Der österreichische Weg

by on11. November 2012

11.11 und 11 Uhr 11 Faschingsbeginn – Achtung Deckung! - die Krennwurzn spricht wohl wieder mit Äwigkneiper. Beruhigen Sie sich, die Lage in Österreich hat sich total verändert: ein 80jähiger austrokanadischer Milliardär gilt als große politische Zukunftshoffnung (Team Stronach), da kann ein nur drei Jahre älterer Schachpräsident doch kein Ablösekandidat mehr sein und damit bleibt diesmal der „schräge“ Äwigkneiper im Phantasiejenseits, denn die Schachrealität übertrifft jede Satire um Längen.

Es gibt schon jahrelang einen rückläufigen Trend bei den Schachspielern und da hat der ÖSB natürlich eine tolle Lösung gefunden: die verbliebenen Schachspieler dürfen bei mehreren Vereinen spielen! Diese Regelung gab es schon lange, aber heuer wurde von einem Gastverein auf zwei Gastvereine erweitert und zudem darf man auch im eigenen Bundesland Stamm- und Gastspieler sein!

2.3 Einzelspieler - Quelle: TUWO

a. Ein Spieler kann nur für einen (1) Verein und damit für einen (1) LV eine Stammspielberechtigung besitzen. 

b. Ein Spieler kann, sofern der betreffende LV zustimmt, zusätzlich als Gastspieler für zwei (2) weitere Vereine in einem Mannschaftsbewerb eingesetzt werden. Diese Vereine können demselben oder einem anderen LV angehören.

c. Die Teilnahme an der Damen-Bundesliga zählt nicht als Spielberechtigung für einen bestimmten Verein.

Eine weitere Besonderheit ist, dass es in Wien zusätzlich die Betriebsliga gibt und auch dort darf jeder Schachspieler noch bei einer Betriebsmannschaft spielen. Ein österreichischer Schachspieler kann also für max. vier Vereine spielen – eine Dame theoretisch sogar für fünf – denn obwohl einmalig (Saison 2011/12) gibt es weiterhin die Spielberechtigung für die Damenbundesliga mit Zweiermannschaften im Regelwerk! Durchführen muss man sie ja nicht, Hauptsache es gibt eine Spielberechtigung – so lautet die Expertise des IST (Instituts für sinnlose Turniere), dem wir Innovationen wie die oben schon erwähnte Damenbundesliga und die leider noch nicht im Guinnessbuch der Rekorde eingetragene Turnierserie ohne Teilnehmer und noch vieles mehr zu verdanken haben! Achtung - wer nach „IST Austria“ googelt wird nur das Institute of Science and Technology Austria finden – zwar ebenfalls eine Forschungsstätte, aber unbedeutend im Vergleich zum Unauffindbarem!

Aber dies ist nicht die einzige Besonderheit des Schachs in Österreich - blickt man in die österreichische Eloliste, dann findet man dort 25.000 Schachspieler – ganz schön viel auf den ersten Blick und sicherlich mehr als in Deutschland an der Bevölkerung gemessen! Schaut man genauer bemerkt man aber, dass man hier Zählanleitungen bei den Griechen genommen haben dürfte, denn davon scheinen 13.000 als abgemeldet und weitere 2.000 bei keinem Verein gemeldet auf! Von den nunmehr verbliebenen 11.000 Nettoschachspieler sind 9.000 Stammspieler und jeweils 1.000 Gast- und Betriebsligenspieler. Mit der Gastspielerregelung hat man einen genialen Coup gelandet, zumal weiterhin Potential auf Vermehrung von Spielberechtigungen vorhanden ist. Natürlich ist das bei genauer Betrachtung für die Vereine nicht so wirklich toll, denn die Bindung an einen Verein und damit das Vereinsleben und Überleben wird nicht wirklich gestärkt, wenn Mitglieder auch in anderen benachbarten Vereinen spielen dürfen. Der für die Bundesligen geltende Spruch „es steigen nur Vereine ab, die Spieler bleiben in der Bundesliga“ gewinnt damit nun auch in unteren Spielklassen Gültigkeit – das Legionärswesen wird nach unten exportiert.

