Ein seltenes Motiv, die Dritte

by on01. Februar 2013

Bei denjenigen, die sie gelöst haben oder schon kannten, hat die Studie des vorigen Monats sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch ich denke immer wieder mit Vergnügen an sie.

Manchmal fragt man sich, was für ein meisterliches Gehirn da wohl gewirkt haben muss, das solche Kunstwerke hervorbringt. Und so gehört zu den Studien, die einem immer mal wieder einfallen, auch die folgende, die erst jüngst vom Österreicher Peter Krug in das Rennen um einen der Spitzenplätze beim Turnier der British Chess Problem Society geworfen wurde und als sechstbeste Komposition leider nur die 2. ehrende Erwähnung erreichte. Unser von Alpen durchzogenes Nachbarland leistet sich übrigens gleich zwei Spitzenstudienkomponisten. Neben dem Autor hier ist das Günter Amann, der in der letzten Zeit viele spektakuläre und mit Preisen ausgezeichnete Studien präsentierte und anscheinend auch ein respektabler Schachspieler ist.

Krug

Ich habe ja gelernt, dass für partienahe Endspielstudien jetzt mein Kollege Michael Schwerteck zuständig ist, daher ist es wohl in Ordnung, ein besonderes Augenmerk auf den künstlerischen Ausdruck zu legen. Wobei man dazu sagen muss, dass auch in der Schachkomposition ein Quintupelbauer mit eingesperrtem schwarzen Läufer und gerade noch so eben legaler Stellung für Naserümpfen sorgt und durch den Inhalt gut begründet sein möchte. Das ist meines Erachtens hier absolut der Fall.

Unser "seltenes Motiv" kommt hier ganz am Anfang und nur in halber Form. Ein paar Züge später kommt es dann zu einem Springer vs. Läufer-Duell, das ich so vorher noch nie gesehen habe und das, wie oben gesagt, einen nachhaltig prächtigen Eindruck bei mir hinterlassen hat.

Das Material ist in etwa ausgeglichen, der schwarze König steht schlecht, was schlussendlich auch die Partie entscheidet, die schwarze Dame ist deutlich aktiver als die weiße. Ich wünsche viel Erfolg beim Finden der Lösung. Houdini 1.5 hat es bei mir nicht gepackt, zumindest nicht in 10 Minuten auf mittelmäßig alter Hardware. Vielleicht hilft ja menschliche Phantasie, die der Autor wohl zuhauf gehabt haben muss.

Weiß am Zug gewinnt, Lösungsideen und Anmerkungen wie immer als Kommentar.

Kommentare   

#1 MiBu 2013-02-01 20:41
Mit den Vorgaben tippe ich auf 1.Dd8, um nach Dxd8 mit 2.Se4 fortzusetzen. Die Drohung Sg3# erzwingt Dh4 oder Dc7. 3.Sg3+ Dxg3 4.fxg3 Lxh5, und nun kommt wohl das Duell S vs L, wobei Weiß versucht den Gaul nach g3 zu bringen. Fragt sich nur, ob direkt 5.g4 folgen muss oder 5.Kf2 richtig ist.
#2 Losso 2013-02-01 21:16
Alles richtig bisher, mit der Ausnahme, dass nur 2.-Dh4 geht und 2.-Dc7 sofort verliert.
Die Logik der Stellung nach dem 4. Zug zu ergründen, ist nun die Herausforderung.
#3 MiBu 2013-02-04 17:10
Okay, inzwischen habe ich erblickt, dass 2. - Dc7 zwar Dc4+ droht, aber 3.Sd3 wehrt das ab und droht vor allem f3.

Da der S gegen den L kein Tempo gewinnen kann, nehme ich an, dass man den benötigt. Meine Gewinnidee ist daher, nach 5.g4 Lxg4 6.Kf2 Le2 7.g4 Lxg4 8.Sd3.den S nach d2 oder d4 zu bringen. Es droht dann Sd2-f1 oder e4 bzw. Sd4-e2 oder f5. Der L muss dann auf d3 oder g2 stehen bzw. d3 oder g4. In dieser Stellung Sxb3 L zieht S wieder zurück, L wieder zurück und b3 mit Zugzwang.

