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Donnerstag,17 Mai 2012

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Christoph Natsidis wegen Betrugs von Deutscher Meisterschaft ausgeschlossen

Die Deutsche Meisterschaft kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Soeben kam es zu einen neuen Eklat: Fidemeister Christoph Natsidis (Elo 2363) wurde wegen Betrugs vom Turnier ausgeschlossen. Nun bekommen auch wir unseren Fall Feller. Da die Beweislage wasserdicht erscheint, bin ich gespannt, ob die deutschen Offiziellen nun ähnlich klare Signale setzen wie ihre französischen Kollegen. Morgen tagt der Kongress...

"Natsidis vom Turnier ausgeschlossen

Die Partie Christoph Natsidis gegen Sebastian Siebrecht wurde wegen nachgewiesen und eingeräumten Betrugs für Natsidis verloren gegeben. Er hat verbotenerweise während der laufenden Partie auf dem Handy diese nachgespielt.

Eine Normenbestätigung aus diesem Turnier wird Natsidis nicht erteilt. Vom weiteren Turnier wird er ausgeschlossen. Er ist nicht Preis berechtigt. Weitere Konsequenzen sind Gegenstand von Untersuchungen nach dem Turnierabschluss."  Quelle: Website des Veranstalters
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Jusu1Ach ja, da war noch etwas: Igor Khenkin wird dank besserer Feinwertung Deutscher Meister 2011. Er teilt den ersten Platz mit Jan Gustafsson. Herzlichen Glückwunsch!
Oswald Gschnitzer spielt womöglich das beste Turnier seines Lebens und erreicht mit 6 aus 9 Platz 5. Auch wenn im Blog über eine geplatzte Normchance diskutiert wurde, hätte die Performance aber nicht ausgereicht. Selbst wenn der kampflose Punkt gegen Bindrich zählen würde, sind 6 Punkte gegen Elo 2423 nicht genug.

Jörg Hickl

Jörg Hickl

Großmeister, Schachtrainer, Schachreisen- und -seminarveranstalter.
Weitere Informationen im Trainingsbereich dieser Website
oder unter Schachreisen

Website: www.schachreisen.eu

Kommentare  

 
#1 hanjie 2011-06-03 16:08
Tja, was soll man dazu sagen.

Natsidis kannte zumindest ich vor der DM noch nicht so recht, es beeindruckte wie er spielte und ich dachte mir auch noch "oha, den Namen muss man sich dann ja mal merken!".

Nun bleibt ein "G'schmäckle" übrig, ob er auch in den anderen Partien gechechatet haben könnte, und mit seinem Namen verbindet man nun erst einmal für eine Weile nichts Gutes im Kontext Schach.

Schade.
 
 
#2 Freddi 2011-06-03 16:34
ein trauriger Tag für den deutschen Schachsport.
Wenn der Spieler es sogar schon zugegeben hat, gibt es wohl auch keinen Zweifel.
Warum wirft er sein gutes Turnier einfach so weg?

Das Turnier hatte so eine schöne Liveübertragung, aber Spitzenspieler, die verzichteten, unschöne Kurzremisen und einen Streitfall mit Turnieraustritt sowie diese Disqualifikation.
Das hat eine Deutsche Meisterschaft nicht verdient.

Mein Kompliment nochmal an die Damen des Turniers, die sich auf das Setzen der 32 Steine beschränkt haben und das auf spannende Art und Weise.
 
 
#3 Patzer 2011-06-03 17:04
Ein würdiger Abschluss eines Turniers, bei dem es spätestens ab Runde 4 nicht mehr primär um Schach ging. Was bleibt von dieser Meisterschaft hängen? Ein Schiedsrichter, der nicht ein mal die Regeln kennt, geschweige denn sie noch mal nachzulesen. Spieler, die offensichtlich betrügen, aber sonst etwas?
So leid es mir für die Spieler tut, aber der deutsche Meister wird morgen schon vergessen sein.
Ich frage mich, ob es die nachfolgenden Meisterschaften schaffen, an diese Peinlichkeiten heranzureichen.
 
