wie sich die anderen profilieren, und ob wir überhaupt noch lange Zweikämpfe um den wichtigsten Titel haben, wenn die Welt nur bei diesen ein wenig hinschaut und das, was dort geleistet (oder auch nicht geleistet) wird, damit verwechseln, was Spitzenschach wirklich zu bieten hat. 

Kommentare   

+1 #1 Roder 2012-05-28 19:27
Ich verstehe das Problem nicht.
Sowohl Anand, als auch Gelfand haben sich das Recht erkämpft, um den Weltmeistertitel zu spielen. Ob das dabei zustandegekommene Match nun spannend, schachlich interessant oder was auch immer war, ist irrelevant. Ja, ich fands auch langweilig, aber so ist das nun mal im Sport. Topalov, Carlsen und Aronian hatten alle die Möglichkeit, sich für das Finale zu qualifizieren, haben es aber nicht geschafft. Warum sollte man nun Anand und Gelfand anders behandeln, nur weil die Partien der beiden nicht dem eigenen Gusto entsprochen haben? Soll die FIDE nun im Jahresrhythmus in 8er-Turnieren einen Psudo-Weltmeister ausspielen, bis irgendjemand gefunden ist, der das Wohlwollen der schachbegeisterten Patzer dieser Welt findet?
-1 #2 Bercher 2012-05-28 20:05
Servus,
ich fand einen Vorschlag aus der live-Übertragung nicht schlecht:
Den Schnellschachstichkampf am Beginn des Wettbewerbes:

- Der Vorwettbewerb ist was für die Zuschauer
- Es ist beim Wettbewerb Einer in Führung der Andere muss was tun. Einer ist immer mit dem remis nicht zufrieden.
Warum hat Anand die letzte Partie nicht ausgespielt ? Als er ab der 9. gewinnen musste hat er gleich gewonnen.
+1 #3 Roder 2012-05-28 20:11
Er hat nicht gewonnen, Gelfand hat verloren. :)
+1 #4 Woltmann 2012-05-29 12:21
Es hat schon so tolle Zweikämpfe gegeben, daß man nicht wegen eines eher Langweiligen wieder so eine lästige Debatte um den Modus beginnen sollte. Mir haben diese Partien auch nicht sonderlich gefallen, das Match gegen Topalov aber war toll und das nächste wird es bestimmt auch sein. Ich finde, diese Zweikämpfe haben einen besonderen Charme! Und irgendwie scheinen über 100 Journalisten die Angelegenheit spannend genug zu finden!

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