Lange habe ich gegrübelt, ob man dieses Stück, mit dem Skripnik das Jubiläumsturnier des Argentinischen Schachverbands (200 Jahre) gewann, in einem Blog bringen kann. Die Abwägung ist die folgende: Das Motiv und deren Umsetzung ist nicht nur gekonnt, sondern gerade auch für Partiespieler eindrucksvoll. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Ausgangsstellung ist nicht partieunrealistisch und zudem befinden wir uns im Gegensatz zu den meisten Studien noch im Mittelspiel. Überraschend ist daher vor allem auch die Eindeutigkeit des Ablaufs.
Aber der Preis dafür ist durchaus hoch: Das Stück ist dadurch ein schwerer Brocken. Die Hauptvariante geht 17 Züge, beim ersten schwarzen Zug ist es schon nicht mehr so ganz trivial, Haupt- und Nebenvariante zu unterscheiden, im 9. Zug muss man das richtige Schach finden. Zudem muss man für das herrliche Schlussbild akzeptieren, dass Schwarz formal im 14. Zug denjenigen zieht, der ein kürzeres Matt zulässt als ein anderer, der zu einem weniger interessanten Abspiel führt.
Ich habe nach längerem Überlegen entschieden, dass ich wohl nie herausfinden werde, ob man eine solche Studie hier bringen kann, wenn ich es nicht einfach tue.

Weiß steht aktiv und hat eine Qualität. Dafür droht Schwarz mit 1.-Dxb2+ und hat einige Bauern. Beide Könige stehen in den entgegengesetzten Rochadestellungen (zumindest imaginär) sehr schlecht. Da kommt es Weiß sehr recht, dass er über eine sehr starke Waffe in einer solchen Situation verfügt: Das Zugrecht.
Gerne werde ich denjenigen, die hier ihr Glück versuchen, mit Rat und Tat beiseite stehen. Viel Erfolg beim Lösen unter Nutzung der Kommentarfunktion!





Kommentare
Und passives Decken eines der wichtigen Felder wie etwa 1...Tf8 scheitert am primitiv-effektiven 2.Dxf6, weil der Schwarze ja nichts (einzügig) droht.
Ich würde vermutlich das bereits widerlegte 1...cxb2 spielen und hoffen, dass mein Gegner den Trick 3. Th8+ nicht sieht...
Hartnäckiger als 1...cxb2 ist wohl 1...Sc5, was Weiß bei der folgenden Königshatz die Felder e6 und d3 nimmt. Erzwungen ist dann 2.Th2+ Kg8 3.Th8+ Kxh8 4.Sxf7+ Kg7/h7 5.Se5+ (schwach ist 5.Sxd8+ Kh6, und Weiß kann nur noch Dauerschach erreichen) Kh6 6.Dg7+ Kg5 7.Dxg6+ Kf4 8.Dxf6+.
Jetzt ist 8...Ke4 relativ leicht zu widerlegen, nach 8...Ke3 hingegen stellt sich die im Artikel erwähnte Frage nach dem richtigen Schach.
Da gibt es kaum etwas hinzuzufügen, außer dass Weiß im 6. Zug mit Sg4+ noch fehlgreifen kann. 6.-Kg5 7.Dxf6+ Kh5 und Weiß muss nach dem Dauerschachstrohhalm greifen.
Die Stellung nach dem 8. Zug ist die folgende:
Da sich sonst keiner mehr beteiligt hat, löse ich mal den Rest auf: 9.Dg5+! (näher liegt 9.Df3+, aber nach Kd2 10.Df2+ Kc1 11. De1+ Kc2 12.De2+ Kc1 geht es nicht mehr weiter) Ke2 10.Dg4+ Ke3 (10...Ke1 11.Sf3+, und weder 11...Kf2 12.Dxd4+ noch 11...Kf1 12.Dg1+ Ke2 13.Sxd4+ bieten Rettung) 11.Sc4+! Kd3 (11...dxc4 12.Te7+) 12.Dd1+ Kxc4 13.De2+ d3 14.Dg4+.
Das längere Abspiel ist nun 14...Kb5 15.Db4+ Ka6 16.Tc6+ usw, schöner geht es nach 14...d4 15. De6+ Td5 16.Da6+ Db5 17.b3# zu Ende,
Wer sich nochmal die Ausgangssituation vor Augen führt, dürfte kaum glauben, dass es einen forcierten Weg von der Ausgangsstellung zu diesem Mattbild gibt. Das Stück implementiert den Traum vom perfekt vorgetragenen Angriff mit optimaler Materialökonomie.
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