Im Bundesland Oberösterreich gibt es beispielsweise nur die Einschränkung, dass man in der Klasse in der man Stammspieler ist, nicht als Gastspieler spielen darf – es wird nur verhindert, dass man gegen sich selbst spielen könnte, aber in einer anderen Klasse kann man als Gastspieler gegen seinen Stammverein spielen. Das erscheint doch einige - auch menschliche Probleme zu verursachen – aber dem ÖSB geht es ja wohl nicht um die Vereine, sondern eher um Beiträge und Spielerzahlen, denn ein Gastspieler bringt ähnlich viel in die Kassen wie ein Stammspieler - und so hält man die Meisterschaften leichter am Laufen. Eine zusätzliche Hilfe sind die variablen Spieltermine von Freitag bis Sonntag- so kann, wer möchte dreimal am Wochenende eine Meisterschaftspartie für verschiedene Vereine spielen. Ein Paradies für Vielspieler und Möchtegernprofis – aber eine organisatorische Herausforderung für die jeweiligen Mannschaftsführer, denn dieser kann nie genau wissen, wer gerade wann für welche Mannschaft in welchem Verein spielen wird.

Und dann könnte man ja noch auf „äwigkneiperische“ Ideen kommen: beispielsweise eine Zwangsspielberechtigungen einführen, jeder gemeldete Spieler muss mindestens eine Meisterschaftspartie pro Wochenende spielen – für verschiedene Vereine versteht sich von selbst – notfalls nach Bedarf natürlich auch noch mehr! Und auch die Damenbundesliga könnte man nach der Pause in dieser Saison 2013/14 wiederbeleben indem man den Herren Gastspielberechtigungen für die Damenbundesliga gibt – dies wäre nicht nur logisch und konsequent, sondern trägt auch dem Gedanken der Gleichberechtigung Rechnung, denn Damen dürfen ja auch in der Herrenbundesliga spielen!

Man kann nur wirklich nur gespannt warten, welche bahnbrechenden Ideen das IST (Instituts für sinnlose Turniere) in den kommenden Jahren ersinnen und in die Praxis einführen wird – jedenfalls ist der Weg klar vorgezeichnet: in wenigen Jahren wird es dank kreativer Spielberechtigungen in Österreich mehr Schachspieler als Einwohner geben – einen frohen Fasching wünscht die Krennwurzn allen SchachfreundInnen!

Krennwurzn

Anonymer aber dennoch vielen bekannter kritischer Schachösterreicher! Ironisch, sarkastisch und dennoch im Reallife ein netter Mensch - so lautet meine Selbstüberschätzung! Motto: Erfreue Dich am Spiel, nicht an der Ratingzahl! Das Leben ist hart, aber ungerecht (raunzender Ösi)!
 
Kontakt: krennwurzn@yahoo.de Internetseite: www.krennwurzn.gnx.at (uralt)

Kommentare   

#1 Thomas Richter 2012-11-11 22:36
Ich kenne die österreichischen Verhältnisse nun gar nicht, aber vielleicht kann man das alles auch positiv(er) sehen. Um mal mit der Pointe zu beginnen: Mitgliederschwund bekämpfen ist wünschenswert aber leichter gesagt als getan, dessen Folgen abmildern ist vielleicht einfacher und nicht unbedingt schlecht. Wenn die erwähnten Regeln dazu beitragen muss man sie nicht unbedingt kritisieren oder ins Lächerliche ziehen?

Nun konkret: Gastspieler - da fallen mir zwei Möglichkeiten ein die für mich absolut OK sind und nur eine fragwürdige:
1) Ein Spieler ist für seinen Stammverein eigentlich zu gut und kann anderswo höherklassig spielen - damit würde eine Lücke entstehen, mit den österreichischen Regeln kann er das eine tun und das andere nicht lassen.
2) Ein Spieler zieht um und sucht sich am neuen Wohnort einen neuen Verein, spielt aber weiterhin gelegentlich für seinen alten Heimatverein.
3) Ein Spieler spielt in einer hohen Klasse wo er qua Spielstärke hingehört, und nun noch - womöglich gegen Bezahlung - in einer niedrigeren Klasse.