 
#4 Berliner 2011-06-03 18:35
"Nachgespielt"??? Hat er nun eine Engine benutzt oder nicht?
 
 
#5 Krennwurzn 2011-06-03 19:27
Ob Engine benutzt oder nicht ist egal:

12.3 a) Während des Spielverlaufs ist es den Spielern verboten, sich irgendwelche Notizen, Informationsquellen oder Ratschläge zunutze zu machen oder auf einem anderen Schachbrett zu analysieren.

ad e-Doping

Da müssen wir uns alle im Klaren sein, dass die Regeln dann auch sehr unangenehm werden können und in der Praxis schwer durchsetzbar sein werden.
Ein paar Ansatzpunkte:
wer kontrolliert wie WC-Anlagen, wer darf Taschen- und Körperkontrollen durchführen, wer verwahrt Handys etc und wer haftet bei Verlust oder Beschädigung, etc...
 
 
#6 Willibald 2011-06-03 20:11
Ich kenne noch eien Skandal , der die Masse betrifft.

Ramada Hotels sind schon Namensgeber für die Amateurmeisterschaft en, aber führen eine Zwangs-Lebensmittelabgabe ein!
Warum sagt kein Funktionär, also, so was machen wir nicht mit, wir suchen uns einen anderen Namensgeber??

Wen Vertreten die eigentlich?
 
 
#7 Stefan 2011-06-03 20:49
Unfassbar. Hat es in Deutschland schon jemals so ein Katastrophenturnier gegeben? Meiner Ansicht nach müssten ALLE Partien von Natsidis aus diesem Turnier genullt werden, denn er wird möglicherweise nicht erst in der letzten Runde auf die glorreiche Idee gekommen sein, mal schnell den elektronischen Freund und Helfer zu fragen. Eine langjährige Sperre versteht sich (hoffentlich) von selbst.
 
 
#8 Jenser 2011-06-03 22:13
Ich würde ihn noch nicht einfach so abstempeln, sicher wird das ganze noch ein Nachspiel haben. Nicht dass das wieder so eine Ralph-Alt-Story wird, wo die Hälfte nur erfunden ist und es mal wieder kein Schiedsgericht gab.
 
 
#9 Bauerndiplom 2011-06-04 00:44
Tja , so findet am Ende "fast" alle eine gerechte Lösung .
Wahrscheinlich musste Natsidis zur 2.Runde noch sein Handy aufladen und kam deshalb zu spät ;-) .
 
 
#10 Heiko Kummerow 2011-06-04 07:44
Wie ich gestern schon vor dem Ende der Partie gegen Sebastian Siebrecht gehört habe, wurde Natsidis schon seit einigen/wenigen Tagen von der Turnierleitung beobachtet, weil er durch Toilettengänge - angeblich teilweise bei eigenem Zugrecht - aufgefallen ist. Die bereits massiven Proteste von Sebastian während der Partie führten dann zu einer Überprüfung von Chr. Natsidis. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß bereits vor der 9. Runde von Chr. Natsidis betrogen wurde. Irgendwer wird die gespielten Partien bestimmt in naher Zukunft daraufhin überprüfen.
 
 
#11 hanjie 2011-06-04 07:55
Mooment. Im Zweifel gilt die Unschuldsvermutung, in diesem Fall für die Runden 1 bis 8. Was man nicht nachweisen kann, dafür kann man jemanden auch nicht bestrafen.

Die Formulierung für Runde 9 indes ist ziemlich eindeutig, insofern sind die angekündigten Konsequenzen nur folgerichtig.

So traurig es klingt, zeigt dieser Fall dass die Regelung, dass Handys ausgeschaltet sein müssen während des Spiels, seine Berechtigung hat. Denn nur so lässt sich das Cheaten mit einem Handy maximal minimieren.

