Heute bei der Deutschen Meisterschaft griff zum erstem Mal die Nullkarenz-Regel. Als Turnierdirektor Ralph Alt die Runde starten wollte war Falco Bindrich nicht an seinem Brett. Der Münchner Jurist wartete eine Minute, dann erklärte er die Partie kampflos verloren. Rund eine Minute darauf erschien der Täter und protestierte gegen die kampflose Konsumation, doch mit seinem Protest kam er nicht durch. Das hohe Schiedgericht beharrte auf seinem Urteil. Bindrich, der schon die Runde zuvor verloren hatte, erklärte daraufhin seinen Rücktritt vom Turnier. Soweit die Faktenlage, wie sie auf der Homepage des Ausrichters auf www.dem.2011.de geschildert wird. Hat das noch was mit Schach zu tun? Und wird dieser Vorfall dafür sorgen, das ohnehin schon ramponierte Image der Deutschen Meisterschaft aufzuwerten?
Wohl kaum. Magere fünf Deutsche Großmeister gaben sich auf der Meisterschaft die Ehre, nun sind es deren nur noch vier. Die Teilnehmer schlafen am selben Ort, an dem gespielt wird. Es sollte von daher kein Problem sein, pünktlich am Brett zu sitzen. Genaueres über den Tathergang ist freilich noch nicht bekannt - war es reine Boshaftigkeit von Bindrich, um seinen Gegner zu irritieren? Vergesslichkeit oder jugendliche Gedankenlosigkeit? Suchte er noch nach seinem Glückskuli oder hielt ihn ein dringendes Bedürfnis noch an einem stillen Örtchen fest? War er über seinem Laptop eingeschlafen oder schmeckte der Nachtisch im Ibis so außerordentlich lecker, dass er darüberhinweg das Schach vergaß? Was ist schon ein Minütchen im Vergleich zu den 240 oder mehr, die eine Partie so im Schnitt geht? Im Vergleich zur Ewigkeit? Richter, Verzeihung, Turnierleiter Ralph Alt hatte keinen Handlungsspielraum. Die Regeln sind so, ein gewisser Iljumschinow hat sich diesen Käse mal ausgedacht, und wir müssen das natürlich peinvoll einhalten. So wie auch diverse absurde Klauseln über Doping im Schach, die der Schachweltenherrscher, der sich auch mit Außerirdischen gut versteht, einst verbreitete. Muss das alles wirklich so sein und können wir nicht anders?
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Kommentare
In Runde 2 lies Herr Alt das gesamte Teilnehmerfeld warten, weil der Spieler Natsidis fehlte. Die Runde begann etwa 3-4 Minuten später. In Runde 4 tat Herr Alt das nicht und nullte Bindrich etwa um 14.02 Uhr. Herr Alt hat sich also in gleich gelagerten Fällen unterschiedlich verhalten. Falco füllte sich folglich benachteiligt, was ich ohne Einschränkung ebenfalls so sehe.
Allerdings sollten die Funktionäre für die Spieler und das Spiel da sein und nicht... nun ja außerirdisch agieren.
Die Argumente für und wider Karenzzeit waren ausgetauscht. Jetzt gibt es ein neues: Die Null-Karenzzeit ist für die Spieler in der Praxis unpassend.
An die Funktionäre (Ich war bis vor kurzem selber einer...): Schreibt eine Karenzzeit in Eure Ausschreibungen und solche Rücktritte wie der von Bindrich bleiben Euch erspart.
Zustimmen muß ich Rolf. Solange die Nullkarenzzeit noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist und Veranstalter zudem ihre eigenen Karenzzeiten festlegen können, sollten diese Angaben in jede Ausschreibung.
Ist da der Richtige ausgeschlossen worden?
Ich bin für eine neue Generation von Schachuhren die mit Funkuhren ausgestattet sind , die dann einen pünktlichen Beginn um 14:00 gewährleisten indem sie die Zeit von Weiß starten .
Die Herren Funktionäre sind also im 4,5 Sterne-Hotel auf Verbandskosten und die Nutztiere....äh, Spieler im Ibis-Hotel untergebracht. Soviel zum "Standard" der DEM.
Bindrichs Fehler ist dass er nicht schon lange vor dem Turnier verstanden hat,dass man fernbleiben sollte.
Wenn es stimmt, dass in Runde zwei bereits ein Spieler (FM Natsidis) zu spaet gekommen ist und seine Partie nicht kampflos gewertet wurde, stellt sich doch die Frage: Warum? Externes Verschulden (z.B. der Klassiker des steckengebliebenen Fahrstuhls) oder eigene Schuld? Externes Verschulden kann dazu fuehren, dass Partien spaeter beginnen. "Man" kann ja nichts dafuer. Ist man aber selbst daran Schuld, weil man zu spaet aufgestanden ist etc., tja, dann ist das eben nunmal so. Pech.