"als Gastspieler gegen seinen Stammverein" - das Problem gibt es ja auch wenn man den Verein komplett wechselt. Zum Beispiel verzichtete Jan Gustafsson die ersten zwei Jahre die er für Baden-Baden spielte darauf gegen Hamburg anzutreten. Die beteiligten Spieler haben drei Möglichkeiten, eventuell in Absprache mit dem Mannschaftsführer:
- der Spieler mit doppelter Loyalität verzichtet
- sie schieben ein Kurzremis
- sie sehen das wie eine Partie aus der Vereinsmeisterschaft (wir sind und bleiben Freunde, möge der Bessere gewinnen)

Spieltermine von Freitag bis Sonntag: für die meisten Spieler ist das wohl nicht "und" sondern "oder". Ich weiss nicht ob es in Oesterreich (wie hier in NL) Spieler gibt die aus religiösen Gründen Sonntags nicht spielen wollen oder dürfen. Aber sicher gibt es Leute die am Wochenende eher was mit Familie oder Freunden unternehmen, arbeiten müssen oder neben Schach auch z.B. Fussball spielen. Die suchen sich dann eben einen Verein oder eine Mannschaft die am Freitag abends spielt.

Generell: eine Mitgliedschaft im Schachverein ist doch keine monogame Ehe. Man kann sich auch mehreren Vereinen verbunden fühlen und neben der Ehefrau jeden Mittwoch (Spielabend des Zweitvereins) eine Geliebte haben.
In meinem Kieler Verein waren Mitglieder anderer Kieler Vereine, Lübecker die in Kiel studieren, Hamburger und sogar Olaf Steffens :lol: jederzeit willkommen - das hat dem Vereinsleben keineswegs geschadet sondern es eher belebt.
#2 Krennwurzn 2012-11-12 10:19
Ehe und religiöse Gründe möchte ich außen vor lassen!

Vereine sind in unseren Breiten wichtige Elemente des Schachlebens und man sollte sie eher stärken als schwächen.

Überspitzt formuliert sehe ich wenig Sinn eine Regelung, die viele Profis und Möchtegernprofis zu Legionären mit den Rechten chinesischer Wanderarbeiter ausstattet, nun auch auf den Amateuer- und Hobbyspielerbereich auszudehnen.
#3 Thomas Richter 2012-11-12 18:13
Um einzuschätzen ob es ein Problem gibt und wie gross dieses ist, müsste ich die Antwort auf einige Fragen wissen:
Für wen wird diese Regelung eingeführt bzw. ausgeweitet?
Wer profitiert _ vor allem_ davon? Wirklich die Spieler die Bezahlung erwarten und bekommen, oder doch Amateure (meine Beispiele 1) und 2) ) und beide/alle beteiligten Vereine? Wieviele "Möchtegernprofis" gibt es - in der Praxis wohl eher Spieler die mit ihrem Hobby ein bisschen Geld verdienen wollen (in unteren Spielklassen wohl allenfalls ein paar Hundert Euros)? Wieviele Vereine im nominellen Amateurbereich sind bereit und in der Lage Gastspieler zu bezahlen?

Auch für mich ist jeder Verein der in einer Liga mit Eloschnitt 2000 IMs und GMs einkauft (oder in einer Liga mit durchschnittlich Elo 1600 schon Spielern in der Kategorie 2000+ Geld bezahlt) einer zuviel. Allerdings ist und bleibt es Sache des Vereins ob er sowas macht, von einem Sponsor oder Mäzen abhängig wird der vielleicht später die Lust verliert und dann ist der Verein kaputt.

Interessant ist auch noch "Ein Spieler kann, _sofern der betreffende LV zustimmt_, zusätzlich als Gastspieler ... eingesetzt werden". Ist diese Genehmigung reine Formsache, oder muss ein Antrag begründet werden und kann auch abgelehnt werden?

