Meine Spieler des Jahres 2011

by on27. Dezember 2011
Schon einmal, 2009, erhielt Carlsen den Schachoscar Schon einmal, 2009, erhielt Carlsen den Schachoscar 64

Die russische Schachzeitschrift 64 bittet alljährlich die Schachjournalisten um ihre Stimmen für den Schachoscar. Mittlerweile ist es Tradition, dass ich meine zehn Besten öffentlich bekannt gebe.

1. Magnus Carlsen - Turniersiege in Mediash, Biel und Sao Paolo/Bilbao und das Heraufschrauben seiner Elo auf 2835 machen den Weltranglistenersten zu einer leicht argumentierbaren Wahl.

2. Wladimir Kramnik gewann in Dortmund und London, hat seinem Minimalismusschach früherer Jahre abgeschworen, und hätte er auch das Kandidatenturnier gewonnen, wäre er sogar meine Nummer eins 2011 geworden.

3. Peter Swidler wurde Russischer Meister, Europacupsieger, Weltcupsieger und damit Quali fürs Kandidatenturnier – und das alles binnen weniger Wochen. Superleistung des sympathischen St Petersburgers.

4. Jan Gustafsson steht hier stellvertretend für die deutsche Mannschaft, die erstaunlicherweise als hoher Außenseiter Europameister wurde, ohne eine Mannschaft zu sein. Mit seinem tollen, nur leider zu selten gefüllten Blog sammelte der Hamburger die nötigen Extrapunkte.

5. Lewon Aronjan spielte heuer solide seine 2800, führte Armenien zum Weltmeistertitel und machte ein äußerst sympathisches Comeback in der Bundesliga für die SF Berlin.

6. Hikaru Nakamura erlebte ein äußerst wechselhaftes Jahr. Zwischenzeitlich trainierte der Amerikaner mit Kasparow und pokerte um hohe Einsätze. Seine hohe Platzierung hier verdankt er neben seinem Sieg im Schachmekka Wijk aan Zee auch seinem unorthodoxen Spiel, das ihm Aufsehen erregende Siege gegen Aronjan und Anand einbrachte.

7. Wassili Iwantschuk zeigte mit Siegen in Gibraltar und Havanna und der im Weltcup errungenen Qualifikation fürs Kandidatenturnier, dass er auch mit 42 Jahren noch nicht abzuschreiben ist.

8. Boris Gelfand gewann völlig verdient mit dem Kandidatenturnier das sportlich wichtigste Turnier des Jahres. Sonst riss der 43jährige leider keine Bäume aus – ebenso wenig Titelhalter Anand, auf den er in einem wenig Vorfreude auslösenden WM-Kampf trifft.

9. Anish Giri überzeugte bei seinem ersten Weltklasseturnier in Wijk aan Zee mit einem Mittelplatz, stemmte noch vor seinem 17.Geburtstag die 2700 und wurde überlegen Niederländischer Meister.

10. Alexander Morosewitsch kehrte mit Pauken und Trompeten aus der relativen Versenkung eines fein dotierten Trainerpostens am Golf in die Turnierarena zurück, machte binnen weniger Monate 68 Elopunkte gut und ist wieder in den Top Ten der Welt und der meinen.

Kommentare   

#1 Gerhard 2011-12-30 00:39
Ich bin für Moro..Irgendwie fehlte er in der Elite und nun ist er wieder zurück. Die anderen Verdächtigen wären für mich Kramnik, Carlsen, Aronian..in dieser Reihenfolge
+1 #2 Thomas Richter 2012-01-02 12:00
Etwas spät noch mein (ausführlicher) Kommentar:

- Zum Kramnik-Carlsen Vergleich: Wenn man Biel für Carlsen erwähnt, sollte man auch Hoogeveen für Kramnik berücksichtigen? Damit kommt Kramnik auf drei klare Turniersiege gegenüber einem klaren (Biel) und drei geteilten [in Löfflers Liste fehlt Tal Memorial] für Carlsen. Das und die Tatsache dass Dortmund wohl das beeindruckendste einzelne Ergebnis des ganzen Jahres war wäre für mich Grund genug um Kramnik gegen den Strom an eins zu setzen - schau'n mer mal ob einige etablierte Journalisten das auch so sehen, natürlich wird Carlsen das Ding (alles in allem zu Recht) gewinnen.

- In der Liste fehlt für mich Karjakin, immerhin geteilter Erster in Bazna (Carlsens extra 0,25 Sonneborn-Berger Punkte sind für mich irrelevant).

- Bei einigen anderen Namen (Gustafsson, Giri, vielleicht auch Nakamura) spielt wohl Sympathie eine Rolle - ist völlig legitim, für mich aber auch ein Grund die Oscar-Show nicht überzubewerten. Denn es gibt nicht nur individuelle sondern auch kollektive Sympathien!?
Giri gehört mittelfristig in die top10, aber (wobei ich ihn auch schätze) dieses Jahr vielleicht noch nicht? Bei anderen zählen nur Siege, selbst geteilte erste Plätze werden nicht erwähnt (Ivanchuk in Bilbao, Aronian beim Tal Memorial), dagegen werden Giris 50% in Wijk aan Zee schon "gefeiert"!?
+1 #3 Tiger-Oli 2012-01-03 10:00
Marc Lang!

Seit meiner Kindheit war immer Najdorf der Mann mit dem legendären Rekord im Blindsimultan.
Nun hat ihn Marc Lang noch übertroffen. Ich bekomme so feine Manöver noch nicht mal immer mit Ansicht des Brettes hin. Darum - Respekt, und ganz klar für mich in den TopTen des Jahres 2011.

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