Falls es sich beim Verschulden beider Karenzzeit"suender" dann um gleichartige Gruende (entweder beide im Fahrstuhl stecken geblieben oder beide zu lange geduscht) handeln sollte, waere mit zweierlei Mass gemessen worden. Sind die Gruende verschieden (Fahrstuhl bei Natsidis, Dusche bei Bindrich), so waere die Entscheidung doch gemaess den Statuten korrekt und legitim (ob sie sinnvoll ist, das ist wieder eine andere Frage).
Wer ist durch diese kampflose Wertung der Partie eigentlich der Verlierer der DEM?
a) GM Bindrich selbst : Titelchancen weg, Preisgeld weg.
b) IM Gschnitzer: Keine GM-Normenchance mehr
c) Die Spieler, die gegen "spielfrei" gepaart werden.
d) GM Gustafsson: Der hatte gegen Bindrich schon gewonnen. Und so stark wie Bindrich ist, haette er den Konkurrenten von Gustafsson (Fridman und Khenkin) halbe, vielleicht sogar ganze Punkte abnehmen koennen.
e) Herr Alt: Der steht im momentanen Licht nicht sehr gut da.
f) die DEM: Image?
g) Derjenige, der die Kosten fuer Bindrichs Unterkunft und Turnierteilnahme tragen muss und musste.
ergo: Verlierer ist die DEM und damit schlussendlich der DSB.
also sorry, dass ich hier eine ganz andere Meinung vertrete als die meisten vorredner:
bei uns in Österreich haben wir die null Karenz in den Bundesligen und in der Staatseinzelmeisters chaft inzwischen schon einige Jahre - und mit ganz seltenen ausnahmen, funktioniert es einwandfrei - es gibt vielleicht pro Turnier ( nicht etwa pro Runde ) 1 Kontumaz, auch wenn es mir für Herrn Bindrich persönlich leid tut ( er hat mir freundlicherweise auf Facebook schon zweimal schachliche Fragen beantwortet ) die Regel ist klar - eher unverständlich ist mir, wieso in der zweiten Runde nicht hart durchgegriffen wurde, da sollte ( muss ! ) natürlich gelten : gleiches Recht für alle
Allerdings wäre es wohl nicht ganz unmöglich gewesen ein wenig zu warten bzw. sich zu erkundigen - es wohnen ja alle am selben Ort - diesen Spielraum hat der Schiedsrichter auch ...
Aber es ist ohnehin die DEM ohne deutsche Meister, könnte man als Zyniker auch sagen
Aber das ist halt wieder einmal so typisch für die Funktionärskaste, in 2 ähnlich gelagerten Fällen unterschiedlich entscheiden.
Das Problem sind aber nicht die ausführenden Schiris, sondern die regelbestimmenden Funktionäre. Man beklagt, dass die Zahl der Schachspieler immer weiter zurück geht - und beschliesst zur Strafe die nächste Gängelung. Sofia etc werden demnächst kommen, der DSB ist dafür.
Wie realitätsverloren die Gedankengänge sind sieht man an der Bemerkung bei der Rücknahme der "0" in Liga zwei vorletzte Saison. Es sei doch gar kein Problem bei der 0, denn in den allermeisten Fällen wären die Mannschaften doch in der Vergangenheit punktlich gewesen. Warum man aber dann versucht diese Regel gewaltsam einzuführen, die ja dann nur greift wenn einmal in einer Saison eine Mannschaft sich wirklich verplant oder verfahren hat, kann sicher nur ein Jurist erklären.
Der Schachsport ist so viele Jahre sehr gut ohne Null-Toleranz ausgekommen - das ist nun wirklich keine Regel, die jemand gebraucht oder vermisst hat. Schon wieder ein Gemurkse, um "attraktiver" zu werden ... für das Fernsehen oder die Presse. Haha. Den Sinn dieser Regel konnte mir noch niemand erklären.
Und leider wurden auch die Spieler vorher nicht gefragt, als die Regel vor einiger Zeit eingeführt wurde.
Es hat oben schon jemand ähnlich geschrieben, aber weil es einfach wahr ist, hier noch einmal:
FIDE und Funktionäre vs Schachspieler 1:0
Natürlich ist es Falco Bindrich erlaubt mit der Regelauslegung und seinem Schicksal zu hadern, sportliche Größe hätte er aber nur zeigen können, wenn er das Turnier fortgesetzt hätte. Die deutsche Nationalmannschaft ist nach dem Wembley-Tor 1966 auch nicht vom Platz gestiefelt, sondern hat weitergespielt. Aber der Vergleich ist wahrscheinlich unzulässig, Fußball ist ja ein Mannschaftssport, das Vorbild an dem sich Schachspieler orientieren ist Bobby Fischer.