Die andere Frage - und das meinte ich mit dem Ehe-Vergleich: Kann oder darf ein Spieler wirklich nur einen Verein haben oder darf er sich auch mehreren Vereinen verbunden fühlen? Zumal wenn diese nicht direkt miteinander konkurrieren (anderer Landesverband, andere Spielklasse) oder unterschiedliche Konzepte/Philosophien verfolgen. Beim einen Verein steht vielleicht der reine Spass am Spiel und das Bierchen hinterher im Vordergrund, der andere ist mehr leistungsorientiert inklusive Leistungsdruck und legt weniger Wert auf das Soziale. Hier würden mich andere Meinungen interessieren.
#4 Krennwurzn 2012-11-13 11:58
zitiere Thomas Richter:
Ein Spieler kann, _sofern der betreffende LV zustimmt_,

Keine Einzelzustimmung sondern der jeweilige Landesverband kann generell autonom die Anzahl der Gastspieler festlegen - in Niederösterreich kannst Du in 3 Vereinen gleichzeitig spielen!
(In Oberösterreich wurde das immer sehr streng gehandhabt - dort gibt es weniger Vereinssterben, aber eine gewisse ""Spitzenschachfeindlichkeit"")

zitiere Thomas Richter:
Kann oder darf ein Spieler wirklich nur einen Verein haben...

Auch wenn ich den Ehevergleich nicht passend finde kurz: ich kann mich noch an die wilden Jugendjahre mit zwei oder mehreren Freundinnen erinnern - eine spannende Zeit - ABER heute wäre mir das viel zu stressig und die Mädls fandens auch damals gar nicht toll, wenn es aufgeflogen ist :cry:

Meine persönliche Meinung ist, dass man die Vereine stärken sollte, aber auch den Profis eine solide Grundlage zum Überleben bieten sollte (Anstellung, Sozialversicherung, etc ... wie in anderen Sportarten auch). Es gibt heutzutage schon das Problem, dass kleine Vereine aufhören, weil sich keine Funktionäre mehr finden, wenn wir den Legionärsschwarm (-> chin. Wanderarbeiter) weiter vergrößern und auch im Hobbybereich zulassen, dann schaffen wir nicht die große Freiheit, sondern riskieren, dass wir die Basis verlieren können!
#5 Seppobeppo 2012-11-13 14:32
zitiere Krennwurzn:

In Oberösterreich wurde das immer sehr streng gehandhabt - dort gibt es weniger Vereinssterben, aber eine gewisse ""Spitzenschachfeindlichkeit


Woher willst Du wissen, das es in OÖ weniger Vereinssterben gibt als anderswo? Gibts da nachvollziehbare Zahlen? Ich kann mir nicht vorstellen, das es da Unterschiede gibt, da doch alle Landesverbände maximal Organisationseinheiten sind, die weder personell noch finanziell in irgendeiner Weise ausgerüstet wären, einem Vereinssterben entgegenzuwirken.
#6 Krennwurzn 2012-11-13 15:22
Weil es in Oö die meisten Vereine (71) und die meisten angemeldeten Spieler mit Elozahl gibt (1.548) gibt - es aber nach Bevölkerungszahlen nur das drittgrößte Bundesland ist (W +NÖ ca. 2 Mio, OÖ 1,5 Mio, St 1,2 Mio) Zudem geringere Gastspieleranteile im Vergleich mit den anderen "großen" Bundesländern, usw...

Aber schau Dir selbst die offizielle Statistik an: www.chess.at/downloads/oesb_zmk_statistik_2011.pdf

Und wirf vielleicht einen Blick auf www.schach.at/2012/06/entwicklung-eigenkapital.png
#7 Seppobepp0 2012-11-14 07:46
Liebe Krennwurzn!

Du du oft andere der unsauberen Arbeitsweise kritisierst, muss ich an dieser Stelle Dich etwas kritisieren:

Dein erster Link ist zwar super, ich komme aber auf ein ganz anderes Ergebnis als Du: Korelliert mit den jeweiligen Einwohnerzahlen hat sowohl Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Burgenland, das von Dir aufgeführte Steiermark und Salzburg die aktivere Schachszene.

Platz 7 von 9 ist jetzt nicht gerade toll, sondern unterdurchschnittlich. Ich kann mich aber an eine Aussendung des oberösterreichischen Schachverbandes entsinnen, in dem auch der Verband zu dem Ergebnis kommt, das gerade in OÖ das Schachsterben gering ist, und hoffte, das Dein 2ter Link darauf verweist. Mit Deinem zweiten Link kann ich wenig anfangen, beweist der nur, das der Verband weniger ausgibt als einnimmt.
#8 Thomas Richter 2012-11-14 11:47
Mit Statistiken kann man immer alles und das Gegenteil davon "beweisen". Was wenn die Einführung von Gastspielern eine Massnahme gegen das aus anderen Gründen vorhandene Vereinssterben ist? Dann ist sie - warum auch immer - in Oberösterreich nicht oder nicht im selben Umfang nötig. Dazu bräuchte man nun längerfristige Daten: Warum sterben Vereine wo und wann (speziell vor oder nach Einführung von Gastspielern)?

Statistisch zumindest unsauber sind die von Krennwurzn genannten Einwohnerzahlen: laut Wikipedia (Stand 1.1.2012) hat Oberösterreich etwa 1,4 Millionen, Niederösterreich 1,6 Millionen und Wien 1,7 Millionen. Zusammen mit Seppobeppos Analyse scheint es dass in _allen_ grossen Bundesländern Schach weniger populär ist, vielleicht weil es mehr andere Freizeitangebote gibt?

Was Anzahl der Gastspieler betrifft: es gibt auffällige regionale Unterschiede, aber in mehreren Bundesländern gibt es im Schnitt pro Verein nur ein bis zwei Gastspieler. Ist das bereits (zu) viel, oder erwartet die Krennwurzn zukünftig einen drastischen Anstieg?? Das alles sauber zu analysieren UND über Gründe zumindest zu spekulieren wäre vom Umfang und Aufwand her mindestens eine Diplomarbeit??

Noch zu "den Profis eine solide Grundlage zum Überleben bieten ... (Anstellung, Sozialversicherung, etc ... wie in anderen Sportarten auch)": in welchen anderen Sportarten ist das der Fall, und zu welchen Bedingungen und Gegenleistungen? Profi-Fussballer müssen ja fast täglich trainieren und fast jedes Wochenende spielen. Wenn ein Schachverein ähnliches von einem Schachprofi erwartet oder verlangt sollte er ihn auch fest anstellen - der Profi müsste dann auch weitgehend auf andere Einnahmen (Turniere, Bücher/DVDs, Simultanvorstellungen in der Provinz, ...) verzichten. Aber wenn ein Profi im Schnitt einmal im Monat für den Verein am Brett sitzt rechtfertigt das doch keine Festanstellung, bzw. höchstens in minimaler Teilzeit.
#9 Krennwurzn 2012-11-14 12:23
Liebe Schachfreunde, die Einwohnerzahlen habe ich aus dem Kopf und mit einem ca. versehen hier angegeben und nur die "großen" Bundesländer miteinander verglichen - sorry an die "Kleinen" - und sorry es war nie als statistische Auswertung gedacht! Wie Richter sagt, wäre eine korrekte statistische Aufarbeitung sehr aufwendig und ist mM nach auch nicht zielführend.

Ein schneller Blick auf die Daten und die Realität zeigt, dass Bundesländer mit freizügiger Gastspielerregelung nicht besser da stehen (wohl eher schlechter) -> daher die Frage: ist das wirklich ein Lösungsansatz oder eher ein kurzfristiger kosmetischer Effekt um etwas gegen den Trend besser aussehen zu lassen als es ist. Praktisch ist er jedenfalls: Mehrfachzählung von einzelen Spielern, höhere Einnahmen, ...

Weiters muss man auch sehen, dass die Interessen von Einzelspieler, Vereinen und Verbänden doch unterschiedlich sein können. Nicht alles was für den einzelnen Spieler gut ist, muss sich positiv auf das System auswirken - nur ein egostischer Blick - egal aus welcher Perspektive - ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluß!
#10 Seppobepp0 2012-11-14 13:46
Ich glaube, wir haben hier eine Henne-Ei-Problematik.

Man kann sagen, Bundesländer mit höherem Gastspieleranteil bekommen dadurch Probleme oder Bundesländer mit Problemen bewilligen u.a. einfach mehr Gastspieler.

Ich räume der 2ten Möglichkeit mehr Plausibilität ein, da es aus Verbandsebene her verstehe:
Die Vereine melden, das sie nicht mehr genug Spieler haben (ist einfach überall der Fall, so ehrlich muss man sein), dann hat man als Verband 2 Möglichkeiten:

1. Das Ligaraster zu verkleinern (Einzelne Ligen abschaffen oder Brettanzahl reduzieren (=der bisherige oö Weg)

2. Spieler "generieren" über zusätzliche Bewilligungen
(was man in OÖ jetzt auch zusätzlich gemacht hat, analog zu anderen Bundesländern)

Die 1 Möglichkeit, also Gastspieleranteil zu hoch, daher Probleme, die implizit von Krennwurzn vertreten wird (oder ich hab es falsch verstanden, dann mea culpa), verstehe ich nicht, deswegen bevorzuge ich die 2te Möglichkeit, weil für mich nachvollziehbar.

Ich persönlich kann mit dem bis jetzt sehr restriktiven oö Modell wenig anfangen, und zwar abseits von Gastspielergenehmigungen. Auch innerhalb eines Klubs gibt es weniger Spielmöglichkeiten als anderswo, im Endeffekt bleibt ein Spieler in OÖ in einem Verein auf eine Liga beschränkt, während woanders die Spieler doppelt und dreifach (in ein und demselben Verein, aber in unterschiedlichen Ligen) spielen können.
Natürlich ist es fairer, wenn Vereine mit mehr Mannschaften dadurch keine Vorteile erzielen können, aber mit der Gastspielerregelung wird der Vorteil der höheren Fairness sowieso wieder verspielt.

Den letzten Absatz von der Krennwurzn im letzten kommentar finde ich sehr gut! (Auch wenn ich mir einen gewissen Egoismus in Maßen nicht schlechtreden lassen will)
#11 Thomas Richter 2012-11-14 15:20
Zahlen sind Schall und Rauch, aber ich mag' sie nun mal - also habe ich mir die aktuelle österreichische Eloliste runtergeladen und angeschaut. Da gibt es 220 Gastspieler (Link von Krennwurzn bezog sich auf das Jahr 2010, Tendenz also offenbar fallend oder zumindest nicht steigend?) die sich über die Elopyramide wie folgt verteilen:

Elo 2400-2500: 4 (alle abgemeldet)
Elo 2300-2400: 5
Elo 2200-2300: 7
Elo 2100-2200: 13
Elo 2000-2100: 20
Elo 1900-2000: 32
Elo 1800-1900: 27
unter 1800: 86
ohne Elo: 26

Nun kann jeder selbst spekulieren, wieviele Gastspieler (Möchtegern-) Profis oder Halbprofis sind, wieviele Amateure die für Schach ein kleines bisschen Geld bekommen, und wieviele reine Amateure. Ich vermute mal dass das Gros unter 2200 in eine von drei Amateur-Kategorien fällt:
- spielt für den Heimatverein und einen anderen besseren Verein
- spielt am alten und neuen Wohnort
- spielt am Studienort und nach wie vor für den Heimatverein.

Wenn man "chinesische Wanderarbeiter" absolut verhindern will kann man Gastspieler nur bis zu einem gewissen Elo-Niveau erlauben? Aber jede Grenze ist willkürlich, und was wenn ein Gastspieler sich verbessert und damit plötzlich nicht mehr spielberechtigt ist?
#12 Krennwurzn 2012-11-14 23:55
Bei aller Liebe zur Ungenauigkeit, aber 220 Gastspieler ist doch grob falsch lieber Thomas. Bei mir gibt die Excelfilterung 1755 Gastspieler, davon 821 angemeldet.

221 sind es für OÖ - im Vergleich zu 2010/11 doch etwas mehr als damals 68.

Quelle: chess-results.com/download/elolisten/Eloliste_20121001.zip

Meldestatisik 2011 (eigentlich 2010) ist zum Download bereit, 2012 da funktioniert der Link nicht.

zitiere Seppobepp0:
Auch wenn ich mir einen gewissen Egoismus in Maßen nicht schlechtreden lassen will

Ich auch nicht ;-)
#13 Seppobepp0 2012-11-15 13:00
Was das Profiwesen unter Gastspielern in OÖ betrifft, muss man ehrlicherweise eher lächeln.

Es gibt diese Saison keinen einzigen Profi, und es gibt auch keinen Halbprofi, und es gibt meines Wissens nach keine 10 besseren Amateure, die eine "Anerkennung" bekommen.
(Also eigentlich gibts meines Wissens keine 5, aber aus Unschärfegründen gebe ich mal die doppelte Anzahl an)
#14 Thomas Richter 2012-11-15 18:27
Satzgewinn für Krennwurzn - ich hatte irgendeine Teilliste runtergeladen (hatte mich schon gewundert warum da z.B. Markus Ragger fehlte). Allerdings bleibt es dabei: sehr viele Gastspieler sind Amateure - wenn ich die Grenze ziemlich konservativ bei Elo 2000 ansetze, 435 von 821 angemeldeten. Die Regelung wird also jedenfalls nicht nur von "chinesischen Wanderarbeitern" genutzt.

Zur Egoismus-Diskussion: "Den Spieler" gibt es ja nicht sondern viele Individuen - wobei Profi, Halbprofi oder Amateur nur ein Kriterium ist. Manche wollen für mehrere Vereine spielen, andere machen das nicht aber haben nix gegen Gastspieler (in ihrem oder anderen Vereinen), manche mögen die Idee nicht.

Es gibt auch nicht "den Verein" - jeder Verein ist die Summe seiner Mitglieder plus eventuell Sponsor oder Mäzen. Auch hier gilt: manche wollen Gastspieler (um ihre sportlichen Ziele umzusetzen oder um überhaupt am Spielbetrieb teilzunehmen), andere nicht.

Es gibt den Verband bzw. die Landesverbände (die aber nicht unbedingt konkurrierende Interessen haben, wenn auch unterschiedliche Ansätze). Ob die nun eigene Interessen haben unabhängig von denen der Vereine oder Spieler? Gut, sie brauchen Einnahmen - aber generell müssen sie vor allem unterschiedliche Interessen ihrer Mitglieder (hier sowohl Spieler als auch Vereine) gegeneinander abwägen und ausbalancieren.
#15 Krennwurzn 2012-11-15 19:50
zitiere Seppobepp0:
Was das Profiwesen unter Gastspielern in OÖ betrifft, muss man ehrlicherweise eher lächeln.

Ich auch :-) zudem sehe ich nicht das Problem, dass "Profis" die unteren Ligen stürmen, da die Gastspielerregelung in der 1+2. Bundesliga nicht gilt und daher erst ab Landesliga schlagend wird. Dort können/wollen sich die Vereine eher keine Legionäre mehr leisten?!

Was ich mit den "Wanderarbeitern" ausdrücken wollte, ist, dass wir ein internationales Modell mit Profis in vielen Ligen gleichzeitig beschäftigt nicht für den Hobby- und Amateurbereich kopieren sollten - zumal es auch im Profibereich nicht so wirklich gut funktioniert - für die Vereine/Verbände. Diesen Denkanstoss wollte ich geben, habs aber nicht richtig formuliert!

Generell die Gastspieler zu verteufeln finde ich auch nicht richtig, denn Gäste sind meist eine Bereicherung!
#16 Seppobepp0 2012-11-16 07:54
zitiere Krennwurzn:

Was ich mit den "Wanderarbeitern" ausdrücken wollte, ist, dass wir ein internationales Modell mit Profis in vielen Ligen gleichzeitig beschäftigt nicht für den Hobby- und Amateurbereich kopieren sollten.


Eine Meisterschaft ist doch für die meisten nichts anderes als ein Turnier mit dem Unterschied, das ich Kollegen/Bekannte um mich habe und nicht extra Urlaub nehmen muß bzw. von Runde zu Runde sehr flexibel bin. (spiel ich, spiel ich nicht....) Wenn nun einer mehr spielen will, warum muss man das unbedingt verbieten?
Würdest Du auch dafür eintreten, die (Privat)Turnierteilnahme pro Jahr auf 1 zu beschränken? (Natürlich mit derselben Begründung, dem "Profitum" alias Preisgeldrittertum keinen Raum zu geben)

Ich finde, solange das System nicht unfair bzw. absurd (Hans Müller vs Hans Müller) wird, soll man möglichst liberal mit Spielgenehmigungen umgehen.

Natürlich wird es aber immer Vereine geben, die dieser Idee nicht zuträglich sind, weil sie dadurch befürchten, davon weniger zu profitieren als andere Vereine, aber grundsätzlich ist das Gastspielerwesen IMHO als Bereicherung zu sehen.

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