Selbstverständlich sollte es auch Ausnahmeregelungen geben die beim Schiedsrichter vor Turnierbeginn angemeldet sein sollten: Wenn jemand z.B. ein Notfallhandy berufsbedingt in Bereitschaft halten muss oder z.B. die Frau in anderen Umständen ist (hey, Profis können sich nicht immer aussuchen wann sie spielen, sage man mal wem, er könne die WM nicht spielen etwa ;-) ), kann man schlecht jemandem verbieten, ein Handy angeschaltet zu lassen.
 
 
#12 Becking Franz Josef 2011-06-04 08:27
Das hier war Betrug wenns stimmt und da müssen harte Strafen her, Verlust aller Partien und eine längere Sperre
 
 
#13 Berliner 2011-06-04 08:55
@Kernwurzn:
Natürlich ist es juristisch gesehen egal. Was mich nur gewundert hat, ist, dass der "Straftatbestand" hier so schwammig umschrieben wurde. Das blosse "Nachspielen" einer Partie bis zur aktuellen Stellung mag verboten sein, es wäre mir aber persönlich wurscht, wenn mein Gegner das täte.
Man kann nun nur vermuten, dass sich der fragliche Kollege wohl auch für die Bewertung der Stellung durch die evtl. installierte Engine interessiert haben mag. Falls dem so ist, wäre der Fall für mein Empfinden anders zu bewerten.
 
 
#14 Thomas Oliver 2011-06-04 13:03
@Berliner: Ich sehe das so: Das Nachspielen am Handy konnte man Natsidis nachweisen (und das hat er auch zugegeben), Nutzung von Engines kann man nur - allerdings sehr plausibel - vermuten. Deshalb verbietet die von Krennwurzn zitierte Regel schon ersteres - das Verhalten von Natsidis war eben sowohl verdächtig als verboten. Ersteres würde nicht ausreichen, bei allein letzterem (z.B. es ist verboten zwei Minuten zu spät zu kommen) könnte der Schiedsrichter Gnade vor Recht walten lassen - aber die Diskussion haben/.hatten wir hier ja schon ... .

@hanjie: Schon ein einfaches Handyklingeln _kann_ ein verbotenes Signal von aussen sein: "Du kannst JETZT gewinnen bzw. remis halten" - ich denke hier z.B. an Fridman-Stern bzw. Gustafsson-Svane. Wenn das Handy einmal klingelt weiss der betreffende Spieler Bescheid. Muss natürlich nicht, aber kann .... .
Insofern wäre ich auch gegen Ausnahmeregelungen:
- Man kann auch "simulieren" dass man jederzeit erreichbar sein will oder muss.
- Man kann doch einfach auf seine Mailbox sprechen: "In dringenden Fällen wählen sie bitte die Nummer xxx (der Turnierleitung).
 
 
#15 Selbstmatt 2011-06-04 16:20
ich denke, es gibt keine realistische Möglichkeit, eine Partie auf einem Handy nur "nachzuspielen" (mir ist jedenfalls kein Programm / App bekannt, die nur ein reines Schachbrett zum Nachspielen bietet). Es wird wohl immer eine Engine installiert sein. Handys sollten pflichtweise beim Turnierleiter abgegen werden müssen (wenn man wirklich unbedingt erreichbar sein muß, was bei mir tatsächlich einmal der Fall war).
Einen zwei Minuten zu spät erscheinenden Spieler zu disqualifizieren, halte ich für extrem kleinlich. Hier wäre eine Verwarnung oder ähnliches angebracht gewesen.
Von daher kann ich den Rückzug von F. Bindrich nachvollziehen.
 