2. wem eine regel nicht gefällt, der kann sie auf den richtigen wegen zu ändern versuchen, aber so lange sie da ist gilt sie.
ich bin auch gegen die regel "berührt, geführt, wenn ich mal wieder im blitz die dame vergessen habe oder durch einen unmöglichen (also gar nicht machbaren) zug verliere... aber das sind die regeln.
3. die diskussion zur qualität der dm erinnert mich - auch die zum kandidatenturnier - hier oft an eine zeile aus dem lied vom wandersmann:" der noch nirgends ist gewest, nur gesessen in seim nest". meckern ist einfach, ändern kostet kraft. aber hier wird mehr auf gm-remis-niveau diskutiert, statt sich kämpfend zu quälen (aber vielleicht verkenne ich ja den sinn der beiträge und die sollen nur provozieren und sind eigentlich ausdruck einer grossen hochachtung vor dem mut derer, diee dort noch echt spielen?).
Schöne Grüße aus Stuttgart
Ich habe bereits den Vorschlag gemacht, dass man anstelle einer Nullung eine Zeitstrafe einführt, z.B. 15 min Zeitstrafe, wenn die Verspätung sich in diesem Rahmen bewegt. Nach mehr als 15 min Verspätung kann man eventuell nullen.
Ich bin der Meinung, dass dies eine angemessene Maßnahme wäre, die dem gleichen Ziel dient: Auf einen pünktlichen, gemeinsamen Spielbeginn aller hinzuwirken. Und ich gehe davon aus, dass eine solche Regelung zu mehr Akzeptanz bei den betroffenen Spielrn führen würde.
Aber an anderer Stelle hier in diesem Blog wird regelmäßig beklagt, auch von den Machern des Blogs selbst, dass die Schachprofis in Deutschland nicht genügend Geld vom Verband bekommen. Dann muß man halt auch mal die (geringe) Leistung erbringen, und pünktlich im Turniersaal erscheinen. Wenn nicht, muß man mit den Konsequenzen leben und nicht die beleidigte Leberwurst spielen und vom Turnier zurücktreten. Kämpfen, darum geht es!
Allgemeines Funktionärs-Bashing an der Stelle (ich kenne die Vorgänge bei der DEM nicht, weiß nicht, ob die Kritik an Herrn Alt berechtigt ist) ist purer Opportunismus, die meisten Kritiker würden die Jobs nicht übernehmen, das spricht doch schon Bände.
Schade um unsere schöne Sportart.
1. Den eigentlichen Fehler hat ja wohl eindeutig GM Bindrich gemacht, er ist schlichtweg zu spät gekommen.
2. Herr Alt hätte natürlich etwas nachsichtiger sein können, und nicht so genau auf die Uhr schauen müssen. Nur wo wäre dann die Grenze? 2 Min bei einem GM, oder 3 min, oder 5, oder bis sich der erste Spieler lauthals beschwert Herr Alt soll endlich die Runde freigeben?
3. Was in Runde 2 passiert sein mag, hat mit GM Bindrich nichts zu tun. Ob der Fall in Runde 2 vergleichbar ist, ist von hier nicht entscheidbar. Möglicherweise war Herr Natsidis ja bereits vorzeitig im Spielsaal und ist mit Erlaubnis vom Schiri nochmal zurück aufs Hotelzimmer, weil er seine Brile vergessen hat, vergessen hat Medikamente zu nehmen oder sonst irgendwas (Was Herr Kumerow ja nicht unbedingt bemerkt haben muß)
Allgemein: Funktionäre sind häufig ein Problem, weil sie Regeln, die für den Spitzensport sinnvoll sein mögen (Doping, Handyklingeln, demnächst Kleiderordnung?..) unbedingt für alle bis hinunter zur Kreisklasse als verbindlich erklären müssen.
Spieler sind das andere Problem. Bei einer deutschen Meisterschaft macht die Null-Karenz-Regelung wegen der Ausßenwirkung durchaus Sinn. Aber es gibt ja genügend Spieler die meinen, sie müßten auf die letzte Sekunde erscheinen! Wenn dieselben Spieler im bürgerlichen Beruf arbeiten, sind sie pünktlich, wenn sie mit dem Zug fahren, sind sie mit Sicherheit schon 5 min vor der Abfahrt am Bahnhof, in der Schule waren sie auch schon vor dem Lehrer im Klassenraum.... Nur beim Schach kann man ja auch mal ein paar Minuten zu spät kommen.
Und wenn die Pünktlichkeitsregeln dann durchgezogen werden sind die blöden Funktionäre Schuld!
Warum laufen die Deutschen Hunde eigentlich der FIDE immer hinterher? Warum kann man das Spiel, Modi, Regeln, Zeiten etc. nicht unverändert lassen, wie in anderen Sportarten auch? Diese permantenten Veränderungen nerven! Und alles nur, weil Leute mit Schach nicht reich werden können. Deshalb wird andauernd geschraubt und verändert, um es für Sponsoren attraktiver zu machen.
Die Funktionäre verraten uns wie Politiker.
Hässliche, Dicke und Kranke werden gleich genullt. Das kann man seinem Gegner nicht zumuten. Wer stinkt, keinen Anzug trägt oder 1. ... a6 spielt, wird auch genullt. Ist eine Beleidigung des Gegners.
Wer nur eine Minute zu früh kommt, verliert genau so. Denn er zeigt, damit seine überhebliche Siegesgewissheit!!
Spaß beiseite. Es geht doch um das Spiel und nicht um so einen Kleinkram. Wahrscheinlich hatte der Gegner von GM Bindlich noch nicht mal die Möglichkeit trotzdem zu spielen, weil es eben Regeln sind. Aber die hat der DSB ja angenommen.
Das Gleiche passiert übrigens mit Deutschland in der EU.
Die einzige Abstimmung der Basis, die im Schachbund überhaupt noch wahrgenommen wird, ist die mit den Füßen - jedes Jahr gehen Tausende. Natürlich geht man nicht so weit, dass der Zusammenhang zum eigenen Handeln gezogen wird - das wäre doch etwas viel verlangt.
@Krauße: Wo ist das Problem mit der Außenwirkung, wenn Falko Bindrich erst nach zwei Minuten seinen ersten Zug ausführt? Wie ist denn jetzt die Außenwirkung? Rücktritt eines Nationalspielers, ungerade teilnehmerzahl, verzerrte Wertungen...
Zum Doping ist das Notwendige gesagt, es gibt qualifizierte Spieler, die deswegen die DEM nicht mitspielen, es gibt Spieler, für die deswegen die LEM uninteressant geworden ist.
Den Dreiklang perfekt macht schließlich die Verkürzung der Bedenkzeit. Alle Spieler sind vor Ort, es gibt keine Reisezeiten, aber trotzdem soll möglichst wenig Schach gespielt werden.
> Zum Doping ist das Notwendige gesagt, es gibt qualifizierte Spieler, die deswegen die DEM nicht mitspielen, es gibt Spieler, für die deswegen die LEM uninteressant geworden ist.
Ich weiß nicht, wie groß die Anzahl der Spieler ist, die das betrifft - ich gehöre definitiv dazu. Auf eine "totale Unterwerfungserkläru ng" verzichte ich gerne.
> Den Dreiklang perfekt macht schließlich die Verkürzung der Bedenkzeit.
Das alleine genügt für mich, die DEM als unattraktiv zu empfinden.
Vorschlag: Könnte man die Nullkarenz-Regel nicht auch auf Funktionäre anwenden? Wenn z.B. der Präsitator des Weltschachbundes das geringste Anzeichen erkennen lässt, dass er dem Schach weltweit Schaden zufügt, könnte man ihn nicht durch jemanden ersetzen, dem das Schach am Herzen liegt?
"In Runde 2 lies Herr Alt das gesamte Teilnehmerfeld warten, weil der Spieler Natsidis fehlte. Die Runde begann etwa 3-4 Minuten später. In Runde 4 tat Herr Alt das nicht und nullte Bindrich etwa um 14.02 Uhr."
Ähnliche Bedingungsfelder und doch unterschiedliche Interpretationen? Hm, ...
Wehe, wenn er gleichfalls als Jurist das Gesetz als dehnbaren, subjektiv-verwertbaren Begriff betrachtet.
Er sollte sich dann doch lieber als Orakel bedingen, denn dort ist die Spielwiese der Deutungsvielfalt noch um einiges größer und keiner ist ihm bei Verlautbarung eines "höheren Willens" gram.
Mutmaßungen sind fehl am Platz und führen nur zu weiteren Vermutungen, bis sich das Ganze zu sehr hochschaukelt.
Mal ehrlich: Kann einem GM nicht zugemutet werden, pünktlich zu einer Partie zu erscheinen? Noch dazu, wenn offensichtlich alle Spieler in dem Hotel wohnen, in dem auch gespielt wird?!
Und sollte es für die kleine Verzögerung einen triftigen Grund gegeben haben, müsste man halt vorher den Schiedsrichter verständigen.
Ansonsten sollte auch im Schach gelten:
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben !
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