Abstieg ist ein schwarzes Pferd

by on09. April 2014
Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Werderzwo neulichs beim 4:4 in Norderstedt Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Werderzwo neulichs beim 4:4 in Norderstedt SV Werder Homepage

Weiß Jürgen Kohlstädt eigentlich, was er da tut? Der berühmte Spielplan-Koordinator der Schach-Bundesliga, nebenberuflich auch Mitglied des Hamburger SK und Organisator aller deutschen Zweiten Bundes-und Oberligen, hat soeben das Ende der Saison 2013/ 2014 verfügt, und gemäß des von ihm mit viel Umsicht und angemessen streng ausgetüftelten Reglements müssen wieder etliche redliche Mannschaften in den sauren Apfel des Abstiegs beißen. Was ist das bloß für ein Leben in den oberen drei Spielklassen, und warum nur tun sich die Mannschaften das an? Man sehe nur selbst:

Bundesliga

Die Bundesliga ist (außer für Baden-Baden) ein hartes Brot. Aus ganz Deutschland kommt die Konkurrenz, spickt sich mit Spitzenspielern aus der gesamten Welt und Bayern, und dann muss man auch immer noch weit fahren. Am Ende besteigen vier Teams den Fahrstuhl zur Zweiten Bundesliga – das ist eine Quote von 25%, und damit weit mehr als die Fünf-Prozent-Hürde bei Europawahlen, die vom Bundesverfassungsgericht ja vor Kurzem erst gekippt worden ist. Neben den alten Haudegen von König Tegel verlassen mit Gries- und Viern- zwei heim-Mannschaften die Königsklasse. Nur der Güte des SV Wattenscheid ist es zu verdanken, dass die, um mit Kaiser Franz zu sprechen, Klötzchenschieber des FC Bayern München auch im kommenden Jahr noch erstklassig sind. Glück habt´s gehabt, Buam! Die Wattenscheider haben nach vielen Jahren der Ligazugehörigkeit mit einigem Bedauern ihren Rückzug erklärt.

Zweite Ligen

Auch einige Prominenz fällt in diesem Jahr durch das Abstiegssieb der Hamburger Liga-Leitung rund um Jürgen Kohlstädt. 30% aller Mannschaften müssen hier alljährlich die Klasse verlassen, mehr noch als in der Bundesliga. Und wenn man den Aufsteiger nach oben noch mitzählt, sind es sogar 40%, die die Klasse nicht halten. Was für eine Quote! Doch der Liga-Direktor scheint seinen robusten Kurs der fliegenden Fluktuation weiter verfolgen zu wollen. Das sorgt für Abwechslung, gewiss, doch immer wieder auch für reichlich Enttäuschung in den bundesrepublikanischen Teilrepubliken, und das wird der Liebe zum Schachsport hierzulande eher nicht förderlich sein.


rubikon

Mit defekten Fährbooten muss sich der Bundesturnierdirektor glücklicherweise nicht herumschlagen 

Ob dies wirklich im Sinne unseres geschätzten Präsidenten Herbert Bastian ist? Und was wird Garri Kasparov dazu sagen, sollte er in Kürze Beherrscher des Weltschachbundes werden? Wir fragen ihn lieber nicht.

Sehen wir lieber im Einzelnen, welche Verheerungen die massive 30%-Quote in den einzelnen Regionen anrichtet:

Zweite Liga Süd

Dramatik im Süden – am letzten Spieltag schlägt Böblingen das Team von Caissa Schwarzenbach mit 6,5 : 1,5 und sichert sich damit den wichtigen fünften Mannschaftspunkt! Doch weil gleichzeitig die SF Schöneck hoch gegen BG Buchen gewinnen und somit ihren sechsten Punkt holen, reicht es für die Daimlerstadt Böblingen nicht, und eine ganze Region im Süden sieht sich fassungslos dem Abstieg gegenüber.
Wir fragen den Bundesturnierdirektor: wäre es nicht auch genug gewesen, wenn es nur zwei Absteiger gegeben hätte? Und überhaupt, Schwarzenbach, Schöneck, Buchen – wo liegen bloß all diese Orte? Auch Hofheim und mein Chef Jörg Hickl scheinen dort in der Gegend irgendwo zu sein. Unbeeindruckt von all den Dramen im unteren Tabellendrittel verabschiedet sich Schwäbisch Hall mit deutlichem Vorsprung in Richtung Erste Liga.

schachvolk

Mit diesen Steinen können sie aufbauen – Schwäbisch Hall

Zweite Liga Ost

Die Zweite Liga Ost hat richtig Tempo gemacht und war in Wirklichkeit schon im Spätsommer fertig mit all ihren Runden. Wir sagen: Respekt! Um Reisekosten zu sparen und nur einmal den Kaffee aufsetzen zu müssen für ein ganzes Liga-Wochenende, wurden die Partien zügig in Doppelrunde gespielt, und zack!, dann ist man natürlich schneller fertig. Mit etwas gutem Willen hätte man im Osten wahrscheinlich auch die kommende Saison schon gleich mit ausspielen können – Zeit genug wäre sicherlich gewesen. Etwas irritierend allerdings für Außenstehende und Norddeutsche (was ja aber oft dasselbe ist), dass die Turnierleitung (Herr Kohlstädt?!) bei nun zehn teilnehmenden Teams auch glatt zehn Runden angesetzt hat. Haben da einmal acht Hüte mitgespielt, als Freilos, oder wurde eine Begegnung doppelt gewertet? Wir bleiben dran.

 zweite liga ost zu zehnt

Mysterium Zweite Liga Ost – 10 Runden mit zehn Teilnehmern! (Quelle: DSB-Ergebnisdienst)

Ansonsten zeigt die Tabelle, dass die unteren dreißig Prozent in der Liga Ost zum Einen NT Nürnberg und König Plauen sind, ergänzt um den SC Garching. Ebenfalls am Klassenerhalt vorbeigeschrammt ist Nickelhütte Aue, doch hier kann man gratulieren – das Team aus dem Erzgebirge kehrt damit zurück in die höchste Spielklasse.


Zweite Liga West

Ob Osten oder Westen, in Porz spielt man am Besten, und weil das schon seit Napoleons Zeiten so ist, sind die Porzer in diesem Jahr wieder Meister der Weststaffel geworden und heimlicher Deutscher Meister vielleicht auch. Wenn sie doch nur mal aufsteigen würden! Die armen Weltklassespieler, die bei Porz von Wilfried Hilgert in der Zweiten Liga versteckt werden – Jan Timman, Loek van Wely, llya Nyzhnyk, um nur einige zu nennen, wäre es nicht mal schön, könnten wir sie (außer beim Blitz und im Pokal) auch mal in der Bundesliga wiedersehen? Aber wer weiß, vielleicht wird es ja noch was mit dem Aufstieg. Porz also Erster, war schon irgendwie klar, doch am Ende der Tabelle lauern wieder die berüchtigten drei Abstiegsplätze, von keinem so richtig geliebt, doch alles Lamentieren nützt ja nichts.

Koblenz, Düsseldorf und tief im Westen das Traditionsteam aus Bochum hat es am Ende getroffen – und dabei haben die Bochumer am letzten Spieltag doch noch die starken Aachener umgebogen! Allerdings punktete auch die Konkurrenz aus Wiesbaden gegen Düsseldorf, und so muss der Revierverein als Drittletzter erst einmal mit runter in den Keller – außer vielleicht, Jürgen Kohlstädt drückt noch ein Auge zu und findet in seinen Regularien eine Sonderregelung für eine Bochumer Rettung. Bis dahin aber gilt: Jungens, kommt bald wieder!

Zweite Liga Nord

Im Norden gab es eine leicht irre Spielzeit, die der Hamburger Liga-Direktion Freude und Kurzweil bereitet haben dürfte. Nachdem Göttingen und der Schachklub Eppendorf sich recht früh schon auf den Abstiegsplätzen eingenistet hatten, eröffneten beinahe alle übrigen acht Teams ein Dauerrennen um das dritte Ticket in die Oberliga. Vor der letzten Runde hatten dann nur noch Lübeck und Werder II ernsthafte Abstiegschancen. Die unverwüstlichen Lübecker regelten das dann ganz cool und holten einen fürstlichen Big Point gegen den Ex-Bundesligisten Norderstedt, während die armen Seelen von Werder Bremen gegen die Schachfreunde Berlin II ohne Erfolg und damit bei 8 : 10 Punkten blieben. Hätte Werder ebenfalls ein Remis erreicht, wäre am Ende eine Mannschaft mit 9 : 9 Punkten abgestiegen (!). Was hätte dann wohl Jürgen Kohlstädt gesagt? Würdiger Nordmeister wurden mit 14 : 4 Punkten die Ostseeanrainer aus Rostock – Glückwunsch dazu!

magnus mineralwasser

 Der Schach-Zaubertrank des SK Norderstedt - bei Heimspielen trinkt man Magnus Mineralwasser.
                                                                                                Im Hintergrund Schiedsrichter Hugo Schulz.

Unsere kurze Analyse zeigt: von den 40 Teilnehmern der zweithöchsten deutschen Spielklassen hat das Abstiegsgespenst 12 wackere Teams erwischt. So eine Quote bekommt noch nicht einmal Quentin Tarantino hin – in seinen Filmen überleben vermutlich mehr Schauspieler als im deutschen Ligabetrieb, und das will schon etwas heißen. Ähnlich traurig ist es in den zehn landesweiten Oberligen – bei jährlich bis zu drei Absteigern sind es hier insgesamt rund 30 Vereine, die sich nunmehr einem betrüblichen Saisonende gegenübersehen.
Bitter ist das für Pinneberg zum Beispiel, für Lübeck II, den Hamburger SK III und ebenso für Tarrasch München, Caissa Schwarzenbach II (die damit ebenso absteigen wie ihre erste Mannschaft), und auch für den Traditionsclub der SG Rochade Kuppenheim.
Nicht umsonst sang Roger Whittaker in den Achtziger Jahren „Abstieg ist ein schwarzes Pferd“ und hatte damit großen Erfolg in den Schlagercharts. Auch wenn ich den Titel nie ganz verstanden habe - es ist ein eher melancholisches Lied, das wie gemacht zu sein scheint für die stets dramatisch abstiegsbedrohte deutsche Schachszene.

Doch scheinbar ist das so gewollt, und wir fordern den Schachbund daher auf – tut etwas gegen diesen Abstiegswahnsinn! Stoppt Jürgen Kohlstädt, den eisernen Turnierdirektor – denn seien wir ehrlich: wenn jährlich drei Mannschaften ihre Liga nach unten verlassen müssen, sind die oberen Staffeln in spätestens drei Jahren wie leergefegt (bis auf Baden-Baden natürlich). In den darunterliegenden Ligen dagegen wird es auf diese Weise kontinuierlich voller und voller –wo sollen dann all diese Mannschaften hin, und wer möchte in einer Oberliga mitspielen, die aus zwanzig Mannschaften besteht?

Nun wissen wir bei Schachwelt.de natürlich, dass Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Kohlstädt in Wirklichkeit eine gute Seele und ein edles Gemüt hat. Wir alle schätzen ihn als versierten Schiedsrichter, der kompetent und mit der einem Hanseaten eigenen Robustheit sein Ehrenamt ausübt. Als Zeichen seines guten Willens wäre es aber begrüßenswert, würde er mit nobler Geste die bislang gültigen und wie wir sahen überaus strengen Abstiegsregelungen des Schachbundes schon in diesem Jahr per Dekret beenden. Die Dreißig-Prozent-Quote könnte zum Beispiel mit sofortiger Wirkung auf, sagen wir, zwanzig Prozent reduziert werden. Das sollte in einem demokratischen Rechtsstaat doch möglich sein, und sicherlich auch rückwirkend für die gerade erst beendete Saison, sozusagen als Amnestie.
Vielleicht könnte man es in dieser Saison bei allen Drittletzten einfach bei einer strengen Ermahnung belassen, bei gleichzeitigem kulanten Verbleib in der Liga. Ich wäre jedenfalls dafür, und ich kenne noch ein paar andere, für die das auch in Ordnung wäre. Würden wir dann prüfen, welche Mannschaften durch solch´ edle Fügung des Turnierdirektors den Klassenerhalt erreichen, würden wir freudig feststellen:

- Böblingen wäre dann weiter dabei! (Zweite Liga Süd)

- Der SC Garching ebenfalls! (das ist doch was, in der Ost-Staffel!)

- Die wackere SG Bochum 31 bliebe in der Weststaffel – wer auch könnte etwas dagegen haben?

- Der SV Werder Bremen II würde auch im nächsten Jahr im Norden mitmischen und nicht absteigen. Es war ja auch so knapp, mit dem Abstieg bei Werder. Sie hatten ja immerhin 8 : 10 Punkte und ein total tolles Brettpunktverhältnis, viel besser als bei Lübeck.

Doch halt … SV Werder? Hoppla, das ist ja meine eigene Mannschaft! Und ich bin ja am Wochenende mit abgestiegen in die Oberliga Nord-West! Aber nicht, dass nun die Leser auf falsche Gedanken kommen - nicht aus egoistischen Motiven appelliere ich hier für weniger Absteiger, keineswegs. Ich habe diesen Artikel wirklich aus ganz objektiven Beweggründen geschrieben, und – Ehrenwort - erst jetzt am Ende der Analyse eher zufällig festgestellt, dass auch mein eigenes Werder-Team von den angedachten Veränderungen profitieren würde.
Und ganz neutral betrachtet, zwei Absteiger pro Jahr, das muss doch eigentlich reichen. Im nächsten Jahr können wir dann wieder über drei sprechen.
Vielleicht sollte man das auch von Jahr zu Jahr wechseln, die genaue Anzahl, und es zunächst als Modellversuch in dieser Saison bei zwei belassen?
Herr Kohlstädt? Tun Sie doch bitte was … wir wollen nicht absteigen, mit Werder Bremen. Sie haben doch die Macht. Herr Kohlstädt, bitte!

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Sie haben diesen Artikel gerne bis zum Ende gelesen? Bitte würdigen Sie die Arbeit an dem Text und spenden Sie einen dezenten Betrag an die Big Life- Stiftung zur Rettung der afrikanischen Savannentiere. Elefanten, Nashörner, Löwen - alle sind massiv bedroht durch technologisch hochgerüstete Wilderer, die die Bestände unnachgiebig und dramatisch reduzieren, um mit Elfenbein oder anderen Trophäen Geld zu machen. Tierschützer rund um den bekannten Afrika-Fotografen Nick Brandt engagieren sich für den Schutz der Tierwelt - eine Spende wäre hier hochwillkommen. Danke! (O.St.)

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.

Kommentare   

#1 Krennwurzn 2014-04-09 16:27
Doch alles so schlimm - wie schon vor vielen Jahren ein Schachfreund bemerkte: VEREINE steigen ab, die SPIELER sehen wir wieder in der Liga :-*
#2 Thomas Richter 2014-04-09 20:59
Einige Vereine kommen ja auch wieder zurück, sofern die (erste) Mannschaft nach dem Abstieg nicht komplett auseinanderfällt.

Ein anderes Problem: Was tun mit Baden-Baden? Die haben in den Niederungen der Bundesliga eigentlich nix zu suchen. Eine Lösung nach aktuellen Vorbildern wäre: Rathaus besetzen, russische Fahne hissen und hoffen, dass Putin sie aufnimmt. In der derzeit laufenden russischen Liga würde es für Baden-Baden nicht langweilig - allerdings müsste dann z.B. Svidler im Match Baden-Baden - Санкт-Петербург gegen sich selbst spielen.
#3 Darth Frank 2014-04-10 15:05
@Thomas Richter Baden-Baden

Abgelehnt!! Meine Frau arbeitet in Baden-Baden, wir können keine Rubel gebrauchen. Ansonsten wäre es eine Überlegung wert.
#4 wmlasker 2014-04-10 15:49
Es ist in der Bundesliga inzwischen viel spannender sich mit Absteigern als mit Seriensiegern zu beschäftigen. Wie beim Fußball.
In der Formel 1 diskutiert man über Budgetobergrenzen. Sollte man im Schach auch mal tun. Angeblich hat Baden Baden einen Etat von 300.000, Solingen 34.000. Wie soll da Spannung aufkommen?
#5 Frank Hoppe 2014-04-11 04:32
"Abstieg ist ein schwarzes Pferd"? Habe ich den Text von Roger's Gassenhauer wohl bisher immer falsch verstanden...
#6 Stony 2014-04-12 05:08
Hallo Olaf,
Du tust Jürgen Kohlstädt mit Deinem Bericht etwas unrecht, denn die Anzahl der Auf-/Absteiger werden nicht von ihm festgelegt, sondern ergeben sich aus der Ligastruktur, über die er vielleicht indirekt aber nicht direkt entscheidet. Hierfür sind einerseits der Schachbundesliga e.V. (für die 1. Bundesliga) sowie der DSB (für die 2. Liga) und die Landesverbände (ab 3. Liga) zuständig. Die Schachbundesliga verwaltet sich zwar selbst, aber Änderungen, die die zweiten Ligen betreffen müssen in einer gemeinsamen Kommission diskutiert werden.
Die Bundesliga hat traditionell 4 Absteiger, weil es darunter 4 zweite Ligen gibt. Würde man hier beispielsweise die Anzahl der Absteiger auf 2 reduzieren -wird sicherlich von den BL-Vereinen problemlos mitgemacht- gäbe es für 4 Ligen nur 2 Aufstiegsplätze und es müssten Stichkämpfe zwischen den 2.Ligameistern stattfinden. Gäbe sicherlich auch viel Kritik wenn ein Tabellenerster nach verlorenem Stichkampf wieder zweite Liga spielen müsste.
Unter den jeweiligen zweiten Ligen gibt es jeweils 3 Oberligen, deshalb 3 Absteiger.
Um dem von Dir geschilderten Problem gerecht zu werden, müsste man sich über eine grundsätzliche Änderung der Ligastruktur Gedanken machen und diese dann, wie das im Leben nun mal so ist, gegen Pfründedenken, Profilneurosen und Verteidigung individueller Einzelinteressen durchsetzen.
#7 Thomas Richter 2014-04-12 12:27
Olafs Beitrag war natürlich ironisch - auch er weiss, dass es pro Absteiger jeweils einen Aufsteiger gibt. Daher war "obere Staffeln leergefegt ... darunter wird es immer voller" offensichtlich Blödsinn - regelmässige Leser dieses Blogs wissen, dass Olaf manchmal netten Blödsinn verzapft!

Falls das von Olaf geschilderte Problem ein Problem ist, ginge die erforderliche "grundsätzliche Änderung der Ligastruktur" nur so: alle Ligen deutschlandweit, und vielleicht 50 statt ca.10 Spielklassen. Die siebte Baden-Badener Mannschaft würde dann vielleicht gegen Werder Bremen fünf spielen. Mein Heimatverein Gross-Zimmern (bei Darmstadt) hätte Auswärtsspiele in München, Berlin und der schleswig-holsteinischen Provinz usw. . Ein ambitionierter Verein auf Landesliga-Niveau müsste nicht dreimal, sondern zehnmal aufsteigen um in der Bundesliga anzukommen. Es hat nix mit "Pfründedenken, Profilneurosen und Verteidigung individueller Einzelinteressen" zu tun, dass sicher niemand so eine Reform will.

Alternativ könnte man, wie von Stony angedeutet, die Anzahl der Aufsteiger aus unteren Spielklassen (drastisch) reduzieren, d.h. Stichkämpfe zwischen Staffelsiegern. Da die Zweite Bundesliga West traditionell stärker besetzt ist als die anderen Zweiten Ligen, würde die Bundesliga wohl allmählich noch westlastiger - schon jetzt kommen fünf von sechzehn Vereinen aus NRW.
#8 Losso 2015-04-13 08:35
War ja nur eine Stippvisite in der OL. Glückwunsch zum Wiederaufstieg.
#9 Sven Joachim 2015-04-14 23:14
Der Glückwunsch ist durchaus verfrüht, um nicht zu sagen unangebracht. Siehe die Ergebnisse der 7.Runde sowie die Norddeutsche Turnierordnung, Ziffer 2.10.5.
#10 Losso 2015-04-14 23:56
Was wäre denn eine "geeignete Maßnahme"?
#11 Sven Joachim 2015-04-15 19:11
Darüber lässt sich trefflich streiten. Juristen lieben so etwas, die meisten Leute würden sich aber wohl eher eine eindeutigere Regelung wünschen. Der Turnierleiter hielt es jedenfalls für angebracht, die von Hannover 96 und Werder Bremen gegen Lüneburg erzielten Brettpunkte zu streichen, wodurch Hannover zum Aufsteiger wird. :sad:
#12 Olaf Steffens 2015-04-15 19:12
Hi Losso,
danke für Deine Glückwünsche - sehr nett von Dir! Leider hat aber SF Joachim recht und der Aufstieg ist fern - als geeignete Maßnahme wurde von der Turnierleitung beschlossen, dass aufgrund des kampflosen 8 : 0 von Werder II gegen SF Lüneburg die acht Brettpunkte nicht als solche zählen, und darum wurde als Aufsteiger in die zweite Liga nun Hannover 96 benannt. Es gibt aber noch Möglichkeiten, dagegen einzusprechen - doch das ist erstmal der aktuelle Stand. Alles etwas diffizil, und nicht so ganz rund gelaufen.
#13 MiBu 2015-04-16 22:35
Die "Allgemeine Spielordnung des SB NRW" regelt diesen Fall ohne unbestimmte Rechtsbegriffe wie "geeignete Maßnahmen": "2.7.2 Wenn bei Gleichstand in den Mannschaftspunkten einer der betroffenen Mannschaften ein kampfloser Sieg (acht Brettpunkte durch Nichtantritt oder Spielleiter-Entscheid) enthalten ist, werden sowohl diese Brettpunkte als auch die von den punktgleichen Mannschaften gegen den betreffenden Gegner erzielten Brettpunkte gestrichen." Kann man gut oder schlecht finden, gibt aber zumindest keinen Spielraum für Interpretationen oder Anlass zu Protesten, wenn der Fall dann eintritt. Wurde die Spielleitung durch dieses Vorbild inspiriert?

Im übrigen ist mit 16:2 nicht aufzusteigen fast ein Dinge der Unmöglichkeit; offenbar ist das Gefälle in dieser Staffel erheblich gewesen.

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