Eine konkrete Variante habe ich allerdings nicht parat; womöglich müsste man mit einer Tabelle zugeordneter Felder arbeiten. Andere Ideen oder Vorschläge?
#4 IS 2013-02-04 19:05
(I) Nach dem vierten schwarzen Zug ergibt sich folgendes Problem: Wir würden gerne auf g3 Matt setzen, denn auf f2 wird es nie was, weil dazu unser König ja auf f1 stehen muss, aber immer ein Schach vom Läufer bekommt. Also sollte der g3-Bauer gelegentlich mal ziehen.

(II) Er sollte es aber nicht sofort tun, denn nach 5.g4 Lxg4 6.Kf2 Le2! ist unser Springer solange immobil, bis wir auch den anderen g-Bauern ziehen müssen. Und das ist gerade das Problem, denn

(III) Ohne die beiden g-Bauern kann Weiß nicht gewinnen. Er kann höchstens seinen Springer nach f6 bringen, von wo er die beiden Todesfelder e4 und h5 im Visier hat, aber wird durch Lf3 immer angemessen ausgekontert. Entsprechendes gilt auch für d6 und d3. Hat man aber noch einen g-Bauern auf g2 (!) in Reserve, gewinnt man einfach mit Sf6 Lf3 und nun g4. Schwarz verliert wahlweise die Kontrolle über e4 oder h5 und wird matt. Mit einem Bauern auf g3 wäre die Stellung aber Remis, denn um etwas zu drohen, muss er ja erst noch nach g4 vorrücken, denn auf g3 stopft er das Mattfeld.

(IV) Bedingt durch (II) und (III) ziehen wir also nicht sofort den Bauern, sondern behalten das Material und spielen 5.Kf2!, wonach (einziger Zug) 5...Lg4! folgt. Geht der Läufer irgendwo anders hin, spielen wir sofort 6.g4!, bringen dann den Springer nach f6 und gewinnen. Sofort 5.Sd3 ging ja nicht wegen der Gabel 5...Le2+!.

(V) Nach 5.Kf2 Lg4! haben wir aber ein Problem: Wie werden wir nun den g3 los? Wir versuchen 6.Sd3 aber kriegen sofort einen Angriff auf den Gaul mit 6...Le2 oder 6...Lf5. Nach etwa 7.Se4 zieht sich der Läufer sofort nach g4 zurück. Wir ziehen den Springer noch ein paar mal hin und her und merken, dass wir in einer Sackgasse sind - Jedes Mal, wenn wir den g-Bauern ziehen könnten, hängt unser Pferd, und jedes Mal, wenn das Pferd sicheren Halt unter den Füßen hat, ist der g-Bauer blockiert. Wenn es doch nur irgendwo ein sicheres Plätzchen für den Springer gäbe, wo er einen Moment Ruhe vor dem aufdringlichen Läufer genießt...

(VI) Plötzlich gucken wir auf den Damenflügel und erblicken das Feld a8...
#5 MiBu 2013-02-04 20:26
Überzeugende Ausführungen von IS, danke! (Inzwischen ist mir auch klar geworden, was ich übersehen habe: Sxb3 Lc4 Sd2 scheitert an b3! Se4 Le1+, und das Mattnetz wird zerrissen.) Ich kann mich an keine Studie mit vergleichbarer Idee erinnern, wirklich originell! (Das lässt die extrem praxisferne Stellung tolerabel erscheinen.)
#6 Losso 2013-02-05 10:20
Danke, IS, ich hätte das kaum besser darstellen können. Eher lakonischer: Der Gaul wird auf weißen Feldern attackiert, steht er auf schwarz, zieht sich der Läufer nach g4 zurück.
Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob 5.g4 nur verlängert oder den Sieg wegschmeißt, tippe aber auf Verlängerung, da in der Mattstellung der Bauer auf g2 ja eh keine Funktion hat.

Über den Wert der Einleitung kann man übrigens streiten. Das Damenopfer ist wenig thematisch, aber immerhin ist das Schlüsselfeld des Springers auch das Ausgangsfeld des Starts der Studie.

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