 
#16 hanjie 2011-06-04 16:25
@Thomas Oliver: Natürlich sind Ausnahmeregelungen etwas, das möglichst vermieden werden sollte.
Auf der anderen Seite existieren nun einmal vorzugsweise im Amateurbereich Situationen, die den Spieler ein Handy gar nicht ausschalten lassen können. Bereitschaftshandys etwa oder im Profifall der genannte Fall der möglichen Geburt des Kindes.

Um Manipulationen vorzubeugen, könnte man ein Muss einer Anmeldung dieser Ausnahmeregelung vereinbaren und das Handy auch beim Schiedsrichter hinterlegen, der es dann dem Spieler reicht, falls dieser Notfallanruf (der auf Stumm geschaltet sein sollte, also nur Vibration, um die Mitspieler nicht zu stören) tatsächlich eintreffen sollte.

Diese zwei Hürden dürften ja wohl ausreichen, damit diese "Notfallanmeldungen" nicht überhandnehmen.

Übrigens Respekt für Siebrecht, dass er so geistesgegenwärtig handelte.
Tja, nun hat das Schach einen zweiten Toilettenskandal ... diesmal leider einen echten. :sad:
 
 
#17 Oswald Roggental 2011-06-04 18:37
Die Zukunft gehört dem Advanced Chess! :-)

Das "elektronische Doping" ist zumindest nicht gesundheitsgefährden d, sofern man vom ominösen Elektrosmog absieht...
 
 
#18 Tomatensaft 2011-06-05 14:08
Wiso seit ihr euch alle so sicher, dass er das Handy benuzt hat und alles nicht ein sehr unglücklicher Zufall ist? Ist es nicht menschlich sein Handy in der Hosentasche zu vergessen und es so ausversehen mit in den Turniersaal zu nehmen. Was hättet ihr dann gemacht?? Zu einem Turnierleiter zu gehen, der gerade einen guten Spieler genult hat nur weil er zu spät kam? Die Möglichkeit es heimlich auf der Toilette auszuschalten hätte ich auch in betracht gezogen.

Herr Natsidis wird gerade ausgibig bestraft. Immer wenn er seinenNamen googelt wird er darauf hingewiesen was er angeblich gemacht haben soll. Sein Ruf und sein Name werden gerade schlecht gemacht und es wird viel arbeit sein diesen wieder herzustellen, wenn dies überhaupt möglich ist. daher denke ich brauch er nicht noch mit sperren etc. belegt werden.
Wer sich seine Partien beim "First Saturday" in Budapest anschaut wird sehen, dass er stetig besser wurde und seine Leistung bei der DEM ihm entsprach.

Es ist ein großer Verlust für die Schachwelt diesen engagierten und ambitionierten Spieler zu verlieren.
 
 
#19 wurschtler 2011-06-05 18:04
@ Tomatensaft

hat er nicht selber zugegeben, die Partie "nachgespielt" zu haben auf der Toilette ? Allein schon das verschwinden auf die selbige, während ER ! am Zug ist, ist doch schon höchst verdächtig

Und die Partien beim First Saturday ? Wohl auch schon mit Programm gespielt, da gehört dann nicht mehr viel dazu, gute Partien zu spielen

Ich denke, zumindest die Partien in der DEM sollten für Ihn alle genullt werden als strafe, aber ansonsten nur Verwarnung, keine Sperre - schliesslich ist es für die meisten von uns ja wohl nur ein Hobby
 
 
#20 Jürgen Klüners 2011-06-05 18:24
Ich finde es sehr interessant, dass es hier Teilnehmer gibt, die den Betrug anzweifeln. Als einer der beiden beteiligten Schiedsrichter kann ich sagen, dass direkt nach der Partie auf dem Handy von Herrn Natsidis PocketFritz 4 mit einer Analysestellung gefunden wurde, die ungefähr Zug 30-34 der Partie entspricht. Mit diesen Tatsachen konfrontiert hat Herr Natsidis die Zuhilfenahme der Engine für diese Partie zugegeben